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When the night is darkest 3 - Verschollen

von Tilajasar
GeschichteDrama / P16 / Gen
Caboose OC (Own Character) Rusty
29.06.2020
13.07.2020
10
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Kurz vor dem Gleisende bremste Greaseball.
„Hier muss es irgendwo sein“, sagte er und ging in die Richtung, die Tim benannt hatte. Caboose folgte ihm.
„Da ist der Bunker“, stellte Caboose wenig später fest.
„Und da liegt Rusty.“
Schnell schaute Caboose sich um. Tatsächlich. Rusty lag mit dem Gesicht zum Himmel gewandt regungslos da. Um seine geschlossenen Augen herum waren Blutspuren zu erkennen. Caboose eilte zu ihm.

Noch ehe er seinen Puls ertastete sah er, dass er nur schlief. Das hatte er nicht zu hoffen gewagt.
„Er lebt“, sagte er zu Greaseball, der inzwischen neben ihm stand.
„Sieht aber ganz schön mitgenommen aus.“
Caboose musste zustimmen. Rusty war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Im getrockneten Blut in seinem Gesicht waren deutlich Spuren von Tränen zu sehen. Das wunderte Caboose nicht. Rustys war nicht mit ausreichend mentaler Stärke ausgestattet um das was Tim ihm vermutlich angetan hatte, heil zu überstehen.

„Ist das sein Blut an den Händen?“, fragte Greaseball.
Cabooses Blick glitt über Rustys Körper. Er sah keine größere Wunde. Das meiste Blut war tatsächlich an seinen Händen. Er griff behutsam nach einer Hand und drehe sie leicht.
„Offenbar ja. Da sind Schnitte.“ Er deutete auf die Handfläche und fragte sich dabei, warum Tim das getan hatte.
In dem Moment regte sich Rusty. Sofort ließ Caboose seine Hand los.
„Hey, Rusty“, sagte er laut.
Rusty stöhnte und es dauerte eine Weile, bis er die Augen aufschlug.


Er sah Caboose dicht neben sich und Greaseball über sich stehen. Was machten die beiden in seinem Traum? Er schloss die Augen wieder. Aber wenn das ein Traum war, warum fühlte er sich dann so elend? Wo war Liz? Eben war sie doch noch bei ihm gewesen.

„Rusty!“

Da rief jemand nach ihm. Jetzt schon wieder. Das war Cabooses Stimme. Er öffnete wieder die Augen. Langsam wurde sein Geist klarer. Es war tatsächlich Caboose, der neben ihm hockte. Rusty lächelte schwach. Er hätte nie gedacht, dass er sich mal so freuen würde den roten Bremswagen zu sehen.
Caboose grinste zurück. „Ich frage jetzt lieber nicht, wie’s dir geht.“

Rusty stöhnte leise und schloss die Augen. Erinnerungen an die vergangenen Tage brachen wieder über ihn herein. Er versuchte sie zu verdrängen, indem er an das Hier und Jetzt dachte. Aber als er wieder Caboose ansah und seinen vielsagenden Blick bemerkte, wurde ihm bewusst, dass er das, was geschehen war, nicht einfach vergessen konnte. Er spürte, wie seine Augen feucht wurden. Schnell schloss er sie wieder, aber er konnte die Tränen nicht zurückhalten.

„So schlimm?“, fragte Caboose.
Rusty nickte und atmete tief ein und aus um die Kontrolle zurückzuerlangen.
„Reiß dich zusammen, Rusty!“, hörte er Greaseballs strenge Stimme. „Control wird Tim schon finden und dann wird er bezahlen.“

Das war ihm alles herzlich egal. Rusty wischte sich die Augen trocken und merkte dabei, dass seine Hände nicht nur voller Blut waren, sondern auch stark zitterten.
„Kannst du aufstehen?“, fragte Caboose. „Im Yard gibt’s eine Reparaturhalle.“
Rusty nickte langsam, stützte sich seitlich hoch und stand dann mit Cabooses Hilfe auf.
„Bis zum Yard sind’s vielleicht zehn Minuten. Schaffst du das?“ Caboose sah ihn ernst an.
„Ich muss wohl“, erwiderte Rusty und blickte zu Greaseball.
Der nickte. „Dann los.“ Er drehte sich um und wartete. Aber Rusty zögerte seine Kupplungsringe zu ergreifen.
„Na komm schon Rusty. Es wäre unverantwortlich, wenn du hinten fährst“, hörte er Caboose aufmunternd sagen und er hatte ja Recht. Aber dennoch sträubte sich alles in ihm, als er sich an Greaseball ankuppelte.


Eine viertel Stunde später erreichten sie den Yard. Ein paar neugierige Augenpaare beobachteten sie. Aber das merkte Rusty nicht. Er war so erschöpft, dass er sich nur durch das Festhalten an Greaseball aufrecht halten konnte. So war es nur Caboose, der abkuppelte als sie vor der Reparaturhalle standen. Greaseball warf verwundert einen Blick über die Schulter.
„Wir sind da“, sagte er leicht ungeduldig.
„Ich weiß“, flüsterte Rusty während er versuchte zu Atem zu kommen.
„Zieh ihn noch rein“, forderte Caboose Greaseball auf.
Greaseball stöhnte. „Meinetwegen.“

Sie wurden von einem älteren Reparaturwagen in Empfang genommen und Rusty war dankbar, als er ihm, nachdem er seine Hände versorgt hatte, ein Bett zuwies und er sich ausruhen konnte.
„Wir fahren dann wieder“, sagte Caboose.
Rusty erschrak. Er wollte hier nicht allein sein. „Nehmt mich mit“, bat er.
Greaseball schüttelte entschieden den Kopf. „Das Stück hierher war schon schwer genug. Ich ziehe dich keinen Zentimeter mehr.“
„Caboose, ich will nicht hierbleiben!“ Rusty merkte selbst, dass seine Stimme beinahe panisch klang.
Aber Caboose schüttelte auch langsam den Kopf. „Tut mir leid Rusty, aber du würdest den Weg nicht  schaffen. Ruh dich aus. Morgen früh kommt Liz mit Transportwaggons und holt dich zurück.“
Liz. Allein die Erwähnung ihres Namens beruhigte Rusty ein wenig. Er konnte es kaum erwarten sie wiederzusehen.

„Gut“, willigte er ein. Er sah noch einmal von Caboose zu Greaseball und zurück. „Danke.“
Greaseball nickte ihm zu und fuhr los. Caboose jedoch kam noch einmal dicht heran. „Es ist natürlich deine Entscheidung, was du den anderen erzählst“, flüsterte er, „aber solange sie Tim noch nicht gefasst haben, würde ich die Wahrheit zurückhalten.“
Rusty konnte seinem Blick nur wenige Sekunden standhalten. Er schloss die Augen und hörte, wie Caboose davon fuhr. Es war ein unangenehmes Gefühl zu wissen, dass ausgerechnet Caboose ahnte was in den letzten Tagen geschehen war. Rusty merkte, dass er schon wieder in ein emotionales Tief stürzte und versuchte sich durch Gedanken an das Widersehen mit Liz abzulenken. Darüber schlief er ein.

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„Warum ist es hier so dunkel?“, fragte Liz.
„Ach“, antwortete der Reparaturwagen, „er war so unruhig, da dachte ich, vielleicht schläft er besser wenn es dunkel ist.“ Er schaltete das Zimmerlicht an.

Liz spürte, wie ihr Herz einen Sprung machte, als sie Rusty sah. Aber in ihre Freude mischte sich sogleich Sorge. Er sah krank aus. Schnell rollte sie zu ihm. Er war blass, seine Haut schweißbedeckt, seine Lippen zitterten. Sie wollte seine Hand greifen, aber die war bandagiert. Was hatte Tim ihm angetan? Sie legte behutsam ihre Hand auf seine Stirn.

„Er ist überhitzt.“ Besorgt sah sie zu dem alten Reparaturwagen.
Er nickte und setzte sich in Bewegung. Liz richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Rusty. Sie flüsterte seinen Namen und strich ihm sanft über das Gesicht. Aber er reagierte nicht. Sie verspürte den starken Drang ihn wach zu rütteln, um ihn wissen zu lassen, dass er nicht mehr alleine war. Aber sie ließ ihn schlafen. Er musste sich erholen. Vielleicht war es sogar am besten, wenn sie ihm für den Transport ein Schlafmittel geben würde.

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Rusty schlug die Augen auf und glaubte im ersten Moment er träumte noch. Das Zimmer sah aus wie das, in dem er lange Zeit in Naiva verbracht hatte. Aber war er nicht eben noch in der großen Reparaturhalle gewesen?
Er merkte, dass er seine Finger nicht richtig bewegen konnte. Langsam hob er eine Hand hoch und betrachtete die Bandage. Sie sah frisch aus. War er wirklich in Naiva? Dann war Liz sicher irgendwo in der Nähe.


Liz sortierte gerade ein paar Medikamente ein, als sie ein Geräusch von draußen hörte. Sie sah kurz auf, dachte dann sie hätte sich getäuscht und machte weiter. Sie sorgte sich um Rusty. Er schlief nun schon weit über zwanzig Stunden. So langsam müsste er doch aufwachen.

„Hallo“, hörte sie eine sehr vertraute Stimme. Ruckartig drehte sie sich um. Rusty stand an den Türrahmen gelehnt da und lächelte sie etwas unsicher an.
„Rusty!“, rief sie voller Freude aus und rollte ein Stück auf ihn zu. Am liebsten wäre sie ihm sofort um den Hals gefallen aber er zuckte zurück und auch sonst zeigte ihr seine Haltung, dass sie ihm jetzt nicht zu nahe kommen sollte.

„Wie geht’s dir?“, fragte sie vorsichtig.
Rusty atmete tief ein und aus. „Ganz gut“, sagte er leise. Er betrachtete seine Hände und sah dann wieder unsicher zu ihr.
Sie lächelte ihn glücklich an. „Ich bin so froh, dass du wieder hier bist.“
„Ich auch.“

Einen Moment stand er noch unentschlossen da, dann löste er sich vom Türrahmen und kam ein Stück auf sie zu.
Liz wartete nicht, bis er sie erreicht hatte. In einer schnellen Bewegung rollte sie zu ihm und schloss ihn in die Arme. Sie spürte, wie er sie fest an sich drückte und seinen Kopf in ihrem Nacken vergrub.
„Oh, Liz, ich dachte, ich komme da nie wieder raus“, hörte sie seine verzweifelte Stimme. Er hielt sie so fest, dass es beinahe schmerzte.
„Ist ja gut. Jetzt bist du wieder hier“, sie versuchte ihre Stimme ruhig klingen zu lassen, wenngleich sie auch ergriffen von seiner Verzweiflung war.
„Ich habe mir immer vorgestellt, mit dir zusammen zu sein, sonst hätte ich nicht…“ Er brach ab und Liz spürte, dass er mit den Tränen kämpfte. Sie hielt ihn in der Umarmung fest, wusste sie doch, dass sie ihm mit Worten nicht helfen konnte.

Nach einer Weile fing er sich wieder, atmete ruhiger und löste sich langsam von ihr. Er schniefte, wischte sich mit den Fingern über die Augen und sah sie an. „Entschuldige. Ich wollte eigentlich nicht, dass das passiert.“
Liz legte ihm mitfühlend die Hand auf den Arm. „Rusty, das ist ganz normal. Du musst das verarbeiten, was geschehen ist. Und ich hoffe, ich kann dir dabei helfen.“  
Rusty sah sie wieder unsicher an aber dann nickte er. Liz lächelte ihn an und er erwiderte das Lächeln.

In diesem Moment fühlte sich Rusty wirklich glücklich. Er war wieder bei Liz. Er war wieder zu Hause. Er wusste nicht, ob er je vergessen könnte, was in den letzten Tagen geschehen war, aber so furchtbar die Erinnerungen auch waren, es war vorbei. Vor ihm lag eine Zukunft mit einem wunderschönen, einfühlsamen Waggon, dem er vertraute und der immer hinter ihm stand. Das und nur das war wichtig.

*** Ende ***

Mit diesem etwas erzwungenen „Happy“-End endet diese Geschichte. Wenn sie euch etwas löchrig erschien, wie erwähnt, ich habe etliche Szenen rausgelassen (so um die 10.000 Worte ^_^‘).

Vielen Dank für’s Lesen und meine besondere Hochachtung an Ann und Lexi, die zu dieser gruseligen Geschichte tapfer Reviews geschrieben haben.

Wen interessiert, wie es mit Rusty nach dieser Erfahrung weiter geht - einen letzten Teil gibt es noch.

Seid lieb gegrüßt
Eure Tilajasar
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