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Die letzte Drachenreiterin

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Fili Gandalf OC (Own Character) Smaug
19.06.2020
17.09.2020
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92.077
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14.07.2020 11.009
 
Die letzte Drachenreiterin  


Chapter 3: Entscheidungen und Konsequenzen…


Raidyns Sicht:


Schuldig. Ja, ich fühlte mich schuldig. Reumütig und miserabel. Diese Frau in der Nähe des Waldrandes hätte meine Hilfe gebraucht und ich hatte sie ihr verweigert. Ich hatte mich feige davongemacht, während dieser Bastard, was weiß ich was, mit ihr angestellt hatte, obwohl ich die Macht gehabt hätte, ihr zu helfen. Doch ich hatte mein eigenes Wohl über ihres gestellt. Und irgendwo war dies ja auch legitim. Man sollte immer zuerst zusehen, dass es einem selbst gutging, bevor man sich um jemand anderen kümmerte, sonst würde es nur zu unnötigen Opfern führen. Aber für jemand wie ich, der mit einem Ehrenkodex aufgewachsen war, das kämpfen gelernt hatte und unter edlen Persönlichkeiten aufgewachsen war, die ihr Wohl immer an letzter Stelle stellten, hätte sowas nicht zählen dürfen. Ich hätte anders handeln müssen. Doch trotzdem hatte ich es nicht tun können. Es ging einfach nicht. Ich war keine Drachenreiterin aus dem Nordclan mehr, ich war keine Tochter der Anführerin mehr und vor allem war ich keine Nobelfrau mehr. Das alles lag in der Vergangenheit, diese Person war bei Smaugs Überfall verstorben. Die Person, die jetzt hier noch die frische Luft atmete, war ein erkaltetes, emotionsloses und kaltherziges Überbleibsel meines damaligen Ichs. Und ich hasste es. Doch trotzdem konnte ich nichts dagegen tun…

Schwermütig wanderte für einen kurzen Augenblick der Ausdruck von Reue, Traurigkeit und Schmerz über mein Gesicht, als ich Agrafina, mithilfe eines leichten Ziehens ihrer schwarzen Lederzügel, runter von der Hauptstraße und raschelnd hinein ins Buschwerk führte. Die dunkelbraune Stute wehrte sich anfangs stoisch kopfschüttelnd leicht dagegen, versuchte trotzdem weiter geradeaus zu gehen, wollte sie schließlich doch nicht einen Weg betreten, den sie weder kannte, noch sah. Doch nach kurzen Schwierigkeiten und meinem beharrlichen Ziehen der Zügel, gab Agrafina schließlich doch widerwillig nach und ließ sich schnaubend in die dichten Büsche führen, die vor ihr aufragten. Denn mittlerweile ging die Zeit auf frühen Nachmittag zu und ich wollte meiner Stute, Corrus und mir noch eine kleine Verschnaufpause gönnen, bevor wir Bree erreichen würden und wir wieder unsere gewöhnlichen Tarnungen annehmen müssten. Von dem her-…

Kleine Ästchen knackten, Dickicht raschelte und Vögel, die in den Büschen nisteten, flogen kreischend davon, als Agrafina, dumpf stampfend, durch das Laubwerk stapfte, dass ihr mindestens bis zu den Knieen reichte, währenddessen ich monoton mein Gesicht gen Himmel entgegenwandte und ernst zu dem mittlerweile leicht bewölktem Horizont hinaufblickte. „Corrus, wir machen eine kurze Rast. Wenn du möchtest kannst du runterkommen und wir können dann zusammen eine Kleinigkeit essen, bevor Agrafina und ich, Bree erreichen.“ schickte ich wortlos die stumme Nachricht telepathisch an meinen Partner, der sich, was weiß ich wo aufhielt, ehe ich mein Haupt erneut nach vorne wandte und mit unveränderter Miene wieder nach vorne schaute. Denn dort übergab das dichte, knackende Buschwerk sein Territorium gerade an die lichten, hochgewachsenen Bäume, die in unregelmäßigen Abständen verteilt durch den gesamten Wald standen und mit ihrem tiefgrünem, löchrigen Laubwerk angenehm die Umgebung vom Licht der Sonne dämmten, obwohl…? Naja, die heraufgezogenen, schweren, grauen Wolken hatten diesen Part eigentlich ohnehin schon erfolgreich übernommen, weshalb ich insgeheim auch zu hoffen begann, dass es vor Einbruch der Dunkelheit nicht zu regnen beginnen würde. Denn, auch wenn mir der Regen grundsätzlich nichts ausmachte, so musste ich der Möglichkeit eine Erkältung oder Schlimmeres zu bekommen, doch nicht unbedingt direkt in die Arme springen, von dem her… Ich war einigermaßen froh hier mitten im Wald zu sein. Hier hatte ich dann schließlich immerhin das Blätterdach das mich schützte, sollte es wirklich zu regnen beginnen…

Geschickt lenkte ich Agrafina zwischen die Bäume hindurch, duckte mich gelegentlich unter tiefhängende Äste hinweg oder schob sie mit einer einfachen Handbewegung beiseite, unterdessen in meinem Kopf, als Antwort auf meine vorherige Frage, Corrus` tiefe, rauchige Stimme aufflammte. „In Ordnung. Ich komme runter, aber wir sollten besser nicht zu lange rasten. Die Luft oben ist ziemlich schwer und feucht. Ich fürchte, dass es bald zu regnen beginnen könnte.“ informierte mich der stämmige Grünling ernst, was ich nur mit einem leisen Schnauben kommentierte, als ich meinen Kopf erneut hinauf zum grauen, bewölkten Himmelszelt wandte und, zwischen den Lücken der Blätterdächer, mit zusammengekniffenen Augen, prüfend den Horizont abcheckte. Und naja…Was sollte ich sagen? Meine Befürchtungen und Corrus` Vermutung waren vollkommend zutreffend. Denn die gräulichen Wolken, die über den Tag aufgezogen waren, hingen schwer am Himmel oben, verbreiteten am Erdreich den Geruch von Regen und ließen die Insekten tief fliegen, was zur Folge hatte, dass auch die jagenden, zwitschernden Vögel tiefer als sonst flogen, um ihre Beute zu schnappen. Für mich mehr als nur klare Anzeichen das es regnen würde, weshalb ich auch mit einem Seufzen meinen Kopf wieder sinken ließ und meine Kiefer hart aufeinanderpresste, als ich telepathisch zu einer Erwiderung ansetzte. „Verstanden.“ antwortete ich ihm knapp, kappte dann die Verbindung, die wir zum Kommunizieren benutzten und führte Agrafina, die unruhig ihre schwarzen Ohren angelegt hatte, auf eine winzige, blätterdachgeschützte Lichtung, die gerade noch so groß genug für Corrus, meinem Pferd und mich sein dürfte. Aber wirklich nur gerade so…

Doch, obwohl die Waldschneise eigentlich groß genug für uns Drei war und zudem auch nur Schutz vor Regen bot, sollte es doch früher zu schütten beginnen, stieg ich noch nicht von Agrafina ab, um ein kleines Lager aufzubauen, sondern prüfte stattdessen, mit Adleraugen, die gesamte Umgebung ab, um sicherzugehen, dass wir weit genug von der Hauptstraße entfernt waren und uns hier niemand stören würde. Ausgiebig wanderten meine stahlgrauen Augen daher langsam über jeden niedrigen Busch, jeden moosbedeckten Baum, jeden gebrochenen Stock und jeden winzigen Stein, der sich auf und in der näheren Umgebung der Lichtung befand, überprüfte, mit zusammengezogenen Augenbraun, von Agrafinas Rücken aus, oberflächlich jeden Zugang der auf die Lichtung führte und lauschte zaghaft, für einige Herzschläge, in den Wald hinein, um so auch nach unerwünschten Besuchern Ausschau zu halten. Doch zu meinem Glück, war hier alles sauber. Und mit sauber, meinte ich sogar mehr als dies, denn, nach den Geräuschen zu urteilen, waren nur die Vögel, der rauschende Wind und einige Waldbewohner hier in der Nähe, während die Zugänge alle in dichtem Geäst endeten, wenn ich mich nicht irren sollte. Und was die Entfernung zur Hauptstraße anbelangte…Ich konnte sie von hier aus noch nicht einmal mehr sehen, was andersgesagt bedeutete, dass diese kleine Lichtung perfekt war, um zusammen mit Corrus zu rasten…

Zufrieden schnaubte ich deswegen kaum hörbar, strich mir zudem eine kleine silber-weiße Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich im Laufe der Zeit aus meinem hohen Pferdeschwanz gelöst haben dürfte, ehe ich mich schließlich elegant auf dem schwarzen Sattel von Agrafina schwang. Das Leder knirschte deswegen protestierend, unterdessen die dunkelbraune Stute, leise schnaubend, unwohl ihren hübschen Kopf in den Nacken warf, jedoch ruhig stehenblieb.  Eine Sache, an die ich mich schon vor Jahren gewöhnt hatte. Agrafina war nämlich von ihrer Natur her schon immer relativ unruhig und nervös gewesen, was dann sich natürlich durch ihren Vorfall mit den Wölfen drastisch verschlimmert hatte. Denn, wenn das stimmte, was ich gehört hatte, dann hatte ihr Vorbesitzer sie bereitwillig den Wölfen überlassen, war haushoch geflohen und hatte sie schwerverletzt, alleine und von Raubtieren umzingelt im Wald zurückgelassen. Keine Ahnung, wie sie das überlebt hatte, aber anscheinend war ihr Wille zu leben stärker gewesen, als sich einfach der Natur hinzugeben, was allerdings auch schwere Folgen mit sich gezogen hatte. Abgesehen von sich selbst, vertraute sie niemanden mehr, ließ nur mich teilweise an sich ran, da ich die letzten Monate, sogar Jahre, intensiv mit ihr gearbeitet hatte, versucht hatte ihre ständige Angst und ihr Trauma zu brechen. Doch diese schienen wirklich stark mit ihr verankert zu sein, was es mir nicht unbedingt die Sache erleichterte ihr zu helfen. Aber trotzdem war ich gewillt mich ihrer anzunehmen. Denn prinzipiell war sie wie ich…    

Entspannt schritt ich daher lautlos seufzend, in zwei kleinen Schritten, zu Agrafinas Kopf nach vorne, packte sanft, mit einem leisen, hellen Klackern, die Zügel unterhalb ihres Kinns, was die dunkelbraune Stute, nur mit einem kurzen zusammenzucken kommentierte, und führte sie dann in aller Ruhe zu einem Baum am Rand der Lichtung, der mehrere tiefhängende Zweige hatte, an die ich sie festbinden konnte. Agrafina folgte mir dabei zum Glück problemlos, schnaubte gelegentlich tief und ließ ihre starken Hufe rhythmisch, aber genauso auch dumpf über das weiche Gras und das tiefgrüne Moos am Boden gleiten, bis wir nicht endlich an meinem Ziel ankamen. Der Baum stand nämlich eher so in der Randgegend der Lichtung, wodurch die dunkelbraune Stute reintheoretisch genug Abstand von Corrus nehmen konnte, es war ein überdachtes Plätzchen, dass sie vor plötzlichen Regen schützen würde, es gab frisches, hohen Gras darunter, und auch die Äste wirkten stabil genug, um einer Panikattacke von Agrafina standzuhalten, sollte sie sich mal wieder zu doll vor dem Grünling erschrecken. Prinzipiell war dies also eine mehr als nur geeignete Stelle um die Stute anzubinden. Und naja…Gesagt, getan…

Geschickt nahm ich die schwarzen, leise knirschenden Lederzügel in beide Hände, wickelte sie flott um den dicken, knorrigen Ast und machte am Ende geschwind einen festen Knoten rein, damit sich Agrafina nicht losreisen konnte, währenddessen der aufziehende Wind geräuschvoll durch die dichten Laubdächer der Bäume zog. Instinktiv blickte ich deswegen nach oben, kniff leicht meine Augen zusammen und überflog, mit huschenden Augen, die zitternden Baumkronen, so als würde ich jeden Augenblick erwarten, dass jemand von oben auf mich herabsprang. Ich meine, ich wusste dass dies lächerlich war, aber nachdem was ich schon alles erlebt hatte…Naja…Das war eine Geschichte für ein andermal. Oder Geschichten für ein andermal. Jetzt sollten wir uns besser auf die Gegenwart fokussieren. Die würde nämlich schon recht bald, sehr spannend werden…Schweigend ließ ich meinen Blick wieder sinken, als ich bemerkte, dass es bloß der Wind gewesen war, hob stattdessen meine Hand und legte sie sanft auf Agrafinas warmen, kräftigen Hals, tätschelte sie lobend dort. „Gutes Mädchen, Agrafina.“ murmelte ich dabei leise, sodass nur sie es hören konnte, was die dunkelbraune Stute mit einem zufriedenen, tiefen Schnauben kommentierte. Ein schwaches Schmunzeln huschte mir deswegen übers Gesicht, veranlasste mich dazu noch einmal sanft ihren Hals zu streicheln, sie dafür zu loben, dass sie mich bis jetzt so ausdauernd getragen hatte, ehe ich mich schließlich, mit einem seufzen, von ihr abwandte und schnurstracks gemütlich auf die Mitte der Lichtung zuging…

Das tanzende Gras unter meinen Füßen strich dabei raschelnd gegen meine kniehohen, schwarzen Stiefel, während mein bodenlanger, schwarzer Mantel hauchzart über sie hinwegstrich. Doch ich kümmerte mich nicht darum. Nein. Stattdessen drückte ich meine Schultern nachhinten, ließ so geräuschvoll meinen Rucksack zu Boden gleiten und nahm dann meine gräuliche Umhängetasche, mit einem befreienden Schnauben, von meiner rechten Schulter. Nach einer so langen Zeit, mit Rucksack und Umhängetasche bewaffnet, war es dann doch schließlich eine Art Befreiung, endlich diesen Druck von den Schultern loszuwerden…

Schweigend ließ ich mich jedoch trotzdem elegant auf den kühlen Boden sinken, kreuzte die Beine zu einem Schneidersitz und langte dann gemütlich nach meiner grauen Umhängetasche, in der ich die Lebensmittel aufbewahrte, die ich in dem Dorf in Rohan gekauft hatte. Ein schönes Gewicht hatte die Tasche, als ich sie raschelnd an ihrem, teils abgenutzten, Träger zu mir herüberzog, geräuschvoll auf meinen Schoß hievte und dann sanft ihren Deckel aufschlug, um an die Gegenstände in ihrem Inneren heranzukommen. Kein köstlicher, aber dennoch ein äußerst verlockender Duft stieg mir umgehend, als ich meine Umhängetasche öffnete, in die Nase, was unweigerlich meinen armen Magen zum Knurren brachte, hatte ich heute Morgen doch auf ein Frühstück verzichtet. Logisch war es daher, dass ich nicht langer zögerte, sondern direkt hungrig, mit meiner rechten Hand, in meine Tasche hineingriff und nach dem großen Laib Brot griff, dass als einziges noch, zusammen mit ein paar Streifen Trockenfleisch, als Proviant übriggeblieben waren. Und naja, nachdem Corrus Trockenfleisch jederzeit einem Laib Brot vorziehen würde, ließ ich dies auch in der Tasche zurück, damit mir der Grünling später nicht die Ohren vollmotzen konnte, wie hungrig er doch war und wie schlecht ich mich um ihn kümmerte, und holte stattdessen das leicht ausgetrocknete Brot hervor.

Ach ja…und bevor ich es vergaß…Apropos Grünling…Wie aus dem Nichts heraus, begann Agrafina mit einem Mal, die bis dato genüsslich das hohe Gras abgekaut hatte, schrill zu wiehern, ihren Kopf verängstigt in den Nacken zu werfen, mit ihren starken Hufen hart auf den weichen Untergrund des Waldes einzuhämmern und versuchte sich gleichzeitig, mit kraftvollen, ruckartigen Bewegungen, schnaubend von dem dicken, knorrigen Ast loszureißen, damit sie in die Tiefe des Waldes flüchten konnte. Doch der Sicherungsknoten, mit dem ich die schwarzen Zügel festgezogen hatte, zeigten sich deutlich unbeeindruckt gegenüber der Krafteinwirkung von Agrafina und hielt, zu ihrer Frustration, stand, was die dunkelbraune Stute logischerweise nur dazu verleitete noch panischer und unruhiger zu werden. Immer stärker zog die dunkelbraune Stute in ihrer Angst nämlich, mit weit aufgerissenen Augen, an ihren Zügeln, gab dabei unnatürlich schrille Laute von sich, so als stünde sie kurz davor zur Schlachtbank geführt zu werden und schlug mit ihren Vorderhufen gelegentlich sogar geräuschvoll nach dem knorrigen, alten Ast, um ihn so abzubrechen, damit sie abhauen.

Doch ihr ganzes Zerren, Winden und Wiehern brachte, außer Kraftentzug, Agrafina überhaupt nichts, weshalb ich in der Zwischenzeit, auch einfach nur, mit hochgezogener Augenbraun, meinen Blick zu dem Tier hinüberwandte und sie ein wenig irritiert ansah. Ich wusste nämlich, dass viele von euch sofort zu ihr hinlaufen und umgehend versuchen würden, sie zu beruhigen oder sie überhaupt losmachen würden, damit sie sich irgendwo anders abkühlen konnte. Problem dabei war nur, wenn ich sie freilassen würde, dass ich sie danach sehr wahrscheinlich nie wieder finden würde und Corrus nach ihr schicken müsste, damit er sie aufsammelt. Und nachdem die Ärmste ohnehin schon eine Raubtierphobie hatte, wäre dies vielleicht nicht unbedingt die klügste Idee. Was die zweite Möglichkeit angeht, also hinzugehen, sie zu beruhigen und so weiter…Wenn ihr in Panik wärt, würdet ihr dann auf jemanden hören, dessen Artverwandter euch in einer Krisensituation, bei der es um Leben und Tod ging, im Stich gelassen hat? Ich auch nicht…Daher blieb nur die einzige logische Möglichkeit, um sie zu beruhigen, sie sich angebunden abzukühlen lassen, ohne sich dabei einzumischen…

Ein leises Brummen entkam mir, als ich über die Alternativen nachdachte. Sie wirkten alle auf ihre eigene Art grausam, doch trotzdem sah ich keinen anderen Weg um ihr zu helfen. Schließlich musste man durch ein wenig Schmerz durchgehen, bevor man ein Trauma überwinden konnte, oder?...Stumpf ließ ich meinen Kopf wieder sinken, ignorierte dabei gekonnt das verzweifelte Schreien von meiner Stute, währenddessen Corrus, der sich anscheinend nordöstlich an das Lager herangeschlichen haben musste, elegant, wie eine Wasserschlange, aus den Schatten der Bäume und Büsche schnaubend, wie auch raschelnd auf die winzige Lichtung zu mir glitt. Seine grünlich-gelben Schuppen perlten dabei von der Umgebung, wie Tinte von einer Federspitze, ab, unterdessen die kleinen Äste des Unterholzes unter seinen mächtigen Pranken geräuschvoll zerbarsten. Doch aber auch die Büsche, durch die er anmutig hindurchglitt, kamen nicht ganz so ungeschoren davon, denn Zweige brachen bei seinem stolzen Gewicht krachend ab und raschelnde Blätter wurden brutal von ihren Stängeln gerissen, währenddessen ganze, wilde Buschreihen in der Mitte durchtrennt wurden, als Corrus unbeeindruckt einfach hindurchwanderte und nun, mit leicht schlagenden, geräuschvollen Schwingen, um die piksenden, nervtötenden Fremdkörper loszuwerden, neugierig, mit durchdringenden, warmen, gelblichen Augen, zu mir herabsah.

„Ah, Rai, du bist ja schon da!“ stieß der Grünling gedanklich erfreut aus, wobei man an seinem Gesicht und seinen Augen deutlich sehen konnte, wie sie sich schlagartig aufhellten, weshalb ich auch gar nicht anders konnte als lächelnd, wie auch mit einem knappen Kopfnicken seine Begrüßung zu erwidern, war seine Reaktion doch einfach nur so niedlich. Allerdings, zu meinem eigenen, großen Überraschen, wanderte Corrus, kurz darauf, ebenfalls mit seinem Blick zu der zappelnden, unruhigen Agrafina hinüber, die dumpf schnaubend bei ihrem Ast stand und, durch Huftritte, immer noch versuchte ihn abzubrechen, damit sie endlich abhauen konnte und bedachte diese ebenfalls mit einem erfreuten Blick.

„Ach, und Eselchen ist auch schon da, wie schön.“ begrüßte er sarkastisch Agrafina und schnaubte passiv in ihre Richtung, was die dunkelbraune Stute lediglich dazu verleitete ihre Ohren anzulegen und ein tiefes, dröhnendes Wiehern auszustoßen. Ich, in der Zwischenzeit, verdrehte deswegen bloß meine Augen, fand ich dieses Verhalten wohl doch ein wenig kindisch, und griff stattdessen, mit meiner zweiten, freien Hand, nach den Trockenfleischstreifen in meiner Tasche, um sie dem Drachen anzubieten. „Trockenfleisch?“ bot ich ihm mündlich knapp an, zog die Fleischstreifen, die in einem alten, abgenutzten, haselnussbraunem Tuch eingepackt waren, aus meiner Umhängetasche heraus und hielt sie Corrus großzügig entgegen. Der Grünling schoss, bei dem Klang meiner Stimme und dem raschelndem Geräusch des kleinen Pakets, deswegen instinktiv mit seinen großen, schuppigen Kopf in meine Richtung herum, zuckte dabei kurz ungewollt, wie ein lauerndes Raubtier, dass auf der Jagd war, mit seiner stacheligen Schweifspitze und fixierte die eingepackten Trockenfleischstreifen, mit leuchtenden Augen.

„Aber immer doch.“ antwortete er mir beinahe schon ehrfürchtig und setzte dann dazu an, mit gleichmäßigen, langgezogenen, dumpfen Schritten zu mir herüberzukommen. Respekteinflößend rollten dabei seine breiten, maskulinen Schultern, wie bei einer majestätischen Raubkatze, bei jedem Schritt schön ab, ließen manchmal sogar zu, dass sich kleine Mulden in seinem Muskelfleisch bildeten, unterdessen Corrus seine gewaltigen Schwingen, die beinahe schon doppelt so groß waren, wie er selbst, geräuschvoll wieder auf ihren Platz an seinen Seiten zurückzog. Auch sein langer, kräftiger Schweif fegte dabei leise raschelnd über das hohe Gras der Lichtung hinweg, brachte die Halme so zum Erzittern, währenddessen Corrus, mit einem fast schon gierigen Ausdruck in den gelblichen Augen, seinen langen, stämmigen Hals nach vorne reckte und mit seinen scharfen Reißzähnen sanft nach dem haselnussbraunem Paket langte, dass ich ihm entgegenstreckte. „Kogaan.“ bedankte er sich telepathisch bei mir, nahm das eingepackte Trockenfleisch behutsam zwischen seine vordersten Reißzähne und hob es dann sachte hoch.

Ich nickte ihm deswegen kurz zu. „Bitte.“ entgegnete ich ihm ruhig, ehe ich mich wieder, mit einem leisen Seufzen, dem leicht ausgetrocknetem Laib Brot in meiner anderen Hand zuwandte und mühevoll ein kleines Stückchen davon herunterbrach. Corrus währenddessen wanderte geräuschvoll knirschend, mit seinen verpackten Trockenfleischstreifen im Maul, schnaubend um mich herum, achtete dabei aber nicht zu dicht an mich ranzukommen, da er ansonsten, wenn er sich hinlegte, mir auf irgendeine Art und Weise wehtun könnte, weshalb er auch darauf schaute einen kleinen Sicherheitsabstand zwischen uns zu haben, bevor er sich schließlich, mit einem tiefen, bärenartigen Brummen, in einem Halbkreis um mich herum, bäuchlings fallen ließ. Aber anscheinend war diese Mühe ehrlich fürn Arsch gewesen?...Wieso?...Nun… Als Corrus` schwerer Körper geräuschvoll auf dem weichen Boden plumpste, und ihm dabei noch so nebenbei bemerkt sämtliche Luft aus den starken Lungen drückte, sodass sein tiefes Brummen sich rasch in ein kehliges Ächzen verwandelte, hatte mein lieber Freund und Partner anscheinend die Schwerkraft mehr als nur unterschätzt. Denn seine gewaltigen Schwingen, die er doch so fein an seine Seiten gepresst hatte, wurden bei seinem Aufprall unwillkürlich hinuntergedrückt, wodurch sie, oder zumindest nur der linke Flügel, ob er es nun wollte oder nicht, meinem Hinterkopf eine saftige Schelle verpasste. Eine Schelle, die mich vor Überraschung zusammenzucken und mein getrocknetes Brot fallen ließ, während der sanfte Schmerz durch meinen Schädel dröhnte und ich mir instinktiv, zischend, mit meiner rechten Hand an die Stelle griff, wo ich Corrus` Flügel abbekommen hatte…

Und Corrus?...Ha…Naja. Den kümmerte es nicht viel. Nein. Was machte er stattdessen? Öffnete, mit einem leisen, reißenden Geräusch, wie auch mithilfe seiner scharfen, zentimeterlangen, breiten Krallen umständlich die haselnussbraune Verpackung und steckte dann unbeeindruckt seine breite Schnauze in das Innere des Papiers, um an das Trockenfleisch heranzukommen, unterdessen sein langer Schweif geräuschvoll gemütlich über den Boden fegte. Lediglich ein dumpfes „Dieses Mal war es unabsichtlich.“ verließ seinen Kopf als Entschuldigung und drang nuschelnd in meinen ein, was mich selbstverständlich schnippisch ruckartig umdrehen, sodass mein Pferdeschwanz in einen eleganten Halbkreis folgte, und Corrus giftig fixieren ließ. Doch der Grünling scherrte sich nicht darum. Nein. Ihm war es ehrlichgesagt gleich, schob sich stattdessen lieber einen Streifen Trockenfleisch nach dem anderen zwischen die Zähne und kaute genüsslich auf ihnen herum, wodurch seine dolchartigen, langen Reißzähne gelegentlich zum Vorschein kamen. Tz, hatte ich schon einmal erwähnt, dass mein Partner ein totales Arschloch war? Nein? Gut, dann wusstet ihr es jetzt. Er war einfach der Inbegriff von Selbstverliebtheit, Arroganz und einer männlichen Schlampe. Pfuu, würdet ihr nur wissen, wie viele Weiber-…Naja…Wie auch immer….Was ich sagen wollte war, ich hatte überhaupt keine Ahnung, wieso mich dieses Genie zu seinem Partner erwählt hatte. Denn wer es nicht wusste, bevor ein Drache aus den Clans überhaupt schlüpfen konnte, musste er sich einen Partner wählen, der sein Gegenstück darstellte. Die ganze Geschichte war nämlich ein wenig komplizierter, hatte vor allem mit Glaurung, Morgoth und den ersten Menschen zu tun, aber ich würde euch auf jeden Fall davon erzählen, wenn wir mehr Zeit hatten. Jetzt war erst einmal etwas anderes wichtig…

Da mir nicht wirklich der Sinn nach diskutieren, oder einen Streit anzuzetteln stand, atmete ich, augenverdrehend, einfach nur tief aus und drehte mich langsam wieder nach vorne um, um nach meinem Laib Brot zu greifen. Seit dem Vorfall mit der Frau vor ein paar Stunden, war mir nämlich nicht wirklich nach reden. Klar, bereute ich es ihr nicht geholfen zu haben. Ich bereute es, jeder Person, die in Not war, in der Vergangenheit, nicht geholfen zu haben. Doch ich musste auch an Corrus` und mein Wohl denken. Und grundsätzlich ging mich das Leid anderer sowieso nichts an, weshalb ich mir relativ schnell aneignete solche Bilder einfach an mir vorbeiziehen zu lassen. Denn wenn ich mich nirgendwo einmischte, dann würde man mich auch in Ruhe lassen und ich würde mich an nichts binden können, dass ich wieder verlieren könnte. So war mein Motto, und nach dieser Strategie handelte ich auch. Einfach alles an mir vorbeiziehen lassen, sich aus Ärger raushalten und so tun, als würde es einen nicht interessieren. Das hatte mich in den Jahren bereits weit vorangebracht. Denn wer Gefühle zeigte oder in einer solch erbarmungslosen Welt emotional wurde, der hatte bereits verloren. Das war eines der Dinge, die ich bereits sehr schnell, schmerzvoll und früh lernen musste…

Schweigend langte ich in einer kühlen Bewegung nach dem Laib Brot, dass mir zuvor aus der Hand gefallen war, griff ebenfalls nach dem Stück das ich versehentlich fallen gelassen hatte, und begann mir lustlos den ersten kleinen, heruntergebrochenen Teil in den Mund zu schieben, wie auch darauf herum zu kauen, währenddessen mein Blick abwesend über die Bäume und Büsche des Waldes glitt. Meine Gedanken huschten dabei unwillkürlich wieder zu der jungen Frau zurück, die sich am Vormittig in Gefahr befunden hatte, und der ich einfach die Hilfe verweigert hatte. Klar, das war nicht das erste Mal, dass ich sowas getan hatte, dass gab ich zu. Da gab es ehrlichgesagt ein Haufen Leute, die, über die Jahre, meine Hilfe benötigt hätten, doch es hatte mich ehrlichgesagt nie gestört ihnen nicht zu helfen. Ich hatte in der Vergangenheit nie ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich einfach an Leidenden vorbeigegangen war, ohne auch nur einen Finger krumm zu machen. Wieso litt ich dann bei dieser Frau?...

Nachdenklich starrte ich deswegen in die weite, dunkelgrüne Ferne des Waldes, kaute halbherzig auf meinem faden Brot herum, dass ich mir Stück für Stück in den Mund schob und ließ den aufziehenden, kühlen Wind schmeichelnd über meine Haut fahren, unterdessen ich gedankenverloren dem Rauschen der Baumkronen, dem unruhigen Schnauben von Agrafina, dem leisen Singen der Singvögel, Corrus` Schmatzen und den Geräuschen der Insekten hier auf der kleinen Lichtung lauschte. Wieso nur dachte ich dauernd an diese Frau? Wieso nur mischte sich gerade bei ihr mein Gewissen ein, von dem ich schon seit Jahren nichts mehr gehört hatte. Wieso jetzt auf einmal? Hatte es vielleicht etwas mit dem Zauberer zu tun, der mich vor ein paar Tagen aufgesucht hatte und mich an meinen Eid erinnern wollte? An meinen Clan, meine Herkunft und vor allem meine Mutter, und wie sie in einem Ruf des Eids gehandelt hätte? Ich wusste es nicht…Aber ich mochte dieses Gefühl nicht. Oh nein, ich hasste dieses Gefühl und ich war davon überzeugt, dass ich es noch für eine ganze Weile mit mir herumtragen würde…

Schweigend aß ich daher auch weiterhin stillschweigend mein Brot, ließ meine Gedanken zurück zu dem Gespräch mit dem Zauberer und dem Vorfall der jungen Frau gleiten und dachte ausgiebig darüber nach, was mir der Graubart angeboten hatte, unterdessen Corrus…Naja…Sagen wir es so…Er wurde misstrauisch, als ich in der gesamten Mittagspause noch nicht einmal ein Wort von mir gab, weder mündlich noch telepathisch, weshalb er auch, nach einer bestimmten, kleinen Weile, skeptisch seinen Kopf hob und seinen durchdringenden, warmen Blick, mit hochgezogener, nicht vorhandener Augenbraun, zu mir herumwandern ließ, mich so von hinten mit seinen Irden durchbohrte. Ich spürte diesen Blickkontakt natürlich, spannte unwillkürlich leicht meine Schultern an, aber wagte es jedoch nicht etwas zu sagen. Ich wollte ehrlichgesagt auch nichts sagen, da mich Corrus ansonsten bestimmt in irgendein Gespräch verwickeln würde und wenn es momentan etwas gab, was ich überhaupt nicht wollte, dann war es reden, weshalb ich stoisch auch den stechenden Blick von meinem Partner in meinem Rücken ignorierte. Doch Corrus schien da anscheinend einen anderen Plan zu haben. Einen wirklich gänzlich anderen Plan, denn der große Grünling stieß zunächst ein langes, tiefes, aber auch warmes Schnauben aus, dass meinen Nacken wärmte, wie auch meinen Pferdeschwanz ein wenig durcheinanderbrachte, ehe er sich geräuschvoll, wie auch ein wenig umständlich auf seine rechte Seite rollte, damit er einen besseren Blick auf mich haben konnte. „Was ist los, Rai? Du bist so schweigsam.“ gab Corrus dann telepathisch leicht besorgt von sich, legte dabei sein Haupt fragend ein wenig schief und zuckte mit seiner stacheligen Schweifspitze ein wenig hin und her, währenddessen ich auf seine Frage hin nur desinteressiert mit meinen Schultern zuckte.

„Ich bin nur in Gedanken, Corrus.“ erwiderte ich kühl, machte mir dabei allerdings nicht wirklich die Mühe, um mich umzudrehen und meinem besten Freund in die Augen zu sehen, sondern brach mich stattdessen lieber ein weiteres, kleines Stück von meinem faden, leicht ausgetrocknetem Laib Brot ab und schob es mir konkret zwischen die Zähne, damit ich nicht noch länger reden musste. Ich wollte schließlich einfach nur so schnell wie möglich nach Bree, dort rasten und die letzten, fehlenden Vorräte kaufen und dann weiter zur Eisbucht von Forochee reisen. Mehr nicht. Doch Corrus schien da, mal wieder, einer ganz anderen Meinung zu sein, denn der grüne Drache schien mir meine Antwort nicht wirklich zufrieden zu sein, da er lediglich ein Brummen von sich gab. „Das bist du in letzter Zeit oft…“ merkte er ernst an und hob seinen Kopf dabei wieder in eine normale, gerade Position, ehe er gedanklich fortfuhr. „Ist wirklich alles in Ordnung bei dir?“ hakte er sorgevoll, wie auch mit einem Teelöffel voll Führsorge in der Stimme nach, und durchbohrte mich hinterrücks mit seinen gelblichen, schlitzartigen Augen, um so jede Reaktion von mir lesen zu können. Doch ich blieb unverändert an Ort und Stelle hocken, verdrehte lediglich etwas meine Augen und atmete lautlos aus, ehe ich monoton zu einer Antwort ansetzte. „Ja, alles ist in bester Ordnung.“ log ich gedanklich abwesend, währenddessen ich mechanisch weiter auf meinem Brot kaute, bis ich es nicht trocken herunterschluckte.

Aber Corrus jedoch schien anscheinend mit meiner Antwort nicht zufrieden zu sein. Nein. Dieses Mal nicht. Denn dieses Mal stieß er erneut ein tiefes Schnauben aus, verengte seine Augen misstrauisch zu schmalen Schlitzen und legte seinen gewaltigen Kopf erneut ein wenig schief, um mich so von der Seite her sehen zu können. „Rai, ich habe aber das böse Gefühl, dass es nicht so ist. Irgendwas stimmt nicht mit dir und das schon seit du aus dem Dorf in Rohan zurückgekommen bist. Irgendwas muss dort also vorgefallen sein, daher bitte, rede mit mir. Was ist mit dir los? Was ist passiert?“ appellierte der große Grünling beinahe schon flehentlich an mich und sah mich von der Seite her besorgt an. Aber ich drehte ehrlichgesagt nur, mit hart aufeinandergepressten Kiefern meinen Kopf weg von Corrus und sah angespannt zu Boden. Ich war nämlich wirklich nicht die Persönlichkeit, mit der man gut über Gefühle reden konnte, noch mochte ich es sonderlich, wenn man mich über meine ausfragte, weshalb ich auch einfach nur erwiderte „Das bildest du dir nur ein, Corrus. Es ist nichts vorgefallen und mir geht es gut. Du machst dir wegen nichts Sorgen.“ versuchte ich, mit einem kühlen Unterton, meinen Partner zu besänftigen und schaffte es sogar mich dazu abzuringen einen kurzen Seitenblick zu dem Grünling hinüberzuwerfen, der mich mit einer Intensivität anstarrte, dass man damit sicher Bäume hätte bewegen können. Denn er glaubte mir nicht. Das konnte ich ganz deutlich fühlen. Dieses Mal glaubte er meinen Worten nicht, und das würde er mir auch gleich demonstrativ zeigen…

„Rai, ich bin dein bester Freund, dein Partner. Ich kenne dich, seit ich das Licht dieser erblickt habe und teile mit dir zudem noch ein seelisches Band, dass unsere Seelen miteinander verbindet. Ich weiß und fühle, wenn etwas nicht mit dir stimmt oder du versuchst irgendwas vor mir zu verbergen. Wieso also verbirgst du etwas vor mir, oder noch besser…Wieso lässt du mich dir nicht helfen?“ wollte er teilweise fassungslos, teilweise besorgt und teilweise frustriert von mir wissen, da er nicht an mich ranzukommen schien, wobei ich, über unser seelisches Band hinweg, deutlich fühlen konnte, wie sich eine kleine Wolke aus Schmerz um sein Herz zusammenzog. Es schmerzte ihn deutlich, dass er, aus seiner Sicht heraus wahrscheinlich, so den Bezug zu mir verloren hatte und das ich mich höchstwahrscheinlich so stark verändert hatte, aber was sollte ich sagen? Ich konnte ihm nicht erzählen, dass der Zauberer mich aufgesucht hatte und mir das Angebot gemacht hatte, sich an Smaug zu rächen, oder-…Naja, es war weniger ein Angebot, mehr der Aufruf an Corrus und mich unserem Kodex folge zu leisten, aber ihr wisst sicher schon, was ich meinte. Es ging mir einfach darum, dass ich dem Grünling nicht sagen konnte, was vorgefallen war, weil er ganz bestimmt ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, sofort diesen Zwergen von denen Graubart berichtet hatte, zu Hilfe eilen würde. Denn anders als ich, fühlte er sich dem Clan noch immer verpflichtet, wollte die Erinnerung an seine ehemalige Heimat nicht sterben lassen, im Andenken an seine Freunde und Familienmitglieder. Er würde alles tun, um den Clan wieder auferstehen zu lassen, versteckte sich jedoch nur meinetwegen, da ich diesen Verlust noch immer nicht verkraftet hatte. Corrus nahm Rücksicht auf mich, wollte mir die Zeit geben, die ich brauchte, doch jedes Mal wenn ich in seine Augen sah, sah ich die Sehnsucht nach unserer Heimat und den Wunsch Smaug für unseren Untergang bluten zu lassen. Das war der Grund, wieso ich es ihm nicht sagen konnte. Er würde nicht verstehen, wieso ich Gandalf hatte ziehen lassen…

Aber ich wusste auch, dass Corrus mich nicht in Frieden lassen würde. Nein. Er würde solange auf mich einreden, bis ich nicht irgendwann den Mund aufmachen würde. Also…Also musste ich mit etwas anderem kommen, um ihn zu besänftigen, um ihn von meinem wirklichen Problem abzulenken, weshalb ich auch zittrig tief Luft holte. Zittrig zog ich geräuschvoll die frische, kalte Waldluft in meine Lungen, ließ sie sich so aufblähen und presste zeitgleich meine Lippen so hart aufeinander, dass sie bereits eine schmale Linie ergaben, ehe ich mich zaghaft zu Corrus umwandte, der mich geduldig, traurig, aber auch neugierig zugleich von oben herab ansah, und blickte ihm fest in die gelblichen Augen. Ich ließ sämtliche Verteidigungsmauern fallen, bete jedoch gleichzeitig zu dem großen Ancalagon, dass er mir bitte doch die Tat vergeben möge, die ich jetzt nun begehen musste…„Ich habe mich verändert, Corrus.“ begann ich schließlich langsam und unsicher meine Erklärung, drehte dann leicht meinen Kopf und schielte unwohl zu meinem Partner hinauf, der deswegen nur verständnisvoll nickte. „Wir Beide haben uns verändert, Rai.“ stimmte er mir gedämpft zu, wobei, für einen kurzen Augenblick, ein Schatten über seine Augen huschte. Ein Schatten voll Schmerz, aber dennoch Hoffnung, der mir unwillkürlich einen Stich ins Herz versetzte. Einen schmerzenden, kleinen Stich, doch trotzdem wusste ich, dass ich weitermachen musste. Zu unserer beider Wohl, denn wenn schon ein ganzer Clan gegen Smaug versagt hatte, wie sollten wir es schaffen, hmm? Tz, ich versuchte doch bloß zu schützen, was mir geblieben war, ohne mich daran zu erinnern, was ich verloren hatte..

Hart schluckend zwang ich mich ein schiefes Lächeln aufzusetzen und ließ meinen Kopf wieder hängen. Bei den Göttern, ich fühlte mich so schlecht…„Nein, du verstehst nicht. Ich habe mich komplett verändert.“ zwang ich mich selbst trotzdem weiterzumachen und blickte hundeelend über meine Schulter hinweg zu Corrus hinauf, der nur verwirrt eine seiner nicht vorhandenen Augenbraun in die Höhe zog und mich irritiert ansah. „Rai, was willst-…“ wollte der Grünling verständnislos ansetzen, rückte dabei sogar mit seinem Oberkörper ein Stückchen näher, doch ich unterbrach ihn erbarmungslos direkt mitten im Satz und schüttelte betrübt meinen Kopf. „Da war eine Frau, 4 Wegstunden von hier entfernt…“ startete ich dann mit kühler Stimme, musste kurz tief Luft holen, um überhaupt fortfahren zu können, währenddessen Corrus, mit verwirrt hochgezogener Augenbraun, wie auch leicht schiefgelegtem Kopf, etwas seine muskulösen Schultern entspannte, die er zuvor angespannt hatte, als ich schlussendlich doch die Stimme dazu fand, um weiterzuerzählen. „Sie war aber nicht alleine. Da war ein Mann bei ihr, der ihr mit Schlägen gedroht hat. Ich wusste nicht, was er von ihr wollte, vermutlich war es ein kleiner Raubüberfall.“ erzählte ich monoton und so sachlich wie möglich weiter, knetete dabei unwohl das trockene Brot in meinen Händen, hatte ich meinem Partner immerhin noch nie zuvor erzählt, dass ich aus Schmerz und Angst, Leidenden  die Hilfe verweigert hatte. Doch Corrus blieb überraschenderweise komplett ruhig und beobachtete mich lediglich von der Seite her geduldig. Tz, vermutlich erwartete er, dass ich ihm erzählte, dass ich heldenhaft zu der Frau gestürzt war, um sie aus den Fängen des Räubers zu holen, haha…Oh Ancalagon, hilf…

Ein weiteres Mal atmete ich lautlos tief ein und spannte meine Kiefermuskeln erneut für einen kurzen Augenblick an, ehe ich kühl fortfahren konnte „Ich habe ihre Schreie gehört, Corrus. Sie waren direkt neben mir, nur ein paar Schritte von mir entfernt, im Dickicht drinnen. Ich-…Ich habe auch die Schläge gehört, die sie abbekommen hat, als sie versucht hat nach Hilfe zu rufen. Aber-…Aber ich habe nichts getan und habe stattdessen Agrafina zum Galopp angetrieben, um von dort wegzukommen. Was dann mit ihr passiert ist, weiß ich nicht.“ beendete ich schließlich so gefühllos, wie nur möglich meinen Bericht, spürte dabei jedoch trotzdem wie sehr mein Herz in meiner Brust raste. Nicht vor Aufregung oder sonst was dergleichen, versteht sich, sondern eher vor Angst, wegen Corrus` Reaktion. Ja, ich hatte Angst, wie Corrus reagieren würde, weil ich wusste, wie dieser Esel tickte. Ich wusste, dass er noch immer sehr viel Wert auf die alten Werte und Traditionen legte, und zu diesen Werten gehörte nun einmal, dass die Drachenreiter die Armen und Schwachen, vor der Tyrannei der Stärken und Mächtigen beschützten. Das war eines unserer Gesetzte und das ich dieses nun schon seit geraumer Zeit brach, dürfte Corrus sehr wahrscheinlich überhaupt nicht schmecken. Nein. Ganz und gar nicht…

Tja…Und was sollte ich noch sagen außer, ich hatte recht mit meiner Vermutung? Tz, wahrscheinlich gar nichts. Denn als ich langsam meinen Blick wieder anhob, um zu meinem Freund hinaufzusehen, wünschte ich mir irgendwo, ich hätte es doch nicht getan. Denn in seinen gelblichen, kleinen Augen sah ich Verwirrung, Enttäuschung und Unglaube, die sich zu einem Wirbelsturm an Gefühlen in seinen Irden entwickelten und diese zum Glühen brachten. Ein Glühen, dass bis in den hintersten Winkel meiner Seele eindrang, mich das Gefühl von Schuld fühlen ließ, weshalb ich auch, in dieser schreienden Stille, die zwischen uns entstanden war, einfach meinen Kopf leicht von ihm abwandte, damit ich ihm nicht mehr in die Augen sehen musste. Denn obwohl ich ihm noch nicht einmal die ganze Wahrheit gesagt hatte, so tat es bereits auch schon weh, diese Kleinigkeit vor ihm zuzugeben, da ich wusste welches Bild er von mir hatte. Die mutige, einsatzbereite, furchtlose und temperamentvolle Raidyn, aus dem Norden, Tochter der Anführerin der Drachenreiter und rechtmäßige Erbin des Nordclans. Das war sein Bild von mir, dass wusste ich. Dass ich ihn nun so maßlos enttäuscht hatte, musste ihn wohl wirklich getroffen haben. Den gerade ich durfte die Gesetzte der Drachenreiter nicht missachten. Gerade ich musste ihnen treu und ohne nachzudenken folgen…

Doch Apropos Corrus….Dem Grünling schien anscheinend überhaupt nicht zu gefallen, dass ich meinen Blick senken wollte, denn, mit einem relativ aufgelöstem Gesichtsausruck, legte er seinen großen, kantigen Kopf ein wenig schief und versuchte so, aus der Seitenlage heraus, mein Gesicht zu sehen, in der Hoffnung, dass ich ihn nun nur auf den Arm nahm. „Das ist ein Scherz, oder Rai?“ hakte Corrus ebenfalls gedanklich vorsichtig, wie auch hoffnungsvoll nach und durchbohrte mich dabei eindringlich mit seinen gelblichen, katzenartigen Augen. Doch ich blieb mucksmäuschenstill, presste lediglich meine Kiefer hart aufeinander, sodass man bereits dessen Muskelstränge arbeiten sehen konnte, was für mich eigentlich schon Antwort genug wären. Bei solch einer Frage, musste man grundsätzlich keine wörtliche Bestätigung geben. Aber Corrus anscheinend wollte diese so dringend, da er mir anscheinend anders nicht glauben konnte, denn der große, breitschultrige Grünling rutschte nämlich nur ein kleines bisschen näher an mich heran und senkte sein Haupt ebenfalls um ein ganzes Stückchen tiefer, um mit mir auf einer Augenhöhe zu sein. „Bitte sag mir, dass das nur ein Scherz ist.“ flehte der große Grünling mich indirekt an und ließ seinen langen, schuppigen Schweif dabei raschelnd über das tanzende Gras der kleinen Lichtung gleiten, währenddessen ich nur ein fassungslos genervtes Schnalzen meiner Zunge, wie auch ein Augenverdrehen von mir gab. Herrgott musste man dieser Echse wirklich alles mündlich geben?! Kannte er etwa keine Gestik, oder was? Aber schön, wenn er es unbedingt aus meinem Mund hören wollte, dann würde ich ihm diesen Wunsch natürlich unter gar keinen Umständen verwehren!!

Mit einem leisen Tz-Laut wandte ich daher meinem Kopf zu meinem Partner herum, der deswegen mit seiner Birne ein wenig zurückzuckte, und funkelte ihn, mit glühenden, stahlgrauen Augen, eisig an. „Muss ich noch deutlicher werden, Corrus?“ fragte ich unterkühlt, wie auch monoton meinen Partner, versuchte dabei so zu tun, als würde mir diese Geschichte vollkommend kalt lassen, währenddessen der Grünling bei meiner harschen Antwort ein wenig überrascht seine Augen weitete. „Ja, ich habe die Frau in ihrer Not alleingelassen und ja, ich habe unsere Gesetze gebrochen und weißt du was? Es ist mir vollkommend egal, weil diese Leute tot sind, Corrus! Tot!! Die sind nicht mehr da, warum also so tun, als wären sie es?! Warum uns selbst damit weiterquälen, wenn wir auch in Frieden leben könnten?!“ schnappte ich brutaler als gewollt zu ihm zurück und wandte dabei gleichzeitig, mit einer ungewollt heißen Wut in meiner Magengegend, meinen Blick, um Beherrschung ringend, von meinem Partner ab, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen. Denn das, was ich ihm gerade gesagt hatte, war die Meinung, die ich schon seit 60 Jahren mit mir herumtrug, ohne sie auch nur ein einziges Mal mit Corrus geteilt zu haben. Und nun, da die Emotionen übergekocht waren, war es raus. Das Geheimnis um mein Denken bezüglich unseres Verlustes war raus und ich wollte mir in den Augen des Grünlings nicht ansehen, wie enttäuscht er von mir war. Das konnte ich auch machen, wenn ich mich selbst im Spiegelbild ansah. Von dem her atmete ich einfach tief, wie auch geräuschvoll die stickige, regenreiche Luft der kleinen Waldlichtung ein und versuchte so gut es ging diese schmerzende, laute Stille zu ignorieren, die, wie eine aufbrechende Kluft, zwischen Corrus und mir entstand, unterdessen ich deutlich fühlen konnte, wie sich die Augen des Drachen peinvoll in meine Seiten bohrten. Verarbeitend, was ich gerade gesagt hatte und verdauend, wie sehr ich mich wirklich verändert hatte…

Und in der Zwischenzeit hockte ich, mit stoisch nach vorn gerichteten Blick, vor Corrus, fühlte mich irgendwie wie ein kleines Kind, dass gerade von seiner Mutter gemaßregelt wurde und kämpfte mit meinem eigenen Gewissen und Gefühlen, bezüglich meiner Wortwahl und meines Handelns, die mich innerlich auseinandernahmen, wie mein Meister damals beim Kampftraining. Kraftvoll und schmerzvoll, weshalb mir immer mehr zu mute wurde einfach ganz leise, still und heimlich im Erdboden zu versinken und nie, nie, nie wieder ans Licht der Oberwelt zu gelangen. Dort unten zu verrotten, zusammen mit den Würmern…Doch anscheinend hatte Corrus etwas anderes im Sinn, denn mit einem Mal brach diese schallende Stille ein wütendes, zischendes Knurren, dass in den Tiefen von Grünlings Brust entstanden war und mich unwillkürlich leicht zusammenzucken ließ, ehe auch schon Corrus` rauchige Stimme durch meinen Kopf turnte.

„Rai, sieh mich an.“ verlangte Corrus gebieterisch von mir und erhob sich dabei aber gleichzeitig knirschend, wie auch mit einem kräftigen Ruck, der einen starken Luftzug in meine Richtung verursachte, aus seiner liegenden Position, in eine Stehende, damit er eindrucksvoller auf mich wirken konnte, als ich meinen Blick, ohne zu zögern und so monoton, wie gerade nur möglich, wieder zu ihm raufwandern ließ und ihn kühl von unten her musterte. Doch dies war meinem Partner vollkommend egal. Denn auch her hatte eine gleichgültige Maske aufgesetzt, spielte ein wenig unruhig mit seinen Schultermuskeln, ließ seinen Schweif enttäuscht über die flachgedrückte Stelle der kleinen Lichtung schweifen, auf die er gelegen hatte, und fixierte mich streng mit seinen bohrenden, gelblichen Augen, die jeglichen Anhauch von Wärme und Freundlichkeit verloren hatten. Nur Sorge, Angst, Wut und Enttäuschung ließen sich in ihnen widerspiegeln, veranlassten so, dass sich mein Herz schmerzhaft zusammenzog und einen bitteren Nachgeschmack in meinen Kopf pflanzte. Doch trotzdem wollte ich vor Corrus stark wirken, hob deswegen einfach nur stoisch mein Kinn an, streckte verteidigend meine Brust heraus und funkelte meinen Partner kühl zurück an, versuchte mich so desinteressiert, wie nur möglich zu geben, währenddessen der Grünling, mit einem leichten, ungläubigen Kopfschütteln, langsam zu reden begann. „Ich werde meine Kraft jetzt nicht darauf verschwenden, dich anzuschreien. Es würde zu nichts führen und wahrscheinlich nur zu großen Missverständnissen kommen. Was vor ein paar Stunden passiert ist, ist passiert und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Du hast die alten Gesetzte unserer Vorfahren ignoriert und eine Person in Not, ihrem Schicksal überlassen. Wie enttäuscht ich deshalb von dir bin, kann ich kaum in Worte fassen.“ begann der Drache langsam und unterbrach dabei noch nicht einmal für eine Sekunde den angespannten, glühenden Blickkontakt zu mir, was mich grantig meine Kieferknochen aufeinanderpressen ließ. Maßregelungen hatte ich schließlich noch nie leiden können, weder von Corrus, noch von sonst wem, aber wie dem auch sei. Darum ging es im Moment nicht…. Wo waren wir also noch gleich stehengeblieben?...Ach ja…

Corrus` gewaltigen Lungen blähten sich für einen kurzen Augenblick, als das große Drachenmännchen tief Luft holte und dabei für einen kurzen Moment seinen Blick senkte, seine Augen schloss, ehe er, mit vor Wut und Enttäuschung glühenden Irden, wieder sein Haupt hob und mich erbarmungslos fixierte „Ich weiß nicht, was in deinem kleinen Kopf vorgeht, dass du dir einbildest, vergessen zu können, wer du bist Rai. Dass du glaubst vergessen zu können, aus welchem Haus du kommst, aber trotzdem will ich dir etwas sagen-…“ rügte Corrus mich säuerlich, trat dabei einen dumpfen Schritt näher an mich heran und neigte seinen stämmigen Hals soweit nach vorne, dass seine breite Schnauze nun nur noch einige Zentimeter vor meinem Gesicht schwebte, was ich nur, ohne auch nur einen Muskel meines restlichen Körpers zu rühren, mit einem leichten, trotzigen Rümpfen meiner Nase kommentierte. „Wach auf, Rai! Wach endlich auf! Ja, unsere Freunde und Familie mögen vielleicht tot sein und ja, ich weiß, dass du immer noch um sie trauerst, denn Überraschung: ich tue es auch noch!“ fuhr er mich emotional und an mein Gewissen gerichtet an, weshalb ich ehrlich gar nicht anders konnte, als meine Augen leicht auf ihn zu Verengen. Predigen hatte ich nämlich noch nie gemocht, weder von meinem Mentor, noch von meiner Mutter, noch von Corrus. Und das wusste dieser Mistkerl, weshalb er auch unerbittlich, mit tief in das weiche Fleisch der Erde gebohrten Krallen, fortfuhr. „Aber diese gottverdammten Sitten von denen du da redest, sind die einzigen Sachen, die mich ihnen, die mich unserem Clan, nah fühlen lässt. Die mir erlaubt, mich immerhin daran zu erinnern, dass ich einst irgendwo dazugehört habe und nicht schon mein ganzes Leben lang, wie ein Streuner durch die Weltgeschichte gewandert bin. Und das solltest du auch tun, wenn dir die Ehre deiner Familie zumindest ein bisschen was wert ist! Also reiß dich jetzt endlich einmal zusammen und benimm dich so, wie sie, wie deine Mutter es gewollt hätte! Hör endlich auf wegzulaufen und stell dich dem, was du bist! Wer du bist!“ wusch mir der Grünling gehörig den Kopf und schnaubte gegen Ende hin einmal, zur Beruhigung, tief durch, was allerdings nur zur Folge hatte, dass meine silber-weißen Haare wild durcheinanderflattern. Doch trotzdem wagte ich es nicht mich zu bewegen. Nein.

Denn innerlich fühlte ich mich gerade ziemlich zerrissen. Ich fühlte die Schuld, die mein Gewissen attackierte, ich fühlte die Millionen Dolche, die mein Herz und meine Seele erstachen, fühlte den Schmerz, die Corrus Worte in mir hinterließen und fühlte sogar, wie irgendwo ein kleiner Teil von mir herzzerreißend anfing zu weinen. Also, fühlte ich mich im Allgemeinen zerrissen, verletzt, schuldig und wie kleines Stück Abschaum, was ich jedoch trotzdem versuchte irgendwie zu verbergen oder gar irgendwo tief in meiner Seele wegzusperren. Denn konnte ich Corrus nicht zeigen. Ich durfte ihm nicht zeigen, dass er recht hatte, was er immerhin auch nicht hatte, und setzte deswegen einfach meine berüchtigte, eiskalte Maske auf, die wütend den Grünling anfunkelte. Wie konnte er sich schließlich auch anmaßen, sowas über mich zu sagen? Über meine Mutter? Tz, puh, wäre er nicht mein bester Freund und Partner gewesen, dann hätte ich ihm bestimmt schon meine Faust zum Frühstück gegeben…Und das wusste der Grünling anscheinend auch, denn ein kaum hörbares Seufzen verließ seine Lippen, als er meinen uneinsichtigen, verteidigenden Gesichtsausdruck sah, und zog sowohl traurig, als auch fassungslos seinen Kopf wieder zurück. „Wenn du über meine Worte nachgedacht hast, kontaktier mich…Bis dahin möchte ich von dir bitte nichts hören.“ bat er mich in einem ernsten Tonfall, was mir eisig ein weiteres, gewaltiges, klaffendes Loch in die Brust riss, ehe er sich enttäuscht, raschelnd von mir abwandte, ein paar Schritte von mir wegtrat. Dann entfaltete er wortlos seine riesigen, grün-gelben Schwingen, drückte seinen Oberkörper auf den weichen Boden hinab, spannte all seine Muskeln bis zu absoluten Schmerzgrenze an und sprang dann in die Höhe…

Wodurch ich alleine, zusammen mit der scheuen Agrafina und meiner verletzten Seele auf der Lichtung zurückblieb.

Ein einzelner Regentropfen dabei bereits vom grauen Himmel auf meine kühle Wange herabfallend, währenddessen ich, mit traurigen Augen, Corrus nachsah, wie er mit mächtigen, raschelnden Flügelschlägen, immer weiter dem bewölkten, mausgrauen Horizont entgegenflog…

Ich habe es versaut…



***



Schmatzend trafen Agrafinas Hufe den aufgeweichten, matschigen Boden der Hauptstraße, drangen so als einziges Geräusch, neben dem prasselndem Regen, an meine Ohren heran, ließen mich so unwillkürlich leicht frösteln, währenddessen gleichzeitig zwei große, eiskalte Regentropfen von einer losen, silber-weißen, durchnässten Haarsträhne meines Haares auf mein bereits schon leicht unterkühltes Gesicht tropften. Doch ich kümmerte mich nicht darum. Nein. Es war mir ehrlichgesagt sogar ziemlich egal, weshalb ich stattdessen auch lieber, mit meinem ernsten, durch meine übergroße, schwarze Kapuze, verdecktem Gesicht, nach vorne auf die menschenleere, gatschige Straße blickte. Der donnernde Regen trommelte dabei gnadenlos auf sowohl mich, als auch Agrafina ein, deren schwarze, dichte Mähne bereits ganz strähnig und wellig, vom ganzen Wasser war. Doch trotzdem trottete die dunkelbraune Stute seelenruhig auch weiterhin die Hauptstraße entlang, hatte lediglich ihre Ohren, zum Schutz gegen das herabfallende Wasser, flach auf ihrem Hinterkopf angelegt, unterdessen ich, mit kühler Miene, meinen Blick über meine Umgebung schweifen ließ. Und naja…Was sollte ich sagen? Durch den Regen war dies nicht wirklich…einfach.

Die Dunkelheit der Dämmerung war vor ein paar Stunden eingetreten, verdunkelte so das Land, zusammen mit den tiefgrauen Wolken, nur noch mehr, währenddessen der rauschende, gräuliche Regenschleier einem den Blick auf 4 Meter Entfernung verwerte. Selbst die Bäume, Büsche und das Unterholz rings um mich herum, waren durch die Dunkelheit und den Regen beinahe schon bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden, sodass man von ihnen nur noch einen ungefähren Schatten sehen konnte, der angenehm nach Frische, Moos und Wasser roch. Eine Mischung, die ich, dank Corrus, über den Wolken oft zum Riechen bekam, weshalb mir dieser Duft auch so verdammt vertraut vorkam. Lautlos atmete ich daher tief die beißende Kälte, die en Beigeschmack von Moos, nasser Erde und Wasser in sich hatte, ein und spannte dann mein Kiefer stark an. Die Tiere, die sich hier im Wald versteckten, oder die bessergesagt hier lebten, hatten sich in ihre schützenden Verstecke zurückgezogen, damit sie vorm Regen sicher waren, weshalb jetzt auch weder das Trällern der Singvögel zu hören war, noch die Geräusche der Waldtiere, noch das Zirpen der Insekten. Nichts. Man konnte nur das Prasseln des Regens, das Knittern der tiefgrünen Blätter der Bäume und Agrafinas schmatzende Schritte hören. Weit und breit. Doch das war nicht der Grund, wieso ich so angespannt und niedergeschlagen war. Oh nein, dass war bestimmt nicht der Grund dafür…

Der Grund dafür war eher, dass ich einen Streit mit Corrus hatte. Ja, ich hatte mich mit diesem Echsenvieh gestritten und wisst ihr, was das Schlimmste daran war? Corrus wusste noch nicht einmal die ganze Wahrheit. Nein. Ich hatte ihn zwar nicht angelogen, aber trotzdem hatte ich ihm dennoch verschwiegen, dass der Zauberer Gandalf, der Graue, mich aufgesucht hatte, um meine und seine, also Corrus`,  Unterstützung beim Sturz Smaugs anzufordern. Denn ich hatte ihn fortgeschickt. Einfach fortgeschickt, ohne ihm auch nur einmal einen Grund für meine Verweigerung zu nennen. Aber ich denke, die brauchte Gandalf auch nicht. Ich bin überzeugt davon, dass sich der Istari auch selbst denken kann, wieso ich nicht kann. Was das allerdings bei Corrus anbelangte?...Naja…Corrus ging mit seinem Verlust einfach anders um als ich. Er wollte sich nicht verstecken, wollte kein Leben im Schatten leben und wollte den alten Traditionen unseres Volkes treu ergeben bleiben, um so zumindest ein kleines Andenken zu haben. Nur wegen mir hatte er zugestimmt sich zu verstecken. Nur wegen mir, war er einverstanden damit, so zu tun als wäre er tot. Nur wegen mir…Und nun hinterging ich ihm, indem ich ihm verschwieg, dass wir eine Chance auf Rache hatten…Tz, und dabei fühlte ich mich schon beschissen genug, weil ich dem Grünling gebeichtet hatte, dass Gesetz der Ehre missachtet zu haben und einem Leidendem in Not meine Hilfe verweigert hatte, weshalb mit die Echse auch so ziemlich den Kopf gewachsen hatte. Und dabei hatte er sich noch zurückgehalten. Normal wäre er explodiert. Und das wortwörtlich. Ich ging daher davon aus, dass seine maßlose Enttäuschung von mir seine brodelnde Wut ein wenig eingedämmt hatte und er sich später dann irgendwo abkühlen gegangen war… Weit, weit weg von mir…

Unwillkürlich ballte ich meine so Hände zu Fäusten, dass das schwarze Leder von Agrafinas Zügeln in meinen Händen bereits zu knirschen begann, unterdessen ich meine Kiefer zu hart aufeinanderpresste, dass ich beinahe die Befürchtung hatte, sie könnten brechen. Ich wusste, dass das, was ich tat falsch war. Es war so falsch, dass all die Taten die ich in meiner späten Vergangenheit begangen hatten bereits wieder richtig waren. Doch trotzdem konnte ich damit einfach nicht aufhören. Dieser Schmerz. Dieser verdammte Schmerz, der dir einfach die Luft zum Atmen raubte und dein Herz so schmerzvoll zusammenziehen ließ, dass du bereits glaubst an Herzversagen zu verrecken, zwang mich dazu. Er zwang mich immer weiter und weiter zu laufen, ohne dabei auch nur eine Sekunde über meine Konsequenzen nachzudenken. Denn wenn ich stehenbleiben würde, dann würde mich die Trauer, wie ein jagendes Raubtier, einholen, wie auch brutal angreifen und ich war mir nicht so sicher, um ob ich diesen Angriff dann überleben würde…

Wortlos verengte ich meine Augen zu schmalen Schlitzen, als ich in der nahen Ferne des dichten Regenschleiers zwei, dämmrige, orange Lichter aufflammen sah, die tänzelnd, circa 2 Meter, über der Erde schwebten und sich trotzig dem arschkaltem Himmelswasser entgegensetzten. Klar, waren sie deswegen dann kleiner als gewöhnliche Flammen und wirkten zudem auch kränklicher, doch trotzdem brannten sie auch weiterhin und markierten so den Eingang zu dem Ort, zu dem ich schon seit Tagen wollte. Nach Bree.

Ohne viel länger darüber nachzudenken, was ich tat, presste ich meine durchnässten Schenkel etwas dichter an Agrafinas Seiten heran, gab ihr so zu verstehen, dass sie ein bisschen angasen sollte, was sie natürlich auch sofort kapierte. Denn beinahe so, als hätte sie darauf gewartet, schreckte die dunkelbraune Stute schnaubend mit ihrem Haupt leicht in die Höhe, wodurch ein paar glitzernde Regentropfen von ihrem Pony in die Luft flogen, und beschleunigte eilig ihre Schritte, sodass ich wortwörtlich fühlen konnte, wie Bewegung in Agrafina kam. Stark bewegten sich nämlich ihre Muskeln unter mir, führten rasch zu einem schönen, gleichmäßigen Rhythmus, wie nur ein junges Pferd es heben konnte, unterdessen ihre Hufe in einem schnelleren, trabenden Abstand auf die gatschige Hauptstraße trafen. Und ich? Tja…Ich passte mich direkt ihrer neuen Geschwindigkeit an, erhob und senkte mich im Takt vom und auf den Sattel, währenddessen der Regen um mich herum stärker wurde. Das hörte ich deutlich an der Ort und Weise, wie das Himmelswasser auf die Erde fiel und wie die Temperatur erneut zu schwanken begann. Aber zum Glück machte mir dies ja bald nichts mehr aus. Denn bald hatte ich ein warmes Dach über meinem Kopf und konnte mich an einem Kamin aufwärmen…

Die flackernden, dämmrigen Lichter kamen immer näher und näher, wurden für mich immer deutlicher, je näher Agrafina an sie herantrabte, bis ich nicht sogar schon eine dunkle, hölzerne Wand hinter den spärlichen, flackernden Lichtern erkennen konnte. Tja…Und was sollte ich dazu noch sagen? Willkommen in Bree?...Hmm…Naja, mal sehen…Bestimmt zog ich leicht an Agrafinas Zügeln, gab so den Befehl an die Stute langsamer zu werden, als wir bei den Laternen und der hölzernen, dunklen Wand ankamen. Agrafina reagierte zum Glück sofort darauf, wechselte von ihrem Trab, in den Schritt um, schlug mit ihrem langen, welligen, komplett durchnässten Schweif dabei um sich, ehe sie schließlich nicht, durch ein weiteres Ziehen an den Zügeln meinerseits, schnaubend zum Stehen kam und wegen dem starken Regen genervt die Ohren flach an ihren Hinterkopf anlegte. So schützte sie ihr Gehör vor den Tropfen nämlich. Aber das war im Moment nicht wichtig. Eher mehr interessant war, dass ich, mit einem kühlen Schnauben, zuerst aus Agrafinas Steigbügel glitt und mich dann elegant aus dem schwarzen Sattel schwang. Dieser gab deswegen ein beschwerendes Ächzen von sich, war er über diesen längeren Zeitraum doch nicht so viel Gewicht auf einer Seite gewöhnt, währenddessen Agrafinas Zügel, bei meiner plötzlichen, schnellen Bewegung, leise zu Klirren begannen. Doch ich scherrte mich nicht darum. Nein. Stattdessen presste ich erneut meine Kiefer hart aufeinander, sodass man dessen Muskulatur arbeiten sehen konnte, griff an der Seite meines Sattels nach meinem silbernen Kampfstock, den ich dort mithilfe von ein paar Maschen fixiert hatte, und zog ihn dort geschickt heraus, ehe ich mich seufzend zu Agrafinas Kopf umwandte und ihre Zügel unterhalb ihres Kinns packte.

Anders als beim letzten Mal, zuckte die dunkelbraune Stute dieses Mal nicht zusammen, oder zumindest nicht so stark, was es mir selbstverständlich einfacher machte, sie hinüber zu dem verschlossenen Tor zu führen, in dem zwei, eisernen Sehschlitze eingebaut waren. Ich wusste, dass nach Einbruch der Nacht das Tor zu Bree verschlossen wurde und alle Reisenden, die Eintritt wünschten überprüft wurden, da nachts doch immer sehr seltsame Gestalten unterwegs waren. Tz, hätte ich mich nicht so lange mit Corrus auf der Wiese abgegeben, dann wäre ich jetzt bestimmt pünktlich hier gewesen. Aber naja…Was solls. Ich war immerhin jetzt hier und nach einer solch zwielichtigen Gestalt sah ich nun auch wieder nicht aus, weshalb ich mir auch nicht vorstellen konnte, wieso mich der Torwächter nicht einlassen sollte. Von dem her… Ein wenig unwohl kniff ich meine Augen leicht zusammen, als Agrafina und ich zu der verschlossenen Eingangstür, unterhalb des dämmrigen, orangen Lichts der Laternen traten, da meine Lider seit geraumer Zeit nur die Dunkelheit des Abends und den verdunkelnden Schleier des Regens gewohnt war. Doch ich hielt mich nicht allzu lange damit auf, suchte stattdessen einfach ein wenig Schutz unter meiner übergroßen, triefenden, schwarzen Kapuze, hob dann bestimmt jene Hand in die Höhe, die ebenfalls meinen silbernen Kampfstock trug und schlug mit dem oberen Ende ein paar Mal fest gegen das nasse Holz, um auf der anderen Seite auf mich aufmerksam zu machen.

Agrafina ließ, aufgrund des Lärms, unruhig ihren Kopf in den Nacken schießen, wich eingeschüchtert ein wenig nach links aus und schnaubte dabei mehrmals unwohl. Doch da ich sie durch ihre Zügel fest im Griff hatte, hatte sich diese Geschichte schnell erledigt und die dunkelbraune Stute beruhigte sich auch gleich einigermaßen wieder. Und das keinen Augenblick zu früh. Denn noch im selben Moment konnte ich auf der anderen Seite der hölzernen Tür dumpfe, schmatzende Schritte hören, kombiniert mit einer leise fluchenden Stimme, ehe schließlich das obere, eiserne Visier, mit einem leisen Quietschen, aufgezogen wurde. Zwei müde, dunkle Augen kamen dahinter dann zum Vorschein, die zum Profil eines älteren Mannes, mit einem ungepflegtem, löchrigem Drei-Tage-Bart gehörten, welcher skeptisch auf mich herabblickte und mich eingehend von oben bis unten musterte, so als wäre er sich nicht ganz sicher, wenn er da vor sich hatte. Mir machte dies natürlich nichts aus, waren solche Reaktionen für mich doch im Laufe meiner nie endenden Reise zur Gewohnheit geworden, weshalb ich auch konkret einfach leicht meinen Kopf anhob und, mit schwach glühenden Augen, hinauf zum eisernen Visier sah, damit der Torwächter, trotz Kapuze mein Gesicht sehen konnte. Damit er sehen konnte, dass ich weder zwielichtig war, noch etwas zwielichtiges vorhatte. Doch der Mann kräuselte lediglich grantig seine Nase, zeigte dabei einen Teil seiner gelben, fauligen Zähne. „Was wollt Ihr?“ fragte er mich dann harsch, die leichte Fahne von Rum dabei seinen Mund verlassend, weshalb ich mich auch tierisch zusammenreisen musste, um nicht angeekelt zurückzuweichen. Denn wenn es eine Alkoholsorte gab, die ich über alles hasste, dann war es Rum. Dieses verfluchte Zeug war nämlich nur für Säufer und brachte das schlechteste an einem Menschen zum Vorschein. Ich bevorzugte daher eher Weine oder andere leichte Alkoholgetränke. Doch trotzdem, um eines warmen Bettes Willen, riss ich mich zusammen und setzte einfach meine berüchtigte, kühle Maske auf. „Ich suche ein Bett für die Nacht.“ antwortete ich dem Torwächter knapp und reckte dabei mein Kinn leicht in die Höhe, um so stolzer, wie auch selbstbewusster zu wirken.

Der Torwächter wirkte jedoch nicht sehr überzeugt von meiner Antwort und verengte lediglich seine Augen ein Stück. „Und wie ist Euer Name, wenn ich fragen darf?“ wollte er misstrauisch von mir wissen, wanderte mit seinen dunklen Augen dabei sichtlich skeptisch zu meinem Kampfstock hinüber, der silberne, eingravierte Verzierungen über die ganze Länge hinweg und an beiden Seiten vom oberen Ende tiefe, schwarze Schlitze hatte, in denen sich scharfe Klingen versteckten, die ich mit einem einzigen Knopfdruck am Griff meiner Waffe ausfahren konnte. Eines der einfallreichsten Waffen, die wir in meinem Clan besessen hatten…Aber naja…Das war nicht das Thema. Thema war, dass ich den beschwipsten Torwächter keine Sekunde aus meinen Augen ließ, ihn sogar mit durchdringenden Augen für einige Herzschläge schweigend fixierte, sodass nur das Prasseln des Regens und Agrafinas tiefes Einatmen die Nacht durchdrang. Wie ein Raubtier, dass seine Beute fixierte, fixierte auch ich die Augen des älteren Mannes, konnte so schließlich auch den wachsenden Unmut in ihn mitverfolgen, bis ich nicht schließlich beschloss, mit einem tiefen Einatmen meinen Kopf wieder ein wenig sinken zu lassen. Zwei Ströme aus Regenwasser, die sich irgendwo in einer Nische meiner Kapuze verborgen haben mussten, fanden so den Weg über den oberen Rand meiner Kapuze und fielen mit einem lauten Platschen in Richtung aufgeweichten Erdboden zurück. „Mein Name ist Raidyn, mein Herr.“ beantwortete ich ausgesprochen ruhig, aber nicht minder kühl die Frage des Mannes, der deswegen nur nachdenklich seine Stirn in Falten legte und seine Oberlippe ein wenig in die Höhe zog, sodass man erneut einen Teil seiner fauligen, gelben Zähne sehen konnte.

„Hmm, Raidyn ist Euer Name, sagt Ihr?“ wiederholte er dann brummend meinen Namen und kratzte sich nachdenklich am stoppeligen weiß-braunen Bart. „Ihr seid nicht von hier, oder? Ein Mädel mit einem so seltsamen Namen, wie dem Eure, würde ich schließlich kennen. Sagt, Reisende, von wo seid Ihr?“ hakte der Torwächter sowohl neugierig als auch argwöhnisch nach und legte dabei seinen Kopf ein wenig schief. Durch den kleinen Türschlitz der uns trennte konnte ich leider nicht viel sehen, so waren mir nur sein Mund, ein Teil seines Gesichts und seine Augen bekannt. Doch trotzdem reichte dies auch, denn mehr als meinen Namen musste dieser Mann nicht wissen. Musste niemand wissen. Denn wenn das stimmte, was er über meinen Namen sagte, dann dürfte man mich hier ohnehin leicht finden, wenn man mich suchte. Wozu war da dann noch die Herkunft notwendig?...Dementsprechend warnend hob ich daher auch wieder meinen Kopf, ließ meine stahlgrauen Augen vielsagend unter dem schwarzen Stoff meiner Kapuze hervorblitzen und vermittelte dem Torwächter so eine ziemlich klare Botschaft. Eine Botschaft, die er zum Glück sofort verstand, denn der ältere Mann verdrehte grantig seine Augen, als er mein Gesichtsausdruck sah. „Schon gut, schon gut, junges Fräulein. Sind nur Fragen, die alle Torwächter nach Einbruch der Dunkelheit stellen müssen. Laufen zwielichtige Gestalten hier herum, wisst Ihr?“ rechtfertigte sich der Typ  grummelnd, schob das Visier dann wieder nach vorne, sodass wir uns nicht mehr sehen konnten, ehe nach einem kurzen Augenblick, wie auch einem metallischen Klacken die Tür vor mir geöffnet wurde.

Dämmriges Licht viel von Bree auf die dunkle Hauptstraße hinaus, ließ mich im ersten Augenblick die Augen zusammenkneifen, während der starke Regen, von dem was ich flüchtig sehen konnte, nicht nur den Boden der Stadt in ein wahres Sumpfloch verwandelt hatte, sondern auch sämtliche Menschen in ihre Häuser oder Gaststätten vertrieben hatte. Nur gelegentlich konnte ich eine Gestalt, eingehüllt in einen dicken Mantel oder einer Jacke, die Regenschutz versprach, schmatzend über die spärlich beleuchteten Straßen huschen sehen, ehe auch schon der Torwächter wieder, von hinter der Tür aus, in mein Blickfeld trat. Und dieses Mal hatte ich einen besseren Blick auf ihn als zuvor, da ja nun keine Tür mehr zwischen uns stand. Aber, wie dem auch sei…Wo waren wir noch gleich stehengeblieben? Ach ja!...Der ältere Mann war in einen knielangen, schwarzen Umhang gekleidet, der das Wasser abweisen sollte, währenddessen seine Beine in einer dunkelbraunen, mehrmals geflickten und komplett durchnässten Hose steckten, die sicher schon bessere Tage gesehen hatte. Genauso wie seine Schuhe, die mehr aus Schlamm, als aus Leder bestanden. Zu seinem Gesicht konnte ich nicht viel sagen, da dieses immer noch von dem Umhang Großteiles verdeckt war. Nur seinen ungepflegten, löchrigen Drei-Tage-Bart, die fauligen, teilweise fehlenden Zähne und seine müden Augen konnte ich identifizieren, währenddessen seine faltige, stellenweise vernarbte Gesichtshaut von seinem harten Leben in Bree zeugte…

„Seid Ihr alleine?“ fragte mich der Torwächter dann plötzlich, riss mich so aus meinen Gedanken, unterdessen er gleichzeitig nach einer quietschenden, flackernden Laterne griff, die auf einer kleinen Halterung neben dem Eingang gestanden haben musste, und leuchtete damit dann auf die dunkle Hauptstraße hinaus, auf der Suche nach potenziellen Reisegefährten. Doch ich beendete seine Suche vorzeitig, indem ich einfach zustimmend mit meinem Kopf nickte. „Ja, mein Herr. Ich reise alleine.“ bejahte ich seine Frage monoton, was den Stadtwächter überrascht in seiner Bewegung innehalten ließ. Die leuchtende Laterne in seiner Hand quietschte deswegen leise, wurde nur vom Donnern des Regens übertönt, als sich der ältere Mann dann, mit einem verwunderten Gesichtsausdruck, zu mir umwandte. Ratlos fuhr er sich dann mit einem Kopf über seine klitschnasse Kapuze und schüttelte dann leicht seinen Kopf, sodass die Regentropfen von seinem triefenden, fettigen Haar nur so flogen. „Jetzt reisen die Weiber schon alleine durchs Land. Was, bei Illuvater, kommt denn bitte als nächstes? Orks die Stricken?! Einfach nur unfassbar.“ grummelte das Alterchen leise vor sich hin, sprach mich dabei jedoch nicht direkt an, weshalb ich mich auch einfach nur darauf beschränkte beleidigt die Hände, unter Agrafinas Kinn, zu Fäusten zu ballen. Ich war solche Reaktionen schließlich schon gewohnt. Diese Aussage, die dieser Kerl gerade gemacht hatte, war immerhin noch ganz freundlich gewesen. Pfhaha, ohh Leute, es gab bereits Männer, die viel schlimmeres und frauenfeindlicheres zu meinem Lebensstil gesagt hatten, weshalb ich diesen Torwächter auch einfach nur mit einem bösen Blick strafte, als er knurrend beiseitetrat und Agrafina und mir den Weg freimachte.

„Nun gut…Dann kommt doch rein, junge Dame. Bei so einem Wetter würde ich sogar nicht einmal mehr einen Ork draußen stehenlassen.“ bekräftigte mich der Mann nun einigermaßen freundlich und machte dabei mit seiner freien Hand eine hereinbittende Geste. Ich nahm dieses Angebot lediglich mit einem simplen Nicken dankbar an, packte dann die schwarzen Zügel meiner dunkelbraunen Stute unterhalb von ihrem Kinn fester und setzte mich dann rasch in Bewegung. Agrafina zögerte dabei natürlich nicht lange, ich hatte die Vermutung, dass auch sie sich darüber freute, endlich aus dem Regen zu kommen, und folgte mir, mit schmatzenden, dumpfen Schritten, rasch über den Eingangsbogen in die Stadt Bree hinein…  

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Dovazuhl – Deutsch

Kogaan : Danke


Hey…

Gut, ich gebe zu, dass ist nicht eines meiner besten Kapitel…Eigentlich wollte ich hier noch mehr einbauen, aber die Szene mit Corrus und Rai hat mich ziemlich viele Wörter gekostet, weswegen heute auch so wenig passiert. Aber der Streit mit Corrus war heute entscheidend, wie ihr im nächsten Kapitel erfahren werdet. Und naja-…In Bree wartet auf Rai ebenfalls eine eher weniger schöne Überraschung, wenn ich das so sagen darf, hehe…

So jetzt aber zu euch….Leute, was geht bitt bei euch ab???? 4 EMPFELUNGEN?!?!?! WTF??!?!?!?! DANKE!!!! OMG DANKE!!!!!!! Ich pack mein Leben gerade nicht…So viele….Omg….Und auch natürlich ein Danke-Bussi an meine liebe Tintentraum für ihr superliebes Review und ein Danke für das Hinzufügen zur Offline-Bibliothek…So, jetz habe ich alles…Leute ihr seid total krass!!!

Wer Verbesserungsvorschläge, Kritik oder sonst was für mich hat, immer nur her damit!!

Freue mich über alles!!

Bis dahin!

Lg little-chaos-queen
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