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Echt jetzt?! - Ende Vol. 4

von Cowboy93
OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
26.06.2020
21.11.2020
3
10.275
8
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7 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
26.06.2020 3.243
 
Howdy…
…zum vierten! :-)
Ihr lest hier Lagerfeuer-Resultat(e) Vol. 4
oder: ein weiteres alternatives Ende zu „Echt jetzt?!“

Die Original-Story findet sich hier: Echt jetzt?!

See ya!


**********


Eine, vielleicht zwei Sekunden hielt das Gefühl an. Das Gefühl von Tobias' Lippen auf den seinen, das Gefühl von Wärme, das Gefühl, zu schweben. Dann wurde es abrupt kühl. Tobi hatte sich ruckartig von ihm gelöst, war einen Schritt zurückgetreten und blickte ihn nun mit großen Augen an. „Wow... ähm... Tim... du...“ Sein Schwager schüttelte den Kopf und trat einen weiteren Schritt zurück. Und Tim landete wieder auf dem Boden. „Es... tut mir leid...“, begann er und spürte seinen rasenden Herzschlag plötzlich wieder überdeutlich. Scheiße! Was war das denn gewesen! Hatte er völlig den Verstand verloren?! Tobias' Blick nach zu urteilen, ja! Der unterbrach ihn nun. „Tim... das geht so nicht. Hör mal, ich...“, sagte Tobi und Tim konnte nichts tun, außer ihn anzustarren. Er wusste, was jetzt kam und wollte es nicht hören. Wie konnte ein Mensch nur so blöd sein!?! „Ich kann mir vorstellen, dass das alles ziemlich verwirrend sein muss für dich, aber...“, Tobias atmete einmal tief durch. „Das geht so nicht“, sagte er erneut. „Du kannst nicht einfach... Ich bin dein Schwager, Tim. Ich bin mit deinem Bruder zusammen. Und... ich liebe ihn.“ Boris. Den hatte Tim in den letzten Minuten erfolgreich verdrängt. Nun war der Gedanke an seinen Bruder wieder da. Und zum rasenden Herzschlag kam nun ein ganz mieses Gefühl von Übelkeit hinzu. „Oh Gott, Boris...“, sagte er und schlug die Hände vors Gesicht. „Können wir... können wir das vielleicht einfach... vergessen?“ Tim wusste, wie erbärmlich er klang, aber wenn er daran dachte, dass... „Nein, können wir nicht“, sagte Tobi. „Und ich schätze, dafür ist es eh zu spät“, hörte Tim ihn noch murmeln und folgte dann seinem Blick über seine Schulter.

„Boris...“ Automatisch wich Tim zurück, als er seinen Bruder auf sie zukommen sah – mit einem Blick, der ihm sagte, dass dieser genug mitbekommen hatte. Die mühsam unterdrückte Wut ließ sich nicht nur in seinen Augen erkennen, sondern auch an seiner Körperhaltung ablesen – und kurz sah Tim bereits eine Faust in seinem Gesicht landen. Aber Boris beherrschte sich. So gut er eben konnte. Sekundenlang starrte er Tim an und versuchte gar nicht erst, seine Emotionen zu verbergen: die Enttäuschung, die Verletztheit und diese unbändige Wut. „Boris, ich...“, begann Tim, der diese angespannte Stille nicht mehr aushielt. „Das war nicht... ich wollte nicht...“ „Was wolltest du nicht?! Meinen Mann angraben?! Ihn küssen?! Oder wolltest du bloß nicht, dass ich irgendwas davon mitbekomme?!“ Boris hatte ihn unterbrochen und hielt sich nun nicht mehr zurück. „Ich hab's geahnt, Tim! Auch wenn alle mich vom Gegenteil überzeugen wollten“, sagte er und warf Tobi einen nicht eben freundlichen Blick zu. „Aber auch wenn ichs geahnt hab... Ich wollte dir die Chance geben, dich zu erklären. Ich hätte...“, kurz lachte er bitter auf, „ich hätte mir beinahe selbst Vorwürfe gemacht, weil ich dir so wenig vertraut habe. Und... irgendwo hab ich auch darauf gezählt, dass du nicht hinter meinem Rücken versuchst, Tobi näher zu kommen. Ich dachte... ich als dein Bruder wäre dir das wert.“ Boris schüttelte den Kopf. „Dass ich mich so in dir täusche...“ Er sprach nicht weiter. Das musste er auch gar nicht. Hatte Tim sich vorhin erbärmlich gefühlt, gab es für seinen momentanen Zustand keine Worte mehr. Natürlich... Boris hatte mit allem recht. Und das traf ihn mehr als ein Schlag ins Gesicht es gekonnt hätte. Mehr als Tobis Abfuhr, mit der sein Kopf ohnehin gerechnet hatte. „Es tut mir leid“, sagte er leise und wusste, dass er das nicht wieder gut machen konnte. Vielleicht nie mehr. Schon wieder war ihm zum Heulen zumute. Er versuchte, Boris‘ Blick einzufangen, ihm deutlich zu machen, wie leid ihm dieser Kuss tat, aber der hatte seine Aufmerksamkeit auf seine linke Hand gerichtet, in die sich Tobis geschoben hatte. Er sah, wie ihre Blicke sich trafen und Tobi Boris' Hand leicht drückte. Und auch wenn in seinem Innern noch immer das totale Chaos herrschte, so fühlte sich diese Geste beruhigend an. Die beiden würde nichts auseinander bringen, auch nicht seine bodenlose Dummheit. Nun richtete sich Boris‘ Blick wieder auf ihn – nicht mehr ganz so wütend. „Boris, ich... ich weiß, dass ich Mist gebaut hab. Und dass das unentschuldbar ist. Aber vielleicht... lässt du's mich irgendwann erklären. Und... wenn ich irgendwas tun kann...“ Boris musterte ihn eine Weile nachdenklich. „Könntest du. Du könntest uns einfach in Ruhe lassen. Ich will das gerade nicht hören, Tim. Und ich will dich auch nicht mehr sehen“, sagte Boris und Tim versuchte sich an einem Nicken. Das hatte er wohl verdient. Und eigentlich noch mehr. Bevor sie sich abwandten und ihn alleine zurückließen, warf ihm Tobias noch einen kurzen Blick zu. Er wirkte mitfühlend, auch wenn Tim klar war, dass seine Loyalität nun Boris galt. Seine Loyalität und seine Liebe. Noch immer hielt Tobi Boris‘ Hand und Tim spürte seine eigene Einsamkeit gleich noch ein bisschen deutlicher. Er hatte verloren. Die beiden – und irgendwie auch sich selbst.

******

Boris
„Wir wünschen dir einen „netten“ Abend.
Und morgen wollen wir Details.
Klar, oder?! ;-)“


Tim atmete tief durch und las die Nachricht nochmals, die sein Handy vor wenigen Minuten angekündigt hatte. Eine Nachricht, die ihn einmal mehr unglaublich dankbar sein ließ für die Beziehung zu seinem Bruder, die besser nicht hätte sein können. Und die ihn eben auch an diesen so völlig gegensätzlichen Moment vor rund eineinhalb Jahren erinnert hatte. Dieses düstere Gefühl von damals hatte er noch zu gut in Erinnerung. Diese Einsamkeit, die Leere und die Hoffnungslosigkeit. Und die Gewissheit, einen riesigen Fehler begangen zu haben. Letztere hatte ihn schließlich handeln lassen, um das wieder geradezubiegen. Es hatte einige Telefonate und Besuche gebraucht, um wieder einigermaßen normal miteinander umgehen zu können, aber sie hatten sich zusammengerauft, alle drei. Und sie hatten es geschafft.

Und auch wenn die Situation teilweise schwer auszuhalten gewesen war, hatte es sie wohl gebraucht – das Gefühlschaos und den Kuss mit einem Mann, durch den ihm klar geworden war, dass es nicht nur schwarz oder weiß gab in seinem Leben, sondern mehr. Es hatte weh getan, ganz eindeutig, aber es hatte ihm geholfen, sich selbst zu finden. Ohne diese Episode würde er heute ziemlich sicher nicht in einer Gay-Bar sein Bier trinken – mit der Aussicht auf einen „netten“ Abend, über den ihn sein Bruder und dessen Ehemann morgen mit Sicherheit ausquetschen würden. Er wüsste wohl nicht, dass er sowohl mit Frauen als auch mit Männern was anfangen konnte – dass er bisexuell war. Und nun wusste er es – und gleichzeitig auch nicht. Plötzlich gab es so viele Möglichkeiten. Frau oder Mann? Wen wollte er mehr? Musste er sich überhaupt festlegen? Es gab Tage, da wäre er um eine klare Antwort froh gewesen, aber ganz grundsätzlich gefiel ihm dieser Zustand – sich nicht festlegen zu müssen. Noch nicht. Das war womöglich unkonventionell, aber unkonventionell passte eigentlich ganz gut zu einem Tim Degen. Er lächelte und ließ seinen Blick durch die Bar schweifen. Irgendwo würde er schon den Menschen finden, der zu ihm passte – ganz egal ob der nun männlich oder weiblich war.

„Also sooo gut ist die Auswahl heute nun auch wieder nicht...“ Eine tiefe Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Überrascht drehte Tim sich um und sah sich einem Typen gegenüber, der ihn frech angrinste. Blaue, dunkle Augen, braune, etwas längere Haare, Dreitagebart, rund einen Kopf größer als er und etwas breiter auch. Nettes Lächeln, schoss es Tim durch den Kopf, ehe er leicht irritiert die Stirn runzelte über die Bemerkung des Kerls. „Naja, du hast so selig gegrinst, als du die Leute hier betrachtet hast und ich finde...“, begann er und Tim ließ seinen Blick provozierend über ihn gleiten, um den Typen dann zu unterbrechen. „Ja, du hast recht... die Auswahl ist echt eher bescheiden heute.“ Das Lachen seines Barnachbarn konnte was. Es ließ seine Stimme noch tiefer klingen und Tim hatte das Gefühl, es in seinem Bauch zu spüren. Ein Bier wurde ihm zum Anstoßen hingehalten. „Niklas. Oder Nik“, stellte der Kerl sich vor und Tim nickte ihm zu. „Tim.“ Sie stießen an und Nik deutete anschließend mit dem Kinn in die Menge auf der Tanzfläche, die stetig anzuwachsen schien. „Und... welcher Kerl hats dir so angetan?“, fragte er und lächelte. Tim folgte seinem Blick, auch wenn er ahnte, dass der Kerl, der es ihm wirklich antun könnte, direkt neben ihm saß. Er war nun schon öfter hier gewesen und fühlte sich echt wohl in der kleinen Kneipe. Kurz blieb sein Blick an einer Frau hängen, die nahe des Eingangs stand und die sich angeregt mit einem schwulen Paar unterhielt. Immer mal wieder verirrten sich auch weibliche Gäste in die Bar, auch wenn sie oft froh waren, hier für einmal nicht angebaggert zu werden. Ob sie auch zu dieser Kategorie gehörte, oder... ob er allenfalls Chancen hätte? Wenn er sie denn wollen würde. Er spürte Niks Blick auf sich. Und der fühlte sich... verheißungsvoll an. Also wandte er sich wieder seinem Nachbarn zu. „Ich sagte doch, ich stimme dir zu. Bescheidene Auswahl.“ Nik hakte nicht nach, fragte nicht, woher Tims Lächeln zuvor gerührt hatte und das war gut. Bislang hatte er bei keiner seiner Bekanntschaften das Bedürfnis verspürt, mehr als nötig von sich preiszugeben. Und noch hatte er nicht das Gefühl, dass sich das bei Nik ändern würde.

Das mit der bescheidenen Auswahl war allerdings gelogen gewesen, merkte er ziemlich rasch. Man konnte sich gut unterhalten mit Nik. Sehr gut sogar. Und dass er ihn immer wieder wie zufällig berührte, als sie nebeneinander in einer kleinen Sitzecke saßen, löste in Tim so einiges aus. Der Abend (und die Nacht) könnten tatsächlich ganz "nett" werden, dachte er irgendwann – insbesondere als Nik einmal mehr sein tiefes Lachen hören ließ und Tim damit eine Gänsehaut bescherte. Er ließ seinen Blick erneut über Niks Körper wandern. Wie es wohl wäre, mit ihm? Er hatte festgestellt, dass er auch beim Sex mit Männern gerne den Ton angab, auch wenn er durchaus auch der anderen Rolle etwas abgewinnen konnte. Und mit Nik... könnte es vielleicht auf diese andere Rolle hinauslaufen.

Er beschloss, eine weitere Runde für sie zu ordern. Während er an der Bar stand, bemerkte er, dass sich eine Frau neben Nik niedergelassen hatte und ihm etwas ins Ohr flüsterte. Es war die Frau, die er zuvor beim Eingang bemerkt hatte. Ihre langen Haare, die sie zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt hatte, ihr schlichtes, weißes Kleid und ihr fröhliches Lächeln erkannte er sogleich wieder. Sie schienen sehr vertraut und Nik lächelte auf ihre Worte hin. Dann löste sie sich wieder von ihm und verschwand in Richtung Toiletten. Nachdenklich sah Tim ihr hinterher. „Wer war das?“, fragte er schließlich interessiert, als er sich wieder neben Nik niedergelassen hatte. „Meine Freundin“, erwiderte der. „Eine Freundin“, präzisierte Tim, doch Nik schüttelte den Kopf. „Meine feste Freundin“, sagte er und Tim glaubte, sich verhört zu haben. Seine Irritation war ihm wohl deutlich anzusehen. „Was schockiert dich jetzt mehr? Dass du mit mir geflirtet hast, oder sie mit Blicken ausgezogen?“, fragte Nik und grinste. „Du...“, Tim hatte Mühe, das Ganze einzuordnen und Niks messerscharfe Analyse half dabei nur bedingt. „Du hast eine Freundin? Echt jetzt?! Ich dachte, du bist... Und dann flirtest du hier mit mir?“ „Du stehst auch nicht nur auf Kerle, oder?“, gab Nik achselzuckend zurück. „Und das tu ich auch nicht.“ „Und sie... sie macht da mit?“, fragte Tim leicht ungläubig. Niks Lächeln wurde wärmer. „Tut sie. Wir führen eine halb-offene Beziehung. Heisst, dass ich hin und wieder auch mit Kerlen ins Bett steige.“ „Und das... macht ihr gar nichts aus?“ Tim wusste, dass er wie der letzte Spießer klang, aber auch wenn er nicht nur einmal mehrere Affären gleichzeitig laufen gehabt hatte: Die wären ganz bestimmt nicht happy gewesen, hätten sie voneinander gewusst. Nik schien ihn ziemlich genau zu beobachten, als er weiter sprach. „Nein, das macht ihr nichts aus... insbesondere... wenn sie auch auf ihre Kosten kommt.“ Tim musste blinzeln. Die Worte schienen nicht so richtig bei ihm anzukommen. In diesem Moment kam sie von der Toilette zurück und setzte sich neben Nik. Er musste wohl ausgesehen haben, als hätte ihn der Blitz getroffen, jedenfalls lachte sie leise und sah zwischen ihm und Nik hin und her. „Niklas ist wohl wieder mit der Tür ins Haus gefallen“, meinte sie dann, noch immer lachend und schüttelte leicht den Kopf. „Jetzt hast du ihn verschreckt“, sagte sie an Nik gewandt und streckte Tim dennoch die Hand entgegen. „Tanzen?“, fragte sie und als er zögernd seine Hand in die ihre legte, hatte sie ihn auch schon auf die Tanzfläche gezogen. Er sah, wie Nik ihnen grinsend nachschaute.

Das Tanzen lenkte ab und die laute Musik und die vielen Menschen um sie herum verunmöglichten eine längere Unterhaltung. Tim erfuhr dennoch, dass die Frau in seinen Armen Anna hieß und tatsächlich Niks Freundin war. Er wusste schon, wieso sie ihm bereits von Weitem aufgefallen war. Ihre natürliche Art und ihr offenes Lachen waren mehr als anziehend. Sie war warm und weich und fühlte sich genau richtig an in seinen Armen. Ihr Duft stieg ihm in die Nase und er zog sie noch ein Stück näher. Sein Blick wanderte zu Nik, der sie beobachtete – ein leises Lächeln auf den Lippen. In diesem Moment trafen sich ihre Blicke und Niks Lächeln wurde breiter.

Irgendwann kehrten sie in die Sitzecke zurück und Anna beantwortete Tim alle indiskreten Fragen, die der sich nicht verkneifen konnte. So erfuhr er, dass die beiden zunächst eine lockere Affäre gehabt hatten, bevor ihnen bewusst geworden war, dass sie mehr füreinander empfanden. Nun lebten sie zusammen und diese halb-offene Beziehung mit gelegentlich anderen Partnern schien für sie beide bestens zu funktionieren. Wenn immer möglich, verbrachten sie diese One Night Stands – für länger hatte es noch nicht gepasst, bis jetzt, wie Nik mit einem Seitenblick auf Tim hinzufügte – zu dritt.

Nik hatte den Arm um Anna gelegt und die beiden so nah beieinander gaben ein wunderschönes Paar ab. Dieses indirekte Angebot, das Nik ihm gemacht hatte, nahm mehr und mehr Form an in Tims Kopf. Bildliche Form, die für ein aufregendes Kribbeln sorgte. Als Anna Nik kurz küsste und dann nochmal zu ihren Freunden trat, wohl um sich zu verabschieden, wurde das Kribbeln stärker. Er blickte ihr nach. Und jetzt? Würden sie ihn einladen, mitzugehen? Unmissverständlich? Und würde er mitgehen? Er grinste in sich hinein. Was für eine Frage. Er hatte sich längst entschieden. Er hörte Nik neben sich leise lachen. „Ich glaube, bei dir muss ich mir eher Sorgen machen, ob ich auf meine Kosten komme“, hörte er ihn murmeln und als er sich umwandte, traf ihn erneut dieses umwerfende Grinsen. Tim schüttelte lächelnd den Kopf, bevor er kurzerhand nach Niks T-Shirt griff, diesen näher zog und ihn küsste. Nur widerwillig löste er sich wieder von ihm und stellte erfreut fest, dass dessen Blick noch immer auf seinen Lippen lag. Bevor er ihn nochmal an sich ziehen konnte, war Anna wieder da und streckte ihm erneut die Hand hin. „Gehen wir?“, fragte sie. Tim stand auf und griff nach ihrer Hand.

**

Als Tim erwachte, umfing ihn Wärme. Er blinzelte einmal, zweimal, brauchte allerdings nur Sekunden, um sich zu orientieren. Er lag auf dem Rücken und blickte an seiner rechten Seite auf Anna, die neben ihm schlief, ihm zugewandt, die eine Hand auf seiner Brust abgelegt. Zu seiner Linken lag Nik, ebenfalls auf dem Rücken, den rechten Arm unter Tims linkem, ihre Hände berührten sich. Tim konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Normalerweise mochte er so viel Nähe nicht, aber nun... nach dieser Nacht... Das Grinsen wurde breiter. Ohne jeden Zweifel die beste Nacht seines Lebens. Vorsichtig entfernte er Annas Hand von seiner Brust und löste sich von Nik, um dann aus dem Bett zu steigen. Er wollte diese Nacht genauso in Erinnerung behalten, wie sie gewesen war: unglaublich. Und auch wenn er die beiden als absolut zwanglos und unkompliziert einschätzte: Er wollte nicht Gefahr laufen, diesen Morgen mit womöglich unsicheren Blicken und verkrampften Gesprächen zu verbringen.

Also griff er nach seinen Kleidern und schlich ins Badezimmer. Er brauchte nur wenige Minuten und als er die Tür wieder öffnete, lag die Wohnung noch immer still vor ihm. Er lief durch den langen Flur, schlüpfte an der Haustür in seine Schuhe und griff nach seiner Jacke. Die Hand bereits an der Türklinke, blickte er noch einmal zurück und erstarrte. Anna stand im Durchgang zur Küche und lächelte ihn an. Sie musste mitbekommen haben, dass er aufgestanden war. „Sicher, dass du ohne Kaffee weg willst?“, fragte sie und hielt eine Tasse hoch. Er konnte nicht anders, als zurück zu lächeln. Leicht schüttelte er den Kopf und zog seine Schuhe wieder aus. Mit keinem Wort ging Anna auf seinen heimlichen Beinahe-Abgang ein, als er ihr in die Küche folgte. Sie machte sich an der Kaffeemaschine zu schaffen. „Milch? Zucker?“, fragte sie, als sie ihm die dampfende Tasse hinhielt. Er schüttelte den Kopf und griff danach, als sie sie ihm auch schon wieder wegzog. „Krieg ich wenigstens ein 'Guten Morgen' oder sprichst du gar nicht vor dem ersten Kaffee?“ Sie brachte ihn zum Lachen und er wusste nicht mehr, wieso er ohne Verabschiedung hatte verschwinden wollen. Auch sie lächelte. „Guten Morgen“, sagte er, „und danke für den Kaffee.“ Ihr Lächeln wurde breiter – erst recht, als er nicht verhindern konnte, dass sein Blick einen Hauch zu lange auf ihrem Mund liegen blieb. Kurz entschlossen beugte er sich vor und küsste sie. Sie schmeckte noch genauso gut wie gestern. „Guten Morgen“, sagte nun auch sie, strich kurz über seine Wange und machte sich dann daran, das Frühstück vorzubereiten. Er half ihr, wo er konnte und genoss die friedliche Ruhe. „Nik schläft noch?“, fragte er irgendwann und sie nickte. „Er ist ein absoluter Langschläfer“, sagte sie. „Du solltest ihn erleben, wenn er ausnahmsweise mal früh raus muss.“ Sie lachte leise und schon waren sie in ein lockeres Gespräch über ihren jeweiligen Alltag vertieft. Kurz dachte Tim an seine Angst vor verkrampften Diskussionen. Er hatte ja sowas von daneben gelegen.

Wenig später tauchte ein noch ziemlich verschlafener Nik in der Küche auf, warf ein genuscheltes „Morgen“ in die Runde, küsste Anna kurz und steuerte dann direkt die Kaffeemaschine an. Er seufzte zufrieden auf, als er einen Schluck getrunken hatte, legte einen Arm um seine Freundin und küsste sie nochmal. Der Anblick war... immer noch heiß, wie Tim fand. Er lehnte an der Küchenzeile und Nik ließ sich auf einen Stuhl fallen. Sein Blick streifte Tim, bevor er nach ihm griff und ihn kurzerhand auf seinen Schoß zog. „Wirst wohl Zeit haben, deinen Kaffee im Sitzen zu trinken“, murmelte er, schlang einen Arm um Tims Bauch und hauchte ihm einen Kuss in den Nacken, bevor er an ihm vorbei nach einem Brötchen griff. Wieder wanderten Tims Mundwinkel automatisch nach oben. Sein Blick fiel auf Anna, die sie beide mit einem warmen Lächeln bedachte und irgendwie hatte er es plötzlich so überhaupt gar nicht mehr eilig, von hier wegzukommen. Das war schon beinahe... idyllisch. Vielleicht etwas unkonventionell – aber ohne jeden Zweifel gut. Mehr als das.

Kurz fiel ihm dieser Moment in der Bar ein, am Abend zuvor. Das Unkonventionelle passte schon irgendwie zu ihm, hatte er gedacht. Irgendwie traf es nicht so ganz – nach dieser Nacht und diesem Morgen. Verdammt perfekt schon eher.


**********


tbc…
... ziemlich sicher. Die (ausgelassenen) interessanten Stellen muss der Cowboy da wohl noch näher beleuchten… ;-)
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