Auf der Spur oder Solomonaris Erben

GeschichteKrimi / P12
Bill Weasley Charlie Weasley Draco Malfoy Luna Lovegood Rolf Scamander
19.06.2020
27.09.2020
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24.07.2020 1.942
 
Moin :)
Das Vorwort fällt heute etwas knapper aus (meine To-do-Liste umfasst immer noch viel zu viele Punkte angesichts der Tatsache, dass ich in vier Stunden schlafen sollte, urgh), deshalb nur: viel Spaß mit dem Kapitel. :)


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Einen Vorteil, den die Grimmfieber-Pandemie mit sich gebracht hatte, war die Tatsache, dass Kamingespräche ins Ausland günstiger geworden waren und das System für Flohnetzwerktelefonie ausgebaut worden war. Natürlich funktionierte das aus dem rumänischen Nichts immer noch nicht so gut wie beispielsweise aus England, aber man verstand das Gegenüber mittlerweile besser, man sah sich durchaus auch und der Empfang brach ebenfalls nicht mehr ständig ab.
Für heute hatte Charlie sich mit Bill für ein Telefonat verabredet. An sich war er sehr glücklich mit seiner selbstgewählten Einsamkeit hier in Rumänien und das Zusammenwohnen und -arbeiten mit Corneliu sorgte auch dafür, dass er nicht anfing, irgendwelche Selbstgespräche zu führen - zumindest nicht so viele, dass es bedenklich wurde. Aber seine Geschwister vermisste er schon manchmal und er fand es schade, dass er von ihren Leben so wenig mitbekam, aber in England sein wollte er auch nicht unbedingt. Zu Besuch immer gerne, aber trotzdem hatte er das Gefühl, in der Nähe seiner Familie, insbesondere seiner Mutter, nicht atmen zu können. Ihre Nachfragen, ihre Fürsorge, ihr Beschützerinstinkt, all das nahm ihm die Luft. Eigentlich hatte er sich nur für eine Zeit davon befreien wollen, als er direkt nach dem Schulabschluss nach Rumänien gegangen war. Und dann war er geblieben. Weil er hier mehr er selbst sein konnte.
Corneliu war irgendwo im Gelände unterwegs, deshalb hatte Charlie die Wohnung für sich. Er machte es sich gerade mit einem Kissen und einem Becher Kakao, er mochte keinen Tee, auf dem Boden gemütlich, als Flammen im Kamin aufloderten und dann Bills Kopf erschien.
„Bill!“, sagte er, beugte sich vor, damit er seinen Bruder besser sehen konnte. Charlie liebte all seine Geschwister, aber Bill fühlte er sich besonders nah und das lag nicht nur an ihrem geringen Altersunterschied von zwei Jahren. Das war schon immer so gewesen, da konnten auch fast zweitausend Kilometer Luftlinie nichts dran ändern.
„Charlie, hey.“ Bills Stimme klang ähnlich euphorisch wie Charlie sich auch fühlte. Aber er sah müde aus, dunkle Schatten unter den Augen und sie leuchteten nicht so blau wie sonst.
„Geht es dir gut?“, fragte Charlie besorgt. Sofort fragte er sich, ob vielleicht etwas mit Fleur oder mit den Kindern war. Ob er sich mit ihr gestritten hatte.
Bill nickte. „Ja, an sich schon. Hab nur die letzten Tage viel über Akten gebrütet und immer noch das Gefühl, mich einfach nur auf der Stelle im Kreis zu drehen. Macht keinen Spaß, ist frustrierend und heute hat mein Chef schon etwas ungehalten nach den Ergebnissen gefragt.”“Er seufzte.
Charlie verzog mitleidig das Gesicht. Von Bills Chef hatte bisher nichts Gutes gehört. Er schien ziemlich unangenehm zu sein.
„Ich habe das Gefühl, es handle sich dabei um irgendwas… Illegales. Irgendwas wie Kunstraub oder so. Aber ich habe noch keinen Zusammenhang gefunden. Ich habe alle Verwendungszwecke untereinander geschrieben, weil Fleur vorgeschlagen hat, nach einem Muster zu suchen. Das einzige Muster hat die verschmierte Tinte auf meiner Hand hinterlassen.“ Er lachte auf, aber es klang nicht besonders glücklich. „Aber egal. Wie geht es dir?“
Charlie zögerte einen Moment und musste an das ungute Gefühl denken, das sich zwischen seinen Schulterblättern eingenistet hatte und ihn von Zeit zu Zeit stach und an die Sache mit den Drachen erinnerte. Als ob er die Sache mit den jungen Drachen vergessen könnte. Wenn er nachts im Bett lag und die Augen schloss, waren sie wieder da. Die getöteten, misshandelten Drachen. Er hatte sich bisher nicht getraut, mit Corneliu darüber zu reden. Hatte Angst, dass ihn der Rumäne nicht ernst nahm, sich vielleicht sogar über ihn lustig machte. Bisher hatte Charlie sich nicht für so sensibel gehalten. „Keine neuen Verbrennungen“, sagte er stattdessen lahm.
„Mum wäre sehr stolz“, sagte Bill und grinste, aber das Grinsen verschwand quasi sofort wieder. „Nein, wirklich. Wie geht es dir, Charlie?“
Es war schrecklich, dass er vor Bill nichts verbergen konnte, noch nie. Manchmal war die schlechte Kaminverbindung schon ein Segen gewesen.
„Mehr Schlaf wäre gut“, sagte er, zögernd und ausweichend, während er überlegte, was er Bill noch sagen konnte, ohne ihn noch mehr zu beunruhigen. „Uns ist vor ein paar Tagen ein Gelege gestorben. Drei Drachen, ungefähr drei Monate alt“, antwortete er dann.
„Oh verdammt! Wisst ihr schon, was passiert ist?“
Charlie schüttelte den Kopf. „Nein, noch nicht.“ Das war nicht gelogen. Es war auch nicht die Wahrheit, denn die Drachen wurden umgebracht, aber gelogen war es nicht, denn Charlie und Corneliu wussten wirklich nicht, was da passiert war. Und obwohl sie das dringend herausfinden mussten, um zu verhindern, dass es noch einmal passierte, war er sich nicht sicher, ob er das überhaupt wissen wollte.
„Soll ich dir einen Schlaftrank schicken?“, fragte Bill nun.
„Nicht nötig, aber danke“, antwortete Charlie. Er wollte keinen Schlaftrank, nicht allzu tief zu schlafen kam ihm in dieser Angelegenheit sicherer vor. Falls die toten Drachenkinder auch in seinen Träumen auftauchten.
„Okay.“
Stille. Irgendwie bereute Charlie dieses Gespräch. Er wusste nicht, was er sich davon erhofft hatte, hatte doch eigentlich nur seinen Bruder vermisst, aber nicht das. Aber gut, wenn er nicht über sich selbst reden wollte, hätte er sich lieber mit Percy unterhalten sollen, da wäre das Risiko deutlich geringer gewesen.
Bill sah nicht so aus, als hätte er dieses Gespräch als besonders zufriedenstellend empfunden. Eher so, als überlege er, wie er eine Sache am besten zur Sprache brachte, da war nämlich diese verräterische Falte zwischen seinen Augenbrauen, die immer nur dann auftauchte. Aber dann drehte er den Kopf zur Seite, sagte irgendwas nach außerhalb des Kamins.
„Die haben schon wieder was angestellt. Ich mache mir etwas Sorgen um die Katze und muss das kurz klären, Fleur ist nicht da“, sagte Bill und klang ziemlich genervt. „Ich kann dich sonst heute Abend noch mal kontaktieren?“
Charlie schüttelte den Kopf. „Nee, nicht notwendig. Danke.“ Irgendwie wollte er nicht noch weiter mit Bill reden.
Dieser musterte ihn einen Moment. „Ich schick dir die Tage ne Eule, okay?“
„Ist in Ordnung. Und jetzt guck nach der Katze.“
Nur Sekunden später war Bills Kopf verschwunden. Und Charlie hatte nicht das Gefühl, sich jetzt besser zu fühlen.


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Sie hätten mit der Katze noch warten sollen, bis die Kinder etwas älter und vernünftiger waren, aber dafür war es nun zu spät. Sie konnten ja schlecht die arme Katze wieder abschaffen.
Etwas genervt, da er gerne noch länger mit Charlie gesprochen hätte, verließ Bill das Haus, denn die Geräusche waren von draußen gekommen. Eigentlich konnte man diese Kinder keinen Moment unbeaufsichtigt lassen, aber den Fehler machte er immer wieder.
Louis und Dominique waren nirgendwo zu sehen, dafür war das Maunzen nun aber sehr deutlich zu hören. Bill eilte ums Haus herum und stoppte abrupt, als er das Tier sah. Normalerweise war die Katze sehr weiß und sehr fluffig - jetzt war sie gerade vor allem eins: sehr, sehr nass. Und sie befand sich auf dem Dach, ganz oben auf dem Giebel, wo sie definitiv nicht alleine hingekommen war.
Die Situation war eindeutig - irgendeines seiner Kinder, vermutlich Dominique, hatte einen Magiestoß gehabt, denn anders wäre die Katze auch nicht aufs Dach gekommen. Die Nässe… das konnte auch ohne Magie passiert sein.
„Accio Lucky!“ Bill richtete den Zauberstab auf die Katze, die daraufhin empört fauchend durch die Luft getragen wurde und vor seinen Füßen abgesetzt. Schnell trocknete Bill Lucky auch noch durch Magie, weil er den Geruch von nasser Katze sehr eklig fand, insbesondere seitdem Lucky sich irgendwann mal pitschnass auf dem Kopfkissen eingerichtet hatte. Kaum war die Katze trocken, flüchtete sie ins nächste Gebüsch. Bill konnte es ihr nicht verübeln, dass sie nicht ins Haus wollte, nachdem die Kinder sie so gepiesackt hatten. Er selbst kehrte nach drinnen zurück und ging schnurstracks nach oben, um Dominique und Louis zur Rede zu stellen.
Sie waren beide in ihren Zimmern - Dominique malte hingebungsvoll ein Bild, Louis spielte mit seinen kleinen Besen, aber sie mussten das beide unterbrechen und sich auf Louis’ Bett setzen.
Dominique begann sofort zu jammern, dass sie weitermalen wollte, aber Bill unterbrach sie: „Was habt ihr mit Lucky gemacht?“
„Nichts!“, kam prompt die Antwort. „Wir haben nichts mit Lucky gemacht!“
Bill zog die Augenbrauen hoch, fixierte erst seine Tochter, dann seinen Sohn. „Ach ja? Und wieso war Lucky pitschnass und auf dem Dach?“, wollte er wissen.
„Keine Ahnung, vielleicht ist er raufgeklettert?“, sagte Dominique trotzig und verschränkte die Arme vor der Brust. Ein bisschen erinnerte sie ihn an Ginny früher.
„Er kann nicht bis ganz oben geklettert sein. Und wie hätte er dabei so nass werden sollen?“ Ein wenig unangenehm war es Bill schon, dieses Gespräch zu führen, auch weil er das Gefühl hatte, seine Kinder nicht so recht unter Kontrolle zu haben, auf Fleur hörten sie viel besser. Irgendwie passierten solche Dinge auch immer nur, wenn seine Frau nicht da war. Aber vielleicht bekam er sonst auch nicht so viel davon mit.
„Daddy, was soll das? Ich will malen! Wir haben nichts mit Lucky gemacht“, nörgelte Dominique.
„Ich habe euch schon so oft gesagt, dass ihr Lucky in Ruhe lassen sollt“, sagte Bill und sammelte seine gesamte Autorität zusammen. „Wenn ihr mir nicht sagt, was ihr mit ihm gemacht habt, ist der Schokofrosch heute Abend ersatzlos gestrichen.“
„Daddy!“, schrien beide Kinder jetzt unisono. Sie bekamen nicht allzu oft Süßigkeiten, deshalb war diese Androhung an sich eine wirksame, aber trotzdem bekam er keine Antwort, sie beteuerten nur weiterhin, nichts mit der Katze zu schaffen gehabt zu haben. Also bekamen sie später auch keinen Schokofrosch.

Bill hatte keine Ahnung, wie der Brief auf den Tisch gekommen war. Er hatte keine Eule gesehen oder gehört, noch dazu waren sämtliche Fenster geschlossen gewesen, also konnte auch keine in die Küche geflattert sein und den Umschlag dort fallengelassen haben. Aber er war neugierig. Als erstes musterte Bill den Umschlag. Dabei handelte es sich um einen ganz gewöhnlichen Briefumschlag, ungewöhnlich war eher die Tatsache, dass er nicht beschriftet war. Bill öffnete den Umschlag trotzdem und zog ein einzelnes Blatt Pergament hervor, das in der Mitte gefaltet war.
Weasley - falls du deine Katze nicht noch ganz anders finden willst, lass es. Wir haben dich im Blick.
Ein ganz kleines bisschen amüsiert war Bill schon. Ein Drohbrief. Jemand hatte ihm einen Drohbrief geschickt. Er konnte sich nicht so recht vorstellen, wieso er einen Drohbrief bekommen sollte. Wegen seiner aktuellen Aufgabe bei der Arbeit? Aber warum ausgerechnet bei dieser? Ja, die Sache mit den ganzen Überweisungen schien nicht ganz sauber zu sein, aber sein ganzes Arbeitsleben beschäftigte er sich schon mit illegalen Dingen und einige Sachen waren ihm deutlich krummer vorgekommen und da hatte er er auch keine Drohbriefe bekommen.
Es war merkwürdig und es weckte seine Neugierde noch mehr, aber auch Unwohlsein. Irgendwem passte etwas nicht an ihm - was nicht das erste Mal war - aber derjenige war hier gewesen, hatte die Finger an Lucky gehabt und irgendwie diesen Brief auf den Küchentisch bekommen. Bill schauderte kurz. Er wohnte nicht alleine hier, das machte ihm Sorgen. Fleur und die Kinder wohnten ja ebenfalls hier. Fleur konnte sich wehren, das hatte sie in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, doch was war mit Dominique und Louis? Jetzt war nur Lucky auf dem Dach gewesen, nass, aber ansonsten unversehrt. Aber beim nächsten Mal? Sofern es ein nächstes Mal gab? Bill wollte die Situation nicht überbewerten, aber trotzdem hatte ein Drohbrief auf seinem Tisch gelegen. Er würde Fleur um Rat fragen müssen. Und vielleicht die Schutzzauber auffrischen und verstärken. Nur um sicher zu gehen.


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