Auf der Spur oder Solomonaris Erben

GeschichteKrimi / P12
Bill Weasley Charlie Weasley Draco Malfoy Luna Lovegood Rolf Scamander
19.06.2020
20.10.2020
18
40.371
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Dieses Kapitel
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26.06.2020 1.382
 
Hallo und herzlich willkommen zum zweiten Teil unseres Krimis!
Vielen Dank an all unsere Leser*innen - sowohl an die neuen als auch an die treuen von unserer letzten Fanfiction, die voller Vertrauen auch schon Empfehlungen ausgesprochen haben. :)
Wünsche und Anregungen können jederzeit mitgeteilt werden, aber natürlich auch Kritik.
Viel Spaß mit dem nächsten Teil!


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„Charlie?“
Charlie sah von dem Drachenhalfter auf, das er gerade reparierte. Corneliu stand in der Tür ihrer Wohnung, sein Blick war merkwürdig. Irgendwie… besorgt. Sorge stand ihm nicht besonders gut, war ungewohnt. Denn selbst wenn Corneliu besorgt war, sah man es ihm im Normalfall nicht an. Dann wanderte nur eine Augenbraue steil nach oben, verschwand fast unter dem wirren dunklen Haar, das ihm bis in die Stirn hing.
„Ich war gerade bei dem Drachennest, wo die jungen Drachen vor einem Vierteljahr geschlüpft sind und ich glaube, das solltest du dir dringend mal ansehen.“
Charlie legte die Sachen weg und stand auf. Er vertraute auf das Urteil Cornelius, der ebenfalls ein erfahrener Drachenforscher war, ein paar Jahre älter als er selbst, darüber hinaus arbeiteten sie schon seit einigen Jahren zusammen.Und wenn Corneliu sagte, er solle sich dringend etwas ansehen, dann war es auch auf jeden Fall dringend.
Im Flur zog er sich die Stiefel an, seine Wind-und-Wetter-Jacke, nahm die Tasche, die er im Gelände immer dabei hatte. „Fliegen wir oder kennst du die genaue Stelle zum Apparieren?“
„Apparieren“, sagte Corneliu knapp und Charlie packte dessen Arm, bevor sie mit einem Plopp verschwanden.

Sie waren mit sicherem Abstand zu dem Drachennest gelandet, aber die großen Drachen waren gerade ohnehin nicht da.
Charlie warf Corneliu einen Blick zu.
„Näher ran“, sagte dieser. „Die Mutter wird nicht wiederkommen.“
Charlie musterte seinen Kollegen noch einen Moment, dann setzte er sich in Bewegung. Langsam und vorsichtig, immerhin näherte er sich gerade einem Drachennest, die Eltern konnten jederzeit wiederkommen und auch dreimonatige Drachen konnten schon Schaden anrichten. Das war die Zeit, in der sie ihr Feuer entdeckten und er wollte ungern dabei in der Schusslinie stehen.
Die drei Jungtiere lagen in ihrem Nest, wie sie es für gewöhnlich taten.
„Ich weiß nicht, was du meinst“, sagte Charlie, aber in dem Moment wusste er es doch. Beziehungsweise erst sah er es und es dauerte einige Sekunden, bis sein Hirn realisierte, was er da gerade sah. Die jungen Drachen waren tot.
Er eilte die letzten zehn Meter auf das Nest zu, aber es änderte nichts daran, es lagen drei tote, junge Drachen darin. Jemand hatte sie erschlagen und dann ihre Leiber aufgeschlitzt.
Ihm wurde schlecht, aber trotzdem beugte er sich über die Kadaver. Charlie konnte nicht verstehen, warum das jemand tat, und er wollte auch nicht wissen, warum das jemand tat. was für ein Mensch das war, der junge Drachen umbrachte, aber gleichzeitig wollte er es auch unbedingt wissen, um das gleiche bei dieser Person zu machen, ihr das gleiche anzutun. Oder den Cruciatus-Fluch verwenden. Charlie erkannte diese Gedanken kaum als seine eigenen, so wütend war auf den- oder diejenigen, die die Drachen getötet hatten. Die mit der Absicht hergekommen waren, die Drachen zu töten.
„Wer macht sowas?“, fragte er, aber seine Stimme brach dabei.
„Grausame Menschen“, sagte Corneliu und schob ihn sachte beiseite, beugte sich dann über einen der Drachen. „Sie haben etwas herausgeschnitten. Die Leber. Und… ich glaube die Nieren?“
Charlie beugte sich nun ebenfalls über eine der klaffenden Wunden, musste dabei aber den Würgereiz unterdrücken. „Ja. Und sie haben das Blut abgezapft. Alles… was wertvoll ist an jungen Drachen. Hörner haben sie ja noch keine“, sagte Charlie tonlos.
Er hatte keine Ahnung, was sie nun tun sollten. Es hatte sich jemand ins Reservat geschlichen, der es auf die jungen Drachen abgesehen hatte. Und nun hatte Charlie Angst um die anderen Drachen.
Er wandte sich vom Nest ab und stolperte hinter die nächsten Büsche. Corneliu wartete immerhin höflich, bis Charlie sein Wiedersehen mit dem Mittagessen hinter sich gebracht hatte.


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Bill konnte es nicht verleugnen; er liebte es,  jeden Morgen wieder auf die Arbeit gehen zu können. Zwar hatten sogar die Kobolde ihre Einstellung zum Thema Homeoffice geändert und viele in seinem Kollegium hatten das Angebot dankend genutzt und arbeiteten häufiger von zu Hause. Aber Bill gehörte nicht dazu. Victoire schien vergessen zu haben, dass sie noch Eltern hatte und schickte höchstens einmal die Woche einen Brief aus Hogwarts. Die beiden kleinen, die zu Bills Leidwesen auch nicht mehr so klein waren, gingen auch wieder normal zur Schule. Eigentlich fand er es ganz angenehm wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben, wo jedes Familienmitglied nach dem Frühstück das Haus verließ und zur Arbeit oder in die Schule ging. Mit der Geburt von Dominique hatte Bill sich auch wieder in die Londoner Zentrale zurückversetzen lassen, diesmal nicht nur als Tarnung, sondern um den geregelten Tagesablauf eines Bankers zu haben - denn Fluchbrecher hatten leider nicht immer pünktlich um fünf Feierabend. Seine Arbeitsstelle trug eindeutig zu einem harmonischeren Familienleben bei und er hatte die Entwicklung seiner Kinder besser miterleben können als er es sonst aus der Ferne hätte tun können. Fleur und die kleine Victoire waren zwar bei ihm in Ägypten gewesen, aber er hatte gemerkt, dass seine Frau dort nicht glücklich gewesen war. Und eine unglückliche Fleur war nur schwer zu ertragen. Aber auch davon abgesehen wollte er sie unbedingt glücklich machen.

„Mister Weasley, Sie sollen sofort in das Büro von Drystan kommen“, ertönte eine piepsige Stimme. Bill blickte verwundert über seinen Schreibtisch hinweg und sah eine kleine Koboldin, die ihn streng ansah. Es war die Sekretärin seines Chefs und er hatte sie wie so häufig nicht kommen hören. „Ich habe meinen Bericht aber noch nicht fertig“, erwiderte Bill. Die Ansage war schließlich gewesen, dass er das Büro erst verlassen sollte, wenn er ihn zu Ende gebracht hatte. Die Koboldin schüttelte mit dem Kopf. „Das ist egal, Sie sollen jetzt kommen, es ist wichtig, der Bericht kann warten. Wenn er morgen erst fertig wird, ist das auch okay“, kommentierte sie seinen Einwand und verschwand. Bill wusste nicht, ob er irritiert oder amüsiert sein sollte, schließlich liebten die Kobolde ihre Berichte, was ihn bereits häufiger in den Wahnsinn getrieben hatte. So schnell wie teilweise gewünscht, konnte man gar nicht alles zu Papier bringen. Er schloss das Tintenfass und verließ sein Büro.

Sein Chef thronte auf seinem Sessel und sah ihn prüfend an. „Schließend Sie bitte die Tür“, forderte er Bill auf. „In den vergangenen Stunden hat sich ein Problem aufgetan und ich möchte Sie bitten, diesen nachzugehen.“
Wie gebeten schloss Bill die Tür und sah seinen Chef interessiert an. „Was ist passiert?“ Wenn er ihn sogar von einem Bericht wegholen ließ, musste die Lage ernst sein.
„Wir haben auf einigen Konten nicht nachvollziehbare Transaktionen festgestellt. Extrem hohe Beträge wurden in letzter Zeit überwiesen, jedoch halten nicht alle Überweisungen einer näheren Betrachtung stand. Da es sich dabei um sehr hochrangige Kunden handelt, werden wir mögliche Prüfungsverfahren diskret und zügig durchführen müssen. Sie werden die nächsten Tage von Ihrer eigentlichen Arbeit freigestellt und überprüfen bitte alle Unterlagen, die ich Ihnen zukommen lasse, sichten und kontrollieren. Notieren Sie mögliche Ansätze, wie wir zu Erkenntnissen kommen, ohne den Datenschutz zu vernachlässigen.“
Damit war das Treffen auch schon beendet und Bill verließ ohne weitere Infos das Büro seines Chefs. Aber dieser hatte auch nicht gewirkt, als hätte er es näher ausführen wollen, weshalb Bill auch auf weitere Nachfragen verzichtet hatte. In der Vergangenheit hatte er schon mehrfach feststellen müssen, dass man ihm kein weiteres Wort entlocken konnte als das, was der Kobold selbst sagen wollte.

Auf seinem Schreibtisch lagen bereits einige Zettel, die er schnell überflog. Auf den ersten Blick sah es wie normale Kontoauszüge aus, die ihren Datenschutzrichtlinien entsprechend nicht ins Detail gingen. Bill blätterte die Papiere durch und war überrascht, was für Summen dort benannt wurden. Innerhalb eines kurzen Zeitraums waren teilweise im vierstelligen Bereich Galleonen durch die Gegend geschoben worden.
Die Tür zu seinem Büro ging auf und die piepsige Koboldin wuchtete eine riesige Ledermappe auf seinen Schreibtisch. „Die restlichen Unterlagen, Mr. Weasley. Bitte prüfen Sie diese umgehend und berichten Drystan unverzüglich davon. Schönen Tag noch.“
Bill musterte die Mappe, die von einer Kordel zusammengehalten wurde. Anscheinend hatte man ihn nun zum Aktenprüfer degradiert.


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