Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Burning Phoenix

KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18
OC (Own Character) Prowl
28.06.2020
15.11.2020
4
12.666
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
28.06.2020 3.289
 
Herzlich Willkommen zu Burning Pheonix!

Um wieder ein wenig Abwechslung in mein Geschreibsel zu bringen, habe ich mich nun an eine geplante vierteilige Serie gewagt. Dies ist der erste Teil und ich bin wie immer sehr gespannt, wie er wohl ankommen wird ;D
Da Prowl nach Ratchet und Ultra Magnus so ziemlich mein Liebling im transformerischen Universum ist, musste ich ihm einfach die erste Kurzgeschichte widmen.

Also dann, meine lieben Schäfchen, wenn es euch gefällt, lasst mir doch bitte wie immer was Süßes da, damit ich Motivation für die weiteren Teile aufbringen kann :3

Übrigens: Hydras Name wird bitte wie Heidra ausgesprochen/gelesen und nicht wie die Hydra mit i-Laut ;D

Have fun~



...ooOOoo... ...ooOOoo...


Seine Küsse waren sanft und schmeckten süß. Ganz anders, als sie es sich anfangs erwartet hätte, mittlerweile jedoch liebte sie das Gefühl und den Geschmack seiner Lippen.
Hydra lächelte und sorgte so unfreiwillig dafür, dass sich Ronin von ihr löste. Skeptisch sah er sie an.
„Was ist denn so amüsant?“, fragte er und Hydra legte beschwichtigend ihre Finger auf seine Lippen.
„Nichts Besonderes... Ich musste nur daran denken, wie sehr ich dich genieße.“
Ein freches Grinsen breitete sich in Ronins jugendlichem Gesicht aus.
„Wie erleichternd. Und wie gut, dass ich deine Worte ebenso ehrlich erwidern kann.“
Ihrer Stimmbox entrang sich ein helles Lachen.
„Ehrlich? Du bist ein Decepticon. Kann ich deiner Ehrlichkeit vertrauen?“
Ronin spannte seinen Kiefer an und neckend strich sie mit ihren Fingern über seine Lippen, auf denen jene bisher still geruht hatten, um ihm zu zeigen, dass sie scherzte.
„Du bist eine NAIL. Ich habe keinen Grund, unehrlich zu sein. Meine Wahl hat dich noch nie interessiert.“
Hydra zuckte mit den Schultern und ließ ihre Hand sinken, was Ronin mit einem unwirschen Grollen hinnahm.
„Das stimmt. Mich interessiert der Krieg nicht – und somit auch nicht, was du bist oder welche Ideale du anstrebst. Im Grunde denkt doch jede Partei, das einzig Richtige zu tun. Nur, wer hat das Recht, darüber zu entscheiden, was das Richtige ist?“
Ronin lächelte, seine Optiken glühten bewundernd.
„Weise gesprochen, meine Geliebte. Ich wünschte nur, dass du dich den Decepticons anschließen würdest. Es würde so vieles einfacher machen und wir müssten uns nicht immer heimlich treffen. Lord Megatron kämpft für eine gute Sache!“
Schwach lächelte Hydra. Sie hatten diese
Sache gefühlt schon tausend Mal besprochen, doch Ronin wurde es nicht müde, sie immer wieder zu einem Wechsel ihrer Moralvorstellungen zu bekehren.
„Das sagen die Autobots auch über Optimus Prime. Aber welcher der beiden kämpft nun für die richtige, gute Sache? Nein, Ronin, ich will mit diesem Krieg nichts zu tun haben. Du wusstest, auf was du dich mit mir einlässt.“
Seine Hände griffen ihre und sie ließ sich widerstandslos auf seinen Schoß ziehen. Das metallene Bett der runtergekommenen Herberge, in der sie für eine Nacht ein Zimmer gemietet hatten, da Ronins Einheit einen Zwischenstopp auf Messatine gemacht hatte, knarzte. Die Dunkelheit der Nacht machte es ihr schwer, sein Gesicht zu erkennen, doch seine rot-leuchtenden Optiken brannten sich umso mehr in ihr Bewusstsein.
„Ich liebe dich, Hydra Pheonix. Du bist alles für mich. Besonders, wunderschön, kraftspendend. Du magst ein Beastformer sein, doch ich sehe dich dennoch als gleichwertig. Wenn dieser Krieg vorbei ist, ich schwöre es, werde ich dich beten, mein Conjunx Endura zu werden und den Rest deines Lebens mit mir zu verbringen. Ich kämpfe für eine bessere Welt – für uns beide zusammen. Ich liebe dich, auch wenn ein Decepticon sowas niemals sagen würde.“
Glück durchströmte ihren Körper und Hydra lächelte breit, während ihre Finger sich mit Ronins verschränkten.
„Ich liebe dich auch, Ronin Tacit. Versprich mir, dass du dich niemals gegen mich wendest.“
Sein Blick war ernst und entschlossen, als er sie fixierte.
„Niemals!“


Hydra öffnete ihre Optiken. Warme Nachtluft wirbelte durch ihren Kühler, wo diese aufgefangen und zu kalter Luft verarbeitet wurde, die anschließend durch ihren Körper gepresst wurde. Ihr Blick glitt über das nächtliche Iacon. Strahlende Lichter, hohe, mehrstöckige Tower und belebte, bunte Straßen prägten das Stadtbild. So hatte sie es sich immer vorgestellt, wenn Ronin von der Hauptstadt Cybertrons geschwärmt hatte. Schwere legte sich über ihren Spark und sie löste ihre mechanischen Flügel von ihrem Rücken, spreizte sie und stieß sich mit einem kraftvollen Sprung in die Lüfte. Sie stob Cybertrons Nachthimmel entgegen, flog so hoch, bis selbst die Tower winzig erschienen und ließ sich dann gen Boden fallen. Sie liebte das Gefühl der Schwerelosigkeit, ihre Flügel umhüllten ihren Körper wie ein Kokon und als sie das erste Dach eines der bunt beleuchteten Tower passierte, drehte sie sich schwungvoll und breitete ihre Flügel aus, um wieder elegant aufzusteigen.
Am frühen Abend hatte sie mit einem Passagierschiff Cybertron erreicht. Es waren drei Millionen Jahre vergangen, seit sie keinen Fuß mehr auf diesen Planeten gesetzt hatte. Es waren Ronins beeindruckende Beschreibungen der Stadt und das Ende des Krieges gewesen, die dazu geführt hatten, sie zurückkehren zu lassen. Jeder Neuankömmling war aufgefordert worden, sich sofort beim zuständigen Einwandererbüro im Stadtratzentrum registrieren zu lassen. Hydra hatte dies für den nächsten Tag geplant. Sie wollte zuerst die Stadt kennenlernen, die Ronin so faszinierend gefunden hatte. Er hatte sie mit ihr gemeinsam besuchen wollen – doch dazu war es schlussendlich nicht mehr gekommen.
Geplagt von schmerzhaften Erinnerungen landete Hydra auf einem nahen Dach und schloss gepeinigt die Optiken. Es gab kein gemeinsam mehr – nur sie. Allein. Einsam. Verloren.
Tatsache war, dass sie keine Ahnung hatte, was sie nun tun sollte. Sie hatte die letzten Millionen Jahre in einer kleinen Kolonie von NAILs auf einem weit entfernten Planeten zugebracht. Als ihre Kameraden beschlossen, Optimus Primes Aufruf zu folgen und nach Cybertron zurückzukehren, waren ihr Ronins Wünsche und Sehnsüchte wieder eingefallen, die sie so lange Zeit von sich geschoben hatte und sie war ihnen gefolgt. Doch mit dem Erreichen von Cybertron war sie auf sich allein gestellt. Sie hatte keine Unterkunft, kein Geld, kein Energon und keine Ahnung, wie sie sich welches beschaffen sollte. Womöglich würde sie am nächsten Tag beim Einwandererbüro erste Tipps zum Neustart in Iacon bekommen. Diese Nacht jedoch würde sie sehr wahrscheinlich unter freiem Himmel verbringen müssen.
Hydra trat an den erhöhten Rand des Daches und blickte hinunter auf die Straße. Automobile fuhren dort in Schlangen, auf den gekennzeichneten Fußwegen liefen allerhand Transformers. Überall blinkten Leuchtreklamen und warben für Bars und andere Etablissements. Ein leichtes Lächeln zierte ihre Lippen. Ronin hätte diesen Anblick geliebt.
Ihr Lächeln verblasste und Hydra stürzte sich vom Dach, um gleich darauf wieder in die Lüfte zu steigen. Stundenlang, so kam es ihr vor, flog sie über Iacon hinweg und speicherte sich jedes Detail der Stadt in ihrem Neuralnetz ab. Irgendwann beschloss sie, zu landen und sich einen Platz zum Übernachten zu suchen. Die meisten ihrer Shanix waren für das Ticket zur Überfahrt nach Cybertron drauf gegangen. Nur noch ein paar einzelne klimperten in ihrem versteckten Case hinter ihrer Chassis. Ob diese noch reichten, um sich bei einer weniger angesehenen Herberge ein Zimmer zu mieten, würde sie wohl in Erfahrung bringen müssen, wenn sie nicht wirklich im Freien rechargen wollte.
Hydra steuerte den weniger prunkvollen, beleuchteten Teil Iacons an. Es dauerte lange, bis sie aus der Luft ein unscheinbares Motel entdeckte und zur Landung ansetzte. Sie betete, dass ihre Shanix für ein kleines Bett reichen mochten und fast hatte sie den Boden erreicht, als ein Zischen die Luft durchschnitt und sich etwas Hartes in ihren Rücken bohrte. Sie kam nicht einmal mehr zum Schreien, als schmerzende Elektrizität ihren Körper durchfuhr und sie schließlich offline zu Boden stürzte.

Prowl fuhr sich mit der Hand genervt übers Gesicht. Es war schon weit nach Mitternacht und dennoch saß er ohne Unterlass an seinem Bürotisch und sortierte die Datapads straffällig gewordener Einwanderer. Optimus` Aufruf mochte gut gemeint gewesen sein, doch er war ebenso töricht gewesen. Tausenden, gar Millionen, quer im Universum verstreuten Transformers jeglicher Art und Herkunft zu erlauben, sich wieder auf Cybertron niederzulassen, führte zu unvorhergesehenen Folgen. Und Prowl hasste es, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte. Die verdammten NAILs waren dabei die Schlimmsten. Während die besiegten Decepticons sich entweder dem Frieden geschlagen gaben oder aber in Gefängnissen saßen, zettelten die NAILs bei jeder möglichen Gelegenheit Revolten an. Sie gaben nicht nur den Decepticons, sondern auch den Autobots, allen voran Optimus Prime, die Schuld an dem Krieg, der Cybertron fast völlig zerstört hatte. Mittlerweile kam es schon zu offenen Aufständen, in denen gefordert wurde, Optimus Prime für die Verbrechen des Krieges zu verurteilen. Allesamt Idioten! Prowl mochte durchaus seine eigenen Ansichten vom Krieg haben, doch es war unumstritten, dass sie diesen ohne die Hilfe des Primes und dessen Führung nicht gewonnen hätten. Ein wenig Dank wäre darum durchaus nicht falsch gewesen. Doch es war natürlich einfach, sich dem Krieg für Millionen zu entziehen, zurückzukehren und dann auf Biegen und Brechen einen Schuldigen zu fordern, dessen Kopf man den NAILs präsentieren konnte, um ihr eigenes Ego zu befriedigen.
Prowl verzog das Gesicht und ließ seine Hand sinken. Ein Aufruhr drang aus dem Eingangsbereich der Iacon Zentral Police Station und säuerlich verfolgte er, wie zwei Polizisten eine bewusstlose Gestalt in den hinteren Trakt schleppten, dort, wo sich die Verhörräume befanden. Ihnen folgte Red Alert, der leitende Sicherheitsdirektor der Polizeistation – und jeder anderen in Iacon – der vor Prowls Büro stehen blieb und durch die geöffnete Tür zu ihm herein sah.
„Ein neuer Fall. Verdacht auf Spionage und Infiltrierung. Ich will alles wissen, verstanden? Du weiß, was zu tun ist.“
Prowl nickte knapp und seine Hände umfassten hart die Kante seines Schreibtisches. Ja, er hasste Unvorhergesehenes. Er hielt sich davon ab, seinen Tisch quer durch den Raum zu schleudern, da ihm endgültig der Feierabend gestohlen worden war und er erhob sich, um den Weg zu den Verhörräumen einzuschlagen.
Einer der Polizisten, die zuvor den Neuankömmling hereingetragen hatten, kam ihm entgegen. Er glaubte, sich zu erinnern, dass der Mech auf den Namen Steel hörte.
„Hey, du! In welchen Raum habt ihr den Gefangenen gebracht?“, fragte er unwirsch und Steel sah ihn unsicher an. Seine Launen waren bekannt und ebenso gefürchtet, doch Prowl interessierte sich nicht für diese Tatsache. Sollten sie ihn ruhig fürchten – es würde gewiss nicht schaden.
„Sie ist in Raum 3, Sir“, brachte Steel nach kurzem Zögern vor und Prowl bedeutete ihm, ihm zu folgen. Sie erreichten den benannten Verhörraum und Prowl war überrascht, als er tatsächlich eine Femme auf der Liege am anderen Ende des Raumes entdeckte. Sogleich verschwand dieses Gefühl jedoch und machte Missgunst Platz. Sie war offline und eine Befragung somit unmöglich, wenn man sie nicht gewaltsam wieder zur Besinnung bringen würde.
„Was wissen wir über sie?“, fragte er barsch an Steel gewandt. Der andere Polizist, Triumph – ein merkwürdiger Name wohlgemerkt – stand neben der Tür des Raumes und bewachte die Gefangene.
„Gar nichts, Sir, um ehrlich zu sein. Sie ist nicht in den Registern verzeichnet. Sie hält sich offenbar illegal auf Cybertron auf. Zudem können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich um einen Beastformer handelt. Die Scans weisen auf transformierbare Flügel hin. Es sind diese... äh... Bänder an ihrem Rücken. Sie können zu Flügeln transformiert werden.“
Prowl trat näher an die Unbekannte heran. Tatsächlich genügte ein Blick in das scharf geschnittene Gesicht, um sich davon zu überzeugen, dass die Femme wirklich ein Beastformer war. Ihre feinen, geschwungenen Züge erinnerten an den Kopf eines Falken oder Adlers, wie es diese Exemplare auch auf der Erde gegeben hatte. Der Ansatz eines Schnabels saß auf ihrem Kopf und überragte ihre Stirn. Golden und spitz zulaufend glänzte er im diffusen Licht des Raumes und bildete eine Art Rammbock. Eine Kopfnuss würde man sich von der Fremden vermutlich nicht gerne einfangen wollen. Ihr Lack war golden und grün gehalten, der Körper schlank und elegant gebaut, nicht so klobig wie die der meisten cybertronischen Femmen. Ihre Finger erinnerten an spitze Klauen und als er probehalber mit seinem Zeigefinger über die spitzen Kuppen fuhr, zuckte er zusammen, als sie das Metall aufrissen und kleine Energontropfen heraus perlten. Dieser Beastformer war mit effektiven Waffen ausgestattet und könnte durchaus eine Bedrohung für die Bevölkerung darstellen. Steel erzählte ihm, dass man die Femme dabei beobachtet hatte, wie sie mehrere Stunden lang über Iacon hinweg geflogen war. Es bestand der Verdacht, dass sie für randalierende NAILs arbeitete und einen Spionageflug getätigt hatte. Warum, wieso und weshalb, das herauszufinden, würde Prowls Aufgabe sein. Doch erst, wenn die Fremde wieder aufgewacht war. Er hatte kein Verlangen danach, sie gewaltsam wieder online gehen zu lassen.
„Ruft mich, sobald sie aufwacht“, gab er an Steel gewandt von sich und der jüngere Mech nickte heftig.
„Natürlich, Sir!“
Es dauerte glücklicherweise kaum eine Stunde, bis man ihm mitteilte, dass der Beastformer erwacht sei.

Unter Schmerzen kam Hydra wieder zu sich. Ihr Rücken tat dabei am meisten weh und sie ächzte, als sie versuchte, sich noch mit geschlossenen Optiken zu erheben. Ein Geräusch unweit neben sich ließ sie die Optiken aufreißen und ihren Kopf zur Seite werfen. Ihr Blick erhaschte zwei Cybertronier, von denen einer gerade eilig den Raum verließ, in dem sie sich befand. Hydra blickte sich um. Es war ein karger Raum, in ergrautem Weiß, das wohl einmal strahlend gewesen war, mit einem Tisch und zwei Stühlen, darüber eine grelle Lampe. Und die Liege, auf der sie lag. Beziehungsweise, gelegen hatte, denn mittlerweile hatte sie sich in eine sitzende Position gehievt und blickte den Mech, der provokant neben der geöffneten Tür stand, die sonst wo hinführen mochte, bedrohlich an.
„Wo bin ich?“, zischte sie und spielte bewusst auffällig mit ihren gewetzten Fingern. Als sie den nervösen Blick des Mechs sah, spürte sie Zufriedenheit in sich. Sehr gut, er hatte Angst.
„Los, sag mir verdammt noch mal, wo ich bin! Und welche lebensmüde, erbärmliche Gestalt es gewagt hat, mich anzugreifen!“
„Du befindest dich auf der Iacon Zentral Police Station. Und um deine Frage zu beantworten, wer dich vom Himmel geschossen hat – das war unser geschätzter Steel. Er hat ein außerordentlich begabtes Schießtalent.“
Hydra zuckte zusammen. Es war nicht der Mech an der Tür, der ihr antwortete, sondern ein anderer, der in diesem Augenblick in der Tür auftauchte und auf den Mech neben sich deutete, der zuvor eilig den Raum verlassen hatte. Hydra sprang auf die Beine, bereit, sich auf ihren Angreifer zu stürzen, doch es bedurfte nur einer einzigen Handbewegung des anderen Mechs, um sie erstarren zu lassen. Beifällig huschte ihr Blick über den imposanten, breiten, schwarz-weiß lackierten Körper, die eindringlichen, blauen Optiken und die leuchtend roten Headspikes. Er war angenehm anzusehen, dass musste sie unwillkürlich zugeben.
„Bevor du hier einen Kampf beginnst und wir gezwungen sind, gewaltsam gegen dich vorzugehen und dich in Handschellen zu legen, solltest du wissen, dass es sein Befehl war. Er tat es nicht aus persönlichen Gründen gegen dich.“
Hydra schnaubte abfällig.
„Warum tat er es dann?“, fragte sie vorwurfsvoll und nahm den Mech names Steel wieder ins Visier, der sich als Reaktion darauf hinter dem anderen versteckte.
„Es besteht der Verdacht, dass du dich illegal auf Cybertron aufhältst und eine Spionin der NAILs bist.“
Kurz zuckte Hydra zurück. Was hatte er gesagt? Sie musste sich verhört haben!
„Wie bitte?“
Der Mech, der bisher mit ihr gesprochen hatte, trat nun vollends in den Raum hinein, Steel schloss hinter ihm die Tür und stellte sich daneben, sodass er und der andere, unbekannte Mech die Seiten der Türen flankierten. Der offenbare Anführer des Trios trat auf den Tisch zu und setzte sich, bedachte sie nicht eher mit einem Blick, bis er es sich angenehm eingerichtet hatte. Mit seiner Hand bedeutete er ihr, sich ebenfalls zu setzen.
Misstrauisch starrte sie ihn an, visierte Steel an und blickte wieder zu dem am Tisch sitzenden Mech zurück. Sie hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging, doch sich zu setzen schien eine Möglichkeit, einer Aufklärung ihrer Situation näher zu kommen. Sie entspannte ihre Haltung ein wenig und setzte sich zu dem Mech an den Tisch. Seine Optiken fixierten sie.
„Beginnen wir also von vorne. Mein Name ist Prowl und ich bin Sicherheitschef dieser Polizeistation. Du wurdest dabei beobachtet, wie du mehrere Stunden über Iacon geflogen bist, woraufhin man offenbar unsere Station verständigte, da man glaubte, du wärst eine Spionin der NAILs...“
„Das bin ich nicht!“, erwiderte Hydra energisch und es war ihr egal, ob sie Prowl, den Sicherheitschef, womöglich mitten im Satz unterbrochen hatte. Stumm und ungerührt angesichts ihres Ausbruches blickte er sie an. Seine Optiken schienen sich durch sie hindurch zu brennen, schälten gefühlt jede Metallschicht ihres Körpers von ihrem Exoskelett ab, wohl in der Absicht, jedem schändlichen Geheimnis auf die Spur zu kommen, das sie zu verbergen versuchte. Hydra seufzte. In was war sie da nur wieder hineingeraten?
„Nun, ich bin zumindest keine Spionin. Aber ich bin eine von den NAILs, das darf ich wohl nicht leugnen. Ich kam am Abend des gestrigen Tages auf Cybertron an und hatte geglaubt, es wäre ausreichend, wenn ich mich heute in alle Frühe beim Einwandererbüro einfinden würde. Ich wollte die Stadt kennenlernen und eine Unterkunft für die Nacht finden, deshalb flog ich über der Stadt“, erklärte sie schließlich sachlich.
„Sie können das auf den Passagierlisten kontrollieren. Außerdem begleiteten mich ein paar meiner Kameraden und meine Freundin aus unserer gemeinsamen Kolonie. Sie können ebenfalls bestätigen, dass ich erst vor einigen Stunden cybertronischen Boden erlangte und gewiss keine Spionagetätigkeit ausführe.“
Das Gesicht ihres Gegenüber blieb unverändert, noch immer schien sein Blick sie bis ins Innerste ergründen zu wollen und Hydra räusperte sich, während sie sich unwohl auf ihrem Stuhl wand. Ein tiefes Seufzen fuhr durch den Körper vor ihr, ehe sich Prowl an Steel wandte.
„Überprüfe unverzüglich die Passagierliste... welchen Fluges?“, richtete er sich wieder an Hydra und sie überlegte schnell.
„Äh, Flug 30-7.“
Prowl nickte dem Polizisten – Hydra ging zumindest davon aus, dass er einer sein musste – zu und dieser verschwand. Stille kehrte ein und nervös huschte ihr Blick zwischen der Tischplatte, Prowl, der grauen Wand und dem anderen Polizisten hin und her. Schließlich räusperte sie sich erneut.
„Muss... Ich meine... Muss ich jetzt ins Gefängnis?“
Sie kam nicht umhin, sich Sorgen zu machen, doch Prowl schüttelte den Kopf.
„Wenn deine Aussage sich bewahrheiten sollte, dann gibt es keinen Grund, dich einzusperren. Normalerweise würde jedoch deine nicht sofort stattgefundene Registrierung zu einem Bußgeld führen. Da du aber offensichtlich ohne triftigen Grund festgenommen wurdest, sehe ich davon ab, eines auszustellen.“
Hydra nickte und lächelte versöhnlich.
„Vielen Dank... Sir.“
Sie erhielt nur ein tiefes Brummen als Antwort, während Prowl sie weiterhin unnachgiebig musterte und sie blickte herunter auf ihre ineinander verschränkten Hände, während sie glaubte, seinen Blick auf sich brennen zu spüren.
Die Tür des Raumes wurde wieder geöffnet und Steel tauchte auf, mit einem Datapad in der Hand.
„Sir, die Gefangene hat wahr gesprochen. Wir konnten sie auf den Passagierlisten mit einer gewissen Hydra Pheonix identifizieren.“
Etwas in Prowls Blick änderte sich und warum auch immer entfachte es eine merkwürdige Hitze in ihren Getrieben.
„Ein Phönix also... Sehr interessant“, murmelte er, kaum hörbar und mehr zu sich selbst und Hydra neigte den Kopf.
„Bitte verzeihen Sie die Umstände, die ich durch meine Achtlosigkeit hervorgerufen habe, Sir. Ich werde mich gleich morgen früh sofort beim Einwandererbüro einfinden.“
Endlich wandte Prowl den Blick von ihr ab, da er das Datapad studierte, das Steel ihm gereicht hatte. Er gab es dem Mech zurück und sah zu Hydra zurück.
„Gewiss wirst du dich morgen beim Einwanderbüro einfinden. Ich werde dich persönlich dort hinbringen. Die heutige Nacht wirst du auf der Station verbringen. Da du offenbar keine Unterkunft hast, kannst du hierbleiben. Als Entschädigung für das voreilige und unhöfliche Verhalten unserer Polizei.“
Als Entschädigung... Warum hatte Hydra das Gefühl, dass Prowl sie vielmehr im Blick behalten wollte. Zweifelte er womöglich noch an ihrer Aufrichtigkeit? Nun, es konnte ihr egal sein, denn sie hatte nichts zu verbergen.
Hydra senkte den Blick, nachdem sie sich bedankt hatte.
Nun ja, kaum etwas zu verbergen traf es wohl doch eher...
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast