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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
15.01.2021
33
124.445
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23.10.2020 3.693
 
20.Kapitel: Distanz





Es war nicht nur Kagome, die unter der derzeitigen Situation litt. Wie damals zum Brunnen, ging InuYasha nun fast jeden Tag zu ihrem Büro. Wenn die Kollegen auf ihrer Etage gerade in der Pause oder nach dem Feierabend auf dem Weg nach Hause waren. Und auch, wenn es schmerzte, immer wieder ein verwaistes Büro vorzufinden, so beruhigte es ihn auch etwas, es aufzusuchen.
Wahrscheinlich, weil ihr Geruch noch in der Luft hing. Wenn er auch mit jedem Tag schwächer wurde.

´´Sie wird garantiert zurückkommen.`` riss ihn Anzu aus seinen Gedanken, die zuversichtlich lächelte. Sie schien auch gerade Feierabend zu haben und auf dem Weg zu ihrem Auto zu sein.
„Wieso sollte sie das?“
„Weil sie ihre Arbeit liebt? Weil sie die Firma liebt? Weil sie uns liebt?“ Ein warmherziges Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, auf die apricotfarbener Lipgloss aufgetragen war. „Weil sie dich-“
„Ihre Arbeit führte sie in eines der gefährlichsten Länder der Welt. Wegen ihrer Arbeit, die sie für diese Firma machen sollte, wurde sie entführt, eingesperrt, gefoltert. Wurde sie fast...“ InuYasha musste sich selbst auf die Unterlippe beißen, um nicht wieder rasend wütend zu werden. „Sie hätte getötet werden können.“
Anzu sah, wie er seine Finger anspannte. Hätte er Krallen, würde er jetzt tiefe Kratzer im Holz des Türrahmens ihres Büros hinterlassen. „Und ich konnte nichts für sie tun. Ich wusste nicht, wo sie war. Wie ich sie finden sollte. Ob sie überhaupt noch lebte. Ich lies zu, dass sie ging. Ich konnte sie nicht beschützen.“
„Weißt du, ich könnte mich auch schuldig fühlen.“
Fragend sah der Han'yō in Menschengestalt zu der jungen Personalvorständin.
„Es war dein Wunsch, Kagome-chan einzustellen. Niemand konnte dir das austreiben. Ich hätte es damals tun sollen. Und dir sagen, dass es keine gute Idee sein wird, wenn ihr beide hier arbeitet und dass das irgendwann schief gehen muss. Hätte ich sie nicht zum Gespräch eingeladen und ihre Einstellung nicht unterstützt, wäre sie nicht hier und es wäre ihr nicht passiert. Ayame-chan hätte ihr davon abraten können, Kōga genauso. Oder ihre Mutter. Niemand von uns hat daran schuld. Das haben nur diese Männer, die sie und Ayumi entführten.“
„Im Krankenhaus, in Mexiko, da... Sie stieß mich weg. Nachdem ich sie in den Arm nahm und sie beruhigen wollte.“
Anzu nickte. „Ich weiß, Kōga erzählte mir davon.“ Sie lehnte sich neben Kagome's Bürotür, die zwischen ihr und InuYasha war, an die Wand.
„Ich weiß, ich sollte das nicht auf mich beziehen. Aber... Ich hatte sie wieder, sie lebte.“ Sein Kopf senkte sich, sodass sein Pony einen Schatten über seine Augen legte. „Ich höre nichts mehr von ihr, seit wir wieder hier sind.“
„Ayame-chan und mir schreibt sie regelmäßig.“ Der Han'yō sah zu ihr. „Wir könnten es auch persönlich nehmen, dass sie uns gerade nicht sehen will. Nichts und niemanden, der mit der Mirai zu tun hat.“ Sie stieß sich von der Wand wieder ab. „Aber ist das nicht verständlich? Sie braucht etwas Abstand zu allem, was damit zu tun hat. Sie braucht Zeit, um es zu verarbeiten. Ihr Freund aus der Mittelschule riet ihr dazu, sich in einem vertrauten Umfeld aufzuhalten, das würde ihr gut tun. Und ihre Arbeit, die Firma und wir...sind doch noch recht neu in ihrem Leben.“
Anzu sah, dass es den Han'yō kränkte.
„Auch du bist, so gesehen, etwas Neues in ihrem Leben. Zumindest so, wie du jetzt bist, InuYasha. Dein Leben und was dazu gehört. Und ich kann mir denken, dass Kagome-chan dich dadurch auch schützen will.“
„Vor was bräuchte sie mich denn schon zu schützen?“ Sie sah ihm an, wie geschlaucht er sich fühlte.
„Sie weiß, dass es dich verletzt, ihr momentanes Verhalten. Das sah sie dir sicherlich an, als sie dich von sich stieß und deine Reaktion bemerkte. Würde es dir wirklich besser gehen als jetzt, wenn es die ganze Zeit so wäre?“ skeptisch hob sie eine Augenbraue.
Und der Schwarzhaarige, jung aussehende Magnat musste einsehen, dass seine Gegenüber wohl recht hatte. Als er ihr wissendes Lächeln sah, das ihren skeptischen Blick ablöste, war es auch für ihn so, als stünde Sango direkt vor ihm. Was seinem sowieso schon blutenden Herz nicht gerade half, aber die Schmerzen darin ein wenig lindern konnte.
„Du musst ihr nur noch etwas Zeit geben, InuYasha. Sie macht schon gute Fortschritte. Vor kurzem war sie mit ihren Freundinnen in der Stadt, shoppen. Um mal wieder raus zu kommen. Sie meinte, es lief gut. Auch ihre Termine beim Psychologen. Und ihr...ehemaliger Mitschüler, zu dem sie zu ihren Untersuchungen geht, meint wohl, dass ihre Verletzungen gut heilen würden. Du musst euch beiden...nur noch etwas Zeit geben.“
InuYasha nickte, Anzu ging Richtung Aufzug. Er musste tatsächlich kurz lächeln. Das erste Mal, seit er wieder in Japan war.
„Weißt du eigentlich, wie ähnlich du ihr bist?“
Anzu blieb vor dem Aufzug stehen, auf den sie wartete und lächelte. Ohne sich zu ihm umzudrehen. Weshalb InuYasha es auch nicht sah.
Dann trat sie in den Aufzug ein, als dieser seine Tür öffnete. Sie winkte ihm noch lächelnd, was er erwiderte, bevor sich die Tür des Aufzuges schloss...

Das Klingeln seiner Haustür schreckte ihn kurz auf, ehe er zu dieser ging und sie öffnete.
„Konnichiwa.“ begrüßte er seinen Gast und trat zur Seite, damit dieser eintreten konnte. Ihr Anruf hatte ihn verwundert, wie er ehrlich zugeben musste. Doch er war auch froh, sie zu sehen. Mit ihr reden zu können. Wie sonst sollte er etwas von Kagome hören? „Tee?“
Die Frau mittleren Alters lächelte, wie er es von ihr kannte. Mütterlich, warm. Wie er selbst es das letzte Mal vor über 700 Jahren sah.
„Du hast Tee gemacht?“ Er signalisierte ihr, dass sie sich ruhig an den Esstisch setzen konnte, was sein Gast auch tat. Stellte dann den Tee vor ihr hin und setzte sich ihr gegenüber.
„Jetzt kann ich mich wenigstens mal revanchieren, wenn auch nur ein bisschen.“ Immerhin lies sie ihn damals oft mit ihrer Familie zusammen essen, wenn er da war. Gestattete ihm sogar, bei ihnen zu baden. Auch wenn das keine gute Idee war.
„Nett hast du es hier.“ Sie sah sich in der modernen Wohnung um, die doch das genaue Gegenteil von der gemütlichen familiären Atmosphäre war, die in ihrem Haus existierte. „Kagome hatte recht.“ Bei der Erwähnung ihres Namens verkrampfte er sich kurz. „Dieser Stil passt zu dir.“ wissend lächelte sie und trank dann einen Schluck ihres Tees.
Er wollte gerade etwas sagen, als ein leises Miauen ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.
Neugierig musterte die kleine zweischwänzige Nekomata den unbekannten Gast in der Wohnung mit ihren roten Augen. Sie schnupperte und legte den Kopf schief.
„Du musst Kirara sein.“ Die unbekannte Frau hielt ihr die Hand hin und InuYasha beobachtete alles genau. Kirara war überraschend ruhig und zutraulich. Kurz zuckten ihre Ohren, als sie ihren Namen hörte.
Dann ging sie auf ihren gemeinsamen Gast zu und lies sich tatsächlich streicheln, schnurrte sogar ein wenig.
„Sie reagiert sonst nicht so auf Fremde.“
„Sie riecht wohl Kagome an mir.“ Wieder zuckte er kurz zusammen, als sie den Namen der jungen Schwarzhaarigen fallen lies. Sie hielt der kleinen Nekomata ihre Hand vor die Nase, an der sie noch mal schnupperte. „Außerdem hatten wir ja einen Kater, wie du dich vielleicht erinnerst.“ Sie schmunzelte kurz, er nickte nur. „Meine Tochter erzählte oft von dir, Kirara.“ Die kleine Nekomata horchte kurz auf, ihre Ohren zuckten. „Nett, dich mal kennen zu lernen.“ Angesprochene legte kurz ihren Kopf schief, sah die Frau vor sich einen Moment an und leckte ihr dann kurz über den Handrücken, ehe sie ihr um die Beine strich und dann zu ihrem Kratzbaum zurückging, um sich auf einer der felligen Flächen zusammen zu rollen.
InuYasha wusste nicht recht, wie er das Gespräch, das sie ihm telefonisch anbot, beginnen sollte.

„Es geht ihr gut.“ begann seine Gegenüber und trank noch einen Schluck ihres Tees.
„Vielleicht vor dem Hintergrund, was ihr passiert ist. Ihr und Ayumi.“ Er ballte seine Hände zusammen. Und schreckte kurz hoch, sah sie direkt an, als sie eine Hand auf seine legte, mütterlich.
„Wir wissen beide, dass keiner sie davon hätte abhalten können, zu gehen. Sie studierte Geschichte und Archäologie ja nicht nur deshalb, weil ihr ihr das Stipendium gabt. Sondern auch, weil es ihr wirklich am Herzen lag, zu ihr passte. Die Chance, ihrer Arbeit im Ausland nachzugehen, hätte sie sich niemals nehmen lassen. Egal, welche Situation vorher herrschte.“
Damit sprach sie etwas an, für das er sich am liebsten gleich noch mal schlagen würde. War doch diese Situation für ihn schuld daran, dass Sesshōmaru und Himiko ihr das Projekt in Mexiko gaben.
„Und dann noch, in einem kulturell und geschichtlich so aufregendem Gebiet. Kagome hätte das niemals abgelehnt.“
„Ich hätte es für sie ablehnen müssen.“
„Als ob du das gekonnt hättest.“ Ein liebevolles und wissendes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Ihr Kinn stützte sie auf ihre Hände, deren Finger sie ineinander verhakte. Stützte sich mit ihren Ellenbogen auf den Esstisch aus Echtholz. „Wir wissen beide, in was das geendet hätte.“ wissend zwinkerte sie ihm zu.
Und dieses Wissen verursachte ihm einen Knoten im Magen. Sein Blick richtete sich auf die Tischplatte. „Ich hätte mitgehen sollen. Dann hätte ich sie beschützen können.“
„Tu das nicht, InuYasha-kun. Du hast dir keinerlei Schuld zuzuweisen. Schuld sind die Menschen, die ihr und der armen Ayumi das antaten.“
„Eben vor diesen Männern hätte ich sie beschützen sollen.“
„Soweit ich weiß, waren die beiden nicht alleine. Du hast ihnen Bodyguards an die Seite gestellt. Soweit ich von Anzu weiß...“ InuYasha horchte auf, als seine Gegenüber den Namen seiner Personalvorständin so vertraut benutzte. „...ist dieser Kōga doch ein starker junger Mann. Einer der vollwertigen Yōkai, der schon damals euer Freund war. Der damals wohl auch gewisse Sympathien für meine Tochter hegte.“
Sie sah sehr genau, an seinem Blick, wie ihre Wortwahl etwas in dem Han'yō triggerte. „Dieser Winselwolf ist eine elende Nervensäge.“ bockig wie ein Kind, verschränkte er die Arme vor der Brust und wich ihrem Blick aus.
Was sie amüsiert lächeln lies. „Wenn er ihre Entführung nicht verhindern konnte, in seiner menschlichen Gestalt, wie hättest du es dann gekonnt?“ Sie nahm einen Schluck von ihrem Tee.
„Ich konnte Kagome damals auch in meiner menschlichen Form beschützen.“
„Davon erzählte sie mir. Auch, wie es ihr damit ging, dich vor ihren Augen in den Abgrund stürzen zu sehen. Was glaubst du wohl, wie wäre es ihr in ihrer Gefangenschaft gegangen, wenn sie gesehen hätte, wie du verletzt und angeschossen worden wärst? Wenn sie nicht gewusst hätte, ob du noch lebst und wie es dir geht. Glaubst du, sie hätte dann so lange durchgehalten?“
„Kagome ist der stärkste Mensch den ich kenne.“ Immerhin legte sich diese lebensmüde Frau damals mit seinem Halbbruder an. Kämpfte gegen Naraku, für den sie eine ernstzunehmende Gefahr darstellte.
„Erzählte sie dir jemals, wie sie die Zeit im Shikon no Tama überstand?“ InuYasha schüttelte nur mit dem Kopf. „Zuerst befand sie sich in einer Illusion, die das Juwel ihr vorgaukelte. Von einem normalen Leben als Oberschülerin. Ohne die Reisen zu dir und die Kämpfe. Aus der sie sich, durch die Erinnerung an dich, selbst befreite.“ InuYasha horchte auf. „Dann hatte sie Angst, uns alle nie wieder zu sehen. Vor allem dich. So sehr, dass sie dem Juwel fast erlegen wäre, einen Wunsch zu äußern. Doch als sie deine Stimme hörte...“ wieder lächelte sie wissend und er sah diesen Ausdruck in ihren Augen, den er nur von Kagome's Mutter kannte. „...da wusste sie, dass du sie finden würdest. Egal, wie lange es dauern würde. Du würdest nie aufhören, nach ihr zu suchen. Das wusste sie, weil du immer kamst, um sie zu finden. Und dieses Wissen, InuYasha-kun, gab ihr die Kraft, ihre Gefangenschaft zu überstehen. Weil sie wusste, dass du da draußen bist und sie finden würdest. Glaubst du, sie hätte diese Stärke gehabt, diese Sicherheit, da heraus zu kommen, wärst du an Kōga's Stelle vor ihren Augen niedergeschossen worden?“
„Ich fand sie aber nicht. Ich war nicht derjenige, der sie da raus holte und in Sicherheit brachte. Ich habe versagt, schon wieder. Ich lies sie wieder allein, wodurch sie wieder in Gefahr geriet.“
„Aber du hast doch alles versucht, oder nicht? Du hättest alles getan, was in deiner Macht stand, um sie zu finden und in Sicherheit zu bringen. Anzu erzählte mir auch, dass du sogar dieses viele Geld bezahlt hättest, hätte dich der Anruf nicht in dem Moment davon abgehalten.“
„Was hätte ich sonst tun sollen? Wir konnten sie nicht orten. Wir wussten nicht, wo sie war. Wir wussten nicht, wer sie hatte. Sesshōmaru wollte nicht bezahlen. Irgendwas musste ich tun, so klein die Chance auch war, sie wieder zu bekommen. Sie...lebend wieder zu sehen.“
„Ich erzählte es Kagome nie, aber ich bin mir sicher, dass du oft genug bei uns Mäuschen gespielt hast, um es zu wissen. Aber es gab viele Momente, wo ich mir Sorgen machte, sie gehen zu lassen. Sie war meine 15-jährige Tochter, die, statt sich über Schulprüfungen Gedanken zu machen und mit ihren Freundinnen ihre Jugend zu genießen, durch einen magischen Brunnen 500 Jahre in die Vergangenheit reiste, um dort gegen Yōkai zu kämpfen. Dann standest du noch auf der Matte. Und ich beobachtete euch lange. Sie musste mir an diesem Tag nicht weinend in die Arme fallen und mir sagen, dass sie sich in dich verliebt hat.“ InuYasha wurde hellhörig, sah sie aus großen Augen an. „Das sah ich ihr schon lange an. Aber ich lies sie immer wieder gehen und ich hätte sie für immer gehen lassen, weil ich wusste, dass sie dort nicht nur Freunde hat, sondern vor allem dich. Dass du oft genug dein Leben aufs Spiel gesetzt hast, um sie zu beschützen. Es gab einen Mann in ihrem Leben, dem sie so wichtig war, dass er für sie sterben würde. Was kann sich eine Mutter für ihr Kind, für ihre Tochter, denn mehr wünschen?“
Wieder trank sie kurz von ihrem Tee. Doch dann veränderte sich ihr Blick und er sah kleine Tränen in ihren Augen.
„Auch in diesen 3 Tagen, in denen der Brunnen damals verschwand, stand ich, muss ich eingestehen, das erste Mal in meinem Leben, wirkliche Todesangst um sie aus. Ich wusste nicht, was da vor sich ging, wo meine Tochter war. Doch dann hörten wir dich rufen. Wussten, dass du sie suchst. Du versprachst uns, sie zu finden und zurück zu bringen. Und in diesem Moment wusste ich, dass Kagome, egal wo sie gerade war, sicher war, weil du sie suchst. Ich hatte recht, du brachtest sie mir wieder zurück.“
„Ich...“ Er umfasste seinen Teebecher fester.
„Ich weiß. Momentan mag es schwer sein. Weil du sie nicht sehen kannst. Nicht weißt, wie es ihr geht. Deswegen fragte ich dich auch, ob ich kommen soll. Glaub mir ruhig, wenn ich dir versprechen kann, dass Kagome auch dieses Mal zu dir zurückkommen wird.“
„Das muss mir niemand versprechen.“ Nun sah sie ihn neugierig an und er musste kurz lächeln „Sie kam immer...wieder zu mir zurück.“
//Sie wird es auch dieses Mal//

Es gab genau zwei Gedanken, die dem Han'yō keine Ruhe ließen. Um zumindest erst mal die Antwort auf einen davon zu finden, suchte er am nächsten Tag das Büro des Sicherheitschefs der Mirai Corporation auf.
„Ich hoffe, du hast einen guten Grund, so früh am Morgen, hier einfach rein zu platzen, Inukoro. Wegen dir krieg ich irgendwann noch mal einen Herzinfarkt.“ konnte er in seiner menschlichen Gestalt ja immerhin weder Geruch noch Schritte frühzeitig wahrnehmen.
„Ich will etwas wissen.“ Der Han'yō in Menschengestalt lies die Bürotür des menschlich aussehenden Yōrōzoku ins Schloss fallen.
„Und da kommst du zu mir?“ fragend hob er eine Augenbraue.
„Du fandest Kagome.“ sofort hielt der Angesprochene inne. „Wie fandest du sie?“
„Ich war das nicht.“
„Sondern?“ Nun hob InuYasha skeptisch eine Augenbraue.
Kōga atmete einmal tief durch. Es fiel ihm nicht leicht, an diese Zeit zu denken. In der er zwischen Hoffen und Bangen schwebte, sie je wieder zu sehen, lebend vor allem.
„Als wir... Nachdem ich Ginta und Hakkaku ins Krankenhaus brachte und versuchte, dich zu erreichen, musste ich einfach mal kurz raus. Also ging ich vor die Tür. Nach einigen Momenten sprach mich ein Typ an. Er stellte sich mir als Ambrosio García Alvez vor.“
InuYasha horchte auf. Dann war das derselbe Typ, der ihn…
„Aus irgendwelchen Gründen, die er mir nicht nannte, wusste er von der Situation und wo sich Kagome befindet.“
InuYasha's Augen weiteten sich und etwas in ihnen blitzte kurz auf.
„Er brachte mich...zu seinem Trupp.“
„Was für ein Trupp?“ InuYasha hatte die Arme vor der Brust verschränkt, sah ihn fragend und skeptisch an.
„Ich weiß nicht, was das für eine Truppe war, ehrlich. Ich weiß nur, dass sie mexikanische Yōkai waren.“
„Mexikanische Yōkai?“ Seine Skepsis wurde größer.
„Frag mich nicht.“
Naja, wer sagte auch schon, dass es Yōkai nur in Japan gab? Dass nur diese überlebten? Allerdings kannte er keine Yōkai aus anderen Kulturkreisen und wusste absolut nicht, wie er sich mexikanische Yōkai vorstellen sollte.
„Bezeichne sie von mir aus als Söldner, Todesschwadron oder Manhunter. Auf jeden Fall wussten sie, wer die beiden hat und wo sie sind. Und sie hatten die klare Anweisung, dass sie mich dorthin bringen sollten, dass ich mitkommen sollte.“ Kōga verschränkte seine Arme hinter seinem Kopf, lehnte sich in seinem Bürostuhl nach hinten und legte seine Beine, überkreuzt, auf seinen Schreibtisch. „Es ist mir auch völlig egal, was das für Typen waren. Sie brachten mich zu den beiden Frauen. Dank ihnen konnten wir Kagome retten. In letzter Sekunde.“

InuYasha sah etwas in Kōga's Blick, das er so noch nie vorher bei dem Wolf sah. Er wusste, Kagome war ihm wichtig. Das sagte er ihm am Flughafen. Dass er für ihre Sicherheit durch die Hölle gehen und sterben würde.
Ersteres ging er.
In der Zeit, in der er nicht wusste, wo sie war.
Zweiteres wäre er fast.
„Hey, Wolf.“
„Hm?“
„Weißt du auch....warum sie ausgerechnet Kagome und Ayumi entführten?“
Kōga biss sich auf die Unterlippe, wich dem Blick des Han'yō aus.
„Tse, du wirst mich umbringen, wenn ich es dir erzähle.“ Seine Arme nun vor seinem Oberkörper verschränkt, wich er dem Blick des Han'yō aus.
„Ich bring dich jetzt sofort um, wenn du es mir nicht erzählst.“
„Reg dich aber nicht auf, wenn du es weißt, okay? Es ändert rein gar nichts. Das wäre auch so passiert, das konnte keiner voraussehen.“
„Verdammt, Kōga, sag es mir endlich!“
Noch einmal musste dieser kurz durchatmen. „Um eines vorweg zu nehmen. Kagome wollte nicht, dass ich dir davon erzähle. Weil du sonst durchgedreht wärst. Und du weißt...ich...kann ihr nicht wirklich etwas abschlagen.“ Ein leichtes Rot legte sich auf seine Wangen.
„Sag es mir, bevor ich dir noch deine Zähne ausschlage.“ InuYasha war sichtlich angefressen von dem, was sein wölfischer Gegenüber von sich gab.
„Einige Zeit, bevor...die Zwei entführt wurden, ungefähr zwei Wochen vorher, waren wir mit den beiden in einem Restaurant.“
Sofort zog der Han'yō eine Augenbraue nach oben. Die erste Wut begann in ihm zu kochen.
„Ich weiß, ich kenn deine Regeln. Die einzigen Orte, an denen sich Kagome länger aufhalten sollte, waren die Wohnanlage und die Ausgrabungsstelle. Aber sie war...unglücklich.“
InuYasha lies die Braue wieder sinken, sah ihn nun fragend und irritiert an.
„Sie hielt sich nur in der Anlage und an der Ausgrabungsstelle auf. Ihre anderen Kollegen sprachen eher mit Ayumi, als mit ihr. Weil wir ständig um sie herum waren. Sie hatten entweder Angst, sich ihr zu nähern oder dachten, sie würde sich für jemand Besseren halten. Es dauerte fast die ganze Zeit, die wir dort waren, bis das Eis zwischen ihnen brach und sie einen Draht zu diesen Leuten hatte. Das Restaurant war in direkter Blickreichweite zur Wohnanlage, nicht mal zehn Minuten entfernt.“
„Und was passierte da?“
„Als Kagome und Ayumi das Restaurant verließen, wurden sie kurz angerempelt. Von einem jungen Mann, ungefähr in ihrem Alter. Er wirkte unauffällig, trug Hemd und Hose.“
„Bei diesen Temperaturen?“
„Dass mir das spanisch hätte vorkommen sollen, weiß ich jetzt auch!“ schnauzte er seinen Chef und langjährigen Weggefährten an, ehe sich Kōga wieder fing.
InuYasha verzog sein Gesicht kein bisschen, als der Yōrōzoku kurz die Fassung verlor.
„Da ich den beiden sofort nachging, um ihnen nicht von der Seite zu weichen, bemerkte ich auch sofort, dass er beiden die Portemonnaies abnahm. Also folgte ich ihm auf die Herrentoilette. Wo er schon alles ausgebreitet hatte.“ Kōga fuhr sich mit einer Hand durch seinen Pony. „Ich weiß, im Nachhinein, hätte es mir sofort auffallen sollen. Auf dem Waschbecken lag auch...deine schwarze Kreditkarte.“
Und in diesem Moment überkam den Han'yō schon eine dunkle Vorahnung. Die Kōga auch kurz darauf bestätigen sollte.
„Ich nahm ihm alles ab, verpasste ihm noch ein paar und folgte den beiden, denen ich Ginta und Hakkaku hinterher schickte, damit sie natürlich nicht allein draußen sind. Nachdem dieser Typ...dieser Ambrosio, auf mich zukam und mir sagte, dass er alles weiß und mich zu Kagome bringen kann, da sagte er mir auch, weil ich mir dieselbe Frage stellte, dass seine Leute ein paar von den Kerlen....ein bisschen durch die Mangel nahmen. Sie sollten ebenfalls herausfinden, wie sie Kagome als Ziel ausmachen konnten. Und sie sagten ihnen-“
„Dass es an der Karte lag?“ unterbrach InuYasha ihn. Sein Pony legte einen Schatten über seine Augen, als er den Blick senkte. Seine Hände ballte er zu Fäusten, bis seine Knöchel weiß wurden.
„Der Typ, der den beiden die Portemonnaies klaute, arbeitete für diese Gang. Er sollte in der Gegend nach potentiellen Opfern Ausschau halten. Durch deine Karte, die Kagome bei sich hatte, hatten sie deinen Namen und suchten im Internet danach. So stießen sie auf die Artikel und Bilder, die die Presse ja zuvor von Kagome und dir veröffentlichte.“
InuYasha's Fingernägel gruben sich langsam in seine Handflächen.
„Sie wussten also...dass es bei euch viel zu hohlen gibt und dass sie dafür Kagome brauchen.“




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