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Die letzte Drachenreiterin

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Fili Gandalf OC (Own Character) Smaug
19.06.2020
17.09.2020
10
92.077
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26.06.2020 6.524
 
Chapter 1: Der Fremde in Grau…


Raidyns Sicht:


Die Sonne begann bereits langsam über die sanften, öden Hügeln des Landes zu wandern und die Schatten der Nacht allmählich mit ihrem morgendlichen, schimmernden Licht zu vertreiben, als ich mit Packen fertig wurde und all meine Habseligkeiten endlich fein säuberlich in einem großen, dunkelbraunen, ledernen Rucksack und einer etwas kleineren, gräulichen, ledernen Umhängetasche eingepackt hatte. Diese standen dann wiederrum fein säuberlich und abreisebereit auf dem kleinen, gebrechlichen Tisch in der Mitte meines staubigen Zimmers und warteten nur so darauf endlich von mir hochgenommen und auf ein neues Abenteuer mitgenommen werden zu können, für die ich doch so bekannt war. Und das würden sie bestimmt auch jeden Augenblick. Jeden Augenblick könnte der Aufbruch in ein neues Abenteuer losgehen, doch zuvor musste ich noch einige andere wichtige Sachen erledigen. Sachen, wie zum Beispiel mich selbst einmal erst anziehen, frisch machen, frühstücken und den Wirt dann für die vergangenen Tage bezahlen. Denn, wer war schon so ehrenlos eine Vereinbarung nicht einzuhalten oder einen guten Mann für seine Dienste nicht zu bezahlen? Tz, unvorstellbar…

Ein leises Schnauben entkam mir, als ich, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, meine Hände in meine Seiten stemmte und meinen aufmerksamen Blick dann noch einmal prüfend über das kleine Zimmer schweifen ließ, um sicherzugehen, dass ich weder etwas vergessen, noch irgendwelche Unordnung hinterlassen hatte. Denn, auch wenn ich den Wirt bestimmt nie wieder sehen würde, so wollte ich doch trotzdem einen guten Eindruck auf ihn hinterlassen…Wachsam hüpften meine stahlgrauen Augen daher über den staubigen, unebenen Holzboden, über die alte, schäbige Kommode gegenüber von meinem muffigen Bett, die Waschstelle, mit dem kleinen Holzstuhl, dem Eimer voll eiskaltem Wasser darauf und dem großen, gesprungenem Spiegel dahinter, dem altersschwachen, abgefärbten Schrank neben meinem Bett und schließlich auch über den kleinen, kantigen Tisch in der Mitte des Zimmers, wo mein Gepäck abreisebereit stand. Doch alles war bereits leergeräumt und nirgendswo war auch nur ein Zeichen zu sehen, dass ich einmal für ein paar Tage hier gewohnt hatte. Zufrieden darüber nickte ich unbewusst mir selbst zu, ehe ich mich mit einem schweren Seufzen auf dem Absatz umdrehte und mich zu meinem gemachten Bett umwandte, wo meine zusammengefaltete Reisekleidung und mein silberner, mit krakeligen Mustern verzierter Kampfstock auf mich warteten. Und naja…


Ohne lange zu Zögern entledigte ich mich raschelnd, wie auch mit einem geübten Kreuzgriff, rasch meines bestickten, weiten Nachtkleides und der kurzen, ledernen Hose darunter, faltete sie ordentlich zusammen und legte sie fein säuberlich neben meine Reisekleidung auf das muffige, kleine Bett, ehe ich dazu überging knirschend in meine Alltagskleidung zu schlüpfen. Glücklicherweise ging dies relativ flott, dass ich meine Beine knirschend in die enganliegende, schwarze Lederhose reinquetschte, meinen Oberkörper in ein ärmelloses, dicht an der Haut liegendes, dunkelblaues Lederkorsett und meine Füße in kniehohe, dunkelbraune Lederstiefel steckte, bevor ich meinen leicht übergroßen, bodenlangen, schwarzen Mantel über das Outfit anzog. Dieser hatte mir über die Jahre nämlich schon viele gute Dienste erwiesen und mich selbst in den kältesten Nächten warm gehalten, auch wenn man dazu sagen musste, dass Corrus bei dieser Geschichte mit seinem warmen Feuer nicht wirklich unbeteiligt war. Doch trotzdem minderte es nicht weniger die Tatsache, dass dieser Mantel seinen Job tadellos vollbrachte. Zufrieden zupfte ich daher noch eilig leicht den nachtschwarzen Stoff meines Mantels an den Armen zurecht, da sich dort bekanntlich immer Falteten bildeten und ging dann, mit einem leisen Schnauben, wie auch sanft knirschenden Schritten, zu dem gesprungenem Spiegel bei der Waschstelle auf der anderen Seite des Raumes zurück, um meine Haare zu machen. Schließlich wollte ja kein Mädchen oder bessergesagt keine junge Dame wie eine verrück gewordene Vogelscheuche aussehen…  

Instinktiv fuhren meine Hände zu dem unordentlichen, lockeren Haarknäul auf meinem Hinterkopf hinauf, als ich nach wenigen Herzschlägen bei dem einfachen, bodenlangen Spiegel angekommen war, und löste dort sanft das schwarze, seidene Haarband von meinen weiß-silbernen Haaren, sodass diese fließend, wie die schäumenden Wellen des Meeres, bis zu meinen Schulterblättern hinabfallen konnten. Nur einzelne, wilde Strähnen standen zerzaust von meinem Haupt ab und weigerten sich strikt, wie der Rest meines Haares, einfach sachte an meinem Körper hinabzugleiten. Ein leicht genervtes Seufzen entkam mir deswegen, wobei ich unbewusst meinen Kopf leicht sinken ließ, hatte ich doch keine Bürste bei mir, mit dem ich meine Haare glätten und durchbürsten hätte können. Ich hatte ihn nämlich in einer von Corrus` Satteltasche vergessen, was mir erst aufgefallen war, als ich bereits in das Gasthaus eingekehrt war. Und naja…Andersgesagt bedeutete dies einfach ich hatte jetzt seit knapp 5 Tagen keine Bürste gehabt und hatte auch nirgendwo eine auftreiben können. Denn der Marktplatz in diesem kleinen Dorf hier hielt es anscheinend nicht für nötig Hygieneartikel zu verkaufen. Doch schlussendlich war auch dieses Problem kein zu großes für mich. Denn ich hatte meine Haare ganz einfach immer zusammengebunden, damit niemand bemerkte, dass sie eigentlich ungekämmt waren. Und dafür brauchte man nun wirklich keine Bürste…

Ohne lange zu überlegen begann ich daher schnaufend mit meinen Händen über meine leicht struppigen Haaren zu fahren, sie in einer Hand geschickt zu sammeln, während die andere Hand mehr Strähnen nachholte, ehe ich sie schließlich so weit es ging hochhob, damit ich aus ihnen einen hohen Pferdeschwanz machen konnte. Das schwarze, seidene Haarband war dann, mit geschickten Handgriffen, schnell am Anfang des Zopfes angebracht, sodass ich es dann, mit einer ruckartigen Bewegung meiner Hände, festziehen konnte und TADA!!! Fertig war mein straffer, hoher Pferdeschwanz! Doch die Zeit um ihn wirklich zu bewundern blieb leider nicht wirklich... Deswegen beschränkte ich mich auch einfach darauf einmal kurz und prüfend, kritisch mit meinen Augen über meine neue Frisur drüberzufahren und nach irgendwelchen Makeln zu suchen, die ich noch schnell ausbessern konnte. Doch alles wirkte relativ normal auf mich, also ließ ich es so wie es war und drehte mich stattdessen zu meinem Gepäck und meinem auf dem Bett liegendem, silbernem Kampfstock um. Also gut…Dann war es jetzt wohl an der Zeit aufzubrechen…


***



Das Gasthaus war so gut wie leer als ich vollbeladen mit einem geschulterten, dunkelbraunem Rucksack, der umgehängten, grauen Umhängetasche und dem silbernen Kampfstock, den ich gelegentlich als Stützte benutzte, leise knarrend die Treppen zu den Zimmern herunterkam. Nur der Wirt, zwei junge Mägde, zwei alte, Pfeife rauchende Männer, die sich auf einem mittig gelegenem Tisch leise über irgendwas zu unterhalten schienen, und ein junger Wanderer in einer kleinen Ecke des Gasthauses waren anwesend. Der Rest schlief wahrscheinlich den gestrigen Rausch aus. Doch andererseits war morgens nie viel los in einem Gasthaus, von dem her…Es war günstiger für mich. Überfüllte Schenken hatte ich noch nie wirklich leiden können…

Wortlos schlenderte ich daher auch gemütlich zu der Bartheke hinüber, auf dessen anderen Seite der Wirt damit beschäftigt war die Gläser und Bierkrüge mit einem alten, weißen Lappen zu reinigen, ließ meinen Rucksack von meiner Schulter, mit einem dumpfen Laut, zu Boden rutschen und lehnte meinen Kampfstock neben mir an der Bar an, ehe ich mich geschmeidig auf einen der hohen, abgenutzten Barhocker schwang und mich dort, leise schnaufend niederließ. Meine graue Umhängetasche ließ ich dabei allerdings umgehängt, da es mir nicht ganz geheuer war all mein Gepäck einfach so an einem fremden Ort aus meiner Hand zu geben. Doch nichtsdestotrotz minderte dies nicht die Tatsache, dass der junge Wanderer in der Ecke, die beiden alten, Pfeife rauchenden Männer, die zwei jungen Mägde und der Wirt mich mit ihren Augen durchbohrten und misstrauisch verfolgten, so als würden sie denken, dass ich planen würde ihre emsige Schenke zu überfallen. Aber mir machte dies mittlerweile nichts mehr aus. Tz, oh großer Ancalagon, nein. Sowas war nämlich schon Routine bei mir, weshalb ich ihre heißen, brennenden Blicke in meinem Rücken auch einfach ignorierte und stattdessen auffordernd zu dem großen, rundlichen Wirt sah, der am anderen Ende der Bar stand und langsam seine Gläser und Bierkrüge reinigte. Dem schien mein Blick aufgefallen zu sein, denn er legte seufzend metallenen Bierkrug und weißen Fetzen beiseite und bewegte sich dann schwerfällig zu mir hinüber. „Was kann ich für Euch tun, Kleine?“ fragte er mich leicht ungeduldig, stützte seine stämmigen Arme dabei links und rechts von sich auf der polierten Bartheke ab und durchbohrte mich forschend mit seinen kleinen, dunklen Augen.

Sein rundliches, leicht aufgequollenes Gesicht wurde dabei von einer spärlichen, dunklen Haarpracht und einem kleinen, aber dennoch sehr gepflegten Bart geschmückt, der allerdings bereits die ersten weißen Strähnen in sich trug. Doch mich beeindruckte dies überhaupt nicht. Nein. Ich griff stattdessen in die Seitentasche meines schwarzen Mantels, langte nach ein paar klimpernden Kupfermünzen und knallte sie dem Wirt auf die Theke. „Ein einfaches Frühstück, danke.“ äußerste ich neutral meinen Wunsch, zog dabei langsam meine Hand von den Münzen zurück damit der Wirt sie nehmen konnte und sah, mit durchdringenden, stahlgrauen Augen, zu dem älteren Mann hoch. Dieser sah für einen kurzen Augenblick skeptisch zwischen meinen Kupfermünzen und meinem Gesicht hin und her, zögerte jedoch nicht wirklich lange und streckte dann seine rechten Pranke aus, um die Münzen mürrisch aufzusammeln. „Wie die Dame will.“ brummte er dabei leicht mürrisch und ließ die bronzefarbenen Münzen in seiner weißen Schürzentasche verschwinden, ehe er sich mit einem ungeduldigen Gesichtsausdruck zu den beiden Mägden umwandte, die irgendwo in einer hinteren Ecke leise miteinander tuschelten, und diese mit schmalen Augen fixierte. „Brenna!“ schnarrte er dann laut einer der Beiden zu, sodass die Brünette, die ihre Haare kunstvoll zu einer Hochsteckfrisur zusammengebunden hatte, bei dem Klang ihres Namens erschrocken zusammenzuckte und instinktiv ihr Haupt in die Richtung des Wirtes wandte, um zu sehen, was er von ihr wollte. Auch die zweite Magd zuckte bei der tiefen Stimme des Wirtes zusammen und wandte sich triebhaft ihrem Arbeitgeber zu.

Doch dieser wollte anscheinend nur etwas von dieser Brenna, da er sie deutlich mit seinen kleinen, dunklen Augen fixierte. „Ein einfaches Frühstück, für die Kleine hier!“ rief er ihr dann schließlich knurrig zu und deutete mit einem einfachen Kopfnicken auf mich, was ich nur schweigend beobachtete. Brenna schien jedoch trotzdem sofort zu verstehen, löste sich, ohne ein weiteres Wort an ihre Freundin, von ihrer Ecke und eilte, mit einem im Takt wippendem dreckig-orangem Rock und einem etwas zu großen, flatternden, weißen Hemd, dass nur mit einem einfachen Lederkorsett an Ort und Stelle gehalten wurde, hastig zu einer großen, dunklen Tür, die wahrscheinlich in die Küche führte. Der Wirt schnaubte deswegen nur knapp und wandte sich mit müder Miene noch ein letztes Mal mir zu. „Kommt gleich.“ brummte er mir rau zu, ehe er sich schließlich von mir abwandte und, mit drei dumpfen Schritten, wieder zurück zu seinen Gläsern und Bierkrügen ging. Ein Danke oder eine sonstige Art der Bedankung wartete der Typ dabei noch nicht einmal ab, weshalb ich mir auch nicht die Mühe machte zu einer anzusetzen. Ich hatte nämlich schnell lernen müssen, dass die Leute in diesem Dorf Fremden gegenüber eher sehr misstrauisch und skeptisch gegenüber waren, was wohl daran lag, dass sie sehr nah an der Grenze lagen. Da kamen nun einmal oft zwielichtige Gestalten durch, weshalb ich den Menschen hier ihr Misstrauen auch nicht so übel nahm. Sie waren eben unruhig….

Ein leichtes, kaum hörbares Seufzen entkam mir, als ich es mir auf meinem Stuhl ein bisschen bequemer machte und die restlichen Leute um mich herum entspannter werden zu schienen. Zwar warfen sie mir gelegentlich noch immer unruhige Blicke zu, aber immerhin begannen die beiden, älteren, Pfeife rauchenden Herren wieder ihr Gespräch aufzunehmen, während der zweite Wanderer hier stumm sein Frühstück weiter zu essen begann. Es nahm also alles wieder eine Art ruhige Atmosphäre an, in der ich mich mittendrinn befand, während ich geduldig, mit gesenktem Haupt, auf mein Frühstück wartete. Wie sagte man schließlich auch so schön? Mit leerem Magen, kann man nicht arbeiten, oder irgendwas in der Art. Ist schon ne Weile her, dass ich diesen Spruch gehört hatte… Aber wie dem auch sei… Die Zeit verstrich langsam während ich auf mein Essen wartete und ich nutzte diese so nachdenklich auf die blankpolierte Bartheke zu starren, in der sich schwach das morgendliche Sonnenlicht spiegelte, darüber nachdenkend, was in nächster Zeit alles so geschehen sollte oder würde. Doch anscheinend hatte Ancalagon, der Schwarze, Vater aller Drachen, einen anderen Plan für mich, der mich für die nächsten Monate wirklich aus den Socken hauen sollte. Wortwörtlich…

Denn mit einem Mal schwang die große, dunkelbraune Eingangstür zum Gasthaus mit einem lauten Ächzen auf und eine Person trat, mit zwei dumpfen Schritten, in die warme Stube ein. Instinktiv hoben alle Anwesenden, ausgenommen mir natürlich, ihren Kopf, wobei die älteren, Pfeife rauchenden Männer ihr angeregtes Gespräch augenblicklich fallen ließen, und blickten sowohl interessiert, als auch misstrauisch zu dem Neuen im Eingangsbereich, der gerade ein zufriedenen, befreites Seufzen von sich gab. So als würde er sich nach einer langen Reise nun endlich freuen eine warme Mahlzeit und ein weiches Bett, zum Ausruhen zu bekommen oder so als würde er sich freuen eine Person wiederzusehen, die er schon seit einer etwas längeren Zeit gesucht hatte. Was es im Endeffekt war, war mir egal. Ich mischte mich nicht in die Angelegenheiten anderer ein, sondern kümmerte mich selber um meinen eigenen Mist. Von dem her…Ja…Wo blieb noch gleich mein Frühstück?...

Suchend drehte ich mein Haupt, mit leicht hochgezogener Augenbraun, in die Richtung der Tür, in der Brenna verschwunden war, um zu sehen, was sich dort tat, währenddessen der Neuankömmling anscheinend, mit dumpfen, langgezogenen Schritten, seinen Weg zur Bartheke anzutreten schien. Langsam und gedehnt, so als wäre er irgendein Raubtier, der gerade seine Beute entdeckt hatte und sich nun lautlos an sie heranpirschte. Aber ich kümmerte mich nicht darum. Denn wie bereits gesagt. Nicht meine Angelegenheit…Stoisch ignorierte ich daher auch, mit einer äußerst pikanten, kalten Schulter, wie der neue Fremde sich, mit einem zufriedenen Seufzen, auf den linken, freien Barhocker neben mir fallen ließ und blickte stattdessen geduldig zu der dunkelbraunen, hölzernen Küchentür hinüber, die just in diesem Moment ächzend aufschwang. Brenna trat eilig, mit einer mittelgroßen, hölzernen Schüssel in der einen Hand und einem kleinen Becher in der anderen, in den Raum ein und hastete geschwind, mit wehendem, dreckig-orangem Rock, wie auch flatternden, übergroßen, weißen Hemdärmeln, zu mir herüber, wobei die Absätze ihrer Schuhe dumpf klackernd über den Holzboden des Gasthauses erklangen. Ich beobachtete sie dabei nur stumm, freute mich allerdings insgeheim, dass mein Frühstück endlich kam. Denn desto früher ich hier wegkonnte, desto früher konnte ich mich in ein neues Abenteuer stürzen und so weiter sofort…Ihr kanntet ja dieses ganze trara…Also, wo waren wir stehengeblieben? Ach ja!...

„Hier, bitte sehr! Ein einfaches Frühstück, die Dame.“ verkündete Brenna freundlich, als sie bei mir angekommen war, und stellte mir etwas ruppig Teller und Becher vor die Nase, sodass der gräuliche, haferbreiähnliche Inhalt der Schüssel beinahe über den Rand hinwegschwappte. Ich lehnte mich deswegen instinktiv, mit einer schwach gekräuselten, sommersprossigen Nasen, leicht zurück, konnte es allerdings so abspielen, als würde ich mich darum bemühen Brenna mehr Platz fürs servieren zu geben, was die junge Magd daher auch mit einem schwachen Lächeln kommentierte, währenddessen ich ein wenig irritiert auf die graue Substanz in der hölzernen Schüssel starrte. Nicht wissend oder eher sogar schon befürchtend, dass ihr Inhalt womöglich aus nicht ganz so souveränen Mitteln bestand. Jedoch hatte ich trotzdem nichtsdestotrotz nicht meine guten Manieren vergessen und drehte eilig meinen Kopf in die Richtung der Braunhaarigen, um ihr kurz dankend zuzunicken. „Danke.“ gab ich dabei ebenfalls knapp von mir, was Brenna nur mit einer gastfreundschaftlichen, wegwischenden Bewegung ihrer Hand abtat. War es doch schließlich ihre Aufgabe die Kunden zu bedienen. „Nichts zu danken, Miss.“ entgegnete Brenne lächelnd, ehe sie sich, mit einem breiten, sonnengleichen Lächeln auf den vollen Lippen zu dem neuen Fremden auf meiner linken Seite zuwandte, der bis dato stillschweigend und unbeweglich auf seinem Barhocker gesessen hatte. „Darf ich dem Herren auch etwas bringen?“ fragte sie ihn höflich und mit einer so honigsüßen Stimme, dass man beinahe schon meinen könnte das einem schlecht werden könne, hörte man ihr zu viel zu, weshalb ich mich auch kurzerhand dazu anschickte, mich langsam wieder nach vorne zu lehnen und kurzerhand nach dem dunkelbraunem Holzlöffel zu greifen, der stocksteif in der grauen Masse meines Haferschleims steckte…

Der Fremde neben mir inzwischen lächelte bei der Frage freundlich und griff mit einer Hand in seine Tasche, um, nach dem leise klapperndem Geräusch zu urteilen, nach ein paar Kupfermünzen zu greifen. „Äh-…Ja, ich bekomme dasselbe, wie die Dame neben mir. Danke.“ antwortete der Fremde, mit einer altersbedingten, raueren Stimme, und drückte der jungen Magd höflich lächelnd die Kupfermünzen in die Hand, unterdessen ich schweigend Löffel um Löffel grauen, geschmacklosen Haferschleim in mich hineinschaufelte. Die Magd in der Zwischenzeit nickte verstehend, nahm die Kupfermünzen ohne zu Zögern an und ließ sie leise klimpernd  in ihrer Schürzentasche verschwinden. „Natürlich, der Herr. Kommt sofort.“ versicherte Brenna dem Fremden dabei zuckersüß, drehte sich dann abrupt auf dem Absatz um und hastete, mit dumpfen, klackernden Schritten, eilig wieder zurück in die Küche, um eine weitere Portion grauen, faden Haferschleim vorzubereiten, der wahrscheinlich schon mehr Kriege in seinem Leben gesehen hatte, als all die Menschen, die sich derzeit im Gasthaus befanden… Doch trotzdem beschwerte ich mich nicht, sondern war dankbar das ich überhaupt eine Mahlzeit auf dem Tisch hatte. Schließlich verbrachte ich einen großen Teil meiner Zeit in der Wildnis und da gab es nicht jeden Tag etwas zu Essen auf dem Tisch. Auch nicht bei so erfahrenen Jägern, wie mir und meinem Partner Corrus. Von daher war ich auch mit dem grauen Schleim vor mir zufrieden und löffelte stumm jeden einzelnen geschmacklosen Bissen in mich hinein, währenddessen der Wirt, der nebenbei bemerkt immer noch mit dem Putzen seiner Bierkrüge und Gläser beschäftigt war, gelegentlich misstrauisch zu uns herüberschielte. Ihm schien nicht wirklich zu gefallen, dass direkt zwei Fremde an seiner Theke saßen, aber immerhin hielt er den Mund und kümmerte sich auch weiterhin um seinen Kram, während ich und der Fremde auch um unseren kümmerten..

Oder naja…Sollte ich eher sagen, ich hatte vor mich um meinen eigenen Kram zu kümmern, wobei mein Sitznachbar…Naja… Eher eine andere Sichtweise hatte als ich. Was ich damit meinte? Nun… Ein langes, beinahe schon zufrieden klingendes Seufzen entkam dem Fremden neben mir, als er sich auf seinem Barhocker ein wenig zurücklehnte und selig vor sich hinzulächeln begann. „Was für ein angenehmer Morgen heute doch ist, findet Ihr nicht auch?“ gab der Fremde dann leicht verträumt von sich und blickte schmunzelnd zur hölzernen Decke hinauf, wo man allerdings nicht auch nur den leisesten Hauch von einem schönen, morgendlichen Himmel sehen konnte. Ein wenig irritiert deswegen schob ich meine Augenbraun bis zu ihrem Ansatz in die Höhe, sagte allerdings nichts dazu, sondern kümmerte mich auch weiterhin um den grauen Schleim in meiner Schüssel, die schon bis zur Hälfte ausgelöffelt war und zäh meinen Rachen hinabrutschte. Denn wenn er vielleicht merkte, dass ich auf seinen Irrsinn nicht ansprang, dann würde er mich womöglich in Ruhe lassen. Und hierbei betonte ich das womöglich extra stark, denn es konnte genauso sein das der Fremde auch weiterhin irgendwelche seltsamen Sachen vor sich hin sagen würde, egal ob ich ihn ignorierte oder nicht. Aber sollte es mir zu viel werden, konnte ich ja jederzeit gehen. Ich hatte schließlich bereits bezahlt, von dem her…

Kühl löffelte ich schweigend mein Schüssel weiter und weiter aus, griff gelegentlich nach dem keinen, hölzernen Becher und trank ein paar kleine Schlucke aus ihm, bevor ich mich wieder meiner Schüssel zuwendete, währenddessen der Fremde…Naja…Es schien ihn nicht zu interessieren, dass ich ihn ignorierte, da er einfach ungerührt fortfuhr. „Solche Morgen sind selten, wisst Ihr? Und wenn man mich nach meiner Meinung fragen würde, dann würde ich sagen, dass man solche Morgen unbedingt ausnutzen sollte. Wie zum Beispiel mit etwas beruhigendem Golf, einen kleinen Spaziergang oder aber-….mit einem langen, ausgiebigen Flug.“

Augenblicklich erstarrte ich noch in meiner Bewegung und weitete leicht meine Augen. W-…Was hatte der verrückte Kauz da gerade gesagt??? Hatte-…Hatte er gerade wirklich-…? Nein. Nein, die Welt glaubt das wir ausgestorben sind. Sie kann gar nicht wissen, dass es mich noch gibt…Aber-…Aber woher…? Nein, dass muss ein Ausrutscher gewesen sein. Ein dummer, kleiner Ausrutscher!!! Der Typ ist doch vollkommend durchgeknallt!!.. Kurzerhand schüttelte ich daher leicht meinen Kopf, sodass mein Pferdeschwanz sachte von links nach rechts und wieder zurück geworfen wurde, ehe ich wortlos wieder das Auslöffeln meiner Schüssel aufnahm. Verrückten Menschen sollte man bekanntlich keine Aufmerksamkeit geben, ansonsten würden sie es nur noch weiter treiben. Also war meine einzige Chance das ich diesen Kerl ignorierte. Doch dies stellte sich im Nachhinein als schwerer als gedacht heraus. Denn wenn dieser Fremde eines war, dann genauso hartnäckig, wie verrückt, was ich direkt am eigenen Leibe erfahren musste….

Ein wissendes Lächeln schlich sich nämlich auf seine Lippen, als er meine kurze, stockende Reaktion beobachtet hatte, weshalb er sich kurzerhand auch wieder langsam knarrend auf seinem hohen Barhocker nach vorne lehnte, sodass er seine Arme auf der blankpolierten Theke ablegen konnten, währenddessen seine Augen mich von der Seite her zu durchbohren begannen. „Ich weiß, wer Ihr seid, Raidyn, aus dem Norden. Ich weiß, woher Ihr kommt und das Ihr und Euer schuppiger Freund Überlebende des Flammeninfernos von Erebor seid.“ offenbarte der Fremde mir flüsternd, wie auch in einem überraschend ersten Ton, sodass ich wahrlich keine andere Wahl hatte, als zum ersten Mal, mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen, mein Haupt zu meinem Nachbarn umzudrehen und ihn kühl von oben bis unten zu mustern, währenddessen ich langsam, mit einem aussetzenden Herzen, meinen Holzlöffel zurück in die graue Pampa gleiten ließ. „Woher kennt Ihr meinen Namen und wie habt Ihr mich gefunden, Fremder?“ brummte ich ihm, unter zusammengepressten Zähnen, leise zu, wobei der Klang des Namens meiner alten Heimat mir einen heftigen Stich ins Herz versetzte. Brennende Bilder tauchten kurz darauf erneut vereinzelt vor meinem inneren Auge auf und die Schreie der Sterbenden und Flüchtenden erfüllten in weiter Ferne erneut meine Ohrmuscheln, ließen so mein Herz sich vor Schmerz zusammenziehen. Angespannt ballte ich deswegen meine Hände zu Fäusten. Verdammt, was wollte dieser Mistkerl?!?!?

Doch dieser blieb gelassen, schien den Schmerz nicht zu sehen, der mich durch ihn gerade heimsuchte und reckte stattdessen einfach sein durch einen langen, weißen Bart verstecktes Kinn in die Höhe. „Alles zu seiner Zeit, meine Liebe.“ erwiderte der Weißbärtige beruhigend auf meine leicht angriffslustigen Fragen, was ich nur mit einem verengen meiner stahlblauen Augen beantwortete. Wer war er schließlich auch, dass er zuerst mich bei meinem Frühstück belästigte und nun sowas hervorbrachte?? Hmm?! Ich wollte meine Vergangenheit verdammt nochmal hinter mir lassen, da konnte ich kein Großväterchen gebrauchen, der glaubte Geheimnisse oder sonstiges lüften zu müssen!!!! Er hatte ja sowas von keine Ahnung, womit er gerade spielte!!...Dementsprechend feindselig spannte ich, mit allmählich schneller schlagendem Herzen, all meine Muskeln bis zum Zerreisen an, ließ eine Hand vorsichtshalber in die Richtung meines silbernen Kampfstockes gleiten, währenddessen meine Augen misstrauisch den Fremden neben mir inspizierten. Hochgewachsen war er schon einmal, hatte einen langen, zerzausten, weißen Bart, der ihm bis mindestens zur Mitte seiner Brust reichte, während seine himmelblauen Augen hingegen sanftmütig, aber dennoch streng unter buschigen, schneeweißen Augenbrauen hervorblitzten. Dabei so aussehend, als hätten sie bereits sehr, sehr viel miterlebt, was auch die tiefen Falten in seinem Gesicht bestätigen konnten. Seine Kleidung dagegen wirkte eher etwas frischer, aber dennoch schon etwas abgetragen. Ein einfaches, graues, bodenlanges Gewand trug er nämlich, dazu einen großen, gleichfarbigen, spitzen Hut, wie auch eine dunkelbraune, lederne Umhängetasche und einen großen, hölzernen Wanderstock...

Hmm…Seltsam…So fremd mir dieser Mann auch war, so bekannt kam er mir trotzdem auch vor. Er hatte irgendwas vertrautes an sich, dass ich aus meiner Vergangenheit kannte. Irgendetwas, dass mir sagte, dass ich ihm eigentlich vertrauen konnte. Doch mein Kopf sagte da etwas anderes. Und wie in solchen Situationen üblich, vertraute ich lieber auf meinen Verstand als auf meinen Geist oder mein Herz, weshalb ich deswegen auch einfach nur feindselig meine Nase rümpfte und den grauen Mann neben mir kalt musterte. „Wer seid Ihr?“ knurrte ich ihn leise an, um nicht die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf uns zu ziehen, was der Fremde allerdings nur mit einem tiefen Lachen beantwortete. Kein bösartiges natürlich, sondern eher ein erheitertes, so als würde ihn mein Unwissen belustigen. Logisch daher, dass ich deswegen nur noch wütender wurde und dem Kerl am liebsten den Schädel mit dem Kampfstock gespalten hätte, oder? Gut…

Dann musste ich dazu ja nichts mehr sagen…Der alte Graue in der Zwischenzeit ließ sein Lachen, zu einem freundlichen Lächeln absinken und sah mich mit seinen himmelblauen Augen durchdringend an. „Ich habe viele Namen, meine Liebe. In der gemeinen Sprache dürfte ich allerdings als Gandalf, der Graue bekannt sein.“ erklärte er mir geheimnisvoll, wobei mir selbstverständlich nicht entging, wie er ein wenig stolz die Brust herausstreckte. Ich entschied mich jedoch dafür dies zu ignorieren, denn als der alte Mann seinen Namen nannte ging in mir ein Licht auf. Ein kleines Licht, dass beinahe schon vergessen worden war, weshalb ich unwillkürlich meine Augen leicht weitete und die Spannung in meinem Körper etwas löste. „Faal sadon Kro…Natürlich.“ murmelte ich dabei unbewusst leise in meiner Muttersprache, die Sprache der Drachen, und sah dann, mit einem festen, aber genauso auch fassungslosen Ausdruck in den Augen, zu dem grauen Zauberer hoch, der mich abwartend und geduldig zugleich ansah. Dabei sämtliche vorherige Wut auf ihn vollkommend vergessend. „Ihr wart ein Freund meines Volkes.“ fügte ich tonlos hinzu, ließ dabei meine Hand von meinem silbernen Kampfstock gleiten, wissend, dass mir ein Freund meines Volkes nichts Tun würde, währenddessen Gandalf, mit dem Geist eines Lächelns auf den Lippen, kaum merklich nickte.

„Ich bin ein Freund aller freien Völker von Mittelerde.“ stimmte er mir leise zu, was mich nur gedämpft Schnauben ließ, unterdessen ich beiläufig nach meinem hölzernen Becher griff, um ein weiteres Mal aus ihm zu trinken. „Was führt Euch dann zu mir? Ich bin mir sicher Ihr seid ein vielbeschäftigter Mann, Zauberer. Da lohnt es sich doch kaum eine Tote zu suchen, nicht?“ fragte ich ihn davor, mit einer deutlichen Portion Misstrauen und Skepsis in der Stimme, ehe ich in kleinen Schlucken das kalte Wasser aus meinem Becher zu trinken begann. Gandalf währenddessen tat es mir gleich, schnaubte einmal tief und verschränkte seine in grauen Fäustlingen steckenden Hände ineinander. „In der Tat, da habt Ihr Recht. Es würde sich nicht lohnen. Deswegen bin ich auch aus einem sehr wichtigen Grund hier.“ bestätigte er geheimnisvoll meine Vermutung, als ich, mit einem dumpfen Aufschlag, meinen Becher wieder auf die Theke zurückstellte und dann, mit einem finsteren Blick, zu meinem Nachbarn hinübersah. „Der da wäre?“ Schlagartig veränderte sich Gandalfs Miene, wurde von Freundlich zu Ernst, als sich der alte Spitzhut, mit einem beiläufigen, prüfenden Blick über die Schulter versicherte, dass niemand in unserer Nähe lauschte oder zu nah dran war, als das er irgendwas von unserem Gespräch mithören hätte können. Ich zog deswegen nur meine Augenbraun leicht in die Höhe und folgte ganz leicht seinem Blick, um zu sehen, wenn er da ansah, fand es jedoch im Großen und Ganzen irgendwie ein bisschen sehr übertrieben. Immerhin, wer sollte uns hier aushorchen? Wir waren mitten im Nirgendwo, in einem Dorf, dass noch nicht einmal auf einer Karte verzeichnet war. Wer, zum Teufel also, sollte uns hier ausspionieren wollen?? Die Kakerlaken, oder was?

Allerdings bekam ich nicht wirklich die Möglichkeit irgendwas gegen sein Handeln zu sagen oder überhaupt zu fragen, was er da machte, denn noch ehe ich die Chance dazu bekam den Mund aufzumachen, wandte sich Gandalf auch schon wieder, mit einer undurchschaubaren Miene, zu mir um und fixierte mich mit seinen himmelblauen Augen. Insgeheim fing ich deswegen an ein ungutes Gefühl zu bekommen, entschloss mich allerdings dazu dieses Gefühl vorzeitig zu vertreiben und mir erst einmal anzuhören, was der Zauberer zu sagen hatte. Schließlich konnte er mich ja nicht zwingen ihm zu helfen, nicht?...Oh, wie falsch ich damit gelegen hatte….„Ich plane ein Abenteuer.“ fing der graue Zauberer schließlich langsam an und setzte dabei wieder eines seiner mysteriösen Lächeln auf. Ich, in der Zwischenzeit, zog erneut einfach nur meine Augenbraun bis zum Ansatz in die Höhe, als ich seine Antwort vernahm. „Ich bin mir nicht ganz so sicher ob ich Euch dafür gratulieren oder eher mein Beileid aussprechen sollte, Zauberer. Sicherheitshalber werde ich daher aber beides tun. Mein Beileid und ich gratuliere Euch…zu…was auch immer Ihr vorhabt.“ konterte ich darauf trocken und setzte dann, augenverdrehend, dazu an wortlos nach dem hölzernen Löffel in meiner Schüssel zu greifen, um die letzten Reste meines Frühstücks auszulöffeln, unterdessen Gandalf ein leises Schnauben verlauten ließ. Ob aus Amüsiertheit oder Genervtheit wusste ich allerdings nicht, war es mir grundsätzlich schließlich ja auch egal.

Aber auf jeden Fall  hörte ich was daraufhin folgte, währenddessen ich damit beschäftigt war eilig die graue, geschmacklose Pampa in mich reinzustopfen. „Ihr habt Euren Humor auf jeden Fall noch nicht verloren, das ist ein gutes Zeichen, Raidyn. Den werdet Ihr bei ihren rauen Gemütern gut gebrauchen können.“ merkte Gandalf, mit einem leisen Hauch von Schadenfreude in der Stimme, an und lehnte sich auf seinem hohen Barhocker ächzend etwas zurück, ein wissendes Lächeln dabei auf seinen Lippen entstehend, so als würde alles nach Plan verlaufen. Und ich? Ich-…Naja….Ich verschluckte mich beinahe an dem grauen Haferschleim, als ich dies hörte, und musste mir mit der flachen Hand mehrmals dumpf auf die Brust klopfen, um die graue Flüssigkeit aus meiner Lunge rauszubekommen, währenddessen der graue Zauberer mir, mehr oder weniger, amüsiert dabei zusah. Mein Gesicht lief dabei, vor allem um die Wangen herum, leicht rot an, zeigte so an, dass etwas nicht mit mir stimmte, unterdessen ich, mit einem irritierten Ausdruck in den Augen, meinen Blick wieder zurück zu Gandalf gleiten ließ, wobei ich mir mit der flachen Hand immer noch heftig gegen den Brustkorb schlug, da der Haferschleim noch nicht draußen war. „Was-…!“ wollte ich zwischen den Klopfern gepresst von mir geben, verstummte jedoch sofort, als ein paar heftige Huster meine Lungen heimsuchte und so den grauen, geschmacklosen Haferschleim aus meiner Luftröhre beförderte.

Instinktiv hielt ich mir daher die Hand vor dem Mund, um meinem Gegenüber nicht direkt ins Gesicht zu Schnoddern, sondern um in meine rechte Hand hinein zu husten, ehe ich, mit leicht zusammengekniffenen Augen, meine Aufmerksamkeit wieder auf Gandalf zurücklenkte, der mucksmäuschenstill, wie auch geduldig neben mir wartete. „Was meint Ihr mit: Den werdet Ihr bei ihren rauen Gemütern gut gebrauchen können!?“ hakte ich, mit einer etwas kühleren Stimme nach und sah meinen Sitznachbarn forschend an. Doch dieser schien die Ruhe in Persönlichkeit zu sein, denn er verschränkte lediglich die Arme vor seiner Brust und begann langsam, mit streichenden Bewegungen über seinen langen, weißen Bart zu streichen. „Nun, Eure Reisegefährten natürlich. Zwerge sind dafür bekannt äußerst rau, starrsinnig und eigenwillig zu sein. Da ist es nicht verkehrt, wenn jemand unter ihnen ist, der Sachen mit Humor nehmen kann. Oh und-…Ich ging selbstverständlich davon aus, dass Ihr an dieser Unternehmung teilnehmen werdet.“ erklärte sich der graue Zauberer ruhig, ohne dabei auch nur den Hauch von Nervosität zu zeigen, so als wäre es das Normalste der Welt einfach mal einen Fremden, ohne seines Wissens, in irgendeine Abenteuergeschichte hinein zu verwickeln  Ohh, aber ganz sicher nicht mit mir!!! Ich bin keine beliebige Schachfigur!!! Und vor allem, ich kannte diesen Kauz noch nicht einmal!! Mir war nur sein Name bekannt, mehr nicht!!!! Ich hatte nie in meinem ganzen Leben mit ihm zu tun gehabt und jetzt kam er auf einmal mit so einer Pampe??? War das sein Ernst?!?!?!...

Ungläubig über das Handeln des Zauberers gab ich nur ein ungläubiges Schnauben von mir, dass in den tiefen meiner Kehle entsprang. „Ihr habt es also angenommen, Zauberer?“ fragte ich rau nach und schüttelte nur ungläubig schnaubend meinen Kopf, als Gandalf zur Bestätigung nickte. „Dann tut es mir schrecklich leid Euch enttäuschen zu müssen, Gandalf, aber ich hege kein Interesse an jeglichen Abenteuern, Zwergen, oder sonstigen derartigen Scherereien! Guten Tag!“ warf ich knurrig dem grauen Zauberer entgegen und gestikulierte dabei mit meinen Händen eine wegwischende Bewegung, so als wollte ich mir seinen aufdrängenden Willen einfach vom Leibe wischen. Das war doch wohl die Höhe! Was fiel diesem Mistkerl eigentlich ein denken zu können, so über mein Leben entscheiden zu können?!?! Oder nein…Die Höhe war, dass er dachte, dass ich würde wirklich sofort springen, wenn er was sagte…DAS war die Höhe!!! Ich kannte diesen Kerl doch gar nicht!!! Wieso, um Gottes Willen sollte ich auf einen Fremden hören?????...Doch Gandalf blieb auch weiterhin ruhig, schien sich der Tatsache bewusst zu sein, dass die Rasse der Drachenreiter ein sehr hitzköpfiges Volk war, und holte daher stattdessen einfach nur tief Luft, sodass sich seine Brust unter seinem grauen Gewand deutlich anhob, währenddessen die Leute um uns herum wieder in ihren vertrauten Trab fielen und uns nicht mehr so misstrauisch beäugten. „Hört mir genau zu, Raidyn, denn die Chance, die ich Euch gebe, könnte gut möglich Eure einzige sein.“ begann der Graubart schließlich nun mit einer überraschend ernsten Stimme, was mich in Protest fassungslos Schnauben ließ, in dem Versuch noch irgendwas dazwischen zu sagen.

Doch der Gandalf war in diesem Fall deutlich schneller als ich und schnitt mich einfach mitten in meinem ungeformten Satz ab. „Ich plane den Erebor, mit einer Gemeinschaft aus 13 Zwergen und einem Meisterdieb, aus Smaugs Fängen zurückzuerobern. Der eigentliche Plan sieht bis jetzt so aus, dass mein Meisterdieb sich am Durinstag durch die geheime Tür in den Berg schleicht und den Arkenstein stiehlt, damit Thrórs Enkelsohn, Thorin Eichenschild, alle Zwergenreiche unter einem Banner vereinen und so gegen Smaug anführen kann. Meine Befürchtung dabei ist allerdings, dass Smaug aus seinem Schlaf erwachen, meinen Meisterdieb bemerken und mit seinem darauffolgendem Drachenzorn ganz Mittelerde in Angst und Schrecken versetzen könnte. Ich berufe mich daher auf den alten Schwur, den Euer Volk gegenüber den Zwergen und dem Erebor geleistet hat, Raidyn, aus dem Norden. Verteidigt den Thron und beschützt den Erebor, so wie Eure Ahnen es einst vor Jahrhunderten geschworen haben! Bringt Smaug zu fall, sollte er sich aus seinem Schlaf erheben!“ appellierte der graue Zauberer am Ende schließlich feierlich an mich und sah mich mit seinen himmelblauen Augen erneut so durchdringend, wie nie zuvor an, gab mir so sogar ein wenig das Gefühl, als würde ihm diese Sache etwas bedeuten. Als würde ihm wirklich etwas an meiner Heimat liegen, weshalb ich mich für eine Sekunde nach von seinen Worten mitreißen ließ. Für eine kleine Sekunde verschwand die kleine Zornesfalte über meine Nase und ich sah für einen winzigen Augenblick nachdenklich drein. Überlegte für einen winzigen Augenblick, da ich dem Kodex immer treu gewesen war….

Doch dann erinnerte ich mich an die letzten Jahrzehnte und wie schwer das Leben für mich gewesen war. Wie schwer es in der Wildnis gewesen war, treu dem Kodex zu folgen. Dem Kodex, der eigentlich einer toten Rasse gehörte. Einem Kodex, denn ich nicht mehr verpflichtet war und den ich schon seit zahllosen Monaten nicht mehr folgte. Denn meine Rasse war tot und ich war die letzte. Was nützte es mir da schon einem Benimmkodex zu folgen, der mich nur an den Schmerz des Verlustes erinnerte? Genau, gar nichts…Dementsprechend schnell wandelte sich auch mein Gesicht von nachdenklich zu wütend, als ich mich, mit einem leisen Knurren, schwach ächzend von meinem Platz erhob und vernichtend auf den Zauberer herabblickte, der ein wenig überrascht von meiner Reaktion seine Augenbraun hinaufgezogen hatte und mich so nun eingehend musterte. Doch das war mir egal. Er hatte mich gereizt, also musste er nun auch mit den Konsequenzen leben, die ihn erwarteten… „Ich denke-…“ begann ich daher langsam und griff dabei zornig harsch nach meinem knirschenden, ledernen Rucksack auf dem Boden und meinem an der Theke angelehnten silbernen Kampfstock. „-…Ihr habt Euch geirrt, Zauberer. Es war eine Zeitverschwendung nach einer Toten zu suchen. Schönen Tag noch.“ beendete ich schnippisch meine Antwort auf seine Anfrage und warf dem verwundert dreinblickendem Graubart einen meiner tödlichsten Blicke überhaupt zu, ehe ich geräuschvoll meinen ledernen Rucksack schulterte, meinen Kampfstock fest umschloss und dann einfach anstalten machen wollte,  das Gasthaus zu verlassen. Ich wollte mich nämlich nicht noch länger an einem Ort aufhalten an dem ein Hetzer war….

Allerdings wurden meine Pläne komplett ignoriert und ich konnte gerade einmal, mit finsterer Miene, drei knarrende Schritte in Richtung Gasthauseingang machen, als ich hinter mir auch schon die mahnende Stimme des grauen Zauberers vernahm, in dem Versuch mir Vernunft einzureden.  „Raidyn, bevor Ihr geht, vergesst nicht, was Eure Mutter in einem solchen Fall getan hätte. Sie hätte nicht gezögert ihren Schwur einzuhalten.“ versuchte er mir ernst ein schlechtes Gewissen einzureden, wobei seine Stimme, ohne Witz, einen etwas sanfteren Ton annahm. Doch das half ihm auch nicht weiter. Nein. Nicht wenn er den Namen meiner Mutter für sowas benutzte. Nein, ganz sicher nicht….

Dementsprechend furios drehte ich mich ruckartig auf meinem Absatz um, sodass mein silber-weißer, hoher Pferdeschwanz schwungvoll einen eleganten Halbkreis hinter mich herzog, und stampfte dann donnernd die drei Schritte zurück zu dem grauen Zauberer, bis nicht nur noch ein paar wenige Zentimeter unsere Gesichter voneinander trennten. Meines dabei vor Wut verzerrt und sogar leicht geröttet, während Gandalf immer noch die Ruhe in Person blieb und mich einfach nur mit einer gewissen Traurigkeit, wie auch Strenge ansah, so als hätte er erwartet, dass ich so reagieren würde…„Redet nicht über die Toten, Zauberer, wenn Ihr sie nicht gekannt habt!“ spie ich ihm dann nach einem kurzen Augenblick des Schweigens, indem wir uns gegenseitig einfach nur in Grund und Boden starrten, entgegen, bevor ich mich, mit einem weiteren Rümpfen meiner Nase und ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, von ihm abwandte und grummelnd wieder meinen Weg zum Eingang des Gasthauses antrat. Dabei bewusst den Fakt ignorierend, dass der alte Graubart mir riesige, brennende Löcher in meinen Rücken starrte und ein leises Seufzen von sich gab, da ich ihn so oder so nie wieder sehen würde…

Doch anscheinend liebte es das Universum meine Geduld auf die Probe zu stellen. Ehrlich. Das schien seine Lieblingsaktivität zu sein. Denn gerade als ich meine Hand an das raue, dunkle Holz der Eingangstür zum Gasthaus gelegt hatte und sie aufdrücken wollte, hörte ich hinter mir ein allerletztes Mal die Stimme Gandalfs, die an ihrer Hoffnung und Strenge allerdings nichts verloren hatte. „Falls Ihr es Euch doch noch anders überlegen solltet, das Treffen findet in zwei Wochen in Beutelsend statt. Die Tür, in die Ihr einkehren müsst, ist markiert.“ rief er mir gedämpft hinterher, mit der Hoffnung darin, dass ich es mir bis in zwei Wochen wirklich anders überlegen würde und im Moment nur die Emotionen übergekocht hatten. Allerdings war bei mir sowas anders. Ich änderte nie meine Meinung. Einmal festgelegt, konnte man sie nur schwer ändern, weshalb ich jetzt als Antwort einfach auch nur erbost schnaubte „Schönes Leben noch, Zauberer.“ wünschte ich ihm zynisch, ehe ich kraftvoll die Tür zur Taverne aufstieß und in das gleißende Licht des Morgens trat, ohne auch nur noch ein einziges Mal einen Blick zurückzuwerfen…

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Hey!!!

Also, ich fass mich kurz, ich stehe gerade ziemlich unter Stress. (Bekommen Besuch)

Tintentraum, du geile Sau, danke für deine Unterstützung, ohne dich hätte ich wahrscheinlich schon Schreiberselbstmord begangen. Ansonsten danke für die beiden Empfehlungen, die vielen Aufrufe, das Favo und das Review. Leute ihr seid spitze und ich liebe euch!!!

Lasst mir doch was da!! Ich will unbedingt mein Ego füttern!

Lg und schönes Wochenende

Little-chaos-queen
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