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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
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23.11.2020 5.033
 
Bevor es zu Sesshoumarus Cousin geht, dürfen sich die zwei Helden erstmal den Gegebenheiten stellen. Und wie sollte es anders sein, auch diesmal geht nichts so glatt wie sie es gerne hätten...

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Ankunft im nirgendwo

Sesshoumaru hatte nur noch rot gesehen. Voller Wut hatte er sie gepackt und automatisch gehandelt. Unter Aufbietung all seines Youki hatte er sich und seine Last transformiert und war in Energieform gen Osten aufgebrochen.
Reisen in dieser Form dauerte normalerweise nicht lange, über kürzere Distanzen waren es meist nur Sekunden mit nur minimalem Aufwand von Youki. Für die 1600 Ri brauchte er dagegen etwas über eine Stunde und verausgabte sich dabei völlig. Die Tatsache daß er außer sich selber, noch eine weitere Person transportierte, tat ein übriges.
Früher als gewollt materialisierte er sich wieder und stellte fest daß er sein eigentliches Ziel um ein gutes Stück verfehlt hatte. Aber immerhin hatte er es mitsamt seiner Last tatsächlich bis auf die größte der Vulkaninseln geschafft.
Total verausgabt sackte er zusammen und begrub Kagome, die er immer noch fest umklammert hielt, unter sich.
In Japan war es Mittag gewesen, aufgrund der Zeitverschiebung plus der Stunde die er bis zur Insel gebraucht hatte, war hier die Sonne bereits untergegangen. Lediglich ein schmaler heller Streifen am Horizont trennte noch Tag und Nacht und spiegelte sich im Meer.

Kagome erwachte aus ihrer Ohnmacht und wußte zunächst nicht wo sie sich befand. Aber auch als sie ihre Augen aufschlug war sie nicht schlauer. Nachbilder der Lichtexplosion tanzten vor ihren Augen und verwirrten sie mit grünen Flecken. Sie vermutete daß die Nacht angebrochen war, die Dunkelheit lastete schwer auf ihr und ließ sie kaum atmen.
Eine Schrecksekunde später wußte sie daß nicht die Nacht so schwer auf ihr lag und ihre Atmung behinderte.
Sie hatte lange Haare im Mund, und irgendetwas pelziges, aber dennoch fluffigweiches ringelte sich unter ihrem Kimono an ihren Beinen hoch und kitzelte sie an ihren Oberschenkeln. Und es schien ein Eigenleben zu besitzen...
Angewidert zuckte sie zusammen. Ein empörter Laut entkam ihren Lippen, und das kitzelnde Gefühl ließ schlagartig nach.
Sie lag auf dem Bauch, unter sich spürte sie Erde und Gras, und kleine Steinchen drückten gegen ihre Rippen. Ihre Arme lagen neben ihrem Körper, ein dritter Arm lag unter ihrem Bauch.
Das darf doch nicht wahr sein, dachte sie wütend.
"Runter von mir," forderte sie den Dämon auf, doch er reagierte nicht.
"Aarrghh." Ganz ruhig bleiben Kagome, ausflippen ändert jetzt auch nix, befahl sie sich. Sie schloß ihre Augen und streckte ihre Sinne aus. Ein schwaches Pochen und leises Röcheln drang an ihre Ohren. Irgendwo hinter ihnen knisterte und knackte es leise. Ein scharfer beißender Geruch lag in der Luft und hinterließ ein Kratzen in ihrem Hals. Mit jeder Minute schien die Temperatur anzusteigen, was vollkommen unmöglich war. Es war Nacht. Und sie hatten November.
Der beißende Geruch wurde schlimmer. Jetzt roch es zusätzlich nach brennendem Holz. Ascheflocken sanken auf ihr Gesicht und ließen alle Alarmglocken in ihr schrillen.
Ihre Arme mühsam anwinkelnd katzbuckelte sie und stieß den Bewußtlosen von sich und zur Seite. Dann richtete sie sich auf und sah sich um.
"Scheiße!"
Was sich da langsam aber stetig auf sie zubewegte gefiel ihr gar nicht.
Dieser idiot, dachte sie zornig. Mußte der direkt unterhalb eines aktiven Vulkans landen?
Um sie herum floß zähflüssige Lava den Berg hinab. Wenn sie nichts unternahm, und zwar schnellstmöglich, würden die Lavaströme sie erreichen. Und was das bedeutete war ihr nur allzu klar.
Sie mußten hier weg!
Für einen kurzen Moment dachte sie daran ihren Entführer einfach liegen zu lassen, aber dann schüttelte sie unwillig den Kopf. Ganz egal wie wütend sie auf ihn war, ihn einfach seinem Schicksal überlassen konnte und wollte sie nicht. Er war bewußtlos und würde sich nicht selbst helfen können.
Dafür bist du mir was schuldig du Mistkerl, dachte sie, als sie ihre Arme unter seine Schultern und Kniee schob und ihn aufhob. Mehrere große Sprünge brachten sie aus dem Gefahrenbereich. Giftige Gase die der Wind zu ihr wehte, erschwerten das Atmen und sie setzte hustend und würgend ihren Weg fort. Schließlich stoppte sie und ließ Sesshoumaru einfach zu Boden fallen.
Leises Rauschen und salzhaltige Luft verrieten ihr daß sie sich an irgendeiner Küste aufhielten. Was sie dagegen nicht wußte, war wo sie sich befanden. Das wußte nur der immer noch bewußtlose Hundedämon zu ihren Füßen. Und solange der sich nicht regte würde sie hier festsitzen. Wo auch immer das war.
Sie hatte keine Ahnung wieviel giftige Luft sie eingeatmet hatten, gesund war das auf keinen Fall, aber sie hoffte daß ihre Selbstheilungskräfte reichen würden.
Bis auf das Kratzen im Hals und die Übelkeit ging es ihr soweit gut. Wie es Sesshoumaru ging konnte sie nicht abschätzen. Sein Youki war kaum spürbar. Er mußte sich völlig verausgabt haben als er sie beide hierher gebracht hatte.

Vorerst waren sie in Sicherheit, also holte sie einen ihrer Wasserbehälter aus ihrem Rucksack und trank ein paar Schlucke. Durst hatte sie nicht wirklich, aber sie wollte den schlechten Geschmack in ihrem Mund loswerden. Gibts etwas das noch fieser schmeckt als Vulkanasche und Hundehaare? dachte sie innerlich kichernd, dann lehnte sie die Flasche an ihren Rucksack und erhob sich. Mit langsamen Schritten lief sie über Gras und Sand bis sie das Meer erreichte. Sie starrte Richtung Westen. Auch das letzte Dämmerlicht war unter den Horizont gesunken und es war stockdunkel. Südöstlich von ihr spuckte der Vulkan polternd und rumpelnd weitere Lava aus. Der Wind wehte Ascheflocken in ihre Richtung, die wie dicker, nasser Schnee zu Boden fielen.
Kein angenehmer Ort, schoß es ihr durch den Kopf. Über die Motive des InuYoukais, sie hierher zu bringen, konnte sie nur spekulieren. Es nützte nichts darüber nachzudenken. Sie würde warten müssen bis er aus seiner Bewußtlosigkeit erwachte.
Eigentlich hätte sie sich um ihn kümmern müssen, aber ganz gleich was sie für ihn unternahm, er würde es ihr mit Sicherheit nachtragen. Es war ohnehin schon ein Wunder daß er sie für ihre wütenden Worte und die ganzen Beleidigungen nicht an Ort und Stelle getötet hatte. Aber war es nicht genau das, was sie vor mehr als zwei Monaten geradezu begrüßt hätte? Damals, am Goshinboku...
Sie warf einen Blick hinter sich in seine Richtung und ein irrer Gedanke durchzuckte sie.
Sie könnte ihm jetzt problemlos die Bannkette anlegen, aber wollte sie ihn wirklich so sehr demütigen?
Den Gedanken verwerfend zog sie ihre Stiefel und Strümpfe aus, fasste nach dem Saum ihres Kimonos um ihn hochzuraffen, doch dann entschied sie sich anders. Wovor hab ich eigentlich Angst, dachte sie bevor sie den Obi öffnete und den Kimono auszog und in den Sand fallen ließ. Sollte sie auch noch den Rest ausziehen? Sie grinste in sich hinein.
Kurz darauf standen ihre Füße in den an- und ablaufenden Wellen und sie genoß das Gefühl auf ihrer Haut, bevor sie mit tastenden Schritten weiter ins Meer lief. Selbst wenn sie jetzt auch nachts gut sehen konnte, sie kannte die Bodenbeschaffenheit nicht, und nachts in unbekannten Terrain schwimmen zu gehen konnte gefährlich werden.
Als das warme Wasser um ihre Hüften schwappte tauchte sie kurz unter, um dann völlig nass wieder aufzutauchen. Ein wohliges Gefühl machte sich in ihr breit.
In den letzten Jahren hatte sie kaum Gelegenheit gehabt ans Meer zu fahren. Bis auf die wenigen Male in der Vergangenheit, als sie noch nach Splittern suchte. Und bis auf ein paar Minuten hatte es nichts mit Wohlfühlen und Entspannung zu tun gehabt.

Sie hatte ihr Bad im Meer beendet und saß nun mit ausgestreckten Beinen am Strand. Die Wellen rollten träge auf sie zu, umspielten ihre Füße und liefen wieder ab. Ihre Nacktheit hatte sie beim Baden nicht gestört, und da der InuYoukai noch bewußtlos irgendwo hinter ihr lag, verschwendete sie keine Sekunde daran zu denken wie das wohl wirken mochte.
Wozu auch. Er hatte ja ohnehin alles gesehen was es zu sehen gab, und das würde sie ihm auch so schnell nicht verzeihen. Wenn er sie jetzt so sah; es spielte keine Rolle mehr, niemand zwang ihn schließlich dazu sie anzusehen. Oh ja, sie war eindeutig auf Provokation aus. Wenn sie bloß wüßte wo sie sich befand...
In Gedanken ging sie die Ereignisse nochmal durch, die ihn dazu gebracht hatten sie hierher zu verschleppen. Am seltsamsten war noch die Peitsche gewesen. Das was da aus ihren Fingern getropft war, war reines Reiki gewesen. Und als Dämon, der sie ja nun war, hätte es Youki sein müssen. Oder wie in Sesshoumarus Fall Gift oder Säure. Noch dazu wo sie momentan über kein nennenswertes Reiki verfügte.
Sie hob ihre rechte Hand und betrachtete sie von allen Seiten. Zu keinem Ergebnis kommend ließ sie sie wieder sinken und seufzte leise auf. Schön, bin ich halt ein Dämon mit läuternden Fähigkeiten, dachte sie resignierend. Bis ihr irgendjemand erklären würde wie das sein konnte, mußte sie es einfach akzeptieren. Aber irgendjemand mußte es ihr erklären, und ihr zeigen wie sie damit umzugehen hatte. Zur Not auch ihr Entführer. Wobei sie sich vorstellen konnte, daß auch er keine Ahnung hatte.
Daß sie eine Peitsche hatte entstehen lassen war Zufall gewesen, aber im Nachhinein betrachtet erschien es ihr logisch. Sesshoumarus Gift hatte sie zu einem Dämon gemacht, also hatte sie wohl ähnliche oder gleiche Fähigkeiten wie er. Daß sie sich schneller bewegen konnte, und Selbstheilungskräfte besaß, hatte sie schon herausgefunden. Vielleicht war es ihr ja auch möglich zu schweben. Irgendjemand würde es ihr zeigen müssen, im Zweifel sogar mit ihr üben.
Vielleicht hatte er sie deshalb hierher gebracht, fiel es ihr ein. Sie konnte keine Menschen wahrnehmen, also waren sie alleine hier. Zumindest würde sie keine Menschen gefährden wenn sie ihre Fähigkeiten austestete und übte.
Der Gedanke, mit dem InuYoukai allein irgendwo im Nirgendwo zu sein, bereitete ihr Unbehagen. Eventuell wollte er sie ja auch heimlich verschwinden lassen, und ein unbewohnter Flecken Erde wäre ideal dafür.

Als sie schließlich aufstand, trockneten ihre nassen Füße im Nu. Sie wußte inzwischen daß ihre innere Stimme dafür verantwortlich war. Dieses zweite Ich sorgte mit ihrem Youki dafür daß sie sofort trocken war. Kagome fand das durchaus nützlich. Sie würde normalerweise Stunden brauchen bis ihre langen Haare trocken wären, so dauerte es nur wenige Minuten.
Nachdem sie sich wieder angezogen hatte, lief sie eine Weile am Strand entlang und ließ ihre Sinne schweifen. Ihr war immer noch übel. Vielleicht fand sie etwas essbares damit sie ihren Magen besänftigen konnte, selbst wenn sie keinen Hunger verspürte.
Ohne jede Eile suchte sie ihre Umgebung ab und verließ sich dabei auf ihren Geruchssinn. Bis zum Morgen würde es noch dauern, und sie konnte ohnehin nichts anderes tun als auf den Sonnenaufgang zu warten. Oder daß der InuYoukai erwachte.
Vielfältige Gerüche umgaben sie. Am intensivsten war die Salzhaltige Luft und der Rauch der wie eine Glocke über dem Land hing. Verschiedene Pflanzen und Blumen konkurrierten miteinander. Und auch wenn sie die meisten davon nicht benennen konnte, schienen ihr die verschiedenen Düfte nicht fremd zu sein.

Sie war tatsächlich fündig geworden, und mit einem Arm voll Früchten, darunter Bananen und Papaya, kehrte sie an ihren Ausgangspunkt zurück. Auf dem Rückweg hatte sie noch zwei Kokosnüsse aufgeklaubt, das Kokoswasser darin gluckerte bei jedem ihrer Schritte.
Etwas oberhalb des Strandes entfachte sie ein Feuer und knabberte lustlos an einer Banane, in der Hoffnung daß ihre Übelkeit schnellstmöglichst verschwinden würde.
Zuerst hatte sie den Dämon aus ihren Gedanken verbannt, und nicht größer über ihn nachgedacht, doch nun meldete sich ihr Gewissen. Sie hatte ihn aus der Gefahrenzone gebracht und einfach fallen gelassen. Wann war sie eigentlich zu solch einem herzlosen Wesen mutiert, das die Hilflosigkeit anderer ignorierte? Er war bewußtlos, da wäre zumindest die stabile Seitenlage angebracht gewesen...

Ihre innere Stimme war derselben Meinung, also erhob sie sich und lief zu ihm hinüber.
Er lag unverändert da. Sich neben ihn knieend, lauschte sie seinem Herzschlag. Ein leises, langsames Pochen, zusammen mit flachen, rasselnden Atemzügen verriet ihr daß er noch immer bewußtlos war. Sie betrachtete ihn genauer und konnte plötzlich seine dämonische Aura wahrnehmen. Gerade so als hätte jemand einen Vorhang vor ihren Augen weggezogen. Seine dunkelviolette Aura sah nicht gut aus wie sie fand, aber sie hatte keine Ahnung von solchen Dingen. Sein Youki war unverändert schwach.
Entschlossen öffnete sie die Verschlüsse seiner Rüstung und nahm sie ihm ab. Dann zog sie seine Schwerter aus seinem Obi und legte sie neben die einzelnen Teile der Rüstung.
Nachdem sie ihre Decke ausgebreitet hatte, hob sie den Dämon auf und legte ihn auf die Decke. Grade als sie über die stabile Seitenlage nachdachte, hatte ihre Innere Stimme ihr schon Bilder ins Gedächtnis gerufen. Sie folgte den Bildern und innerhalb kurzer Zeit lag er vorschriftsmäßig auf der Seite. So, noch Hals überstrecken und die Hand unter die Wange, dachte sie und schob die silbernen Strähnen aus seinem Gesicht.
So bedrohlich sieht er gar nicht aus, schoß es ihr durch den Kopf, als sie ihm seine Hand unter die Wange schob. Nur unfaßbar jung und angespannt.
Und dann stellte sie fest daß ihre Augen schon zu lange auf seinem Gesicht lagen und schüttelte unwillig den Kopf. Hatte sie gerade wirklich die Konturen seiner Male mit den Augen nachgezeichnet? Die Lidstrichähnlichen schmalen Streifen auf seinen Lidern als makellos bewertet? Bedauern empfunden als sie den erschöpften Ausdruck auf seinem Gesicht bemerkte?
Ich leide offensichtlich am Stockholm-Syndrom, schoß es ihr durch den Kopf.

Sie rückte ein Stück von ihm weg, blieb aber auf der Decke sitzen. So konnte sie seinen Herzschlag wahrnehmen und seine Atmung beobachten, ohne jedesmal dafür aufstehen und zu ihm gehen zu müssen. Sie mochte ihn nicht besonders, aber sie würde ihn nicht hilflos sich selbst überlassen, ganz egal was er über sie dachte.
Es hatte ihn offensichtlich überanstrengt sich und sie auf diese Art zu transportieren. Dazu kamen die giftigen Gase des Vulkans, wobei ihm das eigentlich weniger hätte ausmachen müssen. Schließlich lebte Totosai auf vulkanischem Terrain, und die Halbbrüder waren stets unbeschadet von dort zurückgekehrt, überlegte sie. Das Rasseln in seiner Brust, und daß sein Youki sich nicht erholte, gefiel ihr gar nicht. Solange er so schwach ist, kann er sich nicht davor schützen, vermutete sie. Und sein Youki erholt sich deshalb nicht, weil er das bißchen was er hat, dafür benützt um die Gase zu neutralisieren, folgerte sie weiter.
Ein Teufelskreis. Irgendwie müßte es doch möglich sein diesen zu unterbrechen...
Ein Bannkreis vielleicht? Sie konnte kein nennenswertes Reiki in sich spüren, also fiel diese Möglichkeit aus, es sei denn sie könnte ihr Youki dafür benutzen. Andererseits hatte sie Sesshoumaru mit einer Peitsche aus reinem Reiki auf Abstand gehalten. Und das mußte ja irgendwo in ihr geschlummert haben.
Sich die Haare raufend erhob sie sich und lief auf und ab.
Falls sie dieses versteckte Reiki aufspüren könnte, war es immer noch fraglich ob sie einen wirksamen Bannkreis damit errichten konnte. Und es könnte für den Dämon gefährlich werden. Also verwarf sie diesen Gedanken wieder.
Tagsüber wäre es ihr möglich gewesen die Wolken und Rauchschwaden zu beobachten um so ein Gebiet mit sauberer Luft zu finden. Aber jetzt war nicht Tag, sondern Nacht. Somit fiel diese Möglichkeit aus. Irgendwie mußte sie eine Lösung finden, selbst wenn es nur eine Übergangslösung wäre. Eine die bis zum Sonnenaufgang reichen würde, dann könnte sie sich ein genaues Bild ihrer Umgebung machen.
Du bist ein Idiot Kagome, schalt sie sich dann selbst. Rund um die Quelle hat ein Bannkreis gelegen, ich hab ihn gespürt als ich die Schwerter aus der Erde gezogen habe.
Seine Schwerter!
Ein Versuch kann nicht schaden, überlegte sie.
Bitte laß es klappen, dachte sie als sie Tenseiga aus der Scheide zog und in einem Meter Entfernung zur Decke in die Erde stieß. Mit Bakusaiga in der Hand umrundete sie die Decke und zögerte. Wenn es nicht funktioniert hab ich es wenigstens versucht, machte sie sich selber Mut. Sie stellte sich vor wie der Bannkreis die giftigen Gase von ihnen fernhielt und rammte das Schwert in den Boden.
Es passierte... nichts.
Auch nach ein paar Minuten hatte sich nichts geändert. Kagome überlegte fieberhaft woran es liegen konnte, aber ihr fiel nichts ein.
'Das sind dämonische Schwerter,' murmelte etwas in ihr.
"Ja, und?"
'Brauchen die Youki?'
Kagome wollte im Erdboden versinken vor Scham. Nur Dämonen waren in der Lage mit solchen Schwertern umzugehen. Sie hatte oft genug miterlebt daß Tetsusaiga dem Willen InuYashas gehorcht hatte. Oder den Drachenangriff aus Sesshoumarus Tokejin. Wie auch Bakusaigas Macht. Alles hervorgebracht durch die Energie der Besitzer.
'Könntest du mein Youki in die Schwerter fließen lassen? Wenn ich sie berühre?' fragte sie.
'Willst du das wirklich versuchen? Das sind nicht deine Waffen.'
'Mein Youki stammt doch von ihm,' ihr Blick wanderte zu dem Bewußtlosen. 'Da sollte es doch möglich sein damit die Schwerter zu aktivieren, oder sowas.'
'Deine Entscheidung.'
'Nur einen Versuch. Wenn es nicht klappt, muß ich mir was anderes einfallen lassen. Ich weiß nicht wo wir sind und wie lange die Nacht noch dauert. Acht oder neun Stunden aber bestimmt noch.'
Sie griff nach Tenseiga, berührte dessen Griff und stellte sich einen Schutzkreis vor, der nichts außer reiner, sauberer Luft durchließ. 'Bereit?' fragte sie.
Kagome konnte spüren wie etwas durch ihre Rechte hindurchfloß und sich um den Schwertgriff legte. Dann fühlte sie ein dumpfes Pulsieren. Nur ein einzelnes Pochen welches sich vom Schwert in ihre Hand übertrug. Angespannt und beklommen ging sie zur anderen Seite der Decke wo Bakusaiga im Boden steckte. Sich selber Mut machend schloss sie ihre Finger um den Griff und stellte sich erneut die Wirkung des Schutzkreises vor. Wie zuvor floß Youki von ihrer Hand in das Schwert, doch diesmal gab es kein Pulsieren. Statt dessen begann die Klinge blau zu leuchten, und etwas zerrte an ihr. Wollte mehr. Überrascht ließ sie das Schwert los und taumelte einen Schritt rückwärts.
"Was... was war das?" fragte sie, um ihm nächsten Moment zu verstehen. Bakusaiga war zu mächtig für sie. Genau wie So'unga InuYasha übernommen hatte, wollte Sesshoumarus Schwert Sie übernehmen. Und auch wenn ihr Youki zur Gänze von Sesshoumaru kam, war sie nicht Er. Glück gehabt, dachte sie.
'Mhmm, das ist besser,' seufzte es in ihr und sie wurde neugierig.
'Besser?'
'Besser. Frische Luft.'
'Dann hat es... funktioniert?' Sie sah sich um und streckte ihre Rechte aus bis sie einen leichten Widerstand spürte. Offensichtlich hatte es funktioniert, und zwar so gut daß wirklich nichts außer frischer Luft durch den Schutzkreis kam.
Sie war mit dem InuYoukai gefangen!
Kagome schalt sich einen Idioten, aber jetzt war es nicht mehr zu ändern. Und den Schutz aufzuheben um dann nochmal die Schwerter anzufassen... Nein, alles, aber nicht das. Mußte sie eben in den sauren Apfel beißen. Wenigstens lagen ihr Rucksack und die Früchte innerhalb des Kreises.
Sie beschloß vorerst darauf zu verzichten daß ihr inneres Ich ihr Youki umwandelte. Wenn sie müde wurde konnte sie schlafen, und stundenlang neben dem bewußtlosen Youkai rumzusitzen stellte sie sich als äußerst langweilig vor. An Hunger und Durst würde sie auch nicht gleich sterben. Außerdem war ihr immer noch schlecht, was sie auf die ungewohnte Art des Reisens schob. Nachdem sie nochmals Sesshoumarus Pulsschlag und Atmung überprüft und keine Verschlechterung festgestellt hatte, streckte sie sich auf der Decke aus und starrte über sich ins Dunkel.

Ihre Gedanken kreisten um den Youkai und seine Motive. Aus irgendeinem Grund mußte er sie hierher verfrachtet haben. Er nahm doch nicht einfach so das Risiko der totalen Erschöpfung auf sich, sondern bezweckte irgendetwas damit. Sie umbringen? Das hätte er auch schon in der Heimat gekonnt, und sie zweifelte nicht daran daß, wenn er es darauf angelegt hätte, er sie überall und jederzeit hätte töten können. Dagegen sprach auch daß er sie mit dem Biß in ihren Hals hatte retten wollen.
Die Nebeldrachen aufspüren? Er hatte ihr die alten Geschichten erzählt, und laut denen hatten die Drachen eine Verbindung zum Festland, aber sie war sich sicher daß er sie nicht aufs Festland geschleppt hatte.
Warum also? Sie gab auf, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, und dachte über den Streit nach der sie unfreiwillig hierher geführt hatte.
Es war nicht so daß sie ihm seine gestammelten Erklärungen NICHT glaubte, sie war nur unendlich wütend darüber gewesen, daß er es ihr nicht sofort erzählt hatte. Am Feuer hatte er ihr auch von den Wahngeistern erzählt, und die ganzen komischen Träume die sie in der Quelle gehabt hatte, bewiesen eindeutig daß sie davon befallen worden war. Sie nahm ihm auch ab daß er keinen anderen Ausweg gesehen hatte als sie zu beißen. Ihre Verwandlung in einen InuYoukai hatte auch ihn überrascht, und was hätte er denn da auch sagen sollen? Ähh, hallo Kagome, du bist jetzt ein Hundedämon, aber ich weiß nicht wieso?
Im Grunde genommen hatte er ihr damit sogar einen Gefallen getan. Es konnte Jahre dauern ehe sie die Nebeldrachen fanden, und als langlebiger Dämon mußte sie sich keine Gedanken darüber machen ob sie während der Suche alt wurde, und vielleicht an Altersschwäche starb ehe sie sie gefunden hatten. Als Mensch waren ihre Chancen doch sehr gering die Drachen besiegen zu können, und selbst wenn sie sie noch zu ihren Lebzeiten finden würden, und WENN der Brunnen sich dann wieder öffnen würde, sie wäre vielleicht eine alte Frau und ihre Familie, mit Ausnahme ihres Bruders, wäre vermutlich nicht mehr am Leben.
Und bis es soweit war würde ihre Familie darunter leiden daß sie nicht wußte wo sie sich befand und ob es ihr gut ging.
Dann lieber als Dämon die Jahrhunderte überdauern, hoffen daß sie nicht in irgendeinem Kampf ihr Leben verlor, und die genaue Zeit abpassen um im richtigen Moment ihr Zuhause aufzusuchen. Vielleicht würde sie dann auch erfahren warum sie in ihrer Zeit keinen Dämonen begegnet war. InuYasha hätte ihr bestimmt gesagt wenn es welche gegeben hätte, aber ihm war nie auch nur das kleinste bißchen aufgefallen.
'Hey Tsuin,' dachte Kagome 'könntest du auf die Umgebung achten? Ich glaube ich versuche zu schlafen. Und falls sich bei dem Kotzbrocken was ändert,' fügte sie hinzu 'würdest du mich wecken?'
Sie drehte sich auf die linke Seite und schloß ihre Augen. Hinter sich hörte sie leise Atemzüge die ihr sagten daß der Dämon auf dem Weg der Besserung war.

Wofür Biester da sind...

Sesshoumarus Biest hatte sofort erkannt wo sie sich befanden, aber da das Youki seines Besitzers nahezu vollkommen aufgebraucht war, konnte es nicht verhindern daß der Dämon zusammenbrach. Nun hieß es die Vorräte aufzufüllen und gleichzeitig Sorge tragen daß die giftigen Dämpfe nicht Luftröhre und Lungen verätzten. Eine Gratwanderung. Die Hitze der Lava lieferte genug Energie um das Youki ansteigen zu lassen, aber sowie genug Youki vorhanden war, mußte das Biest es sofort in die Heilung stecken. Auf die Art würde Sesshoumaru solange in der Bewußtlosigkeit verharren bis sein Körper aus Mangel an Energie starb. Oder bis er von der herannahenden Lava überrollt wurde, was vermutlich schneller eintreten würde.
Das Biest hoffte daß seine Auserwählte so schnell wie möglich aus ihrer Ohnmacht erwachte und etwas zu ihrer Rettung unternahm. Daher griff es zu dem einzigen Mittel was es zur Verfügung hatte und ließ das Mokomoko an ihren Beinen höher wandern. Zuerst glaubte das Biest daß seine Bemühungen ins Leere gingen, aber dann hörte es einen empörten Laut und hörte auf Kagome zu kitzeln.
Wie erhofft brachte sie sie aus der Gefahrenzone. Weniger schön war dann der Aufprall auf dem Boden, aber das Biest wußte daß sie ihn nur hatte fallen lassen weil sie wütend war. Wenn doch seine andere Hälfte nur nicht so störrisch wäre!
Schon lange hatte das Biest den Verdacht, daß der Dämon seinem Ausbilder, ein alter und weiser EulenYoukai, nicht richtig zugehört hatte, als dieser ihm alles über Biester beibringen wollte. Es hatte dagegen genau zugehört, denn schließlich mußte es ja wissen was es war und was es konnte.
Nur große Dämonen hatten Biester. Die meisten Dämonen, wie auch Hanyous, besaßen nichts dergleichen. Die Hauptaufgabe eines Biests war die Versorgung und Aufrechterhaltung vom Youki, als nächstes Heilung und Schutz des Dämonenkörpers vor schädlichen Einflüssen. Sie überwachten die Umgebung, wachten über Körperfunktionen, und agierten von sich aus wenn das Leben des Dämonen bedroht war. Auch transformierten sie den Dämon in seine Urform und wieder zurück. In der Urform übernahmen sie den im Vordergrund handelnden Part und der Dämon selbst wurde in die Rolle des Vernunftgebers gedrängt, falls sie nicht von sich aus die Kontrolle abgaben.
Bis dahin hatte seine andere Hälfte noch zugehört, dann waren die Gedanken des Dämons zum Schwerttraining der vergangenen Woche geglitten und hatten sich mit Techniken desselben beschäftigt. So war ihm offensichtlich entgangen was der EulenYoukai über Partnerwahl gesagt hatte.

Youkai kannten kein Gefühl wie Liebe. Begehren und Verlangen, und der Trieb nach Fortpflanzung, aber keine Liebe.
Dynastische Verbindungen waren an der Tagesordnung, meistens wurden die Partner schon im Kindesalter von den Eltern oder Oberhäuptern ausgewählt. Dies geschah überwiegend bei Youkai niederen Ranges. Die Höherrangigen dagegen wurden von einer Veranstaltung zur nächsten geschleppt, wo potentielle Partner nur auf sie warteten. Es erfolgte ein gegenseitiges sich dem anderen Vorstellen bis hin zu konkreten Anträgen und Verhandlungen über Brautpreis und Besitztümern sowie Erbfolgen. Eine wirkliche Wahl gab es auch bei dieser Methode nicht, man wählte zwischen allen Übeln das aus, was einem noch am ehesten zusagte.
Früher, bevor die großen Kriege ihren Tribut gefordert hatten, hatten sich die Dämonen bei der Partnerwahl mehr auf ihre Biester verlassen, aber die Reihen der Dämonen hatten sich gelichtet, und man mußte schon viel Glück haben um den Biestgewählten Partner zu finden. Denn auch das war die Aufgabe der Biester. Den richtigen Partner, den einzig Wahren, zu finden. Und dieser konnte alles sein. Sei es nun ein anderer Dämon, ein Hanyou oder sogar ein Mensch.
Sesshoumarus Eltern hatten eine dynastische Verbindung eingehen müssen um den Westen als eigenständiges Herrschaftsgebiet erhalten zu können. Erst in Izayoi hatte das Biest von Sesshoumarus Vater seine Auserwählte erkannt, und dieser hatte die menschliche Prinzessin als Nebenfrau genommen. Ein Umstand den Sesshoumaru nie erfahren hatte.

Das Biest hatte den Geruch seiner Auserwählten wahrgenommen und wohlig aufgeseufzt. Sein Dämon war ohne Bewußtsein und würde davon nichts merken. Und dann hatte sie sich entfernt und war für eine Weile komplett aus seiner Reichweite verschwunden gewesen.
Als sie dann wieder erschien atmete das Biest auf. Sie hatte es nicht schon wieder verlassen. Schon einmal war sie fort gewesen. Für eine sehr lange Zeit hatte es sich einsam gefühlt und sich zurückgezogen. Und dann war sie wieder aufgetaucht. Seitdem versuchte das Biest unablässig seine dämonische Hälfte dazu zu bringen sie endlich an seine Seite zu holen und zur Gefährtin zu nehmen. Es wußte nicht warum sich der Dämon so sehr dagegen sperrte, Regeln und Gesetze zwangen ihn doch ohnehin dazu, und jetzt war sie eine Inu. Nichts sprach mehr gegen diese Verbindung.
Irgendetwas mußte seine Auserwählte getan haben, die Luft schien frischer zu sein, weniger giftig und ätzend. Kurz zuvor hatte es ein Aufwallen von Youki gespürt.
Das Biest war ihr unendlich dankbar. Sie hatte reagiert und Ihn/Es gerettet. Es hätte sie an sich ziehen und küssen können. Und mehr...
Aber es war dazu verdammt sein bewußtloses anderes Ich mit Youki zu versorgen, statt seine Auserwählte zu verwöhnen. Es konnte sich nichteinmal bedanken daß sie eine Lösung gefunden hatte. Frustriert knurrte es in den Gedanken des Youkai auf.
Kurz bevor die Verbesserung aufgetreten war, hatte sie Ihn/Es berührt, und es war unter ihrer Berührung regelrecht dahingeschmolzen. Schon zu lange hatte es darauf gewartet. Damals hatte sein anders Ich es in Ketten gelegt und Abstand zu ihr gehalten.
Und nun war sie seit Wochen an seiner Seite, und es war zur Untätigkeit verdammt. Schon in der Quelle war es schwer genug gewesen ihren Reizen NICHT nachzugeben, einzig die angelegten Ketten hatten es zurückgehalten.
Umso größer war seine Freude als seine Auserwählte offensichtlich von ihm schwärmte, nur um dann wieder auf den Nullpunkt zu sinken als sein anderes Ich sie nicht erkannte. Nun, dafür hatte es sich gerächt und ihn gnadenlos auflaufen lassen.
Ihre Worte vom Vormittag hatten ihm weh getan, aber sie hatte jedes Recht ihn zu beschimpfen, nach allem was sie erlebt hatte. Oh, wie es sich wünschte das wieder gutmachen zu können...
Ihr Geruch wurde stärker, und es schnurrte beinahe. Hatte sie sich etwa neben ihm hingelegt? Wenn doch nur diese Ketten nicht wären! Wenn auch nur gedanklich vorhanden, engten sie seine Beweglichkeit ein. Seit so langer Zeit hockte es quasi eingekerkert im Bewußtsein des Inus. Früher hatte es mehr Freiheiten gehabt, nun konnte es nur noch das Mokomoko bewegen. Und was konnte es damit schon großartig anfangen...
Vielleicht konnte es ja...
Das Biest grinste verschmitzt. Bei vollem Bewußtsein würde der Dämon es ihm sicher nicht gestatten, und vermutlich seine Freiheiten noch weiter einschränken, aber momentan hatte das Biest die Oberhand. Und die würde es ausnützen.
Behutsam bewegte es das Mokomoko auf seine Auserwählte zu, tastete damit nach Ihr. Und als es herausgefunden hatte, daß sie tatsächlich dicht bei ihm lag, bewegte es den weichen Pelz vorsichtig über ihre Seite. Wohlig aufseufzend verharrte es eine Weile in dieser Position, ehe es weiterglitt und den Untergrund abtastete.
Es wußte nicht wonach es suchte, hoffte aber daß es das schon erkennen würde, wenn es es fand. Unter den feinen Haaren spürte er warmen Sand und glitt weiter. Plötzlich berührten die feinen Haare etwas festes und das Biest benutzte das Mokomoko wie einen Greifschwanz und griff danach. Mit seiner Beute zog es sich etwas zurück und dachte nach.
Dann hatte es herausgefunden was es mit dem Stück Rinde anfangen konnte und setzte sein Vorhaben in die Tat um.
Es dauerte etwas, noch dazu wo es durch die geschlossenen Augen nichts erkennen konnte, aber schließlich hatte es sein Werk vollendet.
Das Stück Rinde fallen lassend, zog es sich zurück und ließ das Mokomoko sich an der schlafenden Frau entlang schlängeln bis es sich unter ihre Hand schob.
Den Rest der Nacht tat es dann das wofür es da war; es wandelte Energie in Youki um.

Kagome merkte von all dem nichts.
Ihr warmer Atem bewegte die feinen Haare des Mokomokos, und Sesshoumarus Biest knurrte leise und verzückt...

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Und das wars auch schon wieder für diese Woche

Kekse und Sake für alle
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