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When the night is darkest 3 - Verschollen

von Tilajasar
GeschichteDrama / P16 / Gen
Caboose OC (Own Character) Rusty
29.06.2020
13.07.2020
10
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03.07.2020 1.368
 
Als Caboose am Morgen auf dem Weg zum Frachtzug war, sah er Pearl unsicher auf sich zukommen. Er lächelte ihr freundlich entgegen, konnte er sich doch schon denken, was sie wollte.

„Hallo, Caboose“, grüßte sie zögerlich. „Ihr seid gestern spät wiedergekommen. Papa sagt, Tim hat nichts mit Rustys Verschwinden zu tun. Stimmt das?“
Caboose zog verwundert die Augenbrauen hoch. Das war nicht die Information, die er an Papa weitergegeben hatte, aber es war natürlich eine mögliche Interpretation.
„Er hat es abgestritten und sich unauffällig verhalten.“ Caboose konnte sehen, dass das nicht die Antwort war, auf die Pearl gehofft hatte. „Aber du weißt ja selbst, dass er ein Meister im Verstellen ist.“
„Du meinst er hat euch getäuscht?“
Cabooses Miene verfinsterte sich. „Man kann mich nicht täuschen!“, sagte er böse, wurde aber, als Pearl ängstlich ein Stück zurück wich, wieder freundlich. „Ich bin ziemlich sicher, dass er dahinter steckt.“
„Aber dann müssen wir was unternehmen!“ Pearl klang überraschend verzweifelt dafür, dass sie seit gut einem Jahr überzeugend vorgab dass Rusty ihr egal war. Aber offenbar war dem nicht so. Caboose musste grinsen.
„Warum grinst du?“, fragte sie misstrauisch. „Weißt du mehr als du sagst?“
Caboose musste noch breiter grinsen. Das tat er doch immer. Wer mit offenen Karten spielte, hatte schon verloren. „Ich wunderte mich nur“, begann er langsam, „warum dir Rustys Wohlergehen plötzlich wieder so am Herzen liegt. Hattet ihr nicht vielleicht doch eine Aussprache in der Scheune?“
Pearl starrte ihn einen Moment fassungslos an. „Ich habe ihn seit Wochen nicht mehr gesehen. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich mir keine Sorgen machen würde, wenn er plötzlich verschwindet.“
Caboose nickte noch immer grinsend.

„Also stellst du Tim noch mal zur Rede? Es schien nicht so, als ob Papa etwas unternehmen würde.“
„Das würde nichts nützen. Aber ich habe meine Augen und Ohren überall. Ich werde mitbekommen, wenn er sich auffällig verhält.“
„Und dann?“, fragte Pearl.
„Dann haben wir ihn.“

---

Am späten Vormittag rollte Greenard mit Liz vor Papas Depot.
„Eine halbe Stunde, dann müssen wir zurück“, sagte er, während er sie abkuppeln ließ.
Liz nickte und klopfte an Papas Tür.
Als die alte Dampflok öffnete, lag ein besorgter Ausdruck auf seinem Gesicht. „Hallo Liz, Greenard, kommt doch rein.“
Aber Greenard schüttelte den Kopf. „Ich will noch mit Greaseball sprechen“, meinte er entschieden, nickte Liz zu und verabschiedete sich.
Liz wandte sich wieder an Papa. „Gibt es was Neues?“
Papa nickte, ließ sie hereinrollen und bot ihr einen bequemen Stuhl an. Als er ebenfalls Platz genommen hatte, begann er zu erzählen.

Noch ehe er ganz fertig war, unterbrach Liz ihn in hoffnungsvollem Ton: „Also hat Tim nichts mit Rustys Verschwinden zu tun?“
Papa sah sie lange genug schweigend an, um ihr diese Hoffnung zu nehmen. „Ich weiß es nicht. Tim verhielt sich unauffällig. Aber Caboose war vorhin extra noch einmal hier um klarzustellen, dass er glaubt, dass es Tim gewesen sein muss.“
Liz atmete tief ein und aus. Wenn das wirklich stimmte, mussten sie so schnell wie möglich etwas unternehmen.
Papa seufzte und fuhr fort: „Was ich nicht verstehe ist, warum Caboose so überzeugt davon ist, dass Tim zu einer solchen Untat fähig ist.“
Erwartungsvoll sah die alte Dampflok sie an. Er schien zu ahnen, dass sie mehr wusste. Aber sollte sie ihn einweihen? Würde Rusty das wollen? Würde es Papa dazu bewegen etwas zu unternehmen? Sein Wort zählte viel.

Liz nickte langsam. „Wir müssen Tim noch mal verhören, oder die anderen Züge in seinem Yard befragen. Wenn Caboose keine Zeit hat, mache ich das.“
Papa seufzte wieder. „Wenn du eine Lok findest, die dich zieht. Greaseball wird es vermutlich nicht tun und Blacco startet in ein paar Stunden zu einer zweitägigen Tour. Ich war vorhin bei Control. Er möchte Rusty natürlich auch finden, aber er wird keine Fahrplanänderungen vornehmen, wenn wir nicht wirklich eine Spur haben.“
Liz sah ihn verzweifelt an. Sie hatte auf Blaccos Unterstützung gehofft, denn Greenard musste nachher auch noch auf Tour. „Also müssen wir rumsitzen und warten? Worauf? Dass Rusty von allein zurückkommt?“
„Liz“, sagte Papa beruhigend, „ich verstehe und teile deine Sorge. Aber ich sehe nicht, was wir sonst machen können. Control steht in Verbindung mit den anderen Bahnhöfen und Caboose bezieht Informationen aus seinem Netzwerk. Wenn Rusty wieder auftaucht oder Tim wirklich etwas verbirgt, werden wir das erfahren.“
Liz nickte resigniert. Sie würde trotzdem versuchen zu Tim zu kommen. Wenn nicht heute, dann morgen früh. Soweit sie wusste, hatte Greenard den ganzen Vormittag frei. Sie musste mit Tim reden. Ihr würde er nichts vormachen.

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… andernorts am Abend zuvor

Tim saß in seinem Depot und trommelte unruhig mit den Fingern auf den Tisch. Er wusste, dass Caboose und Greaseball noch in der Nähe waren. Er hatte nach ihrer Verabschiedung einen weiter entfernten Streckenabschnitt beobachtet und da waren sie nicht entlanggekommen. Vermutlich war er Caboose gegenüber nicht überzeugend genug aufgetreten. Aber Caboose wusste auch zu viel als dass er ihn hätte einfach so abspeisen können. Umso wichtiger war es, dass er jetzt keinen Verdacht erregte. Er war sich sehr sicher, dass sie ihn beobachteten. Er jedenfalls hätte das an Cabooses Stelle getan.

Einfacher wäre es natürlich gewesen, wenn er hätte sicher sein können, dass Caboose auf seiner Seite stand. Aber das war er nicht. Das konnte er nicht sein. Erst recht nicht, nachdem er jetzt vermutete, dass sie ihn beobachteten. Er musste verdammt aufpassen. Es stand viel auf dem Spiel.

Tim sah auf die Uhr und fluchte innerlich. Es war schon viel zu spät. Aber er konnte nicht riskieren wegen seiner Ungeduld alles auffliegen zu lassen.  Caboose würde sicher nicht die ganze Nacht draußen in der Kälte verbringen. Er musste nur überzeugend so tun, als sei er zu Bett gegangen, dann würden sie sicher abziehen und er könnte endlich zu Rusty fahren.

Entschlossen stand er auf, löschte das Licht und legte sich aufs Bett. Wie er so in die Dunkelheit starrte, spürte er, dass er wirklich sehr müde war. Die vergangenen Nächte forderten ihren Tribut. Tim lächelte. Vielleicht sollte er sich und Rusty mal einen ruhigen Abend gönnen. Er hatte es gestern ohnehin etwas übertrieben. Rustys Schreie hallten noch immer in seinen Ohren.

Er hoffte nur, dass er heute so vernünftig war und eine Pille genommen hatte, sonst… Tim überlegte, was er dann machen sollte. Noch einmal das gleiche Spiel wie gestern? Nein. Das hatte keinen Spaß gemacht und zu hohen Tribut auf beiden Seiten gefordert. Dann doch lieber wie tags zuvor. Auf Stromschläge schien Rusty gut anzusprechen. Tim legte sich bequemer hin und stellte sich vor, wie er Rusty wieder dazu brachte eine Pille zu schlucken und was danach geschah.

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Als Tim erwachte war es schon Morgen. Erschrocken fuhr er hoch. Rusty. Verdammt. Er war eingeschlafen. Wie konnte das passieren? Er rieb sich den Rest des Schlafes aus dem Gesicht. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er in einer halben Stunde auf Tour musste. Das war zu wenig Zeit um zum Bunker zu fahren. Er seufzte. Ärgerlich aber nicht zu ändern.

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Am Nachmittag fuhr Tim  zügig in seinen Yard ein, bremste recht stark und kuppelte die Waggons ab.
„Du hast es aber eilig“, bemerkte einer von ihnen.
„Ich muss noch was erledigen“, antwortete Tim und sauste schon an ihnen vorbei wieder aus dem Yard hinaus.

Er fuhr so schnell er konnte. Sein schlechtes Gewissen und eine gewisse Sorge trieben ihn an. Es war ihm tatsächlich erst in der Mittagspause aufgefallen, dass er nach seinem letzten Besuch vergessen hatte, Rusty neues Wasser hinzustellen. Er wusste nicht, wie viel eine Dampflok brauchte, aber er hoffte, dass er ihn durch seine Nachlässigkeit nicht geschädigt hatte. Er sah sich kurz um, bevor er auf das Nebengleis, welches in Richtung des Bunkers führte, abbog.

Zügig fuhr er die Strecke entlang. Hoffentlich ging es Rusty wirklich noch gut. Er hatte doch eine kleine Überraschung für morgen eingefädelt, dazu sollte Rusty in guter Verfassung sein. Tim musste grinsen als er sich seine Reaktion vorstellte. Das würde ein Spaß werden. Er bog auf das Abstellgleis ab und kam zum Stehen. Der Rest des Weges war so uneben, dass er mehr lief als rollte. Er öffnete die schwere Bunkertür und rollte hinein. Hätte er sich noch einmal umgesehen, hätte er Pitch bemerkt, der ihm gefolgt war.
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