Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Lùmiel (Bis in alle Ewigkeit)

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16
Legolas
20.06.2020
25.08.2020
15
18.794
2
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.07.2020 1.351
 
Als ich am Trainingsplatz ankam, warteten Tobir und Legolas schon auf mich. Ich umarmte Tobir zur Begrüßung und schaute Legolas unsicher an. Schließlich deutete ich eine Verbeugung an und sagte: "Mein Prinz" Er lachte: " Mae govannen Lùmiel!" "wollen wir anfangen?", fragte er jetzt an Tobir gerichtet. "Klar, jetzt wo Lù endlich da ist!" Entschuldigend sah ich ihn an. "Na dann los!", meinte Legolas. Ich war wirklich gespannt. Ob er wirklich so gut mit dem Bogen umgehen konnte wie alle sagten? Er sollte der beste Schütze Mittelerdes sein. Plötzlich spürte  ich Ehrgeiz in mir aufsteigen. Wir werden ja sehen ob ich ihn schlagen konnte. Immerhin war ich auch eine sehr gute Bogenschützin. Wir fingen an, zum aufwärme alle nacheinander auf eine Zielscheibe zu zielen, die etwa 20 Meter entfernt an einem Baum hing. "Ladies first", meinte Tobir und ich fing an. Ich traf genau in die Mitte der Zielscheibe, was aller dings auf diese Distanz auch nicht sehr schwer war. Tobir traf ein paar Zentimeter weiter rechts und Legolas nur wenige Millimeter von meinem Pfeil entfernt. Wir schossen noch ein paar mal und gingen dann zur nächsten Zielscheibe über. Dieses Mal 50 Meter. Dann 100, 300 und irgendwann 500 Meter. Ich traf eigentlich jedes Mal genau die Mitte nur einmal hatte ich nicht genau getroffen. Tobir, der sogar von sich selbst behauptete kein großer Bogenschütze zu sein, hatte drei Mal daneben geschossen, schlug sich aber sonst ganz gut. Und Legolas... er war wirklich so gut! Kein einziges Mal hatte er nicht genau getroffen! Ich verstand nicht warum er überhaupt noch trainieren musste. Und trotzdem war er nicht eingebildet, sondern fand immer noch etwas was er hätte besser mache können und half Tobir wenn dieser ihn danach fragte. Mittlerweile hatte ich beinahe vergessen, dass es gefährlich für mich war mich in Legolas Nähe aufzuhalten. Man konnte einfach so viel Spaß mit ihm haben! Doch jedes Mal wenn er lachte fing mein Herz schneller an zu schlagen und ich fragte mich ob es schon zu spät dafür war, mich nicht in ihn zu verlieben.  Bei der 800 Meter Zielscheibe traf Tobir in den dritten Ring von außen. Legolas, der dieses Mal vor mir geschossen hatte, hatte mal wieder genau die Mitte getroffen. Ich nahm mir fest vor ab jetzt keinen Zentimeter mehr schlechter als er zu schießen. Legolas musste die Entschlossenheit in meinen Augen gesehen haben, denn er sah mich schmunzelnd an. Dann trat er langsam hinter mich um zu schauen wie ich zielte. Warum machte er das?! Egal warum, auf jeden Fall machte es mich total nervös. Ich hatte das Gefühl mein Herz würde mir gleich aus der Brust springen und mir wurde ganz heiß. "Lù, jetzt schieß doch!", meinte Tobir. Ich spürte Legolas Atem an meinen Nacken, ließ den Pfeil los und schoss mindestens einen Meter an der Zielscheibe vorbei! Zufrieden grinste Legolas und holte mir netterweise meinen Pfeil zurück.

Schließlich waren wir bei der 1000 Meter Zielscheibe angelangt. "Tut mir leid! Ich bin raus!", sagte Tobir mit einem Blick auf das Ziel. "Na gut", Legolas lächelte mich herausfordern an," wie wärs mit einem Duell?" Fragend sah ich ihn an. "Jeder hat pro Scheibe ein Versuch. Wer als erstes danebenschießt hat verloren. Wenn wir bis 1300 Meter beide nicht danebengeschossen haben, zählt wer am besten geschossen hat." 1300 Meter? So weit hatte ich noch nie geschossen. Doch ich wusste, dass ich es schaffen konnte. vorausgesetzt Legolas lenkte mich nicht wieder ab. "Gern doch!", sagte ich lächelnd. "Gut, was willst du wenn du gewinnst?" Wollte er jetzt wirklich um Einsätze schießen? Ich überlegte kurz. Tobir verfolgte gespannt unsere Unterhaltung. Ich musste schmunzeln. Mir war etwas eingefallen. "Wenn ich gewinne, müsst ihr heute Abend beim Abendessen in der Speisehalle ein Lied vortragen." Es wurde oft im Speisesaal gesungen und es würde mich wirklich interessieren ob Singen vielleicht eine Schwäche von Legolas war. Außerdem würde es eine Attraktion sein, den Prinzen des Waldlandreiches beim Abendessen singen zu hören. "Na gut, wenn du gewinnst singe ich heute Abend. Wenn ich gewinne musst du mich ab jetzt duzen." Er grinste. Ernsthaft?! Das war sein Einsatz? Eigentlich war es mehr als unangemessen den Thronfolger der Waldelben zu duzen. Und es würde nicht dazu beitragen mich geistig von Legolas zu distanzieren. Andererseits kannten wir uns jetzt schon ziemlich gut. Spätestens seit unsrem gemeinsamen Ausflug im Wald. Und Tobir und Legolas waren ja auch befreundet. Außerdem, wenn ich gewann musste ich mir darüber gar keine  Gedanken mehr machen. "Dann los!", sagte ich.

Ich nahm einen Pfeil aus meinem Köcher und spannte meinen Bogen. Ich schoss genau in die Mitte der Scheibe. Legolas leider auch. Das nächste und übernächste Mal trafen unser Pfeile nur wenige Millimeter von einander entfernt ihr Ziel. Und dann kam die letzte Zielscheibe. Wenn ich gewinnen wollte musste ich jetzt genau mittig in die Mitte der Zielscheibe treffen. Ich zielte, hielt einen Moment inne und schoss dann. So genau hatte ich noch nie getroffen. Dieser Schuss war eigentlich nicht mehr zu übertreffen! Tobir schaute ungläubig auf meinen Pfeil, der noch immer in der Zielscheibe steckte. "Glückwunsch Lù, vielleicht sollte ich darüber nachdenken dich Unterricht im Bogenschießen geben zu lassen!" Siegessicher schaute ich Legolas an. Doch der nahm sich einen Pfeil, visierte konzentriert die Zielscheibe an und schoss. Vor Staunen öffnete ich meinen Mund. Sein Pfeil durchbohrte meinen Pfeil und spaltete ihn genau in der Mitte. Zufrieden lächelnd schaute Legolas mich an. "Ich würde sagen ich habe gewonnen!" "Das habt ihr!", sagte ich immer noch staunend. Er schaute mich fragend an. "Ähm...ich meine du." Ich wurde rot. Verlegen schaute ich ihn an. "Freunde?", fragte er. "Freunde", antwortete ich. Auch wenn er mich nie lieben würde, konnten wir ja immerhin befreundet sein, oder? Und Abstand zu halten hätte sowieso nicht funktioniert. "Ist es ok, wenn ich heute Abend bei euch im Speisesaal mitesse? Ich hatte eine kleine Auseinandersetzung mit meinem Vater und ich denke es wäre keine so gute Idee alleine mit ihm Abend zu essen.", fragte Legolas nun Tobir. "Klar, ein paar der weiblichen Elben werden zwar ausrasten, aber wenns dir das wert ist gerne. Setzt du dich zu uns, Lù?" "Nein, danke. Aber Naira wartet sicher schon auf mich." "Sie kann sich gerne dazu setzen.", meinte Legolas. "Danke, aber wir sind schon mit Aldon und Elanor verabredet." Ich fühlte mich zwar etwas schlecht dabei abzusagen, weil Naira sich sicher gefreut hätte mit dem Prinzen Abend zu essen, aber wenn ich zu viel Zeit mit Legolas verbrachte, würde ich vermutlich vergessen, dass wir nur Freunde sein konnten. Also verabschiedete ich mich und zurück ins Schloss, wo mich Naira auch schon erwartete und alles über heute Nachmittag wissen wollte.

Auch beim Abendessen fand sie kein anderes Gesprächsthema und konnte gar nicht glauben, dass Legolas mich dazu aufgefordert hatte ihn zu duzen. In ihren Augen war das alles unglaublich romantisch. Auch wenn ich ihr immer wieder versicherte, dass wir nur Freunde waren. Später am Abend kam Fénir an unseren Tisch um Naira zu einem Treffen abzuholen. Ich verabschiedete mich von ihr und wünschte ihr viel Spaß, bevor auch ich mich auf den Weg zurück in unser Zimmer machte. Es war schon dunkel und der Mond schien durch das Blätterdach, dass den inneren Teil des Palastes bedeckte. ich schaute nach oben und betrachtet das helle Licht der Sterne, während ich nachdachte.  Freunde. Warum tat es so weh zu wissen das wir Freunde waren. Es war eine große Ehre die Freundin eines Prinzen zu sein. Warum reichte mir das nicht?! Plötzlich kam eine Hand aus dem Dunkeln und zog mich hinter einen der dicken Baumstämme, die den Palast zusammenhielten. Einen Moment lang dachte ich es wäre Aranel und wollte schreien. Doch die Hand hielt mir den Mund zu und ich sah in zwei wunderschöne blaue Augen, in denen sich das Mondlicht spiegelte.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast