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500 Years later...

GeschichteAllgemein / P18
Inu-Yasha Kagome
26.06.2020
22.01.2021
34
131.044
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25.09.2020 4.002
 
16.Kapitel: Ausgrabungen – Woche III





Mittlerweile waren die Ergebnisse der Datierung da.
Sak Tz'i' – weißer Hund – war über 3.000 Jahre alt. Und sie wussten jetzt auch, dass die Stadt um 750 vor Christus besiedelt und über eintausend Jahre besetzt wurde.
Es handelte sich keineswegs um das mächtigste der Maya-Königreiche, und seine Überreste waren im Vergleich mit anderen bescheiden. Die Bewohner des Königreichs kamen auch in die Stadt, um an zeremoniellen Ballspielen teilzunehmen. Und es gab ein Zentrum religiöser und politischer Aktivitäten.

„Vielleicht sollten wir uns auch mal auf der anderen Seite der Grenze, in Guatemala, weiter umsehen?“ fragte Kagome ihre Kollegen. Für die Mexikaner übersetzte Ayumi.
Kōga sprang sofort auf. „Vergiss es, Kagome. Das ist viel zu gefährlich. Es war immer nur Mexiko abgemacht.“
„Das ja auch schon enorm gefährlich ist, oder nicht?“ entgegnete sie ihm. „Aber ein Teil der Gegend hier liegt nun mal auf der anderen Seite.“
„InuYasha bringt mich um.“
Kagome rollte nur mit den Augen. „Der regt sich ja auch schon auf, wenn ich mal was anderes sehen will, als meine Wohnanlage und deren Pool. Ich kann dich, Ginta-kun und Hakkaku-kun, ja mittlerweile sogar im Billard abziehen.“
„Kagome, bitte.“ Er griff nach ihrem Handgelenk. „Ich kann das vor mir selbst nicht verantworten. Ich könnte es niemals verantworten oder damit leben, wenn dir etwas passiert.“
´´Wenn die hübsche Frau nach Guatemala will, sollte man ihr diesen Wunsch auch erfüllen.``

Eine Gruppe junger Männer trat aus dem dichten Wald hervor, der die Ausgrabungsstelle umgab. Ayumi übersetzte sofort jedes Wort für ihre Freundin und die drei anwesenden Yōrōzoku.
Und Kagome merkte an den ängstlichen Gesichtern ihrer mexikanischen Kollegen, dass die jungen Männer vor ihnen, die über und über tätowiert waren, auch im Gesicht, offensichtlich auch schwer bewaffnet, wie sie es sofort erkannte, nicht zu der Art Menschen gehörte, mit denen man Bekanntschaft machen wollte.
Kōga schob sie sofort hinter sich, Ginta trat vor Ayumi und auch Hakkaku spannte seinen Körper an.
„Wir werden uns um die kümmern.“ flüsterte Kōga der Schwarzhaarigen zu. „Du und Ayumi, ihr steigt in das Auto und fahrt einfach. Ihr dreht euch nicht um. Ihr haltet nicht an. Ihr fahrt einfach. Immer in Richtung Wohnanlage und schließt euch da ein.“
„Aber, Kōga-kun-“
„Keine Widerrede.“
„Wir können dann die Polizei rufen.“
„Die Hoffnung kann ich dir gleich nehmen. Die Polizei hier ist nicht unbedingt für ihre Unbestechlichkeit bekannt. Ihr meldet euch dann am besten gleich in der Botschaft.“
„Kōga-kun...“ Der drehte sich mit einem Lächeln zu Kagome um. Das und der Ausdruck seiner Augen, verrieten ihr, was er ihr nicht sagen wollte, aber was sie beide wussten.
„Ich komm klar, Kagome. Das ist mein Job. Deswegen bin ich hier, sind wir hier. Ich könnte nicht damit leben, wenn dir etwas passiert.“
Zwar verstanden ihre Gegenüber nicht, was sie sprachen. Aber an ihren Gesichtern sah man, dass sie ahnten, was die Fremden vorhatten.
Und schossen schon in der nächsten Sekunde.

Kōga und Ginta stießen Kagome und Ayumi augenblicklich von sich weg. Sodass die zwei Frauen ins Gras fielen. Als Kagome aufsah, sah sie, wie die drei Yōrōzoku, jedoch in ihrer Menschengestalt, auf die Männer vor sich losgingen und mit etlichen gezielten Tritten und Schlägen begannen.
„Fahrt endlich!“ rief Kōga ihnen noch zu. Und auch, wenn sie es auf keinen Fall wollte, schnappte sich Kagome die Hand ihrer Freundin und zerrte diese Richtung Auto.
Sie waren nur noch wenige Meter von diesem entfernt, in das auch die Amerikaner, die Kanadier und die Mexikaner sich retten wollten. Doch dann fielen wieder Schüsse.
//Sie wollen uns nicht töten!// erkannte Kagome, als die Schüsse nur ins Erdreich neben ihnen gingen. Was sie dennoch stoppte. Und dann sah sie auf die Reifen, die getroffen wurden.
Sie saßen fest!
„Rennt weg! Egal wohin!“ lautete Kōga's nächste Ansage.
Kagome wollte dem gerne folgen. Doch um sie herum herrschte Chaos.
Sie hörte Schüsse, aus automatischen Waffen. Sie sah, wie Kōga, Ginta und Hakkaku kämpften, um ihnen einen Vorsprung zu verschaffen, eine Fluchtmöglichkeit. Sie sah ihre Kollegen, die entweder tot im Gras lagen. Durchsiebt von den Kugeln. Oder schwer verletzt waren und versuchten, in diesem Zustand dem Chaos zu entkommen.
„Kagome!“ riss er sie aus ihrer Schockstarre. „Kagome, nein!“
Doch da wurden sowohl sie als auch Ayumi gepackt, ihnen die Arme verdreht.
Der Yōrōzoku wollte ihnen sofort zu Hilfe eilen, als er etwas heißes spürte, das in seinen Körper eindrang und in diesem Pingpong spielte. Ein unglaublicher Schmerz riss ihn zu Boden.
Zudem waren die Männer in der Überzahl, schwer bewaffnet.
„Kagome!“ rief er nach ihr, während sie sich wehrte, versuchte frei zu kommen.
Wieder traf ihn ein Schuss. Diesmal in den Rücken.
„Kōga-kun!“ Kagome liefen die heißen Tränen über ihre Wangen.
Ihr Herz raste, sie hatte Angst. Nicht weniger als die pure Angst stand ihr ins Gesicht geschrieben.
Auf ihre Netzhaut brannte sich ein, wie einige ihrer schwerverletzten Kollegen, die versuchten zu flüchten, von mehreren Männern festgehalten und ihnen bei lebendigem Leibe das Herz heraus geschnitten oder der Kopf abgetrennt wurde.
Ihr wurde schlecht und sie hätte sich übergeben, würde sie in diesem Moment nicht einen dumpfen Schlag auf ihrem Hinterkopf spüren und in eine tiefe Schwärze fallen.
In der Sekunde, bevor sie bewusstlos wurde, konnte sie nur noch einen Gedanken fassen, sah nur ein Gesicht vor ihrem inneren Auge.
//Hilf mir, InuYasha...//

´´Ey!`` drang es dumpf zu ihr durch. Es klang wie in weiter Entfernung. ´´Wake up!`` schrie man sie an.
Ein eiskalter Schwall Wasser riss sie aus ihrer Schwärze und sofort war sie hellwach, war ihr Körper hellwach und im Alarmzustand.
Sie fuhr geradezu aus ihrer Bewusstlosigkeit hoch. Sog scharf die Luft ein und atmete anschließend schnell, kurz und flach. Ihr Herz raste. Und das erste, was sie wahrnahm, war ein Raum, in dem sie sich befand. Ihre Atmung ging schnell und war flach. Als sie sich ruckartig bewegen und aufstehen wollte, spürte sie die Fesseln an ihren Hand- und Fußgelenken.
Alles schmerzte und dröhnte. Es fühlte sich wie ein riesiger Druck in ihrem Kopf an, der von hinten nach vorne strahlte. Langsam verzog sich ein schwarzer Schleier vor ihren Augen. Dennoch sah sie nur verschwommen und nahm die Stimmen, tiefe, männliche Stimmen, nur sehr gedämpft wahr. Sie sprachen Spanisch, das erkannte sie. Aber ihr Spanisch war lange nicht so gut...um auch nur irgendwas davon zu verstehen.
Kagome versuchte ein Gefühl für ihren Körper zu bekommen. Sie spürte einen rauen Betonboden unter sich. Auf dem ebenso rauer Sand oder Erde lag. Sie musste ein paar Mal blinzeln. Doch das Bild brauchte lange, um aufzuklaren.
Dann sah sie plötzlich ein paar Füße in Schuhen vor sich und sah auf.
Zu einem jungen Mann, der direkt vor ihr stand. Er schien kaum älter als sie zu sein und war überall tätowiert.
„Do you speak Spanish?“ verstand sie zwar, aber nur undeutlich.
„N-No.“ kam es ihr schwach über ihre Lippen.
„Do you speak English?“
„Yes...“ war es nahezu gehaucht. Ihr ganzer Körper fühlte sich vollkommen fertig an.
Der Mann vor ihr grinste, genauso wie die anderen Männer. Und sie wusste, auch mit ihren eingeschränkten Sinnen, dass sie hier in der Scheiße saß.
„You wanted to got to guatemala, right?“
„Yes.“ Das Nicken tat ihr weh.
„Welcome to guatemala.“ Kagome schreckte auf und sah aus dem kleinen, außen, vergitterten Fenster, vor dem innen ein schiefes Rollo hing, des Raumes, in den man sie sperrte. Überall sah sie nur Grün. Endloses Grün. Bis hoch zum Himmel und bis weit zum Horizont. Es war tropisch, feuchtwarm und sie hörte die Geräuschkulisse des Dschungels.
„I-I am....Kagome Higurashi. A japanese archaeologist.“ Und wie vom Blitz getroffen fiel ihr etwas auf. Hektisch und panisch sah sie sich um. „Where's my friend? The young woman? She is my interpreter.“
„We know that.“ Kagome sah ihn verwirrt und fragend an.
Ein anderer hielt ihr ein Smartphone vors Gesicht. Darauf eines der Fotos, das durch die Klatschpresse ging. Kagome's Augen weiteten sich.
Was für die Männer vor ihr eine Bestätigung für ihre folgende Feststellung war.
„You're that whore.“
Kagome riss ihre Augen auf. Vor diesen erschienen die Bilder, die sie zuletzt sah. Die sie mit gewaltiger Wucht überrollten.
Sie begann zu zittern, schnappte nach Luft und lies ihren Tränen einfach freien Lauf.
Die Frage, wie es Kōga ging, brauchte sie sich wohl erst gar nicht stellen. Sie hoffte nur, dass er zumindest am Leben war.
Alles, was sie bis jetzt im Magen hatte, verließ diesen auf einmal…

Ausgerechnet dieses Mal, als sein Telefon klingelte, war InuYasha gerade nicht in seinem Büro. Sesshōmaru wollte ihn in einem Meeting sehen.
Das denkbar schlechteste Timing für Kōga. Der ihn auf der anderen Seite des Pazifiks dringend erreichen wollte.
Sein Zopf völlig schief hängend, an einer Wand lehnend, sich die schmerzenden Rippen haltend, in völlig zerrissenen und dreckigen Klamotten, lehnte er in einem Krankenhaus an einer Wand und versuchte, den Han'yō zu erreichen.
//Jetzt geh verdammt noch mal endlich an dein Telefon, Inukoro!!//
´´Hier ist die Mailbox von-``
//Verdammte Scheiße, InuYasha!!//
Die Leute um ihn herum schreckten auf, als er das Mobiltelefon auf dem Boden des Krankenhausflures zerschmetterte.
Dann schlug er mit einer Faust gegen die Wand, lehnte mit der Stirn gegen diese und atmete kurz durch.
Als nächstes holte er Ginta's Smartphone aus seiner Hosentasche und versuchte es noch mal.
´´Hier ist die Mailbox von Taishō Yasha. Wenn Sie eine Nachricht für mich haben, sprechen Sie nach dem Signalton.`` Ein langgezogenes 'Piep' ertönte.
„Inuko-“ Kōga atmete einmal tief durch, fuhr sich mit einer Hand durch seinen Pony. „InuYasha, es ist eine riesengroße Scheiße passiert. An Kagome's Ausgrabungsstelle. Wir wurden überfallen.“

´´Glaub mir bitte, wenn ich dir sage, dass ich wirklich alles versuchte, was in meiner Macht stand, um sie zu beschützen. Kagome wurde entführt. Ayumi auch.``
Für InuYasha stand in diesem Moment die Zeit still, als er seine Mailbox abhörte. Was Kōga sonst noch sagte, in welchem Krankenhaus, in welcher Stadt, er und seine Freunde waren, wie es ihnen ging, das hörte er alles gar nicht. Vor seinem inneren Auge fror einfach alles ein.
Auch sein Körper, der zu keiner Regung fähig war.
Er lies sein Smartphone zu Boden fallen. Es rutschte ihm einfach aus der Hand, während er die Wand anstarrte. Sein Herz raste, aber sein Körper war wie versteinert. Er konnte ihn nicht bewegen. Es fühlte sich so an wie damals, als Hoshiyomi seinen Schatten und damit seinen Körper bannte. Zudem schien jegliche Luft aus seinen Lungen gepresst zu sein.
Sein Mund war trocken, doch er konnte nicht schlucken. Auch seine immer schneller werdende Atmung bemerkte er nicht. Er hatte nur das Gefühl, dass er ins Bodenlose fiel.
In seinem Kopf gab es nur Platz für den einen Gedanken.
//KAGOME...//
So schwach fühlte er sich nie zuvor, als er einfach nach vorn auf die Knie fiel, sich nur gerade so auf seinen Händen abstützen konnte. Geweitet und starr sahen seine Augen auf den Teppich, in den sich seine Finger krallten. Und langsam folgen dem einen, zentralen Gedanken, viele weitere.
Wo war sie?
Wer hatte sie?
Warum?
Würde er jemals etwas hören?
Würde er jemals etwas erfahren?
Würde sie eine der vielen, anonymen, tausenden Toten werden?
Würde man sie jemals finden?
Was....taten sie ihr an?
Jetzt gerade? In diesem Moment?
Gerade noch rechtzeitig bekam er seinen Abfalleimer zu fassen. Noch nie in seinem Leben musste er sich übergeben…

Wie viel Zeit war vergangen? Sie wusste es nicht.
Was sie wusste, war, dass sie allein war. Dass sie nicht wusste, wo Ayumi und was mit ihr passiert war. Ob sie lebte oder nicht. Ob Kōga und die anderen lebten, oder nicht. Und wenn ja, wie es ihnen ging. Und sie wusste auf jeden Fall, egal wie, dass InuYasha sicher schon informiert war.
Sie konnte sich seine Reaktion geradezu bildlich vorstellen. Und was sie auch sicher wusste, war, wie das hier seinen Ausgang finden würde. Immerhin sah sie ihre Gesichter.
Als sich plötzlich die Tür öffnete, schreckte sie hoch. Auch wenn sie das eigentlich schon gewöhnt sein sollte. Kamen die letzten Tage, von denen sie annahm, es waren Tage, doch immer wieder Männer zu ihr und drohten ihr mit dem Tod.
Doch ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie Ayumi sah, die von zwei Männern festgehalten wurde.
Ihre Hand- und Fußgelenke waren gefesselt. Über ihrem Mund klebte ein breites und silbrig glänzendes Klebeband.
Sie hatte Angst. Todesangst. Und weinte unerbittlich. Sie zitterte am ganzen Körper und schien auch schon einige Schläge kassiert zu haben, so, wie sie aussah.
„Your friend.“ stellte der Mann vor ihr nur fest. Kagome nickte.
Ein Fehler, wie sie in den nächsten Minuten, Stunden, das konnte sie nicht mehr einschätzen, erfahren sollte.
Denn der Mann vor ihr grinste dreckig, sah zu seinen beiden Kumpels, ehe sie Ayumi wieder mit sich nahmen. Ihre Blicke sagten alles und die junge Dolmetscherin weitete ihre Augen vor Angst. Sie weinte noch mehr, schüttelte dabei mit ihrem Kopf.
„Ayumi-chan, nein!“ rief sie noch hinterher, wollte ihnen hinterher, als sie sie mit sich nahmen. Doch ihre Fesseln, mit denen sie an der Wand hinter ihr festgemacht war, hielten sie zurück. Ruckartig kam sie zum stehen, fiel auf den harten Steinboden.
Dass sie ihr das Klebeband danach entfernt haben mussten, wusste Kagome daher, dass sie immer wieder ihre panischen Schreie nach ihr hörte.
´´Kagome-chan! Hilf mir, Kagome-chan! Kagome-chan, Hilfe!``
Dadurch, dass sie gefesselt war, konnte sie sich auch die Ohren nicht zuhalten und die Wände waren nicht dick. Ayumi wahrscheinlich in einen ähnlichen Raum gesperrt, nicht weit weg von ihr.
Minuten-, stunden-, tagelang, musste sie ihre Schreie, ihr Weinen, und das Stöhnen der unterschiedlichsten Männerstimmen mit anhören.
Bis Ayumi's Gegenwehr irgendwann erstarb und sie nur noch die Männer hörte…

„Wir müssen sie doch orten können. Sie hat ein Telefon bei sich. Irgendetwas.“ InuYasha raufte sich die Haare, die demnächst auf natürlichem Wege weiß werden würden, wenn die Situation noch länger anhalten würde.
„Glaubst du wirklich, sie waren nicht so schlau, es wegzuwerfen oder gleich zu zerstören?“ kam es ruhig von Sesshōmaru. In dessen Büro InuYasha sofort aufschlug, als er endlich wieder die Kontrolle über seinen Körper bekam.
„Das ist alles eure Schuld!“ fuhr er Sesshōmaru und Himiko an. Seine Finger gruben sich tief in die Lehne des Stuhls, auf die er sich stützte. Sonst würde er wohl noch ein zweites Mal in sich zusammensacken. „Wieso um alles in der Welt musstet ihr sie nach Mexiko schicken?! Mexiko! Es wäre auch jede andere verdammte Ausgrabungsstelle auf dieser Welt gegangen!“ Er sah auf seine Hände, deren Knöchel nahezu weiß wurden. „Ich...“ Er kämpfte gegen seine Tränen. Tränen der puren Verzweiflung. „Wieso nur lies ich mich darauf ein? Wieso gab ich nach und lies sie gehen? Ich hätte sie am Flughafen davon abbringen sollen. Als ich sie losließ...“ Er sah auf seine Finger, die vor einigen Wochen noch ihre an diesem Tag festhielten.
Sesshōmaru und seine Mutter verzogen keine Miene.
„Dein gegenwärtiges Verhalten ist nicht zielführend, InuYasha.“
Totenstille herrschte im Raum.
Als Angesprochener seine Finger so tief in die Lehne grub, dass das schwarze Leder beinahe begann zu reißen. Tessaiga zuckte wie wild an seinem Hals. In seinem Gesicht stand die pure und blanke Wut.
„Was ist dein Ziel? Dass sie zur Bestätigung, dass sie sie haben, einen ihrer Finger schicken? Einen Arm? Ein Auge?“
„Erst mal brauchen wir überhaupt eine Bestätigung, dass sie sie in ihrer Gewalt haben.“ merkte Himiko an und legte den Kopf schief. Als würde sie gelangweilt ein Loch in der Luft beobachten.
Laut knallte es im Büro des Daiyōkai, als dessen jüngerer Halbbruder den Bürostuhl gegen die Wand, die ihm am nächsten war, pfefferte.
Doch auch das, entlockte, weder dem Älteren noch seiner Mutter, auch nur die kleinste Reaktion.
Seine Atmung ging schwer, er versuchte sie zu zügeln.
Noch nie zuvor sah man eine Ader an InuYasha's Hals hervortreten.
„Sie könnten sie auch genauso sofort exekutieren und dann Geld verlangen.“ überlegte die Daiyōkai laut.
In InuYasha's Augen sah man, dass sich nun endgültig etwas in seinem Kopf verabschiedete.
„Ich bring euch um.“ war seine kurze, prägnante Aussage, bevor er, in der Dauer eines Wimpernschlags, über den Schreibtisch seines Halbbruders stürzte. Der ihn jedoch mitten in der Bewegung dadurch stoppte, dass er ihn am Arm packte und herum riss, sodass der Han'yō in Menschengestalt in Richtung der Sitzgruppe flog.
InuYasha landete im Glastisch.
Er fühlte sich genauso erledigt und kraftlos wie damals, als er das erste Mal die Kontrolle verlor und die Banditen abschlachtete, als er danach erwachte. Er spürte die Schmerzen der Scherben nicht. Ein anderer Schmerz überlagerte diese.
Sich vollkommen fertig fühlend, blieb er einfach liegen und sah an die Decke des Büros seines Halbbruders…

Auch sie fühlte sich völlig fertig.
Seit Tagen kam sie kaum zum schlafen. Kurz, bevor sie einschlief, wurde sie, wie eben gerade wieder, durch einen Schwall kaltes Wasser geweckt. Derjenige drohte ihr auch jedes Mal wieder, sie nun wirklich bald zu töten.
Egal, ob sie die Augen schloss, oder nicht, Ayumi's Schreie, von der sie schon lange kein Lebenszeichen mehr mitbekam, brannten sich in ihre Erinnerungen und hallten immer wieder in ihrem Kopf.
Sie hatte unglaublichen Hunger, bekam lediglich genug Wasser, dass ihr Körper nicht zusammenbrach.
Ihre Fesseln schnitten ihr immer tiefer ins Fleisch. Sicher würde sie hier noch an einer Blutvergiftung krepieren. Und das wäre wohl noch das gnädigste Ende, was ihr hier blühte.
Doch trotzdem konnte sie noch lächeln. Sie wollte sich nicht unterkriegen lassen. Immerhin steckte sie schon in schwierigeren Situationen.
So oft schon, wurde sie damals in der Sengoku entführt.
Gleich beim ersten Mal wollte man ein Haarwuchsmittel aus ihr machen.
Dann schnappte Urasue sie sich, um sie ihrer Seele für Kikyō's Wiederauferstehung zu berauben.
Kōga entführte sie, weil sie die Splitter sehen konnte.
Tōkajin entführte sie und zog sie sogar aus, weil er sie für seinen dämlichen Baum haben wollte.
Die Katzen entführten sie, als Futter für ihren Meister und wegen ihrer Splitter.
Izumo entführte sie, weil er ihre Seele für ein neues Juwel haben wollte.
Kagura entführte sie, damit Naraku's Abkömmling in ihr Herz sehen konnte.
Chokyūkai wollte sie als seine Braut.
Hoshiyomi wollte ihre Kräfte, um die Menschheit auszulöschen.
Hitomiko wollte sie direkt in die Hölle werfen.
Menōmaru entführte sie als Köder für InuYasha.
Kaguya entführte sie, weil sie ihren Körper in sich aufnehmen wollte.
Sie stand einem dämonischen Setsuna no Takemaru gegenüber.
So oft wurde sie durch Angriffe von Yōkai verletzt. Durch Kohaku, der unter Naraku's Kontrolle stand. Durch InuYasha, bevor er sie in Naraku's Körper in den Abgrund stieß. Und unzählige Male durch ihn in ihrem Herzen, wenn er sich mit Kikyō traf. Kanna wollte ihr ihre Seele nehmen und Mukotsu hätte sie mit seinem Gift beinahe umgebracht. Sie erinnerte sich noch an die Schmerzen durch Tsubaki's Fluch.
Sie legte sich gleich bei ihrer ersten Begegnung mit Sesshōmaru an. An InuYasha's Seite besiegte sie gleich drei Daiyōkai.
Verdammt!
Das hier waren nur Menschen, in dessen Gesichter sie gerade blickte.
Sie würde nicht hier in diesem Dschungel krepieren.
Was die damals nicht schafften, würde hier in Guatemala erst recht nicht passieren.
„Ich denke, sie hat langsam genug.“ sagte einer der Männer auf Englisch, sodass sie sie verstand.
Irgendwie wurde sich wohl unausgesprochen auf diese Sprache verständigt.
Ein großer fleischfarbener Schrank, übersät mit Tattoos, baute sich vor ihr auf. Er grinste breit. Dieses Grinsen gefiel ihr nicht und sie wusste, es gab noch etwas viel schlimmeres, was sie ihr antun konnten, als den Schlafentzug, die Todesdrohungen.
Auch wenn es wehtat, straffte sie ihre Haltung, drückte ihr Kreuz durch. Was ein unangenehmes Ziehen ihrer Wirbelsäule entlang, mit sich brachte. Direkt sah sie den Mann vor sich an.
„Fototag, meine Süße.“

„Das letzte, was wir taten, war, uns zu streiten.“ Die Hände hatte er beide ineinander verhakt und zusammengeballt. Er schloss seine Augen und zog seine Augenbrauen zusammen.
Der Moment, in dem Kagome's eigener Pfeil, von Kaguya zurückgeschickt, in ihrem Rücken steckte und sie vor ihm zu Boden fiel. Oder die Situation im Tempel, den Renkotsu in Brand steckte. Der Tag, an dem Naraku Kagome entführen lies, um zu erfahren, wo sich der letzte Splitter befand und dessen Herz, in Gestaltet dieses Kindes, in ihrem Herzen wühlte. Der Schmerz, als er realisierte, dass die Brunnen nicht mehr verbunden waren.
Wie alle diese Momente fühlte es sich für den Han'yō an – gleichzeitig und mit dem Faktor eine Million, mindestens.
Es ihrer Mutter zu sagen, oder auch nur Sōta, das brachte er einfach noch nicht übers Herz. Weshalb er hier bei Ayame in der Wohnung saß. Die Kōga gleich nach InuYasha anrief und verständigte. Dass sie zumindest wusste, dass er am Leben war.
Anzu und Amida saßen jeweils rechts und links von ihm. Er bekam nicht mal etwas von dem Tee runter, den Ayame eben vor ihn stellte.
„Wieso nur lies ich sie überhaupt gehen?“ Auch jetzt musste er sich seine Tränen verkneifen. „Wieso stimmte ich dem zu? Wieso...wiederhole ich immer denselben Fehler?“
Seine Freunde senkten nun ebenfalls ihre Blicke. Keiner wusste, was er sagen sollte.
„Wieso...lasse ich sie immer wieder allein?“
Die Stille wurde durchbrochen von der Vibration seines Telefons, das vor ihm auf dem Tisch lag. Sesshōmaru's Gesicht erschien auf dem Display.
Doch statt auszurasten, warf er nur einen kurzen Blick darauf und schob es beiseite. Es wurde nun ein verpasster Anruf angezeigt.
Er hatte keine Energie mehr, um sich mit Sesshōmaru auseinanderzusetzen oder sich über ihn aufzuregen.
Das Smartphone vibrierte ein zweites Mal. Wieder leuchtete Sesshōmaru's Gesicht auf dem Display auf.
„Anzu, hier.“ Ayame griff einfach danach. InuYasha hinderte sie nicht daran. Aber an Anzu's entsetzten Blick wussten alle sofort, dass etwas nicht stimmte.
„H-Hai, wir...bringen ihn....zu euch.“
„Was ist los, Anzu?“ fragte Ayame, sichtlich besorgt.
Doch die schüttelte nur mit dem Kopf. Sie wollte es nicht hier und jetzt sagen…

Keine Attacke, von welchem Yōkai auch immer, die er jemals einstecken musste, würde jemals mit diesem Gefühl, von etwas frontal erwischt zu werden, mithalten, das er in diesem Moment spürte, als er das Foto sah.
Das Foto von Kagome.
Verschickt, zusammen mit einer Lösegeldforderung, per E-Mail an die Mirai Corporation. Direkt an InuYasha's Adresse. Auf die Sesshōmaru sich zuvor Zugriff verschaffte.
Nur ihr Gesicht schien verschont geblieben zu sein. Von dem, was auch immer sie ihr antaten. Der Rest ihres Körpers war an verschiedenen Stellen mit schweren Hämatomen übersät.
Sie waren alle frisch und sehr dunkel.
Zudem waren überall offene Blessuren an ihrem Körper zu erkennen. Einige begannen bereits zu heilen, andere waren frisch und bluteten noch etwas.
Wo keine Hämatome ihren Körper übersäten, zeichneten sich eindeutig die Handabdrücke der Männer ab, die sie anfassten. Neben den Hämatomen und den Blessuren, hatte sie unzählige tiefe Kratzer.
Ihre Sachen schienen durchnässt zu sein und an ihrem Körper zu kleben. Die schwarzen Haare, die sonst immer in einem seidigen Blau schimmerten, waren glanzlos, zerzaust und wirr. Ihr Teint war nicht hell, wie sonst, sondern blass und fahl. Jegliche Spuren ihrer rosigen Lippen und Wangen, waren wie aus ihrem Gesicht gefegt. Dafür zeichneten sich nur zu deutlich die dunklen Augenringe ab. Und um einiges dünner als vorher, schien sie auch zu sein.
Sie war gefesselt. Und diese Fesseln schnitten ihr ins Fleisch.
Und doch sah er etwas ganz deutlich in diesem Blick.
Trotz!
Dass sie tapfer durchhielt, ihre Tränen zurückhalten konnte und sich sicher war, dass man kommen würde, um sie da raus zu holen. Dass er kommen würde, um sie da raus zu holen.
Wie er es immer tat.

$100,000,000 million in Bitcoin to the address below.

Or that pretty head won't sit on those tender shoulders much longer.




Das ist wahrlich keine gute Ausgangsposition für Kagome. Wollen wir doch mal hoffen, dass sie noch gerettet werden kann.
Bis nächste Woche zum Lesen^.<
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