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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18 / Het
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
05.03.2021
40
162.323
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03.07.2020 4.474
 
4.Kapitel: Leben in der Gegenwart





Sie beide sahen den Han'yō in einem tiefen Loch liegen, das seine Körperform hatte. Unter den Überresten einer hölzernen Treppe, die über ihm oder um ihn herum verstreut lagen. Während Kagome, sichtlich aufgebracht, mit roten Wangen und schnell atmend, vor ihm stand. Nun viel mehr über ihm, oberhalb dem, was mal eine Treppe war, und wütend auf ihn runter sah.
Der junge Mann bewegte sich kaum, konnte sich wohl auch nicht mehr viel bewegen.
Doch beide waren mehr als verwundert und überrascht, den Han'yō wieder zu sehen und sowohl ihn, als auch Kagome, ausgerechnet hier vorzufinden.

„Du bist so ein Baka!“ schrie Kagome ihn noch einmal an. Gleichzeitig wütend und mit den Tränen kämpfend, von der Situation und ihren Gefühlen überfordert.
„Nee-chan!“
„Kagome?!“ Sōta und ihre Mutter sahen ihr hinter her, als sie das kleine Holzgebäude verließ, bevor sie dann zu InuYasha runter sahen.
„Inu-no-nii-chan, was... Wie...“ Auch Sōta war sichtlich ratlos und überfordert.
„Was machst du hier, InuYasha-kun?“
Nur langsam und beschwerlich konnte er sich aufrappeln und klopfte sich dann erstmal Staub, Erde und Holzsplitter von seinen Klamotten, die den beiden verrieten, das er wohl eher nicht aus dem Brunnen zu ihnen kam.
„Ich...“ Er musste kurz husten. Diese Attacken pressten beinahe alle Luft aus seiner Lunge. „...erklär euch alles in Ruhe. Aber...“ Er begann, sich die einzelnen Holzstücke aus seinem Haar zu ziehen. „...lasst mich erstmal wieder zurecht kommen.“
Die beiden nickten und halfen ihm auf, auf die Überreste von dem, was einmal eine Treppe war.
Dann brachten sie ihn ins Haus.
In dem alle Erinnerungen sofort wieder präsent waren, als er den Geruch wieder in der Nase hatte.
Zusammen mit Sōta und seiner Mutter, setzte er sich an den Esstisch in der Küche, in der er einige Male, im Kreise der Familie Higurashi, einst mit aß. Und auf dem Kagome's noch nicht unterschriebener Arbeitsvertrag lag, daneben der Kugelschreiber.
Sein Blick wurde schwer und seine Lider senkten sich ein wenig, als er auf die nicht unterschriebene Ansammlung von Dokumenten sah.
Kagome's Mutter stellte ihm einen Becher Tee vor die Nase...

„So ist das also.“ sagte sie zu dem, als er auch ihr und Sōta das erzählte, was er Kagome zuvor erklärte.
„Man, Inu-no-nii-chan.“ Sōta seufzte, lächelte aber dabei. „Also ich kann verstehen, dass Nee-chan, gelinde gesagt....sauer auf dich ist.“
An dem jungen Mann, der ihm gegenüber saß, wurde auch dem Han'yō bewusst, wie viel Zeit hier vergangen war. Auch wenn es, seit nunmehr über siebzig Jahren, auch seine Zeit war.
Auch im Haus war es recht still.
„Es ist hier so ruhig.“
„Weil wir nur noch zu dritt hier sind.“ antwortete Sōta. „Und bald nur noch zu zweit, wenn Nee-chan auszieht.“
„Aber das müsstest du ja wissen, InuYasha-kun.“ merkte Kagome's Mutter an.
Doch er schüttelte mit dem Kopf. „Ich war...nicht immer hier. In den letzte Jahren zwang ich mich...mich vom Schrein fernzuhalten. Was einem recht leicht fällt, wenn man einen international tätigen Konzern führt.“
„Mein Schwiegervater starb letztes Jahr. Und Buyo, kurz nachdem Kagome die Oberschule besuchte.“ klärte Frau Higurashi ihn auf.
„Also irgendwie will das immer noch nicht in meinen Kopf gehen, dass du diesen Konzern leitest.“ Sōta verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und lehnte sich zurück. „Aber das mit dem Stipendium und dem Jobangebot war wirklich nett von euch.“
„Das half Kagome wirklich weiter, nachdem sie die Oberschule abschloss. Ich weiß nicht, was sie sonst mit sich anzufangen gewusst hätte.“ Ihre Mutter rührte in ihrem Tee rum, bevor sie noch einen Schluck davon nahm.
„Ich befürchte nur, dass ich es mir trotzdem ordentlich bei ihr versaut habe.“ Er fuhr sich durch seinen Pony.
„Wieso kamst du denn dann nicht früher her?“
„Ich denke, du solltest ihr das in Ruhe erklären.“ warf Sōta's Mutter ein, ehe der Han'yō antworten konnte.
„Vielleicht hat sie sich ja mittlerweile auch beruhigt.“
InuYasha überlegte kurz, nickte dann aber und stand auf, um in die obere Etage zu gehen.

Vor Kagome's Tür blieb er allerdings kurz stehen. Auch wenn er ihre Tränen im ganzen Haus roch, war dieser Geruch doch noch um einiges intensiver, als er direkt vor ihrer Tür stand.
Er atmete tief durch und betrat dann einfach ihr Zimmer.
Ihr Fenster war offen, der Vorhang wehte im leichten Wind. Es sah noch immer so aus und roch noch genauso wie damals.
„Wenn du nicht durch den Boden ins Erdgeschoss knallen würdest, würde ich jetzt da weiter machen, wo ich vorhin aufhörte.“ kam es recht kalt und schneidend von ihr, ohne ihn anzusehen.
Wieder verdeckte der Schatten ihres Ponys ihre Augen. Sie saß an ihrem Schreibtisch.
InuYasha seufzte. „Lass es mich doch erklären, Kagome.“
Sie sah auf das kleine Tessaiga, mit dem sie zwischen ihren Fingern herumspielte.
„Was willst du mir erklären? Dass du all diese Jahrhunderte gewartet hast, um dich dann in den letzten fast neun Jahren, nicht einmal hier blicken zu lassen?! Obwohl du schon seit über siebzig Jahren wieder hier bist!“
„So einfach ist das nicht, Kagome. Ich konnte ja nicht zu früher hier auftauchen, das hätte den ganzen Ablauf der Geschichte geändert.“ Beim nächsten Satz merkte er zu spät, das er ihn nicht hätte fallen lassen sollen. „Obwohl es so viele Momente gab, wo ich bei dir sein wollte.“
„Was meinst du damit?“ Sofort sah sie zu ihm und InuYasha zuckte bei ihrem Blick zusammen.
Er hätte sich besser die Zunge abbeißen sollen, statt den Satz zu beenden.
„Wie lange beobachtest du mein Leben schon?“

´´Ist das wirklich dein Ernst?!`` war es im Erdgeschoss aus der darüber liegenden Etage zu hören. Sōta und seine Mutter sahen zur Decke, während beide abwechselnd ihren Tee weiter tranken.
Erst knallte laut eine Tür, dann hörten sie die schnellen und lauten Schritte, die sich der Treppe näherten, ehe eine sichtlich saure Kagome diese herunter kam, bevor sie zur Haustür raus stürmte, die sie laut aufriss und dann hinter sich zuknallte, sodass sie wieder zurück sprang.
Kagome's Mutter und ihr Sohn seufzten, als dann auch InuYasha, an der Küche vorbei, nach draußen lief.
„Jetzt warte doch mal!“ rief er ihr hinter her. „Kagome!“
Diese blieb abrupt stehen, sah ihn aber nicht an, lies ihren Rücken ihm zugewandt. Bis er sie einholte. Und sie beide vor dem Goshinboku standen.
„Gibst du mir Tessaiga bitte wieder?“ bat er sie erst einmal und bekam sein kleines Schwert zurück, das seine Wirkung sofort entfaltete, als er es wieder an dem Band anbrachte.
Seine Haaren wurden augenblicklich schwarz, seine Hundeohren wurden zu Menschenohren. Seine Krallen zu Fingernägeln, Reißzähne zu Eckzähnen und seine Augen nahmen wieder die dunkle Farbe von bernsteingrau an.
„Kagome, bitte. Lass es mich dir erklären. In Ruhe. Komm mit zu mir und ich erkläre dir alles.“
„Zu dir?“ Nun sah sie ihn doch wieder an und er nickte. „Und warum kannst du es mir nicht hier erklären?“ Sie verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust.
„Weil es doch ein etwas neutralerer Boden ist, als hier. An dem so viele Erinnerungen hängen.“ Sie folgte seinem Blick, lies ihren über das Gelände schweifen. „Und weil du mich dann vielleicht auch etwas besser wirst verstehen können.“
Kurz schien sie zu überlegen.
„Ich werde dich zu nichts drängen, Kagome.“ Seine Stimme, die sanft und warm klang, jagte ihr einen kurzen Schauer über den Körper. Sie sah zu ihm und sah in seinen Augen, dass er es ernst meinte. „Du musst weder mit zu mir, noch bei uns anfangen oder-“
„Okay.“ unterbrach sie ihn. „Aber ich werde Mama noch kurz Bescheid sagen.“ InuYasha nickte, sah ihr nach, als sie ins Haus zurück lief und war froh, dass sie ihm diese Chance gab.
Sein Blick fiel auf den Stamm des heiligen Baumes. Auf die Narbe in der Rinde. Wenn sie ihm nicht vergab, ihnen beiden nicht diese Chance gab, wofür lebte er dann diese verdammten letzten 500 Jahre weiter?
„Können wir dann?“ riss sie ihn aus seinen Gedanken. Sie stand hinter ihm, er sah zu ihr. Ihre Stimme und auch ihr Blick verrieten ihm, dass sie noch sichtlich gereizt, aber auch ungeduldig und wohl ein wenig neugierig war.
Der warme Frühlingswind wehte ihr durch ihre Haare und lies ihr grünes Oberteil leicht wehen.
Sie musste ihnen beiden einfach diese Chance geben...

„Ich gehe mal davon aus, dass dein menschliches Aussehen sehr nützlich im Alltag ist.“ begann sie eine Unterhaltung, während sie die Treppe runter gingen. „Vor allem, wenn niemand weiß, dass man einen internationalen Konzern leitet.“ Sie lächelte vielsagend.
InuYasha grinste breit. „Das war unser Plan, ja. Niemals in der Öffentlichkeit auftreten. Um das Privatleben zu wahren, keine Zielscheibe abzugeben und ein Leben, ungestört von Paparazzi, führen zu können.“
„Außerdem müsst ihr nicht mehr ständig umziehen und könnt länger an eine Ort bleiben, wenn niemand weiß, wie ihr ausseht.“ Nun klang sie wieder sauer, der Han'yō seufzte. Weshalb er einfach seinen Autoschlüssel aus seiner Hosentasche holte und auf den Knopf drückte.
Kagome sah ihn überrascht an. Für sie war es eine befremdliche Situation. Nicht nur InuYasha in den Klamotten dieser Zeit, sondern auch, dass er wohl ein Auto besaß. Und aus noch größeren Augen sah ihn an, als sie das rote Lexus LC Coupé sah.
Noch überraschter war sie, als er ihr die Beifahrertür aufhielt. Skeptisch zog sie eine Augenbraue nach oben.
„Was?“ fragend sah er sie an. Zuckte mit den Schultern. „In 500 Jahren lernte ich viel über Manieren.“
Kagome schüttelte nur lächelnd mit dem Kopf und stieg dann ein, schnallte sich an, während er ihre Tür schloss und um das Auto herum ging, bevor er sich ans Lenkrad setzte...

„Bequem.“ stellte sie fest, als sie während der Fahrt, mit ihren Händen über den Autositz fuhr, auf dem sie saß.
„Möchte ja wohl sein, ist immerhin Ecsaine.“ Kagome sah sich in dem Auto um, während sie auf einer Hauptstraße fuhren. „Wie viel schafft der?“
„Höchstgeschwindigkeit 250 in der Stunde. Du weißt ja, dass ich mich schon immer auf Schnelligkeit verlassen konnte.“ InuYasha grinste, Kagome nickte. Ja, in seinen Kämpfen war seine Schnelligkeit oftmals sein wichtigster Vorteil.
Noch erstaunter war sie, als sie in einen der teuersten Bezirke Tōkyōs fuhren und er kurz vor einem teuer aussehenden Wolkenkratzer stoppte, in dessen Tiefgarage sie dann fuhren. Er stellte den Wagen auf einem Parkplatz ab, an dem lediglich eine Zahl vermerkt war, ehe er sie Richtung Fahrstuhl zog.
Auf dem Weg zu diesem sah sie, dass alle Parkplätze lediglich nummeriert waren. Aber mehrere Parkplätze, immer einer Nummer zugeordnet waren. Weshalb sie auch sah, dass der Lexus nicht InuYasha's einziges Fahrzeug war. Unter anderem schien ihm noch ein weniger auffälliger, roter Toyota Prius Plug-in Hybrid zu gehören, der neben dem Lexus stand.
Im Aufzug holte er eine einfache, weiße Karte, auf der nichts zu sehen war, aus seinem Portemonnaie und hielt diese kurz vor ein dunkel wirkendes Display. Auf dem kleinen Bildschirm erschien kurz ein Nummernfeld, auf dem er einen Code eingab.
Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Kagome lehnte sich an eine der vier Wände.
„Ich hätte nie gedacht, dass du mal so einen Wert auf Luxus legen würdest.“ Etwas, was ihm, auf ihren Reisen, nie wichtig war.
„Das Geld erleichtert das Leben ungemein. Vor allem wenn man...spontan flexibel sein muss.“ Sie sah zu ihm, musterte ihn. Sorge lag in seinem Blick. „Außerdem bringt das hier auch sehr viel Sicherheit mit sich.“ Etwas, das ihm immer wichtig war. Vor allem, wenn es ihm um sie ging.
Bei dem Gedanken schlug ihr Herz kurz schneller.
„Und ich hab wirklich meine Privatsphäre und meine Ruhe. Ich kann nicht einfach so unter Menschen leben.“
Der Fahrstuhl hielt und öffnete seine Tür. Sie folgte ihm durch einen langen Flur, bis zu einer dunklen Holztür mit einem Türgriff aus Edelstahl. Auch an den Türen, standen nur Nummern, keine Namen.
Als er den Schlüssel ins Schloss steckte, sah sie, wie eine kleine Vorrichtung an der Türklinke erst rot leuchtete und dann grün, als er seinen Daumen darauf legte. Dann lies sich die Tür aufschließen.
Und Kagome war überwältigt, von dem, was sie sah, nachdem sie den Eingangsbereich und den Flur verließ.
Ein großes Industrieloft.

In eine hellrote Backsteinwand eingefasst, war der Edelstahlrahmen, der die Doppeltür aus schwarzem Holz umgab, in der sich Glasscheiben befanden, die durch dünne, schwarze Streben, in kleine Quadrate eingeteilt waren und die einen Edelstahlgriff hatte.
Durch sie betrat man vom Flur aus, den großzügigen Wohnbereich. Der Boden war helles Fischgrätenparkett. Wände, die nicht aus Backstein waren, waren weiß und glatt verputzt. Weiße, runde Säulen stützten die Etage, die über ihr lag. Ansonsten zogen sich dunkle Holzbalken auf Deckenhöhe quer durch den Raum.
An einem davon hing ein rotweißer Bocksack an Ketten, etwas entfernt vom Esstisch aus dunklem Echtholz, an dem auch Stühle aus dunklem Echtholz standen, in denen weißes Fell lag. Über dem Esstisch hing eine metallene Lampe, die aus mehreren Glühbirnen bestand.
Der Tisch stand in kurzer Entfernung zur freistehenden Kücheninsel, die zur Küche aus schwarzem Holz gehörte, die helle Arbeitsflächen, Armaturen aus Edelstahl, ein Waschbecken aus weißer Keramik hatte und in einigen Metern Entfernung, direkt gegenüber der Wohnzimmertür stand.
Gekocht wurde auf dem Ceranfeld, das in die Kücheninsel eingefasst war, darüber hing eine Abzugshaube aus Metall. Zum Esstisch hin, war an der Kücheninsel ein Tresen ausgerichtet, an dem Hochstühle standen.
Regalbretter aus hellem Holz hingen an der roten Backsteinwand, auf denen Töpfe mit Kräutern standen.

Gleich links von der Wohnzimmertür, stand ein Kamin an der Backsteinwand, eingefasst in alte Bücherregale, in denen auch einige, ziemlich alt aussehende Bücher standen. Der Boden vor dem Kamin war weiß gefliest.
Vor dem Kamin stand ein rotes Ecksofa mit dünnen Beinen aus Edelstahl. Auf dem Sofa lagen weiße Kissen, das Sofa selbst stand auf einem weißen Fellteppich.
Es war nicht sonderlich groß, hatte eine Récamière, auf der eine Person bequem liegen konnte.

Auch rechts der Wohnzimmertür gab es eine Ecke. Hier stand ein schwarzes Eckregal, in dem ebenfalls einige alt aussehende Bücher und andere Objekte standen.
Vasen, Figuren, ein paar Buchstützen und Bücher, eine Kamera aus dem letzten Jahrhundert.
Durch große Fenster mit schwarzem Rahmen und die ebenfalls in einzelne, quadratische Abschnitte geteilt waren, war der ganze Wohnbereich sehr hell.
Vor jedes der Fenster konnte man jedoch auch blickdichte, weiße Vorhänge ziehen.

„Wo geht es da hin?“ fragte Kagome, als sie in den kleinen Flur sah, der gleich neben der Küche abging und in einen hinteren Teil der Wohnung führte.
„Nur Gästezimmer, Gästebad und Arbeitszimmer.“ Kagome nickte.
Ihr Blick fiel auf die große Treppe, deren Geländer aus schwarzem Metall und die Stufen aus hellem Holz waren. Sie befand sich an der Wand, in die auch das große Fenster gefasst war, vor dem sich die Küche befand und über welches die Treppe mit einer ausladenden Kurve am Ende führte.
An dieser Wand, der Treppe nach oben folgend, sah sie auch vereinzelte gerahmte Bilder an der Wand hängen.
Schwarzweiß-, Sepia- und Farbaufnahmen.
Die Personen auf diesen trugen immer unterschiedliche Kleidung.

Nun fiel ihr im Wohnbereich auch ein Napf auf, der in der Küche stand und den sie sofort erkannte. Im nächsten Moment weiteten sich ihre Augen, als sie eine alte Freundin sah, die auf sie zukam, sich vor sie setzte und kurz ihren Kopf schief legte. Kagome musste erneut gegen ihre Tränen ankämpfen.
„Kirara.“ Sie nahm die kleine Nekomata auf ihren Arm und streichelte sie. Zufrieden schnurrte sie und schmiegte sich an Kagome. Sie hatte noch denselben Napf, wie sie ihn ihr damals in die Sengoku mitbrachte und den Sango immer für sie benutzte.
„Sie wohnt bei mir.“ lächelnd beobachtete InuYasha, wie die junge Frau die kleine Nekomata streichelte und dieser es sichtlich gefiel. „Sango's und Miroku's Nachkommen haben ein Sozialleben mit Freunden, die oft bei ihnen vorbei kommen. Da würde eine zweischwänzige Katze zu sehr auffallen. Aber sie besuchen sie regelmäßig.“

„Das ist wirklich eine ziemlich coole Wohnung.“ Sie wollte gar nicht wissen, was die kostete.
„Unsere Immobilienfirma, die dieses Gebäude baute, wollte sie eigentlich vollkommen fertig sanieren. Aber ich fand es so besser.“
Die Mirai Corporation hatte nicht nur eine Stiftung, sondern auch eine Tochterfirma, die Immobilien in ganz Japan und weltweit baute und verwaltete. Über alle Segmente hinweg, vor allem aber im sozialen Wohnungsbau. Welcher viele Wohnungen für Familien und Studenten ermöglichte.
Das Geld dafür kam größtenteils aus den Bauprojekten der hochpreisigen und den Luxussegmenten.
Kagome lächelte, als sie sich zu ihm aufs Sofa setzte. So eine Wohnung passte auch wirklich besser zu ihm. Dieses ewig Unfertige und nicht perfekte.
„Du wolltest mir etwas erklären?“
InuYasha seufzte. „Dafür muss ich aber sehr weit zurück gehen.“
„Ich hab Zeit.“ Sie nestelte am Saum ihres Oberteils herum.
„Sesshōmaru und ich kämpften in beiden Weltkriegen mit. Im ersten noch mit anderen Identitäten, als im zweiten. Bis zum zweiten Weltkrieg waren wir ein Rüstungskonzern. Was sich ganz einfach daraus ergab, dass wir, dank Tōtōsai, schnell die europäische Waffentechnik, die ins Land gebracht wurde, genau kannten und bessere Waffen produzierten, die auch gerne gekauft wurden und die Menschen führten viele Kriege, nachdem das Land sich öffnete. Ich hatte immer ein Problem damit und hielt mich deswegen weitestgehend aus diesen Geschäften heraus. Ein paar Tage, bevor Japan kapitulierte, setzte ich Sesshōmaru die Pistole auf die Brust. Metaphorisch.“ antwortete er auf ihren fragenden Blick, sie nickte. „Ich sagte ihm, dass ich das nicht mehr will, dass wir den Kurs ändern müssen, dass es so nicht weiter geht und ich nicht einer der Gründe sein will, weshalb die Welt weiter brennt. Entweder er lässt sich auf einen Kurswechsel ein, oder ich bin raus. Jeder von uns besaß von Anfang an genug Anteile, um die anderen jeweils unter Druck setzen zu können. Aber Sesshōmaru schien auch so zur Einsicht gekommen zu sein. Also bauten wir die Firma komplett um und zogen uns in die Anonymität zurück. Damit niemand wusste, wie wir aussehen. Um ungestört hier leben zu können. Sesshōmaru stört es vielleicht weniger, sich in der Weltgeschichte herum zu treiben, aber ich wollte hier bleiben.“


10. August 1945

Die beiden jung aussehenden Männer sahen von einem Hügel am Stadtrand auf das völlig zerstörte Tōkyō.
Sesshōmaru stand neben seinem jüngeren Halbbruder, der saß und sich auf seinen Händen abstützte, die nach hinten gerichtet waren.
„Wir müssen damit aufhören, Sesshōmaru.“
Keine Reaktion.
„Ich will diese Kriege nicht mehr anheizen. Die Menschheit ist endgültig auf einem Level, das nicht mehr vertretbar ist und hochgefährlich.“
Erst am gestrigen Tag fiel die Zweite der beiden Atombomben. Dass Japan kapitulieren würde, war nur eine Frage der Zeit.
InuYasha überlebte einen Einsatz als Kamikaze-Pilot nur, weil er im letzten Moment Tessaiga von seinem Hals riss und sein Körper diesen Einsatz überstand.
„Wir müssen damit aufhören. Ich will damit nichts mehr zu tun haben!“
„Sei ruhig.“ wies er ihn kurzsilbig an.
„Wir müssen die Firma anders ausrichten, Sesshōmaru. Wir sollten in die Zukunft sehen.“ InuYasha's Blick schweifte über die Überreste des Ortes, der einmal auch für ihn wichtig werden würde. „Statt in der Gegenwart daran mitzuwirken, alles niederzubrennen.“
Mit einem kurzen Seitenblick sah Sesshōmaru den Jüngeren missbilligend an.
„Und wenn du damit nicht einverstanden bist, werde ich verschwinden.“ Eindringlich sah er den Älteren an. Machte damit klar, dass er keinen Kompromiss zuließ.
„Wie stellst du dir das vor?“
„Genau weiß ich das noch nicht.“ wie ein bockiges Kind, setzte sich InuYasha in den Schneidersitz. „Aber ich will, dass wir unsere Technologien zukunftsorientiert ausrichten. Und wir sollten noch andere Geschäftsfelder erschließen. Firmen, die sich zu sehr spezialisieren, können sich oft nicht schnell genug anpassen.“
„Nach so vielen Jahrhunderten, höre ich endlich mal einen intelligenten Satz von dir.“
InuYasha unterdrückte das Knurren. Er war froh, sich endlich mal durchgesetzt zu haben...


Während sie dem Han'yō zuhörte, streichelte sie Kirara, die auf ihrem Schoß lag und sich dies gefallen lies.
„Die Zeit verging schneller als ich dachte und dann....war das Jahr deiner Geburt.“ Kagome hielt kurz inne. InuYasha atmete durch. „Ich.... Umso näher dein Geburtstag rückte, desto unruhiger und nervöser wurde ich, ging Sesshōmaru damit echt auf die Nerven. Weshalb er mich eigentlich auf Geschäftsreise ins Ausland schicken wollte, aber ich widersetzte mich und blieb. Dann war er da, dein Geburtstag. Ich... Ich wusste, dass wir uns auf gar keinen Fall vorher begegnen dürfen.“
„Weil das den Ablauf der Geschichte ändern würde.“ stellte sie nüchtern fest.
„Das waren die schwersten 15 Jahre meines Lebens, ehrlich. All die Jahrhunderte über, schien die Zeit an mir vorbei zu rasen. Aber diese 15 Jahre... Sie zogen sich wie Kaugummi. Da wir in dem Zeitraum allerdings auch viel mit der Firma zu tun hatten, konnte ich mich damit ablenken. Das war auch der Zeitpunkt, ab dem wir unsere Stiftung aufbauten und das Stipendienprogramm. Ich wusste, weil dir deine Schule immer so wichtig war, dass du den richtigen Job für dich brauchst, da du ja nicht mehr zurück konntest. Ich wollte dir so...alle Türen öffnen.“
Kagome sah erstaunt zu ihm, sah ihn fragend und unverständlich an. Die Stiftung, das Stipendienprogramm, von denen so viele Menschen ebenfalls profitierten, existierten nur, damit sie...
„In all diesen Jahren gab es so viele Momente, in denen ich zu dir oder deiner Familie gehen wollte. Kurz nach deiner Geburt, als deine Mutter dich einmal in dein Bett legte und sich Gedanken über das leuchtende Muster auf deiner Brust zu machen schien. Ich wollte zu ihr gehen und sie beruhigen, dass alles seine Richtigkeit hat. Als...dein Vater starb.“
Kagome senkte den Blick. Sie erinnerte sich nur ungern an diesen dunklen Tag.
„Ich wäre zu deiner Mutter gegangen und hätte ihr gesagt, dass mit der Zeit alles gut werden wird. Dass sie sich keine Sorgen um dich und den damals noch ungeborenen Sōta machen braucht. Dass dein Bruder, auch ohne Vater, gut zurecht kommen und wie du, ein guter Mensch werden wird.“
Kagome sah auf, sah zu ihm, der Han'yō lächelte. Seine Worte ließen ihr Herz klopfen und ein rosafarbener Schleier legte sich auf ihre Wangen.
„Und auch...als Lady Tausendfuß dich durch den Brunnen zog, wollte ich zu deiner Mutter gehen. Sie sagte es dir vielleicht nie, aber in der Zeit, der du bei uns warst, machte sie sich ziemliche Sorgen.“ Kagome hörte das zum ersten Mal. Tatsächlich erzählte ihre Mutter ihr nie davon.
„Und warum...“ begann sie leise. „...kamst du dann nicht gleich, nachdem der Brunnen dich vor meinen Augen einsog? Oder in den 3 Jahren danach?“ Diesmal konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten, versuchte es aber auch gar nicht erst. „Oder...in den sechs Jahren meines Studiums? Warum konntest du dich nicht endlich mal blicken lassen?!“ schrie sie ihn an, schreckte damit Kirara auf, die von ihrem Schoß sprang.
InuYasha quälte sein schlechtes Gewissen.
„Ich konnte es nicht. Erst ging es nicht, weil das den Ablauf geändert hätte. Und dann...“ Er wich ihrem Blick aus.
„Und dann was?“ wollte sie wissen.
„Sesshōmaru...hielt mich davon ab.“ verwundert sah sie ihn an. „Er sagte, die Zeit wäre noch nicht reif. Du wärst noch nicht so weit. Es wäre für uns beide einfach zu früh.“
„Seit wann lässt du dir von ihm etwas sagen?“
„Sesshōmaru wusste natürlich die ganze Zeit, dass ich...weiter lebe, um dich wieder zu sehen.“ Kagome hielt inne. „Weswegen er auch die ganze Zeit ein Auge auf mich hatte. Während diesen 15 Jahren, die ich darauf wartete und in denen es so viele Momente gab, in denen ich bei dir sein wollte, sperrte er mich temporär sogar ein.“


In einem dunklen Raum saß InuYasha auf dem steinernen Boden. Immer, wenn er wieder an seinen Ketten zog, mit denen er an der Steinwand hinter ihm gekettet war, leuchteten sie kurz auf und es schmerzte kurz an seinen Handgelenken.
„Lass mich endlich hier raus!“ brüllte er. Wusste er doch, dass sein Halbbruder ihn hörte.
Auch dieses Mal.
Sesshōmaru stand nicht weit weg von seiner Tür, lehnte an der Wand, hörte den Han'yō, der InuYasha im Moment war.
Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er genervt war.
„Halte dich das nächste Mal einfach an meine Regeln.“ kam es monoton von ihm, bevor er sich zum gehen wandte.
Schritte, die InuYasha hörte. Seine Ohren zuckten.
„Hey, Sesshōmaru! Komm zurück! Lass mich gefälligst raus! Sesshōmaru!“ rief er ihm hinter her, was den Älteren aber nicht beeindruckte. „Das ist echt nicht komisch! Lass mich raus!“
„Zur angemessenen Zeit.“ Er hielt kurz inne, wandte sich aber nicht nach hinten um. „Befolge einfach die Regeln.“
Er ging die Treppe weiter rauf, lies seinen jüngeren Halbbruder für einige Zeit schmoren...


„Nachdem ich...mich ein paar Mal gegen seine Regeln widersetzte und...nach dir sah.“ Nun sah sie ihn erschrocken an. „Damit ich nicht zu früh bei dir auftauche und den Ablauf der Geschichte riskiere. Nachdem sich die Brunnen schlossen, meinte er, wären wir beide zu emotional, um uns zu sehen. Und dann sah ich ein, dass ich dich besser erst mal deine Schule in Ruhe beenden lasse, damit du einen guten Abschluss bekommst. Den Abschluss, der dir zusteht, den du verdienst.“ Wieder ließen seine Worte ihr Herz höher schlagen. „Ich hatte das Gefühl, ich bin es dir schuldig. Immerhin litten deine Leistungen unter den Aufenthalten bei uns. Und erst durch all die Zeit, die ich unter den Menschen verbrachte, wurde mir bewusst, warum dir deine Noten, Prüfungen und Schultage so wichtig waren. Ich wollte, dass du die Chance auf eine gute Ausbildung hast. Deswegen...gaben wir dir auch das Stipendium. Ich wusste, diese Studiengänge wären genau dein Ding und ich täuschte mich ja auch nicht. Ich wollte zudem, dass du die beste Ausbildung bekommst, Kagome.“
Ihr Name, mit seiner Stimme, die gerade so weich und ruhig war, wirkte wie ein Türöffner bei ihr.
„Und...da dein Studium dich so sehr beanspruchte, wollte ich da nicht stören und dich ablenken. Du arbeitest immerhin so hart für deine Abschlüsse.“

InuYasha musste von einer Sekunde auf die andere sein Gewicht verlagern. Wäre sonst vom Sofa gefallen. Als Kagome ihm plötzlich um den Hals fiel.
Sie sah ihn mit einer Mischung aus Erleichterung, Freude und Traurigkeit an. Tränen standen in ihren Augen, aber sie lächelte.
//Ka..Kagome...//
Er legte seine Arme um sie, drückte sie noch ein wenig fester an seine Brust, als sie sich an ihn schmiegte. Sanft legte er eine Hand auf ihren Hinterkopf.
Endlich fühlte er wieder ihr weiches und seidiges Haar. Ihre Wärme und Nähe. Ihr Geruch veränderte sich in all der Zeit nicht.
„Hör auf zu weinen.“ bat er sie. Auch wenn er wusste, das nicht alle ihre Tränen, Tränen der Traurigkeit waren. „Du weißt, ich kann...damit nicht umgehen.“
Nun wurde ihr Lächeln breiter, sie nickte und wischte sich ihre Tränen aus den Augen.
Doch in der nächsten Sekunde war sie es, die perplex und überrascht war. Als InuYasha nach ihren Armen griff und sie zu sich zog...ihre Lippen sich begannen, einander zu nähern, während sie sich dabei ansahen...
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