If you die, I'm alone

von Nookr
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Dr. Eric Foreman Dr. Gregory House Dr. James Wilson
27.06.2020
27.09.2020
12
18.714
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16.09.2020 1.183
 
„Guten Morgen, Vietnam!“, brüllte House durch das Schlafzimmer. James zuckte zusammen und setzte sich ruckartig auf. Schwer atmend sah er auf und konnte House neben seinem Bett stehen sehen.

„Was zur…?“, begann James und warf einen Blick auf den Wecker. Sechs Uhr morgens. War House jetzt komplett übergeschnappt? Er sah seinen Mitbewohner an und konnte sehen, dass dieser komplett angezogen war, Jeans, Jacke, Turnschuhe.

„Du wolltest spazieren gehen.“, sagte House gespielt motiviert. James schüttelte den Kopf.

„Gar nichts wollte ich, du hast gesagt ich soll.“, erwiderte er müde und rieb sich die Augen.

„Stimmt nicht, ich habe es nur impliziert.“ James seufzte laut und ließ sich wieder in die Kissen fallen. Er sah es gar nicht ein, dass er um sechs Uhr morgens raus und laufen ging. Er drehte House den Rücken zu und schloss die Augen wieder. Doch sein Freund hatte andere Ideen und zog ihm das Kissen unterm Kopf weg.

„Steh auf.“, sagte er, „Lass uns gehen solange das Paracetamol noch wirkt.“ James kniff die Augen zusammen und überlegte, wie lange er es wohl aushalten würde House zu ignorieren. Dann malte er sich allerdings sämtliche Szenarien aus, wie House ihn zum Rausgehen bewegen wollte und er gab sich geschlagen.

„Gib mir fünf Minuten.“, seufzte er und stand langsam auf. House warf das Kissen wieder aufs Bett und lief selbstzufrieden ins Wohnzimmer. James sah ihm hinterher und zeigte ihm kurz den Mittelfinger, ohne dass House es sehen konnte. Dann hievte er sich aus dem Bett und schleppte sich ins Badezimmer. Da seine Haare noch immer stoppelkurz waren, musste er sich wenigstens keine Sorgen um seine Frisur machen. Er putzte sich schnell die Zähne und fuhr sich dann nachdenklich über das Kinn. Er hatte sich seit dem Koma noch nie bewusst im Spiegel angesehen. Aber dieser Monat hatte schon seine Spuren an ihm hinterlassen. Er konnte sehen wie schmal sein Gesicht wirkte und wie blass er geworden war. Einen unordentlichen Stoppelbart hatte er auch inzwischen, aber er hatte nicht die Energie ihn abzurasieren. Er neigte den Kopf. Mit den kurzen Haaren und dem Bart, erinnerte er sich selbst sehr an House. Genauer noch, House nach dem Infarkt.

Er verzog das Gesicht und wandte sich von dem Spiegel ab. Diese Parallele war ihm zu viel und er wollte sich selbst nicht mit House vergleichen. Klar, er war in letzter Zeit schneller gereizt und etwas brummiger, aber wer wäre das in seiner Situation nicht? Mit dieser Frage beendete er den Gedankengang und lief zurück in sein Schlafzimmer um sich ordentliche Kleidung anzuziehen. Den letzten Tag hatte er schließlich in seinem Pyjama verbracht. Er zog ein sauberes T-Shirt und eine Jeans aus dem Schrank und zog sich schnell um. Als er sich die Hosen hochzog, zögerte er. Seine Feinmotorik war noch nicht wieder perfekt und besonders nach dem Aufstehen war er sehr grobmotorisch unterwegs. Er kämpfte einige Sekunden mit dem Reißverschluss, aber er bekam ihn nicht zu. Er brachte nur ruckartige Bewegungen zustande und der Reißverschluss verhakte sich.

„Fuck…“, seufzte er und sah an sich herunter. Er überlegte kurz ob er sich einfach eine Jogginghose anziehen sollte, als es an der Tür klopfte.

„Fünf Minuten sind um.“, sagte House. James brummte frustriert und zog an dem Reißverschluss herum.

„Deine Haare sind zu kurz, du musst die nicht föhnen.“, fuhr House fort.

„Das ist nicht das Problem.“, knurrte er. Auf der anderen Seite der Tür war es kurz still.

„Was dann?“, fragte House knapp. James schloss kurz die Augen. Dann öffnete er die Tür und sah House an.

„Oh.“, meinte er und zog die Augenbrauen in die Höhe, als er James‘ Hosen sah.

„Wenn du nen Blowjob willst, musst du doch nur fragen.“

„House.“, knurrte James. Er war gottfroh, dass er bei dieser Aussage nicht rot wurde. House verzog das Gesicht und griff prompt nach James‘ Hose. Dieser wandte den Blick ab und wartete ab, bis House den Reißverschluss hochgezogen und den Knopf geschlossen hatte.

„Danke.“, seufzte er und folgte House ins Wohnzimmer. Als er seine Schuhe ansah, sah er auch sofort die nächste Hürde. Er warf House einen kurzen Blick zu.

„Können wir nicht doch einfach dableiben?“, fragte er. House atmete schwer aus.

„Setzt dich hin.“, sagte er und deutete auf einen Stuhl am Esszimmertisch, „Wir gehen jetzt spazieren.“ James seufzte theatralisch und ließ sich auf den Stuhl fallen. House schnappte sich James‘ Schuhe und ging vor ihm auf die Knie.

„Hilf gefälligst mit.“, knurrte er, als er James den ersten Schuh anzog. Er beugte sich etwas runter und zog sich den zweiten Schuh über, während House ihm die Schnürsenkel band.

„Schon mal über Slip-Ons nachgedacht?“, seufzte House und stand ächzend auf.

„Ich rechne eigentlich nicht damit, dass ich für immer Probleme damit haben werde.“, erwiderte James und stand auf. House verzog das Gesicht, schnappte sich seinen Gehstock und lief zur Haustür.

„Das dachte ich bei meinem Bein auch nicht.“, antwortete er. James rollte mit den Augen und folgte House nach draußen. Es war draußen noch sehr kühl, vielleicht maximal 12 Grad. House und James sahen sich kurz an, dann lief House los und James folgte widerwillig. Es war noch sehr ruhig um diese Uhrzeit und so liefen sie in aller Ruhe durch die Straßen. Es dauerte jedoch nicht allzu lange bis es James zu viel wurde und er wieder eine Schwindelattacke bekam. Er kniff die Augen zusammen und blieb abrupt stehen. House bemerkte es und stoppte, drehte sich nach seinem Freund um.

„Alles gut?“, fragte er und James erschrak darüber, wie besorgt er doch klang.

„Pause.“, seufzte er schwer und hielt sich den Kopf. Er hörte wie House zu ihm lief und ihn am Arm packte. Er zog ihn in eine Richtung und drückte ihn nach unten, also setzte James sich hin. Er öffnete die Augen wieder und sah, dass House ihn an den Bordstein gesetzt hatte. Schwer atmend sah er auf und House ins Gesicht.

„Wieso?“

„Wieso du sitzt? Früher oder später wärst du sowieso auf dem Boden gesessen, glaub mir.“, erwiderter er. James schüttelte den Kopf.

„Warum machst du das alles?“ House sah weg und auf die Straße, zuckte mit den Schultern.

„House.“ Der Angesprochene setzte sich neben ihn und legte seinen Gehstock neben sich.

„Ich mach mir nur Sorgen.“

„Du machst dir nie Sorgen.“

„Das ist ja das Problem.“, seufzte er und sah auf den Boden, „Ich will helfen. Du warst da, als ich meinen Infarkt hatte und jetzt bin ich für dich da. Ist doch ganz einfach.“ James nickte leicht. Es war einige Minuten still zwischen den Beiden. Es war wirklich ganz einfach. Zumindest für jeden außer House; er war nicht der Typ Mensch der für andere in einer Krise da war. Er war eher weg und arbeitete alleine daran, die Krise zu überwinden.

„Wie geht’s dir, Wilson?“ Wieder diese Frage. Er wollte nicht darauf antworten, also stand er langsam auf.

„Geht wieder. Wir können weiter.“ Ihm war klar, dass House das nicht gemeint hatte, aber er fragte dennoch nicht weiter nach. Er hielt House die Hand hin um ihm aufzuhelfen, doch House stand allein auf. Er nickte leicht und sie machten sich auf den Heimweg.
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