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2020 06 28: Gemeinsam trauern [by Rosalie18]

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
28.06.2020
28.06.2020
1
4.219
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Dieses Kapitel
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28.06.2020 4.219
 
Tag der Veröffentlichung: 28.06.
Zitat:  „Wie wäre es Seite an Seite mit einem Freund?“ – Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme
Titel der Geschichte: Gemeinsam trauern
Autor:  Rosalie18
Hauptcharaktere: Hermione Granger, Draco Malfoy
Kommentar des Autors: Eigentlich wollte ich erneut etwas zu Lucius x Severus schreiben, aber dann wurde es doch ein OS über Hermione x Draco.


Gemeinsam trauern

Die Freude und die Euphorie über den errungen Sieg waren angesichts der erheblichen Verluste schnell verblasst. Zu viele gute Menschen hatten in diesem Krieg und dem Sieg über den Dunklen Lord ihr Leben lassen müssen. Es fühlte sich einfach nicht richtig an zu jubeln und sich zu freuen. Es war pietätlos, so empfand es zumindest Hermione. Sie hatten schwere Verluste hinnehmen müssen.



+++




Es fühlte sich für Hermione seltsam an, nach all den Monaten wieder in Hogwarts zu sein. Trotz allem was hier während des Krieges vorgefallen war, fühlte sie sich hier sofort wieder heimisch. Auch wenn sie niemals vergessen würde, welche Grausamkeiten hier stattgefunden hatten. Dennoch hatte sich die junge Hexe verändert, sie war nicht mehr die vorlaute Besserwisserin. Heute hielt Hermione sich mit ihrem Wissen zurück. Sie war in sich gekehrt und verschanzte sich hinter ihren Büchern. Die Bücher gaben ihr ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Der Krieg hatte ihr all das genommen. Sie hatte viel verloren – ihre Eltern, die ohne eine Erinnerung an ihre Tochter in Australien lebten, ihre Beziehung zu Ron war zerbrochen, doch darüber war sie eigentlich ganz froh, da sie nicht zusammenpassten, ihre Freundschaft zu Harry war merklich abgekühlt, da er jede freie Minute mit Ginny verbrachte. Sie gönnte ihnen ihr Glück von ganzem Herzen, dennoch gab es immer wieder Momente, wo sich Neid durch ihr Herz fraß und Hermione schämte sich schon lange nicht mehr für dieses Gefühl.



+++




Gleich die in erste Stunde nach den Ferien hatte Draco Zaubertränke. Welche Ironie. Es fühlte sich so fremd und nicht richtig an hier zu sein und zu wissen, dass nicht gleich die Tür schwungvoll aufgerissen und ein schlecht gelaunter schwarz gekleideter Severus Snape mit wehender Robe hineinrauschen würde. Es war einfach nicht richtig, dass irgendjemand anderes in seinem Klassenzimmer unterrichtete, sein Labor benutzte und in seinen Räumen wohnte. Obwohl er das nicht wusste, vielleicht war Professor McGonagall feinfühlig genug, dass sie das nicht zuließ. Ein Kloß schnürte seinen Hals zu. In seinem Bauch bildete sich ein großer Eisklumpen. Ohne es zu merken, rollte eine Träne seine Wange hinab. Die erste Träne, die er seit Monaten vergoss. Er hatte einfach nicht weinen können, so sehr er es sich auch wünschte. Keine Träne wollte seine Augen verlassen. Auch schickte es sich nicht für einen Malfoy. Es konnte einfach nicht weinen. Bis jetzt. Völlig unerwartet fing er an zu weinen, doch jetzt wollte und konnte er die Tränen über den Verlust seines Patenonkels nicht zu lassen. Seine Leiche war zwar nicht gefunden worden, theoretisch konnte er noch am Leben sein, doch die Chance war verschwindend gering …




+++





Hermione folgte den Anweisungen eines kleinen dicken Zauberers, dessen Namen sie sich nicht gemerkt hatte. Wie durch Watte drangen die Geräusche ihrer Mitschüler – Gryffindors und Slytherins – an ihre Ohren. Sie musste nicht zuhören, da sie die Rezepte in- und auswendig kannte. Die Löwin blendete aus, dass nicht Severus Snape vor der Klasse stand, sondern irgendein Professor. Glücklicherweise interessierte sich keiner ihre Mitschüler für sie. Sogar der selbstgefällige Malfoy ließ sie in Ruhe. Na ja, er hatte seine eigenen Probleme. Immerhin war er ein Todesser und seine Familie hatte eine gewichtige Rolle im Krieg gespielt. Wieso war er überhaupt wieder an der Schule? Hermione war es egal. Wie so vieles andere auch! Sie war lediglich nach Hogwarts zurückgekehrt, weil sie sonst nicht gewusst hätte, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Dann konnte sie auch ihr siebtes Jahr wiederholen und einen guten Abschluss machen. Was sie danach machen wollte, würde sich schon finden. Zur Not würde sie irgendetwas in der Muggelwelt arbeiten. Ihre Berufswahl stand ganz weit hinten an.

„Granger“, drang eine Stimme durch ihre Wattewolken. Sie erkannte die Stimme, als die von Draco Malfoy. So ignorierte sie ihn und machte mit dem Trank weiter.

„Granger, du blutest und ruinierst unseren Trank“, fauchte er sie an und nahm ihr das Messer aus ihrer Hand. Jetzt erst richtete Hermione ihren Blick auf ihre Hand. Ein tiefer Schnitt prangte auf ihrer Handinnenfläche. Blut tropfte in einem feinen Rinnsal ihren Arm hinab.  Mit einem Schlenker seines Zauberstabes stoppte er den Blutfluss und verband die Wunde, dass müsste für den Moment reichen. Zu mehr war er nicht fähig, alles weitere würde Madame Pomfrey später erledigen müssen.

Ohne ein Wort zu sagen hatte Hermione das Versorgen und Verbinden ihrer Wunde durch den verhassten Malfoy-Erben hingenommen. Sie machte sich gar nicht erst die Mühe seine Aktion zu hinterfragen und ob womöglich mehr dahinter steckte.

„Danke“, sagte sie emotionslos. Nur zu gerne hätte er gewusst, was mit der einstigen Miss Allwissend los war. So in sich gekehrt kannte er sie nicht. Ihr Verhalten deutete auf einen schweren Schockzustand hin. Sie trauerte ebenfalls, denn auch sie hatte Verluste hinnehmen müssen. Auch wenn sie eine nervtötende Gryffindor war, hatte er Mitleid mit ihr und er wollte ihr helfen. Er trauerte schließlich auch und hatte niemand mit dem er darüber reden konnte. Seine Eltern fielen raus, da sein Vater in Askaban verweilte und seine Mutter eine gebrochene Frau war und andere Sorgen hatte als die seinen.

Vielleicht konnte sie sich gegenseitig auffangen und über die Trauer hinwegkommen.




+++





Hermione konnte wieder einmal nicht schlafen. Fast jede Nacht wurde sie von Albträumen geplagt. Schweißgebadet wachte sie auf. Ihre Atmung ging stoßweise und ihr Herz raste. Sie konnte die Trauer nicht verarbeiten. So fraß sie alles in sich hinein. Wie gerne hätte sie jemand zum Reden. Aber wer sollte das sein? Ihre Freunde hatten ihre eigenen Probleme und sie wollte sie nicht mit ihren Problemen belasten. Die Löwin war schon versucht einen Muggel-Psychiater aufzusuchen. Vielleicht sollte sie das tun. War sie wirklich schon so tief gesunken, dass sie mit einem Fremden über ihre Probleme, Ängste, Sorgen und Nöte reden wollte, anstatt mit Menschen, die sie liebte und denen sie vertraute? – Ja, das war sie. Schon traurig. Aber es war auch irgendwie bezeichnend für ihre momentane Situation. Wenn sie es bedachte, war sie schon immer eine Einzelgängerin und anders, wie die anderen Kinder gewesen.  Doch gestört hatte sie es nie. Hermione hatte irgendwie immer gespürt, dass sie ihren vorherbestimmten Weg einschlagen würde.

Der Brief für ihre Aufnahme in Hogwarts war ihre Antwort auf ihre unbewussten Fragen gewesen. Plötzlich hatte alles einen Sinn gemacht.




+++




Der Unterricht war heute ereignislos verlaufen. Hermione hatte ihre Maske aufgesetzt und Miss Allwissend gespielt, da sie einfach keine Gefahr laufen wollte, sich erklären zu müssen. Sie hatte die letzten Tage, die merkwürdigen Blicke gespürt und auch war ihr das Getuschel nicht entgangen. Natürlich war es ihr egal, aber nicht das noch irgendwer – womöglich Professor McGonagall – ihr Gespräche aufzwang. Sie würde gerne mit jemand reden, aber nicht mit der Schulleiterin, eher mit Ginny. Ihr fehlte ihre beste Freundin, ihre Gespräche, einfach nur normale junge Frauen sein. Doch das waren sie schon lange nicht mehr, dafür hatte der verdammte Krieg gesorgt.

Wie fast jeden Tag hatte sich die Gryffindor in die Bibliothek zurückgezogen. Sie war so vertieft in ihr Arithmetik-Buch, dass sie nicht bemerkte, dass Draco hinein gekommen war. Er setzte sich an den Tisch neben sie und beobachtete die junge Hexe. Diese sah schlecht aus – müde und blass. Er erkannte, dass es ihr erging, wie ihm selbst. Draco wand sich wieder dem aufgeschlagenen Buch vor ihm zu, aber er konnte sich nicht darauf konzentrieren. Immer wieder schweiften seine Gedanken ab. Zu seinem Patenonkel, seinen Eltern, seiner Situation …

„Du solltest das Buch schon richtig herumdrehen, um darin lesen zu können“, zerriss Hermiones Stimme plötzlich die Stille. Von Madame Pince kam ein warnendes Zischen. Draco zuckte leicht zusammen, da er nicht damit gerechnet hatte, dass sie ihn überhaupt bemerkt hatte. Hermione beugte sich zu ihm rüber und erhaschte einen Blick in das Buch in dem er offensichtlich lesen wollte. Geschichte der Zauberei. „Soll ich dir helfen?“ Sie wollte ihm helfen?
„Warum willst du mirhelfen?“ Seine Stimme klang so neutral wie ihre. Keine Spur von Spott und Bosheiten, so wie es vor dem Krieg der Fall gewesen war.

„Weil du augenscheinlich Hilfe brauchst“, sagte sie und zuckte mit ihren schmalen Schultern.

„Aber du hasst mich …“

„Sieh es als gute Tat. Ich habe aber ehrlich gesagt auch keine Lust und Kraft mehr auf diese Blutstatussache. Wohin es uns geführt hat, haben wir ja gesehen und am eigenen Leib erfahren. Du hast wie ich Menschen verloren, die dir viel bedeutet haben.“ Hermiones Stimme war brüchig geworden und sie kämpfte mit ihren Tränen, doch sie kämpfte ihre Tränen erfolgreich nieder. Die stolze Löwin wollte nicht weinen und schon gar nicht vor Draco. Er nickte. Sie hatte Recht. Er hatte genug verloren.

„Danke.“

Hermione drehte das Buch, sodass es nun richtig herum lag und sie begannen zusammen zu lesen, während sie ihm dabei erklärte, was er augenscheinlich nicht verstanden hatte. Ihre Zusammenarbeit verlief einträchtig und er verstand Hermiones Ausführungen. So war es für ihn ein Leichtes den geforderten Aufsatz zu schreiben. Ihre Nähe war ihm ganz und gar nicht unangenehm.



+++




Die Lehrer hielten Hermine und Draco für ein perfektes Team und so wurden sie immer, wenn ihre Häuser zusammen Unterricht hatte und eine Teamarbeit von Nöten war, zusammen eingeteilt. Es störte weder die Gryffindor noch den Slytherin. Sie wussten, wie der andere tickte und so arbeiteten sie konfliktfrei, da keiner der Beiden auf Stress aus war, zusammen. Vor dem Krieg hätte das noch ganz anders ausgesehen. Da wären sie sich an die Gurgel gegangen. Aber es war so viel passiert. Der Verlust und die Trauer hatten sie verändert, erwachsen werden lassen. Notgedrungen.

Seit seiner Rückkehr an die Schule fühlte sich Draco, wie ein Ausgestoßener. Seine Mitschüler mieden ihn und redeten nur das Nötigste mit ihm. Am Anfang war es schwer gewesen. Er war diese Situation einfach nicht gewohnt gewesen. Früher war er der Anführer gewesen, alle hatten zu ihm aufgesehen und Angst vor ihm gehabt. Doch das war vorbei. Aber es störte Draco nicht, langsam hatte er sich mit seiner neuen Rolle angefreundet. Mittlerweile genoss er es regelrecht alleine zu sein. Die Einsamkeit hatte etwas für sich. Nichtsdestotrotz verletzten den Zauberer die Tuscheleien, die genau so laut waren, dass er sie auch hören konnte. Dennoch wehrte er sich nicht. Draco sagte nichts. Kein Wort verließ seinen Mund. Er nahm es einfach so hin.

Langsam lernte er diese Sticheleien zu ignorieren, sie nicht mehr an sich heran zu lassen. Dieses gelang ihm immer besser. Dennoch gab es Tage, wo er die Urheber am liebsten verzaubern würde, dennoch unterließ er es. Da er keinen Stress mit Professor McGonagall wollte. Die Direktorin war verständlicherweise nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen und er war froh, dass sie ihn überhaupt wieder in Hogwarts aufgenommen hatte, da sollte er tunlichst vermeiden sich etwas zu Schulden kommen zu lassen. Draco hatte keine Ahnung, wem er es zu verdanken hatte, dass er überhaupt wieder zurückkommen durfte. Er war sichtlich überrascht gewesen, als er den Brief erhalten hatte. Er hatte keine Sekunde gezweifelt nicht zurück nach Hogwarts zurückzukehren und seinen Abschluss zu machen. Auch wenn er noch keine Ahnung hatte, was er danach beruflich machen wollte. Irgendetwas würde sich schon finden.  

Draco fischte ein Buch von seinem Nachtisch, dabei fiel eine Fotographie – keine Magische – heraus. Er musste schlucken, denn auf dem Bild waren Severus und er abgebildet. Es zeigte die Beiden an Dracos fünften Geburtstag. Wie glücklich sie aussahen. Sie waren es auch gewesen. So wie immer, wenn sein Patenonkel zu Besuch gekommen war. Mit Severus hatte er manch schönen Tag verbracht. Die ganzen Erinnerungen bewahrte er in seinem Herzen auf und würde es auch immer.

Draco nahm das Bild und verließ sein Zimmer. Sein Ziel war der See. Genauer gesagt sein Lieblingsplatz, den er nach seiner Rückkehr entdeckt hatte. Der Ast einer großen Weide hing so weit hinunter, dass er sich wunderbar als Sitzplatz eignete und Draco einen wunderbaren Ausblick über den See hatte. Er kam so gut wie jeden Tag hierher, um nachdenken.

Er ließ sich auf seinem Lieblingsplatz nieder und zog das Foto aus seinem Umhang. Mit einem Mal rannen stumme Tränen seine Wangen hinab. An diesem – seinen – Ort schämte er sich ihnen nicht. Einen Rest seines malfoyischen Stolzes hatte er sich erhalten. Er weinte nicht in der Öffentlichkeit. Egal was kam.

Draco saß so eine Weile da, er hatte jegliches Zeitgefühl verloren, die Tränen rollten seine Wangen unaufhörlich hinab und er blickte auf das Bild. Er hatte das Gefühl, als erdrückten ihn der Schmerz und die Trauer. Sie lagen, wie ein zentnerschwerer Stein auf seiner Brust.

Er lauschte und vernahm so ein leises Schluchzen. Ganz leise, darauf bedachte nicht entdeckt zu werden, drehte der Slytherin seinen Kopf in die Richtung, aus der er das Geräusch vernommen hatte und staunte nicht schlecht. Im Gras saß Hermione und weinte, wie er. Nur im Gegensatz zu ihm, weinte sie nicht geräuschlos. Genau in diesem Moment blickte sie in seine Richtung. Zwei Menschen, mit tränenverhangenen Augen, die trauerten. Draco zögerte einen Augenblick, dann deutete er Hermione an zu ihm zu kommen. Sie zögerte ebenfalls kurz, dann stand sie auf, ging zu ihm und ließ sich neben dem Zauberer nieder.

Die Beiden sagten kein Wort. Der Blick der Löwin fiel zufällig auf das Foto in Dracos Hand. Der Hauch eines Lächelns huschte über ihr verheultes Gesicht. „Ihr wart glücklich.“ Eine Feststellung ihrerseits. Draco nickte.

„Waren wir gewesen …“, flüsterte er.

„Er fehlt dir“, stellte Hermione fest.

Er nickte lediglich. Seine Stimme versagte ihm ihren Dienst. Ja, sein Verlust traf ihn hart, sehr hart. Aber er sah ihr an, dass sie auch der Verlust ihrer Freunde traf. Sie hatten beide sehr viel in diesem Krieg verloren.

Draco legte seine Hand auf ihre und drückte sie kurz. Einen Augenblick ließ er sie noch da, dann nahm er sie wieder weg.

Zwischen ihnen begann sich etwas zu verändern, doch Hermione würde noch Zeit brauchen bis sie vollkommen vergessen konnte, was zwischen ihnen vorgefallen war. Aber es war ein Anfang gemacht. Dennoch musste er sich ihr Vertrauen noch verdienen.  




+++






Hermione und Draco liefen schweigend durch die Straßen von Hogsmeade. Viele Worte waren zwischen ihnen nicht nötig. Sie verstanden sich wundersamer Weise auch so. Die Beiden verbrachten fast ihre gemeinsame Freizeit zusammen. Zu Anfang aus Gewohnheit, doch mittlerweile weil sie sich mochten und gerne Zeit miteinander verbrachten. Hermione hatte Draco zwar noch immer nicht vollkommen verziehen, aber sie waren auf einem guten Weg. Sie hatte erkannt, dass Draco sich verändert hat und dass ihm seine Taten sehr Leid taten. Wenn er die Zeit zurückdrehen und alles ändern könnte, dann täte er es. Doch das konnte er nicht. Dennoch gab der Slytherin Tag für Tag sein Bestes, um der Löwin zu beweisen, wie ernst es ihm war und was ihm ihre noch aufkeimende Freundschaft bedeutete.

Es tat ihm gut mit ihr über Severus zu reden. Sie hatte seinen Patenonkel geschätzt.

Sie hatten den Dorfkern von Hogsmeade erreicht und hier trennten sich meistens ihre Wege, da Hermiones Weg meistens zu Schreiberlings Federladen führte, während Draco den Honigtopf ansteuerte, um sich mit den verschiedensten Süßigkeiten einzudecken. Er hatte ein Faible für Süßkram aller Art.

Die Beiden blieben stehen und blickten sich an. „Ich nehme an, dass du zu Schreiberlings Federladen gehst“, sagte Draco mit einem breiten Grinsen.

„Und du wirst dem Honigtopf einen Besuch abstatten“, erwiderte Hermione ebenfalls mit einem breiten Grinsen, was beide zum Lachen brachte. Mit Freude sah der Malfoy-Spross, dass Hermione in der letzten Zeit wieder häufiger lächelte und auch lachte, wenn auch nicht aus vollstem Herzen. Dennoch machte er sich keine Illusionen, dass sie noch immer trauerte und es auch noch eine sehr lange Zeit anhielt. Bei ihm verhielt es sich ganz ähnlich. Dafür waren ihre Verluste zu erheblich gewesen.

„Dann treffen wir uns in zwei Stunden in den Drei Besen.“

„Bis nachher.“

Draco sah Hermione noch nach bis sie aus seinem Blickfeld verschwand. Mit einem Mal hatte er das Gefühl beobachtet zu werden, er blickte sich um, erkannte aber niemand, der sich auffällig benahm. „Ich muss mich getäuscht haben“, flüsterte der Slytherin leise, vergrub seine Hände in den Taschen seines Umhangs und macht sich auf den kurzen Weg zum Honigtopf. Immer noch wurde er das ungute Gefühl nicht los beobachtet zu werden. Er schüttelte seinen blonden Schopf und vertrieb seine Gedanken.




+++





Draco saß bereits in den Drei Besen, als Hermione den Pub betrat. Die Hexe schenkte ihm ein kleines Lächeln, als sie ihn an einem Tisch im hinteren Teil entdeckte, wo sie nicht so auf dem Präsentierteller saßen, aber einen guten Überblick hatten.

„Hallo Draco.“

„Hallo Hermione.“

Sie setzte sich neben ihn, sodass sie wie er aus dem Fenster sehen konnte. Draco hatte bereits für sie beide ein Butterbier bestellt.

„Wie ich sehe, warst du erfolgreich“, stellte er fest, während er mit einer Kopfbewegung auf die Tüte deutete, die die Hexe auf den Stuhl neben sich stellte.

„Das war ich. Ich habe alles bekommen, darunter eine tolle neue Schreibfeder im Gryffindorrot“, beantwortete die Hexe die Frage. Draco rollte mit seinen Augen. Diese kleinen Spitzen über die Zugehörigkeit ihrer Häuser, konnte sie einfach nicht lassen. Auch wenn die Zugehörigkeit schon lange kein Thema mehr zwischen ihnen war. Diese Neckereien zeigten ihnen, wie eng ihrer Freundschaft mittlerweile war. Die Zeit, die Hermione und Draco miteinander verbrachten tat ihnen gut und erleichterte ihre Trauer. „Du hast aber auch gut zugeschlagen.“ In ihrer Stimme schwang eine gute Portion Belustigung mit.

„Ich brauche ja einen gewissen Vorrat an Süßkram bis zum nächsten Hogsmeade-Wochenende“, lachte Draco. Hermione stimmte in sein Lachen ein. Sie nahm einen Schluck von ihrem Butterbier und ließ ihren Blick durch das Lokal schweifen, einfach nur so. Eigentlich interessierte es sie gar nicht, wer sich hier noch so aufhielt. Es war ihr schlichtweg egal, dennoch blickte sie sich um. Draco blickte währenddessen aus dem Fenster. Ein Mann zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Er versteifte sich und sein Herzschlag erhöhte sich. „Unmöglich“, murmelte er. Das konnte nicht sein. Draco bekam gar nicht mit, wie Hermione ihn anredete.

„Draco.“ Er hörte seinen Namen wie durch Watte an sein Ohr dringen. „Draco.“ Er reagierte erst, als Hermione mit ihrer Schulter an seiner rieb.

„Entschuldige. Was hast du gesagt?“ Sie musterte ihn.

„Ist alles okay. Du siehst so aus, als hättest du einen Geist gesehen.“ Draco musste schlucken und schob seine Gedanken beiseite.

„Alles okay. Mir ist nur leicht übel, ich habe zu viele neue Pralinen im Honigtopf probiert.“ Er wollte sie nicht anlügen, aber er wollte auch nicht, dass sie ihn für verrückt hielt.

„Oh man Malfoy“, grinste Hermione und knuffte ihm in die Seite. Sie winkte Madame Rosmerta herbei und bestellte einen Kamillentee für Draco. Was sein schlechtes Gewissen noch verstärkte. Er sollte am besten gar keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Er war tot. Oder vielleicht doch nicht? Seine Leiche war schließlich nicht gefunden worden.




+++





Hermione beobachtete Draco. Seit sie aus Hogsmeade zurück waren, war er irgendwie stiller und in sich gekehrt. Irgendetwas musste auf dem Ausflug vorgefallen sein.

„Draco, was ist los?“, sprach Hermione den blonden Slytherin an. Er hörte auf lustlos in seinem Essen herum zu stochern und legte sein Besteck beiseite. Langsam hob er seinen Blick und drehte seinen Kopf der Löwin zu.

„Ich denke bloß nach“, antwortete er ausweichend. Draco musste aufpassen, dass er sich nicht verriet. Er dufte Hermine nichts von seinen vermutlich haltlosen Vermutungen erzählen. Sie sollte nichts davon mitbekommen. Zumindest im Moment noch nicht. Es war ja nicht einmal sicher, ob er sich nicht getäuscht hatte. Er musste sich getäuscht habe. Die Möglichkeit, dass er noch lebte, bestand einfach nicht. Eine pure Wunschvorstellung. Nicht real.

Die Hexe beobachtete ihn eingehend, was Draco mehr als unangenehm war. Hermione glaubte ihm nicht, sie war momentan vielleicht der einzige Mensch, der ihn am besten einschätzen und in ihm wie in einem offenen Buch lesen konnte.

„Es muss aber etwas Ernstes sein, wenn es dir den Appetit verdirbt.“

Er seufzte auf. Ja, es war etwas Ernstes, aber das konnte er Hermione doch nicht erzählen … Er wollte kein Geheimnis vor Hermione haben. Es war ja nur für eine kurze Zeit und nicht für immer.

„Ist es.“

Anhand seines Gesichtsausdruckes verstand die Löwin mit dem scharfen Verstand, dass er nicht oder noch nicht mit ihr darüber reden konnte. Hermione nickte, dennoch verspürte sie einen Stich der Enttäuschung.

Draco entging das natürlich nicht. „Mione, bitte vertrau mir. Sobald ich Gewissheit habe, erkläre ich dir alles.“ In seinen grauen Augen lag ein Flehen.

Severus, schoss der Gryffindor durch den Kopf. Es hatte etwas mit Severus zu tun, deshalb rückte Draco nicht mit der Sprach heraus. Er wollte sie nicht unnötig verletzen.

„Ich vertraue dir, Draco. Sag es mir, wenn du soweit bist.“ Hermione nahm seine Hand in ihre.

„Danke, Mione.“ Sie schenkte ihm ein Lächeln und drückte seine Hand sanft. Der Slytherin erwiderte ihr Lächeln.

Für eine Weile blieben sie so sitzen, jeder in seiner eigenen Gedankenwelt gefangen bis Hermione irgendwann seine Hand losließ und Draco zwang noch etwas zu essen. Grummelnd aß er seinen Teller auf. Er fand Hermione schlimmer als seine Mutter, aber wenn er ehrlich zu sich war, genoss er von der Löwin umsorgt zu werden. Es war ein schönes Gefühl doch noch für jemanden wichtig zu sein. Natürlich war das seiner Mutter ungerecht gegenüber, die ja nur noch ihn hatte. Nachdem sein Vater sich erst von ihr getrennt hatte und nun in Askaban saß, ohne eine große Chance freizukommen. Doch es war seinem Vater egal, seit Severus tot war.



+++




Die Sonne lachte vom Himmel. Es war ein schöner Spätsommertag. Hermione und Draco hatten sich an ihren Lieblingsplatz am See zurückgezogen. Sie saßen einfach nur schweigend da und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Draco glaubte mittlerweile, dass er sich getäuscht hatte und es nicht Severus war den er in Hogsmeade gesehen hatte. Sein Hirn hatte ihm nureinen Streich gespielt. Sein Patenonkel konnte nicht mehr am Leben sein. Er war in der großen Schlacht gestorben. Aber … Kein Aber. Er war tot. Auch wenn er sich so sehr wünschte, dass Severus noch lebte. Vielleicht hatte ihm sein Gehirn deshalb vorgegaukelt, das er noch lebte. Hoffentlich sah er jetzt nicht überall Severus. Draco wollte nicht wahnsinnig werde. Eine Welle des Schmerzes überrollte ihn und schnürte seine Kehle buchstäblich zu.

„Dich belastet doch etwas, Draco?“, durchbrach Hermione plötzlich die einvernehmliche Stille. Ihre Blicke trafen sich und der Slytherin erkannte große Sorge in Hermiones Augen. Verdammt! Genau das hatte er vermeiden wollen. Er wollte Hermione nicht mit dahineinziehen. Doch genau das tat er. Vielleicht hätte er ihr von Anfang an erzählen sollen, dass er geglaubt hatte Severus gesehen zu haben.

„Ach Mione …“ Draco fuhr sich durch seine blonden Haare.

„Du kannst mit mir über alles reden. Das weißt du“, sagte Hermione mit sanfter Stimme und vergrub ihre Finger in seinen weichen Haaren. Sie nahm eine Strähne und ließ sie durch ihre Finger gleiten. Das fühlte sich gut an. Die Löwin wiederholt das Spiel. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht, als sie Draco wohlig seufzen hört.

„Das weiß ich …“, Draco brach ab und überlegte, wie er es am besten Hermione erzählte, was ihm auf dem Herzen lag. „Du darfst mich nicht für verrückt erklären, wenn ich dir gleich erzähle, was mich schon eine ganze Weile beschäftigt. Okay?“ Er blickte sie eindringlich an. Hermione nickte, da sie eine leise Ahnung hatte, um was es sich drehte. Immer noch fuhr sie durch Dracos blonde Haare und spielte mit seinen weichen Strähnen.

Er atmete noch einmal tief durch. „Als wir das letzte Mal in Hogsmeade waren und in den Drei Besen gegessen haben, dachte ich, ich hätte Severus gesehen. Aber das ist natürlich nicht möglich. Er ist tot …“ In seinem Hals hatte sich ein großer Kloß gebildet. Hermione unterließ es nicht durch seine Haare zu fahren und einzelne Strähnen um ihre Finger zu wickeln. Die Hexe sagte einige Momente nichts.

„Könnte es nicht sein, dass er … Severus doch noch lebt?“, fragte Hermine, nachdem sie über Dracos Worte nachgedacht hatte. Mit dieser Reaktion hatte der Slytherin nicht gerechnet.

„Ich weiß es nicht, vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wünschen würde ich es mir natürlich. Auch für meinen Vater.“ Sollte er jemals wieder aus Askaban herauskommen, fügte er in Gedanken noch hinzu.

Hermione nickte. Anscheinend verband Severus und Lucius Malfoy eine sehr tiefe Freundschaft. Vielleicht war da auch mehr, aber sie traute sich nicht weiter zu bohren. Es ging sie ja auch nichts an.

„Wenn Severus noch am Leben ist, wird er sich bei dir melden“, sagte sie sanft.

„Glaubst du das wirklich?“

„Ja, das glaube ich“, lächelte sie und ihre bernsteinfarbenen Augen strahlten.

„Danke für alles. Deine Freundschaft bedeutet mir sehr viel“, gestand Draco der überraschten Hermione. Auf deren Gesicht erschien ein breites Lächeln.

„Mir bedeutet deine Freundschaft auch sehr viel.“ Das tat sie ihm wirklich. Vor nicht so langer Zeit wäre das unmöglich gewesen, als sie noch Feinde und nicht auf derselben Seite gestanden hatten.


~*~






~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine schöne, wenn auch traurige Geschichte. Das Zitat hat hier sehr gut gepasst.

Eure lula-chan
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