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Tiefe Wunden  -  Fan-Geschichte

von Bobby92
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Gen
Dr. Kai Hoffmann Dr. Maria Weber OC (Own Character)
29.06.2020
29.06.2020
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Es war eigentlich ein fast normaler Tag wie jeder andere. Doch etwas war anders als sonst, denn vor zwei Wochen trat meine Ex-Frau Dr. Ina Schulte ihren Dienst in der Sachsenklinik an.

Seit dem lag eine Spannung in der Luft, wie sie bislang nur zwischen mir und meinem Kollegen Dr. Martin Stein existiert.

An diesem frühen Dienstagmorgen saß ich mit ihr und meinen Kollegen bei der allmorgendlichen Morgenkonferenz im Ärztezimmer. Wir besprachen grade den Fall der jungen Mia Walther, welche vor 4 Tagen nach einem Zusammenbruch auf dem Flughafen zusammengebrochen war.
„Der Darm wurde durch die große Balast sehr in Mitleidenschaft gezogen. Deswegen kam es zu einer Ruptur im Bereich der Balast. Nicht weniger als 60 Heroin-Päckchen haben ich und Dr. Phan aus ihrem Darm entfernt.“, erklärte Dr. Martin Stein. „Leider oder eher zum Glück war ein Päckchen undicht, weswegen es zu einer Herionüberdosis kam.“, ergänzte Dr. Lilly Phan. „Ihr Gesundheitszustand hat sich inzwischen gebessert. Wenn nichts dazwischen kommt können wir sie morgen auf die normale Station verlegen.“, sagte Dr. Martin Stein. „Gut, danke. Irgendwelche Fragen dazu?“, fragte ich in die Runde. „Nein.“, sagten meine Kollegen als grade das Telefon am Nachbartisch klingelte.

Ich stand auf um das Gespräch anzunehmen. Zwei Minuten später erklärte ich meinen bis dahin ahnungslosen Kollegen: „Schwerer Autounfall. Mehrere Fahrzeuge sind darin verwickelt. Wir bekommen zwei Patienten. Einer davon schwerverletzt.“ Nach dem ich die Kollegen aufgeklärt hatte marschierte ich aus dem Ärztezimmer in Richtung Notaufnahme. Neben Ina folgten mir Maria, Dr. Kathrin Globisch und Dr. Martin Stein dorthin. Grade als wir ankamen hielt der Erste von zwei Rettungswagen vor der offenen Flügeltür durch die schon sehr viele Patienten reinkamen. Die beiden Notärzte schoben eine Trage aus dem Rettungswagen. „Wen bringen Sie uns?“, fragte ich die beiden Notärzte. Noch bevor ich eine Antwort erhielt erstarrte ich. Auf der Trage lag ein schwer verletztes Kind. Genauer gesagt ein Junge. Er mochte ungefähr 6 bis 8 Jahre alt sein. „Anton Herzog, 7 Jahre alt, Polytrauma nach Autounfall.“, gab der Notarzt Dr. Daniel Lorenz mir bekannt. Darauf das einer der beiden Patienten schwerverletzt ist war ich vorbereitet, nicht aber das der schwerverletzte Patient ein kleiner Junge ist.

Vor meinem geistigen Auge tauchten die Szenen von Adrians Unfall auf. Ina wollte ihn zu einem Freund von ihm bringen, bei dem er übernachten wollte. Unglücklicherweise wurde daraus nichts, weil Ina in einer Kurve die Kontrolle über das Auto verlor. Wie mein Patient kam auch er schwerverletzt in eine Klinik.

Um mir gegenüber den Kollegen nichts anmerken zulassen spielte ich den starken Mann, wenn ich meine Fassade wahren wollte. „Sofort in den Schockraum. CT von Schädel, Thorax und Abdomen.“, erläuterte ich die Vorgehensweise. Großen Schrittes brachten wir vier inklusive Ina den Jungen in den Schockraum. Ich griff zum Ultraschallkopf, verteilte etwas Gel auf seinen Brustkorb sowie seinen Bauch. „Milzruptur, kein Kapselriss.“, erkannte ich als erfahrener Arzt. Ich fuhr mit dem Ultraschallkopf weiter nach rechts. „Die Leber hat es auch erwischt.“, wie ich auf dem Bildschirm sah. „Komm Ina. Wir bringen ihn zum CT.“, sagte ich zu Ina. Diese schien wie paralysiert. Erst nach dem ich ihren Namen wiederholte reagierte sie.

Schnell schoben wir die Liege zum CT und betten ihn dort um auf die CT-Liege. Etwa 10 Minuten später schauten Ina und ich uns die CT-Bilder an. Die fertigen CT-Bilder machten auf mich einen vertrauten Eindruck. Es bestand kein Zweifel. Neben der Ruptur von Milz und Leber fanden wir mehrere Rippenfrakturen, einen Schlüsselbeinbruch und eine Zwerchfellruptur.

Wieder sah ich Adrian vor mir. Obwohl ich damals unter Schock stand übernahm ich die Untersuchung von meinem kleinen Jungen. Wie Anton hatte auch er diverse Verletzungen mit unterschiedlichem Schweregrad. Er hatte ein ähnliches Verletzungsbild wie mein Patient. Deswegen betete und hoffte ich, dass sich die Geschichte nicht wiederholen möge. Aber half beten und hoffen überhaupt bei derart schweren Verletzungen? An das Schlimmste durfte ich jetzt nicht denken. Im Versuch die Erinnerungen an den Unfall von Adrian zu verdrängen brachten Ina und ich den schwerverletzten Anton in den OP.

„Womit fangen wir an?“, fragte mich Ina, deren Fachgebiet die Gynäkologie ist. „Mit der Leber.“, antwortete ich ihr. In meiner Zeit als Bundeswehrarzt im Bundeswehrkrankenhaus Leipzig sah und operierte ich viele schwerverletzte Patienten. Einige blieben mir bedauerlicherweise auf dem Tisch.

Bis auf meinen Sohn war mir noch kein Kind auf dem Tisch geblieben. Mein Sohn? Ja, er hatte wirklich verblüffend ähnliche Verletzungen wie der Junge der nun auf dem Tisch vor mir lag.

Ich nahm ein Skalpell und setzte dies am rechten Oberbauch an. Vorsichtig und zielsicher schnitt ich den Oberbauch in Höhe der Leber fast 7 cm weit auf. Ich schnitt die Bauchmuskeln durch und sah, dass der linke Leberlappen fast vom rechten Leberlappen abgerissen ist. Es blutete sehr stark. Ohne zu Ina aufzuschauen bat ich sie mir einen Sauger zu reichen. Sie gab ihn mir und ich versuchte anschließend das Blut abzusaugen. Ein paar Minuten später sah ich wo das Blut herkam. Das Blut kam aus der Pfortader. Da die Ruptur zu groß und tief war um sie zu vernähen trennte ich mit dem Skalpell den linken Leberlappen vom rechten Leberlappen ab.

Adrian hatte ebenfalls eine schwere Leberverletzung.

Den entfernten Leberlappen legte ich dann in die bereit gestellte Nierenschale. Danach nähte ich die Pfortader und die Bauchdecke zu.

Anschließend kümmerten Ina und ich uns um die Zwerchfellruptur. Direkt über der Leber setzte ich das Skalpell an und machte einen 10 cm langen Schnitt in die Bauchdecke. Genau über der Milz und der früheren Lage des linken Leberlappens entdeckten wir die Ruptur im Zwerchfell. Zunächst zog Ina vorsichtig den etwas nach oben gerutschten Magen wieder in seine ursprüngliche Position. Nachdem der Magen wieder an Ort und Stelle war nähte ich den Riss im Zwerchfell sowie danach die Öffnung in der Bauchdecke zusammen.

Als nächstes wendeten wir uns dem Schlüsselbein zu. Ich nahm mir ein neues Skalpell und schnitt direkt unter dem Schlüsselbein entlang eine 5 cm lange Öffnung. Weil das Schlüsselbein in 3 Teile gebrochen war legte ich das Skalpell beiseite. Von einem Tablett nahm ich mir eine 4 cm lange Platte und legte diese, nach dem ich die Bruchstücke wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht hatte, auf das Schlüsselbein. Mit kleinen Schrauben fixierte ich die Platte und verschloss danach die Öffnung in der Haut am Schlüsselbein.

Zum Schluss warf ich nochmal einen prüfenden Blick auf die CT-Bilder. „Ok, wir bringen ihn auf die ITS.“, wies ich Ina und die Kollegen an.

Knapp 20 Minuten später lag mein kleiner Patient in einem Zimmer auf der ITS.
Sein Zustand war nun stabil, aber ich wusste aus Erfahrung dass er noch nicht über den Berg ist.

„Wie geht es dem anderen Patienten?“, erkundigte ich mich bei Maria.
„Es handelt sich um Nelly Herzog, die Mutter von Anton.
Sie hatte eine Lendenwirbelfraktur, welche ich mit Dr. Stein und Dr. Globisch operiert habe.“, antwortete Maria.

Die Nachtschicht übernahm ich und Maria wollte in meiner Nähe bleiben, aber ich wollte eigentlich lieber alleine sein.
Maria sagte mir, dass ich sie im Ruheraum finde, wenn es Probleme gibt.

Kurz nachdem Ina und Maria gingen schoben 2 OP-Schwestern einen Rolltisch an mir vorbei.
Neben einem Paar kleiner Schuhe lag dort der Teddy von meinem kleinen Patienten.

Beim Anblick des Teddys sah ich Adrian wieder vor mir. Er hatte auch einen Teddy.
Adrian hatte ihn wie immer, wenn wir über Nacht wegfuhren, dabei. So war es auch an dem Tag des Unfalls.

Nach dem der Rolltisch aus meinem Blickfeld geschoben wurde ging ich in den Vorraum vom Zimmer in welchem Anton lag.
Ich beobachtete den kleinen Anton durch die große Glasscheibe vom Vorraum aus.

Tief in Gedanken versunken schlief ich etwas später auf einem Stuhl an Antons Bett ein.
Mehrere Stunden später schreckte ich aus dem Schlaf als der Überwachungsmonitor Alarm schlug.

Schnell schlug ich die Bettdecke zurück um den Bauch von Anton abzutasten.
„Abwehrspannung.“, stellte ich fest. „Ultraschall.“, rief ich Maria zu, welche grade das Zimmer betrat.
Sie schob das Ultraschallgerät zu mir. Ich nahm den Ultraschallkopf und fuhr damit, nach dem ich etwas Gel auf den Ultraschallkopf gemacht hatte, über den Bauch von Anton.
Kaum erkannte ich den Grund für die Abwehrspannung erstarrte ich für einen Moment, denn bei Adrian war das auch passiert.

Sekunden später sagte ich in befehlendem Tonfall: „Freie Flüssigkeit. Zurück in den OP!“

Zusammen mit Maria und der nun ebenfalls ins Zimmer gekommenen Ina brachte ich Anton in den OP.
Aufgrund der kurzen Ultraschalluntersuchung kannte ich die Ursache für die Abwehrspannung.

Ich öffnete die Narbe an der Stelle, wo ich den Bauch für die Behandlung der Zwerchfellruptur geöffnet hatte.
Knapp unterhalb der Öffnung sah ich schon Blut. Die Milzkapsel war gerissen.

Genau das war auch bei Adrian passiert.

„Sauger bitte.“, bat ich Ina. Sie reichte mir einen Sauger und ich begann damit das Blut abzusaugen.
„Wir entfernen die Milz.“, entschied ich kurz darauf. Ina gab mir ein neues Skalpell mit dem ich dann die Milz entfernte.

Nach der erfolgreichen OP kam Anton zurück in sein Zimmer auf der ITS.

Erschöpft saß ich wenig später auf der Bettkante vom Bett im Ruheraum. Während ich wehmütig in die Ferne guckte kam Ina rein und setzte sich neben mich. „Warum habe ich das bei Adrian nicht rechtzeitig erkannt?“, fragte ich mich. „Kai, du bist daran nicht Schuld. Eine zweizeitige Milzruptur ist besonders tückisch. Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände.“, erklärte Ina mir. „Ja, eine Verkettung unglücklicher Umstände.“, wiederholte ich weinend.
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