Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
20.01.2021
28
121.936
31
Alle Kapitel
105 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
24.09.2020 4.402
 
Wow
3.685 Aufrufe
73 favos
16 Empfehlungen
Ich bin echt geplättet
Vielen Dank an alle die hier so eifrig mitlesen

Jemand abergläubig?
Das 13. Kapitel beschert Sesshoumaru seinen persönlicjen little shop of horrors
Aber wen wunderts, schließlich betritt der Inufürst am 31.10 das Plateau wo er hofft Antworten zu finden...

------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zwei Wochen voller Horror

Sesshoumarus Atem ging flach, und sein Herz pochte schmerzend gegen seinen Brustkorb.
In seiner Kehle hatte sich ein Klumpen gebildet.
Rin.
Warum hat sie eine Zeichnung von... Rin? hatte er sich wieder und wieder gefragt, während er seine Augen nicht von dem was er sah abwenden konnte.
Sie sah so jung aus. So lebendig.
Hat Rin ihr soviel bedeutet, daß sie ein Bild anfertigen ließ? Eines das so lebensecht aussah, daß er für einen kurzen Moment glaubte Rins fröhliches Lachen zu hören.
Und dann hatte er weitergeblättert und noch eine Zeichnung von seiner Ziehtochter entdeckt. Seine Mundwinkel hatten sich trotz des seltsamen Gefühls in ihm, für einen Sekundenbruchteil gehoben, als er sich die dargestellte Szenerie genauer betrachtete.
Rin saß auf dem Boden, neben ihr Ah-Uhn, ihr gegenüber Jaken. Der eigentliche Grund für sein minimales Schmunzeln war der Wutausbruch den der Kappa offensichtlich hatte.
Die Miko mußte ein außerordentliches Gedächtnis für solche Details haben, denn er konnte keinen Fehler entdecken. Und wieder fragte er sich nach dem Grund. Eine Zeichnung von Rin würde er vielleicht noch nachvollziehen können, aber seinen Diener Jaken?
Und dann erregte ein weiteres Detail seine Aufmerksamkeit.
Hinter Ah-Uhn befanden sich Bäume, und zwischen knorrigen Baumstämmen befand sich etwas das so gar nicht dahin passte. In all dem Grün und Braun waren helle Flecken. So als hätte der Künstler sein Werk nicht vollendet.
Irgendetwas daran kam ihm merkwürdig bekannt vor. Silber und Weiß. Pelzig. Aber es waren nicht die Farben die ihm bekannt vorkamen. Sondern wie der Kappa und Rin neben Ah-Uhn saßen, und Jaken seinen Kopfstab wütend schwenkte.
Und dann weiteten sich seine Augen, als sich eine Erinnerung in sein Bewußtsein schlich.
Die Miko hatte nicht nur ein gutes Gedächtnis, ihr war es augenscheinlich nicht entgangen daß Er, Sesshoumaru, sich seinen Begleitern genähert hatte. Denn die hellen Flecken waren sein Haar und sein Mokomoko.
Warum hatte sie dieses Detail in das Bild einfügen lassen? Man sah es wirklich nur wenn man genau hinsah, und im Grunde genommen hätte der Zeichner es genausogut weglassen können.
Die nächste Zeichnung versetzte ihm einen Schock.
Er sah sich selbst!
Und es verursachte widersprüchliche Gedanken. Zum einen ärgerte er sich, daß sie es gewagt hatte ihn überhaupt zeichnen zu lassen. Dann, daß er auf der Zeichnung von hinten zu sehen war. Wieso nicht von vorn, oder wenigstens im Profil? Und die Miko hätte dafür sorgen können daß er vollständig dargestellt wurde. Immerhin hatte er seinen linken Arm ja wieder. Und Bakusaiga fehlte auch.
Und auch wenn es ihn störte daß er ohne Arm und Schwert dargestellt worden war, kam er nicht umhin dem Künstler im Stillen seine Bewunderung auszusprechen.
Seine Hand sank herab und das Buch klappte ganz von selbst zu.
Mit offenem Mund starrte er dann in den Nachthimmel.
'Sie hat Zeichnungen von dir,' ließ sich sein Biest freudig vernehmen.
'Das bedeutet gar nichts,' gab er ohne jede Regung zurück. 'Es ist überaus Anmaßend und Respektlos. Sie hatte nicht die Erlaubnis dafür.'
'Als ob du sie ihr gegeben hättest. Oder als ob sie gefragt hätte. Macht dich das nicht stolz daß du ihr offenbar wichtig genug warst um einen Zeichner zu beauftragen?'
'Nein. Zu allem.'
'Mir machst du nichts vor.'
Sesshoumaru verkniff sich eine Antwort darauf. Sein Biest legte es offfensichtlich darauf an ihm die Miko schmackhaft zu machen. Aus welchen Gründen auch immer, er würde nicht darauf eingehen. Für ihn würde sie immer nur die Gefährtin seines Halbbruders sein. Ein ungewolltes Anhängsel. Eine Verpflichtung. Mehr aber auch nicht.
Schlimm genug daß er sich momentan um sie kümmern mußte. Und zwar mehr als ihm eigentlich lieb war.
Leise in sich hinein knurrend tauschte er erneut die Steine unter ihrem Umhang aus. Noch immer war ihre Kleidung feucht. Leichter Dampf stieg aus ihrem Umhang empor und schwebte über ihrem Körper wie Nebel. Sein Biest hatte Recht behalten, als es sagte daß die Nächte zu kalt seien.

Während der Nacht hatte er genug Zeit zum Nachdenken. Erneut hatte die Miko ihm Rätsel aufgegeben. Und erneut konnte er nur Vermutungen anstellen. Beim derzeitigen Zustand der Miko war es fraglich ob er überhaupt jemals Antworten auf seine Fragen bekommen würde.
Er rief sich die Geschehnisse des Abends ins Gedächtnis zurück und versuchte Licht ins Dunkel seiner Gedanken zu bringen.
Sie hatte ihn gebissen und anschließend angegriffen. So kannte er sie nicht. Sie würde sich ihm entgegenstellen, aber derart auf ihn losgehen? Nur jemand der den innigen Wunsch nach einem raschen Tod hatte würde das wagen.
Und es widersprach allem was sie in den letzten Wochen getan hatte.
'Ich erwähnte schon daß sie besessen sein könnte,' meldete sich sein Biest unterstützend.
'Das liegt im Bereich des Möglichen. Allerdings glaube ich kaum daß jemand so dämlich ist und sich ihr trotz meiner Anwesenheit nähert.'
'Vielleicht in dem Dorf wo du sie zurückgelassen hast?'
'Unwahrscheinlich. Im Dorf war nichts was das hätte verursachen können.'
'Parasiten?'
'Bei einem Menschen?' Dennoch glitt sein Blick prüfend über die schlafende Miko.
'Nichts,' dachte er dann beinahe schon ratlos. 'Aber irgendetwas oder jemand muß der Auslöser sein.'
Er erhob sich mit einer fließenden Bewegung und sog die Luft prüfend ein. Langsam entfernte er sich vom Feuer und umrundete ihren Lagerplatz mit nahezu lautlosen Schritten.
'Wonach suchst du?' ließ sich das Biest vernehmen.
'Nach dem Dämon der uns schon seit ein paar Tagen folgt.'
'Das kann aber nichts größeres sein. Junge Felsenwürmer vermutlich. Zuwenig Youki um gefährlich zu sein.'
Felsenwürmer wären möglich, dachte er, schüttelte dann jedoch den Kopf. Das was er spürte wies nicht die bekannte Signatur der kleinen Würmer auf. Auch ernährten diese sich von Mineralien im Gestein, waren also harmlos und alles andere als eine Bedrohung.
Das was seine Sinne ihm zutrugen kam ihm vage bekannt vor.
Nach einer weiteren Runde gab er auf und kehrte zum Feuer zurück. Bis zum Morgen würde er dort nichts anderes tun als dazusitzen, bei Bedarf Holz nachlegen und dafür sorgen daß die Miko nicht auskühlte.

Der Morgen brach an, und die Miko schälte sich herzhaft gähnend aus ihrem Umhang. Dann schleppte sie sich humpelnd vom Lager weg.
Sesshoumaru ahnte daß sie einen Platz suchte wo sie ihre menschlichen Bedürfnisse erledigen konnte.
Zumindest hoffte er das.
Er wollte nicht darüber nachdenken was passieren würde wenn sie das auch noch vergessen würde. Im Moment konnte er froh sein wenn sie überhaupt daran dachte sich ihrer Kleidung dafür zu entledigen.
Während er einen großen Fisch aus dem Bach holte, warf er immer wieder Blicke in die Richtung in die die Miko verschwunden war. Das Gebiet war eher spärlich bewachsen. Es bestand überwiegend aus Felsen. Nur vereinzelt wuchsen magere Büsche und Krüppelkiefern. Was er sah brachte ihn fast zur Weißglut. Statt sich einen der Büsche auszusuchen, humpelte sie von einem zum nächsten, schüttelte den Kopf und humpelte weiter.
Als sie dann begann, an den Büschen zu riechen, riß er seine Augen ungläubig auf. Der Fisch entglitt seinen Fingern und fiel zu Boden, wo er vor sich hin zappelte.
'Hat sie gerade an den Büschen geschnuppert wie ein... Köter?'
"MIKO!" Sein lauter Ruf ließ sie den Kopf heben. "Was auch immer du tun mußt, TU ES JETZT!"
Sich abwendend hob er den Fisch wieder auf und kehrte zum Feuer zurück.
Das nimmt erschreckende Ausmaße an, dachte er. Wieso hab ich sie bloß mitgeschleppt, ich hätte ihre Informationen auch ohne sie überprüfen können.
'Du hättest auch fliegen können,' knurrte sein Biest. 'Aber das wolltest du ja nicht.'
'Allein der Gedanke daran,' gab er zurück.
'Zumindest wäre sie dann noch sie selbst. Und vermutlich wüßtest du jetzt ob deine Vermutungen wahr sind. Alles nur Zeitschinderei.'
'Ich wollte in Ruhe darüber nachdenken was sie gesagt hat.'
'Und das geht nur wenn du wochenlang durch die Gegend läufst? In Wahrheit hast du doch nur Angst vor dem was auf dich zukommt.'
Sesshoumaru beherrschte sich nur mühsam. Mit zornroten Augen verfolgte er wie die Miko zurückkehrte und auf den Bach zulief.
An den vorangegangenen Abend denkend, verkniff er sich jedwede Äußerung in ihre Richtung und behielt sie nur im Blick.
Mit nassem Gesicht, sie hatte wieder direkt aus dem Bach getrunken wie ein wildes Tier, humpelte sie in Richtung Feuer wo sie sich niederließ.
Der Fisch hing noch nicht lange genug über dem Feuer, dennoch schien ihr das nichts auszumachen. Ehe Sesshoumaru reagieren konnte, hatte sie den Fisch an sich gerissen und ihre Zähne in den geschuppten Leib geschlagen. Nur die Warnung seines Biests hielt den DaiYoukai auf Abstand. Noch einmal wollte er der Miko keinen Anlaß bieten ihn anzugreifen.

Zwei Tage später befand Sesshoumaru sich in seiner persönlichen Hölle.
Zumindest fühlte er sich so.

Die Miko gehorchte nach wie vor seinen Befehlen, es schien sogar als ob sie ihn besser verstünde als noch vor ein paar Tagen.
Er hatte überlegt ob er sie wieder fesseln sollte, hatte sich dann aber anders entschieden. Fesseln und hinter sich her zerren konnte er sie immer noch.
Auf seinen Befehl hin erledigte sie ihre Bedürfnisse, aß und trank, lief hinter ihm her, und legte sich abends zum schlafen hin.
Gut, sie trank immer noch mit dem halben Gesicht unter Wasser und aß den Fisch roh, aber das störte ihn weniger. Auch daß sie sich im Schlaf zusammenrollte kümmerte ihn wenig. Hauptsache sie schlief überhaupt. Und immerhin erinnerte sie sich daran daß sie sich zumindest teilweise ihrer Kleidung entledigen mußte wenn sie sich erleichterte. Ihm graute vor dem Moment an dem ER das für sie erledigen mußte.
Momentan waren die Nächte das schlimmste. Offenbar waren ihre Träume wiedergekehrt. Doch statt sich unruhig hin und her zu werfen und nahezu ohne Pause zu heulen, zuckte sie jetzt im Schlaf mit Händen und Füßen und winselte.
Glatt könnte man glauben daß der InuYoukai jetzt seinen persönlichen Hund hätte.
Und Sesshoumaru fand das alles nicht so lustig. Ganz im Gegenteil.
Die Aura der Miko war unverändert geblieben. Noch immer waberte dieses unheilvolle Violett um sie herum. Und noch immer wurden sie scheinbar von irgendeinem niederen Dämon mit nur schwachem Youki verfolgt.
Dessen einzige Fähigkeit schien darin zu bestehen daß er sich unsichtbar machen konnte. Bis jetzt hatte er sich weder blicken lassen, noch hatte es Anzeichen eines Angriffs gegeben.
Er hielt stets den gleichen Abstand und tat - nichts.
Sesshoumaru ignorierte ihn gekonnt und überprüfte nur regelmäßig seine Umgebung.
Außer dem Geröllfeld auf dem sie sich bewegten gab es außer spärlichen Bäumen und Büschen nichts. Rechts von ihnen mäanderte der Bach leise plätschernd dahin, links befand sich der Bereich den er weiträumig umgehen mußte. Giftige Gase stiegen dort aus dem Boden und machten eine Durchquerung unmöglich. Er selber hätte weniger Probleme damit, er hätte ohne weiteres darüber hinweg fliegen können, oder aber näher herangehen, aber die Miko wäre an den Gasen erstickt. Falls ihr nicht vorher die Luftröhre und die Lungen verätzt worden wären. So war er gezwungen einen Umweg einzulegen.

'Hast du eigentlich mitgezählt?' ließ sich sein Biest nach einer Rast vernehmen.
'Wie oft sie an einem Busch riecht bevor sie sich hinsetzt? Nein, hab ich nicht!'
Genervt grollte der InuYoukai in sich hinein.
'Ihr Zyklus,' warf sein Biest ihm den nächsten Happen zu. Sesshoumaru kochte innerlich. Wann würde sein Biest endlich mal Klartext reden!
'Was für ein Zyklus? Und was ist damit?'
Die Miko humpelte vor ihm her, trat auf einen losen Stein, und stolperte. Ohne darüber nachzudenken wich er ein Stück zur Seite. Mittlerweile war ihr Geruch unerträglich. Die giftigen Gase links von ihm waren geradezu verlockend dagegen.
'Ihr Zyklus unterliegt wohl einem vierwöchigen Rhythmus.'
'Danke für diese überaus unwichtige Information.' Gedanklich beschloß er, daß er nach einer Möglichkeit suchen wollte, wie man sich seines Biestes entledigen konnte.
Derzeit gab es nichts was ihn weniger interessierte als irgendein Zyklus. Schon gar nicht was die Miko betraf. Zum wiederholten Male verfluchte er sich selber daß er sie überhaupt mitgenommen hatte.
'FAKTEN!' knurrte er in Gedanken. 'Verständlich,' setzte er hinzu.
'Als wir auf sie trafen, bei der Lichtung, hatte sie ihre Fruchtbare Phase,' setzte sein Biest zu einer Erklärung an. 'Vier Wochen danach hast du sie aus dem gleichen Grund in diesem Dorf abgeladen.'
'Und das ist alles? Bis zu ihrer nächsten Phase dauert es noch fast zwei Wochen! Und darauf wolltest du mich hinweisen?'
'Ungefähr in der Mitte davon blutet sie.'
Sesshoumaru blieb abrupt stehen.
'Ich wollte dich nur darauf hinweisen,' sprach das Biest weiter 'Theoretisch müßte es soweit sein. Eigentlich ist sie schon ein paar Tage darüber...'
'NEIN!' Seine weit aufgerissenen Augen verfärbten sich schlagartig. Aus warm schimmernden Gold wurde gefährliches Rot.
'Bedauerlicherweise befindet sich kein Dorf in der Nähe wo du sie...'
"NEEEIIIN!"

Es grenzte an ein Wunder daß die explodierenden giftigen Gase nicht den halben Planeten in die Luft jagten, als Sesshoumarus ungezügelte Wut sich entlud.
Bakusaigas entfesselte Macht hinterließ eine mehr oder weniger total zerstörte Landschaft.

Schwer atmend kam er wieder zu sich, warf einen geschockten Blick auf seine Umgebung, und ließ Bakusaiga mechanisch in dessen Scheide zurück gleiten.
Links von ihm züngelten kleine Flammen in die Höhe. Nach einem kurzen Blick wertete er sie als ungefährlich und sah sich um. Auf einmal wurde ihm bewußt daß er nicht alleine gewesen war. Von der Miko war nichts zu sehen, und er hoffte daß er sie nicht versehentlich umgebracht hatte. Niemand würde ihm glauben was hier passiert war und warum.
Sein Geruchssinn wies ihm die Richtung zu einem Krater. Schon aus der Ferne roch er verbranntes Fleisch und Blut.
Je näher er dem Krater kam, umso langsamer wurden seine Schritte. Der Blutgeruch wurde mit jedem Schritt intensiver.
'Das kann sie nicht überlebt haben,' klang sein Biest bedauernd und geschockt gleichzeitig.
Ihm wurde heiß und kalt gleichzeitig. Die Erinnerung an Rins Tod schob sich ungewollt in seine Gedanken und ließ ihn erstarren.
Die Miko konnte nichts dafür. Sie hatte ihm gesagt daß sie diesen Vorgang nicht verhindern konnte. Sie konnte vermutlich auch nichts dafür daß sie sich seit Tagen wie ein Tier benahm. Statt den Umstand zu verfluchen, hätte er die Suche abbrechen müssen, um herauszufinden was mit ihr passiert war.
Und nun würde er höchstwahrscheinlich ihre zerfetzten Überreste vorfinden, vorausgesetzt daß Bakusaigas Attacke sie nicht pulverisiert hatte.
Und er müßte dem Rat Rede und Antwort stehen.
Und seiner Mutter.
Und es stand außer Frage daß die Reaktion seiner Mutter schlimmer sein würde als die des Rates.

Sesshoumaru brauchte Gewißheit.
Nicht daß die Miko ihm irgendetwas bedeutet hätte, sie war nur die Gefährtin seines Halbbruders und seine Verpflichtung, so mußte er zumindest herausfinden was genau mit ihr passiert war. Er würde sich mit Schande bedecken wenn er sie einfach dort unten liegen ließ, statt ihr ein würdiges Begräbnis zu geben wie es ihr als Hime zustand.
Daß er sich nicht gerade wie ein Mann von Ehre verhalten hatte, kam ihm dabei noch nicht einmal in den Sinn.
Mit allem rechnend trat er an den Rand des Kraters und blickte hinab.
Statt des erwarteten Leichnams erblickte er eine völlig unversehrte, von ihrem geistigen Zustand einmal abgesehen, Miko am Boden des Kraters. In ihren Händen hielt sie ein undefinierbares, halb verkohltes Stück Fleisch, in das sie ihre kleinen Zähne schlug und daran herumzerrte. Blut, vermutlich von dem Tier welches statt ihrer Bakusaiga zum Opfer gefallen war, lief ihr aus dem Mundwinkel und tropfte auf ihre Kleidung.

'Hast du gerade aufgeatmet?' wollte sein Biest wissen.
'Warum sollte ich. Vermutlich haben ihre Mikokräfte sie beschützt.'
'Ja sicher doch.'

Sesshoumaru warf einen Blick auf die Wände des Kraters. Sie würde es auch ohne Hilfe herausschaffen. So rief er ihr nur zu und bedeutete ihr daß sie ihm folgen sollte.
Nach einigen Anläufen hatte sie es dann auch geschafft. Keuchend vor Anstrengung stand sie dann am Kraterrand und hielt das halb blutige, halb verkohlte Fleisch in den Händen. Sie knurrte leise.
"Du kannst das gerne behalten, ich will nur wissen was das ist."
Tief einatmend sortierte er die Gerüche, wobei ihm durch den Blutgeruch fast schlecht wurde. Nach ein paar Minuten gab er auf. Zuviele Gerüche überlagerten sich und machten eine Identifizierung schwer.
Er überließ ihr die Wahl ob sie es essen wollte oder lieber nicht, und suchte einen Weg aus dem Trümmerfeld heraus. Da es ihr offensichtlich gut ging würde er nicht von seinem Plan abweichen und weiterziehen.

Sein Biest hatte Recht behalten.
Während der Nacht hatten ihre Blutungen eingesetzt und machten es ihm nicht gerade leicht in ihrer Nähe zu bleiben.
Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er sie niemals angefasst. Zu groß war die Gefahr daß sie wieder auf ihn losging, und falls sie sich zufällig an ihre Mikokräfte erinnerte, könnte das böse für ihn ausgehen.
Und auch wenn diese Gefahr NICHT bestehen würde, und er sich dazu überwinden könnte, hätte er doch nicht gewußt was er hätte tun können. Sie hatte irgendwas bei ihren Sachen dafür, soviel wußte er, aber was es genau war wußte er nicht.
Es grenzte an ein Wunder daß sich nicht hunderte Dämonen aller Art bei ihnen versammelten. Vermutlich hielt ihr Gestank sie davon ab. Es war einfach nur widerlich.

'Bring sie zu Yoshimuri,' schlug sein Biest am Ende des nächsten Tages vor.
'Kommt nicht in Frage. Es würde länger dauern als zum Hochplateau. Ungeachtet der Tatsache daß sie dort gut aufgehoben wäre.'
Der Wind hatte gedreht und wehte ihm den mehr als strengen Geruch der Miko in die empfindliche Nase. Sich abwendend suchte er sich einen neuen Platz an dem er die Nacht verbringen würde. Dennoch konnte er nicht verhindern daß Teile ihres Geruchs ihn anlockten. Er hoffte inständig daß sie das Plateau schnell erreichten, und er somit an die gewünschten Informationen käme.
Anschließend würde er sie schnappen, Geruch hin oder her, und sie in irgendeine Quelle oder einen Fluß werfen. Daß sie sich angesichts der Temperaturen vermutlich schwer erkälten würde, oder sogar Lungenkrank wurde, war ihm momentan schlichtweg egal.
Alles war besser als diesen Gestank länger auszuhalten.

'Ein Gutes hat ihr Gestank,' ließ sich das Biest nach einer weiteren Woche vernehmen.
'Es hält wilde Dämonen auf Abstand?' antwortete der InuYoukai schlechtgelaunt.
Sie hatten das Gebiet mit den giftigen Gasen hinter sich gebracht und waren auf halbem Weg den Berg hinauf zum Hochplateau. Am Fuße des Plateaus befanden sich dutzende Warnschilder, die die Menschen davon abhalten sollten weiter zu gehen.
Die Stelle an der er Halt gemacht hatte damit die Miko sich etwas erholen konnte, bot kaum Platz, und er war gezwungen näher bei ihr zu sein als er wollte.
Schließlich überwand er sich, packte sie am Arm und zerrte sie hoch. Ihren gewinselten Protest ignorierend, stieß er sich vom Boden ab und überwand die letzten Meter Höhenunterschied. Angeekelt ließ er sie mitten auf dem Plateau wieder los.
Er entfernte sich ein paar Meter von ihr, zischte ihr einen Befehl zu und wandte sich zu der Burg am anderen Ende des Plateaus.
Diese war vor vielen Jahrhunderten errichtet worden, und war mit herkömmlichen Dämonenpalästen nicht zu vergleichen. Errichtet aus rohen Felsen auf einem Plateau wo es nichts gab außer Felsen, Felsen und einer das Plateau zu drei vierteln umgebenden tiefen Schlucht. Unzählige Knochen, vermutlich mehrere tausend, lagen in einem wilden Durcheinander in der Schlucht.
Die Überreste derjenigen die auf diesem Plateau, oder aber in der Burg, ihr Leben verloren hatten. In den sicheren Tod gelockt durch Wahnvorstellungen, hervorgerufen durch das was sich hier aufgehalten hatte, und vermutlich immer noch hier aufhielt.

Wenn er die Zeichen richtig deutete, besser gesagt, die Andeutungen und Berichte der Miko, waren die schaurigen Geschichten die man jungen Dämonen erzählte, nicht nur bloße Erfindung, sondern beruhten auf Tatsachen.
Vor sehr langer Zeit hätten angeblich Dämonen vom Festland sich mit hier ansässigen Dämonen zusammengetan und einen Pakt geschlossen. Unter Zuhilfenahme einer oder mehrerer Zauberkundiger, hier gingen die Geschichten auseinander, hätten sie es wohl geschafft sich aus ihren eigentlichen Körpern zu lösen. Über die Jahrhunderte hätten sich die Nachkommen immer wieder mit einer der großen Drachenrassen gepaart und eine neue Art von Dämon erschaffen. Diese hätten, wie die Miko es erwähnt hatte, drei Formen zur Verfügung. Bisher war das von niemandem bestätigt worden, zumal das alles so lange her war, daß selbst langlebige Dämonen sich nicht daran erinnern konnten ob diese Legenden tatsächlich jemals so passiert seien. Und diejenigen die es hätten bestätigen können, hatten eine Begegnung höchstwahrscheinlich nicht überlebt.
Es gab noch andere Geschichten. Geschichten in denen von Geistern die Rede war. Geister, die Wahnvorstellungen in die Köpfe der unvorsichtigen pflanzten und sie in den sicheren Tod trieben.
Geschichten über Dämonen deren Gier nach Fleisch, egal ob von Mensch, Tier oder Dämon, nie gestillt war.
Erzählungen über Dämonen die von Geistern gefüttert wurden.
In manchen Geschichten hieß es, Seelen von bösartigen Kreaturen sei nicht nur der Weg zum HImmel verwehrt worden, sondern auch ins Totenreich. So grausam und verachtenswert seien ihre Taten gewesen, daß selbst die Hölle ihre Pforten vor ihnen verschloß.
Unerwünscht von allen würden sie nun ihr Dasein als bloße Schatten fristen, bar jeder Hoffnung auf Vergebung, und über die Jahrhunderte völlig dem Wahnsinn verfallen.
Vermutlich hatte nie jemand geglaubt daß diese Erzählungen wahr sein könnten.
Und niemand hatte je daran gedacht daß alle diese Geschichten einen gemeinsamen Ursprung hatten.
So jedenfalls Sesshoumarus Theorie.
In der Praxis müßte er das noch überprüfen.

Jeder Dämon war auf seine Art von sich überzeugt. Eitelkeit und Arroganz waren stetige Begleiter. Darum war es auch nicht verwunderlich daß in jedem größeren Dämonenhaushalt Portraits zumindest in Lebensgröße zu finden waren.
Je überheblicher, umso mehr und umso größere Portraits.
Die Felsenburg war das Domizil der Wahngeister. Aber es hieß auch daß hier vor Jahrhunderten ein größerer Dämonenclan ansässig gewesen war.
Und beides sollte angeblich zu gleicher Zeit stattgefunden haben. Der einzige Umstand der dagegen sprach, war daß die Wahngeister reißaus nahmen wenn jemand mit starkem Youki in ihre Nähe kam, somit war eine gleichzeitige Besiedelung nicht möglich.
Nur wenn Wahngeister UND die hier ehemals ansässigen Dämonen miteinander in Verbindung standen, nur dann wäre es möglich gewesen, beides hier vorzufinden.
Und so hoffte Sesshoumaru, daß er irgendwelche Beweise finden würde. Schriftrollen, Portraits, vielleicht aber auch Chroniken oder Berichte.

Nachdem die Miko sich auf seinen Befehl zum Schlafen zusammengerollt hatte, betrat er ohne jede Mühe die Felsenburg und begann sie abzusuchen.
Kleinere dämonische Spinnen und anderes Ungeziefer floh vor seinem Youki, als er mit raschen Schritten durch lange Gänge und Flure ging.
Geschwärzte Felsen, unterbrochen von angesengten Balken. Die ehemaligen Bewohner hatten offensichtlich keinen Sinn für Ästhetik gehabt. Nirgendwo gab es die sonst üblichen leichten Schiebetüren, oder auch irgendwelche dekorativen Elemente. Keine Vorhänge, keinerlei repräsentierenden Gegenstände oder Trophäen. Nichts. Nicht einmal Fenster gab es hier.
Kahle dunkle Wände wohin er sich auch wandte, und er glaubte schon, daß seine Suche erfolglos bliebe. Doch dann gelangte er in einen kleineren Saal, und dort fand er an der Wänden rechts und links von der Tür, das wonach er gesucht hatte.
Portraits in Überlebensgröße flankierten den auffällig gemusterten Fußboden. Dessen Muster führten ihn ans Ende des Saales. Dort hingen die Überreste eines weiteren Portraits. Sesshoumaru konnte nur den oberen Teil erkennen, und was er sah reichte um seine Ahnung bestätigt zu sehen.

'Könnten wir dann jetzt gehen? So langsam fühle ich mich unwohl.'
Sesshoumaru hatte eins der Bilder von der rechten Wand heruntergerissen, es aus seinem Rahmen entfernt, und rollte es nun zusammen. Er wollte es mitnehmen und der Miko zeigen. Vorausgesetzt sie würde aus ihrem Zustand erwachen und wieder normal werden.
'So eilig zu ihr zurückzukommen?'
'Als ob du das nicht wüßtest,' knurrte sein Biest. 'Aber das alles hier gefällt mir nicht.'
'Seit wann bist du ein Feigling?'
'Ich sag nur eins: Wahngeister.'
'Unser Youki würde sie in Schach halten. Wenn überhaupt welche hier wären.'
'Bisher hat es noch nie jemand geschafft einen Wahngeist zu vernichten,' wies ihn sein Biest auf etwas hin.
Langsam begann sich Sesshoumaru unwohl zu fühlen.
"Die Wahngeister sind nie von hier verschwunden," antwortete er laut. " Sie sind an dieses Gebiet gebunden."
'Und das bedeutet was?'
"Sie sind noch hier. Aber mein Youki hält sie fern."
'Trottel.'
"Wie hast du mich gerade genannt?" fragte er scharf.
'Wäre dir Idiot lieber?' fragte sein Biest zurück um ihn dann in Gedanken anzubrüllen.
'Kagome schläft da draußen auf dem Plateau! Seit über dreihundert Jahren stehen überall Warnschilder. Wieviel Menschen haben sich wohl in den letzten Jahrhunderten hier rauf verirrt? KEINER! Und deine Miko liegt da draußen wie auf dem Präsentierteller! Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch in einem! Setz deinen Arsch in Bewegung wenn du sie nicht in der Schlucht wiederfinden willst!'
Das hatte gesessen.
So schnell er konnte, raste der InuYoukai den Weg den er gekommen war zurück.
Doch als er die Felsenburg verließ, konnte er nur noch mitansehen wie die Miko leichtfüßig über das Plateau lief und schneller wurde.
Leise Wortfetzen drangen an seine Ohren. Der Wind pfiff hier oben ungebremst über die Landschaft und verhinderte daß er verstand was die Miko von sich gab.
Nun spürte er auch die Präsenz der Wahngeister. Es mußten hunderte sein. Und alle flohen vor seinem Youki. Sie alle hatten nur ein Ziel. Den einzigen Menschen der sich seit dreihundert Jahren hier oben aufhielt.
Kagome.
Und je schneller sich Sesshoumaru auf die Frau zu bewegte, umso schneller strömten die Wahngeister zu ihr.
Er war fast bei ihr, da riß der Wind plötzlich ab und er verstand was sie rief.
"InuYasha..." Sehnsüchtig fast, klang ihre Stimme an sein Ohr.
Sie raste auf den Rand des Plateaus zu, schlang im Laufen die Arme um sich, und sprang über den Rand hinaus.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------

Kakao und Plätzchen für alle
Youkai Sake für Schatzi
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast