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Voice of the heart

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
OC (Own Character) Ratchet
23.06.2020
15.11.2020
5
16.961
6
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.06.2020 3.531
 
Herzlich Willkommen zu Voice of the heart!

Ja, schon wieder eine Ratchet-FF! Ich kanns einfach nicht lassen! Aber meine Lieben, ich gelobe Besserung! Es steht zwar noch eine zweite Ratchet-FF in den Startlöchern, aber zeitgleich versuche ich an einer Megatron-FF zu arbeiten! *stolz-sei* Hier muss mal wieder mehr Abwechslung rein ;D
Falls einer meiner treuen Leser bestimmte Charakterwünsche für zukünftige Projekte hat, bitte immer her damit! Wie ihr merkt, bin ich da zurzeit eher unkreativ veranlagt^^°

An alle, die unseren grummeligen Arzt genauso sehr lieben wie ich (JA! Es ist LIEBE!! xDDD), sollen bitte mit dieser FF ganz viel Spaß haben! Nach Transformation kribbelte es mich schon seit Monaten, mal ein anderes Konzept auszuprobieren, wie ein Mensch zum Transformer wird. Dieses Mal natürlich sehr logisch und fachlich recherchiert xDD

Da ich weiß, dass der Anfang wie aus dem Film "Bumblebee" wirkt, möchte ich hier noch einmal darauf hinweisen, dass die Idee dieser FF bereits VOR der Veröffentlichung des Films in meinen Notizen zum Leben erwachte, da ich es immer spannend fand, was Ratchet wohl auf dem Schrottplatz in TFP passieren könnte. Also wenn, dann haben die Macher von Bumblebee MEINE Idee GEKLAUT, nicht andersrum!!! ;DD
Nur, falls es wen interessiert xDDD

Have fun~



...ooOOoo... meet the robot ...ooOOoo...


Der Weg zum Schrottplatz war immer etwas holprig. Man konnte noch so langsam fahren, wie man wollte, man wurde dennoch ordentlich durchgeschüttelt. Manche Besucher, die nach billigen Ersatzteilen Ausschau halten wollten, hatten vorsorglich Tüten eingepackt – falls das Essen doch nochmal Hallo sagen wollte. Zumindest diejenigen, die den Weg schon kannten. Alle anderen mussten gute Reflexe haben.
Scarlett lächelte bei dem Gedanken an Menschen, die ganz grün im Gesicht aus der geöffneten Autotür hingen und ihren Magen erleichterten. Anfangs war es ihr auch so gegangen, aber mittlerweile machte ihr das Geholpere nichts mehr aus.
Ihr schwarzer Jeep, mit der für sie typischen Schmutzschicht aus Staub und Matschspritzern, rollte gemütlich die einsame Straße entlang, begrub Sand und kleine Steine unter sich. Bernie, der Schrottplatzbesitzer, hatte es nie für nötig gehalten, die Straße zu asphaltieren. Als Automechanikerin war Scarlett Stammkundin bei Bernie. Ihre kleine Werkstatt, die sie neben ihrem Haus in Woodland Park City, Colorado, errichtet hatte, lief gut und wenn genug vom monatlichen Budget übrig war, kam Scarlett zu Bernie und kaufte sich eines seiner Schrottautos, von dem sie sicher war, noch einmal ein fahrtüchtiges Gefährt draus machen zu können. Es war ihre Leidenschaft, in ihrer Freizeit entweder in der Umgebung von Woodland Park mit ihrer Mischlingshündin Pacific wandern zu gehen oder eben an Autos zu arbeiten, die keiner mehr haben wollte. Wenn diese irgendwann dann wieder fahrbereit waren, verkaufte Scarlett sie günstig an Liebhaber und Kenner, denn meistens handelte es sich um sehr alte Automarken, die man so nicht mehr am Markt bekommen konnte.
Mit dem aktuellen Popsong von Ava Max rollte Scarletts Jeep auf den Parkplatz von Bernie´s Scrap Yard und stellte den Motor ab. Es war Mittag, die Sonne schien heiß vom Himmel und sie hatte ihre weiß gefärbten Haare unter einem khakifarbenen Cappy mit Camouflagemuster zusammengebunden. Ihre enge Jeans klebte unangenehm an ihren Beinen und sie bereute es, nicht doch zu einer kurzen Hose gegriffen zu haben. Wenigstens sorgte ihr weißes, ärmelloses Top für erfrischende Belüftung, als sie ihr Auto verließ, die Fenster bis zum Anschlag heruntergerissen.
Bernie hatte sie bereits entdeckt und kam ihr freudestrahlend entgegen. Er war ein untersetzter, kleiner Mann mit von der Sonne dunkel gebräunter Haut. Sein dicker Bauch deutete auf das Bier zuviel am Abend hin, doch entgegen jeder Erwartung waren seine Arme umso muskulöser. Bernie war freundlich und hilfsbereit und kannte sie seit ihrer Kindheit, als ihr Vater sie das erste Mal mit zum Schrottplatz genommen hatte. Ihr Vater war ebenfalls Automechaniker gewesen, mittlerweile aber im Ruhestand. Er und ihre Mutter lebten ebenfalls in Woodland Park, jedoch in einem eigenen kleinen Haus abseits der City.
„Scarlett, meine Liebe, wie schön, dass du dich auch mal wieder blicken lässt. Wo warst du denn die ganze Zeit, warst schon lange nicht mehr hier!?“, gab er gespielt vorwurfsvoll von sich und Scarlett lachte schallend.
„Tut mir leid, aber in der Werkstatt war so viel los! Jetzt habe ich die nächsten Tage ein wenig Ruhe.“
„Suchst wohl wieder ein Auto, hm?“, fragte Bernie gleich und Scarlett nickte bestätigend.
„Du hast doch sicher was Hübsches für mich da, oder?“
Bernie nickte.
„Sieh dich ruhig um, es sind ein paar noch gut erhaltene Schlitten reingekommen, vielleicht ist ja was für dich dabei.“
Scarlett zupfte an ihrem Cappy.
„Gut, dann mach ich mich mal auf die Suche. Hundert Dollar, wie immer?“
„Klar doch.“
Scarlett stiefelte los. Sie kannte den Schrottplatz in und auswendig und ging darum zielstrebig durch die Gassen zwischen aufgetürmten Autos, Bergen von Ersatzteilen und Altmetall. Sie betrachtete hier und da Autos, die noch nicht gepresst worden waren, ließ sich Zeit mit ihren Begutachtungen. Doch keines stellte sie wirklich zufrieden, bis sie den weinroten Bentley S3 entdeckte. Sofort wurde ihre Leidenschaft geweckt und mit schnellen Schritten lief sie zu der hübschen Limousine. Von Bentley im Jahre 1962 der Gesellschaft präsentiert, war dieses Auto zur neuen Mode geworden. Mit den vier Scheinwerfern wollte man ein neues Lichterlebnis gestalten und mit bis zu 200 PS war es auch denen ein Schatz im Auge, die sich gerne stürmischen Fahrtwind durch die Haare flattern ließen.
Scarlett war entzückt. Die Polsterung der Sitze war heruntergekommen, der Lack war ausgeblichen und beschädigt, die Reifen fehlten komplett. Doch ein Blick in den Motorraum zeigte ihr, dass dieses Schmuckstück einen besonderen Platz in ihrer Sammlung bekommen würde. Ja, dieses Auto würde sie nehmen!
Scarlett quitschte vergnügt, hüpfte freudig auf und ab und drehte sich im Kreis vor lauter Glück.
Sie stockte.
Ihr Blick streifte rot-weiße Fassade und nach einem genaueren Blick erkannte sie einen Krankenwagen, der einige Meter entfernt neben einem Berg von aufgehäuften, gepressten Autos stand, hinter ihm das Wellblech, das Bernies Schrottplatz einzäunte. Das Modell war zwar alt, doch das Gefährt wirkte ganz und gar nicht heruntergekommen und neugierig geworden näherte sich Scarlett. Einen Meter vor dem Wagen blieb sie stehen, musterte ihn eingehend und brummte nachdenklich.
„Hey, du Hübscher. Was machst du denn hier?“
Sie umrundete das Fahrzeug, betrachtete die Reifen, die zwar etwas abgenutzt, aber sonst völlig fahrtauglich waren. Ein Blick in das Innere überzeugte sie, dass das hier kein gewöhnliches Schrottauto war. Sanft legte sie ihre Hand auf die Motorhaube, strich über das erhitzte Metall und legte grübelnd den linken Zeigefinger an ihre Lippen.
„Warum hat man dich hierher gebracht?“, fragte sie, mehr zu sich selbst und seufzte. Vermutlich ein zu altes Modell, das nicht mehr in den modernen Klinken eingesetzt wurde. In Woodland Park wurden zwar auch nicht gerade die neuesten Errungenschaften gefahren, doch sie waren fortschrittlicher als dieser Krankenwagen. Wobei es sie wunderte, dass man ihn in diesem doch perfekten Zustand einfach so auf dem Schrottplatz abstellte. Bestimmt hätte er noch gute fünfhundert Dollar eingebracht!
Scarlett war hin- und hergerissen. Der S3 erfüllte alle ihre Anforderungen an ein Auto, dass sie gut würde verkaufen können, doch dieser Krankenwagen – sie konnte es sich nicht erklären, doch er übte eine eigenartige Faszination auf sie aus. Sie hatte noch nie einen Krankenwagen in ihrer Werkstatt stehen gehabt. Wenn sie den Lack änderte und die Inneneinrichtung anpasste, vielleicht würde sich aus ihm ja ein neuer Jeep für sie machen lassen? Ihr eigener war bereits uralt und ihr war bewusst, dass es bald nichts mehr an ihm gab, dass es sich noch zu reparieren lohnte. Auch für sie nicht.
Frustriert stemmte sie ihre geballten Fäuste in die Hüften. Sie konnte sich nicht zwischen den beiden Fahrzeugen entscheiden. Für hundert Dollar würde sie den S3 bekommen, aber für diesen Krankenwagen würde Bernie bestimmt weit mehr haben wollen. In diesem einwandfreien Zustand wäre es fast Leichtsinn, ihn nur für hundert Dollar abzutreten. Scarlett seufzte und zog ihr Cappy tief ins Gesicht, sodass ihr Zopf schmerzlich nach oben gezogen wurde. Sie spürte, wie sich ein paar einzelne Haare aus ihrer Kopfhaut lösten.
Noch einmal legte sie ihre Hand auf die rote Motorhaube, streichelte das Material unter ihren Fingern und legte sich schließlich der Länge nach drauf, lehnte ihr Ohr an das Metall, so als könnte sie einen Herzschlag im Inneren vernehmen.
„Du gefällst mir wirklich sehr“, flüsterte sie und biss sich in die Wange.
„Hey! Hast du soviel Mitleid mit den Autos, dass du ihnen schon Kuscheleinheiten gibst?“
Bernies Stimme drang zu ihr und Scarlett erhob sich ein wenig verlegen.
„Bauern massieren doch auch ihre Kühe“, gab sie ausweichend von sich und wusste natürlich selbst, dass das eine mit dem anderen absolut Null zu tun hatte. Bernie lachte jedoch. Er kannte ihre Eigenheiten.
„Schon gut, war ja nur – Nanu? Was macht der denn hier?“
Sein Blick fiel auf den Krankenwagen und Scarlett sah Bernie überrascht an.
„Du wusstest gar nicht, dass ein Krankenwagen auf deinem Gelände steht?“
Der sonnengebräunte Mann schüttelte den Kopf.
„Kein` Plan. Hab` den noch nie gesehen. Wo kommt der denn her?“
„Vermutlich wird ihn jemand einfach abgestellt haben“, äußerte Scarlett ihre Vermutung, doch Bernie schüttelte den Kopf.
„Aber die Tore sind abends doch zu. Da kommt doch niemand rein, ohne sie aufzubrechen und das wäre mir aufgefallen.“
Scarlett grübelte. Das war ja wirklich merkwürdig.
„Sollen wir den Sheriff verständigen?“, fragte sie, während Bernie das Gefährt ebenfalls eingehend untersuchte.
„Ich werde ihn gleich anrufen und mich erkundigen, ob irgendwo ein Krankenwagen gestohlen wurde. Wenn nicht, naja, dann kommt er eben in die Presse.“
Scarlett schüttelte den Kopf.
„Ähm, Bernie, bevor du dieses sündhaft einwandfreie Auto in eine flache Scheibe presst, würde ich mich anbieten, ihn dir abzukaufen.“
Bernie sah sie überrascht an.
„Ja, aber was willste denn mit `nem Krankenwagen, Scarlett?“
„Ein neuer Jeep“, gab sie unbekümmert von sich, „ein neuer Anstrich, die medizinische Einrichtung raus und er wäre super als neuer Kumpel geeignet.“
Bernie lachte.
„Wie kommst`n drauf, dass es ein Er sein könnte?“
Scarlett zuckte mit den Schultern und zwinkerte Bernie zu.
„Weibliche Intuition... Übrigens, diesen S3 da drüben, den würde ich auch gerne nehmen. Sag mir einfach, was du für den Krankenwagen haben willst und ich nehme beide noch heute mit, wenn der Gute von Niemandem vermisst wird.“
Bernie sah zu dem Bentley und nickte.
„Klar, den S3 kannst`e haben. Ich ruf` gleich den Sheriff an.“
Es dauerte zehn Minuten, bis Bernie ihr das OK gab, dass der Krankenwagen wohl doch nur von einem unwissenden Privaten unerlaubt hier abgestellt worden war. Wie dieser das gemacht hatte, blieb nach wie vor ein Rätsel, doch nachdem Bernie Scarlett den Krankenwagen ebenfalls um nur hundert Dollar verkaufte, interessierte sie diese Frage keine Sekunde länger mehr. Sie beauftragte den jungen Timmi, Bernies Gehilfen, mithilfe von dessen Abschleppwagen die beiden Fahrzeuge zu ihrer Werkstatt zu bringen. Sie war glücklich und zufrieden und musste sich stark zusammenreißen, nicht noch am selben Tag mit dem Werkeln zu beginnen.

Am nächsten Morgen wachte Scarlett früh auf. Verschlafen räkelte sie sich in ihrem Bett, ehe sie mit leicht pochendem Herzen aufstand. Sie war vor lauter Freude und Ungeduld nervös und zweimal fiel ihr die Schüssel mit Cornflakes aus der Hand, ehe sie aufgab und sich ein Brot mit Erdnussbutter bestrich.
Nachdem sie anschließend geduscht und sich die Zähne geputzt hatte, verließ sie ihr Haus. Sie wohnte, ebenfalls wie ihre Eltern, etwas außerhalb von Woodland Park City auf einer kleinen Anhöhe, von der aus sie jede Nacht die Lichter des Stadtzentrums bewundern konnte. Sie hatte keine nervigen Nachbarn, hinter dem Haus begann gleich einer der Wanderwege, der bis zu den Great Falls führte, einer Schlucht, die in einem wunderschönen Wasserfall endete und im Winter besuchten sie manchmal sogar Rehe im Garten.
Ihre Werkstatt stand nur hundert Meter entfernt, früher war das mal eine alte Scheune gewesen, doch gemeinsam mit ihrem Vater hatte sie sie umgebaut. Drei Autos passten hinein, jedes hatte seinen eigenen Abteil, die durch Holzbretter abgetrennt und in die Schwingtüren eingebaut worden waren, die Fronten bestanden aus einfachen Garagentoren, in die ebenfalls je eine Tür eingebracht worden war. Per Knopfdruck ließen sich die Tore bequem individuell öffnen.
„So. Mit wem fange ich an?“
Der Bentley schrie geradezu um Aufmerksamkeit und Scarlett gab dem Gefühl nach, betrat zuerst die Halle, in der der S3 stand. Ihre Werkzeugkiste hieß sie bereits neben der Tür willkommen, nachdem sie eingetreten war und Scarlett machte sich sofort daran, das Auto einer ersten Generaluntersuchung zu unterziehen. Und ihr wurde schnell klar, dass sie einige Ersatzteile brauchen würde, die aktuell nicht in ihrem Lager vorhanden waren.
Sie rief Joel an, der ebenfalls eine Werkstatt besaß, die sich allerdings im Zentrum von Woodland Park befand und sich auf moderne Automobile spezialisiert hatte und sagte ihm, was sie benötigte. Über ihn bestellte sie relativ günstig Ersatzteile, denn als nur kleine Werkstatt, die auch nicht unbedingt zentral lag, erwarteten sie etliche zusätzliche Unkosten.
Ein wenig enttäuscht machte Scarlett sich schließlich daran, die Vorbereitungen für das Lackieren des Autos zu treffen. Zuerst wurde der Bentley in genauester Handarbeit von ihr gewaschen. In jede Ritze drang sie vor, jeder Fleck wurde akribisch weggeschrubbt. Nachdem sie sicher war, dass der Schaum jeden Schmutz und Dreck entfernt hatte, griff sie zu der Wasserdüse und spritzte das Auto ab. Unter diesem befand sich ein Gully, sodass das Wasser sich nicht ansammeln konnte. Es dauerte Stunden, in denen sie den alten Lack mit den verschiedensten Schleifpapieren unterschiedlichster Körnungen abschliff, Beulen korrigierte und das Auto mit Silikonentferner entfettete.
Ein Blick auf die Uhr ließ sie stöhnen. Schon Nachmittag, sie hatte völlig vergessen, etwas zu essen! Ein lautes Bellen machte sie zudem darauf aufmerksam, dass es noch einen Bewohner des Hauses gab und so verließ Scarlett die Werkstatt, bemerkte verdutzt, dass Pacific mit gesträubtem Fell und gefletschten Lefzen vor dem Abteil stand, indem der in die Jahre gekommene Krankenwagen ruhte.
„Pacific, was ist denn los? Da steht doch nur ein Auto drinnen. Oder hast du schon wieder eine Maus gejagt. Mäuse sind Freunde, merk` dir das endlich!“
Dennoch öffnete Scarlett die Tür zu Abteil 2 und Pacific rannte sofort laut bellend hinein, unerschrocken baute sie sich vor dem Fahrzeug auf und knurrte. Scarlett verdrehte die Augen.
„Ist das dein Ernst? Komm schon, gehen wir rein, ich habe Hunger.“
Es brauchte noch drei Versuche, ehe Pacific endlich nachgab und Scarlett ins Haus folgte. Merkwürdig... Ihr Hund hatte noch nie ein Auto angebellt. Vielleicht lagen ja noch medizinische Gerüche an ihm, die Pacific nicht kannte.
Scarlett beschloss, sich nicht mehr damit zu beschäftigen. Sie knallte eine Pfanne auf ihren Herd, gab ein gutes Schopfsteak hinein und briet es langsam vor sich hin, um ein Austrocknen zu vermeiden. Einige Minuten später saß sie mit ihrem Teller auf der sonnenbeschienenen Veranda vor ihrem Haus und genoss die Aussicht auf die Stadt. Pacific lag einige Meter vor ihr auf dem Asphalt und hechelte wild.
Scarlett plante in ihrem Kopf bereits alle Neuerungen, die sie am Bentley vornehmen wollte, jedoch nicht, ohne dabei seinen alten Charme zu erhalten. Den Lack würde sie wieder in weinrot halten, denn sie mochte diese Farbe und fand, sie passe gut zu einem altertümlichen Automobil. Sie war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie Pacifics erneutes Knurren gar nicht erst bemerkte und erst, als es aus Richtung der Werkstatt schepperte, hob Scarlett alarmiert den Kopf. Hatte sich etwa ein Einbrecher dort versteckt?! Das würde Pacifics Verhalten erklären. Scarlett stellte den Teller ab, griff nach dem scharfen Steakmesser und erhob sich, lief zielstrebig auf Abteil 2 zu, aus dem das Geräusch gekommen war. Sie war bereit, ihre Autos zu verteidigen!
Pacific stürmte bereits voran und als Scarlett die Tür erreichte, riss sie diese ruckartig auf, stürmte in die dunkle Halle und rauschte um den Krankenwagen herum, darauf gefasst, gleich einem ungebetenen Gast gegenüberzustehen. Doch es war niemand zu sehen und auch ein Blick unter das Fahrzeug versicherte, dass sie völlig allein war. Verärgert über sich schnaubte Scarlett und befehligte ihren Hund zur Ruhe, dessen erneuter Sinn nur darin bestand, den Krankenwagen wie eine Verrückte anzubellen.
„Aus jetzt, Pacific! Du nervst mich!“, fuhr sie das Tier an, ehe sie Abteil 2 verließ und sich wieder auf ihrer Veranda niederließ. Sie hatte Pacific in der Werkstatt gelassen und ließ sie bellen, in der Hoffnung, dass der Mix aus Schäferhund und Retriever erkannte, dass der Krankenwagen keine Bedrohung war. Doch Pacific hörte auch nach einer halben Stunde nicht auf, laut Alarm zu schlagen und Scarlett raufte sich wild die Haare, als sie wieder zu Abteil 2 stapfte. Pacific sauste schnell davon, als sie ihre schlechte Stimmung bemerkte, knurrte jedoch aus sicherer Entfernung weiter Richtung Auto. Genervt griff Scarlett nach der Wasserdüse und brauste das Fahrzeug ordentlich ab, ehe sie sich einen Eimer mit Spülmittel und heißem Wasser holte und zu schrubben begann. Sie hoffte, alle irritierenden Gerüche damit auszumerzen, damit Pacific endlich still war. Eine ganze weitere Stunde verbrachte sie damit, jeden Winkel des Fahrzeugs zu säubern, bevor sie es noch einmal abbrauste und das Garagentor öffnete, um Sonne zum Trocknen hereinzulassen.
Pacific donnerte heran, umrundete den Wagen und schnupperte wild. Es blieb still und Scarlett wollte schon erleichtert aufseufzen – als der Hund erneut zu Bellen begann. Wütend schreiend jagte sie Pacific ins Haus, ehe sie sich erschöpft wieder auf dem Stuhl ihrer Veranda niederließ. Was stimmte denn bloß mit diesem Krankenwagen nicht?

In der Nacht wachte Scarlett plötzlich auf. Normalerweise ungewohnt, denn sie hatte einen recht guten Schlaf. Sie musste auch gar nicht auf Toilette und ein wenig verwundert erhob sie sich. Doch langsam kehrten ihre Sinne zurück und sie konnte es hören – Pacifics Bellen.
„Verfluchter Hund, jetzt reicht`s aber wirklich!“, fluchte sie, während sie in ihrem kurzen, luftigen Pyjama in ihre Hausschuhe schlüpfte und sich die Taschenlampe krallte, die in ihrem Beistelltisch verstaut war. Wütend stapfte sie die Treppe ins Erdgeschoss herunter, wo sich Küche und Wohnzimmer befanden und entdeckte Pacific vor der Haustür.
„Weißt du überhaupt selber, warum du bellst?“, keifte sie die Hündin an, die normalerweise das ruhigste Gemüt der ganzen Welt hatte. Nichts konnte Pacific aus der Ruhe bringen, außer Rüden, die ihr während ihrer Läufigkeit über den Weg liefen, aber sonst brachten es nicht einmal aufdringliche, grapschende Kinder fertig, sie auch nur zu einem Zähnefletschen zu bringen. Was war also los mit ihrer Hündin?
Scarlett öffnete die Haustür, drückte Pacific zur Seite und schmuggelte sich ins Freie, bevor sie schnell die Tür vor Pacifics Nase schloss. Das Bellen wurde nur lauter, doch Scarlett zweifelte daran, dass sich tatsächlich etwas Gefährliches in der Nähe aufhielt. Pacific würde ja doch nur wieder zu Abteil 2 rennen und sinnlos ihre Stimme erheben.
Dennoch sah sich Scarlett aufmerksam um, erst einmal ohne das Licht der Taschenlampe zu benutzen. Und als sie plötzlich geblendet wurde, setzte ihr Herz für einen kurzen Moment aus. Das grelle Licht drang aus Abteil 2!
Kurz verharrte Scarlett still, beobachtete mit rasendem Herzschlag, wie das Licht hin und her schwenkte, ehe es erlosch. Etwa doch ein Einbrecher?!? Was auch immer es war, sie musste herausfinden, worum es sich handelte. Sollte sie den Sheriff rufen? Nein, so schlimm würde es schon nicht sein! Vielleicht war es auch nur ein Obdachloser, der sich dort verschanzt hatte. Wertvolles gab es bei ihr ja nun immerhin wirklich nicht zu holen!
Scarlett schlich auf leisen Pantöffelchen über den asphaltierten Wendeplatz vor ihrem Haus, während sie die links verharrende Werkstatt ansteuerte. Rechts befand sich der Parkplatz für Kunden.  Die Taschenlampe hielt sie wie eine Keule erhoben, bereit, zuzuschlagen. Vor der Tür zu Abteil 2 verharrte sie kurz, lauschte auf Geräusche und tatsächlich – sie konnte leises Scharren vernehmen, aber auch dumpfes Pochen, so als würde etwas Schweres auf dem Boden auftreten. Kurz dachte sie an Aliens, verwarf den idiotischen Gedanken jedoch gleich. Es gab keine Aliens!
Vorsichtig und langsam drückte Scarlett die Klinge der Tür herunter, dankte sich selbst, dass sie diese erst vor Kurzem geölt hatte und öffnete die Tür einen Spalt. Ihr Herz raste. In der Dunkelheit konnte sie nur ein schwaches, blaues Schimmern vernehmen und sie tastete vorsichtig mit der linken Hand nach dem Lichtschalter, während ihr rechter kleiner Zeigefinger die Türklinge griff, die Taschenlampe fest in den restlichen vier Fingern verankert.
Als sie den Lichtschalter endlich fand, zögerte Scarlett eine Sekunde. Sie versuchte ihren Herzschlag ein wenig zu beruhigen, ihren Atem zu fokussieren und schließlich riss sie scheppernd die Tür auf, knallte den Lichtschalter auf ON und als erstes konnte sie nur einen riesigen, weißen Fleck wahrnehmen. Hier und da mischte sich ein wenig Rot und – es bewegte sich. Geschockt stand Scarlett in der Tür, die Taschenlampe fiel scheppernd zu Boden und sie starrte die hünenhafte Gestalt an, ein Mischmasch aus Metall, blaue, glühende Augen – konnte sie das als Augen bezeichnen? - starrten sie ebenso erschrocken an wie sie es tat.
Das war nur ein Traum. Das war nur ein Traum!
Seltsam ruhig griff Scarlett nach dem Türgriff und verschloss die Garage wieder. Das war nur eine krasse Illusion gewesen, ein Hirngespinst! Sie war müde und unausgeruht durch Pacifics ständiges Bellen. Ja, sie würde jetzt diese Tür wieder öffnen und der hübsche Krankenwagen würde völlig normal vor ihr stehen, so wie auch zuvor.
Scarlett nickte sich selbst bekräftigend zu, ehe sie die Tür wieder öffnete. Als sie erneut in das mechanische Gesicht des riesigen Roboters blickte, fing sie hysterisch an zu schreien...
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