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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
Alle Kapitel
105 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
01.10.2020 5.544
 
Wow, 4083 Aufrufe und 76 Favos schon
ich fühle mich geehrt
Und vielleicht meldet sich ja mal der eine oder andere zu Wort, und teilt mir seine Meinung mit
Kritik jeder Art wird gerne gesehen

Heute mal wieder ein Kapitel nur aus Kagomes Sicht. Das nächste gehört dann voll und ganz Sesshoumaru
Have fun

Schatzi wollte Wassertropfen, hier bitteschön *knuddels*

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Die Geister kommen

Kagome, besser gesagt, die tierische Seite Kagomes, hatte sich auf Sesshoumarus Befehl hin zusammengerollt. Dessen Order hieß sie zu schlafen, also tat sie was das Alpha von ihr wollte.
Doch einfach einzuschlafen erwies sich schwieriger als angenommen. Der Wind pfiff unablässig über das Hochplateau, zerrte mit kalten Fingern an ihr, und zusätzlich erfüllte das an- und abschwellende Heulen des Windes ihren Kopf.
Sie zog ihre Beine noch dichter an sich heran, versuchte mit ihrem Umhang eine schützende Barriere zu bilden, aber auch das half nicht wirklich.
Sie fror entsetzlich und zitterte am ganzen Leib. Zusätzlich begann ihr Kopf zu schmerzen.
Zuerst nur ein leichter Druck, wurde es sekündlich schlimmer, bis ihr Kopf sich anfühlte als würde er im nächsten Moment platzen.
Ihr ganzer Körper schien in Flammen zu stehen.

Kagome wußte nichts von den Wahngeistern. In ihrem derzeitigen Zustand hätte sie auch Erklärungen darüber nicht begriffen.
Sie wußte auch nichts über das schwache Youki, welches sie anstelle ihres Reiki ausstrahlte, und das für ihre Dämonische Aura verantwortlich war.
Sesshoumaru war einem Irrtum aufgesessen, als er glaubte sie würden von einem niederen Dämon verfolgt werden, denn der angebliche Verfolger war Kagome selbst.

Als die Wahngeister durch Sesshoumarus Anwesenheit in der Felsenburg vertrieben wurden, gewahrten sie außerhalb der Burg einen liegenden Köper auf dem Plateau. Schon zu lange hatte sich keine lebende Seele hierher verirrt, und so war es kein Wunder daß sie wie die Motten vom Licht angezogen auf Kagome zuströmten.
Das schwache Youki hielt sie für einen kurzen Moment ab, doch der Trieb, die Seele und das Bewußtsein eines Menschen zu vereinnahmen und mit Wahnvorstelleungen zu fluten, ließ sie ihre Furcht überwinden.
Die Verbundenheit untereinander verlieh ihnen für einen kurzen Augenblick Kraft, und je mehr Wahngeister in den zierlichen Körper der Frau eindrangen, umso mehr löste sich das Youki auf bis nichts mehr davon übrig war.
Einzig der schwache Rest Reiki, der bis dahin vom Youki vereinnahmt worden war, blieb und hatte nun die Möglichkeit sich wieder aufzubauen, um eine schützende Barriere zu bilden.
Doch dafür war es längst zu spät.
Und anstatt die Wahngeister davon abzuhalten in Kagomes Geist einzudringen, verhinderte die Barriere nun ein Fortkommen.
Hunderte, wenn nicht sogar über tausend, Wahngeister drängten sich in Kagomes schutzlosem Bewußtsein, durchforsteten jeden Gedanken, jede Erinnerung, jedes Erlebnis, um dann aus genau diesen, Wahnvorstellungen zu formen, um diese in der Menschenfrau lebendig werden zu lassen.
Der InuYoukai bekam davon nichts mit. Kagomes schmerzerfülltes Winseln war zum einen so leise daß es die dicken Mauern der Burg nicht zu durchdringen vermochte, zum anderen wurde ihr jedes Geräusch von den Lippen gerissen um vom Heulen des Windes verschluckt zu werden.
Der Übermacht an Wahngeistern hatte Kagome nichts entgegenszusetzen. Schon nach kurzer Zeit lag ihr ganzes Leben ausgebreitet vor den triebhaften Wesen.
Pure gehässige Freude ließ die Wahngeister aufleben. In diesem Menschen gab es soviel zu sehen wie sie noch niemals zuvor in einem Bewußtsein gefunden hatten.
Soviel erlerntes Wissen, soviel Erlebnisse, soviele Gefühle.
Angefangen von dem Moment wo sie in den Geist der Frau eindrangen, bis hin zu ihrer Geburt, und darüber hinaus zu einem Punkt weit vor ihrer Geburt.
Während sie längst vergessene Erinnerungen auftauchen ließen, suchten sie nach der einen für sie wichtigen Information. Aus dieser würden sie dann schlußendlich die Wahnvorstellung formen, die den Menschen dazu verleiten würde zum Rand des Plateaus zu gehen, und sich ohne es zu wissen in den sicheren Tod zu stürzen.
Noch hatten sie die richtige Erinnerung nicht gefunden, denn bis jetzt zeigte die Frau keinerlei Regung, doch früher oder später würde sie reagieren.
Daß schon für sehr lange Zeit keine Nebeldrachen mehr hier lebten, die sie mit den zu Tode gekommenen fütterten, war ihnen gleich. Für sie zählte einzig der Triumph und die Überlegenheit wenn ihr Opfer in die Tiefe stürzte, und sie kurz vor dem unvermeidlich stattfindenden Aufprall, ihr Opfer aus ihren Fängen entließen und die Erkenntnis und das Wissen um den bevorstehenden Tod in ihren Opfern erblühten.
Sie genossen es regelrecht wenn diese schwachen Wesen vor Entsetzen laut schrieen.
Und sie badeten geradezu in der Vorfreude auf die Geräusche des Aufpralls und brechender Knochen.
Wie tausende Male zuvor würde auch dieses schwache Wesen in ihren Gedanken das pure Glück erleben und genießen, um dann durch die Hölle zu gehen.
Und so riefen sie lange zurück liegende Geschehnisse ins Gedächtnis Kagomes zurück, hoffend daß der Mensch reagierte und sich ihrem Wahn ergab.

Traum oder Wirklichkeit

"Kommst du Kagome? Wir wollten doch ins Einkaufszentrum." Ihre Freundin Eri wurde drängender. Warum hatte sie es nur so eilig? Sie hatten doch alle Zeit der Welt, jetzt wo sie ihren Abschluß der Mittelstufe geschafft hatten.
Irgendetwas erschien ihr falsch daran.
"Komm, beeil dich doch," wiederholte ihre Freundin und griff nach ihrer Hand.
Kagome wurde unwohl bei der Sache.
Ja, sie hatte ihren Abschluß. Und auch noch als Jahrgangsbeste. Sie hatte fleißig dafür geübt, hatte sogar Zusatzaufgaben erledigt und auf vieles verzichtet. Ihr Zeugnis und eine Urkunde waren der verdiente Lohn dafür.
Sie sollte sich nicht so anstellen. Die Sonne schien, es war ein schöner Sommertag, und...
"Es war kein Sommer," murmelte sie leise. "Und ich war auch nicht Jahrgangsbeste, ganz im Gegenteil. Ich mußte eine Nachprüfung machen. Im Frühjahr. Weil..."

"Hier Kagome, dein Geburtstagsgeschenk."
Lächelnd und aufgeregt nachm sie das Geschenk ihres Großvaters entgegen und riß das bunte Papier auf.
"Oh Großvater, vielen Dank!" Ihre Augen glänzten voller Freude als sie das lang ersehnte Handy in Händen hielt. Sie umarmte ihn glücklich und ließ sich von ihm nach draußen ziehen.
"Die nächste Überraschung wartet draußen," grinste ihr Opa verschmitzt.
Kagome entzog ihm ihre Hand.
"Du hast mir nie irgendetwas geschenkt was ich mir gewünscht habe," sagte sie tonlos.

Nach einem endlosen Kuß löste sie sich von Hojo und strahlte ihn an.
"Also ist das ein JA?" strahlte Hojo zurück und schloß seine Arme fester um sie.
Er hatte sich endlich getraut ihr einen Antrag zu machen. Etwas daß sie sich so lange erhofft hatte...
Ich und Hojo? dachte sie geschockt und entwand sich seinen Armen.
NIEMALS...

Wahnvorstellung folgte auf Wahnvorstellung.
Endlos.
In rasendem Tempo erschufen die zusammengeballten Wahngeister in Kagome, eine verlockende Illusion nach der anderen. Doch jedesmal hatte Kagome das Gefühl als würde etwas nicht stimmen und verweigerte sich der Verlockung.
Zeit spielt in der Erinnerung keine Rolle. Komplexe Illusionen, egal wie lange sie sich auch hinzogen, dauerten in der wirklichen Welt nur Sekunden.
Die Geister in Kagome durchforsteten jede noch so kleine Erinnerung Kagomes, immer darauf hoffend daß sie endlich die EINE finden würden.
So vieles hatten sie versucht, soviele Bilder erschaffen, aber stets hatte sich die Frau ihrer Kontrolle entzogen.
Sie wurden drängender und verbissener. Das Reiki, wenn auch schwach, hielt sie davon ab den Körper der Frau wieder zu verlassen. Bei diesem Menschen mussten sie unbedingt einen Erfolg erzielen, andernfalls wären sie so lange gefangen bis die Frau auf eine andere Art ihr Leben aushauchte.

Sie hatte sich mit InuYasha gestritten. Wie so oft hatte er sie wegen Kikyo versetzt, und sie hatte ihn vor die Wahl gestellt.
Ohne sie anzusehen hatte er sie verlassen und kam erst Stunden später zurück.
"Ehe du was sagst, ich war bei Kik..."
"Mach Platz," unterbrach sie ihn. Die Bannkette leuchtete auf und beförderte ihn unsanft zu Boden. Doch anders als sonst maulte er sie nicht an.
"Geschieht mir recht," sagte er, das Gesicht immer noch im Dreck. "Ich hab ihr die Meinung gesagt. Und daß sie nicht ständig hinter mir her laufen soll. Das geht mir schon so lange auf den Keks."
Er hat ihr den Laufpaß gegeben? dachte Kagome überrascht.
"Heißt das, es ist aus und du gehst nie wieder zu ihr?"
"Ich hab ihr das schon seit Wochen gesagt, aber diesmal hat sie gespürt daß ich es ernst meine."
Kagome wurde stutzig. Sie zog die Hand, mit der sie ihrem Freund aufhelfen wollte, zurück und starrte ihn an.

Wieder hatte die Frau die Illusion durchschaut, und die Wahngeister heulten auf.
Aber immerhin hatte sie eine Reaktion gezeigt und sich aufgerichtet. Die Geister beschlossen einen weiteren Versuch mit der rotgekleideten Gestalt und durchkämmten zum tausendsten Mal die offen liegenden Erinnerungen der Frau.

Kagome erwachte  und schaute sich um. Unter ihren Fingern spürte sie weiches Gras. Auf der eben noch toten Lichtung grünte und blühte es. Unzählige Blumen erfüllten die Luft mit ihren süßen Düften.
Hatte sie das etwa verursacht? fragte sie sich überrascht.
Eben noch war sie voller Wut und Trauer gewesen, dann war irgendetwas passiert an das sie sich nicht erinnern konnte.
Sie erhob sich langsam. Dann fiel ihr Blick auf die Bannkette in ihrer Hand und ihr fiel wieder ein was hier passiert war.
"InuYasha," schluchzte sie auf.
"Kagome?" drang ein Ruf an ihre Ohren. Und dann erneut. "Kagome!"
Sie wandte den Kopf in die Richtung aus der sie die Stimme gehört hatte und riß die Augen auf. Konnte es wahr sein? Aber wie?
Langsam machte sie ein paar Schritte auf die Gestalt zu die am Rand der Lichtung stand.
Beim näherkommen konnte sie Einzelheiten erkennen, und ihr Herz begann unruhig zu pochen.
"Ist sie es, oder nicht? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit."
Kagome horchte auf. Das war doch Sesshoumarus Stimme gewesen. Was machte Der denn hier?
"Auf einmal hat mein Herr Halbbruder es eilig. Ist ja schon gut, ich weiß."
"Hn."
Kagome beschleunigte ihre Schritte. Nach ein paar Metern wurde sie jedoch wieder langsamer. Sie hatte plötzlich Angst vor dem was sie erwartetete.
Er war fast so wie sie ihn gekannt hatte. Rotes Hakama, helles Oberteil. Seine Haare leuchteten fast silbern in der Sonne. Sie waren kürzer, aber Kagome schob es auf das was die Dämonen mit ihrem Freund getan hatten.
Seine Arme hingen herab, und sie glaubte schon daß er vollständig wiederhergestellt war, aber dann fiel ihr auf daß das Feuerrattenfell fehlte, ebenso wie das Tetsusaiga.
Dann erinnerte sie sich daran daß die Dämonin alles mitgenommen hatte. Aber sein Arm, dachte sie, wie kann das sein daß er beide Arme hat...
Ein Windstoß wehte seinen rechten Ärmel nach hinten, und machte ihr allzu deutlich klar daß ihre Erinnerung sie nicht trog.
Sie schluckte und machte noch ein paar Schritte, dann beschleunigte sie ihre Schritte und flog ihm förmlich um den Hals.
"InuYasha..." kam es sehnsüchtig über ihre Lippen. Wie sehr hatte sie ihn vermißt!
"Aber wie," stammelte sie, während sein Arm sie an sich presste "ich meine, ich hab gesehen..."
"Tenseiga," raunte es an ihr Ohr und sie verstand. "Aber seitdem läßt er mich nicht mehr aus den Augen. Und er läßt mich fast täglich wissen, wie dankbar ich ihm doch sein muß."
Kagome nickte verstehend. Sie schniefte leise.
"Nicht Kagome. Ich kann nicht sehen wenn du weinst."
"Wollt ihr euch gleich hier auf der Lichtung paaren? Das ist so erbärmlich."
InuYasha verdrehte die Augen und Kagome kicherte leise.
"Immer noch der gleiche herzliche Tonfall wie immer," stellte sie fest.
"Was hat so lange gedauert?" wollte er wissen. Und das war wieder typisch InuYasha, dachte sie. Ehe sie jedoch antworten konnte, spürte sie seine Lippen auf ihren.

Die Wahngeister tobten und verstanden nicht, warum der Mensch noch immer nicht mit zerschmetterten Knochen in der Schlucht lag und schreiend seine letzten Atenzüge tat.
Sie hatten deutlich gespürt daß die Frau ins Nichts gesprungen war.
Sie konnte unmöglich noch immer fallen.
Verzweifelt hielten sie die geschaffene Illusion aufrecht solange sie konnten.
Dann reagierte die Frau plötzlich überhaupt nicht mehr. Tot konnte sie nicht sein, in dem Fall hätten sie den Körper verlassen können, aber sie waren noch immer gefangen, also lebte sie noch.
Die Wahngeister wurden unruhig. Etwas derartiges hatten sie noch nie erlebt. Noch nie hatte ein Mensch sich erfolgreich gegen die Wahnvorstellungen gestellt.
Aber Kagome war ja auch nicht irgendein Mensch, sie war schon des öfteren von Illusionen heimgesucht worden.
Ohne daß die zu Geistern gewordenen Seelen der Nebeldrachen es bemerkten, ging etwas in Kagome vor. Zunächst kaum spürbar, verstärkte sich das Youki in ihr erneut.
Langsam, aber stetig.
Unaufhaltsam und unumkehrbar.
Noch konnten die Geister ausweichen, aber irgendwann wäre ein Punkt erreicht an dem nicht mehr genug Platz zum ausweichen vorhanden sein würde.
Nach außen schottete Kagomes Reiki alles ab, und im Innern wuchs die dämonische Energie.
Die ersten Wahngeister versuchten zu fliehen und lösten sich in Kagomes Aura auf wie Nebel. Andere zerstoben am Überhand nehmenden Youki.
Enger und enger drängten sich die Wahngeister und suchten zu entkommen.
Das Youki breitete sich von innen aus. Drängte auf die Barriere aus Reiki zu. Sperrte die Wahngeister zwischen Reiki und Youki ein.
Mehr und mehr Geister erfuhren auf diese Art eine Form der Läuterung.
Es spielte keine Rolle ob durch Reiki oder Youki, ein Wahngeist nach dem anderen verschwand für immer.
Während dieses Prozesses schickten sie beinahe schon verzweifelt, weitere Illusionen und Wahnvorstellungen in das Unterbewußtsein der Frau.
Keine davon hatte irgendeine Wirkung. Zu tief war die Bewußtlosigkeit ihres Opfers.
Je mehr Wahngeister sich für immer auflösten, umso schlechter wurden die geschaffenen Illusionen. Schließlich gaben sie es auf. Eine handvoll Wahngeister entließ letzte Bilder, während andere nur noch uralte Erinnerungen freigaben. Erinnerungen die so tief vergraben waren, daß man sie auch unverändert als Traum hätte abtun können.

Die andauernde Dunkelheit in Kagome wich einer konturenlosen Gräue.
Eben noch war da nichts, kein Wahrnehmen, kein Empfinden, keine Geräusche. Und dann fühlte sie einen brennenden Schmerz, ausgehend von ihrer Rechten Halsseite.
Heiß und intensiv, als würde sie von innen her verbrennen.
Sie wollte schreien, aber ihre Stimme schien wie gelähmt. Undeutlich spürte sie etwas weiches vor ihrem Gesicht und schlug ihre Zähne hinein. Stöhnend vor Schmerz gewahrte sie eine Berührung an ihrem Hinterkopf, dann glitt sie erneut in die Dunkelheit.

Nur ein Traum...?

Die Stimme ihrer Mutter aus der Küche.
"Das können wir nicht annehmen, das ist zuviel..."
Ein Lachen, tief und warm. Die Stimme ihres Onkels.
"Ihr könnt. Ihr müßt! Es geht nicht anders."

Sie konzentriert sich auf das Blatt Papier vor sich. Sie sitzt auf dem Boden, einen Buntstift in den Fingern. Entschieden malt sie noch einen Strich.

Die Stimme ihres Vaters.
"Ich verstehe das nicht. WIR verstehen das nicht. Exil, wieso?"
Wieder ihr Onkel.
"Ich erkläre es euch dort. Nur ein paar Tage Urlaub, dann bringe ich euch zurück. Und dann..."

Sie schaut auf ihr Bild, befindet es für gut und steht auf. Mit kleinen Schritten stolpert sie aus dem Wohnzimmer zur Küche und umrundet den Küchentisch. Pummelige Finger berühren die Stuhllehnen.

Ihre eigene Stimme.
"Papa."
Ein paar ungelenke Schritte bringen sie zum nächsten Stuhl.
"Mama."

Die Köpfe der Anwesenden drehen sich zu ihr. Endlich hat sie den richtigen Stuhl gefunden und hält ihr Bild hoch. Nur eine Kinderzeichnung, aber jeder Psychologe wäre entsetzt. In dem Gekritzel kann man einen Mann erkennen mit langen schwarzen Haaren und langen Fangzähnen. Auffallend sind auch die großen roten Augen. Mittig über den Augen hat sie ein blaues "C" gemalt. Auf den Wangen sieht man violette Blitze. Neben der Figur ist ein rotes Herz.

Wieder ihre eigene Stimme.
" 'anaké."

Ihr Onkel schaut auf sie herab und lächelt.
"Was möchte meine Kaikamahine? "

Sie lächelt zurück.
"Makana."

"Ein Geschenk? Für mich? Mahalo."
Er nimmt ihr das Blatt aus den kleinen Händen, betrachtet es lange und schiebt es quer über den Tisch.
"Reicht euch das nicht als Erklärung?"
Dann hebt er sie hoch, wirft sie ein Stück weit in die Luft und fängt sie wieder auf. Sie quietscht vor Begeisterung.
"E lele? Nochmal?"
Wieder wirft er sie hoch. Er lacht und vier lange Fangzähne blitzen auf.

*****

Wind zersaust ihre kurzen Locken. Blauer HImmel oben, blaues Wasser unten. Sie flog und jauchzte vor Glück. Unter ihren kleinen Fingern spürt sie weiches Fell. Es ist schwarz und weich. So weich...

Übergangslos steht sie an der Hand ihrer Mutter auf einer Anhöhe und schaut zum Meer.
Hohe Häuser stehen dort. Viele Häuser. Ihre Eltern haben ihr gesagt daß das eine Touristenanlage ist. Aber Erwachsene haben viele komische Wörter, und sie ist zu klein um sie zu begreifen, also blendet sie sie aus.
Sie wendet den Kopf und schaut ihren Onkel fragend an. Dieser erwidert ihren Blick, sieht aber nicht besonders glücklich dabei aus. Sie hat schon lange ein Gespür dafür.
Und so wie sie weiß daß er im Moment traurig ist, weiß sie auch daß dieser hochgewachsene Mann mit den langen schwarzen Haaren nicht wirklich ihr Onkel ist.
Ihr Vater hat es ihr erklärt. Er wäre ihr Patenonkel, beide hätten sich hier kennengelernt. Sie wären hier stationiert gewesen. Seltsame Wörter ohne jede Bedeutung für eine fast Dreijährige, also ignoriert sie sie.
Ihr Onkel reicht ihr eine Hand. Seine Fingernägel sind lang, es könnten Krallen sein.
Vertrauensvoll legt sie ihre kleine Hand in seine.
Die Stimme ihrer Mutter klingt besorgt."Paß auf sie auf."
"Das ist das war wir tun," antwortet ihr Onkel, "Hunde sind Beschützer."
Er greift nach ihr, hebt sie hoch. "Hele mai."

Erneut wechselt die Umgebung und sie ist am Strand. Sie hört das Meer rauschen und verfolgt die an- und ablaufenden Wellen mit den Augen.
"Wasser," sagt sie und tapst auf das Meer zu, doch ihr Onkel hält sie fest.
"Wolltest du nicht eine Burg bauen?"
Sie schüttelt den Kopf daß ihre Locken fliegen. "Einen Palast!" sagt sie fest. Immerhin ist sie die Königin des Popowackelns und gibt sich nicht mit einer Burg zufrieden.
"Dann einen Palast," lacht ihr Onkel.
Gemeinsam bauen sie aus nassem Sand etwas das entfernte Ähnlichkeit mit einem Palast hat. Sie sammelt kurze Stöckchen und steckt sie auf einer Seite ihres Palastes in den Sand.
"Fertig?" fragt er und sie nickt. Dann zieht sie sich an ihm hoch und flüstert ihm etwas zu.
"Mein Palast. Wenn ich groß bin."
"Natürlich dein Palast," geht er auf sie ein. "Und wann bist du groß?"
Sie legt den Kopf schief und überlegt. Zahlen haben für sie noch keine Bedeutung.
"300," sagt sie dann.
"Ich verrate dir auch ein Geheimnis, aber du darfst es niemandem erzählen," flüstert er zurück. "Ich bin ein Dämon. Aber ich würde dir nie etwas tun."
Sie legt den Kopf schief. Ihr Onkel versucht es erneut.
"Ich kann mich verwandeln. Dann bin ich etwas anderes. Oder ich sehe so aus wie jetzt."
Das versteht sie.
"Sag mir, geliebte kleine Sutekina Hana, hast du Angst vor mir?"
Sie legt die Hände aufs Gesicht und prustet los. Kichernd schüttelt sie den Kopf.
"Hund," antwortet sie dann.
"Ja, ich bin ein Hund. Kein richtiger, aber manchmal sehe ich so aus."
Sie hält ihre Zeigefinger an die Mundwinkel.
"Große Zähne."
Er nickt und lächelt breit damit sie seine Fangzähne sieht.
Dann sieht sie sich um. " Zuhause wo?"
Er ahnt was sie meint und deutet in eine Richtung. "Im Westen," antwortet er.
Sie springt auf und umrundet ihren Palast mit vorsichtigen Schritten.
"Ich bin Königin im Westen!" ruft sie laut.

Kein gutes Benehmen

Warmes Wasser umgibt sie, und sie bewegt ihre Füße sachte auf und ab.
Mit geschlossenen Augen genießt sie die wohlige Wärme.
Vor einiger Zeit ist sie aufgewacht, völlig überrascht daß sie im Wassser liegt. Offensichtlich eine heiße Quelle. Nach ein paar Minuten hat sie sich umgedreht und liegt jetzt bäuchlings mit dem Oberkörper auf warmem Sand. Der Rest ihres Körpers ist noch im Wasser.
Sie ist müde und verspürt keinerlei Verlangen sich zu erheben und die Quelle zu verlassen.
In Gedanken sinniert sie über die ganzen Träume nach die sie offensichtlich gehabt hatte.
Sie kann sich nicht mehr an alles erinnern, nur ein paar Traumfetzen sind noch in ihrem Gedächtnis geblieben. Auf diese konzentriert sie sich, ruft diese Bruchstücke wieder auf. Viel zu seltsam erscheinen ihr diese Träume. Viel zu real um nur Träume zu sein.
Sie will sich daran erinnern um später darüber nachzudenken.
Das Wasser der Quelle plätschert und gurgelt um sie herum. Vögel zwitschern, Blätter rauschen leise, aber sie schafft es trotz der Ablenkung die Traumfetzen im Gedächtnis zu behalten.
Leise vor sich hinseufzend konzentriert sie sich auf den nächsten Traum. Den letzten den sie hatte bevor sie aufgewacht war. Eigentlich ist sie durch diesen Traum aufgewacht, und sie wundert sich über den Inhalt.
Herr der Ringe.
Sie hatte die Filme mit ihren Freundinnen im Kino gesehen. Bevor... Bevor sie von ihrer Sehnsucht nach InuYasha fast zerrissen worden war. Als sie noch voller Hoffnung gewesen war daß sich der Brunnen öffnete und sie zurück konnte.
Ihre Freundinnen waren sich allesamt einig daß Aragorn ein verflucht heißer Typ war. Gut sah er ja schon aus, aber Kagome war von jemand anderem geradezu fasziniert.
Legolas.
Irgendetwas hatte dieser Kerl was sie magisch anzog.
Beim Anblick Kankras hatte sie nur die Luft scharf eingesogen, um dann kalkweiß in ihrem Sessel zu sitzen und sich klein zu machen. Naraku ist zurück, hatte sie zu Tode erschrocken gedacht, nur um dann erleichtert aufzuatmen. Naraku war vernichtet, und die riesige Spinne auf der Leinwand hatte nichts mit diesem verfluchten Halbblut zu tun.
Zurück zu Legolas und ihrem Traum.
Sie hatte die Szene noch vor Augen und erinnerte sich an jedes Detail.
Aragorn war über eine Klippe gestürzt und vom Fluß mitgerissen worden. Seine Gefährten hielten ihn für tot. Umso größer war deren Freude als er erschöpft zu ihnen zurückgekehrt war. Er hatte dem Elben gegenübergestanden, und die Freunde hatten sich zunächst wortlos angesehen. Dann hatte der Elb zu lächeln begonnen und seinen Freund mit den Worten 'du bist spät' begrüßt. Anschließend hatte er ihm den Abendstern Arwens in die Hand gedrückt.
Soweit der Film.
Im Traum hatte sie selbst vor dem Elben gestanden.
Nur daß dieser nicht so aussah wie Legolas.
Dessen Haare waren um ein vielfaches länger. Und heller. Richtiggehend weiß.
Und seine Augen waren nicht dunkel, sondern... golden.
Und dann hatte er ihr statt des Abendsterns aus Mithril das goldene Medaillon InuYashas in die Hand fallen lassen.
An diesem Punkt war sie aufgewacht.
Nun grübelte sie darüber nach ob dieser Traum irgendeine Bedeutung haben könnte.
Der Legolas aus ihrem Traum hatte ausgesehen wie... Sesshoumaru.

Hinter ihr wurde das Plätschern lauter, aber sie reagierte nicht darauf. Ihre Gedanken drehten sich um ihren Traum.
Nach und nach begann sie Selbstgespräche zu führen. Sie mußte schmunzeln als ihr auffiel daß sie sich tatsächlich mit sich selber unterhielt.
Und diese Stimme in ihr hielt ihr tatsächlich sämtliche Vorzüge Sesshoumarus vor Augen.
Kagome selber war da ganz anderer Meinung. Der Youkai hatte sie geradezu hinter sich hergeschleppt und ihr Befehle erteilt, die sie tatsächlich befolgt hatte! Er hatte sie zuletzt behandelt wie einen räudigen Köter.
'Komm schon,' sagte ihr zweites ich 'immerhin hat er dich hier in die Quelle gebracht.'
'Punkt für ihn,' knurrte sie in sich hinein. 'Aber er hat mich ausgezogen. Das ist nicht in Ordnung. Außerdem hasst er Menschen, also warum bitteschön sollte er mir etwas gutes wollen?'
'Er ist attraktiv.'
Kagome erstarrte für einen Moment.
Spielte ihr Unterbewußtsein ihr da einen Streich? Konnte es tatsächlich sein daß sie den Halbbruder InuYashas attraktiv fand?
'Niemals hat der Mistkerl irgendetwas anziehendes,' wies sie den Gedanken von sich.
'Wirklich nicht? Schauen wir doch mal...'
Bilder des Dämons tauchten vor ihrem geistigen Auge auf. So gestochen scharf als stünde er direkt vor ihr.
'Gut, du hast Recht,' gab sie dann zu. 'Aber das heißt überhaupt nichts.'
'Wirklich kein bißchen?
Belustigt mußte Kagome schmunzeln. Als ob sie selbst sich den Dämon schönreden wollte!
"Okay, endlos lange silberweiße Haare," sagte sie dann zu sich selbst. "Von seiner nicht zu übersehenden guten Figur, wieso sind die eigentlich alle so gutaussehend? Bis hin zu seinen faszinierenden Augen."
Sie kicherte in sich hinein. Da sie ihre Gedanken ja nicht laut aussprach konnte der InuYoukai sie kaum dafür zur Rede stellen können.
'Nicht zu vergessen, sein perfekt aussehender Körper,' wisperte es in ihr. 'Und sein knackiges Heck. Da möchte man doch glatt nachprüfen ob die Muskeln echt sind.'
Kagome hob den kopf und riß dann ihre Augen weit auf.
In nicht ganz zwei Metern Entfernung stand das Objekt ihrer Selbstgespräche mit dem Rücken zu ihr.
Nackt!
Und gerade im richtigen Moment wehte ein Winstoß seine langen Haare zur Seite und gab den Blick auf dessen Kehrseite frei.
Kagomes Kinnlade klappte nach unten.
Ein Köper wie eine Marmorstatue. So glatt und ebenmäßig, daß feinste Wassertropfen von ihm abperlten.
Sie verfolgte einen etwas größeren Tropfen mit den Augen, beginnend bei seiner rechten Schulter, seinen Rücken hinab, bis hin zu seinem wohlgeformten Gesäß. Und wohlgeformt beschrieb es nicht einmal annähernd. Geradezu perfekte Rundungen. Klar definierte Muskeln. Nicht zuviel, und nicht zu wenig. Sie ertappte sich bei dem Gedanken wie es sich wohl anfühlen würde wenn sie ihn berührte.
"Einen knackigen Hintern hat er ja schon," gab sie ihrer inneren Stimme Recht.
Im nächsten Moment drehte sich der Dämon um, und Kagome betete im stillen daß er genau das nicht tun würde.
Ihre Gebete wurden leider nicht erhört.
Statt des knackigen Hecks, wie ihre innere Stimme ihr zugeflüstert hatte, sah sie nun die Vorderseite. Und was sie sah ließ sie erstarren.
Unfähig sich zu bewegen schaffte sie es geradeso den Kopf noch ein Stück anzuheben, und bereute es im gleichen Moment.
Du bist so ein Idiot, schimpfte sie in Gedanken mit sich selbst. Glotz ihn noch weiter an und du erlebst die nächsten Minuten nicht mehr.
Doch sie konnte ihre Augen einfach nicht von dieser Vollkommenheit vor ihr abwenden.
Er schaute sie nicht direkt an, eher als ob er etwas suchen würde. Aber dann senkte sich sein Blick und für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke.
Und er schaute sie nicht weniger verwirrt an als sie ihn.
Sie stieß sich mit den Händen vom Ufer ab und schob sich rückwärts weiter in die Quelle.
"Hat der denn kein Benehmen?" schoß es ihr durch den Kopf, vergessend daß sie selber ihre Erziehung vergessen und ihn angestarrt hatte.
"Präsentiert sich mir ohne jeden Anstand. Ich könnte das glatt als Aufforderung mißverstehen!" Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht bei diesen Gedanken. Mit einer raschen Bewegung bedeckte sie ihre bloßen Brüste mit einem Arm und funkelte ihn an.
Sein verwirrter Blick wurde intensiver, dann drehte er sich von ihr weg.
"Hn." Mit dieser für ihn so typischen Äußerung griff der Dämon nach seiner Kleidung und zog sich dann vor ihren Augen an.
'Daß du laut gesprochen hast, weißt du aber schon, oder?' versetzte ihre innere Stimme ihr den Todesstoß.
Kagome wurde zuerst puterrot und dann leichenblaß. Mit dem Gedanken, daß sie jetzt auf der Stelle sterben möchte, tauchte sie unter. Gott, war das peinlich.

Sesshoumaru hatte sich mehrfach suchend umgesehen, dann war er mit ihr unbekanntem Ziel aufgebrochen.
Kagome wartete noch ein paar Minuten, dann beeilte sie sich aus der Quelle zu kommen.
Sie entdeckte ihr Bündel, öffnete es und holte frische Unterwäsche aus ihrem Rucksack. Irgendwie hatte sie eine Ahnung, daß die die sie bis jetzt getragen hatte, nicht mehr zu gebrauchen war.
Ihre Augen glitten suchend über das Ufer und die Quelle. Auf den warmen Steinen rings um die Quelle lag ihre Mikotracht. Die meisten Flecken schienen ausgewaschen zu sein, aber noch immer entströmte ihr ein furhtbarer Geruch nach altem Schweiß und getrocknetem Blut. Angewidert ließ sie die Sachen fallen.
Kein Wunder daß er mich in die Quelle gebracht hat, dachte sie, und verzieh ihm gleichzeitig daß er sie ausgezogen hatte. Dieser Geruch muß ihn wahnsinnig gemacht haben.
Sie würde ihre Tracht später gründlich auswaschen, beschloß sie und griff nach dem Kimono. Zu groß für ihre eher zierliche Figur, schleppte der Saum ein wenig hinter ihr her, aber momentan war ihr das egal. Sowie sie ihre Mikotracht gewaschen hatte, würde sie sich daran machen den Kimono zu kürzen.
Zu lang war nicht schlimm, zu kurz wäre ein Problem.
Der nächste Griff in ihren Rucksack beförderte ihre Bürste zu Tage. Sie hatte zu lange auf solche Dinge verzichtet. Sesshoumaru hatte ihr kaum dafür Zeit gelassen, und so hatte sie auch kein schlechtes Gewissen als sie ihre Haare intensiv durchbürstete. Anschließend raffte sie mit ihren Händen eine handvoll Haare oberhalb der Ohren zusammen und wand ein Haargummi darum.
Sie verstaute alles wieder ordentlich und packte ihr Bündel.
Fehlten nur noch ihre Orthese und ihre Stiefel. Frische Strümpfe hatte sie schon an.
Schockiert starrte sie dann auf die Überreste ihrer Orthese.
Sesshoumaru hatte sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht die Schnallen zu öffnen. So wie es aussah, hatte er sie mit seinen Krallen bearbeitet.
Das wird er mir büßen, dachte sie zornig. Knackiges Heck hin oder her.
Sie stopfte die Überreste in ihr Bündel. Vielleicht könnte Totosai die Orthese reparieren. Immerhin war der Dämonenschmied recht geschickt.
An sich war sie abmarschbereit. Bündel, Bogen und Köcher über der Schulter warf sie einen prüfenden Blick auf ihre Umgebung ob sie auch nichts vergessen hatte.
Dann hörte sie den Dämon nach ihr rufen.
"Miko!" klang es schwach an ihr Ohr.
Nun aber flott, dachte sie. Wobei flott, ohne Orthese wohl eher nicht.
"MIKO!"
Das klang schon beinahe verzweifelt. Amüsiert verzog sie ihr Gesicht.
Dann fiel ihr Blick auf das was vor ihr im Boden steckte.
Tenseiga und Bakusaiga.
Trottel, schnaubte sie. Wie kann man nur seine Schwerter vergessen.
Der Bannkreis den er damit errichtet hatte bereitete ihr keine Mühe. Sie zog die wunderschönen und einzigartigen Katanas aus dem Boden, schob jedes in die dazugehörige Scheide und lief in die Richtung aus der sie Sesshoumarus Rufen gehört hatte.
Entgegen ihrer Befürchtungen kam sie auch ohne Orthese gut voran. Eventuell hat das warme Wasser ja geholfen, redete sie sich ein.

Es dauerte nicht lange, da blitzte seine helle Kleidung unter den Bäumen auf.
Die Schwerter auf ihren Armen lief sie auf ihn zu.
Kurz bevor sie ihn erreichte blieb er abrupt stehen und schaute sie verwirrt an.
"Wie kommst du zu diesen Schwertern," fuhr er sie an. "Wer hat dir das gestattet?"
Jetzt hab ich Scheiße gebaut, dachte Kagome. Er hat einen Bannkreis damit errichtet. Vermutlich hätte ich sie stecken lassen sollen.
Sie hielt ihm seine Schwerter hin, dabei verrutschten sie auf ihren Armen und drohten herunter zu fallen. Ohne darüber nachzudenken griff sie zu.
Sie konnte nicht verhindern daß das Tenseiga zu Boden fiel. Immerhin landete es im weichen Gras. Das Bakusaiga hingegen war das weitaus gefährlichere, und sie wollte nichts riskieren. Wie von selbst schlossen sich die Finger ihrer rechten Hand um den Schwertgriff.
Erst als Sesshoumaru vor ihr zurückwich realisierte sie was gerade passiert war.
Die wunderschön gearbeitete Schwertscheide hatte das Schwert freigegeben und polterte zu Boden. Bakusaigas Klinge begann zu leuchten, und Kagome hielt das Schwert ängstlich in seine Richtung.
Das hatten wir schonmal, dachte sie erschrocken. Und diesmal wird er mich nicht am Leben lassen.
Zitternd hielt sie ihm immer noch das Schwert entgegen, wich aber gleichzeitig zurück.
"Du wagst es, mich mit meinem eigenen Schwert anzugreifen?" knurrte er sie an.
Sie schüttelte den Kopf und stolperte erneut einen Schritt rückwärts.
Er musterte sie mit zusammengekniffenen Augen, dann kam er drohend auf sie zu.
"Es war ein Versehen," stammelte sie. "Ich hatte nicht vor... sie steckten im Boden und ich glaubte..."
Noch ein stolpernder Schritt rückwärts, dabei trat sie auf den zu langen Kimono und fiel hin. Ihre Hand öffnete sich und Bakusaiga entglitt ihren Fingern.
Schon war er über ihr. Sein Blick nagelte sie regelrecht fest.
"Wer bist du?"
Wie bitte, was? dachte sie verwirrt. Mag ja sein daß ich in der letzten Zeit nicht ganz bei Sinnen war, aber leidet ER jetzt an Gedächtnisschwund, daß er sich nicht an mich erinnert?
Das würde zumindest erklären warum er mich an der Quelle schon so komisch angesehen hat.
Ein Gedanke durchzuckte sie, und sie grinste innerlich.
"Su... Sutekina Hana," antworte sie, ihm ihren Zweitnamen nennend. Komischerweise hatte sie Jahrelang nicht mehr daran gedacht, erst die komischen Träume hatten ihn ihr ins Gedächtnis zurück gerufen.
Ihr Gegenüber legte den Kopf schief und musterte sie. Dann richtete er sich wortlos auf, griff nach seinem Schwert und schob es in die Scheide zurück.
Beide Schwerter in seinen kunstvoll geknoteten Obi steckend, kam er auf sie zu und griff nach ihrem Obi.
Kagomes Augen flackerten. Was hatte Sesshoumaru vor?

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