Manche Dinge passieren einfach

GeschichteAllgemein / P16
Andrea Schäfer Anna Engelhardt Dieter Bonrath Horst Herzberger Semir Gerkhan Tom Kranich
20.06.2020
04.07.2020
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30.06.2020 705
 
Zwei Wochen später:

„Muss ich dich jetzt eigentlich auch mit ‚Chef‘ ansprechen?“ Tom feixte als er Semir dabei beobachtete wie er sich an seinem ersten Arbeitstag nach dem Unfall mit seinem Gips-Arm etwas umständlich hinter den Schreibtisch im Büro der Dienststellenleitung setzte.
„Ja, und nett sein musst du auch zu mir. Sonst gibt es keinen neuen Dienstwagen mehr.“
„Na da ist es ja gut das ich noch einen funktionieren Dienstwagen habe!“
„Fragt sich wie lange der noch funktioniert... Bei deinem Fahrstiel“
„Was soll das denn heißen? Mein Dienstwagen hat seit gut zwei Woche keinen Kratzen mehr abbekommen. Nicht mal einen kleinen.“
„Was vermutlich daran liegt, das fast ausschließlich ich gefahren bin...“ Anna Engelhardt lehnte im Türrahmen und musterte die beiden amüsiert.
„Morgen Chefin“ kam es gleichzeitig von beiden Kommissaren. „Guten Morgen. Haben sie beiden dann geklärt wer hier wen wie ansprechen muss?“
„Ja.“ Semir nickte. „Tom wird mich von jetzt an mit ‚Euer Ehren‘ und ‚Sir‘ ansprechen.“
Tom schüttelte beharrlich den Kopf. „Das wird Tom ganz sicher nicht machen!“
Die eigentliche Chefin verdrehte die Augen ehe sie fragte: „Konnten sie sich mit allem vertraut machen Semir?“
„Das konnte ich, ja.“ Antwortete dieser jetzt wieder ernst.
Man hatte sich darauf geeinigt das Semir bis auf weiteres einen Großteil der Aufgaben der Dienststellenleitung übernehmen würde und auch einen Großteil der Weisungsbefugnis gegenüber den Kollegen bekommen hatte. Damit konnte sich die Engelhardt von jetzt an auf den Außendienst konzentrieren und musste nicht, wie in den letzte beiden Wochen, Innen- und Außendienst irgendwie unter einen Hut bekommen.  
„Gut. Dann haben Sie bis auf weiteres hier die Zügel in der Hand, Chef“

Die ersten Tage gemeinsam auf Streife waren sowohl für Tom als auch die Chefin etwas komisch gewesen und sie hatten beide ein wenig Zeit gebraucht, um sich an die neue Rollenverteilung zu gewöhnen.
Mittlerweile war von den anfänglichen, leichten Startschwierigkeiten allerdings überhaupt nichts mehr zu merken.
„Zentrale an alle: Auf dem Parkplatz Ohligser Heide wurde eine Schlägerei zwischen ein paar Truckern gemeldet.“  
„Das ist doch keine 5 Kilometer von hier...“ Tom warf seiner Partnerin einen Seitenblick zu.
„So viel zum pünktlichen Feierabend...“ Anna schaltete einen Gang runter und beschleunigte den BMW während Tom der Zentrale mitteilte das sie ganz in der Nähe waren und das übernehmen würden.
An dem Parkplatz angekommen, mussten die beiden Polizisten sofort feststellen das sie hier alleine nicht viel ausrichten können würden.
‚Ein Paar‘ Trucker war eine etwas optimistische Beschreibung gewesen. Um die zwanzig Männer schlugen mit Fäusten, Flaschen und anderen Gegenständen aufeinander ein.
„Na toll... Das hat mir grade noch gefehlt.“ Stöhnte Tom missmutig.
Auch die Chefin wirkte wenig begeistert bei dem Gedanken sich dort ins Getümmel stürzen zu müssen.
Das war eines der Dinge, die sie seitdem vermehrte Innendienst am Schreibtisch sicherlich nicht vermisste. Bevor sie aus ihrem Dienstwagen ausstiegen, forderten sie von der Zentrale ausreichend Verstärkung an.        

„Polizei! Die Herren, das reicht jetzt langsam, ja? Beruhigen wir uns Alle erst einmal!“ versuchte Tom es als Erster, als sie auf die prügelnde Menge zu gingen. Als Antwort flogen ihnen mehrere Flaschen entgegen.
„Ich hasse es zu sagen, aber ich glaube mit gut zureden kommen wir hier nicht weiter...“
Anna Engelhardt wich einer weiteren Flasche aus, packte den ihr am nächsten stehenden pöbelnden Trucker und schob ihn mit auf den Rücken gedrehten Arm von der Menge weg.      
Schnell fixierte sie seine Hände mit Kabelbindern hinter seinem Rücken und setzte ihn abseits von dem Getümmel an einen Bordstein.
„Bleib hier sitzen und halt die Klappe!“ Ohne den Mann, der in ihre Richtung spuckte, eines weiteren Blickes zu würdigen eilte sie in Toms Richtung, der von drei der Raufbolde in Bedrängnis gebracht wurde.
Die Stimmung heizte sich immer weiter auf und die Polizistin nahm mit Erleichterung aus dem Augenwinkel war, dass die erste Verstärkung bereits eintraf.
Letztlich brauchte es eine kleine Armee an Polizisten, um die Auseinandersetzung unter Kontrolle zu bringen. Und nicht wenige der Beamten trugen Blessuren davon.
Auch Tom und Anna waren nicht ungeschoren davongekommen. Während Kranich eine blutige Nase hatte, blutete die Chefin aus einer schmalen Wunde knapp oberhalb ihrer rechten Augenbraue. Der ein oder anderen blaue Fleck würde bei beiden die nächsten Tage mit Sicherheit auch noch zum Vorscheinen kommen.
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