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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18 / Het
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
05.03.2021
40
162.323
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26.06.2020 4.084
 
3.Kapitel: Wiedersehen im Hier und Jetzt





Kagome hielt inne. Ihr Körper erstarrte...als sie diese Stimme hörte.
Sie schüttelte kurz mit dem Kopf. Ihre Ohren mussten ihr einen grausamen Streich spielen. Ihr Griff um einen der Balken wurde fester. Sie presste ihre Kiefer aufeinander.
Das war doch immerhin unmöglich!

´´Kommst du jetzt noch von dem blöden Ding runter?``

Als sie sich umdrehte, um sich zu vergewissern, sich zu täuschen, setzte ihr Herz kurz aus. Hielt sie den Atem an.
Kagome machte einen halben Schritt nach vorne, spürte, wie ihre Beine zitterten.
„I...“ Sie musste schlucken.
Er trug ein weißes Hemd, von dem der erste Knopf offen war. Sein Hemdkragen war genauso aufgestellt, wie der seines roten Jacketts. Dazu trug er eine dunkelgraue Hose, eine Destroyed Jeans, an der eine kleine Kette im Sonnenlicht funkelte. Dazu rotweiße Vans.
Seine langen schwarzen Haare trug er offen.
//Schwarze Haare?!//
Das konnte nicht sein. Der InuYasha, der vor ihr stand....war menschlich?
„Also so eine Sehenswürdigkeit bin ich nun auch wieder nicht, dass du mich so lange anstarren musst.“ Er kam auf sie zu, eine Hand in einer Hosentasche. Und mit jedem Schritt, den er ihr näher kam, wurden ihre Augen größer, schlug ihr Herz schneller.
Doch auch er musterte sie, während er auf sie zukam.
Kagome trug ein dunkelgrünes Top mit Spaghettiträgern und Cut-Outs, die ihre Schultern freilegten und an die weite Ärmel anschlossen, die ihr bis zu den Ellenbogen reichten. Darunter eine hellere, grüne Hotpants. Unter diese eine schwarze Leggins, die ihr bis zu den Knien reichte und graugrüne Stiefeletten mit leichtem Absatz und weiterem Schaft, die ihr bis zu den Waden reichten.
Ihre Figur war erwachsener, weiblicher als damals. Ihre Haare etwas länger und ihre Gesichtszüge die einer jungen Frau.

„I-Inu...Yasha...“ sprach sie seinen Namen nahezu tonlos aus, als er direkt vor ihr stand. Ungläubig sah sie ihn an, ihre Lippen begannen zu zittern, ihr Herz raste. „Aber...wie...“ Sie verstand gar nichts mehr.
Ihr Blick fiel auf das dünne schwarze Band, das er um seinen Hals trug. Daran hing ein Anhänger, der unverkennbar aussah wie...
//Tessaiga?!//
Fragend sah sie zu ihm.
„Glaub mir, Kagome....“ sprach er ihren Namen sanft und ruhig aus. Wie sie ihn nur selten so von ihm hörte und was sofort alle Dämme bei ihr brechen lies. „...ich werde dir alles erklä-“
„InuYasha!“ Sofort fiel sie ihm an den Hals, legte ihre Arme um diesen, presste ihren Körper an seinen. Ihre Finger krallten sich in sein Jackett und sein Hemd.
Genannter stolperte eineinhalb Schritte nach hinten, als sie ihm um den Hals fiel. Rechnete er doch nicht mit einer Reaktion dieser Art.
Tief atmete sie seinen Geruch ein, der kein bisschen anders war, als in ihren Erinnerungen. Von dem sie schon dachte, ihn vergessen zu haben. Wie eine Ertrinkende klammerte sie sich an ihn. Sodass sie auch seine Muskeln unter seinem Hemd spürte.
Genauso wie das Kotodama no Nenju, das er unter seinem Hemd trug.
Dann konnte sie, all diese Gefühle, die sie über die Jahre verdrängte, denen sie aus dem Weg ging, nicht mehr zurückhalten und gab den Widerstand gegen ihre Tränen auf.
Welche direkt von seinem Hemd aufgesogen wurden. Weshalb er diese sofort bemerkte und auf ihren schwarzblauen Haarschopf sah, den sie an seine Brust presste. Er hörte nicht nur ihr Schluchzen, mit dem sie immer wieder nach Luft schnappte, sondern spürte auch das Beben ihres Körpers und wie krampfhaft sie unter den Tränen schluchzte, als würde sie jeden Moment keine Luft mehr bekommen.
„H-Hey, Kagome...“ versuchte er deshalb, sie zu beruhigen, sprach sanft und ruhig mit ihr. „Jetzt hör doch auf zu heulen.“
Doch den Gefallen tat sie ihm nicht. Sanft legte er seine Hände an ihre Schultern, was sie kurz unter diesen zusammen zucken lies.
„Du weißt doch...dass ich nicht damit umgehen kann, wenn....du weinst.“ Auch ihm fiel diese Situation zunehmend schwerer.
//Kagome...//
Dann konnte er nicht anders, gab diesem Drang in sich einfach nach und legte seine Arme um sie, drückte sie an sich. So, wie er es schon damals einige Male tat. Bevor sie ihn auf Menōmaru's Befehl hin angriff, oder bei Kaguya, oder am Goshinboku, durch die Zeiten hinweg.

Kagome spürte seine Wärme, seine Arme, seine Muskeln, seine Umarmung. Sie war von seinem Geruch umgeben, spürte sein Kinn, das er auf ihren Kopf legte.
„Jetzt beruhige dich doch bitte.“ Sie hörte seine Stimme, die noch genauso klang wie damals. „Du klappst mir sonst noch zusammen.“ Seine Umarmung intensivierte sich und sie schnappte noch einmal tief nach Luft.
„A-Aber..“ kam es schwach von ihr. „...wie...“ Er legte seine Hände an ihre Oberarme, schob sie ein Stück von sich, damit sie sich ansehen konnten.
„Ich werde dir alles erklären, wirklich.“ Sie nickte nur kurz. „Aber bitte, Kagome, beruhige dich vorher. Ich will wirklich nicht, dass du wieder ohnmächtig wirst.“
Nun stellte sie fest, dass seine Stimme nicht ganz genauso klang wie damals. Jemand anderem würde es nie auffallen, doch sie hörte es. Sie klang, kaum merklich, etwas tiefer, reifer. Aber es war kein großer Unterschied.
Auch sein Äußeres war anders. Nicht nur die Kleidung ihrer Zeit und dass er menschlich zu sein schien. Seinem Gesicht und auch seinen Augen konnte sie ansehen, das auch an ihm die Zeit vorbei ging. Er wirkte etwas älter und reifer, wenn auch nicht viel.
Er griff nach ihrer Hand, was unzählige Impulse durch ihren Körper jagte, die sie die letzten Jahre schon für immer verloren glaubte.
Sie setzten sich auf eine der Stufen der hölzernen Treppe.
Er atmete einmal tief durch, fuhr sich durch seinen schwarzen Pony.
„Was willst du zuerst wissen? Oder soll ich ganz von vorn anfangen?“
„Wieso..“ Ihre Stimme klang immer noch ein wenig schwach. Man hörte ihr an, dass sie immer noch gegen einige Tränen kämpfte.
„Wieso ich hier bin? Oder wieso ich so aussehe?“
„Beides.“ kam es nur kurz von ihr. Sie würde wohl noch einige Momente brauchen, um sich vollkommen zu beruhigen. Dann fiel ihr Blick wieder auf das miniaturisierte Tessaiga an seinem Hals. „Tessaiga?“
„Okay, fang ich damit an. Im Laufe der Zeit gelang es uns, die Kräfte unserer Schwerter soweit zu beeinflussen, dass wir sie auf diese Größe bekamen und so lange wir sie eng bei uns tragen, unterdrücken sie unser dämonisches Blut und geben uns diese Erscheinung.“
„Wir? Uns?“ hakte Kagome nach.
„Ich muss wohl doch am Anfang anfangen.“ InuYasha lächelte, was ihr Herz kurz springen lies. Sein Blick ging zum Brunnen, sie folgte ihm und sah, wie schnell sich Zorn in diesem zeigte – auf den Brunnen. „Kurz nachdem mich der Brunnen auf dieser Seite einzog, erschien er auch auf der anderen. Ich wusste, du warst sicher. Bei deiner Familie, deinen Freunden, in einer sicheren Zeit.“ Sie sah, wie er eine Hand zur Faust ballte. „Sango und die anderen sagten mir, es vergingen 3 Tage, während ich diese endlos scheinende Dunkelheit nach dir absuchte.“
Wieder stolperte ihr Herz kurz. Wusste sie doch, dass er ewig weiter nach ihr gesucht hätte, ohne jemals aufzugeben. Bis er sie gefunden hätte.
„In den ersten Tagen nach meiner Rückkehr, da....war ich echt ungenießbar und unerträglich für die anderen.“ Das konnte sie sich nur zu bildlich vorstellen. Ihr ging es nicht wirklich anders. „Aber auch für mich.“ Sie sah zu ihm. „Und dann musste ausgerechnet Sesshōmaru auch noch auftauchen und der Meinung sein, mir einen Vortrag halten zu müssen.“ Sie wollte sich nicht wirklich vorstellen, in was diese Begegnung ausartete. „Doch in diesem Moment war er einfach das richtige Ventil.“
//War ja klar//
„Bevor ich noch alle Wälder, aus purer Aggression, umgehackt hätte.“ Seine Finger krallten sich in seine Jeans.
„Und er..“ erlaubte sie sich eine Zwischenfrage. „...kam nur wegen dir?“
„Eigentlich war er wegen Rin da.“
„Rin-chan?“
„Nach dem Kampf gegen Naraku kam er auf die Idee, sie solle bei uns im Dorf bleiben. Sich wieder an den Umgang mit Menschen gewöhnen und dann wählen, wenn sie alt genug wäre.“
Kagome nickte nur. Ihr fiel dazu eh nichts ein.
„Sie wohnte dann bei Kaede und lernte viel über die Anwendung von Kräutern und diesen ganzen Kram. Von ihr und Jinenji.“
„Jinenji lebte bei euch im Dorf?“
„Kurz nachdem...diese Brunnen...“ Sie hörte die Wut in seiner Stimme, sah zusammen mit ihm auf den Brunnen vor ihnen. „...nicht mehr verbunden waren, starb seine Mutter. Weshalb er zu uns ins Dorf kam. Es ging ihm da gut.“ antwortete er gleich auf Kagome's Blick und lächelte, als er die Erleichterung in ihren Augen sah. „Sie akzeptierten ihn so, wie sie mich akzeptierten. Und er brachte seine Kräuter mit, wofür die Dorfbewohner auch sehr dankbar waren.“
„Ging Rin-chan denn...wieder zu Sesshōmaru zurück?“
InuYasha schüttelte mit seinem Kopf. „Sie wurde Kohaku's Frau.“ In sein Gesicht trat wieder ein versöhnlicher Ausdruck.
„Kohaku-kun und sie...“ Kagome versuchte sich dieses Bild vorzustellen und lächelte, bei dem Gedanken daran.
„Sie waren sehr lange, sehr glücklich miteinander. Und dank dem, was Rin lernte und Jinenji's Medizin, wurden beide auch sehr alt, für diese Zeit.“ Bei dem Gedanken an seine Freunde und sein Leben zu dieser Zeit, musste auch InuYasha lächeln. „Sie bekamen genauso viele Kinder wie Sango und Miroku, aber mit einem umgedrehten Verhältnis der Geschlechter.“
Aus großen Augen sah sie ihn überrascht an.
„Nachdem die Brunnen nicht mehr verbunden waren und ich...einige Zeit für mich brauchte, damit klar zu kommen und mich wieder unter anderen Lebewesen bewegen zu können, heirateten die beiden und Sango wurde recht schnell schwanger.“
Kagome musste kurz kichern. Das passte ja zu Miroku.
„Sie bekamen zuerst Zwillinge, Mädchen. Dann einen Sohn. Bei Kohaku und Rin war es anders herum, zwei Söhne und eine Tochter. Und sie alle waren sehr beliebt und angesehen im Dorf.“
Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie es für Kohaku wohl war, bei Sesshōmaru darum zu bitten, Rin zu heiraten. Denn das tat er bestimmt, da war sie sich sicher. Und wie es dann wohl erst war, als Rin schwanger war?
„Sango wurde nach der Geburt der Kinder überwiegend Hausfrau und Miroku verdiente für seine Familie.“ Das hingegen konnte sich Kagome nur schwer vorstellen. Dass ihre Freundin den ganzen Tag zu Hause blieb und Miroku alleine umherziehen lies. „Er zog in andere Dörfer und größere Städte, um Yōkai aus, von ihnen, besessenen Anwesen zu vertreiben.“ Kagome rollte nur wissentlich mit den Augen. „Hin und wieder waren die Anwesen tatsächlich mal besessen. Aber selbst dann, zog er die Leute natürlich über den Tisch.“
„Natürlich.“ Der Gedanke daran brachte sie beide zum lächeln.
„Aber er musste ja auch einiges verdienen.“ Kagome nickte. „Kohaku verdiente das Geld und den Reis für seine Familie als Taijiya. Nun reiste Kirara mit ihm. Und Tōtōsai stellte ihm die Waffen dafür her, die ihm einige Male den Arsch retteten. Myōga-jiji lebte bei ihm.“
//Da lebten ja genau die Richtigen als WG zusammen//
Der Gedanke erheiterte Kagome.
„Und...Kaede-oba-chan?“ Auch in dem recht dunklen Raum, der nur begrenzt vom Licht der Nachmittagssonne erhellt wurde, sah sie, wie seine Augen sich kurz verdunkelten. Und sie wusste, die Antwort würde ihr nicht gefallen.
„Sie lebte tatsächlich noch einige Jahre. Länger, als ich es der alten Hexe zutraute.“ Bei ihrem Blick versteifte er sich kurz. „Doch natürlich...kam auch irgendwann ihre Zeit.“
Kagome sah auf den Brunnen. Ihr Blick wurde schwer und traurig, das sah er sofort und auch, dass sie gegen ihre Tränen kämpfte.
„Sie bildete keine Nachfolgerin aus.“

Kagome sah erstaunt zu ihm, er sah die Überraschung in ihren Augen.
„Für sie, kamst immer nur du als ihre einzige Nachfolgerin in Frage. Doch...das war nicht möglich.“ Nun sahen beide auf den Brunnen vor sich. „Sie legte den Schutz des Dorfes in unser aller Hände und war beruhigt, dass Jinenji und sie, Rin genug beibrachten, dass sie sich medizinisch um die Dorfbewohner kümmerte.“
„Was war mit Shippō-chan?“
„Dieser nervende kleine...“ An seinem Gesicht sah sie, dass auch innige Freundschaft und Stolz in seinen Erinnerungen mitschwang. „Er besuchte diese Schule für Kitsune, die als Gasthaus getarnt war, in dem wir ja die anderen Kitsune kennen lernten.“ Kagome nickte. „Aber ich muss zugeben, dass der Kleine wirklich fleißig war. Er lernte schnell und viel und stieg schnell im Rang auf.“
„Das klingt...“ wieder spürte sie ihre Tränen aufsteigen. „...als hätten alle, ein wirklich glückliches, langes Leben gehabt.“
„Das hatten sie, Kagome.“ Auch ihm fielen diese Erinnerungen immer wieder schwer. Keine einzige davon vergaß er über all die Jahre, sie verblichen nicht einmal und veränderten sich auch nicht. „Und keiner von ihnen vergaß dich, nicht für einen einzigen Tag.“
Kagome sah zu ihm und konnte die Tränen dieses Mal nicht zurückhalten. Sie schluchzte und lehnte sich einfach an ihn an. Er legte ihr einen Arm um ihre Schulter und drückte sie noch etwas enger an sich.
„Wie...ging es für dich weiter? Nachdem dir auffiel, dass...die Brunnen nicht mehr verbunden sind? Und...mit der Zeit? Wieso bist du...überhaupt hier? Und als Mensch?“ Sie redete so schnell, dass sie sich dabei fast verhaspelte. Ihre Atmung wurde wieder schneller.
Ihr gingen so viele Fragen durch den Kopf. Auf keine davon hatte sie, für sich, eine Erklärung.
„Kagome, das...“ Sie merkte ihm an, dass es ihm nicht leicht fiel. Er atmete einmal tief durch. „In der Zeit, nachdem ich in meiner Zeit zurück war, da...brauchte ich eine ganze Weile Abstand. Vom Dorf, von unseren Freunden und vor allem...“ Sein zorniger Blick ging zum Brunnen. „...von diesem Stück morschem Schrott.“ Sie nickte, verstand seinen Unmut. „Alls ich dann...wieder klar kam, band mich Miroku wieder ins Leben der anderen ein. Ich begleitete ihn bei jedem seiner Aufträge. Wofür er mich auch ein wenig am Verdienst beteiligte.“
Bis dahin lächelte er noch, während er erzählte. Wieder verdunkelten seine Augen sich ein wenig.
„In den ersten Tagen versuchte ich es fast jeden Tag....durch den Brunnen zu kommen.“ Er wich ihrem Blick aus. „Und natürlich...ging die Zeit nicht spurlos an mir vorbei. Ich altere anders....als Menschen.“
Nun kam der Teil, den Kagome bis jetzt immer verdrängte und der ihr am wenigsten gefiel.
„Sango, Miroku und auch Kohaku und Rin hatten alle, ein glückliches und langes Leben. Aber...für mich schien die Zeit nur so zu fliegen. Vor meinen Augen...wurden sie älter, kränker, gebrechlicher...und starben.“
Kagome musste kurz schlucken. Versuchte so, den Kloß, der sich in ihrem Hals bildete, los zu werden. Uns gleichzeitig ihre Tränen zurückzuhalten. Sie wollte sich nicht vorstellen, wie es war, dass ihre Freunde... Auch wenn es ja unausweichlich für sie war.
„Ich sah ihre Kinder aufwachsen. Wie sie wuchsen, erwachsen wurden, sich verliebten, heirateten, Kinder bekamen, älter wurden und starben. Das alles schien sich unendlich zu wiederholen.“
Kagome verkrampfte sich kurz, bei der Vorstellung, so etwas immer und immer wieder zu durchleben. Sich immer wieder von geliebten Menschen zu verabschieden und sich mit jeder Generation, auch immer weiter von den Freunden zu entfernen.
„Nach ein paar...Jahrzehnten...“ Auch wenn er sich schwer damit tat, es auszusprechen und anders klingen zu lassen, klang es, von ihm, doch recht lapidar. „...konnte ich das einfach nicht mehr. Ich brauchte einiges an Abstand und reiste durchs Land. Dabei...trafen Sesshōmaru und ich uns wieder.“
„Er sah bestimmt keinen Tag älter aus.“ mutmaßte sie laut.
„Wir...unterhielten uns tatsächlich.“ bestätigte er durch Nichtbestätigung. Erstaunt sah sie zu ihm, doch sein Blick lag weiter starr auf dem Brunnen. „Seit langem und auch...sehr lange. Ich ging dann mit ihm mit und blieb einige Zeit....im westlichen Schloss, das Schloss unseres Vaters.“
Kagome's Augen wurden vor Überraschung immer größer.
„Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort blieb. Auf jeden Fall nur ein paar Jahrzehnte, auf jeden Fall weniger, als eine Generation. Denn als ich zurück ins Dorf kam, was mit der Zeit eine größere Stadt wurde...“ Was ihn sichtlich zu stören schien. Seinen Rückzugsort, seine Heimat, die er ja schließlich fand, sich so verändern zu sehen. Rückzugsraum und Privatsphäre für sich selbst zunehmend an immer mehr Menschen zu verlieren, die ihm allesamt fremd waren. „...verbrachte ich noch ein paar Jahre mit Sango's und Miroku's Nachkommen, ehe auch sie starben. Und dann landete dieser idiotische Perry mit seinen schwarzen Schiffen in Japan und zwang es, sich dem Westen zu öffnen.“ Womit er seine Heimat endgültig verlor. „Mit einer steigenden Zahl an Menschen, die ja ihre Häuser bauen wollten und ernährt werden mussten, drangen sie immer mehr in die Reviere der Yōkai vor, auch immer stärkerer Yōkai. Was zu immer mehr Kämpfen, Unruhen und Konfrontationen zwischen Menschen und Yōkai führte. Han'yō wurden infolgedessen noch mehr geächtet, als in den Jahrhunderten zuvor. Und ebenso Menschen, die sich mit diesen oder Yōkai einließen oder einträchtig zusammen lebten.“
So langsam bekam Kagome ein Bild vom Leben des Han'yō, das, nach dem Tod der gemeinsamen Freunde, wohl ziemlich aus den Fugen geriet und nie wieder so war wie zuvor.
„Also mussten wir....alle das Dorf, das keines mehr war...“ Und in dem er sich auch zunehmend nicht mehr zu Hause fühlte und nicht mehr zurechtfand. „...verlassen.“
„Wir?“ hakte sie nach.
„Sesshōmaru war so freundlich, uns in seinem Schloss unterkommen zu lassen. Also auch Jinenji, Shippō, Kirara und...Sango's und Miroku's Nachkommen. Jede Generation gab die Geschichten unserer Erlebnisse und das Wissen um die Wahrheit, an die Nächste weiter. Sodass immer eine starke Loyalität und auch Verbundenheit zwischen uns bestand.“
„Was meinst du, mit Wissen um die Wahrheit?“
„Umso mehr Unruhen und Konflikte es zwischen Menschen und Yōkai es gab, desto mehr Hetzjagden fanden irgendwann statt. Die Menschen wollten die Vorherrschaft. Also...kam es irgendwann zu einem Krieg zwischen uns, Menschen gegen Yōkai.“
Sie sah, wie er eine Hand zu Faust ballte, sah Zorn in seinem Gesicht und dass seine Augen kurz vor Wut aufblitzten.
Für den Han'yō waren es Erinnerungen an einige der dunkelsten Tage in seinem langen Leben.

„Mit der Öffnung Japans kam viel ausländische Technik ins Land. Die die Menschen schnell für sich entdeckten und schnell weiter entwickelten. So auch ihre Waffen. Mit denen sie uns, in der Überzahl, in der sie zunehmend waren, tatsächlich schafften zurückzudrängen. Wenn auch unter hohen Verlusten, beiderseits.“
Kagome schüttelte kurz mit dem Kopf. Wollte diese Bilder eines Schlachtfeldes, von langen und blutigen Kämpfen zwischen Menschen und Yōkai, aus ihrem Kopf verbannen.
„Nach den...Kriegen...“
//Kriege? Mehrzahl?//
„...zogen wir uns zurück und berieten, wie wir vorgehen sollten. Schließlich kamen wir nur auf eine Lösung, die strategisch die beste war.“
„Euch zu verstecken.“ stellte Kagome fest.
„Eher uns anzupassen, um uns unter ihnen bewegen zu können. Um dies zu ermöglichen... Erinnerst du dich noch an Hōsenki's Sohn?“ unterbrach er seine Erzählung mit einer Frage. Kagome musste kurz in ihrem Gedächtnis nach dem Yōkai graben, den sie trafen und der, wie zuvor sein Vater, Juwelen herstellte. Sie nickte. „Tōtōsai, der sich das Wissen um die neue Technik aneignete, Hōsenki, der wie sein Vater Juwelen erschuf und...Sesshōmaru's Mutter, die sehr fähig im Umgang mit Magie ist, entwickelten Möglichkeiten für uns.
„Se-Sesshōmaru's Mutter?“ fragte sie aufgeregt.
„Das ist eine längere Geschichte. Und du wirst sie eh noch kennen lernen.“
Kagome's Blick fiel auf das kleine Tessaiga, das InuYasha als Anhänger um seinen Hals trug. „In Sesshōmaru's und meinem Fall, gelang es ihnen, Tessaiga und Tenseiga zu verkleinern. Und auch ihre Fähigkeiten zu ändern. So lange wir sie eng bei uns tragen, unterdrücken sie das Yōki in unserem Blut so weit, dass wir dieses menschliche Aussehen annehmen.“
Mit seinen Fingern spielte er an dem kleinen Anhänger herum.
„Wir können sie natürlich auch ablegen und wieder zu wahrer Größe bringen und einsetzen.“ Was er ihr auch gleich demonstrierte, in dem er das kleine Tessaiga von dem dünnen Band löste und es ihr gab. Sofort sprangen ihre Sinne, von denen sie schon dachte, sie verloren zu haben, auf sein Yōki an.
Seine Haare wurden wieder silbern, seine Fingernägel zu Krallen, seine Eckzähne spitz und seine Augen so golden, wie sie sie in Erinnerung hatte.
Als sie kurz im einfallenden Sonnenlicht funkelten, stolperte ihr Herz wieder, hielt sie für eine Sekunde den Atem an.
„Sie unterdrücken nicht nur unser Yōki, sondern halten auch unser dämonisches Blut unter Kontrolle. Trotzdem bleibt seine natürliche Zusammensetzung erhalten, damit auch seine Eigenschaften. Wie unsere Langlebigkeit, dass wir keine menschlichen Krankheiten bekommen und einen außergewöhnlich schnellen Heilungsprozess besitzen.“
Neugierig und interessiert besah sie sich das miniaturisierte Tessaiga.
„Was zu Problemen führt, wenn man sich länger unter Menschen aufhalten will. Da wir ja nun aus ihrem Blickfeld verschwanden, verbannten die Menschen unsere Existenz in die Welt der Folklore und der Mythologie. Und wir brauchten nun Biographien. So zogen wir auch immer wieder alle ständig um, für verschiedene Zeiträume, in alle möglichen Länder. Wir lernten Sprachen und lebten in den unterschiedlichsten Kulturen. Wir erlebten die Weltgeschichte mit. Ihre hellen, wie auch ihre dunklen Seiten.“
„Du meinst, ihr kämpftet auch...in Kriegen mit?“
„In beiden, hier, zu Hause.“ Kagome nickte nur. „Vor unseren Augen änderte sich die Welt. Hütten wurden zu Häuser, die wurden zu Wolkenkratzer. Dörfer wurden zu Städten, wurden zu Metropolen. Es wurde immer voller, immer lauter. Es fuhren Autos, flogen Flugzeuge. Es gab Schreibmaschinen, Computer, Smartphones. Krankheiten wurden besiegt, Friedensverträge und Schutzabkommen geschlossen, Kriege geführt. Und weiterhin...sah ich die Menschen, die noch immer mein Umfeld waren, wie sie geboren wurden, alterten, starben.“
Wieder musste Kagome schlucken.
„Wir nahmen verschiedenste Identitäten und Biographien an, lernten alle möglichen Jobs und Sprachen, studierten alles, was sich anbot.“
„Und das ernährte euch alle während der Zeit?“
Nun war es InuYasha, der kurz schlucken musste. Wieder wich er ihrem Blick aus.
„Wir brauchten eine Einkommensquelle. Eine Art Stützpunkt, der uns Halt und Schutz bot, wenigstens so etwas ähnliches war, das man Zuhause nennen konnte. Also...war Sesshōmaru so umsichtig und....wir gründeten unsere Firma, noch in dem Jahr, in dem Perry die damalige Regierung dazu aufforderte, das Land zu öffnen."

In diesem Moment horchte Kagome auf, wurde sie hellhörig. Und nun fiel ihr auch wieder ein, dass InuYasha...
„Woher weißt du...von dem Jobangebot?“ Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, sie senkte ihren Kopf, sodass ihr Pony einen Schatten über ihre Augen warf.
InuYasha atmete tief durch. „Bitte, Kagome, flipp jetzt nicht aus, okay?“
„InuYasha, woher...“ Ihre Stimme war leise.
Angesprochene seufzte nur. „Die Mirai Corporation ist unsere Firma.“
Kagome fühlte sich wie vom Blitz getroffen. Ihr Kopf ruckte nach oben, doch ihr Blick blieb starr Richtung Brunnen gerichtet.
„Wir gaben dir das Stipendium. Es ist unser Jobangebot. Es...war meine Idee, dich...Geschichte und Archäologie studieren zu lassen.“
Nach all den Erzählungen, sickerte nun allmählich auch eine Erkenntnis in Kagome's Bewusstsein.
Ruckartig stand sie auf, ging einen Schritt zurück.
„Wie...“ kam es leise von ihr. „Wie lange....lebst du schon wieder hier? Hier...in Japan, in Tōkyō?“
InuYasha wich ihren Blick aus. Er ahnte schon, was ihn erwartete, wenn er ihr antwortete.
„Seit...dem zweiten Weltkrieg.“

Es war kurz ruhig. Eine Ruhe, die ihm unheimlich war.
InuYasha wollte diese Ruhe schon durchbrechen, öffnete den Mund schon, als sie ihm zuvor kam.
„Du...“ Sie ballte ihre Hände noch weiter zu Fäusten zusammen. Der Schatten ihres Ponys lag immer noch über ihren Augen. Er hörte ihrer Stimme an, dass sie nicht nur gegen ihre Tränen kämpfte, deren Ursache er nicht kannte, sondern auch, dass sie wütend war. „Du bist...schon seit Jahrzehnten hier und...kommst jetzt erst?!“ Als sie ihren Kopf wieder hob und ihn ansah, zuckte er sofort zusammen und rutschte intuitiv ein Stück nach hinten. „Wieso bist du jetzt erst hier?!“ schrie sie ihn an, mit Tränen in den Augen.
Sie war sowohl verletzt als auch wütend.
„Kagome, ich kann dir das erklären.“ Er versuchte, ihr Tessaiga wegzunehmen, das sie noch in ihrer Hand hatte.
„Osuwari!!“

Sōta, der zeitgleich mit seiner Mutter zu Hause ankam, nach seinem ersten Tag an der Uni und sie vom Einkaufen, von dem ihr einen Beutel abnahm, wurden von einer Erschütterung in ihrer Unterhaltung unterbrochen, die sie gerade führten, als sie das Schreingelände durch das Torii betraten.
Auf diese Erschütterung erfolgte auch gleich eine zweite.
„Ein Erdbeben?“ fragte seine Mutter.
Was auch Sōta's erster Gedanke war, ehe die beiden sahen, dass die Tür zum Brunnen offen stand. Überrascht sahen sie einander an, bevor sie zu dem kleinen Holzgebäude liefen und ihre Augen sich überrascht weiteten, als sie in dieses hinein sahen.
Kagome war völlig außer Atem, als wäre sie länger gerannt.
„Inu-no-nii-chan?!“
„InuYasha-kun?!“
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