As time goes by

von Marina92
GeschichteDrama, Romanze / P16
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Takeru "T.K." Takaishi und Patamon
26.06.2020
24.10.2020
18
61.969
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26.06.2020 2.173
 
Herzlich willkommen zu meinem neuen Versuch einer neuen TaKari-Fanfiktion! Ich habe vor ein paar Tagen eine Gesichte beenden können und da ich bei meiner laufenden Fanfiktion im Moment nicht weiterkomme, starte ich mit dieser Story mein neues Projekt! Ich hoffe, es gefällt und ich bin für Kritik jeder Art immer offen - auch gerne für Verbesserungsvorschläge :) Manchmal kann es aus beruflichen Gründen etwas dauern, bis ich ein neues Kapitel posten kann, aber ich versuche, so regelmäßig wie möglich neue Kapitel online zu stellen!
Und nun: Seid willkommen auf der Reise von Takeru und Kari und ich wünsche nun viel Spaß mit dem ersten Kapitel!

*********

„Er kommt also wirklich wieder nach Hause? Jetzt, nach so vielen Jahren…“ Kari begann mit einer nervös anmutenden Geste den Handballen der einen Hand mit den Fingern ihrer anderen zu kneten, während sie gleichzeitig auf ihrer Unterlippe herumkaute. Ihr Gegenüber beäugte sie dabei skeptisch – diese Geste sah man bei der Braunhaarigen sonst nur selten. Eigentlich nur dann, wenn sie wirklich irgendetwas Tiefgreifendes beschäftigte – etwas, was ihr ganzen Leben auf den Kopf stellen würde.
Der Braunhaarige, der sich bisher mit verschränkten Armen gegen die lange Küchentheke in ihrer Wohnung gelehnt hatte, stieß sich mit einer eleganten Bewegung von selbiger ab und überbrückte die zwischen ihnen vorherrschende Distanz mit ein paar kurzen Schritten. Er stieß ein langgezogenes Seufzen aus und ließ sich unmittelbar neben die junge Frau auf die lange Bank fallen, die bei ihrem Küchentisch stand. Er vermied es, ihr in die Augen zu sehen, denn Kari hatte schon immer gewusst, welche Hebel sie betätigen musste, um alles – aber auch wirklich alles – aus ihm herauszubekommen. Auch wenn er sich in diesem Moment vorkam wie der größte Verräter, aber… er wollte seiner kleinen Schwester nicht die ganze Wahrheit erzählen – noch nicht. Zu tief saßen in ihr noch die vielen kleinen Wunden, die ein bestimmtes Ereignis vor fünf Jahren in ihr hinterlassen hatte und die selbst diese lange Zeitspanne nicht vollständig hatte verheilen können – oder zumindest ein Pflaster darüber kleben… Tai griff vorsichtig nach der Hand seiner Schwester, die – genauso wie er ihr – ihm noch nicht in die Augen sehen konnte und drückte sie vorsichtig. Das, was er ihr gleich erzählen würde, das würde ihr gar nicht gefallen, da war sich Tai vollkommen sicher. Leider.
„Ja, Kleines. Mimi hat es mir heute Morgen erzählt. Anscheinend weiß sie es von Sora. Ich will ehrlich zu dir sein – ich hab zunächst gezögert, es dir zu erzählen, aber… aber ich dachte, es wäre unfair, wenn ich es dir nicht…“ Tais Stimme begann mit jedem Wort, das er aussprach, brüchiger zu werden und auch in seinem Tonfall schwang eine nicht zu überhörende Unsicherheit mit. Er hasste es einfach. Er hasste es so sehr, Kari wehtun zu müssen. Aber er malte sich gerade die Szenerie aus, wenn die Braunhaarige ohne Vorwarnung auf eine ganz bestimmte Person treffen würde. Und das wollte er sich gerade einfach nicht vorstellen.
„Über Weihnachten und Neujahr sind die Universitäten in Frankreich ja auch geschlossen und nachdem er in den letzten Jahren schon in so vielen Semesterferien und an so vielen Feierlichkeiten nicht in Japan war, musste er dieses Mal einfach endlich den Bitten seiner Eltern nachgeben. Anscheinend wird er morgen in Tokyo landen…“ – „Morgen schon…“, flüsterte die Braunhaarige leise. Ihre Stimme klang rau und belegt, während das Kneten ihres Handballens von Minute zu Minute ausladender zu werden schien. Sie krallte inzwischen ihre Finger so sehr in ihre Hand, dass das Weiß der Knöchel schon deutlich herausstach.
Tai begann damit, mit seinen Fingern geschwisterlich-liebevoll über die Hand seiner Schwester zu streichen, die er bis zu diesem Moment immer noch von seinen eigenen umschlossen gehalten hatte. Er musste es endlich wissen – Kari druckste schon seit so vielen Jahren zu diesem Thema herum und wich ihm auch jedes Mal geschickt aus, wenn er es schaffte, ihre Unterredungen auf diesen einen kleinen Aspekt zu lenken, der ihm auch nach so vielen Jahren immer noch ein Rätsel war.
Doch er musste sie damit konfrontieren, denn er sah, dass dieses Thema seine kleine Schwester sonst innerlich aufzufressen drohte. Daher holte er einmal tief Luft und versuchte dabei, seine Stimme möglichst klar und sicher klingen zu lassen.
„Sag mal, Kleines – du weißt, dass ich mich sonst nicht in diese Sache einmische, solange du mich nicht selbst um Rat oder Hilfe fragst oder ich sehe, dass es dir wirklich richtig schlecht geht. Das hab ich dir damals versprochen. Aber ich… Es tut mir Leid, ich muss dir diese Frage einfach stellen.“ Die Angesprochene konnte sich selbst eigentlich schon denken, worauf schließlich ihr Bruder anspielen würde. Eigentlich wusste sie es auch schon lange, dass diese eine, kleine Frage nach dem Warum ihm schon lange auf der Zunge lag, allerdings hatte er es seit jeher sich nicht getraut, sie Kari zu stellen.
Deswegen schnitt sie ihm mit einer ausladenden Geste ihrer Hände auf sachte Art und Weise das Wort ab und hob nun zum ersten Mal seit einigen Minuten ihren Blick, um Tai unmittelbar in die Augen sehen zu können. Doch sie zögerte einen winzigen Moment. Nicht, weil sie kein Vertrauen zu ihrem Bruder hatte. Auch nicht, weil sie sich nicht vor ihm erklären wollte. Es war auf der einen Seite eher die wertvolle Zeit, die sie durch diese kleine Pause gewinnen konnte. Zeit, in der sie sich eine Antwort – wahrscheinlich auch eine Antwort an sich selbst –zurechtlegen konnte. Und auf der anderen Seite musste sie zunächst den dicken Kloß in ihrem Hals herunterschlucken, der sich nun seit Beginn des Zwiegesprächs mit ihrem Bruder dort wiederfand. Sie musste verhindern, dass die schmerzhaften Erinnerungen, die sie gerade erneut mit voller Wucht zu treffen drohten, sie nicht übermannten. Und Tai – ja, er wusste nicht, dass es ein Geheimnis gab, über das sie bisher noch nicht einmal mit ihm gesprochen hatte. Nur eine einzige, ganz bestimmte Person war in dieses Geheimnis eingeweiht.

„Ich weiß schon, was du fragen willst. Und ich kann dir nur immer wieder dieselbe Antwort geben, die ich dir sonst auch gebe. Wir haben uns damals getrennt, weil eine Beziehung keine Distanz von fast 10.000 Kilometern Luftlinie aushalten kann. Zumindest auf die Dauer nicht. Du weißt doch auch noch, dass Takeru damals direkt nach der Schule das Stipendium für diese Universität in Paris bekommen hat. Und ich? Ja, ich bin damals ja in Japan geblieben.“ Vor Karis Augen blitzten innerhalb weniger Sekunden in einer rasenden Geschwindigkeit verschiedene Eindrücke aus diesen Jahren vor ihrem inneren Auge auf.
Sie erinnerte sich an glückliche Stunden – sehr glückliche sogar. Sie spürte die warmen, liebevollen Küsse, die sie mit dem Blondhaarigen geteilt hatte und nach denen sie sich bis heute immer noch sehnte. Sie hörte das einzigartige Lachen des Blondhaarigen in Ohren nachklingen, von dem sie jedes Mal selbst auch zum Lachen gebracht wurde. Und nicht zuletzt sah sie diese Augen, diese wunderschönen azurblauen Augen, vor sich, die jedes Mal, sobald diese sich mit ihren eigenen getroffen hatten, so viel Wärme und Liebe ausgestrahlt hatten – sie hatten auf Kari immer gewirkt, wie der weite, blaue Ozean.
Sie musste tief durchatmen, um die kleinen Tränen herunterzuschlucken, die sich langsam ihren Weg an die Oberfläche zu bahnen drohten. In den letzten Jahren hatte sie es sich nicht eingestehen wollen, hatte alles verdrängen können, aber… Je mehr sie nun damit konfrontiert war, desto deutlicher wurde ihr, dass sie sich so sehr nach dem Blondhaarigen sehnte, zu dem sie bereits seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Aber sie sehnte ihn nicht als ihren besten Freund an ihrer Seite zurück. Zumindest nicht ausschließlich… Denn ihr dummes und kleines Herz wünschte sich, wieder von ihm liebevoll in die Arme geschlossen, berührt und geküsst zu werden.

„Wir haben uns damals versprochen, dass wir trotzdem immer Freunde bleiben werden. Dass wir regelmäßigen Kontakt zueinander haben werden. Und nicht einmal das haben wir beide geschafft.“ Bitter schnaubte Kari auf, als sie sich ihre eigenen Worte erneut durch den Kopf gehen ließ. Es stimmte. Keine E-Mail, kein Anruf, nicht mal eine kurze Nachricht über die neuen sozialen Netzwerke hatten sie in den letzten Jahren ausgetauscht, in denen Takeru nun schon in Frankreich wohnte. Und das waren immerhin schon fünf lange Jahre.
„Kari, ich wollte dir damit wirklich nicht wehtun, aber wenn Takeru morgen in Tokyo landet, dann…“ Tai hob mit einer vorsichtigen Bewegung seine Arme, um seine kleine Schwester in eine liebevolle Umarmung schließen zu können. Er konnte sich in etwa vorstellen, welches Gefühlschaos gerade in ihrem tiefsten Inneren ausgebrochen war und das sie in den nächsten Tagen auch noch weiterhin beschäftigen würde – vor allem ab den Zeitpunkt, wenn sie Takeru wieder in seine azurblauen Augen sehen würde. Doch Kari wehrte diesen Versuch Tais mit einer ausladenden Geste ab.
„Es ist schon okay, Tai. Wirklich. Ich werde das schon irgendwie schaffen…“, versuchte sie ihm glaubhaft mitzuteilen. Doch für den Braunhaarigen war der unsichere Tonfall und das leichte Zittern in ihrer Stimme das sicherste Zeichen, wie sehr seine kleine Schwester in diesem Moment – und vor allem, wenn sie an die baldige Begegnung mit den Blondhaarigen dachte – innerlich aufgewühlt war. Kari biss sich auf die Lippen und hoffe, dass er nicht bemerken würde, dass sie noch etwas vor ihm verheimlichte. Etwas, dass sie nur mit Takeru teilte und das vor einigen Jahren einen tiefen Einschnitt in ihrer beider Leben, aber auch in ihre Beziehung bedeutet hatte. Doch auch damit würde sie wieder konfrontiert werden, wenn sie bald auf Takeru treffen würde…

~*~


Leise Flocken fielen vom Horizont und führten einen kleinen, unbeschwert wirkenden Tanz um sie herum auf. Zumindest kam es der Braunhaarigen so vor. Kari stapfte durch die Straßen Tokyos, während sie unter ihren Armen ein kleines, mit rotem Papier eingewickeltes Päckchen trug, das mit Christbaumkugeln verziert war. Ihre Mutter hatte auch herausgefunden, dass Takeru seit wenigen Stunden wieder in Japan war und fand es eine schöne Idee, wenn Kari zur Begrüßung und natürlich auch zu den anstehenden Festtagen ein kleines Paket mit ihren selbstgebackenen Plätzchen vorbeibringen würde. Schöne Idee Kari verdrehte die Augen, als sie an diese Begegnung mit ihrer Mutter dachte. Was ihre Mutter für eine Schöne Idee hielt, ließ bei anderen Menschen im Regelfall Schweißperlen auf die Stirn treten. Und diese Gefühl konnte Kari wieder einmal gerade voll und ganz nachvollziehen.
Doch diese Aktion hatte wenigstens einen Vorteil. Sie musste sich in diesem Augenblick wenigstens nicht durch die Hauptverkehrswege der Tokyos schlängeln. Es war Heilig Abend und an einem solchen Tag waren viele Menschen den ganzen Tag über unterwegs, um ihre Familie oder Freunde zu besuchen. Dementsprechend überfüllt waren an diesem Datum auch regelmäßig die Radwege und Straßen der japanischen Hauptstadt.
Doch in Karis Sichtweite schob sich bereits ein einladend wirkender Wohnblock, in einer dessen Wohnungen sie in der Vergangenheit schon oft und regelmäßig ein willkommener Gast gewesen ist. Wie es für die japanische Hauptstadt üblich war, wohnten dort viele Familien unter einem Dach zusammen, denn Wohnraum war bekanntlich rar in Tokyo. Kari hob ein Stück weit ihren Blick und formte mit ihren Händen ein kleines Dach über ihren Augen, um diese vor den fallenden Schneeflocken abzuschirmen. Die Braunhaarige musste keine Stockwerke mehr abzählen, sondern ihr Blick wanderte wie automatisch zum siebten Stock des Wohnblocks und fixierten sich auf eine ganz spezielle Wohnung. Ja, dort hatten Takeru und seine Mutter über viele Jahre gewohnt und sie hatte die beiden oft dort besucht. Nun wohnte nur noch Takerus Mutter in der geräumigen Drei-Zimmer-Wohnung, die immer noch ihrer Arbeit als Journalistin bei einer renommierten Tageszeitung nachging.
Kari musste allen Mut zusammennehmen, um den Knopf des Fahrstuhls zu betätigen, den sie gerade erreicht hatte. Mit einem lauten Rattern fuhr dieser sie direkt in die siebte Etage. Nun waren es nur noch ein paar wenige Schritte…
Takaishi Kari fuhr vorsichtig mit ihren Fingern jeden einzelnen Buchstaben ab, der sich vor ihr auf dem Klingelschild auftat. Diese Aktion war allerdings nur ein verzweifelter Versuch, Zeit rausschinden zu können. Zeit, die sie brauchte, um den Mut zu sammeln, den sie für die erste Begegnung nach so vielen Jahren mit Takeru brauchen würde. Aber vielleicht waren es auch nur ein paar wertvolle Sekunden, in denen sie innerlich mit sich ringen und dabei abwägen konnte, ob die Flucht vielleicht nicht doch die sinnvollere Alternative wäre…
Kari schob ihren Finger auf den Klingelknopf und musste sich dabei konzentrieren, das deutliche Zittern in ihren Händen zu unterdrücken. Gleich, gleich würde er tatsächlich wieder vor ihr stehen… Kari versuchte, tief und regelmäßig zu atmen, zumal ihr Herz innerlich gerade Saltos zu schlagen schien. Vielleicht vor lauter Bedenken. Vielleicht vor Aufregung. Und vielleicht, ja, vielleicht mischte sich sogar auch eine tiefgehende, aufrichtige Freude in diese Emotionen hinein.
Doch ihr Mut sank, als sie ihren Finger auf dem Klingelknopf platzierte. Die hörte Takerus glockenhelles Lachen, das sie so sehr liebte. Die Knie der Braunhaarigen drohten nachzugeben und sie räusperte sich kurz, um ihre zitternde Stimme wieder klarer klingen zu lassen. Doch all diese Emotionen wurden mit einem Schlag beiseite gewischt, als sich ein zweites Lachen zu dem Takerus hinzugesellte. Es war das Lachen einer jungen Frau. Und Kari war sich zu einhundert Prozent sicher, dass sie diese Stimme nicht kannte…
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