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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18 / Het
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
26.02.2021
39
158.852
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01.01.2021 3.979
 
30.Kapitel: Gefährtin?





Der Tag begann damit, dass Kagome am Morgen vor dem Spiegel im Badezimmer stand und sich überlegte, wie sie die rote Stelle an ihrem Hals verdecken sollte, die eher langsam heilte. Langsamer als die blauen Flecken an ihrem Körper, von denen die meisten bereits verschwunden und die restlichen kaum noch sichtbar waren.

Da sie ihre Haare heute zu einem hohen Ponytail gebunden trug, musste sie sich etwas einfallen lassen. Doch der Geistesblitz kam ihr spontan. Sie ging an die Kommode, in die ihre Sachen in die leeren Fächer zogen, die InuYasha nicht brauchte.
In einem davon befand sich ein rotes Tuch, mit dem sie viele Erinnerungen verband und das sie sich nun als Halstuch um diesen band. Und farblich passte es zu ihrem grünen schulterfreien Oberteil mit den dunkelgrünen Schleifen an den Trägern, die sich an ihren Oberarmen befand. Und der hellen beigefarbenen Hotpants. Beides aus dünnem und leichtem Stoff, den man im Sommer im aufgeheizten Tōkyō tragen konnte.
An der Wohnungstür schlüpfte sie nur noch schnell in ihre dunkelbraunen Keilpumps und schnappte sich ihren gelben Rucksack, bevor sie mit ihrem Dienstwagen zur Arbeit fuhr...

InuYasha war schon früher aufgestanden und lange vor ihr los, da er heute viele wichtige Termine hatte. Aber das störte sie auch nicht. Sie fuhren eh nie gemeinsam zur Arbeit. Es sollte einfach noch keiner aus der normalen Belegschaft wissen.
Verwundert sah sie auf den kleinen Mann, der anscheinend vor ihrem Büro auf sie zu warten schien.
Mit seinem Kopf reichte er ihr gerade mal bis zur Taille. Er hatte einen recht runden Kopf und kleine, enganliegende Ohren, dafür große Augen. Er trug ein hellgrünes Hemd und eine dunkelgrüne Fliege zu seinem kleinen dunkelbraunen Anzug. In dessen Brusttasche ein weißes Einstecktuch steckte. Und neben seinem Kragen fiel ihr ein kleiner Anstecker auf, der aussah wie ein miniaturisierter Nintōjō.
Trotz der menschlichen Hautfarbe und der sonstigen menschlich wirkenden Erscheinung, könnte sie schwören, dass....
„Jaken?“ Sie sah ihn fragend an, blinzelte dabei kurz ein paar Mal hintereinander.
„Da bist du ja endlich, Menschenfrau.“
„Dir auch einen guten Morgen und ein fröhliches Wiedersehen.“ nahm sie seine Beleidigung nicht wirklich ernst und schloss lächelnd die Tür zu ihrem Büro auf, stellte ihren Rucksack in dieses.
„Ich bekam den Auftrag, dich zu Gobodō-sama zu bringen.“
Verwundert sah sie ihn an...

Sie folgte dem kleinen menschlich aussehenden Kröterich. Auch aus Neugier. Was würde Sesshōmaru's Mutter nur von ihr wollen?
Jaken klopfte zögerlich und zaghaft an der dunklen Holztür. Und obwohl sie von drinnen keine Aufforderung hörten, öffnete er die Tür nach einem kurzen Moment und sie folgte ihm einfach.
Und sie sah, dass ihr Büro, dem ihres Sohnes, in nichts nachstand.
Ein großer rechteckiger Raum. Mit hellen und kalten, cremefarbenen Wänden. Ein heller Teppich, der sämtliche Geräusche zu schlucken schien, dem Raum so eine gewisse Stille gab. Spots in der Decke, über der anscheinend sogar noch eine gläserne Zwischendecke eingebaut war.
Von ihrem Schreibtisch aus, konnte sie direkt über Tōkyō sehen. Hatte aber auch noch links von sich zwei Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichten. Welche mit dünnen und weißen, lichtdurchlässigen, aber blickdichten Vorhängen verhangen waren.
In den Ecken der Fenster hingen noch dickere und schwerere Vorhänge in einem dunklen Beige, die man über die weißen Vorhänge ziehen konnte.
Auch sie saß an einem großen und dunklen Holzschreibtisch, welcher nahezu poliert wirkte. Hinter ihr stand ebenfalls eine große und breite Schrankwand aus edel aussehendem Holz. In der sie einige Bücher, aber auch viele Bilder sah. Ausschließlich von wichtig aussehenden Veranstaltungen und mit international wichtigen Personen.
In zwei Ecken ihres Büros standen hüfthohe grüne Topfpflanzen. Und auch vor ihrem Schreibtisch standen zwei Stühle. Vor den großen Panoramafenstern stand zudem ein runder Glastisch und um diesen herum vier Stühle, die bequem aussahen, mit schwarzem Leder ausgekleidet waren und sich anscheinend auch zurücklehnen ließen.
Auch in ihrem Büro musste Kagome den Reflex unterdrücken, sich mit ihren Händen über ihre Oberarme zu reiben.

„Du kannst dich nun entfernen, shō-Yōkai.“ richtete sie das Wort an Jaken, der nur kurz nickte und sich dann Richtung Tür wandte.
„Jaken.“ murmelte er noch seinen Namen und verschwand dann durch die Tür, auf die Kagome noch einen Moment sah. Dann wandte sie sich wieder der Frau zu, die ihr andeutete, sich auf einen der Stühle vor sich zu setzen, die ihr gegenüber saß. Auf eine erhabene Weise, mit geradem Rücken. Wie eine Königin auf ihrem Thron. In ihrem Stuhl zurückgelehnt und die sie ruhig und genau ansah. Mit ihren dunklen bernsteingrauen und kalten Augen.
Sesshōmaru's Mutter.
Ihre Anwesenheit war etwas völlig anderes als das mit InuYasha. Trotz ihres unterdrückten Yōki, von dem Kagome vermutete, dass es bei ihr der Stein war, den sie um den Hals trug, nahmen ihre Sinne etwas wahr, was die Frau vor ihr umgab, auf das sie ansprangen.
Aber auch ihre menschliche Intuition riet ihr zur höchsten Vorsicht.
Ihre Gegenüber lächelte kalt.
Auch heute trug sie ihre Haare wieder zu einem hohen, streng gebundenen und ordentlichen Undone-Zopf, der ihr bis zu ihren Schultern reichte, und lagen ihr ihre zwei langen Strähnen vorne über diesen. Sie trug ein kühles hellblaues Kostüm mit knielangem Rock. Unter ihrem Blazer eine weiße Bluse, auf der sie ein hellblaues Muster erkannte und dazu, spitz zulaufende Stilettos mit kleinen Pfennigabsätzen, dünnen Riemchen, in dunklem pink und die an der Ferse offen waren.
„Ihr wolltet mich sehen?“ Kagome verbeugte sich. Sie wollte ihr, mit dem ihr gebührenden Respekt, gegenübertreten. In dem Vertrauen darauf, diesen erwidert zu bekommen.
Immerhin schien auch ihr Sohn....mittlerweile mehr in ihr zu sehen als nur die schwache menschliche Frau an der Seite seines Halbbruders. Nahm sie zumindest an.
„Du scheinst mir wirklich nicht gerade dumm zu sein.“ Sie legte ihren Kopf schief. Und dabei einen Finger an ihre Wange, den anderen an ihren Kiefer. Wenn sie einen ansah, kam es einem so vor, als würde sie jede Regung beobachten, jedes Muskelzucken. Um dann blitzschnell zuzuschlagen.
Kagome fühlte sich unwohl. Wie zur Sezierung vorbereitet. Als wäre sie ein argloses Beutetier, das nicht wusste, dass es sich im Visier eines eiskalten Raubtieres befand.
Doch sie versuchte, es ihr nicht zu zeigen, wie sie fühlte. Keine Angst zu zeigen.
„Wie ich hörte, beabsichtigen InuYasha und du den menschlichen Bund einzugehen.“
„Hai.“ antwortete sie nur kurz. Sie wusste, dass Sesshōmaru diese Art der Kommunikation bevorzugte. Von irgendwem musste er das ja haben. „Aber wir wissen noch nicht genau, wie alles ablaufen soll. Nur-“
„Das wird euch auch nicht weiter tangieren.“
„Nani?“ Kagome sah ihre Gegenüber irritiert an.
InuYasha sagte ihr, sie sei magisch sehr begabt. Dass diese Magie ein Teil der Technik war, mit der alle ihre wahre Gestalt verbargen. War es das....was ihre Sinne spürten?
„Eure Verbindung, nach dem Ritus deiner Spezies, wird in diesem Hotel geschlossen.“ Sie legte Kagome eine Übersicht über das Angebot auf ihrem Schreibtisch vor. „Die Menüauswahl und die Gästeliste sind bereits festgelegt.“ Kagome besah sich auch die Übersicht der einzelnen Speisen und die Gästeliste. Die nahezu kein Ende zu nehmen schien und auf der sie keinen einzigen Namen kannte. „Im Laufe des Tages erhalten die Floristen noch Anweisungen bezüglich der Arrangements. Noch diese Woche wird ein Schneider zu dir kommen und dir deine Gewänder für deine Vermählung übergeben. Es wird eine traditionelle Zeremonie stattfinden. Die Zeit, die euch, nach der Schließung eures Bundes, zugestanden wird, euren ehelichen Pflichten nachzukommen, werdet ihr im altehrwürdigen Schloss unseres Clans verbringen.“
Übergeben?
//Aber das hieße, sie wüsste....//
„Woher-“
„Wenn du dich den ganzen Tag durch unser Haus bewegst, denkst du nicht, dass unser System nicht dazu imstande wäre, die nötigen Abmessungen deines Körpers zu ermitteln?“
Kagome sah von den Unterlagen vor sich geradezu geschockt zu ihr auf. Noch immer lächelte sie sie kalt an.
„Aber ich verfüge bereits über ein Hochzeitskleid.“
„Nun, das wird dafür nicht von Relevanz sein.“ unverständlich sah sie Sesshōmaru's Mutter, Himiko, an. „Du scheinst mir überrascht zu sein. Ich ging davon aus, InuYasha klärte dich über meine Position auf.“
„Ihr bekleidet einen der drei Direktorenposten und leitet die Stiftung.“

Himiko seufzte. Eine Reaktion, die sie nie bei Sesshōmaru erlebte.
„Dieser törichte Junge.“ Sie lehnte sich wieder mehr nach vorne „Teilt bereits das Bett mit dir und klärt dich nicht über die zu Grunde liegenden Dinge auf, die seine Gefährtin wissen sollte.“
Kagome lief in diesem Moment ziemlich rot an. Ihr Herz stolperte ein paar Mal kurz.
//Woher...//
„Unser Yōki mag vielleicht unterdrückt sein, sodass unsere geschärften Sinne uns nicht mehr dienlich sind, aber wir haben dennoch Augen im Kopf, kleine Miko.“ wieder war es Kagome's Irritation, die ihr ins Gesicht geschrieben stand, die Himiko zu amüsieren schien.
„Über was klärte InuYasha mich nicht auf? Und wieso bin ich für alle InuYasha's Gefährtin?“ Auch Bokusenō sprach sie so an, als sie ihn kennen lernte.
„In unserer Welt gibt es Regeln.“
„In Eurer Welt...“ begann Kagome laut nachzudenken.
„Die Welt der Yōkai.“ Kagome nickte. „Sagte dir InuYasha das nicht, als er dich markierte?“
„InuYasha soll mich...markiert haben?“ Intuitiv wanderte ihre Hand zu ihrem Halstuch. Dorthin, wo es die rote Stelle an ihrem Hals verdecken sollte.
Kagome's Haltung nahm eine instinktive Abwehrhaltung an, spannte sich an, als die Daiyōkai sich erhob und langsamen Schrittes auf sie zukam. Sie dabei nicht aus den Augen lies. Fast schon so, als würde sie ein Forschungsobjekt interessiert ansehen, oder ihre Beute fixieren.
Als sie ganz dicht vor ihr stand und ihre Hand ob, reagierte Kagome's Körper instinktiv, wollte eine Barriere aufbauen und sie abweisen. Doch dann spürte sie auch die starke Magie, die von der Frau vor ihr, oder vielmehr, von deren Anhänger ihrer Perlenkette ausging, und wie diese ihre Barriere kurzum überwand und sich ihre Finger an ihr Halstuch legten.
Davon, dass es ihr gelang, Kagome's Barriere zu überwinden, war diese so perplex, dass ihre Konzentration auch gleich nachließ und damit auch ihre Barriere.
Himiko's Lippen verzogen sich zu einem kleinen und kalten Lächeln, als sie auf Kagome's freigelegten Hals und die rote Stelle an diesem sah, die langsam zu verschwinden schien.
Kagome konnte dieses nicht interpretieren. Aber an dem nur kurzen Aufblitzen in den Augen ihrer Gegenüber, welches nur für den Bruchteil einer Sekunde auftrat, ahnte sie, dass sie etwas zu stören schien, ehe sie ihre Fassade wieder richtete.
„Dieses törichte kleine Halbblut.“ Auch jetzt schien sie wieder etwas zu amüsieren. „Er scheint doch cleverer zu sein, als wir es ihm zutrauten.“ Sie brachte einen Schritt Distanz zwischen sich und die junge Miko.
„Wagt es nicht noch einmal, InuYasha so zu bezeichnen!“ Kagome musste sich zwingen, sich und ihr Temperament zu kontrollieren. War an dieses doch auch ihr Reiryoku gebunden, das sie zum ersten Mal seit Jahren, wieder so stark durch ihre Adern fließen spürte.
Was Himiko ebenfalls nicht entging.
„Und was soll das überhaupt sein, diese Markierung?“
„InuYasha's Markierung würde dich als seine Gefährtin kennzeichnen. Eine Ehefrau, wie ihr Menschen das nennt.“
„Also entspricht die Markierung einer Eheschließung.“ fasste Kagome zusammen, wenn auch mehr für sich selbst.
„Ein gängiges Ritual während des Paarungsaktes. Was in der Natur jedes Yōkai, und Individuen mit dämonischem Blut, liegt. Den Partner beim Akt zu markieren, ist ein Instinkt. Damit jeder andere Yōkai, gleich welcher Art, weiß, wessen Partner und welchem Clan jemand zugehörig ist.“
„Dann...kennzeichnet mich die Markierung als InuYasha's Besitz?“
„Wenn du es so zu bezeichnen gedenkst.“
„Also das ist doch wirklich...“ kam kurz Kagome's Temperament an die Oberfläche. Ihre Finger krallten sich in ihre Hotpants und sie presste ihre Zähne aufeinander, war sichtlich aufgebracht.
„Ist ein Ehering bei euch Menschen etwas anderes? Als ein Symbol, das lediglich dazu dient, ein Weibchen seinem Partner zugehörig zu zeigen?“
„Und um mich als seine Gefährtin zu markieren...“ wieder ging ihre Hand intuitiv zu ihrem Hals. „...muss er mich....beißen?“ fragend sah sie zu Himiko.
„Du scheinst doch etwas zu wissen.“
„Wenn InuYasha....nicht menschlich ist, spüre ich immer seine Reißzähne an meinem Hals. Er kratzt mit diesen dann immer an dieser Stelle, weshalb sie sich auch rötet. Aber es tut nie weh. Er ist vorsichtig dabei, mich nicht zu verletzen.“
Die Daiyōkai legte ihren Kopf leicht schief, fokussierte dabei die rote Stelle an Kagome's Hals und schien zu überlegen.
„Wie mir scheint, befand ich InuYasha's Maß an Intelligenz und Vorausdenken wohl als zu hoch. Wenn er sich wohl an dich gebunden zu haben scheint, dir aber nicht einmal erklärte, wie es in unserer Welt abläuft.“ Sie ließ sich wieder in ihren Bürostuhl sinken. „Aber der Han'yō schafft es noch, mich zu faszinieren. Ich nahm nie an, er wäre in der Lage, sich zu kontrollieren. Vor allem nicht...in einer solchen Situation. Dabei handelt es um seine natürlichen Instinkte, die seines inneren Yōkai.“ wieder lächelte sie kalt, schien amüsiert. „In diesem Moment müsste alles in ihm darauf drängen, dich als seine Gefährtin, als Sein, zu markieren, dass er dem zu widerstehen zu können scheint. Vor allem, da kein gewöhnliches Blut durch seine Adern fließt. Sondern das seines Vaters, des mächtigsten Daiyōkai, der je existierte. Aber vermutlich ist auch das etwas, was deine Kräfte bewirken. Sesshōmaru erzählte mir bereits davon, dass du die einzige Person bist, die InuYasha's aufgebrachtes Blut zu beruhigen weiß, wenn er wütet.“

„Woher...“ Noch immer fühlte sich Kagome's Gesicht warm an.
„Seit ihr aus InuYasha's kleinem Unterschlupf zurück seid, bedenkst du die Auswahl deiner Garderobe anders als zuvor. Deine Bewegungen änderten sich, weil du bestrebt bist, Schmerzen zu vermeiden. Schmerzen, wie sie nur aufgrund eindeutiger Anzeichen eines intensiven Paarungsaktes auftreten. Du törichtes Mädchen teiltest das Bett mit ihm, während sein dämonisches Blut durch seine Adern floss.“ kehrte sie zu ihrer Erklärung um ihr Wissen, dass Kagome und InuYasha miteinander schliefen, zurück. „Dafür ist dein menschlicher Körper nicht geschaffen. Aber ich bin geneigt zuzugeben, dass es mich neugierig macht, wie dein Reiryoku keinen Anstoß an seinem Yōki zu nehmen scheint und ihr beide, auf diese Weise, miteinander interagieren zu wissen scheint. Ebenso, dass du noch über deine Kräfte verfügst, wo diese doch eigentlich nur Jungfrauen vorbehalten bleiben. Du bist eine erstaunliche Gefährtin für InuYasha und ein Gewinn für unsere Blutlinie. Da du es schaffst, selbst eine so lebenserfahrene Daiyōkai wie mich, noch zu faszinieren. Das Verlangen eines Yōkai zu stillen ist nicht dasselbe, wie bei deiner Spezies. Tatsächlich bin ich geneigt einzugestehen, überrascht davon zu sein, dass du ihm das zu geben scheinst. Wenn auch offensichtlich nicht, ohne gänzlich Schaden davon zu tragen.“
Kagome benötigte einen Moment, um das Erfahrene zu verarbeiten. Wieso verschwieg ihr InuYasha diese Dinge? Und verschwieg er ihr dann noch andere Informationen, die sie kennen sollte?
Vielleicht sollte sie mal bei Ayame und Kōga nach den Regeln der Yōkai nachfragen.

„Ich muss zugeben, dass mich InuYasha's Verhalten verwirrt.“ riss Himiko sie aus ihren Gedanken. Fragend sah sie zu ihr. „Nach so vielen Jahren, die er hinter sich brachte, lediglich mit der Absicht, mit dir an seiner Seite zu leben, erwarteten wir, er markiere dich umgehend, um dich nicht ebenfalls sterben zu sehen. Wie es seinem, hauptsächlich aus Menschen bestehenden, Rudel erging.“
„Was meint Ihr?“
„Nun, wenn InuYasha dich als seine Gefährtin markieren würde, würde er damit auch sein Yōki in deinen Körper übertragen. Auch ein Teil seines Blutes. Welches dir eine ähnliche Lebensspanne wie deinem Gefährten ermöglichen würde.“
Kagome's Augen weiteten sich, als ihr Hirn die Bedeutung dieser Worte verarbeitete.
„Da er sich ja an dich gebunden zu haben scheint, würde dein frühzeitiges Ableben...“ Himiko senkte ihre Augenlider ein wenig. „...im Vergleich zu InuYasha's Lebensspanne, doch nur einen ungeheuren Schmerz für ihn bedeuten. Dich zu seiner Gefährtin zu machen, erwarteten wir, wäre doch dann seine oberste Priorität.“
//Ich könnte... So lange... Wie InuYasha....?//
„Die einzige Vermutung, deren logischer Schluss sich mir ergibt, wäre, dass er Bedenken eurer gegensätzlichen Naturen hegt. Was die Akzeptanz deines Körpers, seines Yōki angeht. Aber du scheinst mir doch ein besonderer Mensch, eine ungewöhnliche Miko, zu sein. Eure gegensätzlichen Naturen scheinen sich ja nicht zu beeinträchtigen.“
Kagome wusste gar nichts mehr. In ihrem Kopf herrschte gähnende Leere. Sie verstand nicht, warum InuYasha ihnen beiden diese Möglichkeit, die Ewigkeit miteinander verbringen zu können, vorenthielt.
„Wie dem auch sei. Welche Beweggründe der Junge auch immer hat.“ lenkte Himiko Kagome's Aufmerksamkeit wieder auf sich. „Du kannst dich nun entfernen. Es tangiert mich auch nicht, ob du deinen begonnenen Arbeitstag beabsichtigst zu beenden oder in eure gemeinsame Wohnstätte zurückzukehren. Morgen früh jedoch wird dein erster Weg dich in mein Büro führen. Damit ich dir weiter den Ablauf zur Schließung eures Bundes erklären kann.“
„Nein.“ kam es entschlossen von Kagome.
Himiko senkte ihre Lider noch einen Millimeter weiter, sah Kagome präzise an.
„Das ist InuYasha's und meine Hochzeit. Weder lasse ich mir meine Hochzeit noch mein Leben von Euch vorschreiben!“
„Sei still.“
„InuYasha hatte sicherlich einen Grund, mich nicht zu seiner Gefährtin zu machen.“ widersetzte sie sich der Daiyōkai. Auch wenn ihr der Grund noch nicht klar war. „Aber sicherlich habt Ihr mir damit auch nichts vorzuschreiben, was mein Leben angeht.“
Himiko verzog ihre Lippen nur zu einem kleinen und kalten Lächeln. Sie neigte ihren Kopf leicht schief und schloss kurz ihre Augen, während sie lächelte.
„Du irrst.“ ehe sie Kagome dann wieder direkt ansah. „Du solltest dir bewusst darüber sein, in welche Familie du gedenkst, einzuheiraten. Welche Verpflichtungen damit für dich einhergehen. Auch was deine beruflichen Aufgaben angeht. Da diese zudem im Bereich der Stiftung liegen, derer ich vorsitze und welche ich leite, stehe ich ebenfalls über dir. Dein Aufgabenbereich unterliegt ganz meiner Verantwortung. In dieser Funktion ist es meine Aufgabe, für eine makellose Präsentation unseres Unternehmens und der Stiftung nach außen zu sorgen. Um dir das verständlich näher zu bringen, wirst du dich morgen früh in meinem Büro einfinden.“
Kagome sah an ihrem Blick, dass ihre Gegenüber keine Widersprüche duldete.
„Du kannst nun gehen.“
In dem Moment öffnete sich ihre Bürotür, die Jaken offenbar öffnete. Also stand er wohl die ganze Zeit davor und bekam alles mit. Sicherlich würde also auch Sesshōmaru über alles informiert werden, was gesprochen wurde.
Und InuYasha....war die Hierarchie im Unternehmen auch bewusst...

Bis auf Kirara, war die Wohnung groß und leer, als sie dort ankam. Himiko hatte recht. Sie war momentan zu aufgewühlt, um arbeiten zu können.
Kagome ließ sich kraftlos auf das rote Sofa sinken. Dieser kurze Vormittag bei Himiko, schien ihr alle Energie abgesaugt zu haben. Vor allem kreisten ihre Gedanken um die Markierung.
Intuitiv legte sie ihre Finger an ihren Hals, nachdem sie das Tuch von diesem entfernte. Wieso erzählte InuYasha ihr nicht ein einziges Mal davon? Es gab so viele Gelegenheiten. Schon seit Längerem fragte sie sich, warum er dort immer mit seinen Zähnen entlang kratzte. Doch sie hielt es für eine Vorliebe von ihm und konnte auch nicht leugnen, dass es ihr gefiel.
Eine angenehme Gänsehaut überzog ihren Körper, bei dem Gedanken daran, ihm nah zu sein.
Sie liebte ihn und doch hätte sie es sich nie vorstellen können, dass es so schön mit ihm wäre.
Doch ihr Lächeln und das Rot von ihren Wangen verschwanden und sie ließ ihre Hand sinken, als sie wieder daran dachte, dass sie...im Vergleich zu ihm, nur kurz auf diesem Planeten weilen würde.
Zum ersten Mal, seit er wieder bei ihr war und obwohl er ihr so viel über sein Leben erzählte, wurde sie sich ihrer Sterblichkeit, im Vergleich zu ihm, bewusst.
InuYasha war nun schon über 700 Jahre alt. Sie 25. Er war ein Han'yō und sie ein Mensch. Sie erinnerte sich an seine Erzählungen davon, wie es ihm ging, dass er miterlebte, wie ihre Freunde alterten und starben. Und dass er Generationen ihrer Nachkommen quasi an sich vorbeiziehen sah. Während für ihn die Zeit ja quasi stillstand.


>>Nichts in meinem Leben hat wirklich Bestand. Alle Menschen, die mir wichtig waren, sind von dieser Welt verschwunden. Leben nur noch in meinen Erinnerungen. All die Jahre gab es nur einen Grund für mich, all diese Verluste, die Wirren der Geschichte, zu überstehen und diesen wirklich grässlichen Papierkram und diese nervenden gesellschaftlichen Verpflichtungen zu ertragen. Weil ich dich wieder sehen wollte, Kagome. Du bist mein Zuhause, Kagome<<


Seine Worte hallten in ihren Gedanken wider, als sie sich an diese erinnerte.
Kagome zog ihre Knie an sich, legte ihre Arme um diese und ihr Kinn auf ihnen ab. Ihre Finger krallten sich dabei in ihre Haut und sie biss sich auf ihre Unterlippe, ihr Körper begann leicht zu zittern.
Wieso...tat InuYasha nicht das Einzige, was es möglich machte, dass sie für immer bei ihm bleiben konnte? Um wie viele hunderte von Jahren würde er sie überleben, wenn sie erst mal...
Kagome schüttelte mit ihrem Kopf und stand ruckartig auf. Sie wollte nicht daran denken.
Ihr Blick fiel auf ihr Verlobungsfoto, was ihr gegenüber auf dem Kamin stand. Als sie näher ran ging, spiegelte sich ihr Gesicht im Glas. Und sie sah sich auf dem Foto, das sie in ihre Hände nahm, wie sie glücklich in seinen Armen lag, lächelte. Den Ring sah man gleich als erstes, wenn man auf das Bild von ihnen beiden schaute.
Kagome wurde flau im Magen, als sie daran dachte, dass dieses Foto nur einen kurzen Moment einfing.
Fotos fingen immer nur einen Moment ein. Froren die Zeit dieses Momentes ein. Konservierten ihn hinter Glas. Während die Zeit vor diesem weiterlief.
Als sie sich im Glas spiegelte, versuchte sie sich vorzustellen, wie sie in einigen Jahrzehnten aussehen würde. Mit Falten und den ersten grauen Haaren. Die immer mehr werden würden. Mit einem Körper, den InuYasha sicher nicht mehr so reizvoll finden würde, wie er es jetzt war.
Der krank und gebrechlich werden würde.
Wie es dann aussehen würde, stünde er neben einer alten und greisen Frau, die auf den ersten Blick alle für seine Großmutter halten würden.
Würde er sich das Foto auch noch ansehen, wenn er....allein sein würde? Würde er es sich dann noch ansehen können, oder vor Trauer an ihrem Tod zerbrechen? Wieso verhinderte er diesen nicht, wenn es in seiner Macht lag?
Ihre Tränen, die begannen, ihr über die Wangen zu laufen und auf das Glas zu tropfen, rissen sie aus ihren Gedanken.
Wieso wurde sich erst jetzt...ihrer Sterblichkeit bewusst?

Kagome begann, das erste Mal, seit sie bei ihm einzog, sich all die Fotos in seiner Wohnung genauer anzusehen. Es waren nicht Fotos von irgendwelchen Menschen. Wieso sollte er diese auch aufbewahren und sich in die Wohnung hängen?
Umso weiter sie den Fotos nach oben folgte, desto älter schienen sie zu werden. In der Zeit zurückzuführen. Und auch, wenn die Ähnlichkeit nicht immer so unglaublich frappierend war, wie bei Anzu und Amida, so erkannte Kagome doch in jedem dieser Menschen schnell die Nachfahren ihrer gemeinsamen Freunde. Die den Han'yō über die Jahrhunderte begleitet haben mussten. Und nun....alle in diesem Mausoleum lagen, was er für sie bauen ließ.
Das letzte Foto und zugleich das erste, nach einem langen Zeitsprung, der zwischen diesen lag, stand in seinem Schlafzimmer. Neben dem Kopfteil ihrer, zur Tür gerichteten, Bettseite.
Das Foto von ihnen beiden und ihren gemeinsamen Freunden.

Sie musste und wollte, brauchte, eine Antwort. Jetzt und sofort. Egal, wie beschäftigt er gerade im Büro war.
Kagome griff in ihre Hosentasche, holte ihr Smartphone raus und wollte ihn anrufen. Stoppte aber, als sie sah, dass sie einen verpassten Anruf von ihm hatte und eine Nachricht auf ihrer Mailbox.

´´Mist, dass ich dich gerade nicht erreiche.`` klang es in seinem typischen Tonfall aus dem Lautsprecher ihres Telefons. ´´Sesshōmaru und ich mussten zu einer spontanen Geschäftsreise ins Ausland aufbrechen. Schon wieder irgendeine blöde Konferenz. Bin in ein paar Tagen zurück.``




Himiko hat sie jetzt also in ihre Finger bekommen. Was das wohl noch für Geschichten und Veränderungen mit sich bringen wird?
Bis nächste Woche zum Lesen^.<
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