Hin und nicht zurück

KurzgeschichteFamilie / P12
24.06.2020
24.06.2020
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„Pass auf dich auf, ja? Ich weiß, du bist ihr Anführer und wirst in vorderster Reihe kämpfen, aber du musst zurückkehren! Wenn ich dich verlieren würde, könnte ich das nicht ertragen. Ich würde ja mit dir in die Schlacht ziehen, aber unser Kleiner ist noch zu jung und ich kann ihn nicht allein lassen. Wir werden auf deine Rückkehr warten. Lass uns nicht im Stich!“
Der zum Kampf gerüstete Krieger nickte.
„Ich verspreche es. Sei unbesorgt.“
Sie wusste nur zu gut, dass er nicht sicher sein konnte, ob er dieses Versprechen halten konnte, doch sie widersprach nicht. Er war stark und kampferprobt. Er würde siegen. Und sie wollte ihren Sohn mit ihren Sorgen nicht belasten, dafür war er noch zu jung. In seinen Augen war sein Vater ein Held, und das stimmte auch. Gerade beugte er sich zu dem Kleinen herab und strich ihm über den Kopf.
„Ich muss euch nun für eine Weile verlassen“, erklärte er.
„Wo gehst du hin, Papa?“, kam die neugierige Frage.
Er blickte in die großen Kinderaugen und überlegte, wie viel er seinem Sohn sagen konnte.
„Ich muss kämpfen, um die zu verjagen, die unser Zuhause bedrohen. Ich gehe jetzt nur weg, um euch beide zu beschützen. Mama wird auf dich achtgeben, bis ich wieder da bin.“
„Ich will mitkommen! Du kannst doch auf mich aufpassen!“, schlug der Kleine vor und sah seinen Vater bittend an.
„Das geht nicht, mein Sohn. Wer soll dann auf deine Mama aufpassen, wenn du mit mir in den Kampf ziehst? Außerdem kannst du noch keine Waffe halten, geschweige denn mit einer kämpfen. Wenn ich wiederkomme, werde ich es dir beibringen. Und wenn du groß und stark bist, werden wir eines Tages zusammen in die Schlacht ziehen, und dann werden alle Feinde vor uns erzittern!"
„Versprichst du es mir?“
„Ich verspreche es“, sagte der Krieger wie bereits vorher zu seiner Frau. Dann verabschiedete er sich endgültig von ihr, lächelte seinem Sohn noch ein letztes Mal zu und verließ sie, um in die Schlacht von Azanulbizar zu ziehen.

Doch er kehrte niemals zurück, und seine Frau und sein Sohn warteten vergeblich, denn Azog der Schänder wurde in der Schlacht von Azanulbizar vor Morias Toren von Dain Eisenfuß erschlagen.
Doch Bolg schwor, sich für den Tod seines Vaters an den Zwergen zu rächen.
Er brachte sich selbst das Kämpfen bei.
Als er groß und stark geworden war, erzitterten seine Feinde vor ihm.
Doch niemals konnte er gemeinsam mit seinem Vater in die Schlacht gegen die Zwerge ziehen.

Wie Azog fand auch er im Kampf den Tod, denn in der Schlacht der fünf Heere vor dem Erebor packte ihn Beorn der Leibwechsler und zermalmte ihn.

Er hatte den Tod verdient, sagten sie über ihn. Hatte er das wirklich? Oder war er nur das Opfer eines Rachefeldzuges, der bereits begonnen hatte, bevor er überhaupt geboren war?
Für die Welt waren sie grausame Monster, doch für eine einsame Orkin in den Tiefen des Gebirges waren sie Ehemann und Sohn.

***

Das war so nicht geplant. Und eigentlich wollte ich auch eher etwas humorvolles über Orks und ihre Familien schreiben, aber die Muse wollte nicht so wie ich und so ist dann das hier draus geworden. Daraufhin passte es aber nicht in meine humorvolle Oneshot-Sammlung, sondern steht nun einfach für sich.
Ich hoffe, es gefällt trotzdem.
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