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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
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22.10.2020 3.595
 
Neues Kapitel, neue Probleme...

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Wer verarscht eigentlich wen?

Als Sesshoumaru den Obi der jungen Inu neu gewickelt hatte, war ihm nicht entgangen daß sie neben Bogen und Köcher, auch das Bündel der Miko über der Schulter trug.
Hatte sie etwa geglaubt daß das seine Sachen waren? Daß er sie genau wie seine Schwerter an der Quelle vergessen hatte?
Warum hatte sie sie ihm überhaupt gebracht? Aus reiner Gefälligkeit?
Ihr Duft war ihm in die Nase gestiegen als er so dicht vor ihr gestanden hatte. Blumen, Salz und Holz. Gleichzeitig hatte er ein Gefühl von Wärme empfunden. Wie ein leichter Hauch.
Nein, nicht Salz und Holz. Salziges Holz. Treibholz.
Die Inu roch wie... ein Sonnenuntergang am Meer.
Nach all den schlechten Gerüchen die die Miko verströmt hatte, war dieser Duft geradezu eine Wohltat für seine Geruchsnerven. Und er wollte mehr davon.
Ohne daß er es wollte, hatte er plötzlich ein Bild der Inu in der Quelle vor Augen und schalt sich einen Narren. Jetzt war nicht die Zeit um über so etwas nachzudenken. Dennoch verweilten seine Gedanken bei ihr. Wenn er sich endlich dazu durchringen würde seinen Verpflichtungen nachzukommen, wäre es ihm gestattet...

Kagome starrte ihr Gegenüber verwirrt an. Nicht nur daß er sie am Leben gelassen hatte, und das obwohl sie mit seinem eigenen Schwert augenscheinlich auf ihn losgegangen war, er hatte ihre Kleidung gerichtet und ihren Obi vernünftig gebunden. Seine Worte dabei waren knapp bemessen gewesen, aber allzu großer Tadel hatte nicht darin gelegen.
Und nun stand er vor ihr und träumte offensichtlich vor sich hin.
Mit schiefgelegtem Kopf musterte sie ihn gründlich.
Seine Nasenflügel hatten sich gebläht, geradeso als ob er tief einatmen würde, dabei stand sein Mund halb offen, und seine Augen waren halb geschlossen.
Wenn sie nicht wüßte, wer da vor ihr stand, und zu was dieser jemand fähig war, hätte sie beinahe geglaubt daß da ein Kind vor ihr stand welches gerade seinen Lieblingsduft gerochen hatte, und nun in Erinnerungen oder Vorfreude schwelgte.
Beinahe, denn da waren die nicht zu übersehenden Fangzähne, ganz zu schweigen von den Tödlichen Krallen, und nicht zu vergessen, Bakusaiga.
Bakusaiga. Wieso hatte das Schwert ihr gehorcht? Daß sie es überhaupt hatte anfassen können, ohne einen schmerzhaften Schlag zu bekommen, grenzte an ein Wunder. Und dann war es in ihrer Hand aufgeflammt, so als wäre es IHR Schwert.
Besser sie hielt weiterhin Abstand zu dem InuYoukai, nicht daß da irgendetwas unvorhergesehenes passierte.
Sie schob ihre Hände in ihre Ärmel und verschränkte sie. Sich räuspernd setzte sie eine neutrale Miene auf. Schließlich hatte sie mit dem Dämon noch ein Hühnchen zu rupfen.

Sesshoumaru zuckte zusammen und blinzelte kurz. Dann hatte er sich gefangen und trug seine gewohnte Maske aus eisiger Ruhe.
Er beschloß, die Inu nach der Miko zu fragen, nur wollte ihm nicht die richtige Frage einfallen.
Weder, ich suche meine Begleiterin, habt ihr sie zufällig gesehen? noch, euch ist keine nackte Menschenfrau über den Weg gelaufen? erschien ihm passend.
Und egal welche Worte er benutzen würde, jede Frage würde ein schlechtes Licht auf ihn werfen.
"Ich muß zur Quelle zurück," sagte er dann schließlich.
"Ich hab alles mitgenommen. Dort ist nichts mehr."
"Gut." Er nickte und deutete auf das Bündel. "Gebt mir das."
"Was wollt ihr damit?" wollte sie wissen, hob aber Bündel, Köcher und Bogen von ihrer Schulter.
"Es tragen."
Kagome schaute ihm irritiert zu wie er sich ihre Sachen über die rechte Schulter warf.
Seit wann war er so freundlich und bot sich an ihre Sachen zu tragen?
"Warum?"
"Diese Dinge gehören meiner Begleiterin," erklärte er. "Ich möchte euch nicht aufhalten."
Sich umdrehend, schlug er den Weg zurück zum Wasserfall ein.
Kagome blieb einfach stehen und starrte ihm nach.
Irgendetwas stimmt hier nicht, dachte sie. Zuerst benimmt der sich wie der größte Arsch, läßt mich beinahe verhungern und verdursten, mal ganz abgesehen davon daß ich kaum Zeit zum Pinkeln hatte, geschweige denn um ein Bad zu nehmen. Dann benehme ich mich wie ein wildes Tier und greife ihn an. Jetzt finde ich mich in einer heißen Quelle wieder und die Lebende Kühlkammer klaut mir meine Sachen und läßt mich im Wald stehen?
"Wartet," rief sie ihm nach. Mit eiligen Schritten folgte sie ihm.
"Was ist noch? Ist es wegen der Schwerter? Vergesst das. Ihr sagtet, es sei ein Versehen."
"Ihr erwähntet eure Begleiterin," sagte Kagome gedehnt.
Sesshoumaru drehte sich um und fixierte die InuYoukai.
"Ihr wißt etwas über sie?"
"Nicht mehr als Ihr. Aber ich glaube, mein Begleiter ist durchgedreht."

Während Kagome innerlich vor Lachen fast platzte, wobei sie sich zusammenriß, damit der Dämon vor ihr nichts davon mitbekam, schossen Sesshoumaru alle möglichen Szenarien durch den Kopf.
"Euer Begleiter ist durchgedreht?" echote er, und wieder mußte Kagome sich mit größter Mühe beherrschen.
"Was ist passiert?" wollte er wissen.
"Keine Ahnung. Mit eurer Begleitung abgehauen vielleicht? Woher soll ich das wissen?"
Kagome, reiß dich zusammen, sagte sie sich. Bei Kami, der sieht aus als ob er gleich platzt!
'Findest du das in Ordnung?' meldete sich ihre innere Stimme.
'Und ob ich das in Ordnung finde. Der hats doch nicht anders verdient.'
'Und du machst dir keine Sorgen, daß er dich offensichtlich nicht kennt?'
'Wenigstens ist er einmal im Leben freundlich. Aber, ja. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm.'
"Wir könnten sie suchen," bot sie ihm an, und wieder unterdrückte sie gerade so einen Lachanfall. Das hier war definitiv einer ihrer persönlichen Höhepunkte seit sie in den Brunnen gefallen war. Schlagartig verschwand der Drang den Youkai auf die Schippe nehmen zu wollen.
Aber zu spät. Sesshoumaru war schon auf ihr Angebot angesprungen.
"Würdet ihr eurem Begleiter das zutrauen?" fragte er, und sie konnte nicht verhindern daß sie nickte.
"Daß er jemanden einfach so irgendwohin verschleppt? Ich hätte es so nie vermutet, aber wer weiß schon genau was in jemand anderem vorgeht," sagte sie dann. "Wie sieht eure Begleitung denn aus?"
"Eine Ningen. Ungefähr so groß," antwortete er, und deutete ihre Größe mit einer Hand an. Die Worte der Inu hatten ihn daran erinnert was er selber mit der Gefährtin seines Halbbruders getan hatte.
"Lange schwarze Haare. Braune Augen. Eine Miko. Zuletzt war sie in der Quelle."
Kagome verspürte den Drang, ihm mit den Knöcheln auf den Kopf zu klopfen, und nachzufragen ob jemand zu Hause sei. War er denn Blind? Sie stand doch genau vor ihm!
"Und euer Begleiter?"
"Nun, ungefähr so groß wie ihr. Nein, ein Stück größer," sagte sie dann. Irgendwie hatte sie ihn größer in Erinnerung. Oder stand er etwa in einem Loch? Sie musterte ihn kurz.
"Lange weiße Haare, eure Augenfarbe," sprach sie weiter, und Sesshoumarus Biest vervollständigte den Satz.
'Ein knackiger Hintern...'
"Inu?" fragte er und ignorierte sein Biest.
"Ja," antwortete sie, um dann unkontrolliert loszukichern.
"Ich sehe daran nichts erheiterndes," kommentierte er leicht verständnislos. Was fand sie so lustig daran?
"Ich schon." Immer noch kichernd sank sie zu Boden und schlug die Hände vors Gesicht.
'Ich ebenfalls,' meldete sich sein Biest. Er ignorierte es und beobachtete die Inu.
Er hasste nichts mehr als daß jemand seine Gefühle unkontrolliert zur Schau stellte, und das Verhalten der jungen Dämonin bewies eindeutig daß sie definitiv zu Jung und Unerzogen war um ohne Begleitung durchs Land zu streifen. Nicht einmal wenn sie sich auf dem Land ihres Vaters bewegte.
"Geht es euch gut?"
"Besser als letzte Woche. Und euch?" Ein erneutes Kichern begleitete ihre Worte.
"Ich denke ich bringe euch zu eurem Vater zurück," stellte er fest. "Ich muß ohnehin bei ihm vorstellig werden. Einige der Quellen bedürfen seiner Aufmerksamkeit. Vermutlich auch die in der ihr gebadet habt."
"Ihr ebenfalls," antwortete sie, und er mußte ihr Recht geben. Und im Gegensatz zu ihr hatte er wesentlich mehr Zeit in der Quelle verbracht. Falls das Wasser mit irgendwelchen Substanzen versetzt sein sollte, wäre es leichtsinnig und eventuell gefährlich dort Entspannung zu suchen.
Kagome kicherte noch immer hinter vorgehaltener Hand. Mittlerweile liefen Lachtränen über ihre Wangen.
"Ihr solltet dringend zu einem Heiler," sagte er geradeheraus, doch sie schüttelte den Kopf.
"Nicht ich. Ihr solltet einen Heiler aufsuchen, Sesshoumaru."
Er starrte sie an. Woher wußte sie seinen Namen? Er konnte sich nicht erinnern Ihn ihr genannt zu haben. Seine Augenbraue wanderte ein Stück höher und verlieh seinem Gesicht einen fragenden Ausdruck.
"Mit euren Augen scheint was nicht zu stimmen. Wie ich schon sagte; mein Begleiter ist offensichtlich nicht mehr bei Sinnen."
"Was hat euer Begleiter mit meinen Augen zu tun?" Er war zunehmend verwirrt.
"Eure Begleiterin ist nicht verschwunden. Sie ist hier," erwiderte Kagome, erhob sich und hielt ihm ihre Hand hin. "Und jetzt seid so nett und gebt mir meine Sachen wieder. Und eh ichs vergesse: ich bin stinksauer weil ihr meine Orthese zerstört habt. Und daß ihr mich ausgezogen habt vergesse ich euch ebenfalls nicht!" Wütend funkelte sie ihn an.
Sesshoumaru starrte sie immer noch an. Nun jedoch lag ein dümmlicher Ausdruck auf seinem Gesicht.
"Mi...," begann er, doch sie schnitt ihm das Wort ab.
"Ich habe einen Namen. Kagome. Ka Go Me. So schwer ist das nicht. Sogar InuYasha konnte ihn aussprechen."
Der InuYoukai stolperte rückwärts. Er konnte nicht glauben was er da hörte.
'Wie kann das sein?'
'Ich hab vorhin gesagt, sie ist in der Quelle. Würdest du mir nur EINMAL richtig zuhören.'
'Aber...'
'Kein aber. Ich sehe durch deine Augen, schon vergessen? Ich hab gesehen wie sich ihre Haarfarbe verändert hat.'
'Und das konntest du mir nicht mitteilen?'
'Vielleicht wollte ich nicht? Glaubst du ernsthaft ich würde mich umentscheiden?'
'Darüber reden wir noch!'
Kagome hielt ihm ihre Hand immer noch auffordernd entgegen.
"Wird das heute noch was?" Ihre Augen hatten sich verändert und glühten in einem zornigen Rot. Gleichzeitig spürte Sesshoumaru wie ihr Youki spürbar anstieg. Eine dämonische Aura umflorte sie, und wieder hatte er das Gefühl daß er diese Aura kannte.
'Wie ist das möglich' überlegte er geschockt.
'Dein Zahngift vermutlich. Und bevor du jetzt noch länger darüber nachdenkst, gib ihr ihre Sachen bevor sie auf dich losgeht. Im Moment ist sie dir überlegen.'
Er tat was sie von ihm forderte und reichte ihr ihre Sachen. Sein Gehirn überschlug sich fast als er das Geschehene zu analysieren versuchte.
Sein Zahngift hatte aus ihr ein instinktgeleitetes 'Tier' gemacht. War es tatsächlich möglich aus einem Menschen einen vollwertigen Dämon zu machen? Und falls ja, wieso wurde das nicht ständig angewendet? Und sei es nur um Hanyous zu verhindern. Statt sich über seinen Halbbruder aufzuregen, und seinen Vater dafür zu hassen, hätte er einen vollwertigen Bruder haben können. Oder war es zufällig passiert, und niemand wußte um diese Möglichkeit? Oder, noch schlimmer, wußte man davon und tat es nur nicht? Daß es vielleicht sogar verboten war?
Die Liste seiner Verfehlungen wurde immer länger, und er verfluchte sich für den Entschluß die Miko mitgenommen zu haben.

Für eine Weile standen beide einfach nur da und schwiegen. Eine unangenehme Stille breitete sich aus.
'Weiß sie es?'
'Ihr Verhalten spricht dagegen. Sie hat geglaubt daß du sie nicht erkannt hast.'
'Das könnte zu einem Problem werden.'
'Weil sie dich für einen Verrückten hält?'
'Weil ich ihr das irgendwie erklären muß. Das, und einiges mehr. Um das ich jetzt auf keinen Fall mehr drumherum komme.'
'Auf die Erklärung bin ich gespannt. Das andere; nun, das sag ich dir seit über fünzig Jahren.'
'Daran mußt du mich nicht erinnern,' antwortete Sesshoumaru gequält. Er haderte noch immer mit der Entscheidung seines Biests. Selbst jetzt konnte er sich nicht mit diesem Gedanken anfreunden. Ganz im Gegenteil. Nun kam er sich endgültig wie ein Gefangener in einem Käfig vor aus dem es kein Entkommen gab.
Ein Käfig aus Regeln und Gesetzen, entstanden vor mehreren tausend Jahren, nur dazu da um die zu schützen die keinen Schutz mehr hatten. Das kostbarste was es für Dämonen gab.
Gefährtinnen und deren Nachwuchs.
Große Dämonen, zu denen auch die InuYoukai zählten, waren stark und mächtig. Sie waren extrem langlebig und dank ihrer Kräfte nahezu unsterblich, es sei denn sie befanden sich in einem Kampf, oder noch schlimmer, im Krieg.
Aber eine extrem hohe Lebensspanne führt unweigerlich zu einer sinkenden Fruchtbarkeit, und genau das war der Schwachpunkt aller großen Rassen.
Das was einer Überpopulation entgegenwirkte, sorgte nach lange anhaltenden Kriegen dafür daß es immer weniger große Dämonen gab. Hauptsächlich aber die Tatsache, daß im Vergleich viermal mehr männliche als weibliche Nachkommen geboren wurden.
Der Umstand, daß sich auch weibliche Youkai an Kämpfen beteiligten, und eine hohe Sterblichkeitsrate unter den Neugeborenen, sorgte zusätzlich für ein Ungleichgewicht.
Die Regeln und Gesetze waren insofern mehr als berechtigt. Sie waren wichtig für das Weiterbestehen der eigenen Rasse.
Seine Mutter hatte Jahrelang versucht ihm das begreiflich zu machen, und er hatte sie stets ignoriert. Nicht einmal die Tatsache, daß InuYasha durch den Bannpfeil einer Miko, für Jahrzehnte als Erbe der Blutlinie seines Vaters nicht mehr zur Verfügung stand, hatte ihn einsichtig werden lassen. Und dann war dieses freche Gör aus einer anderen Welt gekommen, und hatte den Bann der auf seinem Bruder gelegen hatte gebrochen.
In seiner Überheblichkeit hatte er sich sicher gefühlt. Daß er ja mehr als genug Zeit hätte. Weil ja zur Not InuYasha da gewesen wäre um die Erbfolge zu sichern.
Nicht daß ihm das wirklich gepasst hätte, ein Hanyou war eben kein vollwertiger Youkai, aber immerhin hätte er das Blut seines Vaters an die nächste Generation weitergegeben.
Und schneller als er damit gerechnet hätte, war exakt diese seine Rückversicherung brutal ermordet worden, und er somit wieder in der Pflicht.
Er hätte nur dem Drängen seiner Mutter nachgeben, und sich rechtzeitig eine Gefährtin suchen müssen, dann bliebe ihm jetzt erspart sich um die Miko kümmern zu müssen.
Laut den Regeln und Gesetzen wäre er nur dazu gezwungen sie als Nebenfrau in seinen Haushalt aufzunehmen. Hätte ihr die ihrem Rang zustehenden Räume zur Verfügung stellen, und ihr unter seinem Dach den bestmöglichsten Schutz gewähren müssen, und damit hätte er seinen Teil dieser Verpflichtung erfüllt. Niemand hätte von ihm verlangen können daß er sich die menschliche Gefährtin seines Halbbruders zwischen die Laken holte und Hanyous mit ihr zeugte.
Hätte.
Hatte er aber nicht.
Nicht einmal die Frage seines Vaters, ob es jemanden gäbe den er beschützen wollte, hatte ihn seine Meinung änden lassen.
Die nicht zu übersehende Tatsache, daß sie nun durch irgendeinen Prozess eine vollwertige InuYoukai geworden war, machte das ganze nicht wirklich besser.
Kein Argument der Welt würde jetzt noch verhindern, daß der Rat, und seine Mutter, auf die Einhaltung von Regeln und Gesetzen bestanden.
Sein Einwand, daß sie vermutlich wieder in ihre Welt zurückkehren würde, nachdem ihre Aufgabe erfüllt sei, verbunden mit der Tatsache daß sie altern und sterben würde, vielleicht sogar bevor sie die Mörder InuYashas zur Strecke gebracht hätten, hätte den Rat vielleicht dazu bewogen in seinem Fall eine Ausnahme zu machen.
Daß sie eine für einen Menschen unglaublich hohe Lebenserwartung hatte, hätte er vielleicht noch verheimlichen können.
Daß sie jetzt eine InuYoukai war würde dem Rat sicher nicht entgehen.
Er konnte es drehen und wenden wie er wollte. Er hatte sie für den Rest ihres, oder seines, Lebens am Hals und konnte nichts dagegen tun.

Wieder unterwegs

Hätte Kagome geahnt was dem InuYoukai vor ihr durch den Kopf ging, hätte sie sicherlich nicht gezögert und wäre laut schreiend auf ihn losgegangen.
So aber folgte sie ihm wortlos als er sich nach längerem Schweigen umdrehte und weiter Richtung Osten lief.
Sie beschloß allerdings, daß sie sich nie wieder so verhalten würde wie in den letzten zwei Monaten. Und sie würde es ihm irgendwann heimzahlen daß er sie behandelt hatte wie ein Stück Dreck.
Innerlich machte sie eine Liste mit all seinen Taten, die sie ihm im passenden Moment, nämlich wenn er nicht damit rechnete, mit einer tüchtigen Portion Reiki um seine spitzen Ohren hauen würde.
"Wird das jetzt wieder so ein Gewaltmarsch wie die letzten zwei Monate?" fragte sie wenig später mit eisigem Unterton. "Falls ja, dann bin ich raus aus der Sache. Dann suche ich mir irgendwo ein hübsches Dorf, wo ich dann auf eure Rückkehr warte."
Er antwortete nicht sofort, sondern zog zur eine Augenbraue hoch, was sie nicht sehen konnte da sie hinter ihm lief, und ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
"Es hat nur dank euch solange gedauert," antwortete er dann mit bewußt kalter Stimme.
"Oh! Jetzt bin ich also daran schuld," erwiderte sie bissig. "Ich hab euch nicht gezwungen mich mitzunehmen."
"Wir hatten einen Handel."
"Und wann erfüllt ihr den? Ich will nur wissen worauf ich mich einstellen muß. Und ob ich meine Freunde noch lebend zu Gesicht bekomme."
Deine Freunde würden dich so nicht erkennen, ganz im Gegenteil. Vermutlich würden die Damönenjäger auf dich losgehen, dachte er.
"He, ich rede mit euch! War es das wenigstens Wert daß ich euch über Stock und Stein hinterhergelatscht bin?" Und so einiges ertragen habe, dachte sie.
Er stoppte abrupt, und beinahe wäre sie in ihn hineingelaufen.
"Ich fand tatsächlich Hinweise die meine Vermutung bestätigen."
"Erfahr ich auch mal was in eurem Kopf so vorgeht? Gedankenlesen gehört nämlich nicht zu meinen Fähigkeiten. Und ich würde schon gerne wissen wie es jetzt weitergeht."
"Nicht hier," antwortete er und setzte sich wieder in Bewegung.
Kagome warf entrüstet ihre Arme in die Luft und ließ sie wieder sinken.
"Na super. Tolle Antwort. Vielen Dank auch." Wütend stapfte sie ihm hinterher und grummelte in sich hinein.
'Wer hat dem nur den Stock in den Arsch geschoben,' dachte sie mit leiser Wut. ' Den würde ich nur zu gern kennenlernen und ihm die Meinung geigen. Und diesem Eisklotz da vorne gleich mit.'
'Bist du da nicht etwas hart?'
'Bei dem? Nicht die Bohne. Das kann gar nicht hart genug sein. Das muß richtig weh tun.'
Ein fieses Grinsen legte sich über ihre Züge als sie an die Bannkette dachte. Es würde ihr einen riesigen Spaß bereiten sie dem wortkargen und kaltherzigen Inu um den Hals zu legen und ihn mit einem ordentlichen Bann zu belegen.
Irgendetwas wirklich abgrundtief fieses, nicht so ein Kinderkram wie Osuwari. Nein, es mußte wirklich eine durchschlagende Wirkung haben. Etwas das dem Youkai so richtig wehtat und ihn an den Rand der Verzweiflung brachte.
Im Geiste ging sie mehrere Sachen durch, aber keine davon erschien ihr fies genug um sie in die Tat umzusetzen. Und egal was ihr auch einfiel; das größte Problem war, ihm die Kette umzulegen. Bevor sie ihn auch nur mit einem Bann belegen könnte, hätte er sie wahlweise geköpft, oder was ihm sonst einfiele, oder aber sie landete irgendwo geknebelt und gefesselt. Anschließend würde er sie zwingen ihm die Kette wieder abzunehmen, und danach würden ihr die letzten zwei Monate wie ein Wellnessurlaub vorkommen.
Ein Gutes hatten ihre Gedankengänge. Sie ergab sich nicht erneut ihrer Trauer, obwohl sie immer noch tieftraurig war und sich mehr als einmal wünschte, daß es nie geschehen sei. Daß sie InuYasha tatsächlich wiedersehen und in ihre Arme schließen könnte. Selbst wenn es so wäre wie in diesem seltsamen Traum, und er nur einen Arm hätte. Damit könnte sie leben. Sie könnte mit allem leben, solange ER leben würde.

So in Gedanken bekam Kagome nicht mit daß sich ihr Anführer seitlich von ihr entfernt hatte. Mit gesenktem Kopf war sie weiter stur gradeaus gegangen, ohne auf das zu achten was sich vor ihr abspielte.
Erst die einerseits vollkommene Stille, und andererseits das laute Knacken und Brechen von Holz ließen sie den Kopf heben.
Sie erstarrte für einen Moment als sie sah was da durch die Bäume auf sie zukam.
Ein Geschöpf, scheinbar eine Kreuzung aus Löwe und Wildschwein, ausgestattet mit seitlichen Hauern und Mähne, sowie Hufen an den hinteren Extremitäten, und gefährlich aussehenden Pranken mit gespreizten Krallen an den vorderen, lief genau in ihre Richtung. Zwei nackte Schwänze mit Fell am Ende wedelten im Laufrhythmus hin und her.
Alles in allem machte es keinen freundlichen Eindruck, und ohne groß darüber nachzudenken griff sie nach ihrem Bogen.
In die angriffslustigen glühenden Augen des Dämons blickend, legte sie einen Pfeil an und spannte die Sehne.
Auf die breite Brust des Wesens zielend, ließ sie den Pfeil los, und verfolgte dessen Flug mit zu schmalen Schlitzen zusammengezogenenn Augen.
Anders als von früher gewohnt, leuchtete der Pfeil nicht auf. Und als er in die Brust des Wesens eindrang passierte ebenfalls... Nichts.
Der Dämon griff sich an die Brust, zog den Pfeil heraus und warf ihn hämisch grinsend zur Seite. Dann setzte er seinen Weg zu ihr fort.
Kagome starrte ratlos und ein wenig geschockt auf den sich nähernden Dämon und griff nach einem zweiten Pfeil.
Auch dieser zeigte keinerlei Wirkung, und leichte Panik ergriff von ihr Besitz.
Wo zur Hölle war Sesshoumaru?

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Einer weiß inzwischen Bescheid, fehlt nur noch Nummer Zwei, und das wird keine leichte Nuß werden...

Wie immer, Kuchen und Kekse für alle, Youkai-Sake für Schatzi (ich muß mal meine Vorräte auffüllen...)
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