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Ein Leben zwischen Macht, Verrat & Liebe

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Aramis Athos Constance Bonacieux D'Artagnan OC (Own Character) Porthos
21.06.2020
21.06.2020
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Hallööchen ... vielleicht kommt einigen die Geschichte bekannt vor, denn ich hatte vor ein paar Jahren schon einmal angefangen das alles in eine Story zu verpacken. Doch damals wollte das einfach nicht so funktionieren wie ich mir das vorgestellt hatte. Jetzt hab ich mir nochmal die Zeit genommen alles zu überarbeiten und weiterzuschreiben.
Ich freu mich wenn es noch fleißige Leser gibt, die eventuell auch mal einen Kommentar dalassen. Neben meinem Alltag versuch so zeitnah wie möglich immer mal wieder ein Kapitel hochzuladen..

Ich möchte außerdem bestätigen das ich mit dieser Geschichte kein Geld verdiene. Alle Charaktere,  die auf dem Roman Die drei Musketiere oder der angelehnten Serie basieren gehören Alexandre Dumas.


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~*~ Kapitel 1 ~*~

Paris 1630

Seit knapp einem Monat war ich nun hier in der Nähe von Paris, der größten Stadt die ich gesehen hatte. Naja aber was hatte ich eigentlich schon von der Welt gesehen. Rein gar nichts. Bis zu meinem 21. Lebensjahr war ich sozusagen die Sklavin meines Vaters gewesen. Das Mädchen für alles. Und damit meine ich wirklich alles.
Wir besaßen einen kleinen Hof auf dem Lande. Nicht mehr als 50 Menschen lebten hier in diesem kleinen Dörfchen. Menschen die täglich um ihr Leben kämpfen mussten, denn die Armut hier herrschte über uns alle.

Meine Mutter war früh von uns gegangen, war einer schweren Krankheit erlegen als ich gerade mal 9 Jahre alt war.
Mein Vater hatte von da an jegliche Kontrolle über sein Leben verloren. Er war dem Alkohol verfallen, hatte Haus und Hof seinem Schicksal überlassen.
Einzig und allein Helena, unsere damalige Magd hatte ein Auge auf mich. Ohne sie wäre ich sicher nicht mehr am Leben. Sie half mir durch die schwere Zeit, hat mich das Waschen und Kochen gelehrt, war wie eine zweite Mutter für mich gewesen. Ich bin mir sicher auch sie hat mich wie ihr Kind, das sie nie hatte, angesehen.

Doch nach meinem 19. Geburtstag sollte sich alles ändern. Ich hatte mich über die Jahre an die harte und unberechenbare Art meines Vaters gewöhnt, hatte oft Schläge und Beschimpfungen über mich ergehen lassen. Er behandelte mich wie seine zweite Dienstmagd und ich wurde den ganzen Tag nur hin und her gescheucht.

„Isabella, steh nicht rum und schau Löcher in die Luft. Dafür wirst du hier nicht bezahlt“, und schon wurde ich aus meinen Gedanken an die Vergangenheit gerissen.

Der Gasthof in dem ich nach meiner Ankunft untergekommen war, lag unweit von Paris, nur wenige Stunden und man konnte den Palast des Königs schon sehen. Madame Garcia war so nett und hatte mich aufgenommen und mir Arbeit gegeben. Zwar bin ich mit der Arbeit in einer Schenke nicht gerade vertraut gewesen, aber das war besser als nichts. Wein ausschenken konnte ja nicht allzu schwer sein.

Bereits als ich die Ausschankstube das erste Mal betreten hatte, war ich doch hart in der Realität angekommen. Nachdem die schwere Holztür hinter mir zugefallen war, waren gefühlt alle Augenpaare auf mich gerichtet.
Auf den ersten Blick konnte ich nur Männer erkennen. Das konnte was werden. Ich hatte mir geschworen mich nie mehr von einem Mann unterdrücken oder herumschubsen zu lassen, ob das also der richtige Ort für mich ist sollte sich noch herausstellen.
Ich fühlte mich unwohl unter den vielen lüsternen Blicken und war froh Madames Stimme zu hören, die mich zu sich rief.
„Mädchen komm beeil dich. Und ihr andern starrt sie nicht so an“, schnellen Schrittes und einige Pfiffe später hatte ich den großen Raum durchquert und war im Nebenraum, der sich als kleine Küche herausstellte unversehrt angekommen.
Dort lernte ich gleich Clara kennen, die genau wie ich hier ihren Unterhalt verdienen sollte. Sie war auch erst einige Tage vor mir hier untergekommen und ich heilfroh nicht allein die Männerwelt unterhalten zu müssen.
Wir waren absolut verschieden aber verstanden uns auf Anhieb gut, auch wenn ich Claras Ansichten was Männer und Ehe betrafen nicht ganz teilen konnte.

Tja und aus ein paar Tagen wurden Wochen. Ich war immer noch hier und hatte mich mittlerweile auch mit der täglichen Arbeit vertraut gemacht. Resistent gegen jegliche Art von Schmachterei und halbwegs in Freiheit.

Nachdem mich Madame Garcia schon zum zweiten Mal an diesem Morgen ermahnen musste, griff ich zu meinem Lappen und fing an die Tische von Schmutz und jeglichem Alkoholrest zu befreien.
An diesem Morgen war es noch ruhig, kaum Gäste waren in die Schenke eingekehrt. Aber wie schon gesagt es war noch früh, die Hauptarbeit begann erst am späten Abend.

An einem der vorderen Tische konnte ich Porthos erkennen. Ein großgewachsener Mann, dunkler Hautfarbe. Er konnte durchaus sehr angsteinflößend wirken, doch wer ihn kannte wusste, dass er das Herz am rechten Fleck hatte. Er und seine beiden Freunde, Athos und Aramis, gehören hier zu den Stammgästen. Im Gegensatz zu Porthos war Athos eher von kleiner Statue. Er machte immer einen eher ruhigen und bedachten Eindruck. Seine Worte schienen immer gut gewählt und man sagt ihm nach er sei der Beste mit dem Degen. Ja und dann war da noch Aramis. Was soll man zu ihm sagen. Neben seinen ausgezeichneten Schießkünsten war er auch der größte Frauenheld von Paris. Keine konnte scheinbar seinem Charme wiederstehen. Außer meiner Wenigkeit, ich war dagegen immun.

Alle Drei sind Teil der königlichen Musketiere und zum Schutz des Königs und der Königin verpflichtet. Doch mir kam es immer so vor, als würde der Ärger erst entstehen, wenn sie auf der Bildfläche auftauchten.
Heute war der Hüne jedoch ohne seine beiden Begleiter hier.

„Jahaaa“, das war eindeutig Porthos. Sein Jubelschrei ließ verlauten, dass er schon wieder beim Kartenspiel gewonnen hatte. Zum Leidwesen seines Gegenspielers, denn der war überzeugt betrogen worden zu sein. Das war dann wohl die Kampfansage. Gerade als sein Gegenüber die Waffe zu Hand genommen hatte und sich der erste Stress zu früher Stunde ankündigte, ging die Tür auf und Athos betrat den Schankraum.
Ein Wunder das die beiden überhaupt auf waren nach dem gestrigen Abend.
Die Diskussion spitzte sich zu nachdem der Soldat aus der Garde des Kardinals, die Beschuldigung gegen Porthos keineswegs zurücknahm und bereits aufgesprungen war um diesen geradewegs zu erschießen.

Es war bekannt, das die Musketiere und die Garde des Kardinals nicht gerade die engsten Freunde waren, aber das mussten sie ja jetzt nicht hier verhandeln.
Schließlich musste ich die ganze Schweinerei dann wieder aufräumen. Athos der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte schlug ein faires Duell vor. Aber hoffentlich nicht hier drin!
„Könntet ihr das ...“ doch ich wurde bei meinem Vorschlag das ganze vielleicht nach Draußen zu verlegen unterbrochen, als der Soldat ohne Vorwarnung aufgesprungen und mit dem Degen auf den unbewaffneten Porthos losgegangen war.
Alle im Gasthaus räumten das Feld oder brachten sich am Rand in Sicherheit. Porthos hatte sich mittlerweile mit einer unserer Gabeln „bewaffnet“ und tatsächlich schien er sich damit auch gut verteidigen zu können. Männer. Manches würde ich niemals verstehen.
Mit einem etwas genervten stöhnen, als ich das Ausmaß, welches der kleine Kampf mit sich brachte, erblickte legte ich mein Tuch zur Seite.
Athos der die ganze Zeit über an der Wand gelehnt und das Geschehen mehr als amüsiert beobachtet hatte, machte dem kleine Duell jetzt doch ein schnelles Ende.
Ein kurzer Schlag mit dem Griff der Muskete auf den Hinterkopf des Soldaten und es herrschte wieder Ruhe.
„Was ist mit dem Ehrenkodex?“ Porthos schien etwas beleidigt über den spontanen Ausgang .
„Keine Zeit.“, Athos war bereits zum Aufbruch bereit. Ich war währenddessen zu beiden hinübergeeilt, um sie gehörig in die Schranken zu weisen.
„Musste das sein?“ mit den Händen in die Seiten gestützt stand ich nun da. Im Grunde mochte ich die Drei ja, aber dank ihnen hatte ich fast immer doppelt so viel Arbeit wie so schon.
„Naja, immerhin ward ihr nur zu zweit. Nicht auszudenken was wäre wenn ihr zu dritt gewesen wärt“, ich weiß nicht warum aber meine schlechte Laune war schon halb verflogen. Ich war sogar schon wieder zu einem kleinen Lächeln aufgelegt.

„Tréville möchte uns sehen!“, Athos war nicht überrascht die restlichen Spielkarten zu sehen die aus Porthos Ärmel lugten.
„Schau nicht so. Ich weiß ich muss dran arbeiten“, mit einem breiten Grinsen sammelte Porthos das nicht ganz fair gewonnene Geld ein.

„Wo ist Aramis?“ Athos schaute fragend in unsere kleine Runde.
Woher soll ich denn wissen wo er ist. Er ist ein elender Weiberheld, der keine Gelegenheit auslässt jeglicher Frau Komplimente zu machen um sie ins Bett zu bekommen. Clara schwärmte mindestens jeden zweiten Abend von ihm. Manchmal würde ich ihr am liebsten das Tuch in den Mund stopfen, nur um ein paar Minuten nicht seinen Namen hören zu müssen. Ich gebe ja zu er sieht wirklich gut aus und ich bin mir auch sicher das viele Frauen alles dafür tun würden um eine Nacht mit ihm zu verbringen, aber mich schließt das nicht mit ein.

„Sag mir nicht, dass er so dämlich ist“, Athos schien nach einem kurzen Blick in Porthos Gesicht die Frage selbst beantwortet zu haben. Beide verließen eiligen Schrittes das Gasthaus.

Und ich stand mitten in einem Chaos von umgeworfenen Stühlen, verschobenen Tischen und am Boden liegenden Weinbechern.
Clara die sich das Schauspiel von der Küchentür aus angesehen hatte kam zu mir rüber, um mir ein wenig unter die Arme zu greifen. Nach der kleinen Streitigkeit war das Gasthaus so gut wie leergefegt. Wir hatten also Zeit alles wieder mit  Ruhe in Ordnung zu bringen.
„Isabella“, Madame Garcia kam durch den Raum geeilt und war schockiert ihre Schänke in diesem Zustand anzutreffen.
„Clara bitte sorge dafür das hier wieder die gewohnte Ordnung einkehrt und du nimmst den Korb und gehst zum Markt. Wir brauchen einiges“, und schon war  sie wieder zur Tür hinausgestürmt.
„Sie könnte uns auch mal helfen“.
„Sei nicht so, wir sollten froh sein, dass sie uns hier oben in den Zimmern schlafen lässt und gut zu uns ist. Ich kenne da ganz anderes“, ich gab Clara den Eimer und den Lappen und schnappte mir den Korb.
„Ich beeile mich“ und schon war ich nach draußen verschwunden.

Die Straßen von Paris waren schmutzig und frische Luft gab es hier schon lange nicht mehr. Ich musste in den ersten Tagen mit all den neuen Eindrücken vertraut werden, denn auf dem Land gab es so vieles nicht.
Gerade der Gestank ist für Neuankömmlinge beinahe unerträglich. Kot, Müll, Alkohol, alles nicht unbedingt das, was sich eine Frau vorstellt. Ich selbst hatte mich anfangs beinahe geweigert auch nur einmal das Fenster unseres Zimmers in der oberen Etage zu öffnen um die stickige Luft nicht durch den Gestank von außerhalb zu verschlimmern.
Mittlerweile war mir der Geruch egal. Man musste es ertragen so wie es war und tatsächlich mit der Zeit konnte man damit leben.

Ich war gerade um die Ecke eines Hauses gebogen, als ich auch schon unsanft mit jemandem zusammengestoßen bin. Schreck lass nach. Nachdem ich meinen Korb, welcher mir aus der hand gerutscht war, wieder aufgehoben hatte, war ich mehr als überrascht ausgerechnet Porthos und Athos hier stehen zu sehn.
„Ihr seid weit gekommen wie ich sehe“, genau in diesem Moment nahm ich über unseren Köpfen eine Bewegung wahr und ich konnte kaum glauben was ich da sah.
Aramis, der Dritte im Bunde hing am Fensterbrett des zweiten Stocks und versuchte scheinbar krampfhaft nach einem Plan zu suchen heil herunter zu kommen.
War das hier nicht die Residenz des Kardinals? Hatte Aramis etwa ein Verhältnis mit Adele Bessette, der Geliebten des Kardinals? Seine Freunde standen belustigt unten und machten keine Anstalten ihm zu helfen. Eigentlich geschieht ihm das auch ganz Recht, er spielte hier mit dem Feuer.

„Mademoiselle, ich möchte mich für die vorhin entstandenen Unannehmlichkeiten in höchster Form entschuldigen. Es ist nicht unsere Art einfach zu verschwinden.“
„Schon in Ordnung. Helft lieber eurem Freund aus der mehr als unvorteilhaften Situation“.
Ich sagte ja bereits, ein Weiberheld wie er im Buche steht. Insgeheim hatte er es meiner Meinung nach verdient da oben zu hängen. Scheinbar war ihm ja alles recht, nur um mit einer reichen Frau das Bett zu teilen. Da klettert man auch mal aus dem Fenster des zweiten Stocks.
„Entschuldigt mich meine Herren, die Pflicht ruft“, mit einem letzten Blick zum Dach und einem Abschiedsgruß der Musketiere setzte ich meinen Weg fort.

Ich schlenderte über den Marktplatz, vorbei an all den Ständen, an denen jeder vielversprechend seine Ware anbot.

Mein Korb war bis oben hin gefüllt, als mir einfiel das Constance sicher auch hier irgendwo sein musste. Ihr Mann war schließlich Tuchhändler und stets bemüht ein gutes Geschäft abzuwickeln.
Constance und ich hatte uns kurz nach meinem Eintreffen in Paris kennengelernt und ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen. Bei ihr kann man auch gar nicht anders. Sie ist die liebenswerteste, warmherzigste und freundlichste Frau in ganz Paris.
Deswegen konnte ich nach wie vor nicht verstehen, wie sie das Leben an der Seite Bonacieuxs aushielt. Er war das komplette Gegenteil seiner jungen, großherzigen Ehefrau.
Bonacieuxs war arrogant und kalt. Schon beim der ersten Begegnung, als sie mir ihren Ehemann vorgestellt hatte, war er mir unsympathisch gewesen. Ich konnte es schon in seinen Augen sehen. Doch Constance wollte von all dem nichts wissen. Einerseits strebte sie nach Gleichberechtigung für Frauen und andererseits unterwarf sie sich ihrem Mann komplett. So sehr ich sie auch mochte, daran mussten wir auf jedenfall noch arbeiten.

Doch genau in diesem Momenten hatte ich sie von weitem am Fischstand ausmacht. Dann geschah jedoch etwas, womit ich nie im Leben gerechnet hätte. Nur wenige Meter vor mir hatte ein junger Mann plötzlich den Arm um meine Freundin gelegt und seine Lippen auf ihre gepresst.
Ich war zu weit weg um genaueres zu hören, aber der Anblick der sich mir bot war eigentlich auch vollkommen ausreichend. Er sah gut aus. Jedenfalls das was ich erkennen konnte. Er hatte braunes, fast schulterlanges Haar, von dem ihm einige Strähnen ins Gesicht fielen. Er war vielleicht nicht so muskulös wie manch Anderer, aber trotzdem hatte er eine sehr ansehnliche Figur.
So schnell sich das alles ergeben hatte, war es aber leider auch schon wieder vorbei.
Constance hatte ausgeholt und ihm zwischen die Beine getreten.
Sie hatte den perfekten romantischen Moment zerstört.
Schade eigentlich.
Zwischenzeitlich hatte sie ihr gelbes Kleid wieder zurechtgerückt und bedrohte ihren „Angreifer“ augenscheinlich mit einem mickrigen kleinen Messer. Ihr Blick sagte alles, obwohl ich mir sicher war, dass ihr das nicht ganz so unangenehm war, wie sie es jetzt darstellte.
Während Constance auf ihn ein schimpfte, hob er entschuldigend die Hände und machte Anstalten zu gehen. Doch weit kam er nicht. Fast auf meiner Höhe angekommen verlor er das Bewusstsein, stürzte auf den harten Boden und blieb reglos liegen.

Constance erwachte aus ihrer Starre und eilte zu dem jungen Mann hin. Mit wenigen Schritten war ich an ihrer Seite und ging neben dem Bewusstlosen in die Knie.
„Isabella! Es ist schon eine Weile her das wir uns getroffen haben und dann jetzt unter diesen Umständen.“
„Ich freu mich auch. Sag wer ist das?“, ich wollte unbedingt alles wissen. Für mich war es schließlich mehr als neu, dass ich ausgerechnet Constance küssend, mit einem anderen als ihrem Ehemann, angetroffen habe.
„Woher soll ich das wissen?“, sie sah mich fassungslos an
„Naja ihr habt euch geküsst“
„Du hast das gesehen?“ sie schüttelte den Kopf
„Alles!“, ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Er hat mir Fünf Livre geboten wenn er mich küssen darf!“, sie hatte eine Hand auf seine Stirn gelegt.
„Fünf Livre, für einen Kuss von dir. Und er sieht auch noch so gut aus. Es hat dir gefallen, lüg mich nicht an“, ermahnend hob ich den Zeigefinder, aber sie wusste ja wie ich es meinte.
„Isabella bitte, ich bin verheiratet“, wieder diese Leier. Ich konnte darüber nur den Kopf schütteln.

„Was machen wir jetzt mit ihm?“, ich half ihr den Burschen halbwegs auf die Beine zu stellen, was jedoch nichts an seinem Zustand änderte. Er blieb ohnmächtig.
„Wir bringen ihn zu mir nach Hause“, verblüfft blieb ich kurz stehen.
„Zu dir nach Hause? Was ist mit deinem Mann?“
„Der kommt erst morgen wieder. Oder fällt dir was Besseres ein?“, fragend schaute sie mich an.
„Nein, Nein. Alles okay. Wenn er erst morgen kommt“. Ein breites Lächeln erhellte mein Gesicht, was von Constance jedoch nur mit einem Augenrollen gestraft wurde. Sie wusste was ich dachte. Aber mein Grinsen war verdient, so kannte ich meine Freundin schließlich nicht. Ich war mehr als überrascht, dass sie ihn mit zu sich nach Hause nehmen wollte, schließlich hätten wir ihn auch zum Gasthof bringen können. Aber egal. Innerlich hatte ich ein gutes Gefühl bei der Sache.

Der Weg kam mir unendlich lang vor. Eine gefühlte Ewigkeit später, waren wir endlich am Haus der Bonacieux angekommen und hatten den Mann in eines der Betten im Obergeschoss verfrachtet.
Constance war in Windeseile die Treppe wieder hinunter gerannt, um eine große Schale Wasser zu holen. Ich hatte mich währenddessen, auf einen der Stühle neben das Bett gesetzt und wartete gespannt. Was nur mit ihm passiert war? Wer war er?

Hemmungslos, nachdem sie wieder im Zimmer erschienen war, fing Constance an das Hemd des Fremden aufzuknöpfen.
Wer war diese Frau und was ist aus meiner sonst schüchternen und zurückhaltenden Freundin geworden. Aber die neue Constance gefiel mir. Nachdem sie ihn auch noch von den Stiefeln befreit und ihn komplett aufs Bett geschoben hatte musterte sie den jungen Mann von oben bis unten.

Es war ein leises seufzen zu hören.

„Gefällt dir was du siehst?“, völlig ertappt und mit deutlich erröteten Wangen drehte sie sich zu mir um.
„Er ist VERLETZT“, der große Bluterguss an seiner rechten Seite war mir auch nicht entgangen. Sie hatte eine Hand an seine Wange gelegt. Es war nicht zu übersehen das er ihr gefällt, auch wenn sie das niemals zugeben würde.
„Mach nur, ich steh dir da nicht im Wege. Heil ihn mit deinen magischen Fingern“, ich konnte ihren Blick nicht sehen aber allein am Ausatmen konnte ich erkennen, dass sie meinen Kommentar nicht in dieser Form hören wollte.
„Vielleicht küsst du ihn einfach wach“, das war zu viel. Den Moment, in dem ich in Deckung hätte gehen sollen, hatte ich verpasst, denn mit einem lauten KLATSCH hatte mich das feuchte Tuch mitten ins Gesicht getroffen.
„Hey, was soll das denn?“
„Das hast du verdient“, sie lachte schon wieder und ich konnte nicht anders als mit einstimmen. Ich warf ihr den Lappen zurück und sie legte diesen vorsichtig auf seine Stirn.
„Was denkst du ist mit ihm passiert?“, sie hatte sich wieder zu mir umgewandt.
„Keine Ahnung. Hat er nicht irgendwas gesagt nachdem er dich aus heiterem Himmel geküsst hat?“
„Er sagte lediglich, dass er zur Garnison der Musketiere möchte. Er hätte irgendwas zu klären.“ und gerade als sie ihm das feuchte Tuch erneut an die Stirn drückte begann dieser langsam wieder zum Leben zu erwachen.

Er fasste urplötzlich nach dem Handgelenk meiner Freundin.
„Wo bin ich?“, scheinbar hatte er noch starke Kopfschmerzen, denn sogleich legte er seine Hände an die Stirn und schloss erneut die Augen.
„Im Haus meines Mannes“

„Hier kann ich auf keinen Fall bleiben. Ich habe eine Verabredung mit Athos. Einem der Musketiere“ er war ohne Vorwarnung aufgesprungen und fing an sich wieder anzuziehen, jedoch war ihm anzusehen, dass es im nicht so leicht viel wie ervorgab. Er hatte immer noch starke Schmerzen.
„Wir kennen ihn. Ist er ein Freund von euch?“, ich hatte mich jetzt auch mal am Gespräch beteiligt.

„Nicht direkt“, er nickte mir als Begrüßung kurz zu.
„Ihr könnt kaum gehen“, Constance war vom Bett aufgestanden und auf ihn zugegangen. Er jedoch wies uns deutlich darauf hin, dass dies nicht unser Problem sei.
„Wäre eine von euch so freundlich und würde mir den Weg zur Garnison weisen oder nicht?“, fragend schaute er zwischen uns hin und her. Constance war empört über so viel Undankbarkeit, sauer stellte sie ihn zur Rede.
„Ihr seid keineswegs in der Verfassung zu kämpfen, falls ihr das vorhattet. Ich habe Drei ältere Brüder, ich kenne diesen Blick bei Männern nur zu gut!“

„Wie schon gesagt das ist nicht eure Sache“, er hatte sich seine Stiefel wieder übergezogen und stand nun aufbruchsbereit im Türrahmen.
Ich saß immer noch auf demselben Stuhl, unentschlossen ob ich mich in diese Diskussion einmischen sollte.
„Ihr seid mir vor die Füße gefallen, damit habt ihr es sozusagen schon zu meinem Problem gemacht“
„So schön wie ihr seid, seid ihr das doch sicher gewohnt“

„Vielleicht wäre es besser gewesen wir hätten euch einfach in der Gosse liegen gelassen“, in Constances Stimme war sowohl Zorn als auch Enttäuschung über die Entwicklung dieser Situation zu vernehmen.
Doch scheinbar hat es Wirkung gezeigt.
Der junge Mann hielt in seiner Bewegung, den Degen wieder zu befestigen, inne und schaute Constance an.
„Verzeiht, meine Manieren sind nicht immer so schlecht. Darf ich den Namen meiner Retterin erfahren?“ Constance war hin und hergerissen.
„Bonacieux. Constance Bonacieux“.
Sein Blick blieb nun an mir hängen.
„Ich? Isabella Martinez“, er nickte.
Ein kurzes Schweigenzeigte uns das er überlegen musste was er uns anvertraute.
„Athos hat meinen Vater ermordet. Er hat ihn feige und hinterhältig erschossen. Ich muss ihn finden“.
Weder Constance noch ich wussten darauf eine passende Antwort. Ich konnte nicht glauben, dass Athos jemanden einfach so erschossen haben sollte.
Klar die Musketiere konnten Säufer und Unruhestifter sein, doch waren sie als Ehrenmänner bekannt. Wiederlegen konnte ich es jedoch auch nicht, schließlich war der Fremde, Zeuge des ganzen gewesen. Wie hieß er eigentlich?
„Ich bin D’Artagnan“, als hätte er meine Gedanken gehört.
„Bitte denkt gütig an meinen Namen, falls ihr an ihn denkt.“ Und schon war er verschwunden.

Wir starrten ihm beide hinterher.
„Ein komischer Kerl“, ich war aufgestanden und ans Fenster getreten, jedoch war er schon in der Menschenmenge verschwunden.
„Er wird eine große Dummheit machen. Ich glaube nicht das Athos so etwas tut.“
„Ich kenne ihn noch nicht so lang wie du, aber ich kann es mir auch nicht vorstellen. Er kann ein Hitzkopf sein aber er würde sicher niemand Unschuldiges einfach erschießen“

Unerwartet ging Constance zu Tür.
„Wo willst du hin?“
„Wir können ihn doch nicht einfach so in sein Verderben rennen lassen“, da hatte wohl jemand die Lust auf ein Abenteuer gepackt. Wir mischten uns mal wieder in Sachen ein die uns nichts angingen.
„Ist das dein Ernst? Wir kennen ihn überhaupt nicht. Wer weiß in was er verwickelt ist“, ich war selbst noch nicht ganz von ihrem Plan überzeugt.
„Er wird was Dummes machen, das weiß ich ganz genau“, zum antworten kam ich nicht mehr, denn Constance war schon aus dem Zimmer verschwunden.
„Komm schon“, rief sie von unten hinauf. Was sollte ich machen? Ich konnte sie ja schlecht allein gehen lassen. Clara wird mich erwürgen wenn ich viel später als geplant zum Gasthof komm. Ich hatte versprochen zu gleich wieder zurück zu sein um zu helfen, aber das schien wohl noch eine Weile warten zu müssen.
„Isabella!!“
„Ich komm ja schon“, flink war ich die Treppe hinuntergerannt und meiner Verbündeten in Sachen Gerechtigkeit in Richtung Gardison gefolgt.


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