Wenn Pokémon Trainer auf Halbblute treffen

CrossoverAbenteuer, Fantasy / P12 Slash
28.06.2020
30.06.2020
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30.06.2020 3.015
 
„Weißt du vielleicht, wem diese Stimme gehört?”, fragte Hendrik Percy, als die fünf Trainer in Begleitung des jungen Mannes mit dem Bronzeschwert dem lauten Brüllen folgten, das sie gerade aus dem Konzept gebracht hatte. „Ich habe da so einen Verdacht. Aber ich hoffe, dass ich mich irre”, gab Percy knapp zurück und rannte nochmals schneller. „Aber sagt mal: wer genau ist da an eurer Seite? So ein Wesen habe ich noch nie gesehen.”
„Wir sagten doch, das erklären wir dann, wenn wir wieder durchatmen können”, erinnerte ihn Isabelle und sah kurz zu ihrem Lucario rüber. „Und wenn das vorbei ist, dann haben wir auch ein paar Fragen an dich”, fügte Hendrik hinzu.
Percy erwiderte seinen Blick kurz und schaute dann wieder nach vorne. Sie hatten inzwischen eine kleine Lichtung erreicht, die aber von einem riesigen Wesen fast komplett eingenommen wurde. Den Trainern stockte der Atem, als sie es betrachteten: sein Körperbau war zwar irgendwo menschlich, aber sein ganzer Leib war mit dichtem Fell überzogen und von Muskeln gezeichnet. Seine Augen funkelten rot wie Rubine, und zwei riesige Hörner wuchsen aus seinem Kopf heraus. Unterhalb der Hüfte trug es einen bronzenen Beinschutz und Sandalen.
Das Monster war jedoch nicht allein: eine menschliche Gestalt mit einem Dolch in der Hand sprang und rollte um es herum und kämpfte scheinbar gegen das Monster. Es war offenbar ein Mädchen mit langen blonden Haaren und in demselben T-Shirt wie das, das Percy trug.
„Annabeth!”, rief Percy, als er das Mädchen sah und rannte auf das Monster zu und stieß sein bronzenes Schwert gegen seinen Arm. Das Monster brüllte noch lauter als vorher und schüttelte Percy wütend ab, woraufhin er auf den Rücken knallte. „Pass auf, Percy!”, rief das Mädchen namens Annabeth rüber und rannte zu ihm. „Was hat denn das alte Kuhgesicht hier zu suchen?”
„Das ist egal, besiegen tun wir ihn trotzdem”, sagte Hendrik und nickte seinen Freunden zu. Jeder von ihnen nahm einen der Pokébälle von seinem Gürtel und rief eines ihrer Pokémon heraus:
Aus Hendriks Ball erschien sein Krarmor, ein großes Flug und Stahl-Pokémon, dass ein lautes Krächzen ausstieß und sich in die Lüfte erhob.
Kira rief ihr Knakrack heraus, ein langes Drachen und Boden-Pokémon mit scharfen Krallen, das schneller als ein Düsenjet fliegen konnte.
Crowley setzte sein Shnebedeck ein, und Abigail unterstützte ihn mit ihrem Panpyro. Isabelle schließlich schickte Luka los und nahm das Monster ins Visier, während Percy und Annabeth zu ihnen kamen. „Wer sollen die denn sein?”, fragte Annabeth mit aufgerissenen Augen, aber Percy zuckte nur mit den Schultern und sagte: „Wir haben uns geeinigt, dass später noch Zeit für Fragen ist.”
„Du kannst echt nicht verhandeln, Algenhirn”, seufzte Annabeth. „Hey, so nicht, Neunmalklug”, konterte Percy sofort. „Leute, könnt ihr euch mal bitte konzentrieren? Ich habe nicht den Eindruck, dass der Kerl wartet, bis ihr fertig seid”, unterbrach Kira ihre Diskussion. „Geht´s noch?”, fragte Annabeth empört, als könne sie nicht glauben, wie gerade mit ihr geredet wurde. „Ja, und zwar los. Krarmor, Sturzflug!”  
Das Flug Pokémon schoss in den Himmel und stürzte gleich darauf wieder herunter, wobei es in strahlende Energie gehüllt wurde, und rammte das Monster frontal. Es flog mehrere Meter durch die Luft, und Krarmor zog sich zurück, als es den Schaden vom Rückstoß seiner Attacke erhielt.
„Gar nicht mal schlecht, das muss ich sagen”, gab Percy zu, der sein Bronzeschwert in die Luft hielt. „Und ich geb ihm jetzt den Rest. Mal wieder.”
Damit stürmte er direkt auf das riesige Monster zu, das noch halb betäubt von dem Sturzflug war, und rammte sein Schwert direkt in seinen Kopf. Das Monster stieß ein unglaublich lautes Muhen aus und wand sich mehrere Momente lang, löste sich dann aber plötzlich zu Staub auf, der zu Boden fiel.
„Ok. Das habe ich nicht kommen sehen”, sagte Crowley, als die fünf Trainer zu Percy eilten und den Haufen Staub ansahen, der vor ein paar Sekunden noch ein Monster gewesen war. „Wieso? Das ist ganz normal, dass Monster sich auflösen, wenn man sie tötet”, sagte Percy schulterzuckend und trat den Staub beiseite. „Genug mit dem Smalltalk, jetzt erklär mir erstmal, wer diese Typen sind”, forderte Annabeth und tippte Percy gegen die Schulter. „Na ja, bis jetzt kennen wir nur unsere Namen. Auch wenn das schon gefährlich ist, ich weiß. Aber das war einfach eine Ausnahmesituation.”
„Was für ein Ding war das denn überhaupt?”, fragte Abigail, die ihr Panpyro auf den Arm genommen hatte. „Das war leider der Minotaurus, der alte Kuhkopf höchstpersönlich”, sagte Percy düster und verschränkte die Arme. Dabei holte er eine kleine Kappe hervor, vermutlich von einem Kugelschreiber, und berührte damit die Spitze seiner Klinge. Innerhalb von Sekundenbruchteilen schrumpfte das Schwert zu einem kleinen Kugelschreiber zusammen, den er in seiner Hosentasche verschwinden ließ.
„Seid ihr fünf Halbgötter?”, wollte Annabeth nun wissen und ging um die Trainer herum. Hendrik hob nur die Augenbrauen und sagte: „Wir sind ganz normale Menschen. Was sollten wir denn sonst sein?”
Das blonde Mädchen verschränkte nun ebenfalls die Arme und schien zu überlegen. „Das bedeutet, ihr seid zwar Sterbliche, könnt aber trotzdem durch den Nebel sehen. Interessant, gleich fünf solcher Menschen auf einmal zu finden.”
„Was denn für ein Nebel? Die Sicht hier ist doch völlig klar, von der Dunkelheit mal abgesehen”, meinte Crowley grinsend. „Nein, der magische Nebel”, erklärte Annabeth leicht genervt. „Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber kennt ihr die Wesen und Gottheiten aus der griechischen Mythologie?”
Die Trainer schauten sich kurz an und wechselten verwirrte Blicke miteinander. Dann trat Hendrik vor und fragte: „Sagtet ihr gerade griechische Mythologie? Ich kenne nur dieses erfundene Buch, das ich vor Kurzem gekauft habe.” Er griff in seinen Rucksack und holte das Buch über die menschlich beschriebenen Gottheiten hervor, dass er seinen Freunden gezeigt hatte. „Das sind doch bloß Geschichten, die sich ein Autor aus der Einall-Region ausgedacht und in Buchform veröffentlicht hat. Was hatte also diese Kreatur damit zu tun?”
Nun waren es die beiden Jugendlichen, die sie verwirrt ansahen. „Was für eine Region?”
„So wie ihr das sagt, klingt es nach New Jersey. Da kommt doch alles Seltsame her”, meinte Percy und lächelte knapp. „Was soll das heißen? Wir wohnen in der Einall-Region, und nicht in einer Stadt namens New Jersey. Erfinde gefälligst keine Namen”, forderte Isabelle. „Das sagen hier die Richtigen”, konterte Percy sofort.
„Jetzt bleibt mal alle ruhig. So kommen wir hier keinen Schritt weiter. Erklärt uns jetzt, wer ihr seid und woher ihr kommt.”
Langsam trat die Gruppe näher an die beiden Teenager heran, und Hendrik streckte die Hand aus. „Ich bin Hendrik Jigoku, dort ist meine Freundin Kira Heart, daneben sind Crowley und Abigail Serkitz, und das Mädchen im Piratenmantel heißt Isabelle Millfy. Wir sind Pokémon-Trainer.”
Die beiden Jugendlichen hörten genau zu, runzelten aber die Stirn, als das Wort „Pokémon” fiel. „Was hat ein Videospiel für Kinder mit eurer Identität zu tun?”, wollte Percy wissen. „Wieso denn Videospiel? Die Pokémon gibt es wirklich”, widersprach Kira, als könne sie ihren Ohren nicht trauen. „Ihr habt wohl ein bisschen zu viel Pokémon Go gespielt und bildet euch jetzt Dinge ein.”
„Ach ja? Das erzähl doch mal Pikachu”, sagte Hendrik nun leicht gereizt und öffnete erneut seinen Rucksack, wo sein Elektro-Pokémon verschlafen seinen Kopf hinausstreckte und sich blinzelnd umsah. „Pikachu, du schläfst in letzter Zeit echt viel”, stellte Hendrik schmunzelnd fest. Sein Pokémon kletterte nur langsam auf seine Schulter und nahm dort seinen Lieblingsplatz ein. Percy und Annabeth dagegen schritten auf Hendrik zu und schauten Pikachu an wie einen Geist.
„Hey, Großer, kannst du mal ein bisschen runtergehen?”, bat Percy ihn. Hendrik verdrehte kurz die Augen, ging dann aber etwas in die Knie, sodass Percy und Annabeth nun auf derselben Höhe wie Pikachu waren. „Das sieht genauso aus wie dieses Pikachu aus den Videospielen”, sagte Annabeth leise. „Also, ich habe nur mal für eine Weile Pokémon Go gespielt. Aber den kenn sogar ich.”
„Hört endlich mal auf, Pokémon als Videospielfiguren zu bezeichnen”, forderte Abigail nun auch leicht gereizt. Wenn sie mal wütend wurde, dann war die Lage wirklich ernst. „Hört zu: ich weiß nicht, wie wir euch das erklären sollen, aber... es gibt die Pokémon nicht wirklich.”
Nun waren die Trainer endgültig baff. Sie sahen aus, als hätte man ihnen der Reihe nach einen Schlag verpasst und dann noch auf den Kopf gespuckt. „Aber dennoch”, fügte das blonde Mädchen hinzu, „es besteht kein Zweifel, dass ihr sie scheinbar tatsächlich besitzt. Vielleicht könnte... bei den Göttern!”
Sie riss die Augen auf und schaute aufgeregt von einem zum anderen. Doch dann schien Hendrik aufzugehen, woran sie gerade dachte: „Die Multiversum Theorie?”
„Vielleicht”, sagte Annabeth und stützte die Hand ans Kinn. „Sagt mal, wie kamt ihr eigentlich hierher?” „Das kam so: wir waren gerade eigentlich in unserer Wohnung und wollten uns entspannen, als auf einmal ein starkes Gewitter losbrach, mit mehr Blitzen, als eigentlich sein kann. Dann wurden wir bewusstlos, und im nächsten Moment waren wir in diesem Wald, wo wir dann auf euch beide trafen.”
„Blitze also?”, wiederholte Percy. „Das klingt ganz nach der alten Donnerhose, wenn du mich fragst.”
„Er meint Zeus, den König der Götter”, erklärte Annabeth auf die fragenden Blicke der Trainer. „Aber wenn es all diese Gottheiten wirklich gibt, wieso sollte dieser Zeus uns hierherschicken?”, wunderte sich Isabelle. „Ihr könnt uns glauben, was die Gottheiten sagen und tun, ergibt für uns fast nie Sinn.”
„Aber es muss einen klaren Grund geben, warum ihr hierhergeschickt wurdet”, beharrte Annabeth. Percy schien kurz nachzudenken, dann sagte er: „Der Minotaurus beunruhigt mich. Ich habe ihn zuletzt vor einem Jahr vernichtet. Dass er so früh schon zurück ist, kann eigentlich nicht sein.”
„Ich könnte mir vorstellen, dass Chiron mehr darüber weiß. Wir sollten zu ihm ins Camp gehen und uns einen Rat von ihm einholen.”
„Entschuldigung, was für ein Camp?”, fragte Kira mit hochgezogenen Augenbrauen. „Camp Halfblood. Ein Ort für Leute wie uns. Halbgöttliche Kinder.”




„Also nochmal von vorne”, sagte Crowley langsam, während die Trainer den beiden Halbgöttern hinterherliefen in Richtung ihres Camps. „Es kommt also des Öfteren vor, dass Gottheiten mit normalen Menschen Kinder bekommen, die dann halb göttlich und halb menschlich sind? Und es gibt ein Camp für solche Leute, wo sie trainieren können und lernen, zu überleben?”
„Richtig. Genauer gesagt gibt es zwei verschiedene. Das andere ist Camp Jupiter; dort leben die Kinder der römischen Götter und trainieren den Kampf als Legion. Die Griechen waren schon immer eher Einzelhelden und kämpften normalerweise nicht in Teams.”
„Und ihr stammt also aus einer Welt, in der es die Pokémon wirklich gibt und nicht nur auf Handys?”, forschte Percy bereits seit geraumer Zeit. „Das sagten wir doch schon: wir leben in unserer Welt mit den Pokémon zusammen, züchten sie oder tragen Kämpfe mit ihnen aus”, erklärte Kira erneut. „Und bei euch gibt es keine Gottheiten, deren Drecksarbeit ihr erledigen müsst, nur wegen irgendwelchen Weissagungen?”, hakte Percy nach. „Es gibt zwar legendäre Pokémon, die zum Teil als Gottheiten angesehen werden, aber die halten sich in der Regel von Menschen fern und lösen ihre Probleme auch selbst.”
„Soll heißen, ihr könnt in Frieden leben und müsst nicht dauernd Monster besiegen, die immer wiederkommen und euch um jeden Preis töten wollen?”
Annabeth seufzte kurz und sprach dann: „Percy, du hast es doch wohl nun verstanden: keine Gottheiten, kein Nebel, keine Monster und keine Halbgötter. Alles klar?”
„Das klingt wie ein wundervolles Leben”, sagte Percy sehnsüchtig und schaute kurz zum Himmel hinauf, als würde er sich vorstellen, wie eine Welt ohne Götter und Monster wohl wäre. „Wer ist denn überhaupt dieser Chiron, dem ihr uns vorstellen wollt?”, fragte Hendrik leicht nervös.  
Annabeth wollte gerade antworten, als die fünf Trainer auf einmal von irgendetwas gestoppt wurden und rückwärts auf den Boden fielen, wo sie sich überrascht ihre schmerzenden Nasen rieben, die sich vermutlich bei dem Zusammenprall rot gefärbt hatten. „Oh, entschuldigt bitte. Normalerweise dürfen Sterbliche das Camp nicht betreten. Deswegen haben wir einen magischen Schild gegen jedwede Leute von außen.” Dann hob das blonde Mädchen ihren Arm und sagte: „Ich, Annabeth Chase, erlaube euch, das Camp zu betreten.”
Als sie das gesagt hatte, hatten die Freunde das Gefühl, als hätte jemand ein Tuch von ihren Augen genommen. Auf einmal sahen sie hinter dem Hügel, auf dem sie standen, ein riesiges Lager mit unzähligen Hütten, die alle vollkommen unterschiedlich aussahen und in einem Ring an einem riesigen See standen. Weiter hinten waren noch viel größere Erdbeerfelder, ein dreistöckiges Gebäude mit einer Wetterfahne, die einen goldenen Adler zeigte, sowie eine über zehn Meter hohe Statue, die über dem Camp thronte und im Mondlicht Silber zu leuchten schien.
„Willkommen in Camp Halfblood”, sagte Percy feierlich, aber auch verschmitzt, als würde er schon wissen, was hier auf sie zukommen würde. „Einer der beiden einzigen sicheren Orte für Halbgötter aus aller Welt.”
„Na, dann Mahlzeit”, sagte Crowley grinsend, der sein Shnebedeck auf dem Arm hatte. „Es ist jedoch schon ziemlich spät. Was machen wir also als Nächstes?”
„Wir können trotzdem zu Chiron gehen. Wir müssen ihm sowieso noch den Bericht abliefern”, erklärte Annabeth und fügte dann noch hinzu: „Er weiß schon, was dann zu tun ist. Ihr könnt ihm vertrauen.”
„Na schön. Ich fürchte, uns bleibt sowieso nicht viel anderes übrig”, sagte Kira seufzend und stemmte die Hände in die Hüften. „Ich bin ja schon gespannt, ob er etwas über das Ganze weiß. Er ist so ein gerissener alter Zentaur.”
„Ein gerissener alter was?”, fragte Abigail neugierig. Percy lächelte nur und zeigte dann in Richtung des dreistöckigen Gebäudes. „Ihr werdet es dann schon sehen. Kommt einfach mit.”
Damit gingen die beiden Halbgötter zu dem Gebäude und drehten sich dabei nicht mehr um. Die Trainer sahen sich einen Moment lang an, bevor sie ihnen nachgingen, obwohl ihnen noch unzählige Fragen auf den Zungen lagen. „Wie viele Halbgötter gibt es denn hier?”, fragte Isabelle schließlich. „Mehr als man jetzt zählen könnte”, wich Annabeth ein wenig aus. „Chiron wird euch eure Fragen genauer beantworten können.”
„Erfahren wir endlich mal, wer der Kerl ist?”, fragte Hendrik nun leicht genervt. Die anderen wussten, dass er in unerwarteten Situationen schon einmal nervös werden konnte, und das zeigte sich dann meistens in Unruhe und manchmal auch Wut. „Keine Sorge, es dauert nicht mehr lange”, versprach Annabeth, wobei sich ihre Stimme anhörte, als wäre sie in Wahrheit mit ihren Gedanken woanders.
Inzwischen hatten sie das dreistöckige Gebäude erreicht. Auf der Veranda sahen die Trainer jemanden, der sie erneut stocken ließ: ein älterer Mann mit dunklen Locken in einer typischen Lehrerjacke mit Koteletten an den Ellenbogen stand an einem Tisch und spielte scheinbar Karten. Doch seine untere Hälfte war es, die die Trainer verwirrte: sein Unterkörper bestand aus vier Beinen mit Hufen, wie bei einem Gallopa, nur ohne die brennende Mähne. Er drehte sich um, als er die Neuankömmlinge bemerkte, runzelte dann aber die Stirn, als die fünf Trainer im Schlepptau ankamen. „Ihr habt gleich fünf neue Halbgötter gefunden?”, fragte er mit einer tiefen Stimme, die den Eindruck vermittelte, als wüsste er, wovon er sprach.
„Wir haben zwar jemanden gefunden, aber sie sind definitiv keine Halbblute”, erzählte Percy und kratzte sich am Kopf. Chiron runzelte abermals die Stirn. „Ihr habt Sterbliche ins Camp mitgebracht?”
„Chiron, das hier ist ernst. Wir trafen sie, als der Minotaurus angriff. Sie konnten ihn sehen und haben ihn auch an unserer Seite bekämpft.”
„Wie bitte?”, fragte Chiron und erhob sich langsam auf seine vier Hufe und trat auf die fünf Trainer zu, denen noch immer die Worte fehlten. „Wie konntet ihr den beiden helfen, den Minotaurus zu besiegen? Ich glaube nicht, dass ihr Waffen aus Himmlischer Bronze oder aus Kaiserlichem Gold habt.”
„Keine Ahnung, wovon Sie reden, aber solche Waffen haben wir wirklich nicht”, sagte Hendrik, der als Erster seine Sprache wiedergefunden hatte. Dann holte er seinen Pokéball erneut hervor und rief sein Krarmor heraus, dass ein lautes Krächzen ausstieß und seine Flügel einklappte.
„Es ist scheinbar ein Pokémon”, sagte Annabeth auf den geschockten Blick von Chiron. „Meinst du diese kleinen Monster, die es in diesen Videospielen gibt?”, fragte Chiron sicherheitshalber nach, woraufhin Percy und Annabeth nickten. „Wir sind genauso verwirrt wie sie, Chiron”, fuhr Kira fort. „Wir wissen lediglich, dass wir nach einem Hagel aus Blitz und Donner in dem Wald da drüben aufgewacht sind. Dort haben wir dann Percy und Annabeth getroffen.”
Chiron nickte und rieb sich die Hand am Kinn. „Und ihr habt keinen Verdacht, wie das alles passiert ist?” „Nun, Percy und Annabeth glauben, es war Zeus, der König der Götter. Aber das würde selbst dann immer noch nicht erklären, warum wir hier sind.”
Der Zentaur schritt leicht unruhig hin und her und nahm dann jeden von ihnen erneut unter die Lupe. „Irgendetwas ist seltsam an euch. Ihr seid zwar Sterbliche, aber eure Aura ist völlig anders. Nicht nur die Tatsache, dass ihr durch den Nebel sehen könnt...”
„Was denn noch?”, wollte Isabelle wissen. Doch Chiron schien diese Information nicht teilen zu wollen, denn er setzte ein gespieltes Lächeln auf. „Ihr solltet euch jetzt erstmal ausschlafen. Der Tag war doch sicher hart. Morgen früh, wenn wir alle ausgeruht sind, reden wir in Ruhe weiter und stellen euch auch den anderen Campern vor.”
Crowley wollte gerade widersprechen, doch da gähnten sie auf einmal alle gleichzeitig los, weshalb sie doch einlenkten und sich zu den Zimmern im Hauptgebäude begaben, die Chiron ihnen zuwies.
Als er mit seinen beiden Campern alleine war, sagte Chiron: „Erzählt den anderen noch nichts von der Ankunft dieser Leute. Wir wissen selbst noch nicht, wer sie nun genau sind und ob sie die Wahrheit sagen. Wir müssen zunächst sehen, was sie hier wollen und beobachten, was danach passiert.”
„Sagen wir dann später auch Camp Jupiter Bescheid?”, wollte Percy wissen. „Auf jeden Fall. Wenn es zu einem Kampf kommt, dann brauchen wir jede Hilfe, die wir kriegen können.” „Also genau wie bei Dädalus damals: einen Feind lieber unter Beobachtung lassen.”
Erneut nickte Chiron, bevor Percy und Annabeth sich ebenfalls zu ihren Hütten begaben, dabei immer an die Trainer denkend. „Ich hoffe, sie sind wirklich unsere Freunde. Ich kenne sie zwar erst seit Kurzem, aber ich will nicht gegen sie kämpfen müssen”, gab Percy zu, als sie sich verabschiedeten.
„Dein Wort in Zeus´ Ohr, Percy. Dein Wort in Zeus´ Ohr.”