Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Beyond blue eyes

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 Slash
Geralt von Riva Rittersporn Triss Merigold Yennefer von Vengerberg
19.06.2020
13.01.2021
16
27.056
2
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
13.01.2021 1.880
 
"Nur noch einen Bissen."

"Nein."

"Jaskier, bitte."

Eindringlichkeit lag in Geralts Stimme, während er den kleinen Korb gefüllt Brot auffordernd näher zu dem Jüngeren schob. Stur sah Jaskier daran vorbei, seine langen Finger klammerten sich Halt suchend um eine zerbrechliche Tasse aus Porzellan. Der Duft von Hagebutten und Honig wehte durch die schäbige Küche und statt eines weiteren Stückes Brot, nahm der Barde nur einen Schluck Tee.

Bisher hatte der Hexer ihn nur zu wenig Nahrung überreden können. Dabei beäugte er den körperlichen Zustand von Jaskier mit Argusaugen. Klappernd stellte dieser die Tasse nun wieder auf den Tisch, erwiderte abrupt Geralts besorgten Blick.

"Du musst essen.", stellte er fest. Unmittelbar seufzte Jaskier auf, starrte wieder auf die alte Tischplatte unter seinen Händen. Kurz fuhr er mit dem Finger einige Kerben nach, verharrte auf einem vermutlich Jahrzehnte alten Brandfleck, schweifte ab zu dem Gedanken wie das Holz wohl verkohlt war, ehe Geralt seinen Stuhl scharrend zurückschob.

Stumm beobachtete der Jüngere wie er nach hinten zur Anrichte ging, auf der sich leeres Geschirr stapelte, ebenso wie einige leere Phiolen, jedoch griff Geralt in eine Schale, gefüllt mit Obst und klaubte drei Äpfel heraus, welche er sorgsam auf Druckstellen und Würmer überprüfte.

Die Stirn gerunzelt sah Jaskier zu wie der Hexer ein kleines Taschenmesser in die Hand nahm und langsam begann einen Apfel langsam zu schälen. Die rot-grüne Schale ringelte sich immer weiter Richtung Tisch, während Jaskier es nach einer kleinen Ewigkeit gelang die Tasse zu leeren.

Bevor er fragen konnte, warum Geralt das Obst nun in sorgfältige kleine Stücke schälte und auf dem Brett drapierte, schob dieser ihm bereits das Brett zu, mit einem ernsten Ausdruck in den amberfarbenen Augen. Seine Stirn war in Sorgenfalten gelegt. Ein sanfter Luftzug fuhr durch die Ritzen der abgenutzten Küche, pfiff leise und unmelodisch vor sich hin.

"Danke.", murmelte Jaskier und nahm sich eines der Stückchen. Kurz kroch die Angst wieder in ihm hoch, dass er erneut keine einzige Mahlzeit drin behalten würde, dennoch steckte er sich den Happen in den Mund. Allein für Geralts fast schon zufriedenen Gesichtsausdruck lohnte es sich.

Die Hälfte des Apfels schaffte er, ehe sein Magen rebellierte. Leichte Krämpfe ließen ihn unruhig den Rest beiseiteschieben. Unterdessen war Geralt aufgestanden und hatte das benutzte Geschirr achtlos zu dem anderen gestellt, ehe er sich wieder Jaskier zuwandte.

"Tut mir..-", begann er entschuldigend, wurde jedoch sanft unterbrochen.

"Das ist mehr als ich erwartet habe.", erklärte Geralt, "Plötze freut sich bestimmt über den Rest."

Erleichtert sah Jaskier zu wie der Hexer das restliche Obst einsammelte, ebenso wie die zwei verbliebenen Äpfel, ehe er sich langsam zum Gehen wandte. Zuerst unsicher folgte Jaskier ihm, doch als Geralt die hölzerne Tür aufstieß und ihn anblickte, beschleunigte Jaskier seine Schritte und schloss zu dem Hexer auf. Gemeinsam gingen sie über das weiche Gras, welches leise unter ihren Sohlen wisperte, hinüber zum Stall. Bereits aus der Ferne erfüllte der würzige Geruch von Pferden den Duft, mischte sich mit dem der entfernten Kiefern am Rand des kleinen Wäldchens.

Kaum traten beide Männer in den Stall, dröhnte ihnen ein ohrenbetäubendes Wiehern entgegen. Plötze hieß sie lautstark willkommen aus ihrer riesigen Box, welche sie sich mit einem kleinen Rappen teilte und welche nahezu den kompletten Stall einnahm. Einzig an der Seite stapelten sich Heuballen, hölzerne halbverfallene Kisten und ein massiver Schrank, welcher offenbar zur Aufbewahrung des Sattelzeuges diente, denn selbst Jaskier nahm einen strengen Geruch nach Leder wahr der von ihm ausging.

Während Geralt seine Stute begrüßte, näherte sich der kleine Rappe Jaskier und stupste ihn sacht an. Seine buschige Mähne reichte fast bis über die Nüstern.

"Hier.", meinte Geralt und reichte ihm einige Stücke des Apfels, welche er noch immer in der Hand hielt und nach denen Plötze gierig den Kopf reckte.

"Danke.", erwiderte Jaskier und streckte die Hand aus, in jenem Moment in dem Geralt selbst einen Schritt nähertrat. Kurz berührten sich ihre Finger, ihre Blicke trafen sich.

Noch immer konnte Geralt nicht glauben, dass dies wirklich geschah. Die letzten Tage waren das Chaos gewesen und nicht wenige von ihnen hatte er in dem Glauben verbracht, dass er seinen Barden nicht wiedersehen würde. Die andere Zeit war er überzeugt gewesen Jaskier selbst wollte ihn nicht wieder sehen.

"Und nun sind wir hier.", murmelte Geralt, mehr zu sich selbst, denn Jaskier hatte sich bereits dem kleinen Pferd zugewandt, welches ihm den Apfel gierig aus der Hand nahm.

"Was?", erwiderte der Jüngere, mit einem kurzen Lächeln auf den Lippen. Ehe er sich ihm wieder zuwandte, wischte er seine besabberte Hand an der Hose ab. Bevor Geralt antworten konnte, entschied Plötze, dass sie nicht bereit war derartig lange auf ihren Snack zu warten. Unsanft stieß sie ihrem Besitzer den Kopf in den Rücken, dass dieser beinah ins Stolpern geriet.

"Deine Dame ist ungeduldig.", bemerkte Jaskier amüsiert, als die braune Nase nun versuchte Geralt in das weiße Haar zu beißen.

"Ich merk schon.", brummte er und reichte der Stute endlich den ersehnten Leckerbissen. Genüsslich kaute Plötze, ließ es sich jedoch nicht nehmen einen Teil der Leckerei an Geralt zurückzugeben. Ungestüm rieb sie erneut den Kopf an ihm, verteilte eine Mischung aus Sabber und Apfelresten über ihn und seine Kleidung.

Geralt duckte sich unter seiner Stute hinweg, deren hungriges Maul nach mehr verlangte und ehe sie den langen Haaren des Hexers einer weiteren Geschmacksprüfung unterzog.

"Du hast da noch was.", sagte Jaskier leise und deutete wage auf Geralt. Fragend sah dieser ihn an, beugte sich ein wenig herunter und zögerlich trat der Barde näher. Mit fliegenden Fingern las er einige Stücke halb zerkauten Apfels aus Geralts Haaren. Dabei streifte Jaskiers Handrücken dessen Wange.

Unmittelbar begann das Medaillon sanft zu erbeben. Beinah hatte Geralt vergessen, dass er den Anhänger zurück hatte. In den letzten Stunden war es stumm geblieben, doch wie es aussah, schien die Magie nun stetig wieder nach außen zu dringen. Auch Jaskier blieb die Reaktion nicht verborgen. Hastig zog er die Hand zurück, blickte fragend zuerst auf die Kette und dann zu Geralt.

"Bestimmt nur Nachwirkungen von Yennefers Heilzauber.", rutschte ihm heraus, jedoch sah er dabei Jaskier nicht in die Augen. Er konnte ihm nicht ins Gesicht lügen, doch konnte er ihm nicht die Wahrheit offenbaren. Zum ersten Mal seit Tagen standen sie nebeneinander ohne einen Streit, ohne dass es sie beide zerriss.

Jaskier hinterfragte dies nicht. In jenem Moment fiel Geralt erneut auf wie erschöpft er wirkte. Aber eine Kleinigkeit musste noch erledigt werden. Und nun war der Hexer sich auch gewiss, dass er nichts falsch machen würde.

"Ich möchte dir noch etwas zeigen.", gestand er leise. Fast schon ungläubig blickte Jaskier ihn an, legte seine Stirn in Falten.

"Du möchtest mir was zeigen?", wiederholte er, sehr langsam, als glaubte er seinen eigenen Ohren nicht zu trauen. In jenem Augenblick bemerkte Geralt zum ersten Mal wie stark sie sich in der letzten Zeit verändert hatten. Dank Ciri und der gemeinsamen Zeit war es ihm gelungen offener und kommunikativer zu werden. Jaskiers momentaner Zustand tat sein übriges und Geralt versuchte mit allen Mitteln nicht in alte Muster seines grimmigen, wortkargen und oft respektlosen Selbst zurückzufallen. Auch, wenn es einiges an Überwindung kostete.

Traurig brummelte Plötze ihnen nach als sie den Stall verließen. Es war grade einmal Mittagszeit und die Sonne strahlte ihnen entgegen. Geblendet verharrte Jaskier für einige Sekunden auf dem Gras, starrte fasziniert zu den kleinen Wolken hinauf, die wie einzelne kleine Flecken über ihnen dahinglitten. Das Blau seiner Iris schimmerte in jenem Moment so klar wie der Himmel selbst. Verblüfft bemerkte der Hexer, dass Jaskiers dunkelbraunes Haar im Sonnenlicht golden schimmerte. Es juckte ihn in den Fingerspitzen erneut hineinzugreifen. Allein der Gedanke verwirrte Geralt und beinah hätte er den Kopf geschüttelt. Beschämt, wandte er den Blick ab und sie gingen schweigend in das Anwesen zurück.

Niemand kam ihnen auf dem Weg entgegen, auch wenn Geralt einige Schritte und Stimmen in den Räumen vernahm.

"Ich komme gleich zurück.", erklärte er und blieb an der Tür zu seinem Zimmer stehen. Irritiert nickte Jaskier und beschloss der Anweisung Folge zu leisten und in seinem Schlafgemach zu warten. Dabei kam er nicht umhin festzustellen, dass Geralt sich teils sonderbar verhielt, allerdings hatte der Barde auch nicht den Nerv sich über das Benehmen zu wundern. Noch immer krampfte sein Magen leicht und er war erschöpft. Jeder Schritt war eine Qual und mit Erleichterung ließ er sich auf das Bett sinken, kaum dass er in den Raum trat.

Nur wenige Minuten später folgte Geralt. Sein Gesicht verriet nichts, war völlig ausdruckslos, die Arme hielt er hinter dem Rücken verschränkt als er eintrat.

Verwirrt blinzelte Jaskier ihn an, wollte soeben den Mund öffnen, als Geralt ihm im nächsten Moment seine Laute entgegenhielt.

Unversehrt glänzte das dunkle Holz im Licht der Mittagsonne, frisch bezogene Saiten spannten sich über den Hals. Es war keinerlei Bruchstelle zu erkennen. Vollkommen überwältigt erhob sich Jaskier, griff nach dem Instrument und wilde Freude durchströmte ihn als er seine Finger um sie schloss.

"Wie..-?", stammelte er, da er sich sicher war, dass er die Laute der Elfen in seinem Ausbruch zerstört hatte und sie nicht zu retten wäre.

"Die Skelliger sind Meister der Handwerkskunst.", erklärte Geralt. Ein seltenes Lächeln lag auf seinen Lippen, ehe er sich kurz räusperte, "Ich dachte..-"

Weiter kam er nicht, denn Jaskier fiel ihm in die Arme, drückte sowohl den Hexer als auch die Laute fest an sich. Er bebte und Geralt schloss reflexartig die Arme um ihn, spürte den wilden Herzschlag so nah an seinem eigenen, die Wärme die ihn einhüllte und das Gefühl von Geborgenheit, welches in seiner Brust aufflammte.

"Danke.", murmelte Jaskier, löste sich wieder von ihm und sah erneut mit leuchtenden Augen auf das Instrument. Immer wieder strichen seine Fingerspitzen darüber, fuhren zaghaft die Stelle des Bruches nach, an der nichts darauf hindeutete.

Ein wenig zittrig setzte er sich erneut auf das Bett, begann zaghaft die ersten Saiten zu zupfen. Keine richtige Melodie, doch überwältigte ihn das Gefühl der Musik beinah. Eine Ewigkeit war es her als er zuletzt gespielt hatte. Gefangen in seinem eigenen Strudel aus wilder Freude und Überforderung registrierte er wie Geralt sich neben ihn setzte und sich vorsichtig gegen das hölzerne Gestell lehnte.

Probehalber schlug Jaskier auch die anderen Saiten an, lauschte mit einer Gänsehaut am ganzen Körper wie die einzelnen Töne zwischen den Wänden verklangen, ehe er begann zaghaft eine Melodie zu erfassen.

Unterdessen saß Geralt einfach nur dort, vollkommen versunken. Auch ihm lief ein sanfter Schauer über den Rücken, als Jaskier begann leise zu spielen, nur probehalber. Noch immer zitterten seine Finger, zwischendurch strich er sich das Haar aus dem Gesicht.

Entspannt schloss Geralt die Augen, atmete, rief ein, konzentrierte sich einzig auf das Spiel, die Töne, die die Anspannung von ihm bröckeln ließen, sowie der nun gleichmäßige Herzschlag Jaskiers. Erneut lächelte er.




//
Das hat eindeutig zu lange gedauert und ich war viel zu viel offline! Ich entschuldige mich aufrichtig und es wird demnächst hier wieder mehr los sein! Natürlich wird jedes Review beantwortet werden und ich bedanke mich herzlich bei allen die in der Zwischenzeit auf diese Story gestoßen sind! <333
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast