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Same but Different

von Soleira
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
J-Hope Jungkook OC (Own Character) RM Suga
28.06.2020
12.06.2021
43
84.803
16
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Dieses Kapitel
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10.06.2021 2.229
 
One shot!

Are you going to be a victim?

Are you going to get lost, looking for an easy way out?

Only one shot!

One Shot – B.A.P




Mari

Mit angezogenen Beinen saß ich neben Yoongi auf der Terrasse. Inzwischen war es kurz vor acht. In einer Stunde würde Namjoons Geburtstag beginnen. Natürlich war ich nicht seit meinem Ausbruch am See hier gesessen. Zwischendurch war ich zu unserer Ferienhütte zurückgekehrt nur um eine völlig fertige Jara vorzufinden. Sie hatte ihren Rücken an den Türrahmen gelehnt und ins Nichts geschaut. Mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Haare hatten in alle Himmelsrichtungen abgestanden und ihre Lippen waren leicht geschwollen gewesen. Namjoon hatte sie anscheinend abgepasst. Es war schön zu sehen, wie sehr sie nun doch in der Beziehung aufging und endlich zu begreifen schien, wie viel sie an ihm fand. Was er ihr bedeutete.

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und holte mein Handy heraus. Scrollte durch meine Galerie. Ganz weit hinunter. Doch ich fand nichts. Also wiederholte ich das Ganze auf WhatsApp. Und tatsächlich…weit unten…fand ich ihn. Helle graue Augen strahlten mir entgegen. Umrahmt von dunkelblondem, etwas längerem Haar. Markante Wangenknochen, schmales Kinn und leicht gebräunte Haut. Sein Lachen war so ansteckend, so furchtbar ansteckend. Und dennoch musste ich fast weinen…

Luca hatte sich nicht verändert. Nur ein wenig reifer wirkte er. Musste er auch irgendwie. Schließlich waren fünf Jahre vergangen. Beide waren wir damals einundzwanzig gewesen. Vieles hatte sich verändert. Und noch immer herrschte Funkstille zwischen uns. Keiner hatte es gewagt, dem jeweils anderem zu schreiben, nach allem was passiert war. Ich hatte es nicht fertig gebracht. Und er ebenfalls nicht. Fast hätte ich den Chat geöffnet. Wäre mir da nicht die Person an seiner Seite aufgefallen.

Sie war hübsch. Ihre Haare gingen ihr bis kurz über die Schultern, das Gesicht war schmal, die Nase klein, das Kinn recht spitz. Röte glänzte auf ihren hellen Wangen genau wie die Liebe in ihren grünen Augen. So wie sie ihn ansah, waren sie bestimmt schon länger ein Paar. Er hatte es also geschafft abzuschließen. Im Gegensatz zu mir. Und ich freute mich für ihn, obwohl es schmerzte.

„Das ist er also“, brummte Yoongi und riss mich somit aus meinen Gedanken. Ich sagte nichts, blieb stumm. Doch das schien ihm zu reichen. Nichts, rein gar nichts hatte ich ihm gesagt und dennoch schien es als hätte er meine Gedanken schneller durchschaut als ich selbst. Genau wie meine Emotionen. Als wüsste er jeden einzelnen Punkt, der sich damals ereignet hatte. Ich seufzte leise.

„Jackson weiß, dass es etwas mit ihm zu tun hat“, murmelte ich.

„Natürlich weiß er das. Er mag zwar immer wie die Sonne in Person wirken, doch auch er macht sich seine Gedanken. Dadurch, dass er schon mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun hatte, besitzt er sehr viel Menschenkenntnis. Und somit fällt ihm schnell auf, wenn sich jemand unbehaglich fühlt“, erwiderte der Rapper und musterte mich. Ich zog leicht die Beine an und legte die Arme darum. Starrte hinaus in die Abenddämmerung.

„Ich werde mit ihm reden…allerdings muss der Moment passen.“

„Gute Entscheidung.“

Einerseits wollte ich nicht, dass die Stimmung zwischen Jackson und mir, Namjoons Geburtstag versaute, aber andererseits konnte ich auch nicht schnurstracks auf Jackson zugehen, ihn mit mir zerren und ihm alles um die Ohren hauen. Das ging nicht. Nein…der Moment musste ein guter sein. Ein ungezwungener, in dem ich wusste, dass ich es ihm sagen konnte. Wenngleich wir bis jetzt nur wenige Worte miteinander gewechselt hatten.

Zurechtgemacht für die Feier hatte ich mich nicht wirklich. Nur ein wenig Wimperntusche und Eyeliner. Jedoch nicht zu extrem. Jara hatte sich zu meiner Überraschung ebenfalls leicht geschminkt. Aber auch nicht zu sehr. Sie trug eine dunkle Jeans, gepaart mit einem weißen Shirt und Jeansjacke. Mein Aufzug dagegen definierte sich in Pulli und Jeans. Fertig. Darunter trug ich noch ein bequemes Shirt. Manch einer würde mich vielleicht als underdressed bezeichnen, doch das war mir furchtbar egal. Wichtig war, dass ich mich an diesem Abend so wohl wie eben möglich fühlte.

Jara wirkte sehr nervös. Namjoons Geschenk hatte sie in dem kleinen schwarzen Rucksack versteckt, den sie auf dem Rücken trug. Schon von weitem dröhnte uns das Wummern der Musik entgegen. Dynamite von Taio Cruz. Erneut begannen die Erinnerungen vor meinen Augen zu tanzen und ich versuchte dem Schwindel in meinem Kopf zu widerstehen. Ging tapfer neben Jara her. Ihr Augenmerk wanderte zu mir. Sie öffnete den Mund, doch ich warf ihr einen einzigen Blick zu, damit sie nichts sagte. Und sie akzeptierte es. Ich musste nun über meinen Schatten springen. Sonst würde er mich auf ewig verfolgen und nur noch weiter wachsen.

Die Tür war bereits offen. Die Sofas im Gemeinschaftsraum hatten sie an den Rand geschoben, so dass sie sich gegenüberstanden. Stattdessen stand etwas an anderes in der Mitte des Raumes. Ein großes Kicker, welches von zwei Lampen darüber beleuchtet wurde. Unweigerlich musste ich an die Flutlichter an einem Fußballfeld denken. Rechts davon hatten sie eine kleine Bar aufgebaut. Sejin stand dahinter und rührte bereits ein paar Drinks zusammen.

Jungkook stand bereits am Kicker und zog gerade gnadenlos dem armen Jimin ab. Die Vorfreude stand dem Maknae wahrlich ins Gesicht geschrieben. Das schwarze Haar hing ihm in die Stirn und er funkelte Jimin herausfordernd an. Der andere Sänger schnaufte frustriert. Während ich die beiden beobachtete, kam Namjoon von der Seite und begrüßte uns. Ich nickte ihm freundlich zu, wandte mich jedoch beinahe sofort in Richtung Kicker.

Auch Jara, die nun eher neben Namjoon stand als bei mir hatte ihren Blick wieder auf das Schauspiel vor unseren Augen gerichtet. Jegliche Nervosität von vorhin war fortgewischt. Wenn es ums Kickerspielen ging, dann war sie nicht wiederzuerkennen. Etwas das Jungkook später zu spüren bekommen würde. Da war ich mir sicher.

Sieben zu zwei stand es für Jungkook, wenn ich das richtig erkannte. Und wenn ich Jimins Gesichtsausdruck richtig deutete, dann war es sicherlich nicht das erste Match, dass er gegen den Jüngeren spielte. Vielleicht wollte Jungkook sich auch einfach ein bisschen Selbstbewusstsein anspielen. Wer wusste das schon. Amüsant würden die folgenden Minuten trotzdem werden.

Denn Jara hatte sich von Namjoons Seite gelöst und ging schnurstracks auf das Schauspiel zu. Schob sich zwischen J-Hope und Yoongi hindurch, nur um sich direkt neben Jimin an die Griffe des Kickers zu stellen. Jungkook hielt inne und starrte sie irritiert an. Von jetzt auf gleich änderte sich Jimins Gesichtsausdruck. Er schien Hoffnung zu schöpfen. Dennoch wäre es vielleicht ein wenig unfair, wenn zwei gegen einen spielten.

Diesen Gedanken schien Jackson auch gehabt zu haben, denn er löste sich aus einem Gespräch mit einem der Staff Mitglieder und stellte sich neben Jungkook. Letzterer schien recht erleichtert über die Unterstützung zu sein. Er streckte sich ein wenig und ließ seine Fingerknöchel knacksen. Ich verzog das Gesicht und stellte mich etwas weiter vor zu Yoongi und J-Hope. Neben ihnen hatte auch Namjoon Stellung bezogen. Jara hatte die Stürmer und die Mittellinie übernommen, während Jimin Tor und Verteidiger im Griff hatte. Jungkook, der die Gefahr bereits witterte, übernahm das Tor, während Jackson die Stürmer bekam.

Ich beobachtete Sejin, der um die Bar herumkam, um das Spiel nicht zu verpassen. Zwar war es noch nicht die Revanche zwischen Jara und Jungkook, der alle entgegenfieberten, aber ein kleiner Vorgeschmack war nie schlecht.

Es krachte, als Jungkook den Ball von ganz hinten nach vorne bretterte. Jimin konnte ihn gerade noch abwehren und spielte ihn an Jacksons Stürmern vorbei zu Jara nach vorne, die ihn mit einem schrägen Schuss im Tor versenkte. In einem beinahe unmöglichen Winkel. Und genau darin lagen ihre Fähigkeiten. Aus den kleinsten Winkeln zu treffen, schräg zu schießen und blitzschnell Angriffe zu blocken. Jimin jubelte und Jungkook stöhnte.

Trotz allem ging das Spiel zugunsten von Jackson und Jungkook aus. Der Abstand an Toren war einfach zu groß gewesen. Aber allein das acht zu zehn stand schon dafür, wie viel Jaras Beistand gebracht hatte. So schien das auch Jimin zu sehen. Denn er grinste so breit, als hätte er das Spiel soeben gewonnen.

Während Jara mit einem Taschentuch die nassgeschwitzten Griffe trockenwischte, stand Jungkook unbeweglich auf der gegenüberliegenden Seite und starrte auf das Feld. Vermutlich überlegte er gerade, wie er am besten an ihrer Abwehr vorbeikam. Kein einziges Mal suchte sie seinen Blick. Für Jara war es wichtig, dass sie ihren Fokus nicht verlor. Denn den konnte sie nur mit Mühe wieder aufbauen.

Ich kratzte meinen Mut zusammen, verließ Yoongis Seite und stellte mich zu Jackson. Überrascht musterte er mich, doch ich ignorierte den Blick und nickte in Richtung von Jungkook.

„Da scheint jemand nervös zu sein, oder?“

„Um ehrlich zu sein, kann ich es ihm auch nicht verdenken“, lachte Jackson und ließ die Schultern kreisen. „Wo hat sie gelernt so zu spielen?“

„Daheim. Mit ihrem Vater und ihrer Schwester. Sie haben sich immer wieder gegenseitig und mehrfach am Tag zu Challenges herausgefordert. Als wir gemeinsam in die Buchhändlerschule gegangen sind, hat sie beinahe jeden im Kicker abgezogen. War sehr amüsant mitanzusehen. Die Mädels aus unserer Klasse haben das sehr gefeiert“, lachte ich und bemerkte, dass meine Anspannung mit jedem Wort weiter nachgelassen hatte.

„Kann ich mir vorstellen. Oh, …schau…es geht los.“

Jacksons Augen glitzerten vor Erwartung, als er sich leicht nach vorne lehnte, um dem Spiel beizuwohnen. Diesmal verwandte Jungkook tatsächlich ein bisschen weniger Kraft in die Zuspiele, sondern versuchte taktischer zu werden. Er schien zu lernen. Trotzdem hatte er es schwer. Denn wann immer er einen Ball in ihr Tor schoss, antwortete sie mit einem Gegentor. Oder zwei.

Dennoch war das Spiel furchtbar spannend. Sowohl Jungkook als auch Jara starrten auf das Spielfeld, fokussierten den Ball mit den Augen, versuchten seine Bahn vorherzusehen und mögliche Züge im Voraus zu planen. Doch nach einer Weile begann sich Jara vor allem auf ihre Reaktionen und Intuition zu verlassen. Inzwischen hatte ich sie schon so oft Kicker spielen sehen, dass ich ihr Vorhaben an der Haltung ablesen konnte.

„Joon erkennt seine Freundin nicht wieder, schau ihn dir an“, giggelte Jackson und nickte in Richtung seines engen Freundes, dessen Augen nicht das Spiel, sondern Jara fokussierten. Die wiederum mit gebeugtem Rücken und dunklen Augen auf das Feld starrte. Nichts war mehr übrig von der schüchternen, unsicheren Jara. Nicht hier. Nicht beim Kickern. Ich lachte leicht auf Jacksons Aussage hin. Ja...der Blick von Namjoon war wirklich göttlich. Auch J-Hope schien mehr als erstaunt zu sein.

Only one shot, only one shot.


Yon only have one chance you know.


Zwar drangen nur die letzten Takte des eben gespielten Liedes zu mir durch, doch sie reichten, um mich bis ins Mark zu erschüttern. Dieses Lied. Dieses verdammte Lied. Warum musste es ausgerechnet jetzt kommen. Wo es doch so viel wieder aufriss. So viele Erinnerungen, so viele Gedanken. Gedanken die ich mit der Person verband, die seit Tagen darin herumgeisterte. Mir keine Ruhe ließ. Mir schlaflose Nächte und viele Tränen bescherte.

Wage bekam ich mit, wie Jara das Siegestor schoss und zufrieden lächelte. Jimin trat an sie heran und klopfte ihr auf die Schulter. Auch Sejin gratulierte ihr zum Sieg. Es war unübersehbar, wie sehr sich die Member darüber freuten, dass es jemand geschafft hatte, den Alleskönner Jeon Jungkook zu besiegen und das zweimal hintereinander. Ich beobachtete Jara, wie sie sich über das Kicker hinwegstreckte, um Jungkook die Hand zu reichen. Dennoch begannen die Geräusche um mich herum zu verschwimmen. Immer weiter in den Hintergrund zu rücken, ehe sich Jacksons Gesicht vor das Meine schob.

Fast wäre ich zurückgezuckt. Doch ich riss mich zusammen, schluckte den riesigen Kloß in meinem Hals herunter und räusperte mich.

„Kann ich kurz mit dir reden?“

Beinahe sofort nickte er. Es war ein geeigneter Zeitpunkt. Die anderen waren alle von Jaras Sieg abgelenkt. Somit hatten wir dort außen ein wenig unsere Ruhe. Ruhe die ich brauchte um meine Gedanken zu sortieren. Damit sie Jackson so wenig wie möglich erschlagen würden. Dass uns Sejins nachdenklicher Blick verfolgte, bemerkte ich nicht.

Wir hatten uns ein wenig vom Haus entfernt. Jackson rücke mir nicht zu Nahe sondern lehnte sich an einen nahestehenden Baum. Ließ mir den Abstand und die Zeit, die ich brauchte. Einzig sein Blick lag auf mir. Ich schluckte leicht und setzte mich auf die Wiese, legte die Hände auf dem Schoß ab. Er tat es mir gleich.

„Es mag für dich vielleicht komisch sein, dass ich so plötzlich mit dir reden möchte“, begann ich leise und er unterbrach mich mit ruhiger Stimme.

„Nein, das ist es nicht. Ich habe schon länger bemerkt, das etwas nicht stimmt und mir den Kopf darüber zerbrochen. Darum bin ich sehr dankbar, dass du nun auf mich zukommst. Es scheint kein einfaches Thema für dich zu sein. Und du hast meinen tiefsten Respekt dafür, dass du dich traust mit mir darüber zu sprechen, obwohl wir uns nicht wirklich kennen.“

Überrascht und aus dem Takt gebracht blinzelte ich. Jacksons Blick lag fest und ernst auf mir. Er nickte leicht, so als wollte er seine Worte unterstreichen und mich darin ermutigen weiterzusprechen.

„Der Grund, weshalb ich mich dir gegenüber so seltsam verhalten habe und heute Mittag diesen Gefühlsausbruch hatte, ist, dass du jemanden sehr ähnelst. Einer Person, mit der ich aufgewachsen bin, der ich sehr nahestand und die ich für eine lange Zeit sehr geliebt habe. Meinen damaligen Freund Luca. Und ich habe die Trennung bis jetzt nicht verkraftet, obwohl ich sie verursacht habe.“
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