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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
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10.11.2020 4.653
 
Ob Kagome wohl auf Sesshoumaru losgehen wird?
Wir werden sehen...

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Ich weiß was, aber ich verrats dir nicht

Kagomes Gedanken überschlugen sich fast.
Noch dazu konnte sie Sesshoumarus Blicke auf sich spüren.
Und sie spürte sein Youki, und das war etwas das sie vorher nicht gekonnt hatte.
Vorher waren es nur die Juwelensplitter gewesen, später auch Narakus Miasma in Kikyos Körper, aber sie war nie in der Lage gewesen Dämonen anhand ihres Youkis aufzuspüren.
Vorsichtig sog sie die Luft ein und war überrascht ob der Fülle an Informationen.
Zunächst vermischt, trennten sich die Gerüche voneinander und sie identifizierte verschiedene Pflanzenarten.
Ein erneuter vorsichtiger Atemzug brachte weitere Informationen.
Der Duft von Moos, gepaart mit Zedernöl. Ein Gefühl von Frische.
Wie ein Hauch Frühling. Wenn Schnee und Eis schmolzen und der Winter sich zurückzog.
Weitaus angenehmer als der Abschaum der sie mitnehmen wollte.
Hatte sie deshalb den widerwärtigen Dämon als so abstoßend und stinkend empfunden? Weil sie jetzt besser riechen konnte?
Daß sie jetzt ein Dämon war würde auch erklären warum Sesshoumaru sie nicht erkannt hatte. Und warum sie gedacht hatte daß er in einem Loch stünde.
Sie war während ihrer Metamorphose gewachsen.
Er hatte sie nicht erkannt, also hatte er genausowenig wie sie gewußt was mit ihr passiert war. Er hatte mehr als nur verwirrt auf sie gewirkt.
Aber was genau war passiert? Hatte die Quelle damit zu tun? Sie erinnerte sich daß Sesshoumaru sie zu ihrem Vater hatte bringen wollen. Er hatte sie offensichtlich mit jemandem verwechselt. Offenbar seien mehrere Quellen nicht in Ordnung hatte er gesagt, und die in der sie erwacht war, scheinbar wohl ebenfalls nicht.
Ihre Linke Hand glitt unter ihren Kimono zu ihrem Rücken. Vorsichtig glitten ihre Finger über ihre Haut, tasteten nach der Narbe die InuYasha ihr zugefügt hatte, und fanden... nichts.
Okay, Selbstheilungskräfte, nickte sie innerlich. Deshalb tut auch mein Fuß mir nicht mehr weh. Und wenn die Narbe auf meinem Rücken verschwunden ist, sind alle anderen vermutlich auch weg.
Aber es muß nicht zwangsläufig die Quelle gewesen sein, sinnierte sie. Ich hab mich schon vorher so komisch benommen. Wie ein Tier. Hat es da begonnen und in der Quelle geendet? Aber was verwandelt einen Menschen in einen Dämon? Und warum?
Verspürte sie deshalb keinen Hunger? Sie wußte daß Sesshoumaru normales Essen verabscheute, aber von irgendetwas mußten doch auch Dämonen leben, und sie hoffte daß sie nicht dazu gezwungen sein würde, irgendwelche niedere Kreaturen zu essen.
Deshalb hatten meine Pfeile keine Wirkung. Ohne Reiki keine läuternden Pfeile.
Ich kann nie mehr zurück, fiel es ihr dann ein.
Selbst wenn der Brunnen irgendwann wieder funktionieren sollte, sie war kein Mensch mehr. InuYasha konnte nur durch den Brunnen solange sie noch nach Splittern suchten.
Ich bin hier für immer und ewig in der Vergangenheit gefangen.
Doch dann zuckte ein Lächeln über ihre Züge. InuYasha war ungefähr zweihundert Jahre alt gewesen als sie den Bann von ihm genommenn hatte. Und sein Halbbruder war wesentlich älter als er. Vielleicht lebte sie ja lange genug daß sie ihre Familie wiedersehen konnte.
Hoffentlich erwartet der jetzt kein Dankschreiben von mir, dachte sie. Nicht nach allem was passiert ist.
Sie könnte sich ihnen natürlich erst zeigen nachdem sie in der Zukunft in den Brunnen gefallen war. Bis dahin müßte sie sich nur gut verstecken, andernfalls könnte sie sich selber über den Weg laufen, oder noch schlimmer, die Zukunft verändern.
Zukunft.
Scheiße.
Sie wußte zuviel.
Wußte zuviel über zukünftige Ereignisse. Ereignisse die aus ihrer Sicht schon stattgefunden hatten. Und die stattfinden mußten.
Jede ihrer Handlungen im hier und jetzt könnten einen Schmetterlingseffekt auslösen. Schlimmstenfalls würden diese dazu führen daß sie gar nicht geboren werden würde.
Würde dann das ihr bekannte Universum mit einem lauten Knall in sich zusammenstürzen? Sich in Luft auflösen? Wieviel hatte sie bereits jetzt, allein durch die Läuterung der Lichtung und des Dorfes angerichtet?
Sie lachte freudlos in sich hinein.
Juhu all ihr Wissenschaftler und Gelehrten. Ihr wollt wissen wie sich Zeitreisen auswirken? Fragt mich.
Tief durchatmen Kagome, es bringt nichts wenn du jetzt einen Hysterischen Anfall bekommst. Das Thema Zeitreiseparadoxon klären wir später.
Wieder hatte sie diesen Geruch nach Frühling in der Nase, und stellte fest daß dieser Geruch eine beruhigende Wirkung auf sie hatte. Auch wenn sie nicht wußte wieso sie jetzt im Herbst an Frühling denken mußte, oder woher dieser Geruch kam.
'Mhmm,' seufzte es in ihren Gedanken.
Stimmt, da war ja noch was, fiel es ihr wieder ein.

Sie hatte sich damals mit ihren Freunden unterhalten, und Sango hatte etwas erzählt. Sie hatte es nicht so recht glauben wollen, und vorstellen konnte sie es sich auch nicht, aber Sango hatte augenscheinlich Recht behalten, als sie von einer inneren Stimme bei großen Dämonen gesprochen hatte.
'Ich führe keine Selbstgespräche, oder?' dachte sie dann intensiv.
'Doch,' kam die prompte Antwort. 'Aber anders als du denkst.'
'Du weißt was ich denke? Was bist du?'
'Alles was du denkst. Ich kann sehen was du siehst, hören was du hörst, riechen was du riechst. Und was ich rieche ist überaus angenehm.'
'Vergiß das mal für einen Moment. Ich hab hier ein Problem. Ein sehr ernsthaftes Problem.'
'Ich weiß nicht was ich bin. Ich kann nur auf das zurückgreifen was du kennst und weißt.'
'Das hilft mir nicht weiter. Bist du sowas wie mein Unterbewußtsein? Eine innere Stimme? Vernunft? Gewissen? Instinkt?'
Sie erhielt keine Antwort, stattdessen hatte sie das Gefühl als würde sie jemand gedanklich umkrempeln.
'Hm, scheinbar alles in einem,' klang es dann ihr auf. 'Ich bin Du.'
'Das kann ja spaßig werden,' resignierte Kagome.
'Solange dir niemand erklärt was ich bin, kann ich dir auch nicht mehr sagen.' Die Stimme klang bedrückt. 'Ich weiß nur daß ich wieder 'da' bin.'
'Wieder?' wollte Kagome wissen. 'Du warst zwischendurch weg?'
Sie erhielt keine Antwort, stattdessen stiegen Bilder in ihr auf.
'Du hast mich dazu gebracht ihn zu beißen?' Schockiert riß Kagome ihre Augen auf.
'Wir hatten Durst,' verteidigte sich ihre innere Stimme.
'Wieso hast du nichts unternommen als mich dieses fiese Schwein angetatscht hat?'
'Am Bach warst du nicht du selbst. Du hast dich benommen wie ein... abgerichteter Hund? Vorhin war anders. Du hast gedacht daß deine Kräfte funktionieren.'
'Taten sie bloß nicht. Aber wenn ich doch ein Dämon bin, oder sowas, hättest du dann nicht irgendetwas tun können?'
'Ich weiß nur das was du weißt. Am Bach war ich wie eine Schutzfunktion. Dann war ich... weg. Im Wasser war ich wieder da. Dazwischen ist... Nichts.'
Kagome begriff.
Also war sie für eine Weile wie ein instinktgeleitetes Tier dem InuYoukai hinterhergelatscht und hatte seine Befehle befolgt, um dann durch irgendeinen Vorfall wieder zu ihrem normalen Ich zurück zu finden, vermutlich während sie bewußtlos gewesen war. Anschließend hatte sie eine Metamorphose durchlaufen, und war nun irgendeine Art von Youkai, komplett ausgestattet mit Krallen, Zähnen und Selbstheilungskräften, plus der Sonderausstattung in ihrem Kopf.
Da Sesshoumaru ihr verheimlicht hatte was sie nun war, hatte sie so gehandelt wie immer, und zu Pfeil und Bogen gegriffen.
Noch ein Punkt mehr auf ihrer Sesshoumaru-ist-ein-Scheißkerl Liste.

Ich brauche einen Spiegel, dachte Kagome etwas später. Ich muß wissen wie ich aussehe. Vielleicht weiß ich dann auch was genau ich nun bin.
Sie hatte vor, den Youkai im unklaren darüber zu lassen daß sie es wußte. Sollte er sich ruhig den Kopf über eine Erklärung zerbrechen. Sie war schon gespannt wie lange er ihr diese Tatsache vorenthalten würde, und wie er es dann schlußendlich aussprach.
Sie sah sich um. Zwischen den brachliegenden Feldern plätscherte der Fluß dahin, gleichzeitig hatte sie den Geruch von Wasser in der Nase.
Wie beiläufig holte sie den Topf aus ihrem Bündel und erhob sich. Falls ihr Begleiter wissen wollte was sie vorhatte, würde sie ihm sagen daß sie Wasser holen wollte um das Feuer zu löschen. Nur weil sie ihre Kleidung verbrennen wollte, mußte nicht auch noch der halbe Wald dran glauben.
Mit langsamen Schritten überquerte sie das Feld und kniete sich am Flußufer hin. Ihr Blick in den Fluß offenbarte ihr nur ihre blauen Haare, alles andere verschwand in Schlieren auf der unruhigen Wasseroberfläche. Nun gut, seufzte sie innerlich, ich wollte eh Wasser holen.
Sie füllte den Topf, stellte ihn ab und tat so als würde sie ihre Hände waschen, während sich das Wasser im Topf beruhigte und die schäumenden Bläschen platzten.
Sich vorbeugend spritzte sie sich Wasser ins Gesicht und schob ihre langen Ponyfransen zur Seite, dabei warf sie immer wieder Blicke in den Topf.
Jeder ihrer Blicke offenbarte mehr Details.
Ihr erster Blick galt ihren Zähnen. Wie andere Dämonen besaß sie jetzt spitze Fangzähne in Ober- und Unterkiefer.
Ihr Blick wanderte höher und huschte über die spiegelnde Oberfläche im Topf.
Am auffallendsten waren ihre Augen, und Kagome betrachtete fasziniert den leuchtenden Bernsteinton.
Jeweils ein Zacken im gleichen hellen Grün wie um ihre Handgelenke zog sich vom Jochbein zu einem Punkt zwischen Schläfen und Ohren und verlor sich in ihren Haaren.
Das interessanteste Detail befand sich jedoch auf ihrer Stirn.
Mittig, zwischen Nasenwurzel und Haaransatz prangte eine dunkelblaue Mondsichel.
Woohoo, dachte sie angesäuert, nicht nur daß ich mich benommen habe wie ein abgerichteter Köter, ich BIN ein Köter.
'Wir sind hübsch.'
'Ich könnte grade kotzen vor Wut, und du kommst mir mit 'wir sind hübsch'?'
'Aber wir sind hübsch,' beharrte ihre innere Stimme. 'Es ist als hätten wir schon immer so ausgesehen.'
'Du vielleicht. Aber wenn du meinst,' gab Kagome sich geschlagen. Hauptsache daß diese Stimme wieder verstummte.

Sesshoumaru hatte sie weiter beobachtet. Sie hatte sich unter Kontrolle, und war anscheinend nicht auf ihn wütend. Zumindest saß sie noch an der gleichen Stelle und machte keine Anstalten auf ihn loszugehen.
Als sie dann aufstand und mit dem Topf in der Hand zum Fluß lief, zuckte ein Lächeln um seine Mundwinkel. Sie würde sehr schnell feststellen daß sie auf menschliche Nahrung nicht mehr angewiesen war.
Mit feuchtem Gesicht, und ebenso feuchten Haaren rund um ihr Gesicht kehrte sie dann zurück, und er vermutete daß sie sich ihr Gesicht gewaschen hatte, um die Speichelspuren des Mischlings loszuwerden. Den vollen Topf stellte sie neben sich, machte aber keinerlei Anstalten sich etwas kochen zu wollen. Wußte sie etwa Bescheid?
Wenn sie es wußte, würde sie ihm Fragen stellen, und es wäre besser wenn er Antworten für sie hätte. Sie würde wütend sein. Er wußte ja selber nicht was genau passiert war, und ohne daß er genaueres wußte, würde es schwer werden eine Erklärung zu finden.

Noch immer ging er in Gedanken die Möglichkeiten durch wo er sie unterbringen konnte.
China schied völlig aus, aber auch die angrenzenden Länder. Dämonen scherten sich keinen Deut um irgendwelche Grenzen, es wäre nicht verwunderlich wenn die Nebeldrachen ihre Gebiete ausweiteten. Bei deren Freßgier würde niemand sich ihnen in den Weg stellen.
Sesshoumaru wußte daß sich seit einigen Jahren vermehrt Piraten, unter denen sich auch Dämonen befanden, auf dem Meer tummelten. Daher schieden auch die Inseln im Süden und Südwesten aus. Die Gefahr war zu groß daß sich darunter auch Spione im Dienst der Drachen befanden, die ihre Herren darüber informieren würden daß der Herr der Hunde den Inseln einen Besuch abgestattet hatte.
Noch weiter südlich gab es noch eine große Landmasse, aber über diese wußte er nichts, und sie in völlig unbekanntem Terrain, ohne Kenntnisse über Land und Bevölkerung, alleine zurückzulassen erschien ihm wenig sinnvoll.
Weiter Nördlich auf dem Festland hatten Bärenyoukai große Territorien. Durch langanhaltende Kriege waren diese jedoch nicht gut auf InuYoukai zu sprechen, obwohl die Inus unter der Herrschaft seines Großvaters im Recht gewesen waren, als sie die Bären aus dem Land gejagt, und ihnen dabei große Verluste zugefügt hatten.
Alles was im näheren Umkreis Japans lag, schied aus. Also blieb ihm nur noch eine einzige Himmelsrichtung.
Osten.
Östlich Japans befand sich der Ozean. Eine geradezu gigantische Fläche wo es nichts gab außer Wasser, Wasser und noch mehr Wasser.
Aber er wußte auch, daß sich inmitten dieser Fülle an Wasser Land befand.
Eine Inselgruppe, entstanden aus Vulkanen, und von Dämonen bislang unentdeckt. Der ideale Ort um sie in Sicherheit zu bringen.
Die ganze Sache hatte nur einen Haken.
Die Entfernung von ungefähr 1600 Ri schreckte ihn weniger, er hatte die Fähigkeit seiner Mutter, in Form von reiner Energie zu reisen, geerbt, und müßte nicht zwei Tage lang in seiner eigentlichen Form über den Himmel jagen. Er würde viel Youki dabei einsetzen müssen, aber ein oder zwei Tage auf einer der Inseln würden reichen um diesen Mangel wieder auszugleichen. Nicht anders als jetzt auch, nachdem er sein Youki in Form von Zahngift abgegeben hatte.
Er kannte die genaue Lage der Inselgruppe, nur deshalb wäre er überhaupt fähig die Inseln zu erreichen, einzig der Grund dafür schmeckte ihm nicht.
Sein Cousin war dorthin verbannt worden.
Sein Vater hatte ihn damals mitgenommen, zusammen mit anderen Youkai die seinen Cousin bewacht hatten, damit er frühzeitig lernen sollte wie sich ein Herrscher in solchen Situationen verhielt. Er war noch jung gewesen, und sein älterer Cousin hatte ihm, außer sein Vater natürlich, als Vorbild gedient. Jung, und weit von seiner jetzigen Selbstbeherrschung entfernt. Unfähig seine Gefühle zu kontrollieren hatte er sich gehen lassen, und das vor den Augen altgedienter Soldaten seines Vaters. Sein Cousin war auf Lebenszeit, zumindest aber solange bis der Rat dieses Urteil aufhob, verbannt worden, und er würde ihn nie wieder sehen. Er hatte sich benommen wie ein Halbwüchsiger und darauf bestanden seinem Cousin Gesellschaft zu leisten.
Nach ihrer Rückkehr war er dafür bestraft worden und hatte seine Lektion gelernt.
Über die Jahre und Jahrzehnte war er härter und gefühlskälter geworden, hatte seitdem nie wieder solche Gefühle gezeigt oder auch nur zugelassen. Er wußte nicht einmal mehr wie man das tat.
Eine stille Ablehnung war in ihm entstanden und angewachsen, die in seinem Hass auf seinen Vater gipfelte als dieser sich dieser menschlichen Prinzessin zugewandt hatte.
Und nun blieb ihm vermutlich keine andere Wahl als dorthin zurückzukehren.
An den Ort an dem er zum letzten Mal seine Gefühle zugelassen und offen zur Schau gestellt hatte.
Damals hatte er sich geschworen daß er nie wieder zulassen würde daß ihn seine Gefühle überrannten. Er hatte jede Art von Emotion im Keim erstickt, und wo er das nicht konnte, hatte er sie in sich vergraben.
Jetzt dorthin zurückzukehren, um die Miko, die ehemalige Miko, in Sicherheit zu wissen, würde ihm eine Menge Selbstbeherrschung abverlangen.
Dazu kam, daß sein Cousin dort allein lebte. Konnte er überhaupt das Wagnis eingehen sie bei ihm zu lassen? Sein Cousin hatte die Regeln mißachtet und Menschen gefressen, und lebte seitdem ohne jede Art von Kontakt zu anderen. Würde er die Regeln erneut mißachten und sich im schlimmsten Fall an Ihr vergreifen?
Viel Zeit war seit damals vergangen, könnte er sie ihm für die Dauer ihrer Trauerzeit, und bis er eine Erklärung für ihre Metamorphose gefunden hatte, anvertrauen?

Kagome hatte die ganze Zeit neben dem Feuer gesessen und ihren Blick schweifen lassen.
Ab und zu war Sesshoumaru in ihr Blickfeld geraten; der InuYoukai lehnte immer noch in Gedanken versunken am Stamm des Ahorns und rührte sich nicht. Dennoch war sie sich sicher daß ihm nichts entging.
Eigentlich müßte ich was essen, aber irgendwie habe ich keinen Hunger, dachte sie, und sofort meldete sich ihre innere Stimme.
'Hätte ich das nicht tun sollen?'
'Was hättest du nicht tun sollen?'
'Unseren Körper versorgen,' kam die prompte Antwort.
'Du sorgst dafür daß ich keinen Hunger habe?' fragte sie dann verblüfft.
'Du bist voller Energie. Dieses Youki wie du es nennst?'
'Wandelst du das irgendwie um? In Essen?' Kagome konnte nicht glauben was sie da hörte.
'Kein Essen. Ich leite die Energie direkt dahin wo du sie brauchst. Ich weiß sonst nichts damit anzufangen. Soll ich damit aufhören?'
Kagome dachte nach. Wie oft hatte sie damals Hunger verspürt und sich gedulden müssen bis ihre Gruppe geeignete Nahrung gefunden hatte. Oder daß Miroku in irgendeinem Dorf einen angeblich vorhandenen Dämon austrieb um an ein Nachtlager und Essen zu kommen. Sich nie wieder Sorgen zu machen wie sie an Nahrung kommen sollte, erschien ihr beinahe paradiesisch. Auf ihrem Weg war sie vor Hunger und Durst zusammengebrochen. So etwas würde sie nun nie wieder erleben müssen...
'Aber ich könnte noch essen, oder?'
'Glaube schon. Würdest du das wollen?'
'Wenn ich den da,' ihr Blick wanderte für einen kurzen Moment zu Sesshoumaru 'im Glauben lassen will daß ich keine Ahnung habe, sollte ich mir wohl etwas suchen.'
Sie holte ihre Brotdose aus ihrem Rucksack, stand auf und warf dem InuYoukai einen Blick zu.
"Ich gehe mir etwas zu essen suchen," sagte sie in neutralem Tonfall. Dann wandte sie sich ab und lief in den Wald. Vielleicht wuchsen hier irgendwo Pilze oder Beeren. Nach Fisch hatte sie kein großes Verlangen, davon hatte sie in letzter Zeit zuviel gehabt.
Sie wußte daß er ihr nachsah, sie konnte seine Blicke in ihrem Rücken spüren, und grinste in sich hinein.
Ihrem Geruchssinn folgend fand sie essbare Pilze und füllte ein paar davon in die Brotdose. Es würde reichen um ihn glauben zu lassen daß sie Hunger hätte.
'Sag mal,' fragte sie dann 'muß ich eigentlich noch aufs Klo? Wenn ich schon nichts esse...'
'Keine Ahnung. Im Moment finde ich nichts was du loswerden müßtest. Wie das ist wenn du was gegessen hast, weiß ich nicht.'
'Finden wir es heraus,' bestimmte Kagome und lachte in Gedanken auf. Die Aussicht, ihren nackten Po nie wieder der Kälte aussetzen zu müssen, oder sich mit Blättern zu säubern, erschien ihr geradezu himmlisch.

Sesshoumaru hatte ihre Worte vernommen und sich innerlich amüsiert. Als ob sie das noch bräuchte! Nun ja, sie würde es merken. Vermutlich würde sie auch schlafen wollen, um dann festzustellen daß sie das ebenfalls nicht mehr mußte.
'Und wenn sie doch Hunger hat?'
'Hat sie nicht. Ihr Biest wird dafür sorgen.'
'Sie macht nicht den Eindruck als hätte es sich schon bemerkbar gemacht.'
Sein Biest hatte Recht. Sie müßte zumindest verwirrt sein, wenn sie ihn schon nicht mit Fragen bedrängte.
Gespannt wartete er auf ihre Rückkehr und verfolgte scheinbar desinteressiert wie sie Pilze auf kleine Stöcke spießte und rund um das Feuer verteilte.
Später beobachtete er sie aus dem Augenwinkel wie sie aß und trank. Sie erweckte wirklich nicht den Anschein als hätte sie keinen Hunger.
'Willst du es ihr nicht endlich sagen?' drängte sein Biest. 'Und wenn du sie zu deinem Cousin schleppen willst, sollte sie das auch wissen.'
Dazu konnte er nur nicken. Beides würde ein Schock für sie sein.
Seit wann hatte er nur solche Skrupel?

Die Dämmerung hatte eingesetzt und es wurde zusehends dunkler. Mit dem schwindenden Tageslicht fiel die Temperatur, und Kagome hüllte sich, nachdem sie sich mit ihrer inneren Stimme darüber unterhalten hatte, in ihre Decke. Mit angezogenen Beinen starrte sie in das verlöschende Feuer und überlegte ob sie Holz nachlegen sollte.
Ihre innere stimme hatte ihr dazu geraten, alles so zu machen wie vorher, wenn sie wollte daß der InuYoukai annahm sie wüßte von nichts.
Sie war sogar nochmal kurz im Wald gewesen um sich hinter einen Baum zu hocken. Es hatte tatsächlich funktioniert, aber eventuell war das Wasser was sie getrunken hatte dafür verantwortlich. Sie würde das in den nächsten Tagen beobachten, Sesshoumaru würde ihr so etwas sicher nicht erklären. Falls er sich überhaupt zu irgendeiner Erklärung herabließ.
Sie hoffte daß sie wenigstens schlafen konnte. InuYasha hatte nur sehr selten geschlafen, erinnerte sie sich. Meistens hatte er dagesessen, Tetsusaiga im Arm, und hatte die Umgebung beobachtet. Einmal war er in ihrer Zeit auf ihrem Bett eingeschlafen, und hatte leise geschnarcht. Sie hatte ihn bis dahin noch nie so müde und erschöpft gesehen, und hatte ihn schlafen lassen und ihm dabei zugesehen.
Den Kopf schüttelnd vertrieb sie die Erinnerungen und seufzte leise.
Beide Arme um sich geschlungen war sie in ihrer Trauer wieder auf sich selbst angewiesen.
Niemand würde kommen und ihr einen Arm um die Schultern legen und irgendwelche tröstenden Worte zu ihr sagen.
Sie mußte sich dringend ablenken um nicht wieder in einen ähnlichen Zustand zu geraten wie in den letzten Jahren. Oder wie in den letzten Wochen. Nichts davon hatte sie weitergebracht. Und hatte sie sich nicht vorgenommen endlich Erwachsen zu werden und ihr Leben in den Griff zu bekommen?
Aber das hier ist anders, sagte sie sich. Das hier war die Realität und keine Hollywoodproduktion. Hier gab es kein Happy End.

Dem InuYoukai waren die winzigen Geruchsspuren nicht entgangen die der Wind zu ihm getragen hatte. Sein gutes Gehör übermittelte ihm das Herannahen mehrerer niederer Kreaturen. An den sich nähernden Auren identifizierte er eine Horde von kleineren Echsendämonen. Nicht unbedingt gefährlich, schon gar nicht für ihn, aber überaus lästig.
Nach einem raschen Blick zur ehemaligen Miko erhob er sich mit einer eleganten Bewegung und verschwand nahezu lautlos im Wald, wo er erneut seine Sinne ausstreckte.
Rasch hatte er die Echsen ausgemacht und umlief sie um dann von hinten an sie heranzutreten. Ein kurzes Aufwallen seines Youkis reichte aus daß die kniehohen Dämonen vor Schreck erstarrten.
Halbwüchsige Idioten, dachte er. Ein angriffslustiger Blick aus rotglühenden Augen war genug an Machtdemonstration. Seine gekrümmte Rechte war im Dunkel zwar nicht zu sehen, aber er strahlte mehr als genug Überlegenheit aus, so daß die Horde Echsen sich ihr Vorhaben, Vorräte aus dem Lager zu stehlen, noch mal durch den Kopf gehen ließen.
"Verschwindet, wenn euch euer wertloses Leben etwas bedeutet!" Der halblaut ausgesprochene Befehl wirkte wie ein Startsignal für die knapp ein Dutzend Heranwachsenden. Minuten später war von den lästigen Störenfrieden nichts mehr zu sehen und zu hören, und der hochgewachsene Silberhaarige trat den Rückweg an.
So, als sei nichts geschehen nahm er seine Position, an den Ahorn gelehnt, wieder ein und ließ seine Blicke schweifen.
Sie hatte scheinbar nichts von seinem Weggang gemerkt, denn sie saß noch immer dicht beim Feuer. Ihre Decke um die Schultern gelegt, starrte sie unter halbgeschlossen Lidern in die züngelnden Flammen.
Mit einer Hand legte sie ein paar trockene Zweige nach und streckte sich, die Decke um sich geschlungen im Gras aus. Kurze Zeit später vernahm er ruhige Atemzüge und daß sich ihr Herzschlag verlangsamte.
Probiers ruhig, dachte er hämisch, aber ich bezweifle stark daß du schlafen wirst.
Kopfschüttelnd wunderte er sich über sich selbst. In letzter Zeit entwickelte er mehr und mehr menschliche Gefühle wie Humor, und er sollte schleunigst daran arbeiten, dieses Verhalten wieder abzulegen. Nicht daß es noch zur Gewohnheit wurde...

Entgegen seiner Annahme schaffte Kagome das doch. Sie war in einen leichten Schlaf gesunken, der eher einem Dösen glich, als erholsamen tiefen Schlaf. Ein Dämmerzustand irgendwo zwischen Träumen und Wachen. Ihr Biest hatte die Kontrolle über Herzschlag und Atmung übernommen, und hielt sie in diesem wattigen Gefühl. Gleichzeitig durchforstete es Kagomes Erinnerungen und machte sie sich zu eigen.
Es gab sovieles nachzuerleben, so viel zu wissen, aber als die Nacht fast vorüber war, wußte es alles was es zu wissen gab.

Sesshoumarus Blicke wanderten während der Nacht immer wieder zu ihr.
Sie schlief wirklich, hatte er verwundert festgestellt, nur um es wieder und wieder zu überprüfen. Doch jedesmal wenn er ihrem Herzschlag und ihrer Atmung lauschte, vernahm er stets das selbe gleichmäßige Pochen, die gleichen ruhigen Atemzüge.
Keine Anzeichen von schlechten Träumen, kein Wimmern, nur ruhiger Schlaf. Und das wunderte ihn mehr als alles andere was er in den letzten Tagen und Nächten miterlebt hatte.
Hatte ihre Verwandlung in eine InuYoukai etwa gereicht um sie von ihrem, für ihn seltsamen Verhalten, zu befreien? Oder war es nur eine momentane Unterbrechung, hervorgerufen durch das was in der Quelle mit ihr passiert war? Er hoffte ersteres, die Tatsache daß sie kein Mensch mehr war, würde sie noch genug verwirren und belasten.
Aber eigentlich konnte es ihm egal sein.
Sein Entschluß stand fest. Er würde sie zu seinem Cousin bringen, und zumindest für die Dauer der üblichen Trauerzeit bei ihm lassen. In der Zwischenzeit würde er seinem Onkel einen Besuch abstatten, und ihm vom Zustand der Quellen berichten. Anschließend würde er zu seinem Palast zurückkehren und Nachforschungen anstellen über ihre Verwandlung.
Wohl oder übel müßte er der Dämonenweberei einen Besuch abstatten. So konnte er sie schlecht herumlaufen lassen. Sie würde neben normaler, standesgemäßer Kleidung, auch welche benötigen in der sie kämpfen konnte. Denn sie würde es sich nicht nehmen lassen ihn auf der Suche nach dem Aufenthaltsort der Nebeldrachen zu begleiten. Also auch eine Rüstung, für alle Fälle.
Und Waffen, und das war etwas vor dem ihm graute.
Nicht daß er dem Schmied nicht zutraute, eine für sie geeignete Waffe schmieden zu können, aber Totosai kannte sie noch von damals und würde unliebsame Fragen stellen.
Und die galt es zu verhindern.
Zumindest solange bis er für alles eine Erklärung gefunden hatte. Er kannte den alten Schmied lange genug um zu wissen daß dieser zumindest Myoga gegenüber seine Klappe nicht halten konnte, und der geschwätzige Flohgeist würde es überall ausposaunen.
Doch bevor er mit ihr den Schmied aufsuchen würde, müßte er noch nach dem Kitsunen suchen. Dieser befand sich in einem Ausbildungslager, doch er wußte nicht in welchem. Die Kitsunen waren geradezu Meister darin, ihre Lager für andere quasi unsichtbar zu machen, und selbst wenn er den richtigen Ort fand, könnte er tagelang darum umher irren und würde den Eingang dennoch nicht finden.
Und er müßte eine Möglichkeit finden, die Dämonenjäger zu kontaktieren. Sie würde darauf bestehen ihre Freunde von früher aufzusuchen, und in Anbetracht der Tatsache was auf sie zu kam, ja zu dem was auf sie beide zu kam, wäre es besser er würde diesem Wunsch nachkommen. Umso eher würde sie auf seine Forderungen, diese Sache betreffend, eingehen.
Um alles andere machte er sich momentan keine großen Gedanken. DARUM würde sich seine Mutter schon kümmern, und ihm wurde jetzt schon speiübel wie sich das Ganze gestalten würde. Noch dazu wo sie nun kein Mensch mehr war.
Jeden weitergehenden Gedanken von sich schiebend starrte er mißmutig in die Nacht und wartete darauf daß es endlich Morgen wurde.

Kagome erwachte erholt, besser gesagt, ihr Biest riß sie sanft aus ihrem Dämmerzustand und nötigte sie dazu, im Wald hinter einem Busch zu verschwinden und sich anschließend einen Tee zu kochen. Um den Anschein zu wahren daß sie ahnungslos ob ihres Zustandes war, gehorchte Kagome ohne Widerrede. Danach packte sie ihr Bündel und warf dem InuYoukai einen Blick zu. Bis jetzt hatte er kein Wort gesagt, aber sie vermutete daß er weiterziehen wollte. Sie wunderte sich ohnehin schon darüber daß sie so lange an einem Platz verweilt hatten.
Ihre Ahnung täuschte sie nicht, denn kaum hatte sie ihr Bündel über ihrer Schulter, erhob er sich, steckte seine Schwerter in seinen Obi und wandte sich zum Gehen. Sie folgte ihm wortlos. Was blieb ihr auch schon großartig übrig, sie hätte beim besten Willen nicht sagen können wo genau sie sich befand.
Am späten Vormittag ging ihr die anhaltende Stille auf die Nerven und sie unterbrach ihr Schweigen.
"Was ist eigentlich passiert?" wollte sie wissen. "Also insgesamt. Ich meine nachdem ihr mich in dem Dorf abgeladen habt. Irgendwie klafft da eine Lücke in meiner Erinnerung."
Sesshoumaru glitt ein eisiger Schauer über den Rücken, und seine Nackenhärchen stellten sich auf. Er stoppte abrupt und blieb stocksteif stehen.
"Ich wüßte auch zu gerne was in der Quelle vorgefallen ist," versetzte sie ihm den Todesstoß. "Wieso waren wir eigentlich nackt? Gibt es da irgendetwas das ich wissen müßte?"

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Oh oh Sesshoumaru. Jetzt sieh zu wie du da wieder rauskommst...

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Ich würde mich echt über eure Meinungen freuen. Lasst mal ein paar Kommis da wie die Story euch gefällt^^

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