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Die letzte Drachenreiterin

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Fili Gandalf OC (Own Character) Smaug
19.06.2020
17.09.2020
10
92.077
6
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11.08.2020 10.488
 
Chapter 6: Der Mut zum Einschreiten…


Raidyns Sicht:

Der Rotschopf schnaubte amüsiert, als er neben mir zum Stehen kam und bereits die Finger an die ledernen, seitlichen Riemen legte, die die Armschiene auf meinem Unterarm hielten. „Ihr dürft mich gerne Gott aller Götter nennen, Missy. Aber, sollte Euch dieser Name nicht gefallen, was ich aus tiefsten Herzen bezweifle, könnt Ihr mich auch einfach Gawen nennen.“ stellte sich Gawen scherzend vor, was ich nur mit einem spielerischen Augenverdrehen kommentierte. „Es ist mir eine Freude Eure Bekanntschaft zu machen, Gawen. Mein Name ist-…“

„NEIN, BITTE!!! MILO!!!!!“



Ein schriller, verzweifelter Schrei, aus der Richtung des Markts, unterbrach mich rüde mitten in meinem Satz und ließ Gawen, wie auch mich, erschrocken zusammenfahren. Mein Herz machte deswegen einen gewaltigen Satz nach vorne, schickte so eine gewaltige Menge an Adrenalin durch meinen Körper und ließ mich angespannt die Augen zu schmalen Schlitzen verengen, nachdem die ersten Sekunden des Schreckens verklungen waren und draußen stattdessen aufgeregtes Tuscheln und hastige, schmatzende Schritte zu rumoren begannen. Instinktiv riss ich daher meine Hand aus dem Griff des Rotschopfs los und wirbelte in Richtung des Ausgangs der Schmiede herum und fixierte diese, wie auch den Teil des Marktes, die ich durch ihn sehen konnte, derweilen Gawen, mit skeptisch zusammengezogenen Augenbraun, seinen Hals reckte und alarmiert in dieselbe Richtung blickte, wie ich, dabei erlaubend, dass sich seine Muskeln, unter seinem lockeren Hemd, angespannt zusammenzogen. „Was zur Hölle…?“ murmelte Gawen dabei hinter mir rau, wie auch leise und trat, mit einem schweren, dumpfen Schritt, misstrauisch näher an mich und in die Richtung des Ausgangs der Schmiede heran, seine moosgrünen Augen dabei nicht auch nur eine winzige Sekunde von seinem Ziel abweichend. Tja…und dann? Puh, dann wurde es noch schlimmer…Denn verzweifelte oder eher viel mehr ärgerliche, helle Schreie eines Kindes mischten sich unter den spitzen Schrei der Frau, gefolgt von rauen, dumpfen Flüchen eines hörbaren Mannes, der sichtlich verärgert wurde und sich leicht verletzt hatte.

„DU KLEINE KRÖTE, DASS WIRST DU BEREUEN!“, „MERRICK, HÖR AUF! BITTE! LASS IHN ZUFRIEDEN! ER IST DOCH BLOSS EIN KLEINER JUNGE!!“, „MINA!!“, „HALT DICH DA RAUS, WEIB, UND GEH ZURÜCK INS HAUS!“, folgten kurz darauf die wildesten, wie auch aufgeregtesten Ausrufe vom Markt aus, von denen ich mir sicher war, dass sie in ganz Bree und seinem Umland zu hören waren, derweilen ich, in Sorge, meine Augen leicht, oder viel mehr kaum merklich, weitete. Denn die Stimmen die ich vom Markt aus hörte, gehörten zu dem kleinen Buben von gestern, Milo, und seiner älteren Schwester, Mina, wie ich gerade erfuhr, die ich im Stall angetroffen hatte, da der Kleine mich betrügen hatte wollen. Ganz schön hartnäckig war der kleine Scheißer gewesen, hatte mich nicht, ohne die Bezahlung von 5 Schillingen, passieren lassen wollen, wofür ich ihn doch ein wenig Respekt anrechnete, auch wenn er mich zu diesem Zeitpunkt tierisch genervt hatte. Denn wäre seine Schwester nicht rechtzeitig aufgetaucht, dann hätte ich dem Kleinen denke ich schon doch 5 Schillinge gezahlt, damit er mich endlich in Ruhe ließe. Tja…Und jetzt?

Jetzt steckten die Beiden anscheinend in Schwierigkeiten. In ziemlich gefährlichen Schwierigkeiten, wie ich an den Stimmlagen der Geschwister interpretieren konnte. Für einen Moment zögerte ich jedoch, fühlte meine alten Angewohnheiten in mir aufsteigen, die mir leise zuflüsterten, dass ich dies einfach sein lassen sollte, mich wieder zu Gawen umdrehen und weiter wegen dieser einzigartigen Klinge reden sollte, weshalb ich eigentlich auch schon dazu ansetzte, mich wieder zu dem rothaarigen Schmied umzudrehen, damit wir mit unserem Gespräch fortfahren konnten. Denn wie kleine Dämonen spuckten, diese Stimmen daher in meinem Kopf herum, ließen mich immer länger zögern und mein Gesicht in Zwiespalt immer mehr verziehen, derweilen der Krach draußen immer lauter, wie auch dringender wurde. Doch dann tauchten vor meinem inneren Auge erneut die Bilder von Minas blaugeschlagenem Auge auf, derweilen in meiner Brust das peinvolle Gefühl der Schuld zu wuchern und in meinen Ohren ihre verzweifelten Schreie aus dem Wald zu echoen begannen. Laut und ohrenbetäubend, sodass ich beinahe schon schmerzerfüllt zusammenzuckte. Meine Augen kniffen sich dabei instinktiv von selbst zusammen, versuchten so, in allerhöchster Konzentration, die Bilder aus meinem Kopf zu vertreiben. Doch es gelang mir nicht. Nein, stattdessen wurden sie sogar so schlimm, dass ich nur fluchend „Daanik!“ zischen und meine Hand zu einer festen Faust ballen konnte, ehe ich auch schon, ohne auch nur einen weiteren Augenblick zu zögern, tiefeinatmend mein Körpergewicht nach vorne verlagerte und hinüber zum Markt eilen wollte, um zu sehen, was im Namen Ancalagons, dort vor sich ging. Und hierbei betonte ich das wollte absichtlich stark. Denn Gawen schien da anscheinend anderer Meinung zu sein, denn bevor ich überhaupt auch nur zwei Schritte in Richtung Ausgang hätten machen können, fühlte ich mit einem Mal auch schon, wie sich eine starke Hand auf meine Schulter legte und mich bestimmt auf meinen Platz zurückzog. Überrascht, verwirrt, aber auch ein wenig verärgert, zog ich deswegen meine Augenbraun in die Höhe und wandte instinktiv meinen Kopf dem rothaarigen Schmied zu, der mich ernst ansah, und starrte diesen perplex an.

„Gawen, was soll das-…!“ wollte ich irritiert auch schon auf den jungen Schmied losgehen, dafür, dass er mich zurückhielt, doch dieser brach mich prompt einfach mitten in meinem Satz, durch eine simple wegwischenden Handbewegung gekonnt ab. „Bleibt hier, Missy, und fasst nichts an. Sonst fackelt Ihr womöglich noch meine Schmiede ab. Ich schaue derweilen nach, was, zum Teufel, da draußen los ist.“ erklärte mir Gawen todernst und wandte sich dann, ohne mich auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen, von mir ab, um eiligen Schrittes zum Ausgang der Schmiede zu hasten, und ließ mich so, mit einem völlig perplexen Blick, zurück. Seine dumpfen Schritte tönten dabei, zusammen mit dem Zischen des Schmiedeofens, überdeutlich in der Werkstadt wieder und vermischten sich so dumpf mit den Schreien und dem aufgeregten Tuscheln von draußen. Gawen derweilen, als er seitlich rechts am Ofen vorbeikam, dessen fahles, orange-rotes Licht seinen gesamten Körper in einen bronzefarbenen Schatten hüllte und seine rötlichen Haare, wie Flammen aussehen ließ, langte ganz beiläufig, aber trotzdem doch sehr geräuschvoll nach einem schweren Schmiedehammer, der auf einer kleinen, hölzernen, kniehohen Ablage lag, und hievte ihn, mit seiner stärkeren Hand, ohne große Probleme in die Höhe. Sehr beeindruckend, wie ich fand. Und auch, wie der rechte Teil seiner Rückenmuskulatur und seine rechte Armmuskulatur deswegen unter seinem lockeren Hemd arbeiteten, fand ich sehr beeindruckend. Doch darum ging es gerade nicht. Nein! Also, Konzentration, Rai!!!

Fassungslos sah ich also Gawen hinterher, wie er in einer beinahe schon bedrohlichen Haltung, dumpf aus der Schmiede heraustrat und angespannt, wie auch, mit zu Schlitzen verengten Augen, in die Richtung blickte, wo der ganze Trubel anscheinend stattzufinden schien. Seine Schultermuskeln spannten sich dabei stark an, als er für ein paar Sekunden lang das Chaos nur beobachtete, dann fasste er seinen Schmiedehammer jedoch fester und noch bevor ich überhaupt hätte etwas tun können, joggte Gawen eilig vom Platz weg und somit auch aus meiner Sichtweite. Nur das Schmatzen seiner Schritte und die Aufregung von draußen konnte ich noch hören, weshalb ich mir nun auch erlaubte leicht die Augen verdrehen und fassungslos meinen Kopf zu schütteln. Denn ich meine, mal ehrlich, wenn der Typ wirklich glaubte, dass ich hierblieb wenn er es sagte, dann hatte er sich aber wirklich sehr tief geschnitten. Sehr, sehr tief. Wer war er schließlich, sich anmaßen zu können, mir Befehle zu geben?! MIR??! Wir kannten uns vielleicht geschlagene 20 Minuten und dann wollte er mir schon Befehle geben? Pff, bitte…Ich hatte nach knapp 17 Jahren auf meinen Mentor auch nicht immer gehört, wem wollte dieser Knilch dann bitte etwas vormachen? Tz, Männer…

Ohne auch nur einen Moment länger zu warten, schritt ich daher selbstbewusst hinüber zu meinem silbernen Kampfstock, den ich bei dem Tisch mit den ganzen Dolchen und Messern angelehnt hatte, bereit im Namen meines Clans endlich Ehre für die Verstorbenen zu erlangen, schnappte mir diesen dann rasch und schritt dann eilig hinter Gawen hinterher, vorbei an dem warmen, zischenden Schmiedeofen, dessen fahles, warmes, rot-oranges Licht ich ebenfalls ein weiteres Mal abbekam und hinüber zu dem offenen Ausgang, an dem hektisch ein paar tuschelnde Schaulustige vorbeiliefen. Die kühle Luft, die zuvor in der Schmiede nicht existiert hatte, schlug mir dabei, mit einem Mal, hart ins Gesicht, ließ mich so noch munterer werden und die Frische von draußen riechen. Doch ich hatte keine Augen dafür. Nein. Stattdessen fasste ich meinen silbernen Kampfstock fester, spannte meine Kiefermuskulatur schmerzlich an und setzte dann, mit ernster Miene, dazu an, eilig den Schaulustigen hinterher zu joggen, die aufgeregt in die Mitte des Marktes eilten. Meine Schritte schmatzen dabei laut über den eklig, feuchten Matsch, hinterließen Spuren, unterdessen ich unerschrocken den einheimischen, aber trotzdem doch sehr aufgeregten Dorfbewohnern zum Hauptplatz des Marktes folgte. Frauen hielten sich dabei erschrocken die Hände vorm Mund, tuschelten leise zu ihren Nachbarinnen, Männer reckten unbeholfen ihre Hälse, versuchten so einen besseren Blick auf das Geschehen zu bekommen und Kinder kletterten eifrig auf kleine, hölzerne Kisten, um so über die Menschenmasse hinwegsehen zu können, derweilen ich von überall um mich herum, als ich mir unaufhaltsam meinen Weg durch die zunehmende Meute bahnte, das Geflüster der geschockten Tratschtanten auffing. „Oh, gütige Valar, nicht schon wieder. Die armen, beiden Kinder…“ vernahm ich zum Beispiel von einer älteren Dame rechts von mir, die hilflos ihr weißes Schultertuch enger um sich zog und traurig nach vorne blickte, derweilen von der linken Seite ein jüngerer Mann und ein älterer Herr missbilligend ihre Nasen in Richtung des Geschehens rümpften. „Ich frage mich, was der Bengel nun schonwieder angestellt hat, dass Merrick so aus der Haut fahren lässt.“ knurrte der eine und verschränkte abweisend die Arme vor der Brust, was der andere jedoch nur mit abschätzig schnaubte. „Braucht der Kerl überhaupt einen Grund, um auf den Kleinen loszugehen? Jeder weiß doch, dass er seinen Frust wegen seiner kinderlosen Ehe, mit Mina, an ihm auslässt.“

Beiläufig warf ich deswegen, aus dem Augenwinkel, einen knappen Blick zu den beiden Herren hinüber und verengte angespannt die Augen zu schmalen Schlitzen, als ich gleichzeitig eine junge, schaulustige Frau, die mir ungeniert im Weg stand, mit dem oberen Ende meines Stabes, mehr oder weniger ruppig, beiseiteschob. Die keuchte deswegen natürlich empört und warf mir einen mehr als nur giftigen Blick zu, doch ich ignorierte diesen gekonnt. Denn, die Information, die ich gerade bekommen hatte erklärte nun so einiges für mich. Klar, ich hatte noch immer Fragen, aber fürs Erste verstand ich, wieso Merrick gestern Mina grün und blau geschlagen hatte. Sie schien nicht seinen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen, weigerte sich womöglich sogar das Lager mit ihm zu teilen oder war unfruchtbar, weshalb dieser Mistkerl seinen ganzen Frust sowohl an ihr, als auch an ihrem Bruder Milo ausließ. Und nachdem Mina und er auf seine finanzielle Unterstützung angewiesen waren, konnten sie ihn nicht so einfach verlassen und mussten alles über sich ergehen lassen. Wut begann durch meinen ganzen Körper zu strömen, ließ mein Blut heiß brodeln und ließ mich mit meinen Unterkiefern knirschen, unterdessen ich gleichzeitig, entschlossener als zuvor, unaufhaltsam meinen Weg durch die nun sehr dichte Menschenmenge bahnte. Nicht selten musste ich dabei einen Mann, eine Frau oder ein Kind beiseiteschieben, die mir ungewollt im Weg standen oder einen Schulterhieb einstecken, wenn ich es nicht schaffte, mich rechtzeitig, mit meinem Oberkörper, wegzudrehen oder einen Ellbogenseitenhieb verkraften, wenn ein Bürger versehentlich ausholte und mir seinen Arm in die Seite jagte. Und auch giftige Blicke, wie finstere Mienen von den Passanten musste ich wegstecken, als ich mich an ihnen vorbeizwängte. Doch ich konnte damit gut leben, da mich die heiße Wut antrieb. Und zusätzlich dazu kam ich natürlich eigentlich sehr schnell voran und näherte mich immer mehr den schrillen, wie auch wütenden Schreien vom Hauptplatz des Marktes.      

„MERRICK, HÖR AUF!! ER IST MEIN BRUDER!!!“, „HALT DEN MUND, WEIB, SONST GEHT ES DIR GLEICH GENAUSO SCHLECHT, WIE DIESER KLEINEN RATTE!! UND JETZT, VERSCHWINDE ZURÜCK INS HAUS!“, „FASS MEINE SCHWESTER NICHT AN!!“ hörte ich zum Beispiel über den Platz schallen, als ich es endlich schaffte meinen Weg durch die Menge hindurch zu finden und mich selbst an vorderster Front wiederfand, wo ich, mit Schrecken, mitansehen musste, wie ein älterer, fülligerer Mann, mit dichten Vollbart und fettigen, strähnigen, dunklem Haar auf dem Kopf und gekleidet in, für Brees Verhältnisse zumindest, relativ feiner Kleider, zornig an Milos dürren Arm zerrte und ihn, wie ein wildgewordener Bulle, grob hinter sich herzog. Milo wehrte sich deswegen selbstverständlich heftig, stemmte sich mit aller Kraft gegen diesen Merrick und rüttelte aus Leibeskräften an seinem dürren Arm, weshalb er so leider auch mehr oder weniger, wie störrisches Vieh, über den Marktplatz geschleift wurde. Tiefe Spuren entstanden dadurch hinter ihm im feuchten Schlamm, zeugten so vom Kampf der hier gerade stattfand, derweilen die junge, dunkelblonde Mina, mit dem blaugeprügelten Auge und einem braunem Schultertuch über den Schultern, verzweifelt neben ihrem Gatten herlief und ihn dauernd versuchte am Arm zu packen, um ihn so davon abzubringen, von was auch immer er gerade vorhatte. Doch Merrick riss sich jedes Mal brutal von ihr los, schnauzte sie zudem auch noch auf unhöflichste Art und Weise an, ehe er seinen Griff um Milos dünnen Handgelenk nur noch mehr verfestigte und ihn weiter hinter sich her über den Marktplatz schleifte, in Richtung, wo ich Agrafina abgestellt hatte. Tja, und wisst ihr, was das Schlimme an dieser ganzen Geschichte war? Das absolut schlimmste?

Alle sahen was hier passierte, doch keiner griff ein oder bemühte sich die Stadtwachen zu holen. Keiner. Absolut keiner. Sie alle standen einfach nur da und beobachteten mitleidig und in Schrecken, wie die kleine Familie von ihrem Familienoberhaupt schlecht behandelt wurde, weshalb ich auch misstrauisch, wie auch mit zu schmalen Schlitzen verengten Augen und mit einem langsam schneller schlagendem Herzen, meinen Kopf drehte und in die tuschelnde Menge um mich herum blickte, wollte ich doch überprüfen ob nicht einer der Anwesenden doch genug Mut in den Knochen hatte um in dieses grausame Szenario einzuschreiten, obwohl ich irgendwie bereits wusste, dass das keiner machen würde. Denn wenn man sich in keinen Ärger einmischte, bekam man auch keinen. So hatte ich schließlich die letzten Jahrzehnte auch gehandelt. Tja…Bis heute…

Schlagartig wandte ich meinen Kopf wieder nach vorne, fixierte das Trio dort vorne und hob stolz mein Kinn leicht an, genau dann als Mina es verzweifelt irgendwie schaffte Milos Hand aus Merricks Griff los zu kratzen. Der füllige, vollbärtige Mann stieß deswegen einen leichten, schmerzerfüllten Schrei aus, lockerte seinen Griff um Milos dürrem Handgelenk und zog seine Pranke dann instinktiv an seine Brust heran, um sie dort zu untersuchen, derweilen Mina zittrig, aber dennoch vor Mut strotzend ihren kleinen Bruder blitzschnell ein paar große Schritte von ihrem Gatten wegzog und anschließend todesmutig hinter sich hievte, damit er durch sie geschützt war. „Milo, egal was passiert, bleib hinter mir!“ konnte ich selbst auf die Distanz hören, wie die dunkelblonde, junge Frau, mit dem blaugeschlagenem Auge, dies ihrem kleinen Bruder zuflüsterte, unterdessen sie sich gleichzeitig, vor Angst zitternd, vor dem Kleinen aufbaute, der nur hilflos hinter dem teils schlammverdreckten Rock seiner Schwester zwischen Merrick und ihr hin- und hersehen konnte.

Und ich wusste nicht wieso, aber als ich das hörte und die Umstände dazu sah, konnte ich fühlen, wie schmerzhaft in meiner Brust etwas zersprang. Wie ein empfindliches, hochwertiges Glas, dass klirrend am harten Steinboden zersprang, konnte ich fühlen, wie mein Herz zersprang und ich nur brüchig einatmen konnte, währenddessen Merrick, mit vor Wut brennenden Augen, seinen Blick von seiner Hand anhob und seine junge Gattin gefährlich fixierte. „Wie kannst du es wagen, Mina?“ konnten wir alle ihn zunächst bedrohlich leise flüstern hören, wodurch die Spannung auf dem gesamten Platz unwillkürlich ins unermessliche stieg, ehe er zornesentbrannt einen festen Schritt auf die Beiden zumachte, wobei hohe, hellbraune Schlammspritzer durch die Luft katapultiert wurden. „WIE KANNST DU ES WAGEN, MINA, DICH MIR, DEINEM GATTEN, ZU WIDERSETZEN?!“ brüllte er dann spuckend mit einer solch lauten Stimme die beiden Geschwister an, dass nicht nur sie erschrocken, sondern auch einige Umstehende erschrickt zusammenzuckten. Einige der Frauen hielten sich dann schnell die Hände vor den Mund, um sich ihren Schreck nicht anmerken zu lassen, derweilen die Kinder auf ihren Holzkisten leicht in sich zusammensanken. Ich vermutete mal, dass sie Milo kannten und er ihr Spielkamerad oder etwas dergleichen war, weshalb sie jetzt auch so stark mit ihm mitfühlten und die Köpfe so einzogen, als wären es sie selbst, die die Tracht Prügel einstecken mussten. Doch das war im Moment nicht wirklich von Belang. Nein.  

Was wichtiger war, war das ich meine Konzentration wieder auf Merrick richtete und ihn, mit erhobenem Kinn, wie auch langsam immer fester werdenden Griff, um meinen Stab, beobachtete, wie er bedrohlich und mit stampfenden, schmatzenden Schritten, wie ein aufgebrachter Bulle, langsam auf seine Frau und ihren kleinen Bruder zuschritt. Seine kleinen, dunklen Augen dabei funkensprühend und seine Hände sich langsam zu Fäusten ballend, weshalb Mina und Milo auch immer mehr in sich zusammenzuschrumpfen schienen, die Augen vor Angst weit aufgerissen. „Ohh, ich war so gnädig mit dir, Weib. Soo gnädig. Ich war schließlich derjenige, der dich und deinen Rotzlöffel in meinem Heim aufgenommen! Euch Beiden Essen, Kleidung und ein sicheres Dach über dem Kopf gegeben hat. Euch mit meiner unermesslichen Liebe und Zuneigung versorgt hat…UND SO DANKT IHR MIR DAS?! FOLGT MEINEN ANWEISUNGEN NICHT UND BESTEHLT MICH HINTER MEINEM RÜCKEN?!!! IST DAS DIE ART UND WEISE, WIE MAN MIR DANKEN SOLLTE?!“ fuhr der füllige, dunkelhaarige Mann erneut höchsterzürnt, wie auch spuckend seine junge Gemahlin und ihren kleinen Bruder an, wobei er mehrmals mit seinem dicken Finger auf sich deutete, zur Untermalung seiner Worte. Milo und Mina derweilen zuckten bei jedem lauten Wort schreckhaft zusammen, versuchten zusammen vor ihm zurückzuweichen, damit er keine Chance hatte an die Beiden heranzukommen, wobei die dunkelblonde Frau schützend einen Arm vor ihren kleinen Bruder ausgesteckt hatte. Doch all dies brachte im Endeffekt nichts, denn Merrick war, für seine Figur, unbeschreiblich schnell, schnellte in dem Wimpernschlag von einer Sekunde blitzschnell nach vorne und packte Mina brutal an ihrem Kragen, um sie so dicht, wie nur möglich an sein hochrotes Gesicht heranzuziehen.

Die dunkelblonde Schönheit keuchte deswegen erschrickt, erstarrte verängstigt noch in ihrer Bewegung und konnte nur hilflos an Merricks breite Handgelenke fassen, derweilen Milo verzweifelt die Arme nach seiner Schwester austreckte. „MINA!“ stieß er dabei verzweifelt aus, doch weder sie, noch Merrick beachteten ihn im Moment, denn der Schwarzhaarige hatte im Moment nur eins vor Augen. Seine Gemahlin, die nicht auf seine Anordnungen gehorcht hatte. „Ich habe genug von deiner störrischen Art und deiner kleinen Ratte, Weib! Viel zu lange war ich gnädig und rücksichtsvoll mit dir! Jetzt ist meine Geduld vorbei…und es wird Zeit dir eine Lektion zu erteilen!!“ hörte ich ihn bedrohlich zu Mina zischen, die deswegen leicht zu Wimmern begann, ehe Merrick knurrend eine Hand von ihrem Kragen löste und sie unheilvoll über seinen Kopf erhob, die Hand flach weggestreckt…

Mina schloss bereits geschlagen ihre hübschen, blauen Augen, verkrampfte ihren gesamten Körper und bereitete sich Mental auf den anstehenden Schlag vor, so wie es Merrick auch tat, seine kleinen, dunklen Augen dabei gefährlich funkensprühend. Tz, doch ganz ehrlich, Leute? Tz, aus diesem ausstehenden Schlag, wurde ein abgesagter Schlag. Denn bevor Merricks flache Hand, Minas Gesicht überhaupt erreichen konnte, fing ich seine prankenartige Hand bestimmt mit meiner Rechten, Stärkeren ab und hielt es so bestimmt in der Luft. Fest umschlang ich nämlich sein Handgelenk und krallte dabei absichtlich meine Fingernägel hart in sein Fleisch hinein, derweilen ich, mit einem abwertenden Blick, wie auch einer gerümpften Nase, Merricks seitlichen Hinterkopf fixierte. „Erhebt Eure Hand nicht gegen die Schwachen, Merrick. Eines Tages könnte nämlich jemand kommen, der stärker ist als Ihr und Euch für Eure Taten vorführen.“ knurrte ich ihm dann leise ins Ohr, sodass nur er, Mina und Milo mich verstehen konnten, als ich mich ein wenig vorbeugte, um so näher an seinem Ohr dran zu sein. Merrick weitete deswegen ungläubig seine hervorquellenden, dunklen Augen, verschluckte sich leicht an seiner Atmung und verkrampfte sich schmerzhaft am ganzen Körper, währenddessen Mina entsetzt, mit weit aufgerissenen, ängstlichen, blauen Augen, zwischen mir und ihrem Gatten hin- und hersah, nicht begreifend was ihr gerade abging und was ich gerade getan hatte, wobei ein lautes Raunen durch die Menschenmenge ging. Unglaube, Fassungslosigkeit, aber auch Erleichterung konnte ich dabei zum Großteil in dem ganzen aufgeregten Stimmwirrwarr ausmachen, dass kurz darauf ausbrach.

Doch genauso schnell wie diese Aufruhr entstand, verschwand sie auch wieder und alle Augenpaare legten sich angespannt auf uns. Selbst an den Fenstern der umliegenden Häuser standen Menschen und beobachteten uns neugierig, neugierig und begierig auf neuerliches Drama, derweilen ich meine Position und Merricks Hand dazu nutzte, um ihn auszudrehen. Denn, so schnell dass er gar nicht schauen konnte, riss ich seine prankenartige Hand herunter, trat mit meinem rechten Fuß einen Schritt nach vorne, drückte meine Hüfte nach vorne und drehte den Typen blitzschnell von Mina weg, sodass er mehr oder weniger gezwungen war ihren Kragen loszulassen und, leicht orientierungslos, keuchend nach hinten zu stolpern. Mit seinen Armen wirbelte er dabei, um Halt suchend, durch die Luft, damit er schlussendlich nicht im feuchten Schlamm endete, wobei seine kleinen, dunklen Augen ungewöhnlich weit aufgerissen und weit aus seinem Schädel hervorquollen, was wohl zu bedeuten hatte, dass der Typ überhaupt nicht erwartet hatte auf offener Straße aufgehalten zu werden. Tz, was für ein Arschloch. Doch, wie dem auch sei. Wo war ich noch gleich stehengeblieben? Ach ja!!

Die Zeit, in der Merrick taumelte, nutzte ich blitzschnell als Gelegenheit vor Mina und ihren Bruder zu treten und mich breitbeinig, wie auch mit fest umschlossenen Stab, vor ihnen aufzubauen. Wie eine undurchdringliche Wand erhob ich mich nämlich vor ihnen, streckte voller Stolz meiner Brust heraus und starrte den fülligen Mann einige Schritte vor mir, der anscheinend bereits sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte und nun ärgerlich seine großen Hände zu Fäusten ballte, in Grund und Boden. „Wie könnt Ihr es wagen, närrisches Weibsbild?! Habt Ihr auch nur den Hauch einer Ahnung, WER ICH BIN?!“ schnarrte Merrick zornesentbrannt, wie auch spuckend über den Platz und begann sich fuchsteufelswild, wie ein aggressiver Bulle, auf seiner Seite des Marktes aufzubauen. Sein Kopf lief dabei hochrot an, was wohl an seiner Wut und seinem rasenden Puls liegen musste, unterdessen in seinen Augen ein gefährliches Glühen aufzuleuchten begann, dass man beinahe schon für mord- oder blutlustig halten hätte können.

Mina und Milo hinter mir keuchten deswegen eingeschüchtert auf, wichen hinter meinem Rücken noch ein ganzes Stückchen zurück, wobei Mina noch immer schützend ihren Arm vor ihrem kleinen Bruder ausgestreckt hatte, sodass er die letzte Person war, der Schaden zugefügt werden konnte. Doch im Gegensatz zu den beiden Geschwistern ließ ich mich von Merrick nicht einschüchtern, bleib unerschrocken auf meinem Platz stehen und verengte bei seinen Worten lediglich meine Augen zu schmalen Schlitzen. „Um ehrlich zu sein, interessiert es mich nicht, wer Ihr seid, Merrick, oder welche Position Ihr hier habt. Einzig und allein was zählt ist, dass Ihr diese Frau-…“ bestimmt drehte ich mich, ohne Merricks glühende Augen auch nur einen Moment zu verlassen, zu der verschreckten, dunkelblonden Frau um und deutete mit dem Finger auf sie. „-…auf schändlichste Art und Weise misshandelt habt, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart, ihren Bruder dabei miteingeschlossen.“ begann ich in einem bedrohlich ruhigen Ton meine Erwiderung zu verkünden, darauf bedacht so neutral, wie nur möglich zu wirken, damit ich die gesamte Situation vor einer Eskalation bewahren konnte.

Das Streben eines Drachenreiters sollte nämlich nie Krieg oder Kampf sein, sondern der Versuch Ordnung dort hinzubringen, wo Chaos herrschte. Und das versuchte ich im Moment auch. Doch dies stellte sich als weitaus schwieriger heraus, denn Merrick lachte auf meine Erwiderung hin nur höhnisch, gab seine drohende Haltung auf und streckte stattdessen herausfordernd die Arme zur Seite aus, seinen schmalen, spröden Lippen dabei erlaubend, dass sie sich zu einem hässlichen Grinsen verzogen. „Und das könnt Ihr natürlich beweisen, Kleine, nicht?“ höhnte der füllige Mann herablassend, wie auch kopfschüttelnd und ließ seine Arme dann geräuschvoll dumpf gegen seine Seiten prallen. Ich verengte deswegen meine Augen nur noch mehr und spannte zornig mein Kiefer an, sodass man dessen Muskelstränge bereits arbeiten sehen konnte, derweilen ein erneutes unruhiges Raunen durch die Masse ging. Frauen und Männer tauschten untereinander unsichere Blicke aus, wussten nicht genau was sie tun sollten, hatten sie augenscheinlich doch zu viel Furcht um einzugreifen, wobei sich unbemerkt in der Menge 4 – 5 zwielichtige, sichtlich ungepflegte Männer bis an die Spitze der Versammlung vorkämpften und argwöhnisch unseren Schlagabtausch beobachteten, dabei immer wieder hinüber zu Merrick sehend. Ich bekam diese Typen dabei nicht mit, war meine gesamte Aufmerksamkeit doch auf den Mann vor mich gerichtet.

Doch dafür bekam dieser diese Typen sehr wohl mit, grinste nun nur noch siegessicherer und stieß erneut ein schallendes, ekelhaftes Lachen aus, dass Milo und Mina hinter mir erneut zusammenzucken ließ. „Sieh her, Püppchen. Wie ich sehe, hast du absolut keine Ahnung, wie das Geschäft hier läuft, also will ich heute gnädig mit dir sein. Pack einfach deine Sachen, schnapp dir deinen Gaul und dann hau ab und lass dein hübsches, feines Gesichtchen nie wieder hier sehen. Es wäre ansonsten eine solche Schande diese Porzellanhaut zu verunstalten, findest du nicht auch?“ schlug mir der füllige Mann drohend vor, ließ die höffliche Anrede dabei absichtlich komplett weg, und gestikulierte mit seiner rechten, ringbesetzten Hand zu meinem Gesicht hinüber, dass sich deswegen leicht fuchsig verzog. Die räudigen Männer, in der Zwischenzeit, die in den vordersten Reihen der Zuschauermenge standen, grinsten hämisch bei Merricks Worten und stießen sich gegenseitig mit ihren Ellbogen, auf typische Bauernweise eben, an. Einige der umstehenden Männern und Frauen warfen ihnen deswegen herablassende oder böse Blicke zu und traten sogar ein paar Schritte von ihnen zurück, damit sie nicht in ihrer unmittelbaren Nähe stehen mussten. Doch ich bekam dies nicht mit. Nein. Diese Kleinigkeit registrierte ich im Moment überhaupt nicht.

Denn meine Aufmerksamkeit lag eher darauf, dass ich geräuschvoll tief einatmete, sodass sich mein Brustkorb unter meiner hüftlangen, leicht übergroßen, hellbraunen Jacke, wie auch meinem langärmligen, dunkelroten Hemd deutlich anhob, ehe ich kurz einen Blick über meine Schulter zu Milo und Mina warf, eine leichte Windbrise aus dem Westen dabei über meinen kurzgescherten Kopf hinwegfegend. Beide hatten hinter mir weit die himmelblauen Augen aufgerissen, sahen unsicher zwischen mir und Merrick hin und her, wobei sich Milo leicht in Minas ausgestreckten Arm krallte. Nichts war mehr von dem vorlauten, kleinen Jungen übrig, den ich im Stall angetroffen hatte und der mich abzocken hatte wollen. Nichts. Aber auch rein gar nichts. Dies war nur noch ein kleiner, verschreckter Junge, der Schutz bei seiner älteren Schwester suchte, vor etwas, dass er nicht bezwingen konnte und nur Schmerzen versprach. Und auch Mina sah nicht anders aus, als ihr Bruder. Nichts war mehr von der lieben, freundlichen und sorgevollen, jungen Frau aus dem Stall mehr übrig. Nur noch Angst herrschte in ihren himmelblauen Augen, die glasklar die gesamte Umgebung widerspiegelten, als die Dunkelblonde, leicht beschleunigt atmend, ihren Kopf drehte und mich direkt ansah. Flehend, aber auch hoffnungsvoll, dass ich sie in diesen Augenblick nicht alleine lassen würde. Und bei den Göttern, heute würde ich sie nicht alleine lassen. Das hatte ich einmal getan und jetzt nie wieder. Denn ich war eine Drachenreiterin…

Entschlossen drehte ich mich daher wieder zu Merrick um, der ungeduldig auf seiner Seite des Platzes stand und mich, aus hochgezogenen Augenbrauen, abwartend musterte, fasste meinen Stab erneut so fest, dass bereits meine Knöchel weiß hervorstachen und erhob dann unerschrocken meine Stimme. „Ich lehne mit Freuden Euer Angebot ab, Merrick. Aber als Gegenleistung möchte ich Euch ein Angebot machen, dass Ihr wohl kaum abschlagen könnt.“ begann ich, mit fester Stimme, meine Ankündigung kundzutun und fixierte starr den fülligen Mann vor mir, ehe ich einschüchternd meinen Stab herumwirbelte. Elegant, wie auch blitzschnell wanderte er nämlich, in einfachen, kreisenden Bewegungen, über meine Arme, erzeugte dabei ein leises, pfeifendes Geräusch und einen leichten Zugwind, der jedoch zu schwach war, um von jemand anderem außer mir wahrgenommen zu werden, bevor ich sein unteres Ende hart gegen den Boden schlug, sodass bereits sogar kleine, dunkelbraune Schlammspritzer ihren Weg in die Lüfte fanden. „Ich gebe Euch die Chance Euch hier und jetzt für Eure Taten zu entschuldigen, danach entschädigt Ihr Eure Gattin, wie auch ihren kleinen Bruder angemessen für die ertragenden Schmerzen und dann packt Ihr Eure Sachen, verschwindet aus Bree und kommt nie mehr zurück. Selbsterklärend ist dabei, dass Ihr Mina und Milo ein Leben lang in Frieden lassen werdet.“ beendete ich dann schließlich kühl meine Forderung und starrte, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, unerschrocken, die die überrascht geweiteten Augen Merricks, der mich anglotzte, als wäre ich gerade von einem anderen Planten gekommen.

Eine unangenehme Stille machte sich kurz darauf auf dem Marktplatz breit, dass nur durch das ferne Bellen eines Hundes unterbrochen wurde, derweilen ich fühlen konnte, wie sämtliche brennende Blicke, unter ihnen auch Milos und Minas ängstliche Blicke, zwischen Merrick und mir hin und herwanderten, abwartend was nun als nächstes passieren würde. Eine gewisse Spannung machte sich daher auf dem Platz breit, kroch in jeden anwesenden Körper und ließ das Herz eines jeden ungewollt schneller schlagen, unterdessen erneut eine kühle Brise über unser aller Köpfe hinwegfegte. Tja, und dann? Dann brach Merrick mit einem Mal in schallendes, gackerndes Gelächter aus. Wie eine fette Hyäne lachte sich der Typ seinen Arsch ab, musste sich sogar, schenkelklopfend, nach vorne beugen, um überhaupt Luft zu bekommen, währenddessen sein Gelächter den gesamten Marktplatz ausfüllte, sodass es auch wirklich ein jeder hören konnte. Viele der anwesenden Zuschauer konnten deswegen nur angewidert den Kopf schütteln oder herablassend die Nase kräuseln, hießen sie Merricks Verhalten doch alles andere als gut. Nur diese 4 – 5 zwielichtigen Männer in den vorderen, rechten Reihen lachten leise mit, klopften sich gegenseitig auf die Schultern oder rempelten sich grob gegenseitig an, um auf das Geschehene, beziehungsweise das Gesagte, aufmerksam zu machen, da sie anscheinend selbst nicht glauben konnten, was da gerade passiert war. Wie konnte es schließlich ein einfaches Weib auch wagen, so mit ihrem Boss, im Nachhinein gesehen nahm ich schwer an, dass Merrick ihr Anführer war, zu reden und ihm zu drohen? Er hatte schließlich genug Macht, um in Bree das tun zu können, was er wollte, auch wenn ich nicht wusste woher er diese Absicherung hatte. Vielleicht war er Mitglied einer einflussreichen Familie oder ein enger Freund von ihm war in einer mächtigen Position, die ihm Sicherheit gab, oder aber er besaß viel Land, in Brees Umland, wodurch seine Macht unwillkürlich mitanstieg. Was es im Endeffekt war, wusste ich nicht. Und ehrlichgesagt wollte ich dies auch nicht wissen, denn im Moment gab es wichtigeres klarstellen…

Und dieses Wichtigere war, als Merrick sich zumindest halbwegs wieder gefangen, sich schweratmend aufgerichtet hatte und sich nun kichernd die Augenwinkel mit seinem Fingerknöchel auswischte, um die Lachtränen von dort loszuwerden. Ich verengte deswegen meine Augen zu schmalen Schlitzen, konnte ich doch den Hohn, wie auch den Spot nicht ausstehen, mit dem Merrick mir entgegenkam. Doch trotzdem bewahrte ich meine kühle Fassade, reckte lediglich stolz mein Kinn in die Höhe und streckte mutig meine Brust heraus, derweilen der füllige, dunkelhaarige Mann nachluftringend sein glänzendes Augenmerk wieder auf mich richtete und mich spöttisch anfunkelte. „Mir gefällt dein Humor, Püppchen, der ist ja so erfrischend.“ höhnte er noch immer leicht kichernd, fuhr sich dann mit einer Hand amüsiert über seine spärlichen, strähnigen Haare, ehe er ungehalten räusperte und, mit einem ordentlichen Ruck, seinen gespannten Wams richtete. Sein Blick dabei allerdings sprunghaft von belustigt-höhnisch funkelnd, auf düster-spöttisch wechselnd, weshalb ich auch unwillkürlich meinen Atem anhielt und instinktiv alle vorhandenen Muskeln in meinem Körper anspannte, sodass es beinahe schon wehtat. „Aber jetzt ist genug.“ fuhr Merrick zwischenzeitlich knurrend fort, kräuselte zornig seine dicke Nase, wodurch auf seiner schweißnassen, glänzenden Stirn eine kleine Falte entstand und trat drohend einen festen Schritt auf Milo, Mina und mich zu. „Du willst mein Angebot nicht annehmen und lieber dieses dreckige, kleine Miststück und ihr miese Ratte beschützen? Fein. Dann werden meine Freunde und ich eben dir zuerst alle Knochen im Körper brechen, bevor du dann zusehen kannst, wie ich meinem undankbaren Weib und ihren diebischen, kleinen Rotzlöffel eine Lektion für ihren Ungehorsam erteile! JUNGS-…“ keifte Minas Gatte spuckend in die Richtung der 5 verwahrlosten Männer, die bei seiner Stimme sofort Hab-Acht standen und gehässig zum ihm herübersahen, ehe Merrick mit einem Kopfnicken in meine Richtung deutete. „Macht sie fertig!“ bellte er ihnen gebieterisch zu und ließ, mit einem fetten, bösen Lächeln, seine großen Hände dann in seinen Hosentaschen verschwinden, derweilen von seinen 5 Jungs nur ein zufriedenes Schnaufen kam. „Mit Vergnügen, Merrick.“ bestätigte einer von ihnen schadenfroh, derweilen ein anderer bedrohlich mit seinen Fingerknöcheln zu knacken begann.

Und alle 5 gemeinsam setzten sie sich langsam, ja beinahe sogar schon schleichend, mit gemächlich schmatzenden Schritten, in Bewegung und fixierten mich dabei, wie Rudel hungriger Geier, die gerade ein verlassenes Stück Ass gefunden hatten. In der Zuschauermenge ging daher wiederrum ein Raunen durch, war es doch in keinster Weise fair, dass 5 Männer gegen 1 Frau kämpften. Das war moralisch einfach nur unterste Schublade. Doch weder Merrick, der selbstzufrieden auf seinem Platz auf der anderen Seite des Marktes stand, noch ich, die deswegen finster die Augen zu ganz schmalen Schlitzen verengte, kümmerte dies. Oh nein. Stattdessen gab ich nur ein abfälliges Schnauben von mir, beobachtete, mit huschenden Augenlidern, wie sich Merricks Männer genüsslich zu einem hübschen Halbkreis aufteilten, ein paar sogar einen krummen Knüppel zogen, mit dem sie lässig pfeifend spielten, ehe ich mich, ohne meine Kontrahenten aus dem Auge zu lassen, zu Mina und Milo nach hinten beugte, die verzweifelt, wie auch ängstlich das ganze Schauspiel musterten. „Mina.“ begann ich dann in aller Seelenruhe und verstärkte lediglich meinen Griff um meinen Stab, als sich die Bewegungen von einem von Merricks Männern in mein Augenwinkel bewegten, derweilen die Dunkelblonde, mit ihrem hübschen Kopf, sofort in meine Richtung herumschoss, als sie meine Stimme vernahm. „J-Ja?“ gab sie dann zittrig von sich und verstärkte den Griff um ihren kleinen Bruder, der mit großen Augen, zu einem naheständen Merrick-Mann starrte, der, mit einem vergoldeten Zahn, wie auch knüppelschwingend hämisch zu Milo glotzte.

„Sobald der Erste dieser stinkenden Kobolde einen Angriff startet, lauft ihr so schnell ihr könnt, ist das klar?“ befahl ich ihr in einem ernsten Ton, der gewiss keine Widerrede duldete, lag mir ihre Sicherheit im Moment doch sehr am Herzen. Oft genug hatte ich Menschen in ihrer dunkelsten Zeit alleine gelassen, wo es eigentlich meine Pflicht war für ihren Schutz und ihre Sicherheit zu sorgen. Und wenn ich ehrlich war, dann haderte ich jetzt teilweise immer noch mit mir, da diese leise, böse Stimme in meinem Hinterkopf, mir immer noch versuchte einzureden, dass dies nicht mein Kampf war und ich nur wieder dieselben Schmerzen erleiden würde, an denen ich so gut wie zerbrochen war. Doch der alte Wille in mir zu helfen und zu beschützen, so wie es mein Kredo von mir verlangte, war durch Mina und Milo wieder zum Leben erwacht und machte meinem Kopf nun sehr deutlich, was meine Aufgabe war. Und dieser Aufgabe wollte mittlerweile nicht nur mehr mein Kopf, sondern auch mein Herz folgen… Mina, in der Zwischenzeit, verstand zum Glück, dass ich dies zu ihrem Schutz tat, denn ich konnte sie aus meinem anderen Augenwinkel zaghaft nicken sehen. „J-J-Ja.“ stotterte sie zittrig, bestätigte somit, dass sie meinen Befehl verstanden hatte und ihm auch Folge leisten würde, was ich dann nur mit einem schweren Schnauben kommentierte. Gut, dann heiß es jetzt wohl ein bisschen Dampfablassen für mich…

Fest biss ich beide Kieferknochen zusammen, erlaubte so seinen Muskeln sich deutlich zu zeigen und richtete mich zeitgleich langsam auf, meine Irden dabei hüpfend zwischen den Männern, die mich garstig angrinsten, unruhig mit ihren Knüppeln spielten oder einander ungeduldige Blicke zuwarfen, hin- und herspringend, um sie ja alle im Auge zu behalten und keine Bewegung ihrerseits zu verpassen. Eine angespannte Stille legte sich daraufhin über den Marktpatz, der irgendwie an die Ruhe vor dem Sturm erinnerte und nur durch das leise, ächzende Quietschen von einer nahegelegenen alten, rostigen Tür unterbrochen wurde, derweilen die Männer und ich uns nur gegenseitig anstarrten und die Menschen aus den Zuschauerreihen entweder den Atem anhielten oder die Hand vor dem Mund hielten, um nicht zu laut zu atmen. Ein Versuch der Einschüchterung das wusste ich. Diese 5 Typen versuchten durch ihre Anzahl, ihre Waffen und ihr dominantes Auftreten mich zu brechen, doch das würde nicht klappen. Nicht bei mir. Also starre ich auch weiterhin, ohne auch nur den kleinsten Muskel zu rühren, Merricks Männer an, versuchte mein donnerndes Herz in der Brust zu ignorieren und verfestigte lediglich ein weiteres Mal den Griff um meinen Stab. Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Sturm gleich hereinbrechen würde…

Tja, und so war es dann auch…Leider…Denn bevor überhaupt auch nur ein weiterer Wimpernschlag vergehen konnte, nahm ich eine Bewegung aus meinem linken Augenwinkel war. Goldzahn, der, der Milo so hämisch angeglotzt hatte, drehte noch einmal demonstrativ seinen Knüppel in der Hand herum, ehe er zornig seine krumme Nase kräuselte und einen tiefen, röhrenden Kampfesschrei ausstieß, der schallend die Stille des Marktes zerbrach und so einige Anwesende ungewollt zusammenzucken ließ. Mein Herz machte deswegen einen kleinen Satz nach vorne, hatte ich doch irgendwie erwartet, dass der erste Angriff von vorne kommen würde. Doch ich zögerte nicht, sondern wirbelte blitzschnell kampfbereit in die Richtung herum, wo Goldzahn stand, wirbelte meinen silbernen Kampfstock dabei elegant im Halbkreis mit herum, derweilen Goldzahn, mit seinem schäbigen Drei-Tage-Bart wutentbrannt, wie auch mit schmatzenden Schritten auf mich zuzustürmen begann. Seine schlitzartigen, schwarzen Augen dabei gefährlich, wie die eines angreifendes Grizzlybären, funkelnd. Doch ich hatte keine Angst. Nein. Mein Körper reagierte so lediglich aufgrund des Adrenalins, weshalb ich mich auch einfach auf den brüllenden, heranstürzenden Gegner konzentrieren wollte. Und eigentlich hätte ich ihn auch mit links fertigmachen können. Es war schließlich kein hochausgebildeter Soldat der Elben oder sonst was. Er war nur ein Halunke aus einer nahezu unbekannten Stadt.

Doch bevor ich überhaupt die verdammte Möglichkeit dazu hatte zum Streich auszuholen, sah ich aus der Ecke meines rechten Auges urplötzlich aus der entsetzten Menge einen bekannten, wehenden, roten Schopf aufblitzen, der knurrend, wie auch mit trampelnde, eiligen, schmatzenden Schritten, in mein Sichtfeld schoss und hart Goldzahn die in die Seite takelte, was die Zuschauermenge in überraschte Auffuhr versetzte, derweilen Mina nur lautstark nach Luft schnappte und entsetzt, mit weitaufgerissenen, himmelblauen Augen, zu Gawen starrte. Paralysiert vor Angst, genauso wie ihr kleiner Bruder. Ich verdrehte daher nur leicht meine Augen, ärgerte ich mich doch irgendwie darüber, dass Gawen meinen Moment versaut hatte, doch ich zögerte nicht, sondern nutzte stattdessen das untere Ende meines Stabes, um Mina in die Seite zu stupsen. Die zuckte deswegen ängstlich zusammen, richtete dann instinktiv ihren Blick in meine Richtung und sah mich verzweifelt an, derweilen sie ihren kleinen Bruder so dicht wie nur möglich an sich heranpresste, um ihn ja nicht zu verlieren. Ein kleiner Stich machte sich deswegen in meiner Brust breit, tat es mir doch weh, Mina in einer solchen Todesangst zu sehen, allerdings verdrängte ich diesen Schmerz rasch und deutete mit meinem Kopf stumm stattdessen in die Menge hinter ihnen, als Zeichen, dass sie jetzt die Biege machen sollten. Die Dunkelblonde folgte instinktiv meinen Blick, blickte zu dem Punkt wo ich hingedeutet hatte, unterdessen Milo, durch den Schock, wie erstarrt auf Goldzahn und Gawen starrte, nicht mehr fähig sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Doch das musste er, denn als sich Mina wieder zu mir umdrehte, nickte sie mir zaghaft dankend zu, ehe sie Milo, mit den Worten „Komm, Milo, rasch!“ am Arm packte und den Kleinen eilig stolpernd, mit leicht wehendem Rock, hinter sich her, in Richtung Zuschauermenge zog, wo sie hoffentlich den restlichen Angriff über sicher seien würden…

Goldzahn, in der Zwischenzeit, ächzte wegen Gawens Takle überrascht auf, weitete ungläubig seine schwarzen Augen, hatte er sowas doch gar nicht erwartet, unterdessen er durch Gawens harten Takle das Gleichgewicht verlor und, wie ein schwerer, nasser Sack Kartoffeln klatschend in den Schlamm fiel. Gawen ging dabei allerdings ebenfalls unerwartet, kämpferisch knurrend, mit ihm zu Boden, hatte er seine kräftigen Arme doch um Goldzahns Rumpf gelegt, um ihn so besser takeln zu können, weshalb schlussendlich zwei Männer im Matsch endeten. Eine ordentliche Portion brauner, nasser Masse wurde dadurch in die Luft geschleudert, zog sich auch sofort in die Kleidung Gawens und Goldzahns fest, doch den rothaarigen Schmied interessierte dies überhaupt nicht. Nein. Stattdessen richtete er sich umgehend wutverzehrt auf Goldzahn auf, packte ihn grob am Krawattel, zerrte seinen Oberkörper ein wenig in die Höhe, was Merricks Mann nur mit einem fletschen seiner Zähne beantwortete, holte dann mit seiner Faust aus und schlug sie ihm sogleich auch brutal ins Gesicht. Immer und immer wieder ließ Gawen knurrend seine Faust auf Goldzahns Gesicht einschlagen, gab dabei keuchende Laute von sich, konnte ich mir doch vorstellen, dass dies in den Knöcheln höllisch wehtun musste, derweilen Goldzahn nur gurgelnde Laute von sich geben konnte. Er war zu benommen um irgendwas tun zu können, weshalb er auch wehrlos die Schläge über sich ergehen ließ, währenddessen das heiße, dunkelrote Blut bereits aus seiner Nase und seinem Mundwinkel zu rinnen begannen. Dabei seinen spärlichen, emsigen Drei-Tage-Bart besudelnd und in dicken, heißen Tropfen auf seine Kleidung tropfend. Doch Gawen hörte nicht so schnell auf. Ohh nein. Das tat er nicht. Er zog nämlich erst seine blutig geschlagene Faust zurück, als er sich zu 100% sicher war, dass Goldzahn bewusstlos und kampfunfähig war. Also keine Bedrohung mehr für Mina und Milo mehr.

Erst dann richtete er sich hastig schweratmend auf, warf Merrick einen hämischen Blick zu, der vor brodelnder Wut nahezu kochen schien, und stieg dann von dem bewusstlosen Mann herunter, um eilig, wie auch leicht stolpernd, an meine Seite der Verteidigung zu treten, ein selbstgefälliges Grinsen dabei seine Lippen zierend. „Da lasse ich Euch einmal 5 Minuten alleine in meiner Schmiede zurück und schon finde ich Euch in einem Faustkampf mit Merricks Männern wieder, Missy. Tz, wenn Ihr mir eine Überraschung hättet machen wollen, dann hättet Ihr nur einfach Euer Gewand ablegen und vorm Schmiedeofen auf mich warten sollen. Glutlicht würde Eurer Haut sicher schmeicheln.“ begrüßte mich Gawen so großmäulig, wie vor 20 Minuten bei unserer ersten Begegnung auch, weshalb ich auch nur genervt meine Augen verdrehen konnte und meinen Kampfstab etwas fester packte. „Du hast meinen Moment versaut, Gawen.“ erwiderte ich kühl auf seine Begrüßung, ignorierte dabei gekonnt seine unkeusche Bemerkung, da ich ja wusste, dass er eigentlich nur Scherze machte und richtete stattdessen meinen Blick grimmig wieder den verbliebenden 4 Männern zu, die in ihrer Perplexität von Rotschopfs Überraschungsangriff nur ein wenig überfordert zwischen ihrem zu Boden gegangenen Kamerad und Gawen und mir hin und her schauen konnten, den ersten Schock verdauend, bevor sie wieder zum nächsten Angriff übergehen konnten.

Doch unser rothaariger Schmied, in der Zwischenzeit, schnaubte nur amüsiert über meine Worte und stemmte leicht anklagend seine muskulösen Arme in seine definierten Seiten. „Wisst Ihr, Missy, für gewöhnlich bedankt man sich, wenn man einem das Leben rettet. Also-…“ begann der junge Mann aufziehend und streckte auffordernd seine rechte Hand nach mir aus. „Ich akzeptiere Euren Dank nur in Münzen.“ beendete Gawen selbstbewusst seine Aufforderung und warf mir ein keckes Lächeln zu, die Gefahr um sich herum ganz und gar nicht mehr registrierend. Ich warf ihm deswegen nur einen fassungslosen Seitenblick zu, konnte ich doch nicht wirklich glauben, was der Vogel da gerade von mir verlangte. Doch dann verstand ich, dass dies wieder nur einer seiner Scherze war, weshalb ich leicht genervt meine Augen verdrehte und meinen Kopf wieder Merricks Männern zuwandte, deren Gesichter nun allmählich die Farbe der Wut annahmen. „Fahrt zur Hölle, Gawen.“ brummte ich unterkühlt zurück, dabei nicht auf seinen dämlichen Trick eingehend, was der Schmied nur mit einem theatralischen Seufzen, als auch mit einem schmerzvollen Drauflegen seiner Hand auf sein Herz kommentierte. „Und Euch hier oben dann alleine lassen? Was wäre ich dann bloß für ein No-…“ wollte Gawen spielerisch antworten, als er jedoch mit einem Mal von einem zornentbrannten Brüllen auf der anderen Seite des Marktes unterbrochen wurde. „JETZT STEHT DA NICHT RUM, WIE ANGEGOSSEN! TUT WAS ICH EUCH AUFGETRAGEN HABE, VERDAMMT NOCHMAL!!“ keifte Merrick, mit gefährlich pulsierender Pulsader, seine Männer an und deutete mit seinem Zeigefinger auf Gawen und mich, um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, derweilen seine Männer, wie auch einige der umstehenden Zuschauer erneut erschrickt zusammenzuckten.

Ich ging daher direkt wieder in meine Kampfhaltung über, fasste meinen Kampfstock fester, ging leicht in die Hocke und hielt meine Waffe leicht schräg nach vorne, sodass dessen Ende auf meine Gegner zeigte. Gawen derweilen, naja…Er kratzte sich etwas ratlos an seinem Bart und dachte noch nicht einmal im entferntesten daran in eine Kampfhaltung überzugehen. Stattdessen lehnte er sich lieber erneut leicht zu mir herüber, wobei seine moosgrünen Augen aufmerksam über Merricks Männer hüpften, die nun langsam, wie auch sehr grantig aussehend, auf uns zukamen. Dabei Fingerknöchel geräuschvoll knackend und Knüppel demonstrativ schwingend…„Hmm, also nur um das klarzustellen. Ich würde vorschlagen…Ihr nehmt Euch den Typen da ganz rechts, mit der hässlichen Narbe über dem Auge vor und ich den Rest? Ich möchte Euch nicht zu viel zumuten, Missy.“ schlug mir der Rotschopf grübelnd vor und gestikulierte zu allem Überfluss auch nur auf die gemeinten Leute hin, weshalb ich nicht drumherum kam Gawen einen warnenden Seitenblick zuzuwerfen, damit er endlich aufhörte alles preiszugeben. Der beste Trick in einem Kampf war schließlich der Überraschungseffekt und das Unwissen der Gegner auszunutzen…

Doch was sollte ich sagen, meine Freunde? Was sollte ich euch erzählen? Es war eigentlich gar nicht so dumm von mir, mich zu dem rothaarigen Schmied umzudrehen und ihm warnend in die hübschen, moosgrünen Augen zu sehen. Denn so konnte ich glücklicherweise rechtzeitig erkennen, dass einer von Merricks Männern, der parallel zu Gawen stand, mit erhobenen Knüppel eilig, wie auch bemüht lautlos, auf den Schmied zuging. Das Gesicht dabei zu einer hässlichen, wutverzerrten Fratze verzogen…

Ich reagierte daher instinktiv. Noch bevor die Sekunde überhaupt verstreichen konnte, holte ich, mit donnerndem Herzen, blitzschnell mit meinem hinteren Bein aus und trat es Gawen heftig in die Seite seines rechten Knies. Dieser stieß deswegen selbstverständlich einen überraschten, aber auch schmerzerfüllten Schrei aus und verzog ungewollt das Gesicht, als er mit seinem rechten Bein wegknickte und in den Schlamm stürzte. Doch ich hatte keine Zeit, um darauf Rücksicht zu nehmen. Nein. Stattdessen machte ich blitzschnell eine 360° Graddrehung und schwang meinen silbernen Kampfstock dabei kraftvoll mit mir herum, sodass er in einem eleganten Halbkreis mit mir mitflog. Der Typ, der Gawen von hinten angreifen wollte, weitete anfänglich nur irritiert die Augen, als er sah, wie Gawen ächzend zu Boden ging und sich die Stelle hielt, an dem ich ihn getreten hatte. Doch bevor er überhaupt noch weiter registrieren konnte, was zum Teufel hier abging, kam ich mit meiner Vollumdrehung auch schon wieder bei dem Angreifer an und schleuderte ihm ohne Gnade das lange, metallene, obere Ende meines Kampfstabes voll gegen seine Schläfe. Ein hohles Geräusch echote daraufhin über den Marktplatz, ließ ein paar der Frauen scharf die Luft einsaugen oder mitleidig das Gesicht verziehen, unterdessen Merricks Mann nur ein lautes „ARGH!“ von sich gab. Und naja…Das war auch das Letzte, was man von ihm hörte, denn dann kippte er auch schon bewusstlos, mit einer aufgeplatzten, blutigen Stelle an der Schläfe, zur Seite weg und landete, wie ein nasser Sack Kartoffeln, im Dreck, sodass dieser nur so spritzte. Der Knüppel dabei aus seiner Hand fallend.

Abweisend schnaubte ich, würdigte den Gefallenen keines weiteren Blickes, sondern wandte mich direkt wieder Gawen zu, der perplex zwischen mir und Merricks Mann hin und hersah, langsam registrierend, dass ich ihn eigentlich den Arsch gerettet hatte. „Das kam jetzt unerwartet.“ murmelte er in einem immer noch recht spielerischen Unterton und deutete dabei auf den bewusstlosen, blutenden Mann am Boden, was mich nur schnauben, wie auch leicht den Kopf schütteln ließ. Dieser Typ war echt einfach nur unmöglich. Doch lange Zeit, um mich darüber zu beschweren hatte ich nicht, denn schon setzte auch schon der nächste Mann sein Glück auf die Probe. „DU MISTSTÜCK! DAS WIRST DU BEREUEN!!“ brüllte der Mann, mit der Narbe, den mir Gawen zuvor überlassen wollte, und stürmte, wie ein wilder Bulle, auf mich zu. Seine Schritte trommelten dabei über den Matsch, hinterließen tiefe Spuren, währenddessen seine gelb-braunen Augen bedrohlich, wie bei einem zornigen Wolf, blitzten. Ich reagierte derweilen erneut instinktiv, verengte angriffsbereit meine Augen zu schmalen Schlitzen und drehte mich, ohne weitere Umschweife, sofort zu Narbengesicht herum, hielt dabei allerdings meinen Kampfstock schräg vor meinem Körper, was im Nachhinein gesehen, vielleicht nicht unbedingt die schlauste Idee von mir gewesen war.  Denn Narbengesicht war schneller bei mir als ich erwartet hatte und noch bevor ich zu einem Streich meines Stabes ausholen konnte, packte er diesen am oberen, wie auch am unteren Ende und stemmte sich volle Kanne dagegen. Überrascht weitete ich deshalb für eine Multisekunde meine Augen, saß ich so doch nun in einer Art Zwickmühle, derweilen Narbengesicht, kriegerisch brüllend, mich durch die gesamte Krafteinwirkung ein paar Schritte zurückschob. Unfreiwillig musste ich dem nachgeben, ließ mich ein paar Schritte durch den Schlamm drücken, stemmte mich jedoch bereits schnaufend, wie auch mit angespannter Miene, dagegen, um Narbengesicht nicht zu viel Spielraum zu geben, wobei ich unbewusst meinen Starb so fest packte, dass meine Fingerknöchel schon weiß hervorstachen.

Gawen, in der Zwischenzeit, bemerkte meine verzwickte Lage, weshalb er sich auch sofort aus dem Schlamm erhob und mir zu Hilfe eilen wollte. Doch diese Hilfe traf nie ein, denn dieses Mal, war er es, der von Merricks letzten Mann, knurrend, wieder ächzend zu Boden gerammt wurde und dort in aller Brutalität von ihm bearbeitet wurde. Was genau die Beiden dort jedoch aufführten konnte ich nicht wirklich erkennen, denn zum Einen sah ich nur ein Knäul aus fliegenden Fäusten, Flüchen, spritzendem Schlamm und schmerzvollen Ächzen und zum Anderen war ich ja noch mit Narbengesicht im Spiel, der anscheinend alles daran setzte, mich zu Boden zubekommen. Knurrend drückte er nämlich meinen Stab nach oben, wollte so versuchen mich von oben nach unten in den Dreck zu drücken, da er dort mehr Kontrolle über mich hatte und mich sicher auch leichter überwältigen konnte. Ich gab deswegen ein angestrengtes Ächzen von mir, war ich in Kraft Narbengesicht doch deutlich unterlegen, derweilen Gawens Kampfgeräusche die Luft erfüllten. Schweiß begann sich auf meiner Stirn zu formen, teilweise auch funkelnd an meiner Schläfe hinabzulaufen, da ich fühlen konnte, wie Narbengesicht mit seiner Kraft meine Arme immer weiter runter drückte. Mittlerweile waren wir sogar bereits bei meinem Brustkorb angekommen, weshalb ich nur angespannt mir auf die Lippe beißen konnte, derweilen Narbengesicht nur hämisch grinste.

„Gib doch einfach auf, Kleine. Ich verspreche dir dann auch, dir nicht allzu viele Knochen zu brechen. Ich würde nur ungern dafür verantwortlich sein aus so einem hübschen Ding auf ewig einen Krüppel zu machen.“ spottete Narbengesicht gehässig und übte noch einmal mehr Druck auf meinen Stab aus, sodass dieser nun gänzlich schmerzvoll auf meinem Brustkorb zum Liegen kam, mir so das Atmen erschwerte. Erschwert stieß ich daher die Luft aus meinen Nasenflügeln aus, fixierte düster die gelb-braunen Augen Narbengesichts, unterdessen neben mir das Brechen eines Knochens zu hören war, gefolgt von einem peinvollen Schrei. Wer dies jetzt aber genau war konnte ich nicht mit Sicherheit sagen, aber das würde sich später ohnehin herausstellen. Denn im Moment war wichtiger, dass mir eine Idee durch den Kopf schoss, wie ich diesen Mistkerl loswerden konnte. Auch wenn mir dies ein wenig wehtun könnte, aber das war im Moment einfach die einzige Möglichkeit die mir einfiel…

Angespannt holte ich daher ein letztes Mal so tief Luft, wie es mir im Moment nur möglich war, ehe ich ein leicht hämisches Grinsen Narbengesicht zuwarf. Dieser zog deswegen nur leicht irritiert seine vernarbte Augenbraun in die Höhe, dass böse Grinsen auf seinen schmalen Lippen dabei argwöhnisch langsam versiegend, doch ehe überhaupt auch noch die Möglichkeit dazu hatte irgendeinen anderen Schachzug auszuprobieren, drückte ich blitzschnell, zusammen mit Narbengesichts Krafteinwirkung, meinen silbernen Kampfstock bis zu meinem Bauch herab. Merricks Mann weitete deswegen überrascht seine Augen, stolperte aufgrund der plötzlichen Bewegung mir ein wenig entgegen, was ich selbstverständlich, mit einem triumphierenden Funkeln in den Augen, ausnutzte. Denn noch ehe Narbengesicht überhaupt wusste, wie ihm geschah, holte ich mit meinem Kopf kraftvoll aus und schleuderte ihm, die Sekunde darauf, brutal meine Stirn gegen seine. „ARGHH!“  Ein schmerzvolles Pulsieren entstand dabei in meinem Kopf, ließ mich zunächst schmerzerfüllt, scharf die Luft einziehen und die Augen zusammenkneifen, tat sowas doch höllisch weh. Sogar ein paar glitzernde Tränenansätze formten sich in meinen Augenwinkeln, drohten an meinen Wangen hinabzurollen, derweilen das Pochen und das Pulsieren in meinem Kopf stärker, deutlicher und schlimmer wurde. Für mich ein klares Anzeichen, dass ich morgen entweder einen blauen Fleck haben würde und mir gerade eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Kam voll und ganz darauf an.

Doch ich hatte nicht wirklich viel Zeit, um dem viel Beachtung zu schenken. Ohh nein, hatte ich nicht. Denn Narbengesicht stand unter noch mehr Schmerz als ich, hatte deswegen sogar, mit einem schmerzverzerrtem Gesicht, meinen Stab losgelassen und war einen Schritt zurückgetaumelt, seine Hand dabei derbe fluchend zu seiner Stirn wandernd, um diese vorsichtig abzutasten. Tja, und was sollte ich dazu noch sagen, hmm, außer ich nutze diese Gelegenheit voll und ganz aus? Gar nichts vermute ich, denn rasch sammelte ich mich wieder, schüttelte leicht mein Haupt, um die Schmerzen loszuwerden und verzog kämpferisch meine Lippen, ehe ich blitzschnell meinen Stab in meinen Händen drehte und eilig einen Schritt nach vorne machte. Und noch bevor Narbengesicht überhaupt regieren hätte können, schleuste ich das obere Ende meines Stabes geschickt, wie auch ein wenig schwerer atmend als sonst, hinter seine Beine, fasste das untere Ende meiner Waffe noch einmal fester und zog diesen dann kraftvoll, wie auch bestimmt nach oben. Fazit davon war dann, dass ich so Narbengesicht die Beine unter dem Körper wegzog und er, mit einem überraschten Aufschrei, rücklings in den Schlamm fiel, sodass wieder einmal eine gewaltige Menge an Schlammspritzern in die Luft geschleudert wurde, die die naheständen Zuschauer überrascht Raunen ließen. Eine Frau quietschte sogar leise, doch niemand kümmerte sich um sie, ich am allerwenigsten. Denn mit Narbengesicht war ich noch lange nicht fertig. Oh nein.

In aller Ruhe richtete ich mich nämlich auf, ließ meinen Stab ein wenig lockerer in meiner Hand und schritt, mit leichten, schmatzenden Schritten, langsam zu Narbengesicht hinüber, der sich schwerfällig auf seiner Stelle wälzte, in dem Versuch aufzustehen. Doch entweder sein Rücken, seine Stirn oder Beides zusammen, hielten ihn davon ab sich gänzlich aufrichten zu können, sodass er es ächzend, wie auch rüde fluchend, gerade einmal schaffte, sich ungelenkig auf seine schlammbeschmutzten Ellbogen zu stützen. Was den Rest seiner Aufstehversuche anbelangte…Naja, sagen wir es so…Ich unterdrückte diese eigentlich sehr schnell, als ich, schweratmend, neben ihm zum Stehen kam, mein Stab dabei locker an meiner Seite trug und wortlos auf Narbengesicht herabsah, als Zeichen dafür, dass es nun genug war und er diesen Kampf verloren hatte. Und das wusste Narbengesicht auch, dass sah man ihm irgendwie an. Aber sein gottverdammter Stolz dagegen schien einer anderen Meinung zu sein, denn urplötzlich legte sich wieder ein kämpferischer Zug über Narbengesichts Gesicht, brachte seine braun-gelben Augen feurig zum Funkeln und zwang ihn dazu einen Versuch zu unternehmen sich wieder auf seine Beine zu erheben, was ich an seinen zuckenden Muskeln deutlich erkennen konnte. Doch auch hier handelte ich wieder instinktiv, verhärtete schlagartig meine Gesichtszüge und ließ mich ohne weitere Umschweife auf mein rechtes Knie fallen.

Keine Ahnung, ob ich dies dabei aus der Situation heraus tat oder ob ich es so wollte, aber auf jeden Fall drückte ich dabei meinen rechten Daumen bestimmt herunter, sodass unwillkürlich Gawens Mechanismus, der an der dunkelbraunen, leicht verzierten Armschiene befestigt war, aktiviert wurde und die versteckte Klinge darin umgehend geräuschvoll heraussprang. Gefährlich blitzte die Klinge im Licht der Sonne, wirkte so zweimal so gefährlich, wie sonst, als sie nur wenige Millimeter vor Narbengesichts Kehle schwebte, hauchzart sogar seine Haut streifte, wodurch leichte Furchen in ihr entstanden. Narbengesicht weitete aufgrund der plötzlichen Klinge selbstverständlich ängstlich, fassungslos und überrascht zugleich seine Augen, sah dann für einige Herzschläge überfordert zwischen der Klinge und mir hin und her, ehe dann schließlich langsam und vorsichtig seinen Hals durchdrückte, um so weit weg wie nur möglich von der Klinge zu kommen, derweilen durch die Reihen der Zuschauer erneut ein lautes Raunen, wie auch eine gewisse Unruhe ging. Tja, unerwartete Wendung würde ich dann mal sagen…Aber wie dem auch sei…Wo waren wir noch gleich stehengeblieben? Ach ja!....

Herzschläge vergingen, Sekunden verstrichen, in denen Narbengesicht und ich uns einfach nur gegenseitig anstarrten, sein Brustkorb dabei sich deutlich schneller hebend als meiner, da er sich womöglich ehrlich in Todesangst befand. Immerhin war ich die Fremde, die er angegriffen hatte und nun thronte ich über ihm und hatte einen Dolch an seinem Hals, mit dem ich ihm simple die Kehle aufschlitzen konnte. Doch ich war kein Monster. Ich tötete nicht, wenn es nicht sein musste und Unbewaffnete tötete ich schon gar keinesfalls, auch wenn sie es manchmal verdient hätten, weshalb ich auch ein leises Seufzen ausstieß, ehe ich meine Augen erneut etwas verschmälerte und mich dann ein wenig nach vorne beugte, um so besser mit Narbengesicht zu reden. Dieser zog zwar seinen Kopf aus Trotz noch weiter zurück und funkelte mich säuerlich, doch das war mir egal. Wichtig war nur, dass er hörte, was ich sagte. „Es ist vorbei.“ flüsterte ich ihm kühl diese 3 kleinen Worte zu und warf ihm dann noch einen langen, vielsagenden Blick zu, der mehr als tausend Wörter sprach, bevor ich bestimmt meinen Daumen erneut nach unten zog und dem Mechanismus so den Befehl gab, die Klinge wieder einzuziehen. Ein leises Klick-Geräusch ertönte und ich fühlte den Mechanismus leicht durch die Schiene und mein Hemd arbeiten, ehe die Klinge schließlich mit einem weiteren Klick eilig eingezogen wurde und ich mich anschließend erheben konnte. Ein leises Schnauben dabei meine Nasenflügel verlassend, unterdessen ich beobachten konnte, wie Narbengesicht, mit einem enttäuschten Schnauben, seinen Kopf, mit zufallenden Augen, nach hinten in den Schlamm fallen ließ und sämtliche Muskeln in seinem Körper entspannte. Wow, er hatte also wirklich in Todesangst gesteckt. Beeindruckend…

Doch ich wollte mich nicht noch länger damit befassen, also drehte ich Narbengesicht kurzerhand den Rücken zu und wandte meinen Kopf stattdessen in die Richtung, wo ich Gawen zuletzt gesehen hatte. Und siehe da, mit einem zufriedenen Siegesruf thronte der rothaarige Schmied auf seinem bewusstlosen Gegner drauf und streckte triumphierend seine Fäuste in die Luft. „Leg dich niemals mit einem Schmied an, du Bastard! Lass dir das eine Lehre fürs Leben sein!“ würgte Gawen atemlos seinem bewusstlosen Opfer, dessen Gesicht mit Schrammen, Platzwunden und Blut übersäht war, rein, ehe er sich schließlich schwerfällig aufrichtete und mit seinem Ärmel schniefend über seine Nase fuhr. Ich nahm an, dass er das tat, um das Blut von dort wegzubekommen, doch sicher war ich mir nicht, denn er stand mit dem Rücken zu mir und ich wollte lieber warten bis er zu mir kam, weshalb ich mich auch, mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen, auf meinem Stab abstützte und mein ganzes Gewicht auf ihn verlagerte. Der junge Schmied, in der Zwischenzeit, spuckte, sehr zu meinem Missfallen, noch einmal neben den leblosen Körper von Merricks Schlägerfreund, bevor er sich schließlich, leicht taumelnd, zu mir umwandte und schweren Schrittes auf mich zukam, seine Arme dabei siegreich zur Seite ausgestreckt. „Ihr lebt ja noch, Missy! Ich hatte eigentlich gedacht, dass Narbengesicht Hackfleisch aus Euch gemacht hat, so fragil wie Ihr doch seid.“ Empfing mich der Rotschopf, mit einem neckenden, aber doch auch ernstgemeinten Unterton, was ich erneut nur mit einem Augenverdrehen kommentieren konnte. „Und doch seid Ihr derjenige, Gawen, der mit mehr Verletzungen aus dieser Prügelei hervorgegangen ist, als ich.“ Konterte ich ruhig auf seinen Angriff und deutete mit einem Kopfnicken auf die blutende Nase und die ganzen blutigen Schrammen in Gawens Gesicht. Doch der junge Rotschopf machte auf meine Bemerkung hin lediglich eine wegwerfende Bewegung. „Das sind doch bloß Kleinigkeiten. Ich hatte schlimmeres und vor allem-…“ wollte der Schmied gleichgültig seine Verletzungen abstreiten, wurde mit einem Mal jedoch von hastigen Schritten am anderen Ende des Marktes unterbrochen, die sich eilig vom Platz entfernten.

Instinktiv schwenkten unsere Köpfe in Merricks Richtung herum, der anscheinend einen Versuch der Flucht unternahm, da er sich die Schande dieses Misserfolges nicht geben wollte. Doch Gawen verengte augenblicklich seine Augen auf Merrick und knurrte „Oh nein, dieser Mistkerl entkommt mir nicht so leicht.“ Und noch bevor ich überhaupt noch etwas hätte tun können, stürzte der junge Rotschopf heldenhaft, wie auch mit schmatzenden Schritten, hinter Merrick her, der gerade irgendwo in der Menge verschwunden war, sodass ich nach wenigen Herzschlägen alleine auf dem Marktplatz blieb, die Augenpaare der Zuschauer sich langsam wieder auf mich richtend, abwartend was ich nun tun würde. Doch anstatt das ich Gawen zu Hilfe eilte, um Merrick so schneller aufzuspüren, legte sich lediglich ein sanftes Lächeln auf meine Züge, denn meine Arbeit war hier getan. Merrick würde zur Rechenschaft gezogen werden und Mina, wie auch Milo würden das bekommen, was ihnen zustand, nachdem sie diese Qualen erlitten hatten. Also war ich hier eigentlich nicht mehr von Nöten. Ich war mir nämlich sicher, dass Gawen das alleine schaffen würde. Denn wenn er seine Arroganz mal beiseitelegen würde, dann war er doch eigentlich ein ganz schlaues Köpfchen, wie man nur unschwer an dieser versteckten Klinge an meinem Arm erkennen konnte…

Lächelnd sah ich daher noch ein letztes Mal in die Richtung, in die Gawen gelaufen war, ehe ich mich schließlich gemächlich von ihr abwandte und in aller Seelenruhe meinen Weg, über die Bewusstlosen hinweg, zu dem Platz antrat, an dem ich Agrafina angebunden hatte. Denn es wurde Zeit, dass ich abreiste…

„Corrus, es wird Zeit, dass wir reden. Es gibt eine Planänderung.“ schickte ich dabei gedanklich noch die wortlose Nachricht an meinen schuppigen Partner, unterdessen sich um mich herum die Menschenmenge langsam aufzulösen begann…

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Heyy!!!

Okay, ich fasse mich kurz, mein Akku ist fast leer. Leute, vielen, vielen, VIELEN Dank für eure Unterstützung! Ihr seid echt voll krass, wisst ihr das? Ich meine, 6 Empfehlungen, was zur Hölle geht bei euch ab???? Alter, also ich würde gerne auch auf so einem Drogentrip sein, wie ihr echt…Das ist einfach nur unfassbar…Tintentraum, du weißt das du von mir ein dickes, liebes Bussi für dein Review bekommst, gell? Passt…Dann wäre ja alles geklärt…Ich hoffe ihr alle habt viel Freude mit dem heutigen Kapitel, auch wenn es irgendwie nicht so viel Inhalt hat, wenn ihr versteht was ich meine.

Aber kurz bevor ich gehe, muss ich noch ankündigen, dass bis September jetzt kein Kapitel mehr kommen wird. In vier Tagen fahre ich nämlich für 10 Tage nach Kroatien meine Familie besuchen, also werde ich demnach keine Zeit zum Schreiben haben. Ich hoffe ihr seid nachsichtig mit mir T.T…

Lasst mir ruhig ein Herzchen, ein Sternchen oder ein kleines Review da, wenn euch dieses Kapitel gefallen hat! Würde mich über wirklich alles freuen :)

So, jetzt lasse ich euch aber in Ruhe! Schöne Restwoche noch und lg

little-chaos-queen
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