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Echt jetzt?! - Ende Vol. 3

von Cowboy93
OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
25.06.2020
25.06.2020
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Howdy!
Alle guten Dinge sind... :-)
Der Cowboy presents: Lagerfeuer-Resultat(e) Vol.3
oder: NOCH ein alternatives Ende zu "Echt jetzt!?"

Die Original-Story findet sich hier: Echt jetzt?!


*********

„Ja, mach ich. Schöne Grüße an Tobias. Ciao Boris“, sagte Tim ins Telefon, legte auf und griff nach seinem Bier, das neben ihm auf der Küchenanrichte, auf der er gerade saß, stand. Er schüttelte leicht den Kopf, fühlte sich gut und … dankbar. Dankbar, dass er mit seinem Bruder wieder so normal sprechen konnte und der mit ihm. Und, wie das letzte Treffen gezeigt hatte, konnte er auch Tobias wieder in die Augen sehen ohne sich beschissen zu fühlen und ohne dass irgendwelche komischen Gefühle sich breit machten. Wow… das hätte er nicht gedacht. Nicht nachdem was damals passiert war! Er hatte Tobias geküsst und damit Chaos in ihr aller Leben gebracht – gut, bei ihm war damals Chaos, also innerliches Chaos sowieso an der Tagesordnung gewesen – und auch noch lange geblieben.
Aber sie drei hatten es doch tatsächlich geschafft, dass diese „Krise“ sie nicht auseinander, sondern sogar näher zusammengebracht hatte. Was kein leichter Weg gewesen war. Einige äußerst unangenehme Gespräche hatten sie geführt. Die ersten Treffen waren mehr als krampfig gewesen. Und Tim war sich bewusst, dass Boris ihn immer noch genau beobachtete; also ob und wie er Tobias ansah. Aber zum Glück gab es da nichts mehr zu beobachten. Tim war drüber hinweg. Auch das war kein leichter Weg gewesen. Puh, ein sehr schwerer sogar. Aber mittlerweile sah er Tobias als „notwendiges“ Puzzleteil in seinem Leben um zu erkennen, dass er auf Männer stand. Nicht nur, aber doch. Bi nannte man das wohl. Irgendwie ein komisches Wort. Und auch zu dieser Erkenntnis zu kommen war kein leichter Weg gewesen. Tim lachte leicht auf. Mann, was war das damals eine wilde Zeit gewesen! Nach dem Kuss, nach dem ersten so unangenehmen, aber so wichtigen Gespräch waren Boris und Tobias abgereist und Tim zurückgeblieben – verwirrt, verzweifelt und irgendwie … leer. Und diese Leere hatte sich schrecklich angefühlt. Es war so ein nicht wissen wohin man gehört Gefühl. Das hatte er nicht lange ausgehalten. Er wollte, er MUSSTE wissen, was nun bei ihm Sache war. Tobias eine einmalige, nennen wir es Schwärmerei oder war er, wie sein Zwillingsbruder schwul? Oder an beiden Ufern zu Hause? Nun, ein Tim Degen grübelt über so etwas nicht allzu lange nach, der macht. Und oh, er hatte gemacht! Wieder lachte Tim auf bei der Erinnerung daran, wie er das erste Mal in einem Münchner Schwulenclub gestanden hatte. Mann, war das unangenehm gewesen. Aber nur kurz. Denn, wie Tim schnell festgestellt hatte, fackelten die meisten Männer nicht lange herum. Noch an diesem Abend war er mit einem mit nach Hause gegangen – er hätte auch so ne Klo-Nummer gemacht, er wollte es einfach wissen! Und er bekam seine Antwort, noch an diesem Abend. Es hatte nicht nur an Tobias gelegen, das mit Männern war durchaus sein Ding. Dass er die ersten male die Augen zu gemacht und an Tobias gedacht hatte, hatte er noch nie jemandem erzählt. Boris und Tobias natürlich auch nicht! Obwohl sie mittlerweile sehr offen sprachen und die beiden in Sachen „sich finden, zu sich finden“ definitiv seine Vertrauenspersonen waren und ihm in der Anfangszeit so toll unterstützt hatten, dass er heute noch gerührt davon war – denn nach seiner Kuss-Aktion war das alles andere als selbstverständlich und einfach menschlich umwerfend, dass sie das schafften, vor allem Boris. Aber Boris war ja sowieso mindestens ein Halbengel, wenn nicht ein ganzer. Tim seufzte, tja, unter anderem war es diese Erkenntnis gewesen, die ihm geholfen hatte, sich Tobias aus dem Kopf und n paar anderer Teile zu schlagen. Die Erkenntnis, dass ein „Was wäre wenn..“, ein „Was wäre, wenn ich Tobias zuerst getroffen hätte…“ sinnlos war. Denn, auch wenn er und sein Zwillingsbruder sich äußerlich zum Verwechseln ähnlich sahen, vom Charakter her waren sie eher wie Tag und Nacht. Tobias hätte sich nicht in ihn verliebt, nicht so wie in Boris.
Wieder seufzte Tim, denn bei all dem Spaß den er in den letzten rund eineinhalb Jahren hatte, so war ihm eines bewusst geworden, er wollte das, so eine Liebe wie Boris und Tobias hatten. Ob nun mit einer Frau oder einem Mann, da war er sich nicht immer ganz sicher. War ja auch gar nicht so einfach zu entscheiden... Hatte beides ziemlich viele Konsequenzen oder sagen wir Möglichkeiten... Mit einer Frau würde es ziemlich sicher in Richtung Familie gehen. Etwas, das Tim für sich nicht kategorisch ausschloss. Mit einem Mann wäre Familie zwar auch möglich, aber sehr schwierig und eher unwahrscheinlich. Und wieder verließ ein Seufzen seinen Mund. Warum konnte er eigentlich nicht entweder das eine oder das andere sein?! Konnte es nicht einfach mal einfach sein, zum Teufel! Ja, momentan war seine Tendenz klar Richtung Männer. Das entsprach ihm mehr. Das war geradliniger, weniger gefühliges Reden, mehr tun. Zumindest hatte er sich bis jetzt nur solche ausgesucht. Einige Frauengeschichten hatte er auch laufen gehabt. Aber immer nur kurz. Das war schon okay, auch körperlich, aber… Männer reizten ihn einfach mehr. Aber, hey, das war ja mal anders gewesen! Also wer sagte, dass das nicht wieder so wurde? Tim verdrehte die Augen. Einfach! Er hätte es gerne einfach! Nicht alle Optionen!!!
Entschlossen trank er sein Bier aus, hüpfte von der Anrichte, setzte sein Basecap auf, schnappte sich seine Jacke und ging. Wohin genau wusste er noch nicht, aber auf alle Fälle raus, bisschen rumlaufen und dann vielleicht noch in seine Lieblingsbar, wo der Kellner nicht nur gut Bier zapfen konnte…

***

Da es noch warm genug war, hatte er sich erstmal für ein Straßencafé entschieden, saß alleine am Tisch und schaute auf die vorbeigehenden Passanten - immer noch leicht nachdenkend über die letzten Monate. Keine Ahnung, warum er heute so drauf war. Vielleicht lag‘s am Mond, vielleicht auch nur am Telefonat mit Boris.
„Boris?“, hörte er plötzlich neben sich jemand erstaunt fragen. Tim blickte auf und sah in haselnussbraune Augen, die aus einem Gesicht blitzten, das ihm direkt vertraut vorkam, weil… weil es ihn an jemand erinnerte…an…Tobias?!? War das möglich? Tim schüttelte sich leicht und fragte „Äh, nein, ich bin nicht Boris. Ich… ich bin Tim…“ „Ah, der Zwillingsbruder! Na, das freut mich ja, dass ich dich mal live treffe, hab schon viel von dir gehört!“ Tim zuckte leicht, dann lächelte er „Ach ja? Dann willst du dich vielleicht nicht auf ein Bier zu mir setzen und mir erzählen, woher du Boris kennst?“ Zack, saß der Fremde schon auf dem Sessel Boris gegenüber und sagte lachend „Jetzt erst recht! Ich hab nämlich nur Gutes über dich gehört, aber offensichtlich gibt’s da ja noch mehr. Also, schieß los!“, grinste er Tim an. Okay, die offene Art war auch Tobi-like, aber das forsche… hm… das war anders. Anders gut. „Nur Gutes? Ha, so n Bullshit!“, warf Tim über den Tisch. Das Grinsen ihm gegenüber wurde breiter und „Okay, vielleicht nicht nur“, kam die Antwort lachend retour. „Und warum hast du das überhaupt gehört? Also wie ist deine Verbindung zu Boris?“, wollte Tim wissen. „Boris? Ne, nicht Boris, Tobias! Ich bin Tobias Cousin. Der, der lange im Ausland gelebt hat und nun wieder hier ist. Wie mir das gefällt, weiß ich noch nicht“, sagte der Typ in der schwarzen Lederjacke und schaute dabei Tim forschend an, so als würde er überlegen, ob diese Begegnung hier damit etwas zu tun haben könnte, mit dem Wohlfühlen. „Du bist also der mysteriöse Weltenbummler Anton?“ Selbiger lachte „Anton bzw. Tony stimmt. Mysteriös bin ich sicher nicht! Aber ja, ich bin viel rumgekommen. Und ja, ich bin auch schwul, nur falls Tobias das nicht erzählt hat.“ Tim dachte kurz nach „Doch, ich glaub das hat er mal erwähnt.“ „Na, darauf sollten wir anstoßen, also auf unsere kleine schwule Familie!“, grinste Anton „Oder hab ich das falsch verstanden, dass du auch das Ufer gewechselt hast? Also dich dort zumindest wohlfühlst? Tobias hat sowas erwähnt“, zwinkerte Tony Tim zu, begleitet von einem Lächeln dessen Charme unübersehbar war. Dann winkte er die Kellnerin heran, bestellte zwei Bier, musterte sein Gegenüber und dachte sich, vielleicht gefällt es mir hier in München doch besser als befürchtet. Tim musterte unverhohlen zurück und fragte sich, ob diese Haselnuss-Augen wohl vergeben waren. Nein, waren sie nicht, wie sich im Laufe des Abends herausstellte. Würden sie aber bald sein…

***

„Darf ich vorstellen...“, sagte Tim, nachdem er die beiden Männer an der Tür begrüßt hatte und wies auf den Flur hinter sich, in dem nun Tony auftauchte.
Nun spürte er sie ziemlich deutlich, die Nervosität. Sie trafen sich zum ersten Mal zu viert. Er, Tony, Boris und Tobias. Bislang hatte er den Namen seines Freundes für sich behalten und nur erwähnt, dass es da jemanden gab, den sie bald kennenlernen würden. Er wollte ihnen Tony persönlich vorstellen. Auch wenn dieser ihn damit aufgezogen hatte, verstand er die leise Anspannung, die Tim vor diesem Treffen verspürte. Schließlich ging es nicht nur um das Kennenlernen eines neuen Partners. Tim hatte ihn eingeweiht in diese ziemlich besondere Geschichte, die ihn mit seinem Schwager – Tonys Cousin – verband. Allerdings war sie auch genau das: Geschichte. Sie alle hatten sie hinter sich gelassen. Insofern sollte dieser Begegnung – diesem Neubeginn zu viert – nun eigentlich nichts im Weg stehen. Überrascht dürften Boris und Tobias dennoch sein.

Und Tim sollte recht behalten mit dieser Vermutung. Sekundenlang war es still, als die beiden den Mann betrachteten, der nun an seine Seite getreten war. Tim war froh, Tonys warme Hand auf seinem Rücken zu spüren. Tobi war der erste, der sich von der Überraschung erholte. „Tony?! Was... machst du...“, unterbrach er sich auch gleich wieder. War ja offensichtlich. Sein Schwager lachte auf. „Echt jetzt?! Mit dir hab ich hier nicht gerechnet“, sagte er dann und zog seinen Cousin in eine Umarmung. „Du und Tim? Wieso? Woher...“, legte er sogleich mit den drängendsten Fragen los. Boris lächelte noch ein wenig zurückhaltend, begrüßte ihn dann aber ebenfalls. „Schön, dich wiederzusehen“, sagte er an Tony gewandt. „Das ist ja mal 'ne Überraschung“, meinte dann auch er und blickte zwischen ihnen hin und her. „Los, erzählt!“

Boris und Tobias ließen sich dann doch überreden, auf der Couch Platz zu nehmen, bevor Tim und Tony erzählten, wie sie sich kennengelernt hatten. Und wie ziemlich bald mehr daraus geworden war. So viel mehr, dass sie nach nur zwei Monaten beschlossen hatten, zusammenzuziehen, weil Tony noch keine eigene Bleibe hatte. Und auch, dass sie in einigen Monaten wohl erneut umziehen würden. Es zog sie in die Ferne. Noch nicht gleich, aber in absehbarer Zukunft. Boris und Tobias sagten nicht viel, schauten nur mehrheitlich überrascht und Tobi fasste die Situation schließlich mit einem schlichten „Wow!“ zusammen. „Da ist ja ganz schön viel passiert in den letzten Wochen“, meinte er und Tim musste ihm zustimmen. Er und Tony hatten ein ordentliches Tempo drauf, dessen war er sich bewusst. Aber in diesem Punkt – und nicht nur in diesem – waren sie sich ähnlich: ganz oder gar nicht. Keine halben Sachen. Erst recht nicht, wo sich das zwischen ihnen so ganz und gar richtig anfühlte.

Sie waren bald in ein angeregtes Gespräch vertieft und Tim entspannte sich mehr und mehr. Wie Tony vorausgesagt hatte, nahmen sein Bruder und sein Schwager die Neuigkeit gut auf. Und dass sie alle sich kannten, sorgte für einen ziemlich lockeren Abend. Einen Abend, an dem Tim nicht ständig unabsichtlich vor Augen geführt bekam, was die beiden hatten und er nicht. Einen Abend, der ihm keinen leisen Stich versetzte, weil er sich das für sich selbst auch wünschte: diese Blicke, die so viel sagten, die fast beiläufigen Berührungen, die für so viel Nähe sorgten und diese Küsse, die Boris und Tobias gerade wieder nicht lassen konnten und die regelmäßig dafür zu sorgen schienen, dass sie die Welt um sich herum vergaßen. Tim lächelte leicht, als er mit Tellern beladen ins Wohnzimmer trat und sie so sah – und konnte sie verstehen. Ihm ging es seit wenigen Wochen schließlich genauso. Zumindest ähnlich. Okay, vermutlich waren er und Tony mindestens genauso schlimm, ahnte er, als er das Essen auf dem Tisch platziert hatte und dessen Arme sich von hinten um seinen Bauch schlangen. Er ließ sich in die Umarmung fallen und alles außer Tony auch mal eben kurz außen vor.

***

Als sie das Abendessen beendet und Boris darauf bestanden hatte, Tony in der Küche beim Nachtisch zu helfen, fand sich Tim mit Tobi auf dem Balkon wieder. „Die Wohnung ist echt toll“, meinte Tobi und ließ sich in einen der bequemen Sessel fallen. Tim nickte. „Der Balkon war mit ein Grund, dass wir unbedingt diese Wohnung wollten.“ Sein Schwager betrachtete die Aussicht und drehte sich dann zu ihm um. „Läuft ganz gut... bei euch, hm?“, sagte er. „Ja. Tut es“, antwortete Tim und wusste, dass er wohl gerade ziemlich dämlich grinste. Tobi lächelte. „Ich freu mich für euch, echt“, sagte er und Tim wusste, dass das genauso gemeint war. Er nickte leicht. „Und trotz tollem Balkon wollt ihr hier nun wieder weg?“ fragte Tobi und grinste. „Naja, noch nicht gleich. Aber früher oder später... ja“, antwortete Tim und Tobi zuckte mit den Schultern. „Hätte mich auch gewundert, wenn Tony mal irgendwo länger geblieben wäre. Erst recht in der Nähe von Zuhause. Dir macht das gar nichts aus, hier alle Zelte abzubrechen?“, hakte er nach. „Ich bin auch zuvor schon ganz schön rumgekommen – sowas wie ein Zuhause kenn ich erst, seit ich meine Familie gefunden hab. Und klar gefällts mir hier, aber ich seh auch ganz gerne noch etwas mehr von der Welt. Im Übrigen... kam der Vorschlag wegzugehen von mir, nicht von Tony“, erklärte Tim. Dieses warme Gefühl, das Tony so häufig in ihm auslöste, breitete sich aus, als er daran dachte, wie dieser auf seine Idee reagiert hatte. Das Fernweh habe ihn noch nicht ganz so sehr gepackt, hatte er gesagt. Er habe endlich einen Grund zu bleiben. Zu einem neuen Abenteuer sagte er dennoch nicht nein. Erst recht nicht mit Tim an seiner Seite. „Na dann passt's ja“, meinte Tobi. „Aber Südamerika? Schon ganz schön weit weg.“ Tim zuckte mit den Schultern. „Es standen verschiedene Kontinente zur Auswahl. Tony kam dann mit Argentinien um die Ecke – auch wegen der Pferde.“ „Naja, wenn er meint... Ich find Hamburg schon weit genug“, sagte Tobias und lachte. „Du bist ja auch nicht er“, meinte Tim und einmal mehr wurde ihm klar, wie sehr das stimmte – wie sehr sich die beiden Cousins voneinander unterschieden. Und was das für sie bedeutete. „Nein, bin ich nicht“, erwiderte Tobias und lächelte. „Ist schon gut so“, fügte er noch hinzu und Tim erwiderte das Lächeln. „Ist es. Und ich bin froh, dass ich das eingesehen hab... danke“, sagte er. Einmal mehr. Er konnte gar nicht sagen, wie froh er war, hier nun mit Tobi so stehen zu können. Dessen Lächeln wurde noch wärmer und er überbrückte die Distanz zwischen ihnen, um Tim kurz zu drücken. „Immer wieder gern“, sagte er – ließ ihn los und wechselte dann sehr Tobi-like das Thema. „Sag mal... wo bleibt eigentlich der Nachtisch?“ Er grinste und sie traten wieder ins Wohnzimmer, wo Boris gerade Schokopudding auftischte. Er warf den beiden einen kurzen Blick zu, als auch Tony hinzutrat und nach Kaffee fragte.

***

Tim räumte die leeren Schälchen in die Maschine, schloss sie und lehnte sich mit einem leisen Seufzen kurz dagegen. Bislang war der Abend echt gut verlaufen, aber... da fehlte noch was. Das Gespräch mit seinem Bruder. Als hätte der Gedanken gelesen, betrat er nun ebenfalls die Küche. „Wo soll ich...?“, fragte er und hielt die Reste des Nachtischs hoch. „Kühlschrank“, sagte Tim. „Danke. Eigentlich wärst du hier heute Gast“, fügte er dann noch hinzu und Boris lächelte kurz. „Kein Ding, ich helf gern. Vor allem, wenn mein Bruder mich dafür bekocht.“ „Können wir gerne wiederholen...“, begann Tim, wurde aber von Boris unterbrochen. „... solange ihr noch hier seid.“ „Sind wir sicher noch ein paar Monate. Und auch dann... ist ja nicht für immer. Und ihr verbringt euren Urlaub einfach bei uns“, sagte Tim und lächelte. Boris nickte leicht. „Klar. Ich find's trotzdem schade, dass ihr so weit weg wollt“, meinte er, „aber wenns für euch so stimmt...“ Er brachte den Satz nicht zu Ende und Tim war sich nicht sicher, ob er leise Zweifel hörte aus Boris' Worten. „Tut es. Natürlich bin ich froh, hier in Deutschland mit euch ein Zuhause gefunden zu haben, aber das läuft ja nicht weg. Wir sind nicht aus der Welt. Auch wenn ich euch alle echt vermissen werde“, sagte Tim und sah, wie Boris leicht nickte. Ansonsten kam keine Reaktion und Tim hatte plötzlich das Gefühl, sich erklären zu müssen. „Ich bin mir sicher, Boris. Mit unseren Plänen und vor allem... mit ihm.“ Er räusperte sich kurz, während Boris ihn noch immer beobachtete, die Arme inzwischen vor der Brust verschränkt. “Ich weiß, dass das für dich vielleicht ein wenig... komisch wirken muss, dass es ausgerechnet Tobis Cousin ist, aber... du kennst ihn. Er ist... anders. Die Ähnlichkeit zwischen uns Vieren hat vielleicht dazu geführt, dass wir uns kennengelernt haben, aber er ist... er ist Tony. Er bringt mich zum Lachen. Und er ist immer für mich da. Bei ihm kann ich ganz ich selbst sein und... das passt einfach.“ Er beobachtete Boris' Reaktion, aber der ließ sich nicht anmerken, was er dachte. Dennoch ließ Tims Nervosität plötzlich nach. „Ich weiß, was ich will. Endlich. Und das fühlt sich verdammt richtig an. Du musst das nicht gut finden und wenn du...“ Er unterbrach sich, als Boris' Mundwinkel zuckten und als dessen Grinsen gleich darauf noch breiter wurde, runzelte er die Stirn. „Was...?“, wollte er wissen und hörte seinen Bruder im nächsten Moment lachen. „Sorry...“, versuchte der sich lachend zu erklären, „... aber das ist... echt süß. Das konnte ich mir nicht verkneifen. Du klangst zunächst tatsächlich so, als bräuchtest du meinen Segen.“ Tim schüttelte den Kopf. „Idiot!“, murrte er und auch wenn er sich ein Lächeln ebenfalls nicht verkneifen konnte – eine gewisse Erleichterung über Boris' Reaktion spürte er trotzdem. „Ich gebe zu, dass ich zu Beginn echt überrascht war, dass es Tony ist, aber nun... Wie du sagst: Ich hab ihn auch schon kennengelernt, seit er wieder hier ist und ich weiß, dass sich die beiden Cousins äußerlich vielleicht ähnlich sehen. Aber das wars dann auch. Und außerdem... so wie du ihn ansiehst... da fliegen kleine Herzchen aus deinen Augen“, neckte er Tim und kassierte einen nicht eben sanften Schlag vor die Brust, als er näher an seinen Bruder heran trat. Er lachte erneut und zog Tim dann in seine Arme. „Du weißt, wie sehr ich dir immer gewünscht hab, dass du diesen einen Menschen findest. Du bist glücklich und das... das freut mich echt sehr“, sagte Boris an seinem Ohr und Tim war froh, dass er so nicht sehen konnte, wie sehr seine Worte ihn rührten. „Danke“, erwiderte er leise und drückte Boris nochmal an sich.

„Gruppenkuscheln?“, erklang eine Stimme von der Tür. Tony und Tobias waren herangetreten und grinsten. Boris schüttelte lachend den Kopf und Tim verdrehte die Augen. „Wollen wir endlich los?“, schlug er dann vor. Sie hatten ausgemacht, noch ein wenig durch die Bars zu ziehen. Dreifaches Nicken antwortete ihm und so machten sie sich auf den Weg. Boris und Tobias waren schon durch die Tür, als Tony ihn kurz zurückhielt. „Alles gut?“, fragte er und Tim lächelte. „Alles bestens“, antwortete er und zog Tony für einen langen Kuss zu sich. Davon würde er wohl nie genug bekommen. „Bin froh, dass zwischen euch alles in Ordnung ist“, murmelte sein Freund nun an seinen Lippen, bevor er sich ganz löste. „Wär irgendwie blöd gewesen, wenn Boris anders reagiert hätte“, sagte er und plötzlich wirkte der toughe Weltenbummler nicht mehr ganz so cool – wofür Tim ihn gleich noch ein Stück mehr liebte. Er lächelte und zog ihn so nah zu sich, dass kein Blatt mehr zwischen sie beide gepasst hätte. „Ja. Dann hätte ich meinen Bruder vermutlich eine ganze Weile nicht gesehen. Auch wenn mir seine Meinung echt wichtig ist... Du bist wichtiger. Du bist... das Wichtigste. Ich will dich – und ganz egal, wer da was dagegen hat, ich...“ Weiter kam er nicht, weil Tony seinen Mund mit einem Kuss verschloss. Einem, der es in sich hatte. Und der Worte sowas von überflüssig machte.

Leises Lachen holte sie zurück in die Wirklichkeit. Boris und Tobias standen vor der Tür und warteten. „Sollen wir euch lieber allein lassen?“, fragte Tobi grinsend. Synchron schüttelten Tim und Tony den Kopf. „Los, gehen wir“, meinte Tim, „da warten ganz viele Bars auf uns. Und Drinks. Mindestens bis zum Morgengrauen.“ Er hörte kollektives Jammern und lächelte. Eine gute Stunde gab er Boris und Tobias, dann würden die beiden aufgeben – da ging er jede Wette ein. Aber sie hatten ja auch noch den Tag morgen mit den beiden. Und viele weitere, die folgen würden. Daran würde auch eine Reise ans andere Ende der Welt nichts ändern – wo auch immer die sie schlussendlich hinführen würde, dachte er und fing den Blick des Mannes an seiner Seite auf. Er griff nach Tonys Hand und verschränkte ihre Finger.

***end***
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