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61 Tage - All for the Game (Nora Sakavic)

von Coco
GeschichteDrama, Angst / P16 / MaleSlash
29.06.2020
06.07.2020
3
15.620
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29.06.2020 5.068
 
Hallo zusammen!

Hier nun Andrews und Jeans Geschichte, wie sie zu ihrem Deal gekommen sind. Ich habe lange überlegt, ob ich sie abwechselnd aus Jeans und aus Andrews Sicht schreiben sollte, habe mich aber letzten Endes dagegen entschieden und nur Andrews POV gewählt, um die Geschichte nicht ganz so düster werden zu lassen. Andrews POV macht die Geschichte aber auch nicht zu einem Machwerk an Fröhlichkeit - bitte beachtet daher die Triggerwarnungen. Zudem ist es eher ein Beleuchtung von Schlaglichtern, Szenen, die zwar einen klaren Zusammenhang haben, aber nicht bis ins kleinste Detail alles beleuchten.

Ich folge im Übrigen wieder Noras Extranotizen, mit einer kleinen Ausnahme. Sie hat dort geschrieben, dass Proust Andrew im Prinzip alles angetan hat in seiner Zeit in Easthaven. Physischer Missbrauch lässt auch den Spielraum offen, dass er ihn eventuell ebenfalls vergewaltigt hat. Dem folge ich nicht, da ich glaube, dass das Übrige, was er ihm angetan hat, schon schlimm genug gewesen ist.

Es sind drei Teile (33 Wordseiten) insgesamt, alle schon fertig. Ich poste wieder regelmäßig einmal die Woche. Diese Geschichte hier die kommenden Montage, Force of Nature wie gewohnt am Dienstag.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Andrew rauchte auf der dringend renovierungsbedürftigen Terrasse von Abbys Haus, als sie ihre neueste Errungenschaft auf den Hof karrten. Langsam erhob er sich und unter seinen Schuhen knarzte das Holz, das an manchen Stellen morsch war. In gewohnter Trittsicherheit umging er die Stellen, die unter ihm zusammenbrechen würden und lehnte sich an den Holzbalken des Eingangs. Entspannt verschränkte er die Arme und sah dabei zu, wie Neil und Renee ihr neues Wohltätigkeitsprojekt aus dem Wagen hievten.

Es sah komisch aus, wie sie mehrfach daran scheiterten, weil besagtes Projekt halb bewusstlos war, aber immer noch genug Sinne zusammenhatte, um sich anscheinend gegen die wohltätigen Samariter zu wehren. Das Gebrabbel, das die Ruinen, die mal Lippen gewesen sein wollten, verließ, war unverständlich und doch eindeutig. Da wollte jemand nicht, das war offensichtlich. Natürlich stieß das blutige Bündel Mensch da auf taube Ohren, aber wo bliebe da der Spaß, wenn es einfach wäre?

Andrew trat neben den türkis gestrichenen Schaukelstuhl, der immer noch das ekelhafte Vorbild einer Vorstadtidylle war. Er würgte beinahe bei dem Gedanken daran, dass diese Idylle eine Spiegelwelt hatte, eine Welt voller dunkler Geheimnisse, die eigentlich gar nicht so geheim sein konnten, wenn man nur genau hinsah. Eine Welt aus Familie und Bitte und der Perversion beider Begriffe.
Er schaffte Platz für Renee und den besorgten Junkie, der sein Gesicht anscheinend einmal zu viel an dem blutigen Klumpen Fleisch gerieben hatte, den er nun hinein und die Treppen hochzerrte. Blut und Neil, das waren zwei Dinge, die eine gegenseitige Anziehungskraft besaßen, dass Andrew nur mit den Augen rollen konnte.

Er war versucht, sich noch eine Zigarette anzustecken, beherrschte sich jedoch zugunsten seiner Neugierde, die ihn ins Haus und die Treppe hoch trieb. Vom Flur aus sah er in das Gästezimmer ihrer Krankenschwester, in das der um Hilfe bittende, sterbende Rabe gebracht wurde. Andrews Gedanken zogen Parallelen zu Neil und ersetzten Brandwunden durch Schnitte, professionelle Pflaster durch hastig angebrachte Verbände, die über kurz oder lang abgenommen werden mussten.

Ob Renee dem Raben einen Gefallen getan hatte, ihn sieben Stunden im Auto an der Ostküste entlang zu fahren, stand noch zur Debatte. Andrew glaubte es nicht.
„…gehen…“, murmelte der Verstümmelte. Ja, das würde er auf absehbare Zeit nicht mehr. Nicht mit den geschwollenen Beinen voller Hämatome und Schnitte. Nicht mit der klar erkennbaren Gehirnerschütterung, den ausgerissenen Haaren, dem zerschlagenen Gesicht und den unförmigen Händen. Was unter dem blutigen T-Shirt war, das der Rabe trug, konnte Andrew nur vermuten.

„Sieben Stunden Fahrt und du konntest ihm keine richtige Hose anziehen?“, fragte er angewidert und Renee enthielt sich einer Antwort, während sie den nassen Sack unnachgiebig auf die Matratze drückte und seinen Widerstand mit ihren Augen und Händen zum Erliegen brachte.
„…gehen…“, murmelte das Wesen von einem anderen Stern erneut, anscheinend in der Hoffnung, dass irgendjemand auf ihn hörte. Dass das Gegenteil eintrat, sollte er doch schon aus Evermore kennen. Aber nein.

„Nein, Jean. Du bleibst liegen. Du wirst nicht mehr dorthin zurückkehren“, sagte sie streng.
„Mam, ja, Mam“, murmelte Andrew laut genug, dass er auch gehört wurde und hob die Augenbraue ob der Wut, die in ihrem Gesicht lauerte.

„Es werden noch Wetten angenommen, wann er das erste Mal versucht, deinen liebevollen Klauen zu entkommen“, fuhr er fort und wurde mit einem zweifachen Schnauben bedacht. Josten sollte lieber zusehen, dass er die Decke unter dem Fleischklumpen weggezogen bekam.

„Lass mich durch, Andrew“, mischte sich Abby ein und er trat zur Seite, einen Schritt weiter in den teppichbewährten Flur hinein, der seine besten Zeiten schon lange hinter sich hatte.
„Du solltest renovieren.“
Abby hob die Augenbrauen. „Wenn du mitmachst, gerne. Und nun steh nicht dumm rum. Entweder hilf mir oder geh‘ nach unten.“

Andrew entschied sich für Letzteres. Er hatte kein Bedarf, Hand an noch einen Pflegefall zu legen.



~~**~~



Vier der zwanzig Treppenstufen, die Andrew wie der letzte Serienmörder hochschlich, knarzten. Der Treppenabsatz ächzte noch einmal zusätzlich und bildete zusammen mit der quietschenden Tür zum Zimmer des Raben einen schönen Abschluss seines kleinen Horrorkonzertes, das in dem erschrockenen Zimmerbewohner einen dankbaren Zuhörer gefunden hatte.

Als er das nach Krankheit und Tod riechende Zimmer betrat, war er bis auf den Fleischklumpen auf dem Bett alleine. Sein idiotisches Team hatte sich in der Bibliothek zum Lernen getroffen und Abby war arbeiten oder bei Wymack. Auf jeden Fall war sie nicht hier und so nutzte Andrew das freie Zeitfenster, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Auch wenn er keine Hand anlegen würde. Kein weiterer Schützling. Dennoch gab es Dinge zu klären. Auf den letzten Metern Kevin an einen eingeschleusten Evermorespion zu verlieren, wäre ein Versagen, was er nicht akzeptieren würde. Noch hatten sie Saison und noch schwebte der Schatten des viel zu sehr von sich überzeugten, sadistischen Japanerarschlochs über der ganzen Liga, als dass Andrew sich auch nur einen Moment Entspannung gönnte.

Andrew vermutete, dass die Augen grau waren, sicher war er sich da aber nicht. Dafür bekam der Mensch auf dem Bett sie nicht weit genug auf, der nun auch kein T-Shirt mehr trug, sondern lediglich unter einer hauchdünnen Decke lag, die anscheinend die Wunden nicht belastete.
Stumm folgten ihm die zugequollenen Augen, als er sich in den unbequemen Rattansessel am Kopf des Bettes fallen ließ. Ebenso wortlos musterte Andrew den Jungen und versuchte sich einen Reim auf die Verletzungen zu machen. Hatten sie ein Muster? Nein. Waren sie willkürlich? Anscheinend. Waren sie dazu gedacht gewesen, zu töten? Wahrscheinlich. Zumindest implizierte das der dezidierte Krankenbericht aus Abbys Schrank.

„…Doe…“ Wieviel unsinnige Kraft doch dieses eine, ins Leere laufende Wort kostete, das war schon beinahe erbärmlich. Doch Andrew wollte mal nicht so sein.
„Nummer drei“, zollte er der Anrede den ihr zustehenden Respekt und lächelte freudlos. Kreative Beleidigungen waren noch nie die Stärke des französischen Exysklaven gewesen.
„…will…gehen…“, raspelte und hustete dieser reichlich nutzlos. Andrews Aufmerksamkeit verfing sich in die Haaren, vielmehr den ausgerissenen, kahlen Stellen auf dem Kopf. Um einen Spion einzuschleusen, war eine solche Form von Gewalt schon recht gründlich. Aber es war Evermore. Der Psychopath eines Kapitäns hatte schließlich auch nicht davor zurückgeschreckt, Kevin die Hand zu brechen.
„Ich will auch so viel und im Gegensatz zu dir bekomme ich es auch.“

Der Rabe schwieg, anscheinend am Ende seiner Kraft. Er zitterte, insbesondere jetzt, als Andrew nach dem Laken griff und es mit einem Ruck wegzog. Mal sehen, wie gründlich Evermore ihre Lügen gesponnen hatten.
Anerkennend pfiff er. Gründlich war eine Untertreibung. Er konnte keinen Flecken unberührter Haut entdecken. Schnitte, Schwellungen, Hämatome, alte Narben, ganz alte Narben. Es war eine Landkarte jahrelangen, systematischen Missbrauchs, der als solcher Andrew wütend machte.

Die Frage war, wer war der Mensch unter den Narben?

„…nicht…Laken…“, murmelten die Lippen, die vielleicht mal schmal gewesen waren, so unzusammenhängend, dass Andrew erkannte, wie wenig Sinn es machen würde, seine Fragen jetzt zu stellen. Die Antworten würden viel zu lange brauchen und zu unpräzise sein. Mindestens zwei Tage musste er dem Haufen Elend noch Zeit geben.

Schnaubend erhob Andrew sich.

„Bitte…“

Voller Verachtung für das verhasste Wort knüllte Andrew das Laken und warf es in die am weitesten entfernte Ecke des Raumes.

„Wenn du dir das Laken wiederholen kannst, dann kannst du auch gehen.“



~~**~~



Der Rabe hatte tatsächlich versucht zu fliehen. Mit seinen gebrochenen Flügeln und den ausgerupften Federn.

Der Idiot.

Andrew zählte die Kerben auf dem Küchentisch aus Holz und kategorisierte ihre Form, während Abby und Renee in sorgenvollen Tönen davon sprachen, dass er beinahe die Treppe hinuntergefallen wäre, weil er zu schwach war, sich auf den Beinen zu halten. Zum Glück hatten sie ihn noch rechtzeitig gefunden.
Ja, zum Glück. Oder mit Bedacht und einem gut ausgeklügelten Plan.

Der alte Schrank, in dem Abby ihr Geschirr aufbewahrte, hing immer noch schief an der Wand. Sie sollte wirklich renovieren. Aber wenigstens hatte sie die vergilbten Vorhänge weggeworfen, diese hässlichen, spitzengeklöppelten Dinger ohne Geschmack. Die neuen waren erfrischend bunt.

Renee vermutete, dass der Fleischklumpen Angst hatte, dass sie ihn noch härter straften, wenn er hierbliebe und Neil stimmte ihr zu. Er erzählte von der Abhängigkeit, die der Trottel oben von Riko, aber auch ihm gehabt hatte. Immer ein Partner, immer zu zweit, nie alleine. Evermore, der Kult, das Nest, das dunkle Schloss. Das war beinahe schon stereotypisch kitschig böse, beantwortete Andrew aber keine seiner Fragen. Denn eben jenes stereotyp kitschige Böse war nur zu real und zu bereit, sich an Kevin zu vergreifen.

Und an Neil.

„Du bist dir sicher, dass er kein Spion ist?“, hatte er wider besseren Wissens gefragt und Renee hatte mit ernstem Verständnis in den Augen genickt.
„Ganz sicher.“
Andrew glaubte ihr nicht. „Warum?“
„Weil er leidet.“

Das war kein Grund, im Gegenteil. Es könnte eine Begründung für beides sein. Er würde sicherlich noch mehr leiden, wenn er mit leeren Händen nach Hause zurückkehrte. Also ohne Kevin und ohne Neil.

Andrew brummte nichtssagend, während er seine Augen über den rothaarigen, sturen Idioten schweifen ließ, der nach seiner Aussage nur nicht unterschrieben hatte, weil Moreau ihm immer wieder gesagt hatte, dass er stärker war als Riko und dass er den Vertrag nicht eingehen sollte. Nicht, dass Neil das so offen formuliert hatte, aber zum Glück gab es da ja noch Renee, die die andere Seite befragt hatte. Moreau war anscheinend schon in Evermore auskunftsfreudig ihr gegenüber gewesen, sobald sie ihren erbärmlich erfolgreichen Weltverbesserungscharme über ihm ausgeschüttet hatte.

„Es wird Wochen dauern, bis er ohne Hilfe wieder normal laufen kann, Monate, bis er spielen kann.“
Neil sah aus, als hätte er in eine saure Zitrone gebissen. Wäre er Kevin, würde er vermutlich das dadurch verpasste Ende der Saison bedauern. So aber wusste Andrew, dass der Junkie sich tatsächlich Sorgen um den Menschen dort oben machte.
„Solange soll er hierbleiben?“, fragte Andrew mit Blick auf Abby und Renee, die beide stumm nickten.

Wunderschön. Dann war es besser, wenn er eher früher als später tätig wurde.



~~**~~



Andrew vermutete, dass Abby ebenso wie Wymack auch es irgendwann aufgegeben hatten, ihn daran zu hindern, in ihre Häuser einzubrechen um sich entweder Alkohol- oder Medikamentenvorräte zu beschaffen. Zumindest interpretierte Andrew die beleidigend leicht verschlossene Tür so, die ihn nicht einmal eine Minute aufhielt. Es war mitten in der Nacht, also würde er auch keine unliebsame Störung haben, auch wenn das Auto ihres Coaches vor der Tür stand. Die ach so geheime Romanze zwischen den Beiden war ekelerregend heil für diese Welt und Andrew hätte dem Ganzen noch nicht einmal ein halbes Jahr gegeben.

Das war vor zwei Jahren.

Andrew zog sich von dem rauen Holz des Türknopfes einen Splitter in den Daumen und fluchte stumm. Nichtsdestotrotz ließ sich die Tür leise öffnen und er schlüpfte hinein. Niemand hielt ihn davon ab, die knarzende Treppe zu nehmen, die ins erste Zimmer des dunklen Hauses führte. Dessen Tür war angelehnt und unter dem Spalt drang das Licht einer Nachttischlampe hervor, das den Raben anscheinend vor der Dunkelheit beschützen sollte, in der er aufgewachsen war. Andrew hatte sich dieser fadenscheinigen Sicherheit ebenfalls hingegeben, als er noch klein war. Im Lichtschein kamen die Monster nicht, hatte er geglaubt. Dumm war das gewesen.

Moreau schlief nicht, sondern starrte aus dem Fenster. Die Schwellungen in seinem Gesicht waren in den vergangenen sechs Tagen soweit zurückgegangen, dass Andrew zumindest erahnen konnte, wie der Junge mal ausgesehen haben mochte. Er bekam sogar zwei graue Augen zu Gesicht, als Moreau ihm seine volle Aufmerksamkeit schenkte.

Andrew schloss die Tür des Zimmers leise hinter sich und wartete darauf, dass der Rabe ihn erkannte. Es dauerte, aber schließlich konnte er die exakte Sekunde dessen bestimmen, als sich der verletzte Körper auf dem geblümten Bett versteifte und die überreizten Muskeln sich in Erwartung eines Angriffs anspannten.
Ja, die Dunkelheit lauerte selbst in freundlichen, erleuchteten Zimmern.

„Was willst du?“, wisperte Moreau und Andrew war beeindruckt von der Kohärenz, die der Rabe zustande brachte.
„Antworten“, erwiderte er entsprechend schlicht und blieb direkt vor dem Bett stehen. Sein Gesprächspartner schwieg, doch die grauen Augen ließen ihn keine Sekunde aus ihrem Fokus. Moreau zitterte, während er sich in das Laken krallte, das seinen immer noch halbnackten Körper bedeckte, der weder Kleidung noch das Gewicht einer dickeren Decke vertrug. Wenn er Renee Glauben schenkte.

„Ich habe keinen Bedarf, mit dir zu sprechen.“ Auch wenn die Fähigkeit, sich zu artikulieren, zurückgekehrt war, so machten die gereizten Stimmbänder Moreau anscheinend einen Strich durch die Rechnung und entblößten von einem schweren, französischen Akzent getragenes Englisch.

Man konnte nicht sagen, dass er Moreau keine Möglichkeit gegeben hatte, ihm eine Auskunft zu erteilen.
Wortlos zog Andrew die Spritze mit den Drogen aus seiner Tasche. „Pech für dich.“ Es war die gleiche Droge, die er auch Neil untergemischt hatte, eine zuverlässige Helferin bei seinem Vorhaben, Kevin sicher zu wissen. Natürlich würde das nicht auf Gegenliebe stoßen, aber im Gegensatz zu Neil konnte Moreau sich nicht in das nächstbeste Auto werfen um zu trampen oder die Toilette der Krankenschwester mit seiner Kleidung verstopfen.

Beste Voraussetzungen also.

Er trat einen Schritt nach vorne und setzte sich zu Moreau auf das Bett, dessen Augen an der Spritze festgefroren zu sein schienen und dann zu ihm zurückkehrten. Der große, verwundete Körper zuckte, als wollte er sich wehren und wäre doch zu schwach dazu. Andrew nahm den Arm des Jungen auf.
„Nein“, krächzte Moreau und versuchte, ihm eben jenen zu entziehen. Der Widerstand war lächerlich.
„Halt still, dann ist es umso schneller vorbei“, erwiderte er verächtlich, doch Moreau dachte nicht daran. Er wehrte sich, stärker dieses Mal. Eindringlicher. Immer wieder versuchte er, seinen Arm aus Andrews Griff zu ziehen und als das nichts brachte, seinen zweiten Arm hinzu zu nehmen, die Atmung von Sekunde zu Sekunde panischer und hektischer.

„Nein. Tu das nicht, nein!“, krächzte Moreau lauter, ängstlicher und seine andere Hand krallte sich nutzlos in Andrews schwarzes Armband, schabte dabei über die Narben.
Andrew zischte, erwiderte aber nichts, sondern versuchte konzentriert, mit der Nadel die richtige Einstichstelle zu finden, während Moreau versuchte, sich aufzusetzen und von ihm wegzukommen.
„Nein, bitte nicht. Bitte…tu das nicht!“, schaffte es der Rabe schließlich auf Zimmerlautstärke und Andrews Blick ruckte nach oben.

Er hasste dieses Wort.

„Halt den Mund, Nummer drei“, zischte er, doch Moreau dachte nicht daran.

„Bitte nicht“, wiederholte er wie eine gebrochene Schallplatte Worte, welche Andrew Gänsehaut verursachten, und nutzte seine kurze Unaufmerksamkeit, um sich in unerwarteter Stärke von ihm loszureißen. Panisch versuchte er, aus dem Bett zu kommen und Andrew konnte ihn gerade noch davon abhalten, dass er dabei ungelenk zu Boden krachte.
Der dadurch entstehende Hautkontakt und die körperliche Nähe schmeckte ihnen beiden nicht, nur dass Andrew nicht anfing zu schreien, als würde er den anderen Jungen abstechen.

Unterdrückt fluchte er, als die Laute, die eher einem weidwunden Tier als einem Menschen glichen, eine Lautstärke erreichten, die die anderen Bewohner dieses Hauses mit Sicherheit aufweckten. Nur zu deutlich hörte Andrew es rumpeln und kurze Zeit später öffnete sich eine Tür in diesem hellhörigen Haus. Abby, vermutete er, wenn sie nicht Wymack vorschickte.

Wer auch immer es war, sein Plan wäre damit zunichte und das Geweine seines Teams konnte er jetzt schon hören.

„Du machst es dir nur schwerer“, knurrte Andrew, während die Tür zu Moreaus Zimmer aufgerissen wurde und Abby im Rahmen stand, im halb verrutschten Spitzennachthemd und mehr Haut, als Andrew es jemals zu sehen gewünscht hätte.
„Kannst du dir nicht was anziehen?“, blaffte er angewidert, während er Moreau losließ, dessen panische Laute immer noch unangenehm laut das Zimmer ausfüllten.
„Andrew? Jean? Was ist hier los?“, fragte sie und ihr Blick fing sich an der Spritze. Eine Sekunde lang fror sie ein und er erkannte gar nichts auf ihrem Gesicht. Dann verdunkelte sich ihre Mimik und er war der Empfänger einer allzu logischen Wut.

Wortlos eilte sie an die andere Seite des Bettes und streckte vorsichtig ihre Hand nach Moreau aus, der nun begriff, dass noch jemand bei ihm stand, den er aber ebenso für einen Feind hielt. Seine Schreie verstummten, dafür rollte er sich nun abrupt zusammen, in einem engen und kleinen Ball aus mühsam geschlossenen Wunden und zitternden Gliedmaßen, wieder und wieder darum bittend, dass es nicht passierte. Andrew stand kurz davor, ihn zu schlagen.
Abby, bleich und erschrocken, grollte schließlich wütend.
„David!“, rief sie und Moreau wimmerte gepeinigt.
Es dauerte nicht lang und da schob sich der Schopf seines Trainers durch die Tür und Andrew würgte angewidert, als er sah, dass dieser nicht mehr als eine Boxershorts trug. In hübschem, nichtssagendem, geripptem Grau alter, langweiliger Leute.

„Hat in diesem Haus irgendeiner was von anständiger Kleidung gehört?“, zischte Andrew in den perplexen Gesichtsausdruck seines Trainers hinein und ihre Krankenschwester grollte.
„David, ruf Renee und Neil an. Ich brauche Renee hier bei mir und Neil soll diesen Idioten hier aus dem Zimmer schaffen, bevor ich es tue.“
„Was?“
„Er hat eine Spritze dabei.“

Wie schnell doch das Gesicht des Coaches von fragend zu wütend wechseln konnte und wie wenig Andrew davon beeindruckt war.
Knapp deutete Wymack mit dem Kopf hinter sich und verschränkte die Arme. „Abmarsch, Minyard. In die Küche.“
„Aber Coach, hier geht es doch nur darum, ein kleines Sicherheitsproblem zu beheben“, lächelte Andrew, obwohl er sich schon bereits erhob. Moreau hatte seine Arme so gut es ging vor jedem von ihnen versteckt und betete immer noch seine Litanei aus Worten, die Andrew hasste, herunter, als könne er es dadurch auch nur einen Deut besser machen.
„Nach unten. Du setzt dich an den Küchentisch und wartest, bis Josten kommt. Und spar dir deine dummen Sprüche.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte Wymack sich um und Andrew nutzte die Gelegenheit, Abby dabei zu beobachten, wie sie versuchte, sich dem völlig neben sich stehenden Jungen auf dem Bett zu nähern, dessen Schreie wieder lauter wurden, als sie ihn am Oberarm berührte.

Was für ein erbärmliches Schauspiel.

Andrew ging nach unten und schaltete das Licht in der Küche an. Er suchte nach Abbys Alkohol und fand ihn an seinem üblichen Platz, die in die Jahre gekommenen Wassergläser unweit im schiefen Küchenschrank.
Eines davon füllte er mit Whiskey und wartete auf die Standpauke seines Coaches, die mit Sicherheit kommen würde und die er auch jetzt schon mitsprechen konnte.

Doch zunächst kam Wymack nur – dankbarerweise bekleidet – schweigend die Treppe hinuntergepoltert. Er ging zum Vorratsschrank und holte eine Flasche Wasser und ein Glas.
„Wir reden gleich, Minyard“, brummte er und polterte wieder nach oben. Andrew hörte, dass beides für den Evermoreflüchtling war und er schnaubte. Die Leichtgläubigkeit seiner Mitmenschen sollte ihm mehr Kopfschmerzen verursachen, beschloss Andrew. Es war ein Wunder, dass sie bis jetzt am Leben waren.

Er vertrieb sich die Zeit bis Wymacks Rückkehr damit, dass er jede Sekunde von Moreaus Reaktionen durchging, auf der Suche nach etwas, das ihm Aufschluss darüber geben konnte, ob es gespielt gewesen war und wenn nicht, was genau an der Spritze den Raven so in Panik versetzt hatte. Wieder und wieder analysierte er die Situation und kam zu keinem schlüssigen Ergebnis.

Musste er auch nicht, denn schneller als gedacht fielen Renee, Neil und auch Kevin in das Haus ihrer Krankenschwester ein. Schnell übergeworfene Hoodies, hastig angezogene Trainingshosen und Sneaker, dazu ungekämmte Haare und müde Gesichter bestimmten das Bild.

„Ist er oben?“, fragte Renee ernst und Andrew nickte knapp. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ging sie an ihm vorbei und Kevin ließ sich schweigend am Küchentisch nieder, unsicher und unstet, als könne der verletzte Rabe oben im Bett ihn selbst hier hören und sehen.
„Das ist meine“, deutete Andrew auf Neils Hose und der rothaarige Junge sah an sich hinunter. Unbeeindruckt zuckte der kleptomanische Idiot mit den Schultern.
„Beweise?“
Andrew rollte mit den Augen.
„Was ist passiert?“, fragte Kevin mit der flüchtigen Aura eines Gehetzten.

Anstelle einer Antwort warf Andrew die Spritze auf den Tisch. Neil nahm sie hoch und hielt sie ins Licht, als könne er dadurch sehen, was sich darin befand. Kritisch drehte er sie in seinen Händen und zog exakt die richtigen Schlüsse. „Warum?“, fragte er schließlich ruhig.
„Weil er eine Gefahr sein könnte.“
„Deswegen setzt du ihn unter Drogen?“
„Ja.“
„Wie mich auch.“ Der Unterton, den er aus Neils Stimme herausfilterte, schmeckte Andrew ganz und gar nicht. Er hasste die Enttäuschung, die er hörte, ebenso sehr, wie er die Trauer und die Sorge um Moreau verachtete.
„Ich dachte, wir wären nach dem letzten Mal damit durch?“, fragte Kevin wütend und Andrew sah hoch.
„Wir sind damit solange nicht durch, wie Moriyama meint, dich zurückholen zu müssen und wir einen Deal haben, bei dem ich dich davor schütze.“

Kevin begriff, langsamer, als es Andrew lieb war, aber er verstand. Wäre er gläubig, hätte Andrew sicherlich einen Gott gefunden, dem er für diesen Umstand danken könnte. „Du glaubst, dass Jean von Riko geschickt wurde?“
„Kannst du mir das Gegenteil beweisen?“
„Das würde Jean nicht machen!“
„Reden wir gerade von dem konditionierten Hund, der uns die letzten Bankette wütend angekläfft hat, der Neil die Flugtickets überreicht und ihn festgehalten hat, damit Riko ihn aufschneiden kann?“
Zornige Verneinung starrte ihm aus grünen Augen entgegen. „Er ist kein Hund! Riko hat ihn gequält, seit er nach Evermore gekommen ist.“
„Quod erat demonstrandum.“
„Das würde Jean niemals machen!“
„Weil er dich so gerne hat, dich, der du ihn alleine gelassen hast?“ Kevin zuckte zusammen und Andrew lächelte dunkel.

„Er hat Rikos Versuch, mich zur Unterschrift zu zwingen, dadurch unterwandert, dass er mir jeden Tag gesagt hat, dass ich es nicht tun soll“, mischte Neil sich ein. Andrew rollte mit den Augen und nahm einen weiteren Schluck Whiskey, der mit jedem Mal schlechter schmeckte. Was für eine Pisse trank Abby eigentlich?

Stille trat zwischen sie und erlaubte es, dass die Geräusche von oben zu ihnen drangen. Andrew hörte, wie Renee beruhigende Laute von sich gab, als würde sie ein Kind besänftigen, während Moreaus panische, gepeinigte Worte dagegen wie ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit herausstachen.
„Er wird mich vergewaltigen“, schlängelte sich Wort für Wort zu ihnen und ließ Andrew in einem neuen Schluck innehalten. „Er wird mich vergewaltigen. Er wird es tun. Er wird mich…“

Abrupt und mit kaum befriedigender Gewalt dahinter stellte Andrew das Glas auf den Tisch und erhob sich. Neil tat es ihm gleich und stellte sich ihm in den Weg, wohl in der Annahme, dass er nach oben wollte, doch dem war nicht der Fall. Andrew wollte raus aus dem Haus, weg von diesem Satz, der sich wie eine giftige Schlange in seine Hirnwindungen drängte und ihn nicht mehr aus dem eiskalten Griff ließ.
Wortlos drehte er sich um und verließ die Küche durch die Terrassentür, warf sie laut hinter sich zu.

Was für ein verfickter Bullshit war das denn jetzt?

Andrew war bei seiner zweiten Zigarette auf der Bank des schwach beleuchteten, peinlich gepflegten Gartens, als sich die Tür öffnete und Kevin aus dem Licht des Hauses in die Dunkelheit des Gartens trat. Langsam kam er zu ihm und setzte sich neben ihm auf die Bank, starrte auf das Haus zurück. Neil selbst lauerte auf der Terrasse des Hauses, eine schmale Figur im Schein des nach außen dringenden Lichts.
„Während ich da war, hat Riko Jean fünfmal vergewaltigen lassen“, begann er und Andrew hielt inne. Die Gänsehaut auf seinen Oberarmen ließ ihn die Stirn runzeln. Es hätte ihn nicht wundern sollen, dass ein Psychopath wie Riko nicht bei rein körperlicher Folter aufgehört hatte.

„Einer der Spieler hat Jean vorher ein Beruhigungsmittel gespritzt, damit er sich nicht wehren konnte.“

Andrew führte die Zigarette ein weiteres Mal an seine Lippen, stellte fest, dass auch sie nicht mehr schmeckte, weil ihm bittere Galle im Rachen stand. Grollend drückte er sie aus, schnippte sie in das ach so hübsche Blumenbeet und fuhr sich mit den Händen unwirsch über das Gesicht.
„Ich habe ihn getriggert.“ Das war keine Frage, ganz sicher nicht.
„Ja und nein.“
„Er denkt, dass ich mich ihm aufzwingen würde.“
„Ja.“

Andrew starrte auf seine schwarzen Armbänder und dann auf das Haus. Lange fixierte er die hellerleuchteten Fenster, die ihr fahles Licht auf den Garten warfen und die Angst, die in den Zimmern Einzug gehalten hatte.
Es war Jahre her, dass er es gewagt hatte, sich mitzuteilen und zu sagen, was passiert war. Ebenso viele Jahre war es her, dass ihm nicht geglaubt worden war.

Moreaus Angst oben wurde nun auch nicht geglaubt. Sie wurde widerlegt, beschwichtigt und so gut Renees Intention auch sein mochte, sie war nicht die Richtige. Weder die Intention nach Renee selbst. Moreau würde ihr nicht glauben. Handlungen, die würde er verstehen.

Andrew erhob sich und ging schweigend zurück zum Haus.
„Andrew?“, fragte Neil und sah zu ihm. Andrew hasste die Sorge, die er auf dem Gesicht des Junkies sah.
„Ich werde ihm nichts tun“, merkte Andrew verächtlich schnaubend an und stieg die Treppe hoch. Am oberen Ende standen Abby und Wymack und starrten mit sorgenvollen Gesichtern in das Zimmer. Andrew kam zu ihnen und folgte ihrer Blickrichtung.

Spannend, wie klein sich ein so großer und dazu noch verwundeter Körper machen konnte, um sich an Renees Seite zu pressen, die vorsichtig ihre Arme um ihn geschlossen hatte. Moreau weinte und es waren hässliche, erstickende Schluchzer.
„Bitte Renee…lass mich gehen. Lass mich zurück. Bitte…ich möchte das nicht noch einmal durchmachen…bitte lass mich gehen…ich möchte nicht noch einmal vergewaltigt werden“, wisperte der Rabe verzweifelt und Renee schloss gepeinigt die Augen. Andrew hatte sie selten so erschüttert gesehen.

„Das war nicht Andrews Absicht, Jean. Er wollte das nicht, ganz sicher nicht.“
Moreau schüttelte den Kopf. „Das weißt du nicht. Bitte lass mich zurückkehren.“
„Nein Jean, ich lasse dich nie wieder dorthin zurückgehen. Du wirst nicht nach Evermore zurückkehren und ich verspreche dir, dass dir hier nichts passieren wird. Ich verspreche dir, dass Andrew das nicht im Sinn hatte. Ich verspreche es dir.“

Andrew hatte genug gehört. Vielleicht war sie doch die Richtige. Er zumindest war es gerade nicht, denn er wollte Moreau schütteln, bis dieser still sein würde.
Wortlos drehte er sich um und ging die Treppe hinunter, die knarzte und ächzte, als würde sie unter ihm zusammenbrechen. Sollte sie. Und sollten sie doch hören, dass er hier war, es war ihm egal.
Er musste nur raus hier, weg und Abstand gewinnen.



~~**~~



„Andrew?“

Er nahm einen tiefen Zug an seiner Zigarette und starrte auf den von gelblichen Straßenlaternen erhellten Abgrund unter sich. Eigentlich hatte er sich auf das Dach ihres Towers zurückgezogen um seine Ruhe zu haben. Eigentlich hatte er die Einsamkeit gewählt, um die Gedanken, vor allen Dingen aber die Phantomgefühle seiner eigenen Erinnerungen bewältigen zu können, die ihn mit voller Wucht überschwemmt hatten, kaum, dass er im Auto gesessen hatte. Das Kribbeln auf seiner Haut und der Schatten von Geisterberührungen machten ihn halb wahnsinnig. Das Echo vergangener Worte ließ ihn sich wünschen, dass er sich die Trommelfelle ausstechen können würde.

Er hätte wegfahren sollen. War er aber nicht, anstelle dessen hatte er den Fehler gemacht und war auf das Dach gekommen, wo er schon so oft mit Dingen gehadert hatte, die sein Leben zu einer Hölle machten.
Schuld zu sein war ein wiederkehrendes Thema. Laut Nickys Vater war er schuld gewesen, brüderliche Liebe zu missverstehen. Laut den Familien, die er durchlaufen hatte, war er schuld, weil sie nicht mit ihm umgehen konnten, dem blonden, zerstörerischen Engel. Er war schuld, dass sie ihn mehr begehrten, als er sie, warum sah er auch so entzückend aus?

Diese ganze Schuld hatte Andrew von sich weisen können. Er hatte sie aus sich herausgeschnitten, bis nichts mehr von dieser falschen Scham übrig war. Er war nicht schuld an dem, was sie ihm angetan hatten.

Sehr wohl aber an dem, was er Moreau angetan hatte, dem Jungen, der Renee angefleht hatte, in das Höllenloch zurückkehren zu dürfen, damit er ihn nicht vergewaltigte. Ausgerechnet er.
Andrews Hände zitterten seitdem und dachten gar nicht daran, damit aufzuhören.

Natürlich hatte er dabei auch vergessen, dass er den Junkie, der hinter ihm stand, selbst angefüttert hatte. Wunschtraum hatte er ihn genannt. Er war ihm körperlich nahe gewesen, so wie er auch Roland nahegewesen war. Also musste er sich nun wirklich nicht wundern, wenn dieser gottverdammte Exyjunkie hinter ihm stand und ruhig nach einer Antwort verlangte, die Andrew ihm nicht geben konnte. Nicht jetzt.

Er schnippte seine Zigarette nach unten in die Nacht und ballte seine Hände zu Fäusten. Hinter ihm kamen die Schritte näher und nie war er mehr versucht gewesen, Josten vom Dach des Hauses zu werfen als jetzt und hier.

Die Schritte endeten neben ihm und für Minuten blieb Neil still. Dass er dauerhaft schweigen würde, soviel Glück hatte Andrew dann aber doch nicht.
„Ja oder nein?“, fragte Neil schließlich und Andrew verzog das Gesicht zu einer angewiderten Grimasse.

Keine Berührungen oder Intimitäten. Nicht jetzt. „Nein“, zischte er und Neil nickte.
„Okay. Soll ich hierbleiben?“
Andrew musste keinen Moment überlegen. „Nein.“
„Okay.“
Ohne einen Widerspruch drehte sich Neil um und ging wieder zurück, während Steine und Holz unter seinen Schuhen knirschten. Eigentlich mochte Andrew das Geräusch. Jetzt aber kratzte es an seinen Nerven. Dass es abrupt endete, bedeutete nichts Gutes.

„Du bist nicht, was er dir unterstellt. Du wirst es auch nie sein. Jean kennt dich nicht und er hat panische Angst.“
So wie er sie früher auch gehabt hatte, vor den Monstern, die sicherlich nicht unter seinem Bett lauerten.
„Gib ihm die Möglichkeit, dich kennenzulernen. Lass dir Zeit, ihn kennenzulernen, ohne Drogen.“

Andrew schwieg und Neil ließ ihn endlich alleine mit sich, seinen Gedanken und dem Drang, seinen Kopf an etwas Hartem aufzuschlagen, bis all das, was ihn unruhig machte, verschwand.



~~~~~~~~~~~~~~~
Wird fortgesetzt.
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