Jorahs Fluch - Daenerys Targaryen

GeschichteRomanze / P18
Daenerys "Dany" Targaryen Jorah Mormont
19.06.2020
05.08.2020
50
133.502
2
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
01.08.2020 3.755
 
Der Schlaf am vergangenen Abend war nicht leicht gekommen und hatte auch nicht lange angehalten. Es schien, als hätte er gerade erst seine Augen geschlossen, da klopfte es schon wieder an der Tür.

Er öffnete seine Augen und musste feststellen, dass es schon ziemlich hell in dem Zimmer war.

Müde, wie er war, vergaß er seine Wunden und rappelte sich auf, um zu der Tür zu gehen. Er verkrampfte sich kurz und griff sich reflexartig an den Bauch. Dieser Schmerz wurde auch noch von einem stetigen Hämmern in seinem Kopf begleitet.

Es klopfte erneut.

„Ich bin gleich da!“

Genervt vergrub er sein Gesicht in seinen Händen, überwand sich ein Hemd anzuziehen und ging zur Tür. Mürrisch riss er sie auf und starrte in das Gesicht seiner Königin.

Oh…

Er errötete leicht und kratzte sich verlegen an seinem Hinterkopf.

„Was-was gibt es?“

Sie sah ihn mit großen Augen an.

Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass er noch schlief.

„Ich w-wollte Euch sagen, dass wir uns zu einem Treffen versammeln. I-ich meine, Ihr seid zwar nicht mehr mein Ritter, aber-.“

Sie verstummte, als er ihr eine Hand auf die Schulter legte.

„Ich werde immer Euer Ritter sein.“

Es war alles an Intimität, was er aufbringen konnte.

Konnte man das überhaupt Intimität nennen?

Daenerys blinzelte, ihre Augen wurden glasig und sie murmelte:

„Verzeiht mir…“

Er konnte nicht mehr tun, als ihr zuzusehen, wie sie die Tränen wegwischte.

„Es ist nur… ich habe Viserion endgültig verloren und jetzt auch noch Euch und… ich weiß einfach nicht, was ich machen soll“, den letzten Teil lachte sie halb, doch wurde das von Schluchzern durchzogen.

Er konnte nicht anders, als sie so anzusehen.

„Ihr habt mich nicht verloren, Khaleesi. Ich bin noch hier. Ich bin noch hier…, weil Ihr mich nicht habt gehen lassen.“

Er runzelte seine Stirn.

„Sozusagen verdanke ich Euch mein Leben.“

Daenerys lächelte daraufhin schniefend und verschränkte ihre Arme.

„Ich ähm…“

Sie schüttelte leicht ihren Kopf und sah ihn wieder an.

„Ich wollte Euch eigentlich nur fragen, ob Ihr mit mir zu dem Treffen gehen werdet.“

„Natürlich werde ich das! Sie werden sicher alle den Lord der Bäreninsel brauchen...“

„Nun… ich brauche ihn tatsächlich.“

In der kurzen Stille, die nach diesen Worten folgte, erwiderten beide einfach nur den Blick des anderen. Ohne Hintergedanken, ohne Verlangen… lediglich Vertrauen spiegelte sich darin wider.

„Wann ist das Treffen?“, überwand sich Jorah dann zu fragen und durchbrach so den Bann.

„Jetzt“, kam die Antwort beinahe etwas kleinlaut.

„Oh…“

„Ja…“

„Nun, dann sollte ich mir wohl etwas anderes anziehen.“

Er wollte sich abwenden, doch Danys Hand legte sich auf seinen Oberarm und hielt ihn auf.

„Ich bin mir sicher die anderen würden es verstehen, wenn Ihr Euch nicht herausputzt.“

„Khaleesi“, gab er entrüstet von sich.

„Ich bin Lord.“

Sie gluckste.

„Na gut, ich werde hier auf Euch warten.“

„Das müsst ihr nicht.“

„Trotzdem.“

Er seufzte.

„Also gut, aber wenn wir zu spät kommen, ist es nicht meine Schuld.“

„Sie werden schon auf ihre Königin warten können.“

„Hoffen wir es… der erste Treuebeweis. Die Geduld.“

Sie mussten beide lachen und es wurde ihm warm ums Herz.

Wie sehr er ihr Lachen vermisste…

„Also gut… ich sollte mich vermutlich dennoch beeilen.“

Sie schmunzelte nur als Antwort und lehnte sich mit der Schulter gegen die Mauer, um zu warten. Er erwiderte noch kurz ihren Blick und verschwand dann wieder in seiner Kammer.

Er wusch sich sein Gesicht, brachte sein Haar etwas in Ordnung und schaffte es sich relativ schnell den Waffenrock anzuziehen, wobei er den Waffengurt wegließ, da sich genau an der Stelle, seine Verletzungen befanden.

Als er jedoch zu dem Punkt kam, an dem er sein Hemd zuschnüren musste, versagte sein linker Arm kläglich. Er versuchte es nochmal im Sitzen, doch auch in der Haltung schmerzte es zu sehr.

Na toll…

Er hatte keine Zeit irgendwen um Hilfe zu fragen, außer… nein.

Er sah zur Tür und ließ seine Schultern hängen.

„Warum passiert sowas immer mir?“

Immer noch vor sich hin quengelnd stand er auf und durchmaß den Raum.

„Also… das klingt vermutlich komisch, aber ich… kann mein Hemd nicht zuschnüren“, gestand er widerwillig, als er die Tür öffnete und Daenerys ihn fragend ansah.

Er konnte ihr nicht in die Augen sehen und starrte daher mit zusammengepressten Lippen auf den Boden vor sich.

„Könntet Ihr mir…“

„Natürlich.“

Sie hatte versucht ernst zu klingen, jedoch kläglich versagt, wodurch dem Ritter schon wieder die Röte ins Gesicht schoss.

Er wandte sich wortlos ab und wartete, dass sie auch in seine Kammer kam, was sie kurz nach ihm tat. Sie schloss die Tür und trat etwas näher an ihn heran.

„Also…“

„Ich weiß, wie man ein Hemd zuschnürt, Lord Mormont.“

Er schloss seinen Mund wieder und sah ihr zu, wie sie die Enden der Schnürchen ergriff und zusammenband. Dabei fiel ihr Blick auf seine nackte Brust und er hörte sie erschrocken einatmen.

„Was… ist Euch dort passiert?“

Vorsichtig fuhr sie mit ihrer Hand über seine Narben, wodurch sein Atem etwas flacher wurde. Es war kläglich, wie leicht sie ihn erregen konnte.

„Dachtet Ihr etwa, die Grauschuppen wären einfach so verschwunden?“, überwand er sich mit zittriger Stimme zu fragen.

„Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich-ich war einfach nur froh, dass Ihr geheilt seid“, erklärte sie und sah ihm wieder in die Augen.

„Wie hat man Euch geheilt.“

„Sam… Samwell Tarly hat mich behandelt.“

„Tarly?“

„Ja.“

Kurze Stille.

„Ich sollte mich bei ihm entschuldigen…“

„Er ist in der Schlacht gestorben.“

Vielleicht hätte er das nicht so direkt sagen sollen, aber nun war es zu spät.

„Von ihm hatte ich Herzbann…“

Daenerys war noch immer sprachlos, fand aber langsam ihre Worte wieder.

„Und wie hat er Euch behandelt?“

„Ihr wollt das nicht-.“

„Doch, ich will es wissen.“

Er seufzte.

„Meine Obere Hautschicht wurde entfernt und dann mit irgendeiner Paste behandelt.“

Ihr Mund klappte auf.

„Ihr wurdet gehäutet?“

„Naja, ich würde es nicht häuten nennen-.“

„Eure Haut wurde entfernt! Das kann man sehr wohl häuten nennen!“, brauste sie auf und biss sich auf ihre Unterlippe, als sie merkte, wie laut sie das gesagt hatte.

„Wie habt Ihr das überlebt? Wie habt Ihr die Schmerzen ertragen?“

„Nun, ich… habe an Euch gedacht.“

Ihre violetten Augen weiteten sich etwas und sie errötete.

Er fuhr sich verlegen durch sein Haar.

„Ähm… tut mir leid, falls das unangemessen war.“

„Nein… War es nicht.“

Wieder herrschte kurzes Schweigen.

„Braucht Ihr meine Hilfe noch oder…?“

„Äh, ja, bitte. Ich muss mein Wams irgendwie anziehen.“

Er ergriff das Leder und hielt es unschlüssig fest. Sie nahm es ihm jedoch etwas sicherer aus der Hand und hielte es so, dass er mit seinem linken Arm durchschlüpfen konnte.

„Dreht Euch um.“

Er tat wie ihm geheißen und mit ihrer Hilfe schaffte er es tatsächlich beide Arme durch die entsprechenden Löcher zu bringen. Er drehte sich wieder zu ihr und sie schnürte ihm auch das Wams zu.

„Danke“, murmelte er, während sie noch damit beschäftigt war.

„Nichts zu danken… Ihr habt mein Leben mehr als nur einmal gerettet, da werde ich Euch doch wohl helfen können.“

„Nein, ich meine es ernst, Daenerys,-.“

Er hatte nicht beabsichtigt ihren Namen zu sagen. Er war ihm einfach so über die Lippen gekommen! Auch sie hatte kurz innegehalten und fuhr dann einfach nur fort.

„…w-was ich sagen wollte…“

„Ich weiß. Und ich bin froh, dass ich Euch helfen konnte“, erlöste sie sein Gestotter und legte ihm eine Hand an die Wange.

„Wollt ihr den Verband noch abnehmen?“

„Ich weiß nicht, ob ich das darf…“

„Seit wann kümmert Euch das?“

Er gluckste.

„Guter Punkt…“

„Sieht es schlimm aus?“

„Ich vermute es.“

Ohne zu zögern löste sie den Knoten und wickelte den Verband ab. Sowie sie die Wunde sah, hörte sie auf.

„Bin ich ein zweiter Tyrion?“, lächelte er.

„Nicht ganz…“, erwiderte sie und machte weiter.

„Noch schlimmer?“, fragte er mit leichtem Entsetzen in der Stimme.

Sie ergriff wortlos einen Spiegel und überreichte ihm diesen, woraufhin er ihr einen verunsicherten Blick zu warf und dann in das Glas sah.

Er zog erschrocken die Luft ein.

Von seiner rechten Ohrmuschel fehlte die untere Hälfte und sein Gesicht… Hätte die Klinge ihn etwas weiter rechts erwischt, wäre er vermutlich tot, da sie sich direkt durch sein Gesicht gebohrt hätte. Die Wunde an seiner Backe war allerdings nicht so schlimm, wie erwartet.

Er ließ den Spiegel wieder sinken und sah in Danys geschocktes Gesicht.

„Es tut mir so leid“, hauchte sie, ihre Hände aneinandergeklammert.

Jorah schüttelte leicht seinen Kopf.

„Ich muss nicht gut aussehen, um Euch zu beschützen, Khaleesi. Wir sollten jetzt wirklich gehen.“

„Ihr… Ja, das sollten wir.“

Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und öffnete die Tür, um sie ihr aufzuhalten.

„Nach Euch, Euer Gnaden.“

Er lief schweigend neben ihr und ging dorthin, wo sie hinging. Daenerys schien allerdings etwas zu beschäftigen und als sie vor dem Raum ankamen, hielt sie es nicht mehr aus.

„Jorah, hört zu, das zwischen mir und Jon…“

„Ich weiß schon…“, murmelte der Ritter und drückte einfach die Tür auf.

Er hatte keine Lust mit Daenerys darüber zu reden.

„Nein, ich-.“

Sie verstummte gezwungenermaßen, da sie nun vor den anderen standen.

„Euer Gnaden! Wir haben nach Euch suchen lassen! Niemand wusste, wo Ihr seid! Ihr seid viel zu-.“

Tyrion bemerkte Jorah hinter Daenerys und ihm fehlten wohl die Worte. Ob das so war, weil ihm ein Licht aufgegangen war oder die Wunde von dem Lord ihn erschreckt hatte, wusste dieser nicht.

„Verzeiht mir meine Verspätung“, entschuldigte sie sich und trat an den Tisch heran, Jorah neben ihr.

Niemand fragte, was er hier machte und er war dankbar dafür.

Als er in die Runde sah, musste er traurigerweise feststellen, dass sie ziemlich geschrumpft waren.

Nur Daenerys, Tyrion, Missandei, Jon, Sansa, Davos, Gendry, Tormund, Podrick und Yohn Rois waren hier. Es fehlten Theon, Brienne, Bran, Arya, Sam und Grauer Wurm.

Keiner der Anwesenden schien glücklich. Sie alle hatten schwere Verluste hinnehmen müssen.

„Wie groß ist der Verlust der Unbefleckten?“, fragte Jon etwas angespannt und Daenerys seufzte.

„Ich habe noch keinen neuen Offizier ernannt. Allerdings wurde mir berichtet, dass es ungefähr die Hälfte seien.“

Jorah war überrascht.

Es hatten doch mehr überlebt, als erwartet.

„Von den Dothraki haben wir mehr verloren, vielleicht zwei Drittel, und viele haben keine Pferde mehr.“

„Ich weiß nicht, wie wir das Problem beheben sollen…“, entschuldigte sich Jon, doch Dany schüttelte nur ihren Kopf.

„Wir werden neue aus Essos kaufen müssen. Aber wie sieht es mit den Streitkräften des Nordens aus?“

Diesmal antwortete Sansa.

„Wir haben auch die Hälfte unserer Männer verloren. Allerdings sind auch alle Überlebenden sehr erschöpft und werden sich erst erholen müssen.“

„Ich fürchte, das wird nicht möglich sein“, entgegnete die Königin, ihre Stimme kalt wie Eis.

Der Ritter warf ihr einen überraschten Blick zu.

Erst jetzt fielen ihm die Blicke auf, die sich die beiden zuwarfen.

Ehe die andere etwas ebenso Kühles erwidern konnte, ergriff Tyrion das Wort.

„Euer Gnaden, dürfte ich anmerken, dass wir Königsmund nicht sofort angreifen müssen. Die Königslande werden sich Euch vermutlich von alleine zuwenden, so wie es der Norden getan hat. Der neue Fürst von Dorne hat sich uns erklärt und mir ist zu Ohren gekommen, dass Asha Graufreud in Eurem Namen die Eiseninseln zurückerobert hat. Gebt den Menschen etwas Zeit…“

Daenerys warf ihm einen harschen Blick zu.

„Mit jedem Tag, den wir warten, wird Cersei stärker. Bran hat uns allen von der Goldenen Kompanie berichtet und außerdem hat sie die Eiserne Flotte.“

Jorah hatte das Gefühl, er sollte etwas sagen, also fing er vorsichtig an.

„Natürlich habt Ihr Recht, Khaleesi. Cersei wird mit jedem Tag stärker, den wir warten. Aber was wollt Ihr gegen sie tun? Noch halten die Leute zu ihr, da sie glauben, dass sie nur das Beste will und ihr könnt das nicht ändern. Nur Cersei kann das, indem sie einen Fehler macht, der offenbart, was sie wirklich ist. Eine Tyrannin.“

„Wir sollen also einfach darauf warten, dass sich die Probleme von selbst lösen?“

„Wir können nichts anderes machen, so lange Ihr Euch nicht auf ihre Ebene herablassen wollt. Ihr müsst den Leuten zeigen, dass Ihr besser seid und nicht nur irgendeine Fremde, die die Königslande für sich beansprucht, weil sie es kann. Ihr wollt regieren, um den Menschen zu helfen und das Land zu einem besseren Ort zu machen.“

Stille trat ein, in der alle Daenerys ansahen und auf ihre nächsten Worte warteten.

„Also gut. Wir werden warten. In der Zeit können sich alle erholen und ich werde zurück nach Drachenstein reisen, doch sobald sich die Chance ergibt, will ich sie ergreifen und nicht wieder loslassen. Koste es, was es wolle.“

Jorah schluckte und senkte seinen Blick zu Boden.

Koste es, was es wolle…

Das klang nicht mehr nach Daenerys, doch er konnte nichts entgegnen, da sie von den anderen umgeben waren.

Jon nickte.

„Gut… ich denke, wir könnten Königsmund mit den Männern, die wir haben, belagern. Wenn irgendwer vom Land kommt, wird unsere Armee sie abwehren. Wenn die Eiserne Flotte etwas über den Schwarzwasser liefern will, zerstören die Drachen das Schiff.“

„Eine Belagerung? Jon, der Winter ist hier. Nur weil wir den Nachtkönig vernichtet haben, heißt das nicht, dass-.“

„Ich weiß, Sansa! Aber was hast du vor? Unsere Männer können sich etwas erholen und dann in den Süden ziehen, das war was du gefordert hast.“

„Ich habe mit einer Schlacht gerechnet! Wir haben nicht die Mittel für eine Belagerung im Winter. Unsere Männer werden erfrieren!“

„Lady Sansa…“, mischte sich Daenerys nun wieder ein.

„Was erwartet Ihr von mir? Der vergangene Sommer hielt sehr lange an, dem entsprechend haben wir das gleiche von dem folgenden Winter zu erwarten und denkt ihr wirklich ich werde einfach so zehn Jahre lang auf Drachenstein sitzen und warten, dass sich Eure Männer endlich in den Schnee trauen?“

Stille trat ein und Jorah glaubte, gleich von der Elektrizität gegrillt zu werden.

„Daenerys ist unsere Königin und wir werden tun, was sie uns befiehlt. Wir werden Königsmund belagern“, meinte Jon schließlich.

„Ich werde Euren Männern genug Zeit geben, sich von ihren Wunden zu erholen“, sagte Daenerys und wandte sich ab.

„Dann wird Königsmund zu unserer obersten Priorität.“

Sie ging aus dem Zimmer, Missandei und Tyrion folgten ihr. Jorah wollte sich ihnen anschließen, doch er wurde aufgehalten.

„Lord Mormont.“

Verwundert drehte er sich zu Sansa. Auch Jon warf ihr einen verwirrten Blick zu, verließ dann aber auch das Zimmer.

„My Lady?“

Was wollte sie von ihm?

Er hatte noch nie zuvor mit ihr Gesprochen… es überraschte ihn, dass sie überhaupt wusste, wer er war.

„Ich hatte gehofft, Euch für einen Moment sprechen zu können.“

„Natürlich… um was geht es?“

Irgendwie fühlte er sich alleine gelassen.

Ja, Sansa war gewiss zehn Jahre jünger als er, dennoch hatte sie ein Auftreten, dass sicherlich jeden im ersten Moment erstarren ließ.

„Ihr seid zwar der Königin untergeben, jedoch auch dem Wächter des Nordens.“

„Daran müsst Ihr mich nicht erinnern.“

„Gut, denn ich wollte Euch fragen: Wenn Ihr Euch entscheiden müsstet… würdet Ihr die Königin oder Euren Lord wählen?“

Er trat etwas näher an Sansa heran.

„Ich würde meine Königin wählen.“

„Egal, wer die Königin ist?“

„Daenerys wird immer die einzige Königin sein und ich würde immer sie wählen.“

Sansa nickte langsam.

„Also gut… Ihr könnt gehen…“

Er warf ihr einen letzten verwirrten Blick zu und wandte sich dann ab.

Was um alle sieben Höllen hatte Sansa damit erreichen wollen?








Er klopfte.

Jorah war fest entschlossen und wenn Jon sie begleiten wollte, konnte dieser das vergessen. Dieses Mal würde der Ritter nicht einfach zurücktreten.

„Kommt herein!“, erklang es gedämpft und er drückte die Tür auf.

„Khaleesi…“, begrüßte er seine Königin und trat ein.

Sie saß mit dem Rücken zu ihm gewandt und Missandei war gerade dabei ihr Haar zu flechten. Bei seiner Stimme drehte sie sich allerdings zu ihm.

„Ser Jorah.“

„Ich bin hier, um Euch zu den Drachen zu begleiten. Die Unbefleckten und Dothraki werden jeden Augenblick aufbrechen.“

Sie lächelte bei seinen Worten.

„Das ist nicht die Aufgabe eines Lords.“

„Das ist mir egal.“

Es sah fast so aus, als wollte sie ihm widersprechen… In seinem Kopf hörte er schon, wie sie irgendwas von Jon redete, doch dann drehte sie ihren Kopf nur wieder zurück, sodass Missandei ihr Werk beenden konnte und meinte: „Also gut. Ich bin gleich fertig.“

Er schmunzelte und sah ihrer Freundin zu.

Als sie fertig war, warf Daenerys ihr ein trauriges Lächeln zu.

„Bleib bei Tyrion… er wird auf dich aufpassen.“

„Danke, Euer Gnaden, aber ich denke, ich kann auf mich selbst aufpassen.“

Die beiden umarmten sich und Daenerys schritt zu Jorah.

„Also los, Lord Mormont. Geleitet Eure Königin zu ihren Kindern, denn ich bin mir sicher, dass ich Euren Schutz auf dieser langen Reise gebrauchen werde.“

Er verdrehte seine Augen und sie machten sich auf den Weg.

„Versprecht mir, dass Ihr nichts Unüberlegtes tun werdet, Khaleesi“, bat er, als sie gerade aus dem Südtor kamen und auf das Lager der Unbefleckten zuschritten.

„Was meint Ihr? Ich tue nie etwas Unüberlegtes.“

Er warf ihr einen skeptischen Blick zu.

„Bis jetzt war ich fast immer an Eurer Seite…“

„Nicht in Meereen.“

„Nun, ich würde auch nicht sagen, dass es in Meereen gut lief.“

Sie wollte etwas ebenso Bissiges entgegnen, doch entschied sich wohl um.

„Wir sollten nicht darüber streiten.“

Sie stritten doch gar nicht…

Das behielt er jedoch für sich und meinte auch nur:

„Ihr habt Recht. Verzeiht mir.“

Sie erwiderte nichts.

Er senkte seinen Blick betroffen und wünschte sich, nichts gesagt zu haben.

„Ich will doch nur… Ich will nicht, dass Euch etwas passiert. Westeros kann heimtückisch sein und Ihr kennt das Land noch nicht, ebenso wie das Land Euch. Ich denke, die Idee etwas zu warten, ist gar nicht so schlecht.“

„Ihr seid also auf Sansas Seite?“

Jorah blieb abrupt stehen und widerwillig hielt auch Daenerys an.

„Ich bin immer…“

Er trat etwas näher an sie heran ohne seine Augen von ihr zu nehmen.

„…immer auf Eurer Seite.“

Ihre Miene wurde etwas sanfter und sie murmelte etwas, das klang wie:

„Ich weiß…“

Als sie ihren Blick wieder hob und ihn ansah, bereute er es, so nah an sie herangetreten zu sein.

„Jorah, ich habe Tyrion und Missandei… Ich denke, die beiden werden mir helfen können.“

„Lasst Eure Gefühle nicht die Oberhand ergreifen, Khaleesi… bitte. Tut nichts, was Ihr danach bereuen könnten.“

Sie rollte ihre Augen und drehte sich um, um weiterzugehen.

„Daenerys, ich meine es ernst!“, rief er und hastete ihr nach.

„Und ich auch! Ich kann auf mich selbst aufpassen, Jorah… hört auf Euch, wie mein Vater zu benehmen!“, fuhr sie ihn an und bewirkte damit, dass ihm die Worte fehlten und er bedrückt zu Boden sah.

„Es ist nur… Ich habe das Gefühl, dass bald irgendwas Schlimmes passieren wird. Etwas wirklich Schlimmes.“

Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass sie ihm einen Seitenblick zuwarf.

„War die Schlacht denn nicht schlimm genug?“

„Natürlich war sie das…“

Er beschloss das Thema nicht weiter auszuführen. Es brachte nichts und außerdem war er vermutlich nur paranoid oder sowas geworden.

Sie verließen das Lager und den Königsweg. Man sah die Drachen schon aus der Ferne und Jorah musste bei ihrem Anblick einfach lächeln. Er hatte sie schon lange nicht mehr gesehen.

„Ich denke, sie haben Euch vermisst“, schmunzelte Daenerys, als sie seinen Gesichtsausdruck sah.

Sein Lächeln nahm bei ihren Worten etwas Trauriges an.

„Ich fürchte, sie werden mich für eine Weile nicht mehr sehen.“

Er schnaubte und fügte noch hinzu:

„Vermutlich werden sie mich bald vergessen.“

Sie hakte sich bei ihm ein und er versuchte nicht zu überrascht zu wirken. Er versagte.

„Ich denke nicht, dass sie Euch vergessen werden.“

Sein Herz krampfte sich zusammen…

Rhaegal hatte Jon auf sich reiten lassen. Es war wohl nicht so schwer ihn zu vergessen… Dennoch wollte er Daenerys Worten Glauben schenken und versuchte aufgeheitert zu wirken.

Die Drachen sahen sie zwar kommen, doch sie machten keine Anstalten sich auch nur zu bewegen. Sofort bildete sich ein Kloß in seinem Hals und auch Daenerys schien enttäuscht.

Jorah wollte gerade etwas sagen, da fielen ihm die Wunden auf.

Drogon schien es einigermaßen gut zu gehen, doch Rhaegal war… wortwörtlich zerfetzt.

Er musste geschockt gejapst haben, denn Dany warf ihm einen traurigen Blick zu.

Langsam löste er sich von ihrem Arm und tappte auf den grünen Drachen zu.

„Warum habt Ihr mir nichts davon erzählt?“

Er konnte seine Augen nicht von ihm nehmen. Daenerys antwortete nicht und als er sich dann doch nach ihr umsah, musste er feststellen, dass ihre Augen betrübt zu Boden gerichtet waren.

„Ich… dachte, Ihr solltet Euch erst einmal selbst erholen, bevor Ihr Euch um ihn sorgen könnt. Ich wollte Euch nicht damit belasten.“

Er wusste, dass sie es nur gut gemeint hatte, dennoch stieg Wut und Enttäuschung in ihm auf.

Warum wurde ihm so viel verheimlicht? Was gab es noch, von dem er nichts wusste?

Er schüttelte leicht seinen Kopf und trat an Rhaegal heran. Dieser öffnete verschlafen seine Augen und stieß eine kleine Rauchwolke aus, als er ihn erkannte. Jorah streckte mit aufeinander gepressten Lippen seine Hand aus.

Wie sollte er nur fliegen, wenn seine Flügel löchrig waren? Wie sollte er sein Gleichgewicht halten, wenn ganze Stücke seines Schwanzes fehlten?

„Was hat Jon nur mit dir gemacht?“, murmelte er und strich ihm über die aufgekratzte Schnauze.

Ja, es war eine Schlacht gewesen, doch Drogon schien es deutlich besser zu gehen.

„Es tut mir so leid…“

Nicht, dass er einen Drachen besser als Jon reiten konnte, aber er hätte es niemals so weit kommen lassen.

Hatte Jon gar nicht gesehen, was er mit dem Tier angestellt hatte? Hatte er gedacht, Drachen wären unverwundbar?

Der Ritter verspürte den Drang sein Schwert zu ziehen und irgendetwas entzwei zu hacken.

Rhaegal riss ihn aus seinen Gedanken, indem er ihn leicht anstupste, wobei er fast umfiel und ein kehliges Gurren von sich gab. Er schmunzelte und strich ihm nochmal über die Schnauze.

„Vergiss mich nicht, ja?“

Der Drache schnaubte und überwand sich dann aufzustehen. Als Jorah sich wieder zu Daenerys drehte, stellte er fest, dass sie schon auf Drogon saß und wartete.

„Danke, Jorah… für alles.“

Er näherte sich langsam dem schwarzen Schrecken und blieb ein paar Meter von ihm entfernt stehen.

„Das ist kein Abschied für immer, Khaleesi… wir werden uns wiedersehen.“

„Das hoffe ich“, lächelte sie und Drogon stieß sich vom Boden ab.

Der Ritter wich automatisch einige Schritte zurück. Auch Rhaegal schwang sich in die Luft und ihm blieb nichts anderes übrig, als ihnen nachzusehen. Er glaubte zu erkennen, dass Daenerys einmal kurz über ihre Schulter blickte.

Dann waren sie zu weit entfernt, als dass er irgendwas erkennen konnte und er vermisste sie jetzt schon.