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When the night is darkest 3 - Verschollen

von Tilajasar
GeschichteDrama / P16 / Gen
Caboose OC (Own Character) Rusty
29.06.2020
13.07.2020
10
13.322
 
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29.06.2020 1.445
 
Es war schon späte Nacht und doch fand Liz nicht in den Schlaf. Sie lag in Rustys Depot auf dem Bett und starrte in die Dunkelheit. Wieder musste sie an die seltsamen Minuten denken, in denen ihr Rusty von Pearls Brief erzählt hatte. Ein Brief, den ein vorbeifahrender Zug, der noch nicht einmal von seinem alten Bahnhof Victoria stammte, am Vormittag überreicht hatte. Liz war froh, dass Rusty ihr davon erzählt hatte, auch wenn ein Teil von ihr wünschte er hätte es nicht getan. Dann hätte sie sich jetzt vielleicht nicht so große Sorgen gemacht.

Sie verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte an die dunkle Decke. Irgendwo in der Ferne schlug eine Kirchturmuhr. Liz musste nicht lange zählen. Es war also schon nach Mitternacht. Warum kam Rusty nicht nach Hause? Der Inhalt des Briefes war lediglich Pearls Bitte um ein Gespräch am Nachmittag gewesen, nichts weiter. War er noch immer bei ihr? War ihr etwas zugestoßen, das ihn zwang die Nacht bei ihr zu verbringen? Liz war unwohl bei dem Gedanken. Die beiden waren nun schon seit einem Jahr kein Paar mehr aber so eine richtige Aussprache hatte es ihres Wissens nach nie gegeben. Was, wenn Pearl ihn wiederhaben wollte. Auch wenn er nie darüber sprach, wusste Liz, dass er noch an ihr hing.

Sie wünschte er hätte sie mitgenommen, dann hätte sie dafür gesorgt, dass er nach dem Gespräch wieder mit zurückgekommen wäre, aber er bestand ja darauf allein zu fahren, weil Pearl das wohl so wollte. Liz seufzte. Sie musste unbedingt mit ihm reden, wenn er wieder zurück war. Jetzt würde sie erst mal versuchen einzuschlafen.

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Als Rusty am späten Vormittag immer noch nicht zurück war, begann Liz sich ernste Sorgen zu machen. Sie fuhr ein wenig im Yard herum und traf auf Becca, die sich gerade mit ihrer Schwester auf die Fahrt vorbereitete.

„Hi Liz“, grüßte sie als Liz auf sie zurollte. „Ich habe nicht viel Zeit, wir müssen gleich los. Was gibt‘s?“
„Becca, Rusty ist immer noch nicht wieder da. Ich hab dir doch gestern erzählt, dass er zu Pearl gefahren ist, aber eigentlich hätte ich erwartet, dass er am Abend wiederkommt.“
„Hui,“ machte Becca und Liz wusste genau, was sie dachte.
„Nein,“ widersprach sie. „Das glaube ich nicht. Das würde er nicht machen.“
Becca zog eine Augenbraue hoch. „Du musst es wissen.“
„Ich mach mir Sorgen, dass was passiert ist.“
Becca machte ein nachdenkliches Gesicht. „Wir fahren leider nicht in die Richtung, sonst hätte ich mal nachschauen können, ob er noch da ist. Müsste er heute nicht auch fahren?“
„Nein,“ Liz schüttelte den Kopf. „Heute ist sein freier Tag.“
„Ah“, machte Becca, als würde das alles erklären. „Dann hat er vielleicht einfach beschlossen den Tag mit seinen alten Freunden zu verbringen. Mach dir keine Sorgen, er wird schon zu dir zurückkommen.“
Liz lächelte schwach. Sie hoffte es auch, aber irgendwie hatte sie ein ungutes Gefühl. Es war einfach nicht Rustys Art ohne Bescheid zu geben wegzubleiben.

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Im Laufe des Nachmittags wurde Liz immer unruhiger. Warum kam er nicht zurück? Sie beendete die Arbeit an ihrem letzten Patienten und fuhr hinaus. Sie konnte jetzt nicht länger warten, sie musste etwas unternehmen. Sie fand Greenard ins Gespräch mit den beiden Frachtwaggons vertieft.

„Hi Greenard, hast du einen Augenblick Zeit?“, fragte sie.
„Für dich doch immer“, antwortete er lächelnd und deutete den beiden Waggons mit einem Kopfnicken an, dass ihr Gespräch beendet war. Aber anstelle sich zu entfernen, schauten die beiden nur neugierig zu Liz. Das war ihr jedoch im Moment egal.
„Könntest du mich nach Victoria bringen?“, fragte sie bittend.
„Wann? Jetzt gleich?“ Greenard schien etwas überrascht. Dann fiel ihm offenbar etwas ein. „Ach, ist Rusty noch immer nicht zurück?“
Liz schüttelte den Kopf. „Ich habe seit gestern Nachmittag nichts mehr von ihm gehört. So langsam mache ich mir Sorgen.“
„Das verstehe ich“, stimmte der Diesel zu. „Gut, lass mich noch auftanken, dann können wir los.“

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Keine Stunde später rollten sie in Victoria ein. Ein seltsames Gefühl überkam Liz. Die letzten Male die sie hier war waren nun schon fast ein Jahr her, aber die unangenehmen Erinnerungen daran fühlten sich noch sehr frisch an. Jedes Mal war Rusty in sehr schlechter Verfassung gewesen. Sie hoffte inständig, dass sie ihn jetzt nicht so vorfinden würde.

Als Erstes kamen ihnen der Steinwaggon und Rustys Freund Dustin entgegen. Liz war froh darüber, denn Dustin würde sicher wissen, wo Rusty steckte.
„Hey, Liz, hi Greenard!“ Beide wirkten überrascht sie hier zu sehen. Das verstärkte Liz‘ Sorge.
„Habt ihr Rusty gesehen?“, fragte sie ohne sich mit langen Vorreden aufzuhalten.
Beide schüttelten den Kopf. „Seit letzter Woche nicht“, fügte Dustin traurig hinzu.
Liz tauschte einen besorgten Blick mit Greenard. „Ok. Wisst ihr, wo ich Pearl finde?“
„Pearl?“, wiederholte Flat Top als habe er sich verhört. „Die ist sicher mit Blacco unterwegs. An deiner Stelle würde ich ihr aber nicht unter die Augen treten.“
Liz ignorierte den Kommentar und sah Dustin fragend an. Der Eisenerztender wirkte ebenfalls besorgt. „Ist was mit Rusty?“, fragte er kleinlaut.
„Er hatte eine Nachricht von Pearl bekommen und ist daraufhin hierher gefahren. Das war gestern Nachmittag. Seit dem ist er nicht zurückgekommen.“
„Oh.“ machte Dustin nur und sah nun noch besorgter aus.
„Wir waren ja gestern Nachmittag auch unterwegs“, erklärte Flat Top. „Die Personenwaggons allerdings auch. Ihre Tour ging bis zum frühen Abend.“
„Ich muss mit Pearl sprechen“, drängte Liz. „Komm Greenard, wir versuchen es bei ihrem Depot.“
„Viel Glück!“, rief ihnen Flat Top nach.

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Pearl war leider nicht in ihrem Depot. Sie suchten ganz Victoria ab, fragten alle, die sie antrafen, was leider nur ein paar Diesel aus Greaseballs Gang waren aber niemand wusste wo Pearl war. Liz überlegte gerade, dass sie wohl am besten die anderen Personenwaggons aufsuchen sollten, da kam ihnen Red Caboose entgegen. Obwohl ihr eigener Eindruck von dem Bremswagen ein sehr guter war, hatte Liz genug von Rusty gehört, um ihm nicht zu vertrauen.

„Hallo Liz, Greenard“, grüßte er lächelnd. „Ich habe gehört ihr sucht nach Pearl. Da kann ich euch helfen.“
Liz sah ihn fragend an.
„Dann schuldet ihr mir allerdings einen Gefallen“, fuhr er fort.
„Wo können wir sie finden?“, fragte Liz ungeduldig. Ihr ungutes Gefühl Rusty betreffend wuchs mit jeder Begegnung hier. Niemand hatte ihn bisher gesehen. Sie hatte jetzt keine Nerven mit Caboose zu verhandeln.
Caboose grinste sie an. „Sie ist an ihrem Lieblingsplatz.“ Er deutete in eine Richtung und begann den Weg dorthin grob zu beschreiben. „Aber Vorsicht, sie ist nicht allein.“ Er zwinkerte ihr verschlagen zu und fuhr davon.

Ohne ein weiteres Wort hängte sich Liz an Greenard und sie fuhren zu der Stelle, die Caboose beschrieben hatte. Greenard näherte sich so geräuschvoll wie möglich und tatsächlich waren Pearl und Blacco schon von der Bank aufgestanden und sahen ihnen neugierig entgegen.
Während Blacco hoch erfreut schien, sie wiederzusehen, konnte Liz auf Pearls Gesicht eine Vielzahl von wechselnden Emotionen ablesen. Letzen Endes sah sie sie ernst an.
„Schön euch zu sehen. Was führt euch her?“, fragte Blacco freudig.
„Wir sind auf der Suche nach Rusty“, ergriff Greenard das Wort. „Habt ihr ihn zufällig gesehen?“
Liz sah ihn verstört an. Warum stellte er so eine allgemeine Frage? Es war doch klar, dass Pearl ihn getroffen hatte.

„Nein“, antworteten beide wie aus einem Munde und Pearl fügte mit einem nicht gerade freundlichen Blick auf Liz hinzu: „Welchen Grund sollte er haben, hierher zu kommen?“
Liz spürte wie irgendetwas in ihr zerbrach. Sie hatte es eigentlich die ganze Zeit über schon geahnt, aber nicht wahrhaben wollen. „Er hat gestern nicht mit dir gesprochen?“
Pearl schüttelte den Kopf. „Wir haben seit den Ereignissen von vor einem Jahr nie mehr wirklich miteinander gesprochen.“ Ihre Stimme klang nun ein wenig traurig. Blacco ergriff aufmunternd ihre Hand. „Wollte er denn mit mir sprechen?“
Liz seufzte verzweifelt. Das durfte doch alles nicht wahr sein. „Du hast ihn doch darum gebeten. Er hat gestern Morgen einen Brief von dir erhalten, dass du ihn fünfzehn Uhr an der Scheune treffen willst.“
Pearl schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich habe ihm nichts geschrieben. Warum sollte ich auch?“ Blacco nickte zustimmend.
„Aber…“, Liz konnte nicht weitersprechen. Wenn Pearl die Nachricht nicht geschrieben hatte, dann wollte jemand Rusty in eine Falle locken. Sie bekam plötzlich große Angst.
Greenard  räusperte sich und sprach mit ruhiger Stimme: „Rusty ist gestern Nachmittag hierher gefahren, um sich mit dir zu treffen, wie es wohl in der Nachricht stand. Bisher ist er nicht zurückgekommen.“
Blacco und Pearl schauten sich besorgt an. „Er war nicht bei mir“, wiederholte Pearl noch einmal.
„Ich glaube auch nicht, dass er hier war“, fügte Blacco hinzu. „Sonst hätte ich davon gehört.“
„Wo ist er dann?“, fragte Liz verzweifelt. Natürlich erhielt sie keine Antwort.
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