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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
Alle Kapitel
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29.10.2020 3.859
 
Ob Kagome endlich erfährt ob Sesshoumaru verrückt ist?
Have fun

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Männer sind Schweine

Sesshoumaru hatte den auf sie zu kommenden Dämon schon gewittert, bevor Kagome durch Geräusche auf ihn aufmerksam wurde.
Die Situation abschätzend hatte er sich seitlich von ihr entfernt. Einmal, weil er sehen wollte wie sie reagierte, nun da sie ein Youkai war. Zum zweiten, weil er nicht wußte wie sie letztendlich reagieren würde, und es schien ihm sicherer nicht allzudicht bei ihr zu sein.
Er hatte die Szene von der Lichtung noch allzu deutlich vor Augen, und wollte nicht unbedingt im Einzugsbereich ihrer Kräfte sein.
Letztendlich aber um eingreifen zu können, falls sie es wider Erwarten nicht schaffte dem Dämon Herr zu werden.
Als er nun sah was da ohne jede Eile auf sie zu kam, und dabei Büsche und Bäume wie Streichhölzer knickte, schüttelte er angewidert den Kopf.
Manche Dämonen hatten scheinbar gar kein Gefühl für angemessene Partner. Und das da vor ihm bewies nur allzu deutlich die Verirrung seiner Erzeuger.
Rassenübergreifende Verbindungen brachten nie etwas vernünftiges Zustande, und waren auch nicht gewünscht.
Eine Verbindung zwischen Löwen und Wildschweinen war einfach nur abartig.

Als Kagome nun zu Pfeil und Bogen griff, war er nicht sonderlich überrascht. Er zweifelte nicht daran daß sie nicht wußte was mit ihr passiert war, und hatte praktisch damit gerechnet. Daß ihr Pfeil aber so gar keine Wirkung hatte, überraschte ihn mindestens so sehr wie sie. Daß sie noch einen zweiten dem ersten hinterher schickte war zu erwarten gewesen. Auch dieser bewirkte nichts, und Sesshoumaru war gespannt wie Kagome reagieren würde.
Das seltsame Mischwesen erreichte Kagome, griff nach ihrem Hals und presste sie rücklings gegen einen Baum.
"Du hast mir gerade noch in meiner Sammlung gefehlt," grollte der Dämon und ließ seine Blicke über ihren Körper wandern.
Kagome konnte kaum atmen, geschweige denn antworten. Sie funkelte den Dämon an.
"So eine Hübsche," sprach dieser weiter. "Ich weiß schon was ich mit dir anstellen werde."
Träum weiter, dachte Kagome. "Hrch," drang es aus ihrer Kehle. Sie bekam kaum noch Luft. Ihre Hände krampften sich in einer hilflosen Geste um das Handgelenk des häßlichen Wesens, als sie versuchte seine Hand von ihrem Hals zu lösen. Gleichzeitig trat sie ihm gegen das Schienbein. Der Dämon lachte nur.
"Spar dir dein Feuer für später."
Sie drehte den Kopf angewidert zur Seite als er ihr übers Gesicht leckte. Der stinkt wie ein Haufen Biomüll in der Sonne, dachte sie und kämpfte gegen ihren Brechreiz. Seine Rechte an ihrem Hals, spürte sie wie seine Linke über ihren Körper glitt. Panik ergriff sie. Ihre Pfeile hatten nicht funktioniert, ihr Reiki hatte sie offensichtlich im Stich gelassen, und Sesshoumaru hatte es offenbar vorgezogen das Weite zu suchen. Was dieser stinkende Haufen mit ihr vorhatte, konnte sie sich nur zu gut vorstellen. Schon einmal hatte ein Schwein sie zu seiner Frau machen wollen. Sind Männer wirklich nichts als Schweine mit abartigen Phantasien? dachte sie angeekelt.
"Du wirst dich schon an mich gewöhnen, und nach den ersten paar Malen wirst du geradezu darum betteln."
"Wird sie nicht!"
Das Mischwesen ließ Kagome los,wandte den Kopf und gewahrte Sesshoumaru in ein paar Metern Entfernung. Dieser warf ihr einen Blick zu und sah wie sie zu Boden sackte.
"Schau an. Ein Konkurrent."
"Irgendwelche letzten Worte?" fragte der Youkai frostig. Die Finger seiner rechten Hand verströmten ein giftgrünes Leuchten. Im nächsten Moment schnellte die Säurepeitsche vor und wand sich um den Hals des Mischwesens. Mit einem Ruck wurde dieser aus Kagomes Nähe gezerrt und zerstob gleich darauf in einem Meer aus grünen Funken.
"Keine. Dachte ich mir schon." Ohne weitere Worte wandte er sich ab.
"Danke," krächzte Kagome knapp. Sie rieb sich über ihren Hals und schluckte ein paar Mal.
"Hn," kam prompt die Antwort.
Sie schluckte ihre Wut hinunter und schaute ihm mit zusammengekniffenen Augen nach. Das ist wider typisch, dachte sie. Erst einen im Stich lassen, und dann so tun als sei nix passiert. Gut, er hat mich gerettet, setzte sie gedanklich hinzu, bevor ihre innere Stimme sie daran erinnerte. Für einen Moment lang war es beinahe lustig gewesen sich mit sich selbst zu unterhalten, aber auf Dauer gesehen würde dieses Verhalten sie in den Wahnsinn treiben. Falls das nicht schon ein Anzeichen für beginnenden Wahnsinn war.

"Ich versteh das nicht," sagte sie etwas später, während sie den Rücken des InuYoukai im Blick behielt. Nochmal würde sie ihn nicht aus den Augen verlieren.
"Daß der Sohn das widerwärtige Benehmen seines Erzeugers geerbt hat? Über Abschaum denkt man nicht nach. Man tötet ihn."
"Nein. Also, nicht daß man sowas nicht töten sollte. Nein, meine Pfeile. Ich... sie haben nicht funktioniert."
Sesshoumaru hätte ihr ja sagen können, daß ihr Reiki sich noch immer nicht erholt hatte, aber dann hätte er ihr gleichzeitig berichten müssen was vorgefallen war. Und wie sein Part dabei ausgesehen hatte. Das wollte er aber nicht mitten in einem Wald den er nicht kannte, und von dem er nicht wußte was sich darin aufhielt, sondern an einer Stelle von wo aus er alles, oder fast alles, im Blick hatte.
"Später," war darum auch seine einzige Antwort.

Ryukotsusei

Keine Stunde danach erreichten sie den Rand des Waldes. Angrenzend befanden sich brachliegende Felder. Der gleiche Fluß der zuvor als Bach an der heißen Quelle vorbeigeplätschert war, diente als Wasserquelle für die Bauern der Umgebung, und würde im kommenden Frühjahr wieder auf die Felder geleitet werden um diese zu überschwemmen. Nun floß er einfach zwischen den Feldern hindurch und strömte Richtung Osten, dem Meer entgegen.
"Wir rasten hier." Mit diesen Worten ließ sich Sesshoumaru an einem Baum nieder. Kagome gehorchte ohne Widerworte und tat es ihm gleich. Sie fühlte sich zwar weder müde, noch hungrig, aber wenn der Herr der Hunde beschloß eine Pause einzulegen, dann widersprach man nicht.
Abwesend befühlte sie ihren Hals. Sie würde vermutlich eine Weile mit blauen Flecken herumlaufen, aber immerhin schmerzte es nicht mehr. Irgendetwas mußte sie gestochen haben, an ihrer rechten Halsseite juckte es, und ohne groß nachzudenken kratzte sie sich.
"Au," murmelte sie und fühlte über die Stelle. Sie wischte ein paarmal darüber und betrachtete sich ihre Fingernägel.
"Bei diesen Krallen kein Wunder," kommentierte sie die rote Feuchtigkeit unter ihren Nägeln, und schüttelte innerlich den Kopf. Wann hatte sie angefangen jede Art von Hygiene und Körperpflege zu vernachlässigen? Mit einem leisen Seufzen öffnete sie ihr Bündel und wühlte in ihrem Rucksack.
Sesshoumaru beobachtete sie aus halbgeschlossenen Augen. Mit keiner Regung verriet er daß er sich gerade über sie amüsierte. Er war schon gespannt darauf was sie vorhatte. Als sie dann den gleichen Metallbehälter öffnete, wie er als er ihre Füße behandelt hatte, mußte er innerlich grinsen. Der Kratzer an ihrem Hals wäre schon verheilt bevor sie den Behälter wieder verschlossen hätte.
Neugierig verfolgten seine Blicke wie sie sich mit einer kleinen Schere an ihren Krallen zu schaffen machte. Ob sie wohl wußte daß diese bis zum nächsten Abend nachgewachsen sein würden?
Ihr Nichtwissen über ihre Person würde zu erheiternden Momenten führen, nicht daß er sich jemals offen sichtbar solchen Gefühlen hingab, aber es wäre durchaus... amüsant.

"Was sind das für Hinweise?" wollte sie wissen.
Fast beiläufig zog er das zusammengerollte Portrait aus der Felsenburg aus seinem Obi und entrollte es.
Da der Youkai schwieg, rutschte Kagome etwas näher und warf einen neugierigen Blick darauf. Auf den ersten Blick gab es nichts außergewöhnliches zu sehen, nur daß dort tatsächlich ein Nebeldrache abgebildet war. Genauer gesagt, ein weiblicher Vertreter dieser ominösen Rasse.
Kagome hatte im Geschichtsunterricht, wie auch bei Besuchen in Museen, diverse Portraits von Herrschern aller möglicher Epochen und Länder gesehen, von daher wußte sie daß es durchaus üblich war, auch Mobiliar und Alltagsgegenstände in das Bild zu integrieren. Inwieweit das auf Dämonen zutraf wußte sie nicht, aber sie konnte es sich vorstellen.
"Darf ich?" fragte sie nun und deutete auf das Bild. Der Youkai gab ihr durch ein leichtes Nicken seine Zustimmung, und sie griff nach dem Portrait, befühlte es, roch daran, um es dann sinken zu lassen.
Sehr alt konnte es noch nicht sein. Die Farben waren nicht verblasst, und das Material wies keinerlei Risse oder anderweitige Beschädigungen auf. Ein ungutes Gefühl, wie eine dunkle Vorahnung beschlich sie, als sie das Bild erneut intensiv betrachtete.
Eine Dämonin mit dunkler Haut und dunklen Haaren in hellroter Kleidung dominierte das Bild. Sie trug die Haare bis auf zwei Strähnen hochgsteckt. Diese umrahmten das Gesicht und kringelten sich leicht. Sie war schön, das mußte Kagome zugeben, aber sie wußte daß Dämonen neben Arroganz und einem starken Selbstbewußtsein auch über Eitelkeit in hohem Maße verfügten. Von daher gesehen war es nichts außergewöhnliches.
HInter der Frau lagen große Sitzkissen. Eins davon wies rote Flecken auf, alle anderen waren weiß. Links neben der Dämonin, die ein stolzes und triumphierendes Lächeln zeigte, befand sich ein Portrait an der Wand. Es verwunderte Kagome ein bißchen daß ein Bild in ein Bild integriert worden war, noch dazu daß der Dämon der auf diesem dargestellt wurde, so gar keine Ähnlichkeit mit der Frau im Vordergrund hatte. Vielleicht ist es üblich daß man Zeichnungen von seinen stärksten Gegnern anfertigen läßt, dachte sie und fragte Sesshoumaru danach, doch dieser verneinte. Kagome wandte sich wieder dem Bild zu, betrachtete es erneut, ja, starrte geradezu darauf. Irgendetwas an dem Bild im Bild kam ihr bekannt vor, und sie durchforstete ihre Erinnerungen danach, aber ihr wollte nichts einfallen.
Weitere Details fielen ihr ins Auge, und sie wünschte, sie hätte eine Lupe dabei, um es sich genauer ansehen zu können.
Neben dem rotgemusterten Sitzkissen lag etwas helles. Wie mehrere sich krümmende Würmer, aber wer würde sich Würmer unters Sitzkissen legen, und diese dann auch noch malen lassen! Es mußte etwas anderes sein.
Am Hals der Dämonin war ein Schmuckstück angedeutet. Eine dünne Kette mit einem Anhänger. Wieder liefen Kagome leichte Schauer über den Rücken. Dann konzentrierte sie sich auf das nächste Detail was ihr ins Auge gestochen war. Etwas wie ein dunkler Stock lehnte an der anderen Seite der Frau an einem der weißen Kissen. Am oberen Ende war der Stock heller, dazwischen befand sich eine dünne rote Linie.
Kagome ließ das Bild sinken und schloß die Augen. Irgendetwas an dem Bild erzeugte ein starkes Unwohlsein in ihr. Sie mochte das Bild nicht.

Sesshoumaru hatte sie eine Zeitlang beobachtet. Dann sank sein Interesse und er lehnte sich gegen den Baum und schloß seine Augen. Sollte sie sich eine Weile mit dem Portrait befassen, in der Zwischenzeit würde er sich darum bemühen daß sein Youki sich mit HIlfe seines Biests wieder erholte.
Er wußte wer da noch auf dem Portrait der Dämonin abgebildet war, er hatte in der Felsenburg vor dem zerrissenen Original gestanden und den Dämon allein Anhand seines Kopfes erkannt. Alles andere auf dem mitgenommenen Bild hatte für ihn keine Bedeutung. Sollte sie sich damit ablenken wenn sie wollte.
So entging ihm daß sie ihr Fotoalbum aus ihrem Rucksack geholt und aufgeschlagen hatte.

Kagome hatte sich auf andere Gedanken bringen wollen und deshalb ihr Fotoalbum aus ihrem Rucksack geholt. Nach kurzem Zögern hatte sie es dann aufgeschlagen und langsam Bild für Bild betrachtet.
Sango und Miroku sahen unverändert jung aus. Wie sollten sie auch nicht? Fotos waren immer eine Momentaufnahme und veränderten sich nicht. Auch nach Jahrhunderten würden ihre Freunde noch so aussehen. Ein leiser Seufzer entglitt ihren Lippen.
Es wäre schön wenn sie sie noch einmal sehen könnte. Sie umarmen. Selbst wenn sie nun alt wären, das spielte für sie keine Rolle. Hier waren fünfzig Jahre vergangen, und beide wären unverkennbar alt. Hatten Kinder, vielleicht sogar Enkel, während sie selbst nur fünf Jahre älter geworden war. Aber ihre Freunde wußten um den Brunnen, und wenn sie ihnen erklärte was vorgefallen war, würden sie es glauben und akzeptieren. Und sich freuen daß sie die lang vermißte Freundin wiedersahen.
Sie blätterte weiter.
Shippou.
Ob der Kitsune viel gewachsen war? Sie wußte nicht viel über Kitsunen. Als sie damals auf den Kleinen gestoßen waren war das auch nicht wichtig gewesen. Er war allein, hatte seine gesamte Familie verloren und hatte seinen Vater rächen wollen. Er hatte sie ein bißchen an ihren Bruder erinnert, und sein Schicksal hatte sie gerührt. Sie hatte ihn sofort in ihr Herz geschlossen. Für sie hatte es nie einen Unterschied zwischen den Rassen gegeben. Kind blieb Kind, egal ob Mensch oder Kitsune.
Und es war selbstverständlich gewesen daß sie sich um diesen kleinen Jungen gekümmert hatte. Sie hatte ihn zu sich in ihren Schlafsack geholt, oder zumindest in ihre Arme geschlossen. Ganz so als sei Shippou ihr eigener Bruder, und als er sie im Schlaf Mama genannt hatte, hatte sie es unkommentiert gelassen. Und zum Teufel, ja, sie vermißte ihn. Würde er sich noch an sie erinnern? Würde er ihr wie damals in die Arme springen und ihren Rucksack nach Süßigkeiten durchwühlen?
InuYasha.
Ihr Herz begann zu schmerzen als sie das Foto ihres geliebten Hanyoufreundes betrachtete. Er fehlte ihr so sehr. Alle ungewollten Erinnerungen vertreibend, klebte ihr Blick förmlich an seinem Foto. Als sie mit den Fingern über die glatte Oberfläche fuhr, meinte sie den Stoff seines Feuerrattenfells zu spüren. Die unglaubliche Festigkeit des so weichen und anschmiegsamen Materials. Die darin gespeicherte Wärme seines Trägers.
Sie hauchte einen Kuss auf das Foto, stellvertretend für alle die sie ihm persönlich hatte geben wollen, und die sie ihm nicht mehr geben konnte.
Er hatte so lange auf ihre Rückkehr gewartet. Hatte, wie sie selbst, den Brunnen aufgesucht und gehofft. Hatte ein Haus bauen wollen, ohne zu wissen daß ihr Elternhaus in der Zukunft tatsächlich auf den Mauern gebaut worden war, die er selber errichtet hatte.
Seine letzten Gedanken hatten ihr gegolten. Selbst als er seine Mörderin angeschrieen hatte, waren seine Gedanken bei ihr gewesen. Hatten ihr alles vermacht was er besaß. Das einzige was er besessen hatte. Sein Schwert.
Ihr Blick wanderte zu dem Schwert auf dem Foto. Immer wenn der Hanyou gesessen hatte, hatte er sein Schwert im Arm gehalten, so auch als sie das Foto gemacht hatte. Sie konnte den unteren Teil der Schwertscheide sehen, dann InuYashas Arm, und oberhalb seiner angezogenen Kniee den Griff.
Tetsusaiga.
Wieder seufzte sie leise. Er hatte es ihr vermacht. Und wenn sie es gehabt hätte als dieses Schwein ihr zu Leibe gerückt war, hätte es sein blaues Wunder erleben können.
Tetsusaiga.
Ihre Augen wurden förmlich von diesem Detail gefesselt.
Die schwarze Schwertscheide mit dem helleren Griffstück.
Sie wandte den Kopf nach links wo immer noch das Portrait der Dämonin im Gras lag.
Das ist bestimmt nur Zufall, dachte sie.
Ihre Augen richteten sich wieder auf das Foto.
Das leuchtend rote Feuerrattenfell stach ihr ins Auge.
"Das ist nur Zufall," murmelte sie halblaut. "Es sieht nur so aus. Bestimmt sieht es nur so aus."
Sie zog das Portrait zu sich und fixierte die Punkte die sie vorher schon versucht hatte zu analysieren. Schaute genauer hin. Legte schließlich ihr Fotoalbum aufgeschlagen auf das Portrait.
Irgendetwas stimmte nicht. Noch nicht.
Sie drehte das Album etwas, verglich erneut das Portrait mit dem Foto, drehte das Album erneut, um dann zischend Luft zu holen.
"NEIN!"

Sesshoumaru hatte ihr Seufzen und Murmeln gehört und beschlossen daß ihn das nicht interessierte.
Vermutlich hing sie ihren Gedanken nach, und das interessierte ihn ebenfalls nicht.
Erst als ihr Herz schneller schlug und sie laut Luft holte, merkte er auf. Im nächsten Moment hatte sie aufgeschrieen. Neugierig öffnete er seine Augen und schaute nach rechts zu ihr hinüber.
Sie kniete vor dem ausgerollten Portrait. Auf dem Portrait lag ihr komisches Buch mit den ganzen Zeichnungen. Im ersten Moment wußte er damit nichts anzufangen, doch dann sah er wie sie ihre Finger auf ganz bestimmte Stellen des Portraits legte und ihr Blick zwischen Portrait und Buch hin und her wanderte.
Verwundert hob er eine Augenbraue. Was hatte sie nur entdeckt? In Ihrem Buch gab es keine Zeichnungen des alten Feindes seines Vaters. Es mußte etwas anderes sein.
"Nein," sagte sie nun erneut, und jetzt wollte er Gewißheit haben.
"Nein?"
Sie sah hoch, dann schaute sie wieder auf das Portrait.
"Das ist sie," sagte sie knapp.
Sesshoumaru warf ihr einen fragenden Blick zu. Er würde nicht aufstehen und zu ihr gehen. Wenn sie ihm etwas zu sagen hatte, konnte sie es von dort aus wo sie kniete.
"Die Anführerin. Diese Dämonin die... das Dorf überfallen hat." Die InuYasha ermordet hat, hatte sie sagen wollen, aber sie wußte daß Sesshoumaru nicht gut auf seinen Halbbruder zu sprechen war.
"Sicher?"
"Haltet ihr mich für dumm?"
Dazu würde er nichts sagen. Indes wuchs seine Neugierde, und so ließ er sich doch dazu herab zu ihr zu gehen. Sie drehte das Portrait in seine Richtung, und deutete auf das Sitzkissen hinter der abgebildeten Frau.
"Ich dachte zuerst es wäre gemustert," begann sie. "Aber das ist es nicht. Dieser rote Fleck, das ist kein Fleck. Das ist das Feuerrattenfell. Ein Teil davon."
Er beugte sich ein Stück vor und warf einen Blick darauf. Die daneben liegende Zeichnung seines Halbbruders ignorierte er.
"Muß es nicht. Zufällig eine ähnliche Farbe."
"Ich bin mir sicher. Und hier, das ist Tetsusaiga." Sie tippte auf das Portrait und anschließend auf die Zeichnung in ihrem Buch.
Erneut tippte sie auf etwas und schluckte dann.
"Das hier... InuYashas... Seine Hand. Ich..." Sie brach ab und schlug sich mit der Hand auf den Mund. Ihr war schlagartig übel geworden.
Nun schaute Sesshoumaru doch auf die Zeichnung. Anschließend gab er ihr Recht. Er hatte in der Felsenburg solche winzigen Details außer Acht gelassen, und das Portrait nur mitgenommen weil darauf der alte Feind seines Vaters zu sehen war. Daß sich darauf die Mörderin InuYashas, und Anführerin der Nebeldrachen befand, die mit ihrem Gefolge dafür sorgte, daß ein Dorf nach dem anderen der Freßgier zum Opfer fiel, war purer Zufall.
Nun wo er wußte wie die Nebeldrachen aussahen, würde es auch eine Möglichkeit geben wie man sie aufspüren konnte. Aufspüren und töten.
"Ich verstehe immer noch nicht warum InuYasha ermordet wurde," sagte Kagome leise. "Als wir auf der Suche nach den Splittern waren sind wir nie auf solche Dämonen gestoßen. Wenn es da etwas gab, dann war das entweder vorher, also schon bevor Kikyo und er von Naraku hereingelegt wurden. Wie lange ist das jetzt her, hundert Jahre ungefähr? Oder später, nach Narakus Vernichtung. Und auch darüber kann ich nichts sagen. Ich war nicht hier."
"Nicht auf diese Dämonen." Er deutete auf das Portrait im Portrait, und Kagome betrachtete es erneut.
"Ein Drache, oder irgendetwas in der Art? Da fällt mir nur eine Begebenheit ein. Als InuYasha das Bakuryuha gelernt hat."
Sesshoumaru schaute sie auffordernd an.
"InuYasha hatte Tetsusaiga zu Totosai gebracht," berichtete sie und forschte in ihrem Gedächtnis nach den damaligen Ereignissen. "Als er es wieder abholte, hatte er Probleme damit. Totosai sagte, er müsse es beherrschen lernen und dafür müßte er einen alten Feind seines Vaters besiegen. Um besser zu werden. Angeblich würde es reichen wenn InuYasha das vollendet was sein, oh, er war ja auch euer Vater. Ich wollte nichts falsches sagen, ich gebe nur wieder was Totosai sagte. Und ihr wart in diesem Moment nicht anwesend. Totosai glaubte es würde reichen wenn InuYasha dem gebannten Feind sein Schwert ins Herz stößt."
Der Youkai hätte es begrüßt wenn sie sich kürzer gefasst hätte, über den Fauxpas sah er hinweg. Selbstverständlich gab sie die Worte des Schmieds wieder.
"Einen wehrlosen Gegner töten, an dessen Lage man nicht beteiligt war, ist ehrlos."
"Dazu kam es auch nicht. Naraku tauchte auf und löste den Bann indem er den Reißzahn eures Vaters mit Säure auflöste. Er hoffte wohl daß InuYasha im folgenden Kampf unterliegen würde. Spielt keine Rolle mehr. InuYasha lernte das Bakuryuha und vernichtete damit seinen Gegner. Ryukotsusei."
"Ryukotsusei," bestätigte Sesshoumaru, der nun endlich wußte warum er den alten Feind nicht an der ihm bekannten Stelle gefunden hatte.
"Aber warum hat diese Nebeldrachin ein Portrait von Ryukotsusei? Oder gibt es mehr von seiner Sorte?"
Er bedachte sie mit einem strengen Seitenblick.
"Entweder handelt es sich um den Gefährten, oder in dem Fall, einen der ehrenwerten Vorfahren," sagte er steif. Dann berichtete er von den alten Geschichten und schloß seine Erzählung mit dem was das Portrait zeigte.
"Dann war das ein Racheakt?" vermutete Kagome. "Weil InuYasha Ryukotsusei tötete, hat sie das ganze Land abgesucht um ihren Vorfahren zu rächen?"
"Hn."
Sie warf erneut einen Blick auf das Portrait und deutete auf eine Stelle.
"Ich hab es nach dem Vorfall auf der Lichtung schon vermutet. Die Morde an den Mikos gehören dazu."
Er folgte ihrem Fingerzeig mit den Augen.
"Eine Kette. Nichts weiter."
"Nicht irgendeine Kette. Ein Geschenk. Von mir. Im Anhänger waren Bilder von mir und InuYasha."
"Zeichnungen wie in dem Buch?"
Sie verstand erst nicht was er meinte, dann dämmerte es ihr. Fotos waren etwas unbekanntes für ihn. Er hielt es offenbar für sehr gute Zeichnungen. Sie nickte.
"InuYasha hatte die Kette bei sich. Sie hat sie damals mitgenommen. Wenn sie hineingesehen hat, hat sie mein Bild gesehen. Ich hatte meine Miko-Tracht an."
Einer Idee folgend griff sie nach ihrem Bündel und holte die weiß-rote Tracht heraus.
"Eigentlich wollte ich sie gründlich waschen, aber..." Sie ließ die Kleidungsstücke fallen und lief in den Wald zurück. Mit einem Arm voll Holz kehrte sie zurück und schichtete das Holz auf. Sie entfachte ein Feuer, wobei Sesshoumaru sie neugierig beobachtete. Streichhölzer kannte er nicht, und war fasziniert daß sie mit winzigen Stäbchen Feuer machen konnte.
Als die Flammen hochschlugen legte sie die Kleidungsstücke nacheinander aufs Feuer.
"Ihr verbrennt eure Kleidung?"
"Ich bin seit mehr als zweieinhalb Monaten wie eine lebendige Zielscheibe durchs Land gelaufen. Wenn diese Monster immer noch nach der Miko aus dem Medaillon suchen..."
In ihrer jetzigen Form würden die Nebeldrachen sie vermutlich nicht erkennen, dachte Sesshoumaru, aber sie hatte Recht. Die Nebeldrachen hatten das ganze Land durchkämmt um InuYasha zu finden. Dafür waren sie den Geruchsspuren gefolgt die sein Halbbruder hinterlassen hatte. Das erklärte auch warum sie scheinbar willkürlich Dörfer überfallen hatten. Die Suche nach Naraku hatte kreuz und quer durch Japan geführt und hatte unweit des Brunnens geendet. Dort waren sie auf frische Spuren gestoßen und hatten den Hanyou gefunden. Daß sie anschließend jede Miko ermordet hatten, hatte seinen Ursprung in dem Bild aus dem Medaillon.
Und auch wenn sie jetzt nicht mehr aussah wie eine Miko. Ja, nicht einmal mehr ein Mensch war. Sie hatte ihren Geruch am Brunnen und im Dorf hinterlassen.
Falls die Nebeldrachen zu diesem Gebiet zurückkehren würden, und dabei feststellten daß das Gebiet geläutert worden war, würden sie unweigerlich ihren Geruch bemerken und den Spuren folgen.
Die Miko, Kagome, Ka Go Me, mußte weg!

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Soso, Kagome muß also weg.

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