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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18 / Het
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
26.02.2021
39
158.852
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15.01.2021 4.895
 
32.Kapitel: Familiengeschichte und Hierarchie





Unschlüssig stand Kagome am nächsten Morgen vor dem Spiegel im Schlafzimmer. Sie überlegte schon seit Minuten, was sie anziehen sollte. Etwas, über was sie sich die letzten Monate nie Gedanken machte. Abgesehen von dem Zeitraum nach ihrer Rückkehr aus Mexiko.
Aber nachdem sie sich gestern so schrecklich deplatziert fühlte, bei diesem Termin, sie all die Blicke in der Lobby sah, mit denen man sie musterte, wurde ihr allmählich wirklich bewusst, in welchen Sphären sich InuYasha mit seiner Familie und seiner Position bewegte. Dass sie ein Teil davon werden würde...

Es war ungewohnt für sie, so über die Flure der Firma zu laufen. Auch wenn sich ihr Outfit angenehm tragen ließ, sie es kaum auf ihrer Haut spürte. Spontan griff sie einfach nach der weißen Bluse und dem roten Rock, die InuYasha ihr beide bei ihrem gemeinsamen Shopping bezahlte.
Die Sachen sahen schick aus, waren teuer und hochwertig. Und damit würde sie sich wohl weniger deplatziert vorkommen, wo auch immer Himiko sie heute hinbegleiten sollte. Auch, wenn die Absätze der roten Pumps noch etwas gewöhnungsbedürftig waren. Bis jetzt trug sie ja kaum Absätze.

„Besser.“ war das erste, was Kagome hörte, als sie Himiko's Büro an diesem Morgen betrat und blieb erst mal stehen, sah fragend zu ihr. „Deine Garderobe.“
„Ich war mir nicht sich-“
„Achte in Zukunft auf die Länge deines Rockes.“ unterbrach Himiko sie auch gleich und brachte sie damit auch aus dem Konzept. „Du solltest nicht solch kurze Röcke tragen. Dies ist weder deiner Position in der Firma angemessen, noch schickt es sich für die Frau eines Mannes mit der Position InuYasha's. Immerhin wird alles, was du tust, auch auf ihn zurückfallen. Und bedenke deine Position als sein Weibchen innerhalb unserer Hierarchie.“
„Dazu wolltet Ihr mir noch etwas erzählen.“ Sie sah Himiko an, wie sehr es ihr missfiel, wenn sie unaufgefordert sprach. Doch das war ihr im Moment egal. Kagome wollte einfach nur alles wissen, was sie noch nicht wusste, was InuYasha ihr verschwieg.
„Ich werde es dir wohl verständlicher machen können, wenn du mich begleitest.“
Kagome kam sich vor, wie damals in Naraku's Körper, nachdem Sesshōmaru sie fand. Vor dessen kleinen Yōkai er sie beschützte, die sie sonst gefressen hätten. Und sie ihm folgte, nachdem sie wieder wach war, als sie nun seiner Mutter hinterherlief. Über die Flure, die zu und von ihrem Büro und zum Aufzug führten.
Wobei ihr nicht entging, wie ihre Kollegen sie ansahen, als sie der Daiyōkai folgte. Sie sahen ihr noch nach, verneigten sich höflich und respektvoll, wobei das wohl eher Himiko galt. Sie merkte aber auch, wie sie begannen zu reden, sobald sie dachten, sie würde es nicht mehr bemerken. Jedoch schien es ihr nicht so, als würden sie dies auf eine abwertende oder lästernde Art und Weise tun. Sie sah Respekt, Ehrfurcht und Verwunderung, Überraschung, in den Augen ihrer Kollegen.
Von denen sie selber noch nicht genau wusste, wer Yōkai war und wer nicht. Aber wahrscheinlich jeder wusste, wer Himiko war.
´´Wohin geht Ihr mit Kagome?``

Die Daiyōkai blieb stehen, ohne sich jedoch zu Kōga umzudrehen. Dem natürlich nicht entging, dass Kagome zu ihr gerufen wurde und gleich jeden Morgen zu ihr ging, um dann den gesamten Tag nicht mehr gesehen zu werden.
„Ich führe sie lediglich an ihre Aufgaben heran, die mit ihrer Arbeit für die Stiftung einher gehen.“
„InuYasha gab klare Anweisungen.“ Der Yōrōzoku zog seine Augenbrauen verärgert zusammen. Erst als Kagome am Vortag schon außer Haus war, erfuhr er davon.
„Von denen auch du wissen solltest, dass diese nicht mit den Anforderungen ihres Jobprofils, vereinbar sind.“
„Es ist meine Aufgabe, Kagome überall hin zu begleiten.“ Kōga setzte sich schon in Bewegung, als Himiko ihn ausbremste.
„Deine Dienste werden nicht benötigt. Mein persönliches Sicherheitsteam begleitet uns.“ Und dies waren wahrlich keine schwachen Mitglieder seines Rudels, das wusste Kōga. Er bildete sie einst selbst aus. Aber es gefiel ihm nicht, dennoch nicht selbst bei Kagome zu sein. Dass sie zudem allein mit Himiko war. Und noch viel weniger gefiel es ihm, dass er sich zu fügen hatte...

Nicht nur darüber war Kagome verwirrt und verwundert. Sondern auch, dass Himiko sie aufs Dach des Firmengebäudes brachte, auf dem ein Helikopter stand.
„Noch ein Grund für dich, in Zukunft auf kurze Röcke zu verzichten.“ mahnte Himiko sie erneut und Kagome nickte, war froh, dass sich die Rotorblätter des Fluggerätes noch nicht drehten.
Die weiß-schwarzen Sitze, von denen es acht, im Innenraum des EC145 im Mercedes-Benz Style, gab, waren sehr bequem. Fast wie in der Limousine, in der sie am Vortag fuhr. Bis auf den Boden und der dünnen Zierleiste an der Decke, die beide aus dunklem und edlem Holz waren, war auch der Innenraum in Weiß und Schwarz gehalten.
Himiko saß ihr gegenüber und lächelte amüsiert, als Kagome aus dem Fenster sah und ihre Augen sich vor Erstaunen weiteten, als sie das Häusermeer Tōkyōs unter sich sah, über das sie hinweg flogen.
„Wohin fliegen wir?“ fragte sie, nachdem sie auf Tōkyōs Stadtgrenze zu zufliegen schienen.
„Zum Schloss unseres Clans.“

Kagome's Augen weiteten sich, als sie aus der Luft das riesige Areal sah, auf der sich die ebenso riesige Festungsanlage erstreckte. Nach gut einer Stunde Flugzeit, wurde der Helikopter langsam und vorsichtig auf dem Vorplatz der inneren Burg gelandet.
Erst als die Rotorblätter stillstanden, wurde die Tür geöffnet und Himiko stieg zuerst aus. Kagome folgte ihr, begleitet von dem Sicherheitsteam, das immer um Himiko herum war. Durch ein riesiges hölzernes Tor betraten sie die innere Burg, welche von einigen Kiefern umgeben war.
Innerhalb des Gebäudes, dessen weiße Fassade man wohl schon Weitem sah, führten mehrere enge Holztreppen immer höher hinauf. Als Kagome durch einige hölzern vergitterte Fenster sah, konnte sie direkt auf den Fluss sehen, an dem die Burg lag.

„Es ist die einzige Burg Japans, die sich noch in Privatbesitz befindet.“ erzählte ihr Himiko und durchbrach damit die Stille zwischen ihnen. „Trotz einiger Reparaturen, welche aufgrund eines Erdbebens durchgeführt werden mussten, besteht sie noch immer aus Holz.“
Himiko führte sie durch riesige Zimmer, deren Fusuma mit Malereien verziert waren. Schnell fiel ihr auf, dass es sich dabei um eine sich fortsetzende Malerei handelte.
Sie zeigte Kämpfe zwischen Yōkai, riesigen Yōkai in Tiergestalten. Und zwischen diesen Yōkai und Menschen. Durch alle Bilder zog sich immer wieder das eines riesigen weißen Hundes.
„Ihr Vater war dreitausend Jahre alt, als er starb.“ begann Himiko.
„Um InuYasha und seine Mutter zu retten.“
„InuYasha klärte dich nicht über die Hierarchie in unserem Clan auf.“ An dem Tonfall der Daiyōkai merkte Kagome schon, dass es ein Fehler war, ihr dazwischen zu reden. „Dein zweites Fach war Geschichte.“ stellte Himiko fest. Kagome öffnete ihren Mund, wollte schon etwas sagen, als sie den Blick der weitaus älteren Frau neben sich sah. „Also solltest du auch etwas über die Geschichte der Familie wissen, in welche du einheiratest.“
Kagome nickte nur. Ihr Blick schweifte über die bemalten Fusuma, an denen sie vorbei gingen.
„Yōkai, gleich welcher Art, schließen sich zu Clans zusammen, erreichen sie eine gewisse Stärke und Größe. Deren Oberhaupt ein Herrscherhaus, welches der Stärkste unter ihnen gründet, ist. Tōga war der stärkste unter ihnen. Der stärkste aller Yōkai und Daiyōkai, die je existierten. Er stand unserem Clan vor, unserem Haus. Er war der Inu no Taishō, Fürst, General, Herr der westlichen Ländereien.“
Sie blieben vor einer Fusuma stehen, auf der Kagome das erste Mal, seit dem Sieg über Sō'unga, ihren verstorbenen künftigen Schwiegervater, vor sich sah.
„Ist das....Lebensgröße?“ fragte sie zaghaft und sah zu Himiko. Sie ahnte es schon damals, als sie ihn im hellen Licht sah. Doch nun wurde es ihr erst richtig bewusst. Er war sicher ein sanftmütiger Mann, wie sie es damals auch InuYasha gegenüber erwähnte. Aber ebenso auch ein sehr beeindruckender Mann, wie sie so vor seinem Abbild stand. Schon für heutige Verhältnisse würde er jeden Mann, den sie kannte, mit Ausnahme Bokusenō's, überragen. Damals musste seine körperliche Erscheinung noch beeindruckender gewesen sein. Und sie wusste nicht, was es war, was dieses Bildnis ausstrahlte. Aber sie fühlte sich sicher und auch ein Stück weit geborgen, geschützt, in seiner Gegenwart. Und wenn es auch nur sein Abbild war. Wenn auch nicht ebenso stark wie in InuYasha's Nähe, so fühlte es sich doch ähnlich an. Beide Männer strahlten eine ähnliche Stärke aus. Und sie erinnerte sich ja auch noch an die Größe seines Skeletts.
„Seine Blutlinie ist die älteste, mächtigste und stolzeste aller Yōkai vom Stamm der Inu. Als Tōga starb, stand unserem gemeinsamen Sohn dessen Platz an der Spitze unseres Clans zu. Doch Sesshōmaru zeigte so wenig Interesse.“ Ihr Tonfall klang gekränkt. Doch da sie keinerlei Regung in ihrem Gesicht darüber zeigte, wusste Kagome, dass auch das wieder ihre theatralische Art war. Aber dass Sesshōmaru auf solch eine mächtige Position keinen Wert zu legen schien, verwunderte sie doch. „Also blieb diese Bürde an mir hängen. Bis zu dem Tag, an dem mein Sohn sich dazu entschied, die ihm zustehende Position als Oberhaupt unseres Clans einzunehmen. Als die Menschen begannen, in unsere Reviere einzudringen und sich zunehmend darin auszubreiten. Um uns, Han'yō und ihresgleichen zu jagen, die auf unserer Seite standen. Davon erzählte InuYasha dir ja sicherlich.“
Kagome nickte nur. Sie erinnerte sich an seine Schilderungen über die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Yōkai.
„Als Tōga's Erstgeborener und legitimer Sohn, ist es nun Sesshōmaru, der unserem Clan und unserem Haus vorsteht. Yōkai leben nach sehr strengen Hierarchien, die es zu respektieren und einzuhalten gilt. Und die die Grundlage vieler unserer Gesetze und Regeln bilden. Denen sich auch InuYasha nicht entziehen kann.“
„Und diese Hierarchie...“ versuchte es Kagome leise und vorsichtig. Kassierte dennoch einen harschen Blick von Himiko.
„Als erste Frau des Inu no Taishō und Mutter seines ersten legitimen Erben, stehe ich an zweiter Stelle in dieser Hierarchie. Zwar entspringt InuYasha einer illegitimen Beziehung. Doch sein Vater erkannte ihn als seinen Sohn an, gab ihm seinen Namen und hinterließ ihm Tessaiga. Als zweiter Sohn des Taishō steht ihm somit ein Platz hinter Sesshōmaru zu. Du bist...wirst...“ korrigierte sich die Daiyōkai kurz. „...seine Frau und Gefährtin, bist die Partnerin, an die er sich band. Folglich stehst du unter Sesshōmaru, mir und InuYasha.“

„Aber wir leben jetzt im 21.Jahrhundert.“
„Deswegen hören unsere Regeln nicht auf zu existieren. Oder hörte deine Spezies damit auf, eine gesellschaftliche Hierarchie aufzubauen, in der sie heute lebt?“
Kagome musste ihr zugestehen, im Recht zu sein.
„Nur, weil wir uns den Menschen anpassten, um uns unter ihnen bewegen zu können, mag dies keinesfalls bedeuten, dass unsere Welt, die tausende Jahre vorherrschend war, aufhört zu existieren. Und wir Yōkai, unter uns, nicht länger nach unseren Regeln leben.“
„Wo...in Eurer Welt, steht das Haus Taishō?“
„Wie ich dir bereits sagte, stellt der stärkste aller Yōkai ein Herrscherhaus innerhalb seiner Art. Und wie du an dem Ort, an dem wir uns befinden, sicherlich unverkennbar zu erkennen vermagst, handelt es sich bei uns Taishō um ein solches Herrscherhaus. Und zwar das mächtigste aller Herrscherhäuser, wenn auch gewiss nur in unserer Welt der Yōkai.“
„Welche anderen Yōkai-“
„Mit den Katzen machtest du ja schon Bekanntschaft. Genauso wie mit den Fledermäusen. Die Wölfe mögen zwar bereits einen starken Clan bilden, sind aber gewiss noch weit vom Status eines eigenen Hauses entfernt. Und als stärkster aller Clans, steht das Haus Taishō an der Spitze in der Hierarchie in der Welt der Yōkai. So sehr InuYasha sich dies auch wünschen mag, so wird er doch nie aus der Haut können, in die er geboren wurde. Selbst seine menschliche Abstammung ist noch adligen Blutes. Tōga wählte sich nie gewöhnliche Frauen, als seine Partnerin. Und InuYasha ist ihm sehr ähnlich in solchen Dingen.“ Himiko sah zu Kagome, die sich bei ihren Worten und deren Tragweite und Bedeutung, ganz nervös fühlte.
„Wieso-“
„Wieso ich dich akzeptiere?“
Kagome seufzte, pustete sich dabei ein paar ihrer Ponyfransen aus ihrer Stirn, nickte.
„Zum einen wählte InuYasha's innerer Yōkai dich zu seiner Partnerin. In diesen natürlichen Prozess hat sich niemand einzumischen und den gewählten Partner jeder zu akzeptieren. Weil InuYasha seinem Vater, wie erwähnt, sehr ähnlich ist, wählte auch er sich nie gewöhnliche Frauen.“
Dass Himiko im Plural sprach, lies Kagome aufhorchen und kurz zuckte ihr Körper zusammen.
„Sicher, deine menschliche Abstammung wird das Blut seines Vaters noch weiter schwächen. Zudem stammst du aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen. Nach damaligen Standards wärst du nie seine Frau und Gefährtin geworden, dürfte man sich in die Wahl des Partners einbringen. Allerdings bist du kein gewöhnlicher Mensch, nicht mal eine gewöhnliche Miko. Du überwindest Zeiten. Es ist dir möglich zu sehen, was anderen verborgen bleibt. Und bei deinen Kräften erkenne ich deutlich mehr Potenzial, als du momentan in der Lage bist, zu nutzen. Zudem gelingt es deinem Reiryoku, problemlos, mit InuYasha's Yōki zu interagieren. Selbst während meines Lebens hörte ich noch nicht von so etwas. Du bist recht nett anzusehen und scheinst nicht dumm zu sein. Wie es auch deine Leistungen während deines Studiums bewiesen. Du bist eine ideale Partnerin für InuYasha und, im Rahmen deiner Abstammung, akzeptabel für unseren Stammbaum.“
Kagome lächelte verhalten. Auf eine größere Anerkennung brauchte sie wohl nie zu warten.
„Schon mit der ersten Miko, von der mein Sohn mir berichtete, wählte er eine starke Begleiterin an seiner Seite.“
Kagome's Augen verdunkelten sich für einen Moment. Was Himiko natürlich nicht entging.
„Natürlich hätten wir ihm nie gestattet, die andere Miko zu ehelichen. Lediglich den Status seiner Zweitfrau oder Kurtisane, hätten wir dieser Frau zugestehen können, hätte sie den Kampf überlebt. Immerhin wäre dieser Golem nie in der Lage gewesen, ihm seine Welpen zu gebären.“
In Kagome brodelte es. Sie war wahrlich nicht gerade Kikyō's größter Fan oder ihre beste Freundin. Dennoch brachte sie der verstorbenen Miko, und InuYasha's erster Liebe, die ihr Leben im Kampf gegen Naraku ließ, Respekt entgegen. Es störte sie, wie Himiko über sie zu denken schien und sprach. Aber auch, dass sie einfach so voraussetzte, dass sie alles tun würde, was sie ihr sagte. Es einfach hinnehmen würde, sich ihr Leben von ihr diktieren zu lassen. Allen voran, wie ihre Hochzeit organisiert werden und ablaufen sollte.

„Kikyō verdient es nicht, dass Ihr so abfällig über sie sprecht. Sie war eine starke Miko und unsere Verbündete. Ohne sie, hätten wir Naraku nie besiegen können. Ich erlaube nicht, dass Ihr so über sie sprecht. Und ich werde mir von Euch auch nicht mein Leben vorschreiben lassen.“ platzte es plötzlich aus Kagome heraus. Was Himiko jedoch nicht die kleinste Reaktion abrang. „Oder wie ich es in Zukunft führen werde.“ trotzig sah sie die Daiyōkai an.
„Du...“ Himiko's Stimme wurde wieder tiefer, dafür lauter. Kagome ging intuitiv einen Schritt zurück. „...erlaubst mir schon mal nichts. Wenn jemand, jemandem etwas erlaubt, dann ich dir. Aber das wirst du noch lernen.“ Ihre Stimme senkte sich wieder, ein kaltes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass du, als InuYasha's Gefährtin, keine Wahl darüber zu treffen hast. Über kurz oder lang wird InuYasha seinen Instinkten nachgeben und dich zu seiner Gefährtin machen. Damit wirst du Mitglied unseres Clans und unseres Hauses, nach dem Recht der Yōkai. Womit du dich nach unseren Regeln zu richten und in unsere Hierarchie einzufügen hast. Du solltest deinen Platz kennen. Denn in dieser Hierarchie, steht es mir, nach dem Recht unserer Spezies, zu, in unserem Hausstand für Ordnung zu sorgen. Nach der Schließung eures Bundes, werde ich mich daher einer standesgemäßen Erziehung deiner Person annehmen. Und das erste, was du schnell lernen wirst, ist, mir niemals vorzugreifen oder dich ungefragt zu äußern.“
Als Himiko sie so ansah, wie in diesem Moment. So kalt, schneidend, unnachgiebig, sie direkt ansah. Da schüttelte es Kagome nicht nur kurz. Auch ihre Sinne sprangen sofort an, mahnten sie zur höchsten Vorsicht. Unbewusst nahm ihr Körper eine abwehrende Haltung ein.
„Künftig wirst du auch die Auswahl deiner Garderobe bedenken.“ Himiko musterte sie. Ihr Blick blieb an ihrem Rock hängen. „Du solltest dir bewusst darüber sein, dass du auch nach Maßstäben unserer Spezies, ein recht verlockendes Weibchen bist.“ Himiko senkte ihre Augenlider leicht, als sie Kagome direkt ansah. Etwas mahnendes lag in ihrem kalten Blick. „Und auch, wenn wir Maßnahmen trafen, um unsere Natur so weit zu unterdrücken, um uns an deine Spezies anzupassen und unter dieser leben zu können, so solltest du nie die Aufmerksamkeit dämonischer Männchen unterschätzen. Du solltest daher keine einladende Wirkung auf sie haben. Schon allein deiner Stellung an InuYasha's Seite wegen.“
„InuYasha war es immer egal, was ich trage.“ unterbrach sie die Daiyōkai, trotz der vorangegangenen Belehrung. „Damals interessierte es ihn auch nicht, was ich trug.“
„Und du solltest froh sein, dass dir nicht dasselbe wie deiner Freundin in Guatemala passierte.“
Kagome versteifte sich aus Reflex etwas, als Himiko dies ansprach.
„Ein junges Mädchen wie du, in kurzem Rock, zu dieser Zeit. Wo sich hinter jedem Baum ein Yōkai hätte verbergen können. Vor allem diese niederen triebgesteuerten Yōkai. Und dazu all diese dreckigen Banditen dieser Zeit. Dazu InuYasha's dämonische Seite selber. Es verwundert mich doch, wie du so problemlos durch diese Zeit kamst.“ Himiko machte eine kurze Pause. „Darüber hinaus werde ich dich mit deiner repräsentativen Funktion und den damit einhergehenden Aufgaben für dieses Unternehmen und die Stiftung vertraut machen. Außerdem wirst du noch verstehen, dass mir meine Stellung das Recht einräumt, mich auch in die Aufzucht eurer Welpen einzubringen.“
//Bitte?!//
„Das werde ich niemals zulassen!“ wollte sie Himiko die Stirn bieten. „InuYasha wird das niemals zulassen.“
„Unsere Regeln bestimmen Rangordnungen und orientieren sich an diesen. Auch InuYasha muss sich daranhalten. Als seine Gefährtin stehst du unter ihm.“
„Aber InuYasha ist ein Han'yō.“
„Solange seine Abstammung dämonischen Ursprungs ist, unterliegt er den Regeln unserer Welt. Vor allem als Sohn Tōga's. Er ist Mitglied seines Clans, ob er will oder nicht. Und als seine Gefährtin wirst du es ebenso.“
„InuYasha...“ Sie ballte ihre Hände langsam zu Fäusten, ihre Unterlippe zitterte. Was Himiko nicht entging. „InuYasha würde sich nie... Das ist gar nicht seine Art!“
„InuYasha musste über die zurückliegende Zeit lernen sich zu fügen und anzupassen. Der InuYasha no Taishō, den du damals kanntest, gibt es nicht mehr.“
Himiko's Stimme klang kalt, endgültig. Und Kagome durchzuckte dabei ein zutiefst unangenehmes Gefühl. Es traf ihr Herz wie ein eiskalter Stich. Es fehlte nicht viel bis zu diesem kalten unangenehmen Gefühl, welches damals Sō'unga bei ihr auslöste.
„Dies ist die Familie, der Clan, deren Mitglied du werden wirst.“
Kagome ließ ihren Blick über die kostbar bemalten Fusuma schweifen, die sie in diesem Raum überall umgaben.
Die ihr die Geschichte, Bedeutung und Abstammung, die Stellung, des Clans, der Blutlinie, der ihr Han'yō entstammte, direkt vor Augen führte.
„Es sei denn natürlich...“ Himiko's Augen verengten sich noch ein wenig mehr. „...du denkst noch einmal über deine Entscheidung nach.“ Ihr Blick fiel auf den Ring an Kagome's Finger, den sie so gut wie nie ablegte, seit InuYasha sie an diesem, einfach passenden, Abend bat seine Frau zu werden.
Auch Kagome sah auf den Ring und biss sich auf ihre Unterlippe, um die aufkommenden Tränen zu unterdrücken.
„Solltest du jedoch bei deiner Entscheidung für ein Leben an InuYasha's Seite bleiben...“

Als Kagome nach Hause kam, in InuYasha's und ihre gemeinsame Wohnung, fühlte sie sich wie erschlagen. Sie lehnte sich gegen die Wohnungstür, senkte ihren Blick. Ihr Pony warf einen Schatten über ihre Augen. Sie biss sich auf ihre zitternde Unterlippe und ballte eine Hand zur Faust.
Sie brauchte einen Moment, den sie zum tiefen Durchatmen nutzte. So viele Informationen, die ihr die Luft abzudrücken schienen, prasselten in den vergangenen Stunden, die sie mit der Daiyōkai verbrachte, auf sie ein. Die sie alles, was sie mit InuYasha erlebte, seit sie wieder an seiner Seite sein konnte, in einem anderen Licht erscheinen ließen. Die ihr nun bewusst machten, auf was sie sich einlassen würde. Und aus was InuYasha sie raushalten wollte. Was aber auch für ihn auf dem Spiel stand und was für ihn dranhing.

„Kagome!“
Sie war verwirrt, als sie InuYasha im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen sah, von dem er sich sofort erhob, als sie den Raum betrat. Sofort lief er zu ihr, sie sah seinen besorgten Blick.
„Kōga-kun?“ Auch der Yōrōzoku war hier.
„Ich rief InuYasha an. Dass da irgendwas Komisches mit Himiko und dir läuft. Er ließ alles stehen und liegen, stieg in den Jet und kam sofort her.“
Kagome sah ihn überrascht aus großen Augen an. Wobei es auf den Han'yō mehr so wirkte, als wäre sie geschockt darüber, dass er alles für sie stehen und liegen ließ. Zudem schien sie ziemlich blass im Gesicht und fertig. Das gefiel ihm nicht.
„Was ist passiert, Kagome?“ wollte er sofort von ihr wissen. In seinem typischen, lauten und ungeduldigen Tonfall. „Was hat sie dir gesagt? Wo wart ihr?“
„Im Schloss deiner Familie.“ Sie mied seinen Blick, lächelte plötzlich. „Wieso hast du mir nie was gesagt?“ Sie sah ihn direkt an, wollte eine Antwort.
Und in InuYasha's Hals bildete sich ein unangenehmer Kloß, den er versuchte, los zu werden. Während er das Gefühl bekam, sein Magen würde sich ihm umdrehen.
„Sie war mit dir-“
„Geh, Kōga!“

Schon als der Yōrōzoku sah, was Kagome an diesem Tag trug, als sie zur Arbeit kam, merkte er, dass da was falsch lief. Sie trug nie solch aufgetakelten Fummel zur Arbeit. So etwas, ging er von aus, würde sie vielleicht zu einem Date mit dem Han'yō tragen. Aber nicht im Büro.
Und auch InuYasha fiel sofort auf, was sie trug, als sie das Wohnzimmer betrat.
„Aber nicht wegen diesen bekloppten Regeln einer Hierarchie.“ Dabei sah er Kagome an, legte ihr kurz, in einer Geste der Verbundenheit, eine Hand auf die Schulter, als er an ihr vorbei ging, bevor er die Wohnung verließ.
Wobei Kagome natürlich nicht entging, wie InuYasha dabei an sich halten musste, versuchte, ein Knurren, wenn auch ein menschliches, zu unterdrücken, als ihr gemeinsamer Freund, sie so berührte. Was sie wieder traurig lächeln ließ.
Kaum fiel die Wohnungstür hörbar ins Schloss, lag all seine Aufmerksamkeit auf ihr.
„Kagome, sag mir, was genau hier abging, während ich weg war.“ Sie sah Sorge in seinem Blick, ernsthafte Sorge.
„So viel passierte hier gar nicht. Himiko schickte Jaken vor, um mich zu ihr zu bringen.“ Sie löste sich aus einem leichten Griff, ging an ihm vorbei zum Sofa, auf das sie sich fallen ließ. Schon diese Reaktion gefiel ihm nicht. „Dann nahm sie mich mit zu einem Termin, wo ich Karan wieder traf. Warst du mal im Ōkura? Dieses super tolle Hotel, auf dessen Gelände dieses eindrucksvolle Museum steht?“
InuYasha nickte, setzte sich neben sie, sah sie besorgt an. „Wir buchen ihre Räumlichkeiten öfter für Geschäftstreffen. Worum ging es?“
„Die Organisation eines Charity Events. Sie wollte, dass ich dabei bin, um mich mit dem vollen Aufgabengebiet meines Jobs vertraut zu machen. Mit der Arbeit der Stiftung.“
„Was nicht passieren wird. Weil ich eindeutig klarstellte, dass du nur an Ausgrabungen und Forschungsaufgaben zu arbeiten hast. Den ganzen Öffentlichkeitskram, sollte weiter Himiko übernehmen.“
„Glaubst du, du kannst mir vorschreiben, an was ich mitzuarbeiten habe, weil ich deine Partnerin bin?“ Dieses Wissen, das er in ihren Augen erkannte, gefiel ihm nicht und er musste kurz schlucken.
„Kagome-“
„Himiko erzählte mir alles, InuYasha. Von der Bindung, der Markierung, deinem Status und deinem Stand. Dem deines Clans in der Welt der Yōkai und deren Regeln und Hierarchie. Warum sagtest du mir nie etwas davon?“ Nun sah er, dass sie sauer zu werden schien.
„Weil mich dieser ganze Kram nicht interessiert. Weil er für mich nicht relevant ist. Weil ich ihn, für mich, ablehne. Allein schon der Zeit wegen, in der wir jetzt leben. Es ist mir völlig egal, ob du einen Ring von mir an deinem Finger trägst...“ über die er zärtlich streichelte.
Was ein angenehmes Gefühl in ihr auslöste.
„...oder nicht. Ob wir verheiratet sind, oder nicht. Außer in Situationen, in denen man mich nicht zu dir lässt.“ kurz blitzte wieder Wut in seinem Gesicht über die damalige Situation auf. „Es ist mir egal, ob man das Bindung oder sonst was nennt. Du warst schon damals meine gleichwertige Partnerin, die sich immer auf Augenhöhe mit mir befand, und das wird heute, erst recht heutzutage, nicht anders sein.“
Sie hörte ihm dabei zu, sah ihn aber nicht an.
„Aber wieso erzähltest du mir von alledem nichts?“ Ihre Hand ging intuitiv zu ihrem Hals. Auch wenn die Rötung an dieser Stelle mittlerweile verschwunden war. „Es gab so viele Gelegenheiten für dich, mir von deiner dämonischen Seite zu erzählen und was mit dieser einher geht. Ich fragte mich schon länger, warum ich da ständig deine Zähne spüre. Aber ich nahm an, dass es einfach etwas wäre, was dir gefällt, eine Vorliebe von dir.“ Ihre Wangen färbten sich leicht rötlich. „Warum hast du mir nicht einfach gesagt, was dahintersteckt?“
„Weil ich nicht beabsichtige, das zu tun, Kagome.“
Verwirrt und verständnislos sah sie zu ihm.
„Du willst nicht, dass ich deine....“ Ihre Stimme wurde brüchig und er sah einen verräterischen Glanz in ihren Augen.
„Was ich will, ist, dich nach Menschenrecht zu heiraten, Kagome.“ Er sah auf ihren Verlobungsring und wollte die Hand, an der sie ihn trug, mit seiner umfassen. Doch sie entzog sie seinen Fingern. „Weil mir das vollkommen reicht und das, für mich wirklich zählt.“
Kagome biss sich auf ihre zitternde Unterlippe. Der Glanz von Tränen verschwand aus ihren Augen. Stattdessen sah er, wie sich ihre Hand, die auf dem roten Sofa lag, zur Faust ballte.
„Es reicht dir also...mich nur wenige Jahrzehnte an deiner Seite zu haben?“ Sie klang verletzt. „Nachdem du mir sagtest, wie sehr es dich traf, Sango-chan und all die anderen, altern und sterben zu sehen und dass es sich in jeder Generation wiederholte, willst du nicht das einzige tun, das...“ Nun krallten sich ihre Finger in das rote Leder. „...es mir ermöglicht, für den Rest deines Lebens mit dir zusammen zu sein?“
InuYasha sah sie entgeistert an.
„Noch mal. Du brauchst nicht glauben, noch irgendwas vor mir verheimlichen zu können. Himiko erzählte mir alles. Von Regeln, Instinkten, Hierarchien, der Geschichte deiner Familie, deines Clans. Welche Position ihr unter den Yōkai habt.“
„Dazu hatte sie nicht das Recht.“ Nun war es InuYasha, der seine Hand wütend zusammenballte. „Aber wenn du jetzt alles weißt, sollte es für dich doch einleuchtend sein, warum ich es nicht tun werde.“
Kagome schüttelte mit dem Kopf. „Nein, ehrlich gesagt, fällt mir kein Grund ein, warum du es nicht tust. Vor allem, weil du doch immer sagst, wie wichtig ich dir bin und was ich dir bedeute. Dass es für dich nur wichtig ist, dass wir zusammen sein können.“ Ihr Gesichtsausdruck, dieser verletzte Blick und das traurige Lächeln, gefielen ihm nicht. „Denn ich möchte wirklich nichts anderes als das, InuYasha. Für immer mit dir zusammen sein.“ Sie sah ihn verletzt an, traurig. „Außerdem meinte Himiko, dass du es sowieso irgendwann tun wirst. Allein schon, weil deine Natur, deine Instinkte, dich dazu bringen werden, mich zu deiner Gefährtin zu machen.“
„Ich habe diese Instinkte nicht, wenn ich menschlich bin, Kagome.“ Daran, dass sie zusammenzuckte und dies auch nicht zu verbergen versuchte, merkte er, dass das eben der falsche Satz war. „Das ist aber nicht der Hauptgrund.“ wollte er sich gleich verteidigen.
Kagome stand ruckartig auf, der Schatten ihres Ponys verdeckte ihre Augen. Aber er kannte ihre Körpersprache, wenn sie sauer war.
„Wieso hast du mir eigentlich nie einfach von alle dem erzählt und gefragt, ob du mich markieren kannst?“ Ihr angespannter Körper sagte ihm, sie war sauer. Doch ihre Stimme sagte ihm deutlich, dass sie verletzt war.
„Wenn du alles von Himiko weißt, warum fragst du mich dann so etwas dummes?“

In diesem Moment wusste er, dass er verloren hatte. Als sie ihn wütend und verletzt zugleich ansah. Er war wütend auf Himiko und hatte seinen Mund mal wieder nicht unter Kontrolle, bei wem er diese Wut ausließ.
„Wenn du jetzt alles weißt, solltest du doch wissen, dass ich dich nur davor beschützen will.“
„Wenn ich deine Frau werde, bin ich doch sowieso Teil deiner Familie.“
„Nach Menschenrecht. Himiko kann dir nichts vorschreiben, wenn ich dich nicht markiere.“
„Du wirst mich aber auch in wenigen Jahrzehnten verlieren, wenn du es nicht tust.“
„Verdammt, Kagome!“ fuhr er sie lauter an als, als beabsichtigt. Ihm platzte bald der Schädel vor lauter Gefühlen, die er nicht händeln konnte. „Warum musst du immer alles so kompliziert machen?“
„Du bist derjenige, der es kompliziert macht!“ begann sie zu schreien. „Du hättest es mir gleich am Anfang sagen sollen. Aber nein, ich musste alle relevanten Hintergründe von der Mutter deines Bruders erfahren! Einen nicht ganz unerheblichen Teil deiner Natur! Wenn ich deine gleichwertige Partnerin für dich bin, warum hast du es mir dann nicht einfach gesagt?! Mich meine eigenen Entscheidungen darüber treffen lassen?!“
„Wo willst du hin?!“ wollte er wissen, als sie einfach Richtung des kleinen Flurs in seiner Wohnung ging.
„Ich schlaf die nächsten Tage im Gästezimmer. Ich will dein blödes Gesicht nicht sehen, Baka!“ Um diese Aussage zu unterstreichen, knallte sie noch laut mit der Tür dieses Zimmers…




Mal wieder eine herrliche Misere, in die sich unser Han'yō da manövrierte. Was das wohl noch für Veränderungen nach sich ziehen könnte?
Bis nächste Woche zum Lesen^.<
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