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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
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04.11.2020 3.123
 
Während der Fürst der Hunde überlegt wie er Kagome um die Ecke, ähh, in Sicherheit bringen kann, hadert das Objekt seiner, oder besser gesagt, seines Biestes Begierde mit sich und ihren Gedanken den Youkai betreffend.
Angesichts dessen was sie für ihn plant, wird er sich anstrengen müssen um seinem Schicksal zu entgehen.
Und er täte besser daran, sich plausible Erklärungen einfallen zu lassen...

Have Fun

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Lange Listen

Während Kagome in die Flammen starrte und ihren Gedanken nachhing, hatte Sesshoumaru sich an seinen Baum zurückgezogen und dachte ebenfalls nach.
Ganz egal wohin er sie bringen könnte, ihr Geruch würde ihren Aufenthaltsort verraten. Sie wäre nirgendwo in Japan sicher. Auch das Festland schied aus. Ursprünglich kamen die Nebeldrachen von dort. Vielleicht zogen sie sich zwischen ihren Raubzügen und Freßgelagen in ihre alte Heimat zurück. Auch sie auf dem Festland weiter westwärts zu bringen würde nicht zu ihrer Sicherheit beitragen. Sie wäre nicht einmal in seinem eigenen Palast in Sicherheit.
Blieb nur das schwebende Schloß seiner Mutter, und das wäre der letzte Ort an dem er sie untergebracht hätte.
Seine Mutter hätte dies sofort ausgenutzt und Boten zu sämtlichen anderen Fürstentümern geschickt. Und das wollte er unter allen Umständen verhindern.
Er mußte sich ohnehin etwas einfallen lassen, um Kagomes Verwandlung in eine InuYoukai glaubhaft zu erklären. Er log nie, hatte es bis jetzt nicht getan, und wollte es auch gar nicht. Aber seiner Mutter und dem Rat gegenüber seine Verfehlungen eingestehen zu müssen, erschien ihm äußert schwierig. Seine Taten könnte man im schlimmsten Fall als Hochverrat auslegen, und die Strafe dafür war ihm bekannt. Ihn würde man nicht so glimpflich davonkommen lassen wie seinen Cousin, der jetzt auf einer Inselgruppe fernab der Heimat sein Dasein in absoluter Isolation fristen mußte. Dessen Taten waren im Vergleich zu seinen als hätte der den Vorgarten seiner Mutter verwüstet.
Um Wahrheitsgemäß antworten zu können, mußte er eine glaubhafte Erklärung, für das was er getan hatte, finden, ohne sich gleichzeitig in eine ausweglose Lage zu bringen.
Daß er sie am Brunnen niedergeschlagen hatte, war harmlos und ohne großen Aufwand zu erklären. Da sie eine alte Frau hätte sein müssen, hatte er nicht davon ausgehen müssen daß sie diejenige war die er suchte. Alles andere jedoch...
Er hatte sie mitgenommen, statt sie sofort ohne jeden Umweg in seinen Palast zu bringen.
Er hatte ihr verschwiegen was sie nach dem Tod seines Halbbruders war, und daß es seine Pflicht war sich ihrer anzunehmen und sie zu beschützen. Und sie als seine Gefährtin anzuerkennen...
Er hatte ihr keine ausreichenden Pausen gegönnt.
Hatte sie für sich selbst sorgen lassen, statt das für sie zu tun wie es seine Pflicht gewesen wäre. Und als sie das nicht mehr konnte, war er auch noch wütend darüber geworden.
Hatte zugelassen daß sie sich selbst erniedrigte und besudelte. Und sich anschließend über ihre mangelnde Hygiene aufgeregt.
Hatte sie vergiftet, unter dem fadenscheinigen Vorwand daß er sich durch ihre Trauer gestört fühlte.
A pro pos Trauer.
Nicht einmal die ihr zustehende angemessene Trauerzeit hatte er ihr gegönnt.
Sie nicht sofort zu ihren Freunden zu bringen war nicht unbedingt eine Verfehlung, aber angesichts der Tatsache, daß sie bereits ein sehr hohes Alter erreicht hatten, und nicht abzusehen war wie lange sie noch leben würden, wäre es angebracht gewesen.
Er hielt sie von ihrem Sohn fern, selbst wenn dieser nur angenommen war. Sie hatte nach Regeln und Gesetz gehandelt, und das allein zählte.
Er hatte sie mehrfach in Gefahr gebracht. Bewußt in Gefahr gebracht.
Und er hatte sie in eine Youkai verwandelt. Wobei er nur vermuten konnte daß sein Zahngift daran schuld war.
Jeder dieser Punkte hätte schon für eine Anklage gereicht.
Zusammengefasst bedeuteten sie sein Todesurteil.
Daß seine Mutter, oder aber der Rat, ihn noch nicht aufgesucht und mitgenommen hatte, grenzte an ein Wunder.
Vielleicht warteten sie aber auch einfach ab, wie tief er sich noch in die Scheiße reiten würde, um ihn dann an Ort und Stelle zu töten.

Kastrieren oder an die Kette legen?

Kagome starrte in die Flammen und sah zu wie sich ihre Miko-Tracht in Asche und Rauch verwandelte.
So lange war sie in ihrer Schuluniform durch das Land gezogen. Für diese Zeit mehr als unzüchtig gekleidet. Die Tracht einer Miko hatte sie damals nur getragen wenn ihre eigene Kleidung kaputt oder dreckig war. InuYasha hatte sie sogar böse angefahren daß sie die Tracht ausziehen solle, weil sie ihn so noch mehr an Kikyo erinnern würde.
Sie hatte sich damals auch nie als MIko gesehen. Noch weniger als Shikon-Miko. Sie hatte das Juwel doch nicht absichtlich in diese Zeit zurückgebracht, und daß sie es dann zerstört hatte war ein Versehen gewesen. Alles andere als gewollt. Daß sie dann die Splitter suchen würde war doch selbstverständlich, und machte sie nicht automatisch zu einer Miko.
Gut, sie verfügte über Reiki, und konnte Dinge sehen die andere nicht sahen, aber selbst das, und die Fähigkeit Dämonen zu läutern, machten sie noch lange nicht zu etwas besserem. Sie war nur ein Mensch unter vielen. Jung, ungeschickt und manchmal vorlaut und aufbrausend.
Daß sie die Tracht nach ihrer Rückkehr in diese Zeit freiwillig angezogen hatte, war nur passiert weil sie erwachsener geworden war, und begriffen hatte daß sie als Frau in dieser Zeit nicht viele Möglichkeiten hatte. Und weil sie die Menschen nicht weiter vor den Kopf stoßen wollte, wenn sie ihre gewohnte Kleidung trug. Ihre Kräfte zu akzeptieren war der erste Schritt gewesen, sich ihrer Rolle gemäß zu kleiden der Zweite. Und immerhin war sie es gewesen die das Juwel und die Bedrohung durch Naraku letztendlich aus der Welt geschafft hatte.
Sie hätte sich etwas anderes für ihre Zukunft gewünscht; ihre Freunde wiedersehen, mit ihnen zusammenleben, mit InuYasha glücklich werden. Vielleicht hätte sie dann bei Kaede und Jinenji mehr über Heilpflanzen und Kräuter gelernt und den Menschen und Youkai geholfen. Für sie hatte es da nie Unterschiede gegeben.
Als normale Frau wäre sie in ihren Möglichkeiten mehr als eingeschränkt gewesen. In dieser Zeit war es nicht üblich daß Frauen außer niederer Abeit etwas anderes taten.
Mikos waren im allgemeinen hoch angesehen, ein Umstand den sie in den ersten zwei Wochen ihres wieder da seins zu spüren bekommen hatte.
Und nun brannte das Symbol ihrer 'Freiheit'. Brannte weil sie sich damit in Lebensgefahr brachte, statt damit für andere als unantastbar zu gelten.
Brannte weil irgendwelche nach Rache lechzenden Geschöpfe Jagd auf Frauen wie sie machten.
Sie wußte daß es nur Kleidung war, ersetzbare Kleidung, aber aus irgendeinem, nicht nachvollziehbarem, Grund hatte sie das Gefühl, daß sie sie nicht ersetzen würde. Daß sie diese Art Kleidung nie wieder tragen würde.
Seit sie in dieser Quelle erwacht war fühlte sie sich so komisch.
Auf eigenartige Weise lebendig.
Wacher.
Gut, sie hatte offenbar in der Quelle geschlafen, wobei sie nicht wußte wie lang, und sie waren heute auch noch nicht lange genug unterwegs um wirklich müde zu sein, aber sie verspürte weder Hunger noch Durst, noch hatte sie irgendwo Schmerzen.
Dieser verabscheuungswürdige Dämon hatte sie gewürgt, aber der minimale Schmerz in und an ihrem Hals war verschwunden. Einzig das juckende Gefühl war noch da, verringerte sich aber. Vermutlich irgendein Insektenstich, vermutete sie. Nichts worüber sie sich Sorgen machen müßte.
Auffallend dagegen waren ihre Schmerzen im Knöchel. Beziehungsweise, das Fehlen von Schmerzen.
Bisher hatte sie den Fuß nicht richtig belasten können. Seit sie in der Quelle aufgewacht war spürte sie nicht eimal ein leichtes Ziehen. So als wäre ihr Knöchel nie gebrochen gewesen. Hatte die Quelle etwa Heilkräfte?
Sesshoumaru hatte sich eigenartig verhalten. Er hatte sie nicht erkannt. Und er hatte sie seltsam respektvoll behandelt. Er hatte sie gesiezt und tat es noch.
Vielleicht tut ihm sein mieses Verhalten mir gegenüber auch einfach nur leid, dachte sie. Alles Quatsch, als ob dem jemals irgendetwas leid täte, widerrief sie ihre Vermutung dann wieder.
Und doch, das seltsame Gefühl, daß der InuYoukai irgendetwas damit zu tun hatte, blieb.
Irgendetwas mußte in der Quelle passiert sein. Sie beide waren nackt gewesen. Hatte er etwa die Situation ausgenutzt? Kagome wurde heiß und kalt in dem Moment, aber dann schalt sie sich einen Narren. Sesshoumaru wäre der letzte der Hand an sie legen würde.
Oder doch nicht?
So wie er sie die letzten Wochen behandelt hatte, wäre das nur das Tüpfelchen auf dem I, eine weitere Möglichkeit sie zu erniedrigen.
Daß würde auch erklären warum sie nicht in der Lage gewesen war sich gegen dieses miese Schwein zu wehren, und ihre läuternden Pfeile nicht funktioniert hatten. Daß sie sowenig Reiki besaß.
Hatte er sie deshalb ausgezogen und in die Quelle gelegt?
Hinterher, um sie zu reinigen und seine Spuren fortzuwaschen?
Er hätte noch nichtmal Gewalt anwenden müssen, fiel es ihr ein. Sie war die ganze Zeit bewußtlos gewesen. Vermutlich mehrere Stunden lang. Zeit genug für ihn, und vermutlich kennt er auch genug Tricks um keine deutlichen Spuren zu hinterlassen!
Die ganze Zeit vorher war er nicht grade freundlich, bis ich angefangen habe mich wie ein Tier zu benehmen, dachte sie. Und dann hab ich nur noch seine Befehle befolgt und bin ihm hinterhergelaufen. Hat er das etwa lange vorher schon geplant? Daß das alles Absicht war um mich... Nein! So etwas würde er nie tun! Er hasst Menschen und würde nie Hand an eine Miko legen.
Allerdings hat er InuYasha auch nicht auf seiner Beste Freunde Liste gehabt, und die Gelegenheit seinem Bruder nach dessen Tot einen reinzuwürgen, à la Ich tu was mit Ihr zu dem Du zu unfähig warst, noch dazu ohne daß sie es mitbekommt; nein, soweit würde der Youkai nicht gehen, revidierte sie ihre Meinung.
Sie war hin und hergerissen was den Youkai betraf. Einerseits traute sie ihm nahezu alles zu, andererseits auch wieder nicht. Und irgendwoher war ein Gedanke gekommen und hatte sich in ihr festgesetzt.
Hunde waren Beschützer.
InuYasha hatte das mehr als einmal unter Beweis gestellt. Manchmal sogar wenn sie gar keinen Schutz benötigt hatte. Aber er hatte sich nicht davon abbringen lassen. Und ohne dieses Verhalten hätte er Tetsusaiga niemals beherrschen können. Nicht umsonst war es das Beschützerschwert.
Und Sesshoumaru war ein Hund.
Blieb nur die Frage, welche Sorte Hund.
In die Kuschelfraktion gehörte er definitiv nicht. Und mit Beschützen hatte er es auch nicht so. Rin hatte die große Ausnahme gebildet. Und auch sie selbst war ein paarmal von ihm gerettet und beschützt worden. Aber laut eigener Aussage gäbe es nichts das er beschützen würde.
Nein, Sesshoumaru gehörte in die Kategorie Wachhund. Und zwar die Sorte die irgendwo einen Schrottplatz oder ein Fabrikgelände bewachte. Die sich auf leisen Pfoten anschlich und keinen Laut von sich gab, bevor sie ihre scharfen Zähne in ihr ahnungsloses Opfer schlug.
Und für das was er ihr bis jetzt angetan hatte, gehörte er an die Kette gelegt und bestraft. Ganz egal ob und was in der Quelle passiert war, oder auch nicht.
Kagome hasste Tierquälerei, aber diesem Hund mußte endlich mal jemand seine Grenzen zeigen. Zur Not mit einer Kette und einem ordentlichen Halsband.
Und sollten alle Stricke reißen, könnte man den räudigen Köter immer noch kastrieren!

Hätte Sesshoumaru gewußt, welche Gedanken Kagome gerade durch den Kopf gingen, hätte er sich vermutlich sofort zum schwebenden Schloß seiner Mutter begeben um sich zu stellen. So aber hing er seinen eigenen Gedanken nach und ging sämtliche Möglichkeiten, Kagome in Sicherheit zu bringen, durch.
Drachen waren für ihre Rachsucht bekannt. Nachdem sein Vater Ryukotsusei gebannt hatte, war er zu Izayoi geeilt um ihr bei der Geburt ihres Sohnes bezustehen, und hatte dort den Tod gefunden. Damit war die Angelegenheit für die Drachen erledigt gewesen, ihr Oberhaupt war zwar gebannt, aber der Herr der Hunde war tot.
Und dann war InuYasha aufgetaucht und hatte Ryukotsusei getötet.
Ein nichtsnutziger Hanyou hatte das fertiggebracht was dem Herrn der Hunde nicht gelungen war.
So beschämt, konnten die Nachfahren Ryukotsuseis gar nicht anders, als ihre Rachegelüste aufleben zu lassen. Aus Sicht der Drachen durchaus legitim. Daß sie, um ihr Ziel zu erreichen, zahllose Dörfer quasi leergefressen hatten, war dagegen unverzeihlich. Nach dem Mord an seinem Halbbruder hätten sie, ihren eigenen Regeln zufolge, befriedigt in ihre Heimat zurückkehren müssen.
Die grausamen Morde an den Mikos hatten noch Jahre nach InuYashas Tod angedauert, und Kagomes Einwand, das geschähe weil die Drachin die Zeichnung im Medaillon gesehen hätte, war berechtigt.
Daß sie jetzt ihre Miko-Tracht verbrannte war logisch. Logisch aber unnütz.
In ihrer jetzigen Form würde er nicht zulassen daß sie sich in solche Gewänder hüllte. Ganz egal was er von ihr hielt, eine Inu in Menschenkleidung, noch dazu in solcher Kleidung, hätte ihn in ein schlechtes Licht gerückt. So als sei er nicht in der Lage ihr angemessene Kleidung zu besorgen. Ihr Kimono war passender als die Miko-Tracht, aber auch dieser war nur ein Notbehelf.
Unnütz auch aus einem anderen Grund.
Es würde keinen Unterschied machen ob sie ihre Kleidung nun verbrannte oder offen herumliegen ließ. Falls die Nebeldrachen auf sie aufmerksam werden sollten, würden sie ihrer Geruchsspur folgen, und sich nicht an herumliegender Kleidung aufhalten.

Kagome fühlte sich wie unter Strom gesetzt.
Eine innere Unruhe hatte sie ergriffen. Seit sie über ihren Begleiter nachdachte, hatte sie das Gefühl als ob tausende Nadeln in ihr steckten. Nur mit dem Unterschied daß sie aus ihr heraus drängten. Ähnlich dem Kribbeln was man empfand wenn einem ein Fuß einschlief und wieder erwachte. Ihre Hände glitten fahrig über ihre Unterarme, rieben auf- und abwärts darüber. Dann, als ob reiben zuwenig wäre, krümmten sich ihre Finger und kratzten in langen Strichen über ihre Haut. Das half ein bißchen, aber die Wut über das, zu was Sesshoumaru sie gezwungen hatte, blieb.
Er hätte es mir nur erklären müssen, dachte sie, und mir mehr Zeit für die nötigen Dinge lassen. Der Kerl hat mich beobachtet wie ich meine Tampons aus dem Rucksack geholt hab! Hätte der mir womöglich noch dabei zugesehen?
Bei der Erinnerung wurde sie nachträglich kalkweiß.
Bleib ruhig, Kagome. Jetzt wütend auf den losgehen bringt überhaupt nichts.
Tief Luftholend preßte sie ihre Lippen aufeinander und zog mit den Zähnen eine Spur über Ober- und Unterlippe.
Blut schmeckend fuhr sie mit der Zunge über ihre Lippen, schmeckte mehr Blut. Verwundert tastete sie mit der Zunge über ihre Zähne und stockte.
Was zur Hölle war das?!
Sie fuhr sich erneut mit der Zunge über ihre Zähne, nahm schließlich ihre Finger zu Hilfe, aber auch diese vermittelten ihr das gleiche Gefühl.
Den Kopf vorbeugend fuhr sie sich mit beiden Händen durch ihre Haare, dann presste sie ihre Stirn gegen ihre Handballen.
Super, erst benehm ich mich wie eine Irre, und jetzt hab ich auch noch Reißzähne wie ein Vampir, dachte sie.
Nein, nicht wie ein Vampir. Wie ein... Dämon!
In ihrem Kopf schrillten Alarmglocken und sie hob den Kopf aus ihren Händen. Dabei zog sie sich ein Paar Strähnen vors Gesicht.
Ungläubig starrte sie auf ihre Hände. Blau. Meine Haare sind... Blau.
Sie hob verwundert ihre Hände hoch, fixierte die blauen Haare zwischen ihren Fingern. Dabei waren die Kimonoärmel bis zum Ellenbogen gerutscht und gaben den Blick auf ihre Unterarme frei. Ungläubig musterte sie die hellgrünen gezackten Linien die sich um ihre Handgelenke wanden. Sie ließ ihre Arme sinken, die Ärmel rutschen herab und bedeckten die offensichtlichen Male wieder.
Oh, dieser Scheißkerl! Also hat er doch...! Na, der kann sich auf was gefasst machen!
'Nicht aufregen jetzt,' wisperte ihr Unterbewußtsein.
'Klappe! Ich muß nachdenken!'

Ihr Youki wallte unruhig auf und ab, und Sesshoumaru vermutete daß sie über das Portrait und was darauf zu sehen war nachdachte.
Aus ihrer Sicht allzu verständlich. Für ihn waren vierzig Jahre vergangen, sie hatte jedoch erst vor kurzem erfahren, noch dazu auf eindrucksvolle Weise, was sich zugetragen hatte.
Sie war ein Mensch, war ein Mensch gewesen, korrigierte er sich dann, und sie würde denken wie ein Mensch. Nicht einmal er konnte ihr das vorwerfen.
Vielleicht hätte er irgendetwas zu ihr sagen sollen. So wie Menschen das in solchen Situationen taten. Unter Youkai wäre es zumindest angemessen gewesen daß man die Tapferkeit des Gefallenen gelobt hätte, oder aber dessen Fähigkeiten. Wie stark der Gegner gewesen war.
Er hatte nichts davon getan. Hatte sie stattdessen niedergeschlagen und anschließend ausgehorcht und sie gezwungen ihn zu begleiten.
Er hatte kein Recht gehabt ihr ihre Trauer vorzuwerfen und ihren Tee zu vergiften.
Wieder spürte er ihr Youki und drehte den Kopf ein Stück in ihre Richtung, um sie dann verwundert zu mustern.
Sie war offensichtlich wütend, wobei er nicht wußte worüber sie sich aufregte. Gleichzeitig schwappte eine weitere Welle Youki in seine Richtung.
Es hatte sich verändert und war seinem eigenen nur noch bedingt ähnlich. Ihr bis dahin schwaches Reiki hatte sich mit seinem, durch sein Zahngift übertragenem Youki, verbunden und für eine einzigartige Mischung gesorgt. Statt der üblichen dämonisch violetten Aura waberte eine Meido um sie. Schwarzviolett, durchzogen mit gleißenden Sprenkeln in allen Farben des Regenbogens.
Er verspürte keine großartige Lust damit in Kontakt zu kommen, bevor er nicht wußte was sie damit alles anrichten konnte. Äußerlich die Ruhe selbst, verharrte er in seiner Haltung. In seinem Rücken die glatte Rinde des Ahorns an dem er sich niedergelassen hatte. Ein Bein ausgestreckt, das andere angewinkelt.
Sein eigenes Youki hatte sich noch nicht zur Gänze erholt, aber im Falle eines Kampfes wäre er ihr durch seine Erfahrung und seine Techniken überlegen. Im Gegensatz zu ihr wußte er schließlich was er war, wohingegen sie vermutlich immer noch glaubte ein Mensch zu sein. Sie stünde ihm trotz ihres starken Youkis hilflos gegenüber.
Für einen kurzen Moment erinnerte er sich an ihren Angriff auf ihn. Als sie ihn zuerst gebissen und dann attackiert hatte, und die Art wie sie das getan hatte.
Damals hatte er geglaubt sie würde einen unsichtbaren Bogen spannen, nun wurde ihm auf einmal bewußt daß sie seinen eigenen Angriff quasi kopiert hatte. Mit der gleichen Haltung war er einst auf seinen Halbbruder losgegangen.
Nun ja, sie hatte ihre Krallen gekürzt, aber im Fall der Fälle könnte sie ihn durchaus damit verletzen falls sie es schaffte schnell genug zu sein. Doch damals hatte sie rein instinktiv gehandelt, nun war sie bei klarem Bewußtsein, und er glaubte nicht daß sie sich von ihrem Instinkt leiten ließ.
Langsam veränderte er seine Haltung ohne sie aus dem Blick zu verlieren. Tat so als würde er sich nur bequemer hinsetzen wollen, tatsächlich wäre er aber nun in der Lage jederzeit aufspringen zu können, falls sie es sich in den Kopf setzen würde auf ihn loszugehen.
Seine Augen halb schließend, lehnte er seinen Kopf gegen den Stamm und gab sich den Anschein als würde er locker und entspannt dasitzen.
Vielleicht würde das reichen um sie zu beruhigen.
Zumindest hoffte er das.
Ihre zornglühenden roten Augen verhießen nichts Gutes.

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Such dir schonmal ein gutes Versteck Sesshoumaru. Mit Kagome ist nicht zu spaßen, schon gar nicht wenn sie wütend und auf Rache aus ist...

Plätzchen für alle

Lasst mir was da^^
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