Bento

von Votani
OneshotHumor, Romanze / P12
Aida Riko Kiyoshi Teppei Momoi Satsuki
21.06.2020
21.06.2020
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Natürlich hatte Riko von den Gerüchten gehört, die sich im Team verbreitet hatten. Im Gegensatz zu Hyuuga hatte sie diese nicht als „lumpige und wahnwitzige Ideen, die völlig aus der Luft gegriffen waren,“ betitelt. Doch es bestand ein Unterschied darin, ob man etwas aufschnappte, in dem sich ein Körnchen Wahrheit befinden könnte, oder der nackten Tatsache so direkt in die Augen sehen zu müssen.
Ihr Mund öffnete sich einer wortlosen Klage, als sich Momoi Satsuki durch den Türspalt in die Turnhalle schob, der als einziges dafür sorgte, dass sich die Luft hier drinnen etwas bewegte, nachdem die Klimaanlage den Geist aufgegeben hatte.
Binnen weniger Sekunden richteten sich sämtliche Blicke auf das Mädchen mit den rosafarbenen Haaren und dem breiten Lächeln auf den Lippen. Halbherzig warf Koganei den Ball, der den Korb um einen halben Meter verfehlte und zu Boden fiel, wo er ungesehen davonrollte, da jeder auf Momoi fixiert war, die mit der kleinen Schachtel in den Händen förmlich zur Trainerbank hinüberschwebte.
Wie zum Teufel wirkte sie bei allem so fürchterlich elegant?
Und viel wichtiger, warum war sie überhaupt hier?!
Riko schloss den Mund und räusperte sich, als Momoi die Bank erreichte. „Was können wir für dich tun, Momoi-san?“, erkundigte sie sich mit zuckersüßer Stimme und einem falschen Lächeln.
Doch Momoi schenkte ihr keine wirkliche Beachtung, da ihre hellen Augen stattdessen freudig über das Spielfeld wanderten. Auch die Blicke der Jungs schien sie nicht wahrzunehmen, als sie stattdessen problemlos durch sie hindurchsah, bis ihre Augen auf Kiyoshi zum Ruhen kamen. Selbst Kurokos Anwesenheit, die man zwar furchtbar einfach übersah, wurde ausnahmsweise vergessen. Allein das war bereits überaus verdächtig.
Momoi balancierte das Bento auf einer Handfläche und winkte mit der anderen Hand freudig zu Kiyoshi hinüber. „Te-chan!“
Abermals klappte Riko der Mund auf. „T… Te-chan?“
Kiyoshi war der einzige, der nicht vollkommen überrumpelt und verwirrt dreinschaute. Stattdessen geschah etwas Seltsames auf seinem Gesicht, in dem viele Gefühle in sich zusammenliefen und seine markanten Züge erweichen ließen. Die Röte stieg ihm in die Wangen, hinauf bis in die Ohrenspitzen.
„Satsuki.“ Er kam hinüber gejoggt. „Was machst du hier? Seid ihr schon mit eurem Training für heute fertig?“
Das Lächeln auf Momois Lippen wurde breiter und zarter – und es traf Riko wie ein Schlag ins Gesicht, als sie die Verliebtheit in ihrem Blick entdeckte, als Momoi zu Kiyoshi hinaufschaute und ihm das Bento präsentierte.
„Ich wollte dir ein selbstgemachtes Bento vorbeibringen“, verkündete sie so stolz, als hätte es sich nicht sogar bereits in Seirin herumgesprochen, dass Momoi weder kochen noch backen konnte. Bei dem Gedanken drehte sich Riko der Magen um, denn im Gegensatz zu ihr, die heimliche Kochstunden bei Kagami genommen hatte, bemühte sich Momoi kein Stück. um ihre Kochkünste zu verbessern.
„Danke, Satsuki. Ich habe heute wirklich noch nichts gegessen, da kommt das Bento zur rechten Zeit“, erwiderte Kiyoshi aber nur. Sein Lächeln ist so sanft, dass Riko mit den Augen rollen muss. So hatte er sie auch einst angesehen, als sie damals noch miteinander ausgegangen waren. Aber wie hatte das nur passieren können? Wie hatte Kiyoshi ausgerechnet Momois Aufmerksamkeit geweckt? Riko hatte immer gedacht, dass Momoi mit Aomine zusammenkommen würde, aber ganz sicher nicht mit Kiyoshi.
„Hyuuga-kun!“, blaffte sie.
Seirins Teamkapitän kam ebenfalls angejoggt, einen finsteren Blick tragend. Riko zog ihm am Ärmel seines T-Shirts zu sich hinunter. „Wie konnte das passieren?! Wusstest du etwa davon?“
„Was?“, entfuhr es Hyuuga. „Ich wusste von gar nichts. Dieser verdammte Kiyo—“
„Pssst!“, fuhr ihm Riko über den Mund.
„Ich hoffe, es wird dir schmecken, Te-chan“, flötete Momoi.
Kiyoshi hob die Hand, um ihr Haar zu berühren, nachdem er ihr das Bento abnahm. „Natürlich wird es das, da habe ich überhaupt keine Zweifel.“
Unter seiner Berührung nahm Momois Gesicht dieselbe Farbe wie ihre Haare an, während ihre Augen funkelten. Sie kicherte leise, bevor sie sich abwandte und wieder aus der Turnhalle schwebte.
Ein Schweigen folgte, bevor ein Aufruhr ausbrach, als Koganei, Izuki, Tsushida, Furihata, Fukuda und Kawahara sich um Kiyoshi sammelten.
„Was war das denn?“, entfuhr es Fukuda. „Sie bringt dir Mittagessen, als sei sie deine Freundin.“
Kiyoshi kratzte sich mit einem verlegenen Lächeln am Hinterkopf, als auch die anderen ihnen mit Fragen bombardierten, während Riko sich noch immer zu sammeln versuchte.
„Kiyoshi-kun und Momoi-chan gehen schon eine Weile miteinander aus“, merkte Kuroko neutral an, der urplötzlich neben Kiyoshi aufzutauchen schien, aber wahrscheinlich schon die ganze Zeit dort gestanden hatte.
Eine Weile...?
Die Wut, die schon die gesamte Zeit in Rikos Bauch brodelte, bäumte sich auf. „Was steht ihr hier rum? Macht weiter! Das Training ist noch nicht vorbei“, brüllte sie und zog Kiyoshi ihm selben Moment das Bento aus der Hand. „Und das hier wird konfisziert. Ich kann nicht einfach daneben stehen und zusehen, wie sich einer unserer besten Spieler vergiftet. Ganz besonders, wenn so ein wichtiges Turnier ansteht!“
„Aber Riko...“
„Spar‘ dir deine Spucke, Kiyoshi“, merkte Hyuuga irritiert an. „Das hast du dir alles selbst zuzuschreiben, wenn du deine Freundin einfach hier auftauchen lässt.“ Er packte Kiyoshi am Kragen und zerrte ihn zurück auf das Spielfeld, wobei Riko den Eindruck bekam, dass Hyuuga sich zurückhalten musste, Kiyoshi nicht eine saftige Kopfnuss zu verpassen.
Verdient hätte er es, da er so eine wichtige Veränderung in seinem Leben vor seinen zwei sogenannten besten Freunden verheimlicht – aber wieso musste es ausgerechnet Momoi Satsuki sein?!
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