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Walküre und die kommunistischen Nazis

CrossoverHumor, Freundschaft / P12 / Gen
21.06.2020
30.03.2021
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„Also", sagte Captain America, „du hast Nachsitzen bekommen."
Walküre starrte den Fernseher mit einer Mischung aus Entsetzen und diebischer Freude an: „Das kann nicht euer Ernst sein!"
„Miss Unruh, bitte seien Sie still", befahl Mister Whiteman, ihr demotivierter Aufsichtlehrer, ehe er sich wieder seinem Laptop zuwandte.
Walküre war ziemlich sicher, dass er süchtig nach Solitär war.
„Ihr macht eine schwere Zeit durch", fuhr der Steve auf dem Bildschirm unverändert motiviert fort, „euer Körper verändert sich. Glaubt mir, ich weiß, wie das ist!"
„Das werde ich dir sowas von unter die Nase reiben", kündigte Walküre an den Bildschirm gewandt an. Dann brüllte sie zu Mister Whiteman herüber: „Können wir das bitte ausstellen?"
Der kümmerliche Rest an Nachsitzern murmelte zustimmend, doch ihr Lehrer schüttelte den Kopf und stellte mit einem höhnischen Lächeln den Ton lauter. Walküre knallte demonstrativ den Kopf auf die Tischkante.

Doktor Blaine Miller war nun schon seit fünfzehn Jahren Rektor der Washington High und noch nie hatte er solch eine respektlose Göre erlebt wie Walküre Unruh.
Nur weil sie bei den Avengers war, dachte sie offenbar, sie könne sich alles herausnehmen!
Ständig stellte sie die Autorität der Lehrer infrage, plusterte sich auf, weigerte sich, die Pledge of Allegiance zu leisten.
Und dann diese ständigen abfälligen Kommentare über Amerikas Landestreue! Daher freute er sich schon beinahe auf das Gespräch mit ihrem Vormund.
Denn heute war sie so weit gegangen, einfach Captain Americas untadelige Perfektion infrage zu stellen!
Der Mann war vollkommen und damit basta!
Blaine richtete seine Akten, dann faltete er zufrieden die Hände auf dem Bauch und wartete auf... mit gerunzelter Stirn sah er auf ihre Akte hinunter.
Skulduggery Plesant und...
Die Tür ging auf und ein hochgewachsener, muskulöser Mann mit kurzen blonden Haaren trat ein.
„Entschuldigen Sie die Verspätung", bat Steve Rogers, obwohl er einige Minuten zu früh war.
Blaine starrte ihn an.
Steve erwiderte seinen Blick und runzelte die Stirn: „Kann ich Ihnen helfen?"
Blaine fiel die Kinnlade herunter.
„Ich komme wegen Walküre Unruh", Steve kratzte sich im Nacken, „Sie haben mich herbestellt, weil..."
„Cap... captain America", brachte der Direktor heraus, „ich... wollen... könnten Sie meine Actionfigur signieren?"
Steve unterdrückte ein frustriertes Stöhnen und setzte stattdessen sein berühmtes strahlendes Lächeln auf:
„Aber sicher doch."

„Ist das deine Bestrafung?", Walküre ging ein wenig schneller, um sich vor Steve zu stellen, „Denn wenn sie das ist, dann flehe ich dich um Entschuldigung an. Alles, nur das nicht!"
„Es ist keine Strafe", gab Steve milde genervt zurück und zog seine Kappe tiefer ins Gesicht, „du wurdest suspendiert und ich halte es für unangemessen. Deswegen machen wir einen schönen Ausflug, um dich aufzuheitern.
Wie letzte Woche, als sie dich aus dem Footballteam geworfen haben."
„Wir gehen in ein verdammtes Museum über dich !"
„Das ist vollkommen normal."
„Das ist narzisstischer als alles, was Skulduggery je gesagt hat!
Und wir reden hier von Skulduggery!"
Steve seufzte und schwieg.
Sie passierten den Eingangsbereich und Walküre schaute sich mit abschätzigem Blick um. Niemand wurde auf sie aufmerksam, was verrückt war, da sie nur eine Kappe zur Tarnung trugen.
„Wirklich?", Walküre blieb kritisch vor den Puppen stehen, die die Kleidung von Steves Weltkriegsgang trugen, „ das hattet ihr damals an?"
„Das hier war ein Fehler", murmelte Steve und ging schnell weiter.
„Was du nicht sagst."
Walküre holte ihn ein, als er gerade bedröppelt vor einer Gedenktafel stand.
„Lass uns was essen gehen", forderte sie und zog an seiner Hand, „und dabei erzählst du mir alles über die Veränderungen, die mein Körper durchmacht.
Damit kennst du dich ja aus."
„Sie... sie zeigen die Videos an deiner Schule?"
Walküre kniff die Augen zusammen und grinste ihn an.
Videos? Plural? Das heißt, es gibt mehr als eins?"
Steve bereute mit einem Mal sämtliche Entscheidungen, die er in seinem Leben getroffen und die ihn an diesen Punkt gebracht hatten.

„Anthony Edward Stark, was zur Hölle machst du da?"
Skulduggery schaute auf und sah Pepper im Türrahmen stehen: Ihre Augen waren blutunterlaufen und sie trug ein langes gestreiftes T-Shirt, das verdächtig nach Tonys aussah.
Kurz fragte sich der Skelettdetektiv, was sie wohl dazu bewogen haben mochte, in einem derartigen Aufzug herumzulaufen, dann widmete er sich wieder der Kunst der Quantenmechanik. Mit seiner unermüdlichen Begeisterung hatte Tony den Skelettdetektiv schnell angesteckt gehabt und nach einigen Monaten in diesem großartigen Haus war er dem Ganzen rettungslos verfallen.
„Pep", Tony kratzte sich am Kopf, dann blickte er seine Frau an, als würde er in ein helles Licht sehen, „was..."
„Es ist vier Uhr morgens, verdammt nochmal, und du schraubst immer noch im Keller herum", fiel seine Frau ihm ins Wort.
'Ah', dachte Skulduggery, 'das'.
„Pep", Tony lächelte sie an, „wir haben es geschafft!"
Pepper runzelte die Stirn: „Ihr habt was geschafft?"
„Na, Mark 42", obwohl Tony seit gut 72 Stunden nicht mehr geschlafen hatte, schwang in seiner Stimme die bloße Begeisterung mit, „er ist fertig.
Und er ist perfekt."
„Mark zweiundvierzig?!", echauffierte sich Pepper.
Tony begann verwirrt, seine Anzüge an den Fingern abzuzählen. Als er bei 10 angekommen war, hatte er keine Finger mehr frei und sah Pepper vorwurfsvoll an.
Diese schloss für einen Moment die Augen, dann seufzte sie tief auf.
„Tony, du gehst jetzt schlafen!"
„Nein", bockig schüttelte Tony den Kopf, „schlafen ist unproduktiv!"
„Ich dachte, ihr wärt fertig mit dem Anzug?", fragte Pepper und rieb sich die Augen.
Durch dieses überzeugende Argument wurde Tony ein wenig der Wind aus den Segeln genommen und kurz druckste er herum, ehe ihm etwas Besseres einfiel.
„Skulduggery schläft auch nicht!", erklärte er triumphierend.
„Skulduggery", presste Pepper durch zusammengebissene Zähne hervor, „ist ja auch ein lebendiges Skelett!"
„Aber..."
„Kein aber", befand Pepper, „ich gehe jetzt schlafen und du kommst mit!"
Enttäuscht, aber zu müde, um argumentativ bei einer Diskussion zu überlegen, trottete Tony zur Tür.
„Geh ruhig", Skulduggerys knochige Finger flogen über die Tasten, „ich programmiere noch ein paar Feinheiten."
Tony verließ an Peppers Seite den Raum und Skulduggery seufzte zufrieden auf.
Eine produktive Nacht lag vor ihm.

Walküre und Steve aßen im Museumskaffee und am Ausgang erlaubte Steve ihr, sich ein Souvenir im Shop auzusuchen.
Nachdem das Mädchen sich hinreichend über ihn lustig gemacht hatte, wollte Walküre dennoch keine Gelegenheit auslassen, Geld auszugeben.
Vor allem, wenn es Steves Geld war.
Und weil sie ihn manchmal immer noch sehr gerne auf den Arm nahm, entschied sie sich für eine Frisbee, auf die der Schild gemalt war.
Am nächsten Morgen stand Steve wie immer um drei Uhr morgens auf, um sich fertig zu machen und joggen zu gehen, nur dieses Mal erschien er um zehn nach drei angezogen und bereit zum Loslegen in Walküres Zimmer.
Das Mädchen lag in derselben Position auf ihrem Bett, in der er sie geweckt hatte und starrte ins Leere.
„Na los, Walküre", sagte er motiviert, „mach dein Bett und dann auf zum Workout. Nach dem Laufen üben wir dann, wie man den Schild richtig wirft."
Walküre warf ihr Kissen nach ihm.
Er wich aus und wartete.
Als von ihr immer noch keine Reaktion war, zuckte er mit den Schultern und lenkte ein: „Dann komm eben später dazu. Du wolltest ja Frisbee spielen lernen."
„Ich..."
„Ja?", fragte Steve freundlich.
„...hasse dich."
 
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