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Die Klasse von 1984: Die neue Schülerin

von Ekyra
GeschichteAllgemein / P12
26.06.2020
03.07.2020
9
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26.06.2020 1.425
 
Es war Montag morgen, eine neue Schulwoche begann. Peter kam, nachdem er sich im Bad fertigmachte, in die Küche. Erstaunt nahm er, dass fremde Mädchen am Küchentisch zur Kenntnis.

Seine Mutter briet gerade Rühreier in einer Pfanne für den Gast und schaute nur kurz zu ihm.
Sie lächelte: „Oh, Peter, nett dich zu sehen, und heute mal pünktlich. Möchtest du zum Frühstück Rühreier oder Spiegelei?“
Sie ging erst mal nicht auf die Besucherin ein. Schüchtern sah die Kleine zu ihm. Jedenfalls kam es ihm so vor.

Er grinste sie an und setzte sich dann auf seinen angestammten Platz. „Gerne. Hast du heute Spätschicht?“
Von dem Mädchen kam kein Wort, sie starrte nun auf ihren Teller.
Sie war nicht besonders groß, reichte ihm gerade, bis zu seiner Brust und ihre langen, roten Haare waren zu einem Pferdeschwanz frisiert.
Auf den Jungen machte sie den Eindruck, als würde sie noch auf die Junior-High-School gehen.  
Seine Mutter hatte die ganze Woche versucht, mit ihm zu reden, dachte Peter.

Er ging aber davon aus, es handelte sich um die Schule und war ihr deswegen ausgewichen.
Dieser neue Lehrer, Mister Norris, macht sehr viel Wind um alles.
Seine Mutter tat dem Gast das Ei auf dem Teller und machte sich daran, auch ihm eines zu machen.

„Das ist Emilia Neumann, sie wird ein Jahr hier wohnen.“ Weiter kam Mrs. Stegmann nicht.
„Wohnen?! Wieso?“, kam es aus Peters Mund. Es klang nicht begeistert.
Seine Mutter verdrehte die Augen. „Wenn du die Woche Zeit gehabt hättest, dann … Also gut. Sie ist eine Austauschschülerin aus Deutschland, und es ist jetzt zu lang dir alles zu erklären. Nur so viel … Ich habe versucht, sie an einer anderen Fakultät anzumelden, aber leider ist das gegen die Regeln des Austauschs. Sie muss auf die gleiche Schule, wie du.“ Sie beobachtete ihren Sohn bei diesen Worten. Der sah sie erstaunt an.

„Ja, ich weiß, wie es dort zugeht. Daher möchte ich dich… Nein! Ich erwarte deine Hilfe, ihr bei der Eingewöhnung zu helfen! Achte auf sie. Ich will nicht, dass sie mit Drogen in Kontakt kommt, und wehe dir, ihr passiert etwas! Ich erkläre dir heute Abend alles.“

In der Zeit war auch sein Rührei fertig geworden, und kam auf den Teller. Er schluckte, nahm die Gabel und fing an zu essen. Die Kleine hatte noch nicht ein Wort gesagt. Ob sie überhaupt englisch sprach?
„Du nimmst sie morgens mit. Keine Widerrede junger Mann!“
Kurz darauf machten die Beiden sich auf den Weg zur Schule. Der Junge grinste, er fragte sich, ob Emilia wusste, was das für ein Höllenloch war.
Nun, er würde es bald wissen. Obwohl er nicht gerne auf sie aufpassen wollte, war da doch der Auftrag seiner Mutter, die durfte er nicht enttäuschen. Aber etwas Spaß haben mit der Kleinen, wollte er auf jeden Fall.


Am Tag zuvor war das Mädchen angekommen. Frau Stegmann hatte die junge Dame am Hauptbahnhof der kleinen Stadt abgeholt. Auch sie hatte etwas anderes erwartet, zwar hatte man ihr kein Foto der Gastschülerin geschickt, aber genügend Dokumente, sodass sie sich ein gedankliches Bild machen konnte. Es stimmte irgendwie nicht mit ihrer Vorstellung überein.
Das junge Mädchen stand mit einem großen und kleinen Koffer, sowie einem Rucksack, wartend auf dem einzigen Bahnsteig dieses 'riesigen' Bahnhofes.

Man stellte sich kurz vor. Ihre Gastmutter erkannte, dass Emilia durch die anstrengende Reise total erschöpft war. Das Mädchen machte auf sie den Eindruck, als ob sie gleich einschlafen würde. Deswegen fuhr man gleich nach Hause. Emilia war überrascht gewesen, dass sie doch noch, in das Austauschprogramm gewählt wurde.

Immerhin hatte sie in ihrer Vergangenheit ein paar kriminelle Aktivitäten begangen, deswegen war sie davon überzeugt sich disqualifiziert zu haben. Aber nun war sie doch in diese Kleinstadt geschickt worden, um sich in allen Schulfächer zu verbessern, und noch einige Dinge mehr.
Nach ihren Informationen sollte in ihrer neuen Schule, wenig, bis keine Kriminalität herrschen, keine Drogenprobleme und ein gutes Sozialgefüge.
Offiziell kam sie aus Deutschland, und sollte hier ihre Sprachkenntnisse verbessern und die hiesige Kultur kennenlernen. Wieso sie das sagen sollte, war ihr nicht richtig klar. Zwar waren ihre Eltern vor ihrer Geburt eingewandert, sie selbst aber hier geboren. Die letzten drei Jahre hatte sie bei ihren Großeltern in Deutschland gelebt und war auch dort zur Schule gegangen.
Nun, wieder bei ihrer Mutter, wurde sie in diese Kleinstadt geschickt, und sollte auch noch lügen. Ihre Gastmutter kannte die Wahrheit, bestand aber auch auf diesen Background.
Emilia hoffte, lüften zu können, wieso nicht einfach die Wahrheit gesagt wurde.        

Das Programm, an dem sie teilnahm, sollte es Minderjährigen ermöglichen, in anderen Familien zu leben, und dadurch zum Beispiel die Sozialkompetenz verbessern. Ebenso hofften sie, die Jugendlichen würden ihre Noten verbessern und selbstständiger werden.
Das Wichtigste für das Mädchen war aber, dass sie, ein Jahr von zu Hause weg sein würde, und den Familienzwist nicht mehr ertragen musste. Ihre Klassenkameraden beneideten Emilia, weil sie angenommen wurde. Einige malten sich aus, wie es wäre, sicher nicht so streng wie daheim. Trotzdem hatte sich keiner, für einen der fünf Plätze beworben. Nur alle zwei Jahre war es so weit, dass fünf Schüler, durch eine gemeinnützige Organisation, diese Möglichkeit geboten wurde. Niemand in ihrer Klasse hatte wirklich an einer Chance für sie geglaubt, nicht mal ihre Klassenlehrerin war eine Unterstützung gewesen, sondern macht es ihr schwer. Sie würde dabei nur von einer befreundeten Familie unterstützt, deren Sohn, selbst mal an dem Programm teilgenommen hatte.
Auch in ihrer eigenen Familie bekam sie keine wirkliche Resonanz auf ihre Bewerbung.
Zwar segnete ihre Mutter alles ab, aber wirkliches Interesse zeigte sie nicht.
Die ältere Schwester machte sich nur lustig darüber und blamierte sie, wo sie nur konnte.
Dann kam der Brief, indem Emilia beglückwünscht wurde zu den Auserwählten zu gehören.
Das junge Mädchen hatte vierzehn Tage nach dem Brief, die Möglichkeit abzusagen, sie wählte aber zu fahren.
Nun gab es kein Zurück mehr. Ihre Mutter unterschrieb die letzten Dokumente, und dann wurde gepackt.
Ihre Probleme in der Schule, das Verprügeln von Klassenkameraden, der Vandalismus und auch die kürzlich hinzugefügte Anzeige der Körperverletzung, führte nicht zu einem Ausschluss aus dem Programm.

     

Sechs Wochen später saß Emilia in einem Zug. Die Reise war sehr anstrengend, viele Stunden Fahrt, zweimal umsteigen und dann, auch noch der Abschluss mit einem Bummelzug zu der kleinen Stadt, in der ihre Gastfamilie wohnte. Viel wusste sie nicht über diese. Eigentlich stand da nur, dass es eine Mutter, mit einem siebzehnjährigen Sohn war. Auch den Namen der Schule, was die Frau beruflich machte, dass sie Witwe war, sonst nicht viel mehr. Nicht wirklich ergiebig, diese Informationen. Selbst durch öfters Lesen dieser Auskünfte brachte es Emilia nicht weiter.
In dem dicken Ordner, der unterteilt war, in drei Bereiche.
Der erste Teil beschäftigte sich mit den Regeln und Aufgaben dies Programms, der zweite Teil enthielt Listen und Vordrucke für Aufgabe, die Emilia erledigen musste und der dritte Teil beschrieb kurz die Gastfamilie.
Auch die Kontaktadresse der Organisation war enthalten. Ziemlich erledigt kam sie gegen 22 Uhr auf dem kleinen Bahnhof an.
Nach dem Ausstieg bemerkte sie, wie leer der Bahnsteig war.
Leider war die Person, die sie abholen sollte, nirgends zu sehen. Die Bahnhofshalle war abgeschlossen. So blieb ihr nur die Möglichkeit sich auf die einzige Bank zu setzen.

Sie hoffte, während des Wartens, nicht einzuschlafen. Nach einer halben Stunde taucht dann eine Frau auf, die sich ihr vorstellte.
Sie entschuldigte sich für die Verspätung, packte sie in ein Auto und fuhr mit ihr in ihre Wohnung.
Dort zeigte sie ihr das Zimmer, das sie bewohnte und deutete noch auf eine andere Zimmertür, indem der Sohn des Hauses schlief.
Auch das Schlafzimmer der Gastmutter war ein Tabu, es gab ein Bad, ein Wohnzimmer, eine Küche, die, als Angelpunkt der Gemeinschaft diente.        

Emilia entschuldigte sich, da sie sehr müde war und fragte, ob sie sich hinlegen dürfte. Dies wurde ihr gestattet, auspacken tat sie erst mal nicht, sie legte sich auf das Bett und sie schlief fast augenblicklich ein.
Irgendwann in der Nacht, gegen 3 Uhr, wachte sie auf, ging kurz auf die Toilette und trapste wieder ins Bett.
Drei Stunden später weckte sie ihre Gastmutter.
Emilia benutzte das Bad, und machte sich fertig. Danach, unten in der Küche, fragte sie ihre Gastmutter, ob sie ihr bei den Frühstücksvorbereitungen helfen sollte. Die Frau verneinte. Da es ihr erster Tag war, sollte sie sich erst einmal setzen. Alles andere konnte man im Laufe der Woche intrigieren.
Die Tür des Jugendzimmers öffnete sich, und sie hörte jemanden ins Badezimmer gehen.
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