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You‘re an arsehole, Jones

OneshotHumor, Liebesgeschichte / P16 Slash
Amerika England
27.06.2020
27.06.2020
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Arthur betrachtete zufrieden den Zettel, der jetzt unter dem Scheibenwischer seines Nachbarn klemmte.

Thanks for parking like an arsehole. Please do not reproduce.

Daneben klebte ein DUREX-Kondom in orangener Verpackung.

Hoffentlich würde Arthurs Nachbar jetzt endlich mal begreifen, dass er nicht so bescheuert zu parken hatte. Arthur hatte die Situation jetzt einige Male beobachtet und irgendwann hatte es ihm einfach gereicht. Und so war er kurzerhand auf die Idee gekommen, einen kleinen "Liebesbrief" zu hinterlassen.

Oftmals sah Arthur seinen Nachbarn aus dem Wagen steigen. Ein junger blonder Mann, vielleicht um die zwanzig Jahre alt. Anscheinend lebte er alleine, denn Arthur sah ihn nur selten in Begleitung.

Ein Mal hatten sie miteinander gesprochen, vor ungefähr einem Monat. Da war ein Paket für den Amerikaner bei Arthur abgegeben worden.

Alfred F. Jones war sein Name. So hatte es zumindest auf dem Paket gestanden.

Arthur hatte es ihm gebracht, nachdem Alfred es nach fünf vergangenen Tagen irgendwie nicht zu vermissen schien.

Aus der Nähe waren Arthur zum ersten Mal diese leuchtend blauen Augen aufgefallen. Dann diese angenehme Stimme.

Arthur hatte überhaupt nichts dagegen tun können. Sein Griff um das Paket hatte sich augenblicklich verfestigt und sein ganzer Körper war wie gelähmt gewesen.

Denn wie konnte ein so beschissener Falschparker mit so einem gottgleichen Aussehen gesegnet sein?

Es war für Arthur immer noch ein Rätsel, um das er sich eigentlich nicht so sehr den Kopf zerbrechen wollte.

Jetzt entfernte er sich wieder von dem viel zu fetten BMW und ging die Treppenstufen zu seiner Wohnung hinauf. Alleine für dieses gute Aussehen hätte Alfred den Strafzettel verdient gehabt.

In der Wohnung angekommen kochte sich Arthur einen Tee und genoss den Nachmittag. Es war Sonntag und dementsprechend war nicht viel auf den Straßen los. Wohlmöglich würde Alfred den Zettel erst morgen entdecken.

So oder so, er würde nicht wissen, von wem er kam. Schließlich hatte Arthur keinen Absender darunter geschrieben.

Überrascht war Arthur also schon, als es gegen sechs Uhr an seiner Haustür klingelte. Er stand auf und blickte schon bald einem jungen Mann entgegen.

Schwarze Sportschuhe, graue Jogginghose, blaues Shirt, blaue Augen, blonde Haare.
Arthur ignorierte das Kribbeln in seiner Magengegend und presste angestrengt ein "Hey" hervor.

"Ich komme vom Training wieder und was sehe ich? So einen hübschen Brief." Alfred grinste. Es war das erste Mal, dass Arthur ihn grinsen sah, und oh Gott.

"Wäre sicher unauffälliger gewesen, hättest du 'asshole' anstelle von 'arsehole' geschrieben. In diesem Haus lebt nur ein Brite.", sagte Alfred und lachte amüsiert auf.

Arthur spürte, wie seine Wangen heiss wurden. Verdammt, daran hatte er überhaupt nicht gedacht ...

"Sprachlos, hm?", neckte ihn Alfred und drückte ihm dann ein kleines quadratisches orangenes Päckchen entgegen. "Hier hast du das Kondom wieder. Du kannst es besser als ich verwenden, mir wäre das Teil zu klein."

Arthur blieb der Mund kurz offen stehen. "Du hast gerade dein ... Teil als groß bezeichnet und meins als kleiner. Und beides in einem Satz.", realisierte er verstört.

"Ist doch so, nicht?", meinte Alfred zwinkernd.

"Nein, natürlich nicht! Ich meine ... Woher soll ich das wissen? Und woher willst du das wissen? Und, verdammt! Ich wollte dir damit doch nur sagen, dass du besser parken sollst!", verteidigte sich Arthur.

Ehe er es realisieren konnte, hatte sich Alfred an ihm vorbei geschoben und betrat jetzt seine Wohnung. "Geht's noch?", keifte Arthur und folgte ihm.

Alfred öffnete alle Türen und im Schlafzimmer verharrte er kurz.

"Lass das sein! Hau auf der Stelle ab!", sagte Arthur bissig.

"Du lebst alleine.", stellte Alfred mit einem Blick aufs Bett fest. Es handelte sich zwar um ein Doppelbett, doch die eine Seite war nicht bezogen.

"Gut erkannt, Sherlock.", zischte Arthur gereizt. Vielleicht sah Alfred wirklich gut aus und so, aber das gab ihm noch lange nicht die Erlaubnis, einfach so Arthurs Wohnung zu erkunden!

"Du bist süß."

Dieser Satz traf Arthur so unerwartet wie ein Schlag in die Magengrube. Mit geweiteten Augen sah er zu, wie sich Alfred gegen seine Wand lehnte.

"Ich meine es ernst.", sagte Arthur nach einer Weile ruhig. "Bitte verschwinde."

Es war nicht fair, wenn Alfred so mit ihm spielte. Er war ganz bestimmt der heterosexuellste Typ überhaupt.

"Arthur, richtig?" Alfred ging überhaupt nicht auf Arthurs Bitte ein. "Du sitzt morgens vor der Arbeit immer mit deinem Kaffee auf der Terrasse und ließt die Tageszeitung."

"Tee.", korrigierte Arthur ihn dumpf.

"Tee!", wiederholte Alfred erfreut. "Umso besser! Du bist tatsächlich verdammt englisch." Er machte eine kleine Pause und fuhr dann fort: "Jedenfalls sehe ich dich dort jeden Morgen sitzen, wenn ich das Haus verlasse, und ich weiß nicht, es macht mich glücklich."

Arthur atmete zittrig durch. Seine Wangen mussten mittlerweile so rot wie die Farbe eines Feuerwehrautos sein. Es war verrückt, dass Alfred ihn jeden Morgen zu beobachten schien. Denn Arthur beobachtete ihn auch, und offensichtlich sah einer von ihnen immer dann hin, wenn der andere wegsah.

"Ein Deal.", begann Alfred. "Ich verlasse jetzt dein Haus und nerve dich den ganzen Abend nicht weiter. Aber dafür gibst du mir deine Nummer und lässt dich morgen von mir zum Essen einladen."

"Du bist bescheuert.", keuchte Arthur fassungslos.

"Jaja. Komm, jetzt gib mir deine Nummer."

Alfred war wirklich schmerzhaft ehrlich und irgendwie konnte Arthur nichts dagegen tun, dass ihn diese Art von Mann anzog. Wie von selbst bewegten sich Arthurs Finger zu seinem Handy und er diktierte Alfred seine Handynummer.

"Super!", sagte Alfred letztlich.

"Du darfst mir erst morgen schreiben.", beharrte Arthur.

"Schon okay. Aber wenn du magst, kannst du ja jetzt schonmal ein paar größere Kondome einkaufen gehen, morgen haben die Geschäfte geschlossen.", schlug Alfred vor.

Arthur starrte ihn entsetzt an.

Alfred prustete drauf los. "Das war ein Scherz!"

Auch Arthur musste jetzt lachen. Es war seltsam, dass sich die Situation schon so vertraut anfühlte, obwohl er Alfred kaum kannte.

Augenblicklich hörte Alfred auf zu lachen und starrte Arthur einfach nur an. "Woah. Dein Lachen ist wunderschön."

Arthur schloss abrupt den Mund und verdrehte die Augen. "Ist gut. Jetzt verschwinde.", sagte er.

Alfred lächelte leicht. "Bis morgen.", säuselte er und trat wieder aus der Tür heraus.

Ihre Blicke trafen sich und Arthur schmunzelte kaum merklich. Was machte dieser Amerikaner bloß mit ihm?

"Bis morgen."
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