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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18 / Het
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
26.02.2021
39
158.852
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08.01.2021 4.210
 
31.Kapitel: Wen Himiko in die Finger bekommt





Kagome fühlte sich unwohl dabei, als sie auf dem Weg zu Himiko war. Aber was hatte sie für eine Wahl? Die Daiyōkai stand auch in ihrer beruflichen Hierarchie über ihr. Vor allem, da sie die Stiftung leitete, für die sie arbeitete. Sicherlich würde sie sie rauswerfen können. Und sie liebte ihren Job. Ihren Job hier, bei der Mirai. Wo auch ihre Freunde waren.

Sie klopfte kurz an der dunkelbraunen Holztür und wartete, hörte aber nichts. Weshalb sie einfach eintrat. Und der Daiyōkai fiel auch gleich die selbstbewusste Körperhaltung ihrer jungen Gegenüber auf.
„Sicherlich ergaben sich Fragen für dich.“ begann sie zunächst entgegenkommend. Sah sie doch an den Augen der Menschenfrau, dass diese etwas mit sich herumtrug.
Kagome hatte eine nahezu schlaflose Nacht hinter sich. Vieles ging ihr im Kopf rum. Aber sie hatte auch InuYasha nicht erreichen können. Sie schrieb ihm eine Nachricht und sprach ihm ebenfalls auf die Mailbox. Aber bis jetzt kam noch keine Antwort.
„Ihr erwähntet gestern Begriffe wie Instinkte und Rudel, im Zusammenhang mit InuYasha. Dass Eure Welt, die der Yōkai, Regeln hat. Ich möchte gerne alles darüber wissen.“ Kagome trieben viele Fragen um. Sie wusste gar nicht genau, nach was sie zuerst fragen sollte. Also wollte sie von Himiko einfach alles wissen, was InuYasha ihr bis jetzt verschwieg.

Diese lächelte kurz, wenn auch gewohnt kühl.
Was zu ihrem kühlen Outfit passte.
Ein weißes Kostüm, mit knielangem Rock. Dazu eine hellblaue Bluse mit silbrig glänzendem Muster. Dasselbe Hellblau hatten auch ihre spitz zulaufenden, glänzenden und geschlossenen High-Heel-Pumps mit Pfennigabsätzen.
Sie erhob sich aus ihrem Bürostuhl.

„Ich werde dir alles erklären, was du wissen willst. Aber du wirst mich begleiten.“
„Wohin?“ fragend sah sie Himiko an.
„Wie du gestern erwähntest, bin ich einer der drei Direktoren. Zudem leite ich auch die Stiftung. In dieser Position ist es meine Aufgabe, sicher zu stellen, dass alles zum Wohl unseres Unternehmens geschieht.“
Kagome nickte und folgte der Daiyōkai.
„Du wirst nun unsere Auditoren kennen lernen.“ Kagome horchte auf. „Für dich wird es eher ein Wiedersehen.“
Als Himiko die Tür zum großen Konferenzraum öffnete, in dem sie vor einigen Wochen auch schon auf Bokusenō traf, weiteten sich ihre Augen, als sie die drei alten Männer vor sich sah.
„Ah, Kagome, lange nicht gesehen.“ Seinen Zopf, den er damals hochgebunden trug, trug er nun im Nacken zusammengebunden. Tōtōsai trug einen dunkelgrünen Anzug und ein schwarzes Hemd. Dessen obere Knöpfe jedoch offen waren und das etwas geknittert und unordentlich wirkte. An seinem Revers erkannte sie seinen Hammer, den er damals immer bei sich hatte, in miniaturisierter Form. Wo er ihn wie einen Anstecker trug. „Die Zeit tat dir wahrlich gut, Kagome.“ ließ sein Kompliment sie auch leicht erröten.
„Tōtōsai ist, neben seiner Position als einer unserer Auditoren, auch der CTO der Mirai Corporation.“ erklärte ihr Himiko kurz und kühl.
„Kein Wunder, dass InuYasha-sama Euer Zusammentreffen kaum erwarten konnte.“ Als ob er gleich seinen Rüssel in ihren Arm stecken wollte, griff Myōga nach ihrem Handgelenk und strich mit seinen Fingern darüber. Nur, dass er keinen Rüssel mehr hatte. Wie auch Jaken, reichte er der jungen Frau lediglich bis zur Hüfte. Statt vier Armen, hatte er nur zwei. Er trug ein grasgrünes Hemd zu seinem dunklen grauen Anzug. An dessen Revers sie einen kleinen kristallinen Anstecker erkannte. Der aussah wie ein Floh.
„Und selbst ohne meine angeborenen Fähigkeiten glaube ich zu erkennen, dass sich auch ihre Kräfte, im Vergleich zu damals, steigerten.“ Der alte Saya fuhr sich mit seinen Händen durch seinen Bart. Er trug einen weißen Anzug, mit weißem Hemd und weißer Weste. Seine Haare waren kürzer als damals, schulterlang. Aber am unteren Ende zusammengebunden. Genauso wie sein Bart vorne.
Was Kagome auffiel, war die kleine braune Krawattennadel, die er an seiner weißen Krawatte trug. Die wie die Scheide Sō'unga's aussah.

„Ihr wolltet die Berichte sehen.“ riss Himiko's ruhige und kalte Stimme sie aus ihren Gedanken. „Ich schickte sie euch vorhin.“
Jeder der drei Männer setzte sich jeweils an sein Notebook, die auf dem Konferenztisch standen. An dessen Kopfende sich Himiko setzte.
Während Kagome, unschlüssig, und noch sichtlich verwirrt durch das Wiedersehen mit den drei Weggefährten ihres verstorbenen, künftigen Schwiegervaters, in der Tür stand.
„Komm ruhig zu mir, Kagome.“ kam das Angebot von der Daiyōkai, ohne, dass diese sie ansah. Zögerlich nickte Kagome und folgte diesem Angebot. Wobei sie auch einen Überblick über die ganzen Zahlen und Diagramme bekam, als diese von den Notebooks der zwei Yōkai und dem Geist in Menschengestalt, auf einen großen Bildschirm geworfen wurden, welcher sich an der Wand im hinteren Bereich des Konferenzraumes befand.
Und sie musste zugeben, dass sich ihr davon ziemlich der Kopf drehte und sie nichts davon verstand. Aber noch etwas anderes ging ihr in diesem herum.
„Unsere pharmakologische Forschungsabteilung bat vor kurzem um die Aufstockung der Mittel. Sie würden sich gerne an der Forschung zu neuen Antibiotika beteiligen. Jetzt, da weltweit nur noch acht Pharmakonzerne an solchen forschen. Und ergänzend dazu, bitten sie auch um Mittel zu Zwecken der weiteren Erforschung des Nutzens und der Anwendung von Phagen.“
„Sie werden sich bis ins nächste Quartal zu dulden haben. Ich will erst die aktuellen Zahlen sehen.“
„Beschäftigt Euch etwas, Kagome-sama?“ unterbrach Myōga den geschäftlichen Dialog zwischen den drei Auditoren und Himiko. Welche mit einem kalten und strengen Blick zu Kagome sah, was diese aber nicht bemerkte, als Myōga sie aus ihren Gedanken riss.
Sie wollte gerade etwas sagen, als auch schon Himiko dies für sie übernahm.
„Der Junge erachtete es nicht für nötig, die Frau, die er gedenkt nach menschlichem Ritus zu seiner Gefährtin zu machen, über unsere Regeln aufzuklären.“
Nun sahen die drei Herren sie überrascht an, was Kagome doch recht unangenehm war.
„Also werde ich das heute, im Laufe des Tages, noch übernehmen.“ Sie seufzte, wirkte aber eher von dieser Tatsache gelangweilt...

„Eigentlich soll Kōga-kun mich überall hinbegleiten.“ merkte Kagome unsicher an, als sie mit Himiko in deren Limousine fuhr, an deren Steuer ihr Fahrer saß, der wohl auch ihr Personenschutz war. Auch wenn Kagome nicht wusste, wozu diese Frau jemanden benötigte.
„Der Wolf richtet sich nach InuYasha's Anweisungen. Da mein Rang, auch in der Firma, sich über dem InuYasha's befindet, hat er meinen Anweisungen Folge zu leisten.“
Kagome nickte einfach. Mit der Daiyōkai allein zu sein, war alles andere als angenehm. Sie wusste nach wie vor nicht, was es war, was Himiko ausstrahlte, worauf ihr Reiryoku reagierte. Aber alles in ihr war permanent angespannt und wachsam. Auch wenn dafür schon Himiko's natürliche Ausstrahlung reichte. Sie war zugleich erhaben und elegant, kühl, aber auch autoritär.
Weshalb es ihr auch schwerfiel, sich in die weichen Sitze der Mercedes S-Klasse, in der sogar Kissen lagen, zurückzulehnen und sich zu entspannen.
„Wo soll ich mit meinen Erklärungen beginnen?“ durchbrach ihre Sitznachbarin die Stille der Luxuslimousine, die keinerlei Geräusche nach innen lies und ruhig auf der Straße lag.
„Ihr sprecht immer wieder von Rängen, Instinkten und Rudel. Ihr sagtet mir, die Markierung wäre ein Ritual, wie bei uns Menschen die Hochzeit. Dass ich damit quasi....InuYasha's Besitz wäre. Und erwähntet, dass ich mir über die Familie klar sein sollte, in die ich einheiraten werde.“
„Wir Yōkai mögen vielleicht weiter und höher entwickelt sein als ihr Menschen, aber dennoch wohnt uns allen unsere animalische Seite inne. Sowohl Yōkai als auch Han'yō.“ Mit einem kurzen, wie kalten Blick sah sie zu ihrer Nebensitzerin, die zu verbergen versuchte, dass sie dabei kurz zusammenzuckte. „Diese animalische Seite wird von Instinkten getrieben, wenngleich wir unsere doch wesentlich besser zu kontrollieren wissen als ihr Menschen.“ Ein verachtendes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Diese Instinkte betreffen unser Verhalten in Bezug auf Revier, Rudel, Paarung und andere Lebensbereiche. Wir Yōkai leben nach sehr strikten Regeln. Die es, zur Wahrung des Friedens, einzuhalten gilt. Regeln, die sich aus jahrtausendealten Handlungen und Riten entwickelten.“
„Und in Bezug auf InuYasha?“
„Nun, durch das dämonische Blut in seinen Adern, ist er genauso an unsere Welt und Regeln gebunden, wie alle anderen Yōkai auch. Bei Han'yō wie ihm besteht nur zusätzlich die Besonderheit, dass er durch sein Menschenblut, auch deren Regeln und Gerichtsbarkeit untersteht.“
„Wie äußern sich....seine Instinkte?“
„Das kommt auf den Lebensbereich an, den sie betreffen. Vor 500 Jahren hätte ich dieses Dorf, in dem er damals lebte, als sein Revier bezeichnet. Und alles, was sich in näherem Umfeld um dieses befand. Yōkai ist es untersagt, das Revier eines anderen widerrechtlich zu betreten, es damit zu verletzen. Weshalb dies dann immer zu einem Kampf kommt. Wobei derjenige, dem das Revier gehört, dieses verteidigt. Wird er besiegt, gehört es seinem Gegner. Und natürlich ist ein Yōkai stets bestrebt, der Alpha seines Reviers zu sein. Er wird dann andere Männchen in diesem akzeptieren. Solange er sich gewiss sein kann, dass von diesen keine Gefahr für seine Stellung von ihnen ausgeht oder sie gar einen nützlichen Beitrag einbringen. So wie damals der Hōshi und der medizinisch versierte Han'yō, die InuYasha in seinem Revier duldete.“
Kagome nickte einfach und überlegte kurz.
„Dann wäre sein Rudel...“
„Innerhalb seines Reviers bildet dessen Besitzer, der Alpha, immer ein Rudel um sich, in eurem Fall waren es der Hōshi, die Taijiya mit ihrer Nekomata und der kleine Kitsune. Sowie die alte Miko, die das Dorf bis zu ihrem Ableben führte.“
„Und ich bin dann...für InuYasha...“ Bei ihrer Vermutung färbten sich ihre Wangen rot. Und sie war sich nicht sicher, ob sie die Antwort von Himiko hören wollte, als sie ihr vielsagendes Lächeln sah.
„InuYasha wählte dich zum Alphaweibchen, seinem Alphaweibchen. Sowohl seines Rudels als auch seines Reviers. Damit bist du für ihn die einzige würdige Partnerin, mit der sich sein innerer Yōkai paaren möchte.“
Bei diesen Worten raste ihr Herz und trotz der laufenden Klimaanlage in der Luxuslimousine, war ihr ganz warm.
„Sein innerer Yōkai?“
„Du kennst seine dämonische Seite, wie mir mein Sohn erzählte.“
Kagome nickte, das waren nie angenehme Erinnerungen.
„Du sollst auch InuYasha's Vater gesehen haben.“ wieder nickte die junge Frau. „Sein Vater war der stärkste aller lebenden Daiyōkai. Dementsprechend verfügt auch InuYasha, für einen Han'yō, über unglaubliche Stärke und eine dementsprechend starke, dämonische Seite. In Situationen, die seine natürlichen Instinkte ansprechen, wie seinen Überlebensinstinkt, wenn er verletzt ist oder...“ vielsagend schien sie Kagome zu mustern. Und irgendwie löste dieser Blick bei dieser den Reflex aus, sich bedecken zu wollen. „...während des Paarungsaktes...“ wieder stolperte ihr Herz kurz und spürte sie in sich aufsteigende Hitze. „...gerät sein Yōkaiblut in Wallung, versucht seine dämonische, seine animalische Seite, diese Instinkte auch zufrieden zu stellen. Dazu gehört auch, wenn sich ein Yōkai an eine Partnerin bindet, diese als seine Gefährtin zu markieren. Er kann gar nicht anders. Es liegt in seiner Natur. Um jedem anderen Männchen zu verstehen zu geben, dass dies seine Gefährtin ist und welchem Clan sie somit auch angehört. InuYasha ist ein Han'yō. Ob er es akzeptiert oder nicht, besitzt er dämonische Anlagen. Diese dämonische Seite in ihm unterliegt denselben Instinkten, wie jeder andere Yōkai. Diese Instinkte betreffen auch seine Paarung und seine Gefährtin.“
„Und was bedeutet es....“ Kagome sah auf ihre Finger, die sich in ihren Rock krallten. Ihre Wangen glühten schon fast. „...das Alphaweibchen zu sein?“
„Ein Yōkai akzeptiert keine anderen Männchen in der Nähe seiner Partnerin, seiner Gefährtin, seines Weibchens. Solange sie eine Bedrohung für ihn darstellen. Für sein Privileg, sich allein mit seiner idealen Partnerin paaren zu können. Der Hōshi, der Kitsune und der große Han'yō, sowie die Männer des Dorfes, stellten diese Gefahr wohl nicht für ihn dar. Der Hōshi verfügte wohl schon über sein eigenes Weibchen und der Kitsune sah in dir wohl seine Ziehmutter. Deine Beziehung zu dem Han'yō war wohl von Beginn an lediglich freundschaftlichen Ursprungs. Etwas anderes war es sicher bei dem Wolf.“
Als Kagome zu ihrer Sitznachbarin sah, sah sie deren Blick, mit dem diese sie ansah. Kalt aber auch interessiert und ein wenig belustigt. Sie wollte wohl ihre Reaktion in Erfahrung bringen.
„Bei dem es sich um einen anderen Alpha handelte, mit eigenem Rudel und eigenem Revier. Kein Yōkai von schwacher Konstitution und Abstammung. Wenn man sein reines Blut und die Größe seines Reviers und Rudels bedenkt, ist es lediglich InuYasha's Abstammung, die ihn, in unserer Hierarchie, über den Wolf stellt. Der zudem ernsthaftes Interesse an einer Paarung mit dir signalisierte. InuYasha's Instinkte hatten keine Wahl, als den Wolf als Konkurrenten und Bedrohung zu erkennen. Genauso wie dieses schwache Menschlein, wenn auch von adliger Abstammung, dessen Nachfahre noch Interesse an dir zeigte. Auch nach menschlichen Gesichtspunkten ein Konkurrent für InuYasha. Der dir nur ein einfaches Dorfleben hätte bieten können. Noch heute muss es für InuYasha eine wahre Qual und Herausforderung darstellen, dich in der Obhut des Wolfes zu lassen.“
Nun machte InuYasha's ständige Eifersucht so viel mehr Sinn für sie. Er konnte einfach nicht anders. Selbst wenn er gewollt hätte. Nicht, dass sie glaubte, dass er jemals anders gewollt hatte. Aber auch das, was er sagte, als sie nach ihrer ersten Ausstellung miteinander schliefen, ergab nun viel mehr Sinn für sie.


>>Und als ob auch nur einer dieser Knilche einer Frau wie dir angemessen gewesen wäre. Du spielst doch in einer ganz anderen Liga<<


Neben seinen Worten erinnerte sie sich nun auch wieder an dieses Grinsen, das sie an diesem Abend bei ihm sah. Dieses breite, siegessichere Grinsen. Das war es also. Selbst in seiner menschlichen Gestalt. Es war das Privileg, was sie ihm an diesem Abend, nach so langer Zeit, zugestand. Mit ihr, seiner auserwählten Partnerin, seinem Alphaweibchen, zu schlafen.
„Und um was handelt es sich bei der von Euch erwähnten Bindung?“
„Die instinktiv gesteuerte Entscheidung eines Yōkai für eine bestimmte Partnerin. Die nur für ihn bestimmt sein soll. Eine solche Bindung gibt es für gewöhnlich nur einmal für einen Yōkai.“
„Wo fahren wir eigentlich hin?“ wollte Kagome die ihr unheimliche Ruhe, die einen Moment lang zwischen ihnen entstand, durchbrechen und das Thema auf etwas anderes, neutraleres, leichteres lenken.
„Zu einem Termin, um eine Charity-Veranstaltung zu organisieren. Immerhin liegt auch die Stiftung in meinem Verantwortungsbereich.“ Himiko sah dabei in ihren Terminkalender, der wie ein A4-großes Buch, aufgeschlagen auf ihrem Schoß lag und in dem sie blätterte. „Kagome.“ sprach sie sie deutlich an, was diese kurz aufschrecken ließ.
„Hai?“
„Dir wurde sicherlich gesagt, dass du, auf lange Sicht, InuYasha mit der Stiftung entlasten sollst. Doch du solltest wissen, dass sich InuYasha selbst, einen Teil der Stiftung, genauer deinen Arbeitsbereich, in seinen Aufgabenbereich übernahm. Wohl deshalb, damit er dich in die Mirai integrieren kann. Doch da sich dies in meinem Aufgabengebiet befindet, bin ich dein direkter Ansprechpartner, besitze ich dir gegenüber Weisungsbefugnis und werden wir beruflich miteinander zu tun haben. Langfristig ist vorgesehen, auch durch deine Heirat mit InuYasha, dich ebenfalls zu einem Gesicht unserer Firma aufzubauen.“
„InuYasha will das nicht. Er will mich-“
„Ich weiß.“ fasste sie sich kurz und ihr Ton war direkt und kompromisslos. „Der Junge ist so naiv zu glauben, er könnte dich aus allem heraushalten. Auch, wenn du seine Frau sein wirst. Aber in deiner Position als leitende Angestellte, leitende Archäologin und Historikerin, die für unsere Stiftung arbeitet, als Frau einer der Direktoren, wird dir dies nicht möglich sein. Du wirst unsere Stiftung repräsentieren, damit auch unser Unternehmen. Bei Terminen wie dem jetzt.“
Die S-Klasse hielt ruckartig an.
„Also solltest du dich auch so zu präsentieren wissen. Auch wenn er dich nicht zu seiner Gefährtin machte, repräsentierst du auch nach menschlichen Maßstäben dieses Unternehmen und deinen Mann. Als seine Partnerin an seiner Seite. Diesen Status trägst du sowohl nach außen als auch nach innen. Spätestens dann, wenn Taishō an deiner Bürotür steht. In deiner Position sollten die Angestellten wissen, dass du über ihnen stehst. Nicht, dass du ihre Freundin bist. Du wirst die zukünftige Frau einer der Direktoren der Mirai Corporation. Du bist keine Oberschülerin und keine Studentin mehr. Du solltest dich auch so kleiden.“
Himiko ließ ihre Tür von ihrem Chauffeur öffnen und stieg aus. Und lies eine sichtlich perplexe Kagome zurück.
Sie trug eine weiße hochgeschlossene, aber ärmellose Bluse. Einen dunkelgrünen, weiß karierten Faltenrock, der ihr um die Oberschenkel fiel. Und ihre dunkelbraunen Keilpumps.

Doch damit kam sie sich sofort ziemlich underdressed vor, als sie die Location des Termins betrat, zudem sie Himiko begleitete.
Sie bemerkte gar nicht, dass sie nach Toranomon fuhren. Einem Geschäftsviertel im Bezirk Minato. Als sie aus der Luxuslimousine ausstieg, sah sie das Ōkura Shūkokan vor sich. Das erste private Kunstmuseum, das es in Japan gab.
Gebaut im Stil der klassischen chinesischen Architektur, betrat man es durch eine gläserne Tür, die in eine steinerne Fassade eingefasst waren. Die Wände darüber waren weiß, die Säulen rot, das Dach grün. Schon dieses Gebäude wirkte auf Kagome beeindruckend. Doch dann deutete Himiko ihr, ihr zu folgen. Über das Gelände des Museums gingen sie zum Hotel Okura Tokyo, dem Luxushotel, welches sich auf dem Gelände befand.
„Du solltest etwas über dieses Hotel wissen.“ sprach Himiko es an, ohne die Menschenfrau, die hinter ihr herlief, dabei anzusehen. „Es befindet sich in der Nähe der amerikanischen Botschaft und beherbergte sämtliche Präsidenten seit Nixon. Sowie zahlreiche andere Staatsoberhäupter. Es war Schauplatz zahlreicher internationaler Gipfeltreffen. Bevor ein Teil abgerissen wurde, um neu bebaut zu werden, war die Bar dort ein beliebter Treffpunkt zahlreicher Diplomaten.“
Kagome nickte nur. All das überstieg sowieso ihr Vorstellungsvermögen von dem, was sie gleich erwartete.
Umso größer wurden ihre Augen, als sie die Lobby des Luxushotels betraten.

Eine riesige Halle mit hellen, sandgelben Wänden und hellem Holz. Ein heller Teppich, der in der ganzen Lobby auslag, auch auf der dreistufigen Treppe und der dem Raum nicht nur eine gewisse Ruhe verlieh, sondern auch die leisen Geräusche der Umgebung schluckte. Hell leuchtende Lampen hingen von den Decken. Es war eine Symbiose aus Moderne und traditionellem.

„Treffen wir uns hier mit jemandem?“ fragte Kagome flüsternd, nahezu gehaucht und tonlos. Während sie Himiko folgte sah sie zu den anderen Gästen in der Lobby. Geschäftsleute, die sich so leise unterhielten, dass man kaum etwas hörte. Alles hier lief unglaublich ruhig, gediegen und formell ab.
„Ich reservierte für heute einen Ihrer privaten Räume für ein Geschäftstreffen.“ sprach Himiko den jungen Rezeptionisten an, ohne auf Kagome's Frage einzugehen. „Taishō.“
Himiko sah ihn dabei direkt und kalt an, präzise wie ein Skalpell. Neigte dabei leicht ihren Kopf nach vorne, lächelte kalt.
Der junge Mann sah in seinen Computer, nickte und brachte sie auch sogleich zu einem der reservierten privaten Räume.

Ein traditionell eingerichteter Raum mit Tatami, einem Tokonoma, in dem ein Blumenarrangement stand, neben dem ein Kakemono an der Wand hing. Man betrat diesen Raum über einen hölzernen Engawa, der vor einer Glasfassade entlangführte. Hinter der eine künstliche Felswand zu dekorativen Zwecken gebaut war.
Die Decke des Raumes war aus hellem Holz. In der Mitte stand ein langer, traditionell niedriger Tatamitisch aus dunklem Holz. Um ihn herum standen acht, jeweils vier auf einer Seite, traditionelle Zaisu-Boden-Stühle auf die man sich kniend setzte und die eine Rückenlehne hatten. An jedem Platz war bereits eingedeckt.
Himiko deutete ihr an, sich neben sie zu setzen.

„Weißt du, Kagome, jedes Restaurant in diesem Hotel verfügt über ein bestimmtes Menü, das seit Generationen zubereitet wird. Den Fisch, den du hier essen kannst, bereiten sie einem nach Wunsch nur mit bestimmten Gewürzen zu.“ Kagome nickte nur. All das hier erschlug sie geradezu. „Probiertest du schon einmal Wagyū?“
„Hai, bei einer...Verabredung mit InuYasha, gab er mir die Möglichkeit, es zu probieren.“
„Wäre nicht bereits ein Hotel für eure Hochzeit ausgewählt, würde dieses hier doch eine gute Wahl sein.“
Kagome wollte gerade dagegen protestieren, als sie sah, mit wem sie sich hier trafen. Und auch, wenn es Jahre her war, erinnerte sie sich nur zu gut an die Yōkai, die sie damals entführten, und die nun in einer menschlichen Gestalt unter diesen lebten.
„Die Panther...“ kam es ihr leise über die Lippen und erntete dafür einen harschen Blick ihrer Sitznachbarin.
„Wir reden unsere Geschäftspartner nie so direkt und zudem herabwürdigend an, merk dir das.“ zischte sie ihr zu. „Zudem sind sie eigentlich Katzen. Leopardenkatzen, genauer.“

Auch wenn ihre Haare nun dunkel- und ihre Augen ungewöhnlich dunkelbraun, schon fast schwarz waren, sie eine schwarze Stoffhose mit Bügelfalte zu dem schwarzen Top unter ihrem gelblichen Blazer trug, erkannte Kagome die Frau vor sich. Die ihre Haare, die ihr damals wild abstanden, nun ähnlich kurz wie ihre Freundin Yuka trug. Auch ohne ihre spitzen Reißzähne, wirkte ihr Lächeln wie das einer verschlagenen Katze.
Vor allem aber, war es ihr rotes Halstuch, das sie nun, ordentlich in ihre Bluse eingesteckt, um ihren Hals trug, was sie verriet.
„Wir sahen uns lange nicht, Karan.“ Kagome saß aufrecht, mit geradem Rücken und sah selbstbewusst zu der Yōkai, deren Kraft aus dem Feuer kam.
Sie ignorierte Himiko's missbilligenden Blick.
„So sieht man sich also wieder, nach so langer Zeit, Miko.“ Die Yōkai in Menschengestalt setzte sich dieser auch gegenüber. „Wie kommt es, dass sie Euch begleitet, Himiko?“
„Sie ist der neueste Zuwachs unseres Clans.“ erklärte diese kühl und beobachtete dabei das Minenspiel zwischen der Menschenfrau und der Yōkai in Menschengestalt. „Sie wird demnächst InuYasha's menschliche Gefährtin.“
„Ich nehme doch an, dass wir auch einen Platz auf Eurer gut gefüllten Gästeliste haben werden.“
„Gewiss.“
„Und ich nehme richtig an, wenn ich dem Gedanken nachgehe, dass sie Euch begleitet, weil Ihr sie zu Eurer Nachfolge ausbilden wollt?“ Kagome horchte auf, sah überrascht zu ihrer Sitznachbarin. Die ihre Gegenüber jedoch nur spöttisch anlächelte.
„Sie ist doch noch recht jung für eine solche Verantwortung.“
„Zum jetzigen Zeitpunkt, gewiss. Aber mit der richtigen Mentorin kann eine beeindruckende Frau aus ihr werden.“ wissend sah Karan zu Kagome. Der diese wie eine völlig andere Yōkai vorkam als vor 500 Jahren. Sie schien nun mehr wie Tōran zu sein. Aber auch bei den Katzen schienen die letzten Jahrhunderte wohl Veränderungen bewirkt zu haben. „Sie wäre keine schlechte Wahl. Sie kennt unsere Welt gut.“
„Noch nicht gut genug.“
„Ihr werdet sie sicherlich alles lehren, was sie zu wissen braucht.“
„Irgendwann sollte ich mich ja auch auf den Posten einer Vorsitzenden zurückziehen können.“ Sie lächelte wissend. „Aber ich dachte nicht, dass ihr euch zu kennen scheint.“
„Wir hatten einst eine kleine Begegnung.“
„Sie entführten mich. Wegen meiner Juwelensplitter, um ihren Anführer wieder zu beleben.“ Nun sah Himiko zu der Menschenfrau neben sich und wie diese trotzig ihre katzenhafte Gegenüber ansah, um dann zu lächeln. „Aber es ist nun so lange her und sie erkannten ihren Irrtum damals schnell.“ wissend lächelte nun Kagome der Yōkai in Menschengestalt zu. „Ich denke nicht, das dies noch länger zwischen uns stehen sollte. Zumal es damals Euer Sohn war...“ Kagome sah zu Himiko. „...der ihren Anführer besiegte und ihnen ihr Leben zurückgab.“ Sie sah wieder zu Karan...

„Nun, dann einigen wir uns darauf, dass der Empfang des Events im Museum stattfinden wird.“ begann Karan.
„Die weiteren Feierlichkeiten werden dann ins Hotel verlagert.“ führte Himiko aus.
Kagome saß all die Stunden neben ihr, hatte so Teil an der Organisation der Charity-Veranstaltung. Zwischendurch brachte man ihnen Essen. Absolut hochwertiges Essen, auf den Wunsch eines jeden der Drei abgestimmt. Und Kagome ging nicht aus dem Kopf, was Himiko und Karan vorhin vor ihr besprachen. War es wirklich Himiko's Absicht, dass sie irgendwann...
Es war schon dunkel, als sie, nach allen Absprachen, das Hotel verließen. In der S-Klasse wies Himiko ihren Chauffeur an, Kagome nach Hause zu fahren.

„Es ist wirklich von Vorteil, dass du Karan und die anderen bereits kennst.“ Himiko sah sie dabei nicht an, sondern nach vorn.
Kagome nickte.
„Aber wieso traf sich Karan mit uns? Tōran ist doch die Älteste der Vier.“
„Sie befindet sich auf derselben Konferenz, an der auch Sesshōmaru und InuYasha teilnehmen. Tōran gründete damals eine Holding, die die Firmen ihrer Geschwister hält. Karan leitet eine Handelsfirma, die sich auf den Handel zwischen China und Japan spezialisierte, mittlerweile, wenn auch mit Schwerpunkt in Asien, globalen Handel betreibt. Shunran leitet Asiens international erfolgreichstes Modelabel. Ihr Bruder Shūran leitet eine international agierende Sicherheitsfirma.“
Kagome sah auf ihr Smartphone. Dass sie noch immer nichts vom Han'yō hörte...
„Kagome.“ riss sie sie aus ihren Gedanken und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf sich.
„Hai?“ Als sie zu ihrer Sitznachbarin sah, ihren kalten und gnadenlosen Blick, spürte sie sofort, wie ihre Sinne wieder reagierten und ihr Körper sich anspannte.
„Greif mir nie wieder vor!“
„Nani?“ wieder hielt die S-Klasse ruckartig. Durch die tief dunkel getönten Scheiben erkannte sie, dass sie vor InuYasha's und ihrem Wohnhaus standen.
„Du wirst mich die nächsten Tage noch zu einigen Terminen begleiten. Und da wirst du dich an die Hierarchie halten.“
„Hierarchie?“
„Morgen werde ich dir alle Hintergründe zu der Familie, dem Clan, deren Teil du wirst, vermitteln.“
Kagome's Tür öffnete sich. Himiko's Chauffeur hielt ihr die Hand hin, bot ihr Hilfe beim Aussteigen an. Die Kagome mehr verwirrt, als wirklich benötigt, annahm.
Als sie sich noch einmal umdrehte, ehe sie das Wohnhaus betrat, sah sie nur noch, wie die S-Klasse wegfuhr und sich immer weiter entfernte, kleiner wurde….




Dann kann man wohl auf eine Menge Familiengeschichte und Erzählungen über Hierarchien gespannt sein.
Bis nächste Woche zum Lesen^.<
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