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Die Sonnenprinzessin und der Koboldprinz

GeschichteDrama, Fantasy / P16
21.06.2020
26.10.2020
23
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28.06.2020 968
 
Kapitel 2

Wärme umfing mich. Am Schopf fühlte es sich unangenehm warm und feucht an, aber mein Körper schien wieder etwas mehr Leben in sich zu haben. Sogleich merkte ich das ich nicht allein war, weswegen ich meine Augen geschlossen hielt. Nur wenige Minuten. Nur wenige Minuten wollte ich noch haben, ehe ich mich der grausamen Realität stellte. So konnte ich mir einreden das alles nur ein böser Traum gewesen war und gleich Lottie in mein Zimmer spaziert käme um mich zum Frühstück zu holen.
„Oh mein kleines Miststück ist so ekelhaft fürsorglich“, drang die schrille Stimme der Königin an mein Ohr.
„Das liegt an deiner liebevollen Erziehung, Hannelore“, sagte eine schnüffelnde, schniefende männliche Stimme, die nur vom Koboldkönig stammen konnte.
„Wir hätten es fast nicht geschafft. Das Wasser kam durch den Tunnel geschossen...“
„JA, DIESE UNSÄGLICHEN WEICHLICHEN SONNENMENSCHEN WURDEN GEWARNT VON DIESEM ELENDIGEN KNABEN! Doch schlau wie wir sind haben wir um unsere Stadt ebenfalls eine schützende Mauer errichtet. Ich hatte ja gleich gesagt das er sie warnen würde. Unser Volk musste zwar bis zur Erschöpfung arbeiten, aber es hat sich gelohnt. Vor mir gab es keine klügere Königin.“
„So ist es mein Häschen“, stimmte ihr Gatte zu.
„Aber ich hasse diesen Knaben, den müssen wir uns schnappen. Beinahe hätte er mein Froschlippe getötet. Sag mein süßes Ekelpaketchen, wie hast du geschafft dem Wasser zu entkommen.“
„Nun Mutter, ich habe es kommen hören. So schubste ich die Prinzessin in eine Nische, stellte mich vor ihr und krallte mich in die Wand. Es war mächtig anstrengend dem Druck standzuhalten.“
„Das ist es mein starker, mutiger Widerling. Die Prinzessin wird noch froh sein das sie dich hat. Schade das sie so hässlich ist. Aber tröste dich, dafür wirst du König der Sonnenmenschen. Wir bedecken ihr Gesicht, dann musst du ihr Anblick nicht ertragen.“
„Man kann sich dran gewöhnen, hier unter der Erde wird sie uns ähnlicher werden“, lachte Froschlippe boshaft und ich konnte förmlich sehen wie er sich die Hände rieb. „Aber Mutter, wir müssen viel vorbereiten. Der Tunnel zum Schloss muss versperrt werden. Ebenso alle Gänge die uns mit den Bergleuten verbinden. Sie dürfen nicht hierher kommen und mir die Prinzessin wegnehmen. Es wäre auch besser wenn alle Steinschuhe tragen würden. Und wir müssen uns überlegen ob es etwas gäbe das unsere Ohren vor den widerlichen Gesang schützen könnte. Vielleicht wäre es besser uns auf die andere Seite des Berges unser Reich zu errichten.“
„Dort ist das Meer, mein schrecklicher Scheußling.“
„Doch es ist eine gute Idee, Hannelore.“
„WER HAT DICH DENN GEFRAGT?“
„Denk mal nach Mutter, es mag zum Jagen ein weiter Weg sein, doch ist es für uns sicherer. Der Sonnenkönig wird nicht hinnehmen das ich seine Tochter habe. Und wenn er sie nicht dort finden kann wo der Sonnenknabe ihn hinführt, dann ist es umso leichter ihn zu kontrollieren.“
„So viel Klugheit in so einem jungen, grässlich schönen Groblin“, schwärmte seine Mutter und ich konnte hören wie sie mit ihrem riesigen Mund küsse auf sein Gesicht verteilte.
„Ja, denn da die Leute vom Schloss nun unsere Schwäche kennen, haben wir keine guten Chancen, doch der Sonnenkönig muss nur das tun was ich von ihm verlange, hehe.“
„So viel Bosheit in diesem Prachtkobold.“
„Ich brauche eine Steinplatte und Kreide, ich werde ihm gleich schreiben das ich sie habe und er auf keine dummen Gedanken kommen soll.“
„Du wirst ein guter König sein. Morgen wird mit der Herstellung der Steinschuhe begonnen und wir überlegen uns etwas wegen den Ohren. Auch schicken wir Kundschafter auf die andere Seite des Berges. Und natürlich bereiten wir die Hochzeit vor. Ihr seit noch jung, doch sollten wir sie nicht aufschieben.“
„Hannelore, ich denke wir sollten uns nun schlafen legen, es war ein langer Tag und unser Sohn ist erschöpft.“
„Ausnahmsweise hast du einmal recht. Wir sollten uns schlafen legen. WACHEN! Bringt die Prinzessin in ein Verlies aus der sie nicht wieder raus finden kann.“
Mein Körper spannte sich an, ich musste mich anstrengen meine Muskeln zu entspannen um wie eine Bewusstlose auszusehen. Ich hörte schlurfende schritte auf mich zukommen und schnell hatte ich einen stinkenden Atem im Gesicht und spürte Hände die sich unter meinen Körper gruben. So wurde ich fortgetragen und da ich weder die Kraft, noch den Mut aufbringen konnte eine Flucht zu wagen, besiegelte ich mein Schicksal. Froschlippe hatte es deutlich gesagt, sollten ich oder mein Vater ihm zuwider handeln, dann würde er uns etwas antun. Und das konnte ich nicht zulassen. In meine kleine Höhlenkammer gebracht, wurde ein großer Runder Stein davor gerollt und so blieb ich in der Finsternis allein. Ich öffnete die Augen und war überrascht das ich mich in einem angenehmen, orangenen Lichtschein befand. Ein Kristall, wie ich sie viele in der Stadt gesehen hatte. Unter Anstrengung schälte ich mich aus dem Fell in das ich hinein gewickelt worden war.  Erschrocken stellte ich fest das ich ein fremdes Kleid trug. Aus einfachem Stoffen war es gefertigt und zeigte keinerlei Tand oder Schmuck. Mit einem angeekelten Gefühl wurde mir bewusst das Froschlippe mich nackt gesehen haben musste, wenn er mir mein nasses Kleid ausgezogen hatte um mich in dieses zu kleiden. Doch viel ekelerregender war es das er mich geküsst hatte. Nicht wirklich geküsst, er hatte mir tatsächlich das Leben gerettet, jedoch nur um es mir noch schwerer zu machen. Ohne mich nach einer Fluchtmöglichkeit umzusehen blieb ich liegen und rollte mich in das Fell ein. Flucht war keine Option und gegen all diese Groblins allein kämpfen keine Möglichkeit. So ergab ich mich, still und leise mit stummen Tränen die über meine Wangen liefen. Sterben würde ich vorerst nicht, nicht ehe er mich nicht geheiratet hatte. Was danach geschehen würde, zwang ich mir nicht auszumalen und so legte sich alsbald die willkommene Schwärze um mein Geist und zog mich in einen traumlosen Schlaf.
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