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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
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09.10.2020 3.268
 
Ich bin geflasht über soviel Interesse.
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Heute die Hälfte der Ereignisse rund um die heiße Quelle.

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An und in der Quelle

Sesshoumaru beschleunigte und bekam Kagome zu fassen kurz bevor sie auf den unzähligen Skeletten und losen Knochen aufschlug.
Als er sie auf dem Plateau zu Boden gleiten ließ, zuckte sie am ganzen Leib. Auf ihrem Gesicht konnte er die unterschiedlichsten Gefühle ablesen. Überschwengliche Freude, tiefe Verwirrung, Trauer und pures Glück wechselten beinahe im Sekundentakt.
Er wußte daß das von den Illusionen der Wahngeister herrührte, und wunderte sich nur über die rasche Abfolge.
In ihren weit offenen Augen war nichts abzulesen. Tiefschwarz, selbst das Weiß darin war in der Schwärze verschwunden, blickten sie ins Leere.
Mein Youki müßte sie vertreiben, überlegte er. Warum tut es das nicht?
Wieder glitten seine Augen über sie.
Ihre Dämonische Aura... sie ist verschwunden. Und ihr Reiki erhöht sich. Könnte das der Grund sein? fragte er sich.
Die Zuckungen ließen nach, gleichzeitig wurde ihre Atmung flacher, ihr Herzschlag verlangsamte sich. Dann schlossen sich ihre Augen und ihr Kopf fiel zur Seite.
'Sie wird sterben.'
'Das ist nicht sicher,' antwortete der InuYoukai in Gedanken. 'Ihr Reiki erhöht sich. Und solange es das tut ist noch Leben in ihr.' Aber wirklich sicher war er sich nicht.
'Was gedenkst du jetzt zu tun?' wollte sein Biest wissen.
'Ich... weiß es nicht.' Ratlos schaute er auf den Körper der Miko herab.
'Es ist deine,' begann sein Biest, doch es wurde unterbrochen.
'Ich weiß daß es meine Schuld ist! Hätte ich sie mitgenommen, hätte meine Anwesenheit verhindert daß die Wahngeister über sie herfallen. Es ist geschehen. Deine Schuldzuweisungen sind nicht hilfreich,' grollte er.
'Sie wird sterben,' wiederholte das Biest. 'Wenn nicht durch die Wahngeister, dann durch Hunger und Durst.'
Sesshoumaru schwieg. Was hätte er auch schon sagen können? Hier halfen weder Schuldzuweisungen noch Entschuldigungen.
'Bring sie zu einem Heiler,' schlug das Biest vor. Es war hartnäckig in seinen Bemühungen, den Youkai zum Handeln zu bringen. Mit jeder Minute die verstrich sanken die Chancen der Miko.
'Und du weißt sicher auch wo der nächste Heiler gerade auf uns wartet,' gab der Youkai bissig zurück.
'Sagtest du nichtmal daß Yoshimuri Heiler in seinen Diensten hätte? Wie weit ist es von hier aus?'
Sesshoumarus Kopf ruckte hoch.
Yoshimuri war tatsächlich eine Möglichkeit.
Nicht nur daß er sich momentan im, wenn auch kleinen, Reich von Yoshimuri befand, dieser hatte tatsächlich Heiler in seinen Diensten.
Und Yoshimuri war ein Verwandter, genauer gesagt der Gefährte seiner Tante zweiten Grades, also sein Onkel.
Und er war ihm noch einen Gefallen schuldig.
Besser gesagt schuldete er seinem Vater einen Gefallen, aber da dieser diesen nie eingefordert hatte, konnte Sesshoumaru diesen einfordern.

Vor ungefähr vierhundert Jahren war Yoshimuris einziger Sohn eines Verbrechens beschuldigt worden, und der damalige Taishou hatte dafür gesorgt daß seinem Neffen nicht die übliche Strafe auferlegt worden war. Als Ratsmitglied UND Taishou wog sein Wort doppelt, und sein Vater hatte seine Macht dazu benutzt um seinen Neffen vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Yokozuna hatte Geschmack an Menschenfleisch gefunden. Das war zu Kriegszeiten nichts ungewöhnliches, und niemand regte sich großartig darüber auf wenn sich die Kämpfer an den sterblichen Resten gefallener Söldner oder Wegelagerern bedienten um wieder zu Kräften zu kommen.
Der Erbe eines kleineren Fürstentums im Westen hatte sich aber nicht nur am Abschaum gelabt, er hatte wiederholt selbst vor Heerführern nicht halt gemacht. Ehrenvolle Krieger die auf Seiten des westlichen Heeres der InuYoukai gewesen waren.
Statt ein würdiges Begräbnis zu erhalten, waren sie im Magen eines außer Kontrolle geratenen InuYoukais gelandet.
Es war Yokozunas erste Schlacht gewesen an der er an der Seite seines Vaters teilgenommen hatte, und der junge Youkai war nach Monaten voller Kämpfe mit entsprechender Anzahl Gefallener und Verwundeter, einfach durchgedreht. Die Schlachtfelder waren durchtränkt mit Flüssen voller Blut, und der Gestank nach Verwesung lag wie eine dicke Decke darüber. Vollkommen überlastet mit der Situation und den Gerüchen die seinem Geruchssinn zusetzten, hatte Yokozuna irgendwann nicht mehr zwischen ehrenvollen Kriegern und namenlosen gedungenen Söldnern unterscheiden können.
Die übliche Strafe für derartige Vergehen fernab jeder Ehre, wäre das Ausbrennen der Dämonenmale gewesen. So als ehrlos gekennzeichnet, wäre er ein Ausgestoßener geworden. Heimatlos. Und jeder andere Youkai, gleich von welcher Rasse, hätte ihn jederzeit töten können, ohne dafür angeklagt und verurteilt zu werden.
Dank der Fürsprache des Taishou fällte der Rat ein milderes Urteil und verbannte Yoshimuris in Ungnade gefallenen Sohn auf die Östlichen Vulkaninseln. Fortan durfte dieser die alte Heimat nicht wieder betreten. Auch wurde er von der Erbfolge ausgeschlossen.
Bis zu diesem Zeitpunkt war Yoshimuris Familie recht angesehen, nach Bekanntwerden von Yokozunas Verfehlung nahm das Vertrauen in den Fürsten spürbar ab, und der Rat sorgte dafür daß entferntere Verwandte von Yoshimuri mit diesem ihr Hoheitsgebiet tauschten.
Dieses lag soweit östlich, daß die Menschon dort keine Kenntnisse von den Vorfällen hatten. Der Rest wurde totgeschwiegen, ein paar Leute bestochen, wieder andere verschwanden spurlos. Mittlerweile war soviel Zeit ins Land gezogen, daß der Vorfall zumindest aus den Gehirnen der Menschen verschwunden war.
Bis jetzt war es dem Youkai und seiner Gefährtin strengstens untersagt ihren verbannten Sohn zu sehen. Falls nun die Heiler das Leben der Miko retten könnten, würde er, Sesshoumaru, sich dafür einsetzen daß der Rat gelegentliche Besuche gestatten würde.
Er hasste solche Ränkespielchen, aber momentan blieb ihm keine andere Wahl.

Bis zu seinem Onkel waren es unter normalen Umständen sechs Tagesreisen. Das würde die Miko in ihrem derzeitigen Zustand nicht überleben. Und auch wenn er sich dazu entschlossen hatte, seine Verwandten aufzusuchen, müßte er die Distanz schneller überwinden. Entweder müßte er dazu seine dämonische Form annehmen, oder in Form einer Energiekugel, die ihn in Sekundenschnelle zum Palast seiner Verwandten teleportieren würde.
Die Hundeform schied aus, dazu müßte sich die Miko an ihm festhalten. Alternativ könnte er sie in die Schnauze nehmen.
Ganz egal auf welche Art er sie transportieren würde, zuvor müßte er dafür sorgen daß der Gestank den sie verbreitete verschwand. Nichteinmal Marderyoukai stanken so penetrant, und er bezweifelte daß die Wachen seines Onkels ihn überhaupt in die Nähe des Palastes kommen ließen.
Auf dem Weg zu seinem Onkel käme er an mehreren heißen Quellen vorbei, eine davon wäre sicherlich geeignet daß er sie soweit säubern konnte um keinen unangenehmen Eindruck zu hinterlassen wenn er um einen Heiler ersuchte.
Bündel, Bogen und Köcher über der Schulter, holte er tief Luft und hob sie hoch.
War sie schon immer so leicht gewesen? fragte er sich. Sie war leicht wie eine Feder.
Flach atmend verwendete er gerade soviel seines Youki um sich in die Luft zu erheben und Richtung Osten zu fliegen.

Die erste Quelle auf seinem Weg ignorierte er. Über der Quelle hingen gelbliche Schwaden in der Luft, und ein entsetzlicher Geruch nach faulen Eiern ließ ihn weiterfliegen.
Auch die nächsten stellten sich als unbrauchbar heraus. Eine war offensichtlich verseucht, mehrere tote Dämonen hingen halbverwest im Wasser, und die Pflanzen rund um die Quelle schienen von bräunlichem Schleim überzogen zu sein.
Die nächste war durch einen Erdrutsch zu drei vierteln zugeschüttet.
Er merkte sich die Standorte der Quellen um seinem Onkel davon zu berichten und suchte weiter.
Wieder stieg ihm der Geruch von Wasser in die Nase, und diesmal hatte er Glück.
Das Wasser wies weder Verfärbungen, noch irgendwelche Trübungen auf, die Pflanzen rund um die Quelle schienen gesund, jetzt mußte nur noch die Temperatur stimmen.
Er legte die Bewußtlose in Ufernähe ins Gras, ließ Bündel, Köcher und Bogen von seiner Schulter rutschen, und zog Tenseiga und Bakusaiga. In einem ganz bestimmten Abstand zueinander stieß er sie in den weichen Untergrund. Die Schwerter begannen zu leuchten, winzige Entladungen knisterten, zuckende Blitze entstanden. Diese bewegten sich aufeinander zu, verbanden sich, und schufen so einen Bannkreis.
Dieser würde die gesamte Quelle und einen etwa zwei Meter breiten Streifen rund um die Quelle vor neugierigen und angriffslustigen Youkai schützen. Einzig InuYoukai würden durch den Bannkreis treten können, und auch nur dann wenn sie freundlich gesinnt wären.
Sesshoumaru hoffte daß der Schutz ausreichen würde damit er sich um die Miko kümmern konnte.

Er hielt den Atem an und lauschte in ihre Richtung. Ihr Herz klopfte regelmäßig, aber schwach. Sie atmete kaum merklich, aber noch hob und senkte sich ihr Brustkorb.
'Was hast du vor?' wollte das Biest wissen.
'Ihren Körper aufwärmen,' antwortete Sesshoumaru, während er sich seiner Rüstung entledigte. 'Und sie von diesem Gestank befreien.'
'Und dazu mußt du dich ausziehen?'
Ungerührt öffnete der Inu seinen Obi und ließ ihn fallen. Seine Kleidung folgte.
'Als ob du nicht wüßtest, daß meine Kleidung mich vor zu großer Hitze schützen würde. Sie dagegen hat diesen Schutz nicht.' Mit diesen Worten trat der große Youkai in die Quelle und wartete einen Moment, bevor er kurz nickte. Das Wasser war warm, aber nicht allzu heiß.
Er verließ die Quelle wieder und wandte sich der bewußtlosen Miko zu.
Ihm graute davor sie anfassen zu müssen. Und noch mehr sie ausziehen zu müssen, aber sie mitsamt ihrer Kleidung in die Quelle zu legen würde nichts bringen.
Vorsichtig, um sie nicht mit seinen Krallen zu verletzen, öffnete er Schleifen und Knoten, löste Bänder, zog ihr ihre Kleidung aus. Mit nervösen Fingern versuchte er die Schnallen der seltsamen Schiene zu öffnen, aber anders als beim ersten Mal wollte es ihm diesmal nicht gelingen. Genervt durchtrennte er die ledernen Bänder. Er würde die Miko ohnehin tragen müssen, und ihr würde es im Moment sowieso nicht auffallen.
Vielleicht könnte einer der Waffenschmiede seines Onkels die zerstörten Bänder reparieren. Andernfalls könnte er immer noch Totosai aufsuchen.
War sie schon immer so dünn? fragte er sich, als er sie dann nur in Unterwäsche vor sich liegen sah.
Eingefallene Wangen, die dunkel umschatteten Augen lagen in tiefen Höhlen.
Sein Blick wanderte tiefer. Man konnte jede Rippe zählen. Ihr Körper starrte vor Dreck und getrocknetem Blut.
Ohne daß er es merkte, holte er scharf Luft. Sein Biest gab einen erstickten Laut von sich.
Er war dafür verantwortlich.
Und es gab nichts womit er das hätte entschuldigen können.

Ein paar Minuten später hing ihre verdreckte Kleidung im warmen Wasser, ebenso seine eigene Kleidung.
Dann öffnete er ihr Bündel und anschließend ihren Rucksack wie sie das gelbe Ding nannte.
Gezielt suchte er nach den seltsamen Behältern mit dem blumig riechenden Inhalt, und hoffte daß seine Vermutung sich bewahrheitete, und der Inhalt etwas ähnliches wie Seifenkraut war.
Mit einem Seitenblick auf die Bewußtlose fischte er das seltsam aussehende Kleidungsstück aus dem Rucksack und drehte es hin und her. Immer wieder glitt sein Blick zu ihrem Oberkörper.
Ihre Schiene zu zerstören war eine Sache, das konnte ein geschickter Schmied reparieren. Aber irgendetwas in ihm sträubte sich dagegen, das gleiche mit ihrer Unterkleidung zu tun. Und bevor er ihr ihr seltsam geformtes Oberteil auszog, und sie eventuell dabei verletzte, wollte er nachschauen wie der Verschluß funktionierte.
Winzige Haken und Ösen bildeten den Verschluß. Er müßte vorsichtig sein, aber er würde es versuchen.
Mit gemischten Gefühlen drehte er sie auf die Seite und schaffte es tatsächlich den Verschluß zu öffnen.
Weniger vorsichtig war er mit dem letzten ihrer Kleidungsstücke. Eine rasche Handbewegung, und seine Krallen durchtrennten den dünnen Stoff der ihren Intimbereich bedeckte. Sie hatte noch mehr davon, und das was sie anhatte war zu verdreckt als daß er es hätte waschen wollen.
Geschockt starrte er für einen Augenblick auf ihren nun nackten Unterkörper, dann hob er den Kopf und schloß seine Augen.
Warum hatte er es soweit kommen lassen, fragte er sich, und wußte keine Antwort.
Zum ersten Mal wurde er sich seiner Verfehlungen bewußt.
Er hatte es ihr hoch angesehen daß sie nicht so war wie der Großteil der Menschen. Daß sie sauber war und ihre Kleidung in Ordnung hielt.
Und nun das.
Unterernährt, dreckig und Blutbesudelt. Und das, wo sie ihm auch noch mitgeteilt hatte, daß sie es zwar nicht heilen konnte und durfte, aber daß sie etwas hatte damit sie sich nicht selber besudelte.
Und er hatte ihr das verwehrt. Hatte ihr nicht genügend Zeit für die einfachsten Dinge gelassen. Hatte ihr nur kurze Pausen gegönnt.
Und nun lag das Ergebnis seines Handelns vor ihm.
Und es zeugte nicht von Ehre, ganz im Gegenteil.
'Willst du sie nun waschen, oder sonnst du dich weiter in deinen Schandtaten? Und hör auf sie anzustarren! Das ziemt sich nicht!'
Sein Biest hatte Recht. Ohne zu antworten, hob er sie auf und legte sie so in die Quelle daß ihr Kopf auf dem sandigen Ufer lag. An dieser Stelle fiel das Ufer flach ab, und er konnte sich darauf konzentrieren sie zu säubern, ohne daß er befürchten mußte, daß sie tiefer in die Quelle rutschte.
Ihm war unwohl dabei sie berühren zu müssen. Nicht weil sie so dreckig war, sondern weil es sich genauso wenig ziemte wie sie anzustarren. Nichtsdestotrotz würde er es tun.
Wäre sie eine Youkai gewesen hätte ihm das nichts ausgemacht. Der Humanoide Körper wäre nur eine Darstellung gewesen. Eine äußere Erscheinung. Die Biestform wäre die eigentliche, alles andere war nur Schein.
Bei einer Youkai hätte er hingesehen ohne wirklich darauf zu achten.
Bei der Miko hingegen war es etwas anderes. Ihr Körper war nicht nur eine Form die sie sich selber gab um ihr eigentiches Ich zu kaschieren. So sah sie wirklich aus, und Anstand und Ehre geboten ihm eigentlich sich höflich abzuwenden.
Und sie war die Gefährtin seines Halbbruders. Ein Familienmitglied.
Würde InuYasha noch leben, hätte dieser ihn zu einem Kampf fordern können, um ihre Ehre wieder herzustellen.
Seine eigene Nacktheit störte ihn weniger. Die Miko war bewußtlos und würde davon nichts wissen. Aber das gehörte sich ebenfalls nicht.
Dennoch hatte er keine Wahl, wollte er ihr helfen.

Vorsichtig öffnete Sesshoumaru den Behälter und überlegte was er damit tun sollte.
Dann goß er sich vorsichtig etwas auf seine Hand, besah sich die schmierige rosafarbene Flüssigkeit und roch daran. Diesmal war der Geruch nach Blumen und Früchten weniger stark, und er erkannte daß es nur so stark roch wenn es sich im Behälter befand.
Dann griff er nach einem Arm und verteilte die Flüssigkeit darauf.
Schaum bildete sich und er verstand. Es entsprach tatsächlich dem allgemein verwendeten Seifenkraut.
Nachdem er ihr versehentlich mehrere Kratzer zugefügt hatte, ging er behutsamer vor. Nach und nach wusch er ihre Arme, ihren Rücken, wozu er sie vorsichtig aufsetzte und sie mit einem Arm festhielt. Bei ihrer Brust zögerte er kurz, seufzte leise, bevor er seine Hand noch behutsamer als zuvor darüber gleiten ließ.
Unter ihrer linken Brust gewahrte er eine unregelmäßige Sternförmige Narbe, und er ahnte daß darunter das Shikon no Tama gewesen war.
Menschen sind so anfällig und verletzbar, schoß es ihm durch den Kopf, als er weitere Narben entdeckte. Auf beiden Oberarmen waren mehrere punktförmige Narben. Probeweise berührte er sie mit seinen Fingern und wußte wer ihr diese Verletzungen zugeführt hatte.
Jedesmal wenn InuYasha die Kontrolle über sich verloren hatte, war sie zur Stelle gewesen und hatte sich ihm an die Brust geworfen. Und jedesmal hatte der Hanyou ihr seine Krallen in die Arme gestoßen. Dennoch war sie standhaft geblieben.
Dummes Mädchen, dachte er.
Dummes, tapferes Mädchen.
Über ihr rechtes Schulterblatt zog sich eine dicke Narbe. Dort hatte sie InuYasha verletzt als er sie in Narakus Körper in den Abgrund gestoßen hatte.
Und es waren noch viele mehr.
Unterarme und Handgelenke waren übersät mit feinen Linien. Spuren von Folter und Fesselung. Quer über ihren Bauch verlief unregelmäßig gezackt ein weiteres Überbleibsel aus irgendeinem Kampf.
Auch ihre Beine waren nicht verschont geblieben, erkannte er als er den Dreck wegwusch. Beide Unterschenkel wiesen Spuren von Verätzungen auf. Der ganze rechte Fuß war ein einziges Narbengeflecht, und er erinnerte sich an das was sie darüber erzählt hatte.
Und trotz allem war sie immer wieder gekommen, hatte die Splitter gesucht, war wieder und wieder verletzt worden, und hatte dennoch nie aufgegeben.

Eigentlich hatte er gehofft, daß es reichen würde wenn ihr Körper lange genug im Wasser war, um nicht auch noch ihren intimsten Bereich berühren zu müssen. Aber es reichte nicht, und so setzte er sich ans Ufer, zog sie auf seinen Schoß, und wusch sie so vorsichtig und behutsam er konnte, um sie dann wieder ins Wasser gleiten zu lassen.
Es hatte sich seltsam angefühlt sie so zu berühren, und er verließ die Quelle für einen kurzen Moment. Um sich abzulenken packte er alles was er aus dem Rucksack genommen hatte wieder hinein und atmete tief durch.
Das hätte er besser nicht getan, denn nun, nachdem die Miko sauber war, und keinen abstoßenden Geruch mehr verbreitete, nahm er einen anderen Geruch wahr. Und dieser Geruch war alles andere als abstoßend.
In Gedanken nachrechnend nickte er zu sich selbst.
Die Zähne zusammenbeißend kehrte er in die Quelle zurück und überprüfte Herzschlag und Atmung der noch immer Bewußtlosen.
Beides war gleichbleibend schwach, und wenn er sich nicht geirrt hatte, sogar schwächer als zuvor.
'Das ist nicht gut,' jammerte sein Biest. 'Sie wird es nicht...'
'Sei still!' unterbrach Sesshoumaru es. 'Ich muß nachdenken.'
Sie auf die Arme nehmend, ging er tiefer in die Quelle und setzte sich. Mit dem Rücken an einen der Warmen Steine gelehnt, hielt er Kagome so auf seinem Schoß daß ihr Kopf nicht unter Wasser geriet.
"Wie kann ich die Wahngeister vertreiben?" dachte er laut. "Sie müßten vor meinem Youki fliehen, aber das Reiki hält sie davon ab. Offenbar reicht es nicht daß ich so nah bei ihr bin."
'Wenn es von außen nicht geht, dann vielleicht von innen?'
"Und wie bringe ich genug Youki IN ihren Körper?"
'Ich wüßte da schon was.' ließ sich sein Biest süffisant vernehmen.
Sesshoumarus Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.
"Vergiß es!"
'Dann beiß sie halt. Sie ist bewußtlos und...'
"Das kommt ebenfalls nicht in Frage. In ihrem Zustand würde sie das auch nicht überleben."
'Hm, wie ist eigentlich das Youki in sie gekommen daß du die ganze Zeit gespürt hast? Das was jetzt weg ist.'
"Ich weiß es nicht. Sie hatte zu niemandem Kontakt außer zu mir. Und wie du weißt, ist nichts vorgefallen."
'Wirklich nicht? Und dein Gift im Tee?'
"Möglich. Aber Sie bräuchte jetzt wesentlich mehr davon, und solange sie bewußtlos ist wäre es schwer ihr genug einzuflößen."
'Beiß sie,' beharrte das Biest. 'Ob sie dein Zahngift jetzt trinkt, oder du es ihr in die Blutbahn jagst, der Effekt wäre der selbe.'
Der Youkai überlegte. Theoretisch könnte es funktionieren.
"Das erfordert viel Konzentration über einen langen Zeitraum. Du müßtest die Gegend im Auge behalten, und dafür sorgen daß mein Giftvorrat sich nicht erschöpft."
'Solange genug Youki vorhanden ist,' entgegnete das Biest.
"Ich hoffe für dich daß du dich beherrschst!" knurrte Sesshoumaru. "Andernfalls suche ich doch nach einer Möglichkeit dich loszuwerden."
'Ich würde nie,' begann das Biest, doch der Youkai unterbrach es.
"Du würdest! Und jetzt kein Wort mehr."
Sesshoumaru positionierte sich neu, und richtete die Bewußtlose etwas auf. Dann schob er ihre Haare zur Seite und suchte nach ihrer Halsschlagader.
Ihren Körper an sich ziehend, daß er ihren Herzschlag direkt an seinem Körper spüren konnte, beugte er sich über sie und hieb einen seiner Fangzähne in ihren Hals.
Quälend langsam entließ er sein Zahngift, das harmloseste seiner Gifte, in ihren Blutkreislauf.
Das lange Warten begann.

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Ob Sesshoumaru seinem Biest wirklich die Kontrolle überlassen sollte?

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