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When the night is darkest 3 - Verschollen

von Tilajasar
GeschichteDrama / P16 / Gen
Caboose OC (Own Character) Rusty
29.06.2020
13.07.2020
10
13.318
 
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05.07.2020 1.091
 
Tim öffnete die Tür zu Rustys Zelle langsam, falls Rusty wieder bereit stand ihn anzugreifen. Aber das tat er nicht. Tim schaute ins Zimmer und erschrak. Ein Bild der Zerstörung bot sich ihm. Die Einzelteile des Tisches lagen verstreut herum, überall waren Scherben von den Gefäßen die darauf gestanden hatten. Und dazwischen glänzten die roten Pillen. Nur die Matte lag noch an ihrem Platz. Wo war Rusty? Die Tür war verschlossen gewesen, er konnte nicht entkommen sein. Tim schaute in die Ecke hinter der Tür. Da lag er, zusammengekrümmt, die Augen geschlossen, aber es sah nicht so aus, als würde er schlafen.

„Rusty?“
Er reagierte nicht. Aber zu seiner großen Erleichterung sah Tim, dass er noch atmete. Er ging in die Knie und schüttelte ihn ein wenig. Dabei bemerkte er, dass er ganz schön heiß war. Haare und Gesicht waren schweißnass.

„Rusty, wach auf!“ Tim schüttelte ihn kräftiger.
Rusty stöhnte, machte aber die Augen nicht auf.
Verdammt. Tim fluchte innerlich. Genau das hatte er befürchtet. Hoffentlich fehlte ihm nur Wasser. Er fuhr hinaus und holte den ganzen Wasserkanister. Er war sich nicht sicher, ob das was er vorhatte, eine gute Idee war, aber ihm fiel nichts Besseres ein. Er öffnete den Kanister und goss Wasser über die am Boden liegende überhitzte Dampflok.

Rusty zeigte erst gar keine Reaktion, dann schrie er überrascht auf. Tim stellte den Kanister sofort ab. Rusty lag schwer atmend und noch immer bewegungslos dafür aber mit offenen Augen da und starrte vor sich hin. Tim beobachtete ihn einen Moment und fuhr dann wieder nach draußen, um ein kleineres Gefäß zu holen. Er füllte es mit Wasser und setzte sich neben Rusty auf die Knie.
„Hey!“, sagte er laut. „Willst du was trinken?“
Rusty sah ihn nicht an, aber er glaubte, dass er nickte. Offensichtlich war er nicht im Stande sich die Flüssigkeit selbst zuzuführen. Tim seufzte, stellte das Glas ab und drehte Rusty auf den Rücken, so dass er seinen Kopf mit seinem Arm hochstützen konnte. Er war noch immer sehr heiß und zitterte jetzt auch. Das sah alles nicht gut aus. Tim verscheuchte den üblen Gedanken und flößte ihm Wasser ein. Rusty hatte die Augen geschlossen aber zum Glück trank er.

Tim füllte drei Mal wieder auf, bevor Rusty durch ein leichtes zur Seite drehen des Kopfes zeigte, dass er genug hatte. Tim ließ ihn wieder vorsichtig zu Boden gleiten. Er atmete jetzt ruhiger. Vielleicht schlief er. Tim richtete sich langsam auf. Er müsste jetzt wohl eine Weile hier bleiben und beobachten, ob es ihm besser ging. Nun, Tim straffte sich, dann könnte er auch ein bisschen aufräumen.

Er holte einen Eimer von draußen und begann die Scherben zusammenzusammeln. Dabei fragte er sich, warum Rusty so gewütet hatte. Waren das Entzugserscheinungen? Die Pillen sorgten eigentlich für einen ausgeglichenen Gemütszustand. Jedenfalls die normalen Fire Pills. Vielleicht war das bei der Party Edition anders? Das müsste er mal in Erfahrung bringen.

Als alle großen Scherben aufgesammelt waren und Rusty noch immer schlief, begann Tim damit, die Reste des Tisches aufzuheben und nach draußen zu schaffen. Da gehörte eine gehörige Portion Kraft dazu, so einen Tisch zu zerlegen. Rusty musste ganz schön aufgebracht gewesen sein. Tim brachte die letzten beiden Stücke in den Korridor, holte ein kleines Gefäß und begann die Pillen aufzusammeln.

Plötzlich hörte er Rustys schwache Stimme. „Warum bist du nicht gekommen?“
Tim drehte sich um und sah, dass Rusty ihn anschaute.
„Ich war beschäftigt“, antwortete er mit einer Kälte, die selbst ihn überraschte. „Hast du auf mich gewartet?“
Rusty machte ein schnaubendes Geräusch, das irgendwie nach Verzweiflung klang und richtete seinen Blick auf einen Punkt in der Ferne, dann schloss er die Augen. Tim glaubte, er sei wieder eingeschlafen und fuhr mit dem Einsammeln der Pillen fort. Doch einen Moment später hörte er wieder Rustys Stimme.
„Wenn du das noch mal machst, bring ich mich um.“
Dem Tonfall nach war es keine Drohung, sondern die Feststellung einer traurigen Wahrheit. Tim sah Rusty an aber der hatte noch immer die Augen geschlossen. Tim beschloss nicht zu reagieren, er hätte auch nicht gewusst, was er sagen sollte. So sammelte er weiter Pillen ein. Unter dem Drogeneinfluss allein zu sein musste doch schlimmer sein, als er sich vorstellen konnte. Das hatte er nicht erwartet.

Als der Raum wieder ordentlich aussah, wandte er sich noch einmal an Rusty.
„Wie geht’s dir? Brauchst du noch Wasser?“
Rusty nickte, aber als Tim zu ihm rollte, schüttelte er heftig den Kopf. „Das kann ich alleine“, sagte er entschlossen, setzte sich langsam auf und lehnte sich an die Wand. Tim merkte, dass ihn das viel Kraft kostete. Er reichte ihm das Wasser und Rusty nahm es mit zitternden Händen entgegen. Tims Blick fiel dabei auf seine wundgescheuerten Handgelenke und er musste unwillkürlich an Rustys verzweifelte Befreiungsversuche der vorangegangenen Nacht denken.
„Es tut mir leid“, entfuhr es ihm noch bevor er wusste, was er da sagte.
Rusty sah ihn überrascht an.
„Ich meine“, fügte Tim mit fester Stimme hinzu, „dass ich dir nicht genug Wasser hingestellt habe.“ Rusty trank weiter aber Tim merkte an seinem Blick, dass er gesehen hatte, was seine Worte ausgelöst hatte. Tim erhob sich.

Er stapelte Vorräte für zwei Tage auf einem vollen Wasserkanister auf. Anschließend nahm er eine Pille aus dem Gefäß und steckte den Rest ein. Dann drehte er sich zu Rusty um, der ihn offenbar die ganze Zeit beobachtet hatte.
„Heute nur eine“, er grinste. „Damit du nicht auf dumme Gedanken kommst.“
„Tim, ich kann nicht…“, begann Rusty zu widersprechen und seine Stimme klang wirklich schwach.
„Ich werde Rücksicht nehmen."
„Tim, bitte…“
„Sei froh, dass ich nicht hier und jetzt über dich herfalle!“, unterbrach er ihn barsch und jagte Rusty damit einen gehörigen Schrecken ein. Er konnte ja nicht wissen, dass ihm im Moment überhaupt nicht danach zu Mute war.
„Du hast noch vier Stunden. Das ist genug Zeit zum Ausruhen. Ich lass sie hier liegen.“ Er legte die rote Pille auf den Kanister und verließ den Raum.

Zu diesem Zeitpunkt war Pitch schon wieder zurück im Yard. Nachdem er feststellen musste, dass die Tür von innen verschlossen war, hatte er eine Weile vor dem Bunker gewartet, um Tim gleich zu verhören, was er hier mache. Bestimmt war es etwas Illegales und er konnte es als Druckmittel gegen ihn nutzen, vielleicht würde es sogar Control dazu bewegen Tim zu versetzten. Aber Tim war nicht wieder herausgekommen. Vermutlich gab es noch einen Ausgang. Als er sich dessen sicher war, hatte er beschlossen zurück zu fahren und Tim sobald er ihn allein traf zu Rede zu stellen.
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