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Watashi wa fukushūdesu- mein ist die Rache

von Mithraide
GeschichteAbenteuer / P18
Kagome Sesshoumaru
24.06.2020
29.11.2020
23
91.979
25
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24.06.2020 3.424
 
Ich bin ein Dämon (1983 - 1985)

Endlich zu Hause, dachte Isao müde. Nun, das war übertrieben. Er mußte sich erst wieder zurechtfinden. Direkt nach Beendigung der Schule war er zum Militär gegangen und hatte sich für zehn Jahre verpflichtet. Die letzten sechs hatte er auf einem Stützpunkt auf Hawaii verbracht. Jetzt freute er sich auf das Wiedersehen mit seinem Vater, ein heißes Bad und anschließend auf ein weiches Bett.
Der Flug hatte nicht lange gedauert, er litt nur unter den Nachwehen der Abschiedsfeier die sein langjähriger Freund organisiert hatte. Diese hatte die ganze Nacht lang gedauert und er war erst morgens wieder in seinem Quartier gewesen. Eine Strafe hatte er nicht zu befürchten gehabt, seine Militärzeit war offiziell beendet.
Seine Kameraden hatten da weitergemacht wo sein Freund aufgehört hatte. Und so war er nachmittags ausgelaugt und leicht verkatert ins Flugzeug gestiegen.
In seinem Zimmer erwartete ihn eine Überraschung. Besser gesagt, an der Tür zu seinem Zimmer. Bevor er eintreten konnte flog ihm ein Schuh entgegen, gefolgt von einem wütenden Aufschrei. Eine junge Frau funkelte ihn an. Entschuldigend hob er beide Hände.
"Hast du mein Zimmer vermietet?" rief er hinter sich. "Ihr müßt entschuldigen," sagte er dann zu der jungen Frau, "ich wollte euch nicht erschrecken."
"Ihr seid sicher Isao. Also hat er es euch nicht erzählt?" Er schüttelte den Kopf und sie nickte.
"Ich bin Natsuki Takahata. Ich helfe eurem Vater im Schrein."
"Und ihr kocht und wascht und putzt," fügte er hinzu "stimmts?"
"Woher...?" Sie schaute ihn verblüfft an. Er zuckte die Achseln.
"Nach Mutters Tod hat er sich verändert. Er wurde, nun, verwirrt, vergeßlich, schlecht gelaunt. Von allem etwas. Leider hat man meinem Versetzungsgesuch nicht stattgegeben, sonst hätte ich mich mehr um ihn kümmern können. Insofern danke ich euch." Er verbeugte sich leicht in ihre Richtung und lächelte sie an.
Sechs Monate danach waren sie ein Paar.
Ein Jahr später waren sie verheiratet.
Sein langjähriger Freund wurde sein Trauzeuge. Die Flitterwochen verbrachten sie auf Hawaii. Sein Freund hatte darauf bestanden Ihnen sein Haus zur Verfügung zu stellen.
Isao hatte gar nicht erst versucht abzulehnen. Aus früheren Begebenheiten wußte er daß er nicht ablehnen konnte.
Sein Freund war einfach kein normaler Mensch. Eigentlich war er nichteinmal das, auch wenn er so aussah.
Sein Freund war ein Dämon und bereits über 1500 Jahre alt! Ungeachtet dessen sah er keinen Tag älter als 24 aus.
Als er davon erfuhr hatte sich zunächst alles in ihm sich gegen diese Tatsache gesträubt, aber nachdem Yoko, wie dieser sich nannte, ihm ein paar seiner Tricks gezeigt hatte, war auch Isao davon überzeugt.
Und nun saß er mit seiner frisch Angetrauten im Haus seines Freundes und überlegte wie er Natsuki die Wahrheit möglichst schonend beibringen konnte. Yoko hatte darauf bestanden daß sie erfuhr wer und was er war. Isao war ratlos, alles was ihm einfiel hätte wie ein schlechtes Drehbuch eines noch schlechteren Films geklungen.
Der Dämon hatte bemerkt daß es seinem Freund schwerfiel die richtigen Worte zu finden, und neben Sake auch ortsübliche Fruchtcocktails auf den flachen Couchtisch gestellt. Es dauerte nicht lang, da war Isao mehr als nur leicht beschwipst. Natsuki hatte dem Alkohol nicht so sehr zugesprochen, war aber ausgesprochen fröhlich. Ihre Wangen waren rosa angehaucht und ihr unsteter Blick wanderte zwischen ihrem Ehegatten und dessen Freund hin und her.
"Wiescho bischt du scho nüschtern? Du hascht doch viel mehr... getrunken."
Yoko beugte sich sich zu ihr und lächelte. Dann reichte er ihr eine Hand und ihr fielen zum ersten Mal seine extrem langen Fingernägel auf. Das könnten glatt Krallen sein, dachte sie.
"Ich vertrage einfach mehr," antwortete er "komm, wir gehen mal an die frische Luft."
Sie warf einen Blick auf ihren Mann. "Und Isch...Ischao?"
"Dem gehts gut," grinste Yoko und zog sie auf die Veranda.
Draußen atmete sie die würzige Luft ein. Es roch nach Salz und Blumen. Der Sonnenuntergang tauchte alles in ein weiches rotes Licht.
"Natsuki, ich muß dir etwas sagen," begann der hochgewachsene Dämon. "Nun, eigentlich sollte das dein Mann tun, aber mir scheint daß er nicht weiß wie er anfangen soll."
"Weischo," kicherte sie und Yoko überlegte ob sie vielleicht doch zuviel getrunken hatte.
"Weiß... isch... sch sch, Mist! Bereits," versuchte sie sich zu konzentrieren. Dann griff sie nach seinem langen Pferdeschwanz. "Mädchen," sagte sie grinsend. "Du bisst ein, hicks, Mädchen."
Er hob seine Linke und hieb sich mit der Handfläche auf die Stirn. Das konnte ja heiter werden!
Sie kicherte wieder und deutete auf seine Krallen. "Soo lange Nägel," sagte sie mit der Weisheit einer Betrunkenen. "Und so schö... schöne Haare." Sie schmachtete ihn an und sein Biest brüllte auf.
Das hatte es damals schon getan als Isao sie ihm vorgestellt hatte. Aber diese Frau war nicht für ihn bestimmt, ganz egal was sein Biest sagte. Diese Frau war nur eine Figur in einem Spiel welches schon Jahrhunderte andauerte. Eine überaus wichtige Figur.  Vielleicht später, hatte er seinem Biest befohlen zu schweigen und tat es nun wieder.
"Alle meiner Art haben lange Haare," antwortete er ruhig. "Und Krallen," fügte er dann hinzu. Sie nickte heftig. "Mädchen," sagte sie bestimmt, "Yoko."
"Ja, das ist ein Mädchenname. Ich weiß das. Aber Yoko ist nur eine Art Spitzname, nicht mein richtiger." Er stöhnte auf. Diese Frau machte es ihm wirklich nicht leicht. Also die Holzhammermethode. Er legte einen Arm um sie und presste sie an sich. Verwirrt starrte sie ihn an. Wagte er das wirklich? Er war doch der Freund ihres Mannes und sein Trauzeuge! Eigenartigerweise fühlte sie sich zu ihm hingezogen und leistete darum auch keinen Widerstand. Dann erfasste sie leichter Schwindel. Als würde ihr der Boden unter den Füßen fortgerissen. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl als ob die Bäume um sie herum schrumpfen würden. Oder als ob sie fliegen könnte. Ich bin betrunken, dachte sie und schloß ihre Augen. Sie fühlte sich plötzlich so federleicht. Wind umschmeichelte ihr Gesicht mit einer angenehmen Kühle. Sie genoß es für wenige Augenblicke und öffnete ihre Augen um dann erschreckt aufzuschreien.
Sie flog tatsächlich!
Sie hatten die große Insel verlassen und überquerten das Meer, glitten über die nächste Insel und flogen weiter. Im Licht des zunehmenden Mondes erkannte sie die Konturen der Inseln unter sich. Über ihr blinkten Sterne. Ihr wurde übel, und als er mit ihr in einer unbewohnten Gegend landete und sie losließ, rannte sie von ihm weg, stützte sich mit einer Hand an einer Palme ab um sich dann würgend zu übergeben.
"Zuviel Alkohol, hmm?" Die sonore Stimme seines jüngeren Cousins klang neben Yoko auf und er seufzte.
Die zwei Männer nickten sich kurz zu und Yoko bedankte sich bei seinem Cousin für dessen Unterstützung.
"Kein Problem, ich war ohnehin neugierig," winkte der jüngere ab. Jünger bedeutete in diesem Fall einen Altersunterschied von knapp 350 Jahren. Wie sein Cousin hatte er einen Halbmond auf der Stirn und extrem lange Haare die ihm fast bis zu den Kniekehlen reichten.
Yokos waren Schwarz, die seines Cousins Schneeweiß. Im Mondlicht leuchteten sie silbern auf. Und während der Schwarzhaarige nur jeweils einen breiten Zacken auf den Wangen trug, hatte sein Cousin zwei spitz zulaufende Dreiecke.
Natsuki lief schwankend an den beiden Männern vorbei bis zum Meer. Dort tauchte sie ihre Hände ins flache Wasser und wusch sich ihr Gesicht.
"Gehts wieder?" Yoko schaute sie besorgt und amüsiert zugleich an.
Als sie zurückkehrte starrte der Weißhaarige sie geschockt an. Er kannte dieses Gesicht. Zuletzt hatte er es vor ungefähr 430 Jahren gesehen. Es hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt und er würde es nie vergessen. Es jetzt so lange danach wiederzusehen ließ ihn erschauern.
"Du bist definitiv kein Mädchen," antwortete sie wesentlich nüchterner klingend. Dann schaute sie zu dem Weißhaarigen. "Mehr von deiner Art, was auch immer das ist?"
"Ich denke du setzt dich besser." Sie gehorchte und ließ sich auf den warmen Sand sinken. Yoko setzte sich neben sie und hielt ihr eine Hand hin.
"Krallen," begann er leise. "Tätowierungen im Gesicht und an den Hand- und Fußgelenken. aber eigentlich sind es keine Tätowierungen..." "Das dachte ich mir schon," unterbrach sie ihn. "Traditionelle Tätowierungen wären schwarz. Wenn man davon ausgeht daß du von hier stammst. Und sie würden anders aussehen. Also raus mit der Sprache. Was zur Hölle seid Ihr? Nachdem ich eben geflogen bin, bin ich bereit alles zu glauben! Oder aber das ist nur ein Traum, hervorgerufen durch zuviel Alkohol, und dann wäre es mir ohnehin egal. Glaube ich jedenfalls." Sie schaute herausfordernd zu den beiden Männern. Wieder riß der Weißhaarige seine Augen auf. Die Ähnlichkeit war einfach zuviel für ihn.
"Dämonen," sagte er dann leise. "Wir sind Dämonen. InuYoukai um genau zu sein."
Natsuki starrte ihn an. Das mußte ja so kommen, dachte sie. Ich lebe in einem Schrein, mein Schwiegervater ist ein verkappter Mönch der mit unnützen Sutras um sich wirft und pausenlos irgendwelche Geschichten über Schwerter, Klauen und dämonisches Zeug zum besten gibt. Ich bin betrunken und phantasiere.
"Ich glaube ich muß kotzen," stieß sie hinter vorgehaltener Hand hervor, erhob sich und stolperte zum Meer wo sie sich die Reste ihres Mageninhaltes durch den Kopf gehen ließ.
"Das wird eine lange Nacht," schüttelte Yoko den Kopf. Sein Cousin lachte leise. "Sehr viel kann da nicht mehr drin sein."
Nach ein paar Minuten, die sie ihr zur Erholung und zur Verarbeitung des Gesagten gönnten, fuhr der Jüngere fort, und dessen Erläuterungen raubten ihr fast den Verstand. Aber sie hörte mit aufgerissenen Augen aufmerksam zu.
"Wie schon erwähnt, wir sind InuYoukai und stammen beide aus Japan. Genauer gesagt, von der südwestlichsten Seite. Die großen Dämonen wie wir sind nahezu unsterblich. ich selbst bin jetzt 1184 Jahre alt, mein Cousin ist um die 1530. Er lebt aber schon lange nicht mehr in der Heimat, sondern ist aufgrund, ähemm, ungebührlichen Verhaltens hierher ins Exil geschickt worden."
"Ihr verarscht mich doch. Das kann nur ein Scherz sein."
Der Weißhaarige verkrampfte seine Hände und biß die Zähne zusammen. Warum hatte er nicht jemand anderen geschickt um seinen Cousin zu unterstützen? Mit einer fließenden Bewegung erhob er sich und trat ein paar Schritte zur Seite. Das ganze Gerede führte irgendwie zu nichts. Yoko starrte ihn an.
"Du hast jetzt nicht vor was ich denke," knurrte er leise.
"Exakt das habe ich vor."
Yoko stubste Natsuki in die Seite und deutete auf seinen Cousin. "Schau genau hin."
Gebannt schaute sie zu dem schlanken Mann hinüber. Zuerst geschah nichts, dann veränderten sich dessen Augen. Sie wechselten die Farbe und leuchteten Rot. Dann zog sich sein Gesicht in die Länge, in der nun vorhandenen offenen Schnauze wuchsen lange Fangzähne. Und die Metamorphose ging weiter. Schließlich stand ein überdimensional großer weißer Hund am Strand und senkte den Kopf. Seine Rute wedelte von einer Seite zur anderen. Der Hund war so riesig daß Natsuki ihren Kopf in den Nacken legen mußte. Dann sprang der Hund in die Höhe und raste durch den Nachthimmel. Nach mehreren Runden über die Insel sank er zum Strand zurück und verwandelte sich während er tiefer ging. In seiner humanoiden Form kehrte er zu seinem Cousin und der Menschenfrau zurück. "Erledigt," meinte er lapidar und ließ sich in den warmen Sand fallen.
Natsuki ging die Fische füttern.
"Da ist mehr drin als ich dachte," seufzte der Jüngere.
"Immerhin rennt sie nicht panisch davon und schreit sich die Seele aus dem Leib." Yoko verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen und sah seinem Cousin ins Gesicht. "Dir gehts nicht gut," sagte er.
"Du hast Sie so nie gesehen. Nach so langer Zeit macht mich das fertig."
"Ist die Ähnlichkeit so groß?"
"Sie ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten," antwortete der Jüngere und hob eine Hand. Sie zitterte.
Natsuki kehrte zurück und sank auf ihre Knie. "Ich, ich weiß nicht was ich glauben soll. Das kann doch nicht stimmen. Bitte sagt mir daß ich träume."
Yoko schüttelte den Kopf. "Du träumst nicht. Außer uns gibt es noch viel mehr Dämonen. Verschiedene Rassen, niedere Arten und höherentwickelte. Im Hier und Jetzt leben wir gut getarnt unter den Menschen. Wir mußten uns anpassen um zu überleben. Früher war das anders. Es war nicht nötig. Die Menschen wußten daß wir existieren. Wir lebten nebeneinander und manchmal miteinander." Er erzählte weiter, berichtete von längst vergangenen Zeiten und sie hörte staunend und ein wenig ungläubig zu. Schließlich beendete er seine Erzählungen und niemand sagte ein Wort.
"Warum erzählst du mir das alles? Was wollt ihr?" brach sie das Schweigen.
"Einen Kreis schließen," antwortete der jüngere geheimnisvoll. "Andernfalls verändert sich die Vergangenheit und die Gegenwart wie ihr sie kennt wird nie stattfinden."
"Noch ungenauer gehts nicht?"
"Dinge die in deiner Zukunft stattfinden werden Einfluß auf unser aller Vergangenheit nehmen."
"Wieso hab ich auch gefragt," dachte Natsuki laut. "Also könnt ihr mir nicht erzählen worum es genau geht." Ihre Feststellung klang nach einer Frage.
"Noch nicht. Nicht jetzt. Es ist wichtig daß du jetzt schon von uns weißt. Damit ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind."
"Ohne die dann gewisse Dinge in der Vergangenheit nicht passieren?" Sie griff sich an den Kopf. "Was für ein Durcheinander."
"Eigentlich gehts ja auch mehr darum daß du uns kennenlernst und keine Angst vor uns hast. Alles andere ist nebensächlich und geschieht automatisch," resignierte Yoko.
"Und warum sagt ihr das nicht gleich?" Natsukis Antwort verblüffte beide Dämonen gleichermaßen. Und wieder versteifte sich die Haltung des jüngeren für einen kurzen Moment.

"Ich denke den Rest klären wir morgen," bestimmte Yoko und warf seinem Cousin einen Blick zu. "Wir müssen reden. Ich bringe Natsuki zu ihrem Mann und komme wieder her."
Auf die selbe Art wie er sie auf die kleine Insel gebracht hatte, brachte er sie wieder zurück.
Nachdem Natsuki das Haus über die Terrasse betreten hatte, ließ er sie allein und glitt im Dunkel der Nacht über die Inseln bis zu der kleinen Bucht wo sein Cousin auf ihn wartete.
"Hat der Rat eine Entscheidung getroffen?" kam er ohne Umschweife zum Thema.
"Keine Endgültige. Du erhältst gewisse, hmm, Lockerungen. Und auch die nur für einen begrenzten Zeitraum."
"Also vertraut der Rat mir immer noch nicht." Yoko spreizte seine Krallen und begutachtete sie als würde er zum ersten mal bemerken daß er welche hatte.
"Du mußt das verstehen, der Rat besteht zum Großteil aus senilen Dummköpfen die sich nur schwer überzeugen lassen. Sie waren damals mit der Entscheidung unseres Hauses nicht einverstanden dich 'nur' ins Exil zu schicken, statt dir wie üblich die Male aus dem Gesicht zu brennen. Sie sind immer noch wütend und zerfetzen jedes Argument als wäre es Maulbeerpapier. Würde ein anderes Haus um Aufhebung bitten; aber es sind schon wieder die gleichen die um Milde bitten. Immerhin haben sie zugehört und sehen die Wichtigkeit dieser Angelegenheit."
"Da macht man einmal einen Fehler," begann der Schwarzhaarige, doch der andere fiel ihm ins Wort. "Ich bitte dich. Du hast Menschen gefressen! Das ist nicht einfach nur ein Fehler oder eine Geschmacksverirrung! Deiner gerechten Strafe bist du nur entgangen weil der damalige Taishou sich für dich eingesetzt hat. Und das hat unserem Haus nicht unbedingt viele Freunde beschert."
"Ich hab mich geändert. In den letzten Jahrhunderten gab es keinen Anlaß zur Klage."
"Vielleicht hängt das damit zusammen daß du die ersten zwei Jahrhunderte die Inseln komplett für dich hattest? Ohne jede Menschenseele die du hättest anknabbern können."
"Eine sehr wirksame Diät. Etwas besseres hätte mir damals nicht passieren können. Auf eine gewisse Art war das schlimmer als mir die Male auszubrennen."
"Als ich dich damals aufgesucht habe; zuerst dachte ich du hättest dich zu irgendeiner Gottheit erhoben und Menschenopfer eingefordert," lächelte der jüngere Kopfschüttelnd. "Ich war doch erleichtert daß du dich mit den Menschen dort arrangiert hast und deine damalige Leibesfülle mit deiner Vorliebe für gutes Essen zusammenhing."
"Also Lockerungen. Wie sind die Konditionen?"
Der jüngere räusperte sich. Er konnte sich ausmalen daß sein Cousin nicht begeistert sein würde.
"Für die nächsten viereinhalb Jahre sind Besuche gestattet. Pro Monat darfst du an sieben Tagen deiner Wahl diese Inseln verlassen. Nach Ablauf dieser Frist ist jeglicher Kontakt zu einer ganz bestimmten Person einzustellen. Das gilt sowohl in der Heimat, als auch hier."
"Sieben Tage sind viel. Ich hatte mit weniger gerechnet."
Der Weißhaarige starrte ihn an. "Das scheint dir wider Erwarten nichts auszumachen," gab er verblüfft zu.
"Nun, das bedeutet eine Woche in der alten Heimat. In den anderen drei Wochen kann ich hier soviel Besuch empfangen wie ich möchte ohne Probleme zu bekommen. Was mich nachdenklich macht ist die Dauer. Warum viereinhalb Jahre? Wieso legt sich der Rat darauf fest?"
"Der Rat hat sich sehr deutlich ausgedrückt. Nach Ablauf der Frist darf es keinen persönlichen Kontakt mehr geben. Nicht zu IHR. Auch hier nicht. Es steht zuviel auf dem Spiel."
"Telefonate oder Briefe?" fragte der ältere und sein Cousin nickte.
"Beides. Aber auch hier nur zu Isao und Natsuki. Keine Fotos. Was sie Dir schicken spielt keine Rolle, aber von deiner Seite aus darf nichts kommen woraus irgendjemand Rückschlüsse ziehen könnte."
"Und später?" Yokos Gesicht war eine ausdruckslose Maske.
"Was meinst du mit später?"
"Du weißt es, ich weiß es. Was wir nicht wissen ist wann es geschieht, oder wie. Und obwohl diese Freundschaft arrangiert worden ist; Ich mag Isao, ich bin sein Trauzeuge. Die Tinte auf dem Papier ist gerade mal trocken. Sie wird Hilfe brauchen. Und ich käme mir schäbig vor wenn ich ihm dann die letzte Ehre nicht erweisen könnte."
"Da läßt sich bestimmt was arrangieren. Ich rede nochmal mit dem Rat ob eine Ausnahme gemacht werden kann. Unter bestimmten Voraussetzungen und Maßnahmen natürlich."
"Mahalo," bedankte sich der ältere und sein Blick glitt zum Meer. Leises Meeresrauschen vermischte sich mit dem flüstern von Palmwedeln.
"Geht es dir wirklich nur um Hilfe und Beistand?" riß ihn der jüngere aus seinen Gedanken und Yoko hob seinen Kopf und starrte in den Nachthimmel.
"Ich dachte ich bliebe verschont weil ich schon älter bin. Aber wenn ich bedenke daß dein Vater wesentlich älter war," begann er tonlos und fixierte die blasse Mondsichel über ihnen.
"Worauf willst du hinaus?" fragte der jüngere und in ihm keimte eine Ahnung.
"Der Fluch der Familie. Die Schande der Hunde," bestätigte Yoko. "Mein Biest hat gewählt."
"Ich dachte das hätte sich mit Leilani erledigt?"
"Leilani war nur eine Freundin. Da hat mein Biest nicht gesprochen. Als ihr Gefährte ertrunken ist leistete ich ihr Gesellschaft. Mehr war da nicht. Ihr Sohn hätte ohnehin etwas dagegen gehabt, aber gegen eine harmlose Freundschaft gab es nichts einzuwenden. Sie ist in Würde gealtert und schließlich ihrem Gefährten ins Leben danach gefolgt. Natsuki dagegen..." er schwieg und suchte nach Worten. "Mehr und mehr komme ich zu der Überzeugung daß die InuYoukai überwiegend dynastische Verbindungen eingehen, weil sich deren Biester zu menschlichen Frauen hingezogen fühlen. Und es sind niemals einfache Frauen aus dem Volk, sondern immer hochangesehene Persönlichkeiten. Warum Natsuki? Was macht sie so besonders? Sie ist weder eine Adlige, noch eine Miko."
"Wenn dir soviel daran liegt könnte ich ihren Stammbaum überprüfen lassen. Den ihres Mannes konnten wir zurückverfolgen bis ins Jahr 1504. Keiner von uns hätte daran gedacht Ihre Familiengeschichte als wichtig zu erachten. Tu dennoch nichts unüberlegtes."
"Sie gehört zu Isao. Da mußt du dir keine Gedanken machen. Und solange ich auf diese Inseln beschränkt bin wird sich da auch nichts in dieser Richtung entwickeln," schüttelte Yoko den Kopf. "Ich hab mein Biest unter Kontrolle. Was das betrifft hatte ich einen sehr guten Lehrmeister." Bei diesen Worten warf er seinem Cousin einen Blick zu und grinste süffisant.
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