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Die letzte Drachenreiterin

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Fili Gandalf OC (Own Character) Smaug
19.06.2020
17.09.2020
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92.077
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Chapter 9: Verträge und bewusstlose Halblinge…


Raidyns Sicht:


Es gab einen anderen Weg hinein. Einen anderen Weg, der nicht über die Stadt der Drachen führte und mich so vorläufig enttarnen könnte. Welcher Weg dies allerdings war, pfuu, Freunde, da fragtet ihr die falsche Drachenreiterin. Denn, als kleiner Trost, ich wusste es genauso wenig, wie ihr. Aber hey. Wir hatten eine verschlüsselte Karte und einen Schlüssel! Mit diesen Utensilien dürften es wahrscheinlich noch nicht einmal die Zwerge vermasseln diese geheime Tür zu finden und zu öffnen. Und sollten sie es doch tun, naja…Wie bereits gesagt, es gab sehr wahrscheinlich noch einen Eingang über Veteria und von dort aus könnten wir die Botentunnel hinab in die unteren Hallen nehmen. Denn ich ging mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass ich nicht bis 5 vor 12 geheim halten konnte, wer ich wirklich war. Wie denn auch? Das war praktisch gesehen unmöglich. Aber wenn ich noch ein paar Tage Zeit bekam, um diese Offenbarung geheim zu halten, dann, bei Ancalagons mächtigen Flügeln, ich würde diese Zeit bis zum letzten Tropfen ausnutzen…Aber wie dem auch sei…Wo waren wir noch gleich stehengeblieben? Ach ja!....

Schweigend beobachtete ich von meinem Platz im rundlichen , breiten Türrahmen aus, wie Freude und Hoffnung über die Gemüter der Zwerge wanderte und sich in leises Raunen verwandelte, als sie die Neuigkeit mit dem Schlüssel, der Karte und dem Weg erfuhren. Einige von ihnen klopften sich sogar gegenseitig auf die Schulter, nickten einander aufmunternd zu oder stupsten sich gegenseitig mit den Ellbogen an, um die zuvor bestandene Trübseligkeit gänzlich aus den Gemütern des anderen zu vertreiben, wodurch sich die Stimmung immer mehr zu heben begann. Sogar Bilbo schien ein wenig erfreut zu sein, fühlte ein wenig mit den Zwergen mit und stemmte daher, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, seine Arme in seine Seiten und trat kurz von einem Bein auf das andere, derweilen er zufrieden, wenn auch noch sehr angeschlagen und überrumpelt, aufgrund des plötzlichen Chaos`, die kleine Runde vor sich beobachtete.

Doch, wie so oft auch im Leben, konnte auch hier die Freude nicht lange halten, da es mal wieder jemanden gab, der einfach alles zerschlagen musste, der die Spaßbremse spielen musste. Und diese Spaßbremse war in diesem Fall kein anderer als Gandalf höchstpersönlich, als er sich, mit einem schweren Seufzen, ein wenig gerader auf seinen Platz hinsetzte und sich mit der Zunge ein wenig unwohl über die Lippen fuhr. „Sehr zu meinem Bedauern, jedoch-…“ begann der graue Zauberer nämlich, wie aus dem Nichts heraus, urplötzlich ernst von sich zu geben, zerdepperte so rücksichtslos die gute Stimmung am Tisch, mit einem eisernen Hammerschlag, und zog die Aufmerksamkeit der Anwesenden schlagartig wieder auf sich, wobei man an ihren Gesichtern deutlich sehen konnte, wie das Lächeln und die Freude zu schwinden begann, ehe der alte Mann, mit dem langen, weißen Bart leicht bedauernd fortfuhr. „-…bin ich nicht in der Lage die Runen auf der Karte zu lesen. Sie sind sehr alt und wurden im Alt-Zwergischen verfasst, weshalb meine Fähigkeiten nicht ausreichen, um sie zu entschlüsseln. Aber es gibt andere in Mittelerde, die es können.“ beteuerte der alte Graubart verheißungsvoll und tippte mit seinem Finger dabei verdeutlichend auf die ausgebreitete Karte, die auf dem Tisch lag.

Durch unsere Reihen ging derweilen ein leises Seufzen, fassungslose Blicke wurden ausgetauscht, Köpfe wurden gesenkt und Augen wurden verdreht, da es schon wieder eine Komplikation gab, die diese Reise deutlich schwerer machte, als sie ohnehin schon sein würde. Und tja, so tat es auch ich. So verdrehte auch ich beinahe schon genervt, wie auch lautlos schnaubend meine Augen, derweilen Bilbos Lächeln automatisch fiel und er in seiner Bewegung erstarrte, so als hätte man ihm eiskaltes Wasser über den Kopf gegossen. Doch da ihn so gut wie niemand beachtete, fiel es auch niemanden auf, da die Zwerge eher viel mehr damit beschäftigt waren, mit fragenden Gesichtern zu ihrem Anführer zu blicken, der am oberen Ende des Tisches, wie ein Oberhaupt, saß und nachdenklich, mit auf dem Tisch verschränkten Fingern, zu Gandalf hochsah, der gerade einen tiefen, qualmenden Zug aus seiner Pfeife nahm. „Kennt Ihr jemanden, der es kann, Gandalf?“ wollte Thorin dann ruhig von dem grauen Zauberer wissen und sah ihm dabei fest in die himmelblauen Augen. Augenblicklich wendeten sich sämtliche Augenpaare dann erwartungsvoll dem alten Istari zu, durchlöcherten ihn mit ihren brennenden Blicken, währenddessen Gandalf jedoch, in der Ruhe höchstpersönlich, einen kleinen Rauchring aus der Nase ausstieß, ehe er schließlich Thorin als Antwort zunickte. „In der Tat, ich kenne jemanden, der die Runen auf der Karte lesen kann. Und mit etwas Glück, wird er sie für uns auch entschlüsseln.“ bestätigte der Spitzhut geheimnisvoll die Frage und setzte dabei, wie so üblich auch, ein wissendes Lächeln auf, dass alle Anwesenden irgendwie ein wenig zu beruhigen schien, da vereinzelt wieder dezent lächelnde Gesichter zu sehen waren.

Doch ganz bestimmt nicht bei mir. Ohh nein. Ich zog lediglich argwöhnisch meine Augenbraue hoch und musterte Gandalf intensiv von der Seite. Denn das, was den Zwergen anscheinend nicht aufgefallen zu sein schien war, dass Gandalf weder erwähnt hatte, wer diese Person war, die die Runen lesen konnte, noch wo sie sich aufhielt. Und anscheinend schien es Thorin genauso zu gehen, denn er musterte den grauen Zauberer ebenfalls nur leicht misstrauisch von der Seite, hielt jedoch den Mund und entschloss sich lieber zu Schweigen. Wahrscheinlich wusste er, dass der Graubart nicht mehr preisgeben würde, als er selbst wollte, weshalb er ihn auch einfach nur mit einem skeptischen Blick bedachte. Einen skeptischen Blick, den Gandalf jedoch wunderbar zu ignorieren wusste, da er sich, paffend, einfach wieder der restlichen Runde zuwandte, die sich begeisterte, wie auch skeptische Blicke zuwarfen und leise etwas zueinander zu murmeln begannen. Doch da hatte der alte Graubart anscheinend nicht mir gerechnet, denn aus dem Schatten heraus, erhob ich mit einem Mal meine Stimme. „Und wo liegt bei dieser Sache der Hacken?“ fragte ich argwöhnisch Gandalf und verengte bei diesen Worten leicht meine Augen, traute ich dem Zauberer doch nicht ganz, auch wenn er ein Freund meines Volkes war, derweilen sich der alte Istari erstaunt, über mein plötzliches Sprechen, mit hochgezogenen Augenbrauen, wie auch einem leisen Knarren seiner Sitzgelegenheit, zu mir umdrehte und mich verblüfft ansah.

„Der Hacken?“ wiederholte er verwundert brummend meine Frage und ließ dabei betont langsam seine Pfeife von seinem Mundwinkel sinken, derweilen die Blicke der Zwerge irritiert zwischen mir und dem Zauberer hin und her zu wandern begannen. Einige wirkten dabei eher abwartend, nicht ganz sicher, was sie von dieser ganzen Geschichte halten sollten, während andere hingegen von Misstrauen gekennzeichnet waren, da sie weder mir, noch dem Zauberer zu einhundert Prozent vertrauten. Bekannte Beispiele dafür dürften ich ja wohl bereits bekannt sein, denn gerade von denen bekam ich wirklich finstere Blicke zugeworfen, bevor sie fragend, oder mit zusammengezogenen Augenbrauen, wieder zu dem Istari sahen…Doch ich wusste diese kleinen Abfälligkeiten sehr wohl zum Ignorieren, lenkte ich meine gesamte Aufmerksamkeit doch skeptisch auf den grauen Zauberer, von dem ich übrigens auch einen sehr finsteren Blick zugeworfen bekam, ehe er sich brummend wieder dem Tisch zuwandte. „Hmm…Darüber können wir uns Gedanken machen, wenn es soweit ist, Fräulein Raidyn. Ich würde nämlich lieber über die Aufgabe sprechen, wegen der wir uns hier versammelt haben.“ wich der alte Graubart geschickt meiner Frage aus, wofür er von mir nur ein lautloses Augenverdrehen und von Bilbo neben mir ein unsicheres Schnauben erntete. Natürlich. Wie konnte ich denn auch nur so blauäugig sein. Hatte ein Zauberer einen Plan, gab es immer einen Hacken. Und nachdem der feine Herr es uns anscheinend nicht mitteilen wollte, dürfte dieser Hacken, in diesem Fall, wirklich gewaltig sein. Aber fein…Ich wollte mich dazu nicht wirklich viel äußern. Wenn Gandalf einen Plan hatte, hatte er einen. Welche Schwierigkeiten dieser barg, würde ich schon mit der Zeit herausfinden. Und so dachte anscheinend auch Thorin, der nur einen kurzen, ernsten, aber dennoch vielsagenden Blick mit Dwalin tauschte, ehe Gandalf schließlich die Stille nutzte, um erneut das Wort zu erheben. „Den Plan, den ich im Sinn habe, um den Arkenstein zurückzubekommen, erfordert ein großes Maß an List und ein noch größeres Maß an Mut, doch wenn wir vorsichtig sind und mit Bedacht handeln, könnten wir es schaffen.“ offenbarte der graue Zauberer mysteriös, aber genauso auch anspornend und warf dabei einen wissenden Blick in die Runde, die daraufhin wieder knappe Blicke untereinander austauschten.

Der junge, braunhaarige Zwerg, mit der niedlichen Topffrisur, der zuvor so naiv über das Töten von Drachen gesprochen hatte, runzelte dabei nachdenklich seine Stirn und hob vorsichtig seinen Zeigefinger, der zusammen mit seiner Hand, in einem dicken, wolligen, grauen Handschuh steckte. „Das ist auch der Grund, wieso wir einen Meisterdieb benötigen!“ dachte er laut und sah mit glänzenden Knopfaugen zu dem alten Istari hinüber. Dieser nickte zustimmend in seine Richtung und brummte leise etwas in seinen langen, weißen Bart hinein, unterdessen der Sitznachbar des jungen Zwergs ihm wohlwollend, wie auch leise seufzend die Hand auf den Arm legte. Eine ziemlich brüderliche Geste, wenn man mich fragte, weshalb ich insgeheim auch sogleich die Theorie aufstellte, dass die Beiden irgendwie miteinander verwandt sein mussten. Aber das war im Moment nicht wichtig. Oh nein. Wichtiger war eher, dass mit einem Mal überraschenderweise Bilbo nach vorne trat und neugierig einen erneuten Blick auf die Karte warf, die ausgebreitet auf der matten Tischoberfläche lag. „Hhm…Und einen verdammt Guten auch noch obendrauf. Einen Experten, kann ich mir vorstellen.“ stimmte der Halbling nachdenklich dem Topffrisurenzwerg zu, was anscheinend wohl nur lautes Denken gewesen hätte sein sollen, als er sich räuspernd an den Hosenträgern fasste und ein wenig unruhig sein komplettes Gewicht auf seine Vorderfüße verlagerte. Die brennende Aufmerksamkeit der Zwerge, von Thorin, Gandalf und mir wanderte dadurch natürlich automatisch zu dem Hobbit hinüber, wodurch er unwillkürlich zum Mittelpunkt des gesamten Zimmers wurde. Tja, blöd war nur, dass der Wuschelkopf dies nicht bemerkte, da seine Augen noch immer interessiert auf der aufgefalteten Karte lagen, bis der rothaarige Zwerg, mit der vernarbten Narbe über den rechten Auge, nicht die Stimme erhob. „Und seid Ihr das?“ wollte der Rotschopf, mit einem langgezogenen, herausfordernden Ton in der Stimme, von Herrn Beutlin wissen und lehnte sich dabei wissbegierig ein wenig nach vorne, in Richtung Tischplatte.

Ich, in der Zwischenzeit, zog deswegen nur eine Augenbraue leicht in die Höhe, war es für mich doch offensichtlich, dass dieser feine Herr keineswegs etwas mit einem Meisterdieb gemein hatte. Er sah mir sehr nach einem ordentlichen Bürger aus, der es wahrscheinlich noch nicht einmal gewagt hätte, auf der falschen Straßenseite zu gehen, weshalb es mir nun umso mehr leid tat, dass er einfach so mir nichts dir nichts in eine Sache verwickelt wurde, die im höchstwahrscheinlich das Leben kosten würde. Zeigen tat ich dies allerdings nicht, sondern behielt auch weiterhin meine kühle Maske bei und beobachtete aufmerksam, wie der Halbling perplex seinen Kopf hob und zu dem Rotschopf blickte. „Bin ich was?“ fragte Bilbo irritiert und festigte dabei den Griff, um seine ledernen Hosenträger, so als befürchte er jeden Augenblick angefaucht zu werden. Thorin stieß deswegen nur ein lautloses Schnauben aus und schüttelte unauffällig fassungslos seinen dunkelhaarigen Kopf, nicht fassen wollend, dass Gandalf ihm einen Dieb ausgetischt hatte, der kein Dieb war, während Gandalf nur angespannt einen weiteren tiefen Zug aus seiner Pfeife nahm, um wahrscheinlich nicht reden zu müssen. Denn diesen Schlamassel konnte selbst nicht einmal er mehr schön reden. Und das musste schon etwas heißen. Doch dafür versuchte es eindeutig der alte grauhaarige Zwerg, mit dem merkwürdigen Trichter am Ohr und dem komischen, geflochtenen, stehenden Zopf in der Mitte seines Hauptes, ich denke sein Name war Oín, oder irgendwas in der Art, als er triumphierend seine Faust in die Luft erhob und zum Lachen begann. „Er sagte, er ist ein Experte, hehe!“ verkündete er erfreut und lachte in einem rauen Ton, was ihm jedoch lediglich nur von dem jungen Blondschopf neben ihn, mit dem ich zuvor einen äußerst intensiven Blickkontakt hatte, wie auch mir, einen irritierten Blick einhandelte, hatte Herr Beutlin immerhin weder bestätigt, dass er ein Meisterdieb war, noch das er überhaupt die Fähigkeiten dazu besaß.

Und naja…Dieser war eigentlich auch relativ schnell da, um sich selbst zu verteidigen, als er das Missverständnis bemerkte. „Oh…Oh, ich? Nein! Nein, nein, nein, i-i-ich bin kein Meisterdieb!“  verteidigte sich der Meisterdieb unsicher gegen Oíns Behauptung und gestikulierte dabei verneinend mit seiner rechten Hand herum, so als würde er irgendein nerviges Insekt verscheuchen. „Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben etwas gestohlen.“ fügte er dann, unter den forschenden Blicken der Zwerge, noch rasch hinzu und krallte seine Hände dann wieder, wahrscheinlich aus Angewohnheit, in seine Hosenträger, um ein wenig Halt zu finden, derweilen sein Blick hilfesuchend zu Gandalf glitt. Doch dieser schien in diesem Fall kein sonderlich guter Ritter, in weißer Rüstung zu sein, denn er blickte Bilbo lediglich ernst an, ehe sein Hauptaugenmerk zu Thorin weiterglitt, der zweifelnd zwischen ihm und dem Halbling hin und hersah, auf seiner Stirn sich dabei langsam, aber dennoch eine steile Falte bildend, die von Unmut nur so sprach. Und ganz ehrlich? Zum Teil verstand ich ihn sogar ein wenig. Ich meine, Gandalf war dafür zuständig gewesen die letzten beiden Mitglieder dieser Unternehmung zu finden und wenn schleppte er an? Eine unbekannte Frau und einen Halbling, der nicht stehlen konnte. Nicht gerade das, was er sich vorgestellt hatte, wie ich mir denken konnte, was natürlich nicht hieß, dass ich seine Ansicht unterstützte. Ich wollte lediglich sagen, dass ich ihn ein wenig verstehen und nachvollziehen konnte, auch wenn ich fand, dass er Gandalfs Auserwählten, also mir und Herrn Beutlin, doch etwas mehr Respekt entgegenbringen konnte. Schließlich waren wir ja nur hier, um ihm und seinen Leuten zu helfen. Also ich zumindest. Wie es um Bilbo stand, wusste ich nicht. Aber wenn ich mir seine Gesichtszüge so ansah, dann konnte ich nur davon ausgehen, dass er mit dieser ganzen Geschichte wahrlich nichts zu tun haben wollte. Aber, wie dem auch sei….Das waren, wie so oft auch, zu viele meiner Gedanken. Wo waren wir also noch gleich stehengeblieben? Ach ja!!

Eine kurze Unruhe ging durch die Reihen der Zwerge, als Bilbo dies verlauten ließ, erneute skeptische Blicke wurden ausgetauscht, Augen wurden verdreht, Köpfe wurden leicht geschüttelt, grummelndes Schnauben kam von mehreren Seiten und Blicke wurden, in ihrer leichten Enttäuschung, langsam gesenkt, bis mit einem Mal der ältere, weißbärtige Zwerg, mit dem roten Mantel, der sich zuvor als Balin entpuppt hatte, zustimmend die Stimme erhob und somit alle zum Verstummen brachte. „Ich befürchte, ich muss in diesem Punkt Herrn Beutlin zustimmen, Freunde. Er sieht wahrlich nicht so aus, als hätte er das Zeug zu einem Meisterdieb.“ stimmte er brummend Bilbo zu und neigte seinen Kopf dabei leicht in die Richtung des Wuschelkopfes, um ihm einen sowohl entschuldigenden, als auch ernsten Blick zuzuwerfen. Doch anstatt das der Hobbit beleidigt auf diese Aussage reagierte, gab er lediglich einen befürwortenden Laut von sich und deutete unterstützend mit dem Daumen auf Balin, derweilen sein Blick über die Zwerge glitt, so als wolle er sagen Hört-auf-diesen-Zwerg-er-weiß-wovon-er-spricht!. Ich zog deswegen nur leicht eine Augenbraue in die Höhe und zog meine vor der Brust verschränkten Arme etwas enger um mich, währenddessen ich schweigend gegen den rundlichen, hölzernen Türrahmen zum Esszimmer lehnte. Was meine Meinung zum Halbling betraf, war ich mir noch nicht ganz sicher. Ich wollte erst einmal ein paar Tage warten und mir so ein Bild von ihm machen, aber wenn man mich jetzt nach meinem ersten Eindruck fragen würde? Nun ja…Dann würde ich sagen, dass dieser Hobbit keine Sekunde alleine in der Wildnis überleben würde…

Und so dachte, zu meiner großen Überraschung, auch anscheinend Dwalin, denn auf die Worte Balins hin, nickte dieser nur zustimmend und warf einen schmunzelnden, spöttischen Blick zu dem nervösen Halbling hinüber. „Aye.“ befürwortete der glatzköpfige Hüne betont langgezogen die Worte des Weißbärtigen und rieb nachdenklich die Kuppen seines Zeigefingers und seines Daumens aneinander. „Die Wildnis ist kein Ort für weichherzige Narren, die weder kämpfen, noch auf sich selbst achtgeben können.“ brummte er verheißungsvoll und wechselte mit seinem Blick dabei zwischen Bilbo und mir hin und her, so als wolle er mich ebenfalls damit ansprechen. Von mir bekam er daher als Antwort nur ein Verengen meiner Augen und ein halbherziges Schnauben als Retourkutschte, hatte ich doch sicher knapp 60 Jahre in der Wildnis ohne fremde Hilfe überlebt, währenddessen der Hobbit jedoch allerdings, wie bei Balin zuvor auch, nur einen zustimmenden Laut von sich gab und leicht in Dwalins Richtung nickte, was man als Befürwortung seiner Meinung auffassen konnte. Tja…und dann? Dann brach selbstverständlich die große Unruhe aus. Die Zwerge begannen wild durcheinanderzureden, gestikulierten demonstrativ mit ihren Händen, wie Bilbo von Orks oder was auch immer in Stücke gerissen wurde oder schüttelten seufzend, wie auch ungläubig einfach nur ihre Köpfe, da sie nicht glauben konnten, was Gandalf ihnen da auftischen wollte, währenddessen ich auch weiterhin schweigend auf meinem Platz blieb und lediglich interessiert zwischen den Parteien hin- und hersah, war es für mich doch teilweise amüsant ein solches Drama mitzuverfolgen. Nach 60 Jahren mit kaum Bezug zu fremden Persönlichkeiten, war dies dann doch eine Abwechslung, die ich gerne Willkommen hieß, wenn da dann nicht die abwertenden Vorurteile seitens der Zwerge, gegenüber mir und dem Halbling wären. Pffft, und dabei wussten sie noch nicht einmal über mein großes Geheimnis bescheid. Uhhh, großer Ancalagon, bitte schenke mir Kraft für das, was in nächster Zeit auf mich zukommen würde….

Die Unruhe der Zwerge wurde, in der Zwischenzeit, immer lauter und intensiver. Sie wurde sogar so laut, dass ich mittlerweile selbst von meinem Standpunkt aus ihre brummenden Behauptungen verstehen konnte. „Der Halbling wird sterben, noch bevor er überhaupt zur Tür raus ist! Ich meine, wie will er sich denn gegen Orks verteidigen können, wenn er in seinem ganzen Leben noch nicht einmal eine Schwertklinge aus der Nähe gesehen hat?“, „Er wird uns auf der Reise nur aufhalten, dass kann ich euch jetzt schon sagen, Freunde.“, „Was glaubt ihr, wird wohl passieren, wenn der Kleine zum ersten Mal in seinem Leben einen verfluchten Warg sieht, hmm? Glaubt ihr wirklich, er würde standhaft bleiben und mit uns kämpfen? Pff, bitte! Er würde sofort die Flucht ergreifen!“, „Er gehört nicht in die Wildnis…“, waren an diesem Punkt zum Beispiel die Sachen, die ich in diesem ganzen Wirrwarr zumindest halbwegs verstehen konnte. Natürlich gab es noch mehr Sachen, die übern Herrn Beutlin gesagt wurden, aber die gingen im Wortchaos unter oder wurden in der geheimen Sprache der Zwerge gesagt, sodass ich sie akustisch nicht verstehen konnte. Hmm, auch sehr freundlich vor anderen in einer Sprache zu reden, die sonst niemand verstand, aber wie auch immer. Mir konnte es ja gleich sein. Ich sah schließlich nur aufmerksam den grummelnden, kleinen, bärtigen Männern zu, wie sie sich immer mehr über den Hobbit aufregten, der by the way, gar nicht mal so beleidigt wirkte, sondern, genauso wie ich, schweigend im Türrahmen stand und dem ganzen Zirkus kommentarlos zusah, da es, aus seiner Sicht ja, alles der Wahrheit entsprach, was die Zwerge über ihn sagten. Und deshalb wehrte er sich auch nicht gegen die Vorwürfe und nickte bei allem nur zustimmend…

Aber dafür tat es jemand anderes. Und dieser jemand anderes, war genau jener, der mich ebenfalls vor den Zwergen beschützt hatte. Nämlich Gandalf. Denn seine Mimik wurde zunehmend finsterer, je länger er der Gemeinschaft bei ihrer Lästerrunde zuhörte. Selbst seine Fäuste ballten sich allmählich zu festen Fäusten, sodass seine Knöchel schon weiß hervorzustechen begannen, währenddessen seine Lippen sich spitz schürzten, was im Allgemeinen schonmal kein gutes Zeichen sein konnte. Regel Nummer 1 hieß schließlich nicht ohne Grund, verärgere nie einen Zauberer, weshalb ich vorsichtshalber auch einen kurzen, kühlen Blick zu den Istari hinüberwarf, um zu überprüfen, ob es ihm auch wirklich gut ging. Und naja…Was sollte ich sagen? Genau in dem Moment, als ich dies tat, fühlte ich mit einem Mal, wie eine eisige Kälte von dem grauen Zauberer ausging und sich rasend schnell im ganzen Esszimmer ausbreitete, als sich Gandalf mit einem Mal ruckartig, wie auch erbost von seinem Sitzplatz erhob. „Genug!“ donnerte er dabei zornig und ließ seinen Schatten verärgert, wie auch wispernd, über die Wände wandern, sodass sie das ohnehin schon dämmrige Zimmer noch dunkler werden ließen. Die Zwerge, als auch alle anderen Geräusche in einem Umkreis von 3 Meilen, verstummten daraufhin sofort, derweilen wir alle mit Angst und Respekt in den geweiteten Irden zu dem alten Graubart starrten, der sich warnend vor uns allen aufgebaut hatte. „Wenn ich sage, dass Bilbo Beutlin ein Meisterdieb ist, dann ist er auch einer!“ fuhr er die Zwerge wütend an, seine himmelblauen Augen dabei aufgebracht blitzend.

Aus Instinkt war ich bei Gandalfs Ausbruch einen kleinen Schritt zurückgetreten, hatte leicht meine Augen geweitet und angespannt die Luft angehalten, wusste ich doch, dass man einen Zauberer besser nicht verärgern sollte. Denn sie waren mächtig und das stand komplett außer Frage. Und das schienen auch die Zwerge langsam zu verstehen, von denen sich einige sicherheitshalber so weit wie nur möglich von Gandalf weggelehnt hatten oder den Istari, mit eingezogenen Köpfen, wie auch geweiteten Augen, anstarrten, erschrickt darüber, dass der alte Mann überhaupt so aus seiner Haut fahren konnte. Bilbo in der Zwischenzeit schien so zu wirken, als wolle er Einwände erheben, hatte sogar bereits seinen Zeigefinger erhoben und den Mund aufgemacht, jedoch war er anscheinend schlauer als das und blinzelte einfach nur mehrmals perplex hintereinander, derweilen der alte Graubart, mit aufgeblasenen Wangen, die überraschte Stille nutzte um fortzufahren. „Hobbits sind erstaunlich leichtfüßig und können ungesehen an jeder Person vorbeikommen, wenn sie es wünschen. Und während der Drache den Geruch der Zwerge bestens kennt, ist ihm der Geruch eines Halblings vollkommend fremd, was uns einen strategischen Vorteil verschafft.“ erklärte Gandalf, mit nun redlich ruhiger Stimme, die einzelnen Vorteile einen Hobbit als ihren Meisterdieb einzustellen und blickte dabei belehrend in die Runde, währenddessen seine kühlen Schatten sich langsam wieder zurückzuziehen begannen.

Wärme kehrte wieder, zusammen mit dem dämmrigen Licht der flackernden Kerzen, ins Esszimmer zurück, verriet den Zwergen, Herrn Beutlin und mir so, dass Gandalf keinen Groll mehr gegen uns hegte, sondern die Schatten lediglich heraufbeschworen hatte, um uns zum Schweigen zu bringen, weshalb ich auch zögerlich, wie auch mit einem argwöhnischen Blick zu Bilbo hinüber, wieder einen Schritt nach vorne tat, zurück an meinen ursprünglichen Platz. Und auch die Zwerge schienen sich wieder zu entspannen, da die Dunkelheit nun weg war und warfen sich anschließend gegenseitig teilweise schuldbewusste Blicke zu, da sie die Entscheidung eines Zauberers angezweifelt hatten, unterdessen Gandalf, mit ernster Miene, sein Haupt Thorin zuwandte, der allerdings noch immer nicht ganz überzeugt wirkte und zweifelnd den Istari beobachtete. „Ihr habt mich gebeten die beiden letzten Mitglieder für diese Mission zu wählen und meine Wahl fiel nicht grundlos auf Herrn Beutlin und Fräulein Raidyn. Herr Beutlin hat immerhin mehr zu bieten, als sich auch nur einer von euch vorstellen kann, während Fräulein Raidyn hier weitaus stärker ist, als sie selbst zu glauben scheint!“ verteidigte der graue Zauberer schnippisch sowohl den Halbling, als auch mich, was mich jetzt aber wirklich ein wenig überraschte, da ich im Augenblick von niemanden offen angegriffen wurde, und warf uns Beiden einen warmen Blick zu. Bilbo schluckte deswegen sichtlich hart und trat unwohl von einem Bein aufs andere, war er mit dieser Situation momentan doch vollkommend überfordert, derweilen ich nur, mit meiner üblichen kühlen Maske, stolz ein wenig das Kinn anhob und unerschrocken dem eindringlichen Blick des alten Graubarts standhielt. Die restlichen Blicke der Zwerge, die abschätzend zwischen dem Hobbit und mir hin- und herwanderten, bemerkte ich dabei nicht oder ich blendete sie so gut aus, dass ich sie gar nicht mehr bemerken konnte.

Jedenfalls…Der Blickkontakt zwischen Bilbo, Gandalf und mir hielt nur für einen kurzen Augenblick, der nicht länger als ein Herzschlaglang war, ehe sich der alte Istari schließlich, mit einem lautlosen Seufzen, an Thorin wandte und ihm fest in die blitzenden, azurblauen Augen blickte. „Ihr müsst mir in dieser Sache vertrauen, Thorin.“ sprach der Spitzhut eindringlich auf den schwarzhaarigen Zwerg ein und lehnte sich dabei verheißungsvoll leicht nach vorne. Seine Finger verschränkte er dabei auf der matten Tischplatte ineinander, währenddessen seine himmelblauen Augen sich fest in jene des Zwergs bohrten. Thorin schien deswegen nicht sonderlich begeistert zu sein, gab nur einen missmutigen, brummenden Laut von sich, ehe er seinen Blick langsam zu Bilbo und mir wandern ließ und uns Beide für einen sehr langen Moment anstarrte. Seine Stirn runzelte sich dabei gefährlich, so als müsse er sich wirklich überlegen, ob er Gandalfs Bitte annahm, unterdessen sich seine Irden in die unsere förmlich bohrte. Man könnte sogar schon sagen, dass der schwarzhaarige Zwerg versuchte Löcher in unsere Augenhüllen zu bohren, damit wir Beide auf der Stelle leblos zusammensackten und kein Problem mehr für die Gemeinschaft darstellten, doch diesen Erfolg gönnte ich ihm unter gar keinen Umständen, weshalb ich auch unerschrocken, wie auch stoisch seinem Blickkontakt standhielt. Ganz im Gegensatz zu Bilbo, der nur unsicher zwischen Thorin und Gandalf hin- und hersah, da er nicht zu lange im Blickkontakt mit dem missmutigen Zwerg stehen wollte. Und all dies geschah nur in dem Wimpernschlag einer Sekunde, ehe der Schwarzhaarige schließlich, mit einem hörbaren Schnauben, seinen Kopf wieder zu Gandalf drehte. „Nun gut.“ gab er brummig bekannt und lehnte sich knarzend auf seinem hölzernen Stuhl zurück. „Gebt ihnen die Verträge.“ befahl er, mit einem einfachen Wink seiner rechten Hand, Balin, welcher auch sofort sich zur Seite lehnte und geräuschvoll in seiner Tasche nach den gewünschten Schriftstücken zu suchen begann.

Unter den Zwergen brach derweil leichter Jubel aus, freuten sie sich doch einigermaßen, oder zumindest ein paar von ihnen, dass sie nun jemanden hatten, der ihnen den Arkenstein von Smaug entwenden würde und das jemand da war, der es im Notfall mit dieser Bestie aufnehmen würde, sollte sie wirklich aus ihrem tiefen Schlaf erwachen. Deutlich erkennen konnte man dies bei dem seltsamen Zwerg, mit der Fellmütze auf dem Kopf und der alten Holzpfeife zwischen den Lippen, als sich dieser amüsiert nach vorne lehnte. „Und jetzt gibt es keinen Weg zurück mehr!“ scherzte dieser belustigt, handelte sich dafür von einigen Kameraden ein paar Lacher ein, währenddessen Balin sich, mit aufeinandergepressten Lippen, von seinem Platz erhob, um Bilbo und mir die beiden Schriftstücke zu überreichen. „Es ist nur eine Zusammenfassung des Üblichen.“ erklärte der weißbärtige Zwerg uns gelassen, wie auch politisch und wollte warten, bis entweder Bilbo oder ich vortrat, um die Schriftstücke abzuholen. Ich rührte mich natürlich nicht von der Stelle, reckte lediglich ein wenig interessiert meinen Kopf, um einen besseren Blick auf die Papiere zu bekommen, unterdessen der Halbling eilig vortrat, um die Schriftstücke entgegenzunehmen. Thorin war in diesem Fall jedoch deutlich schneller als der Hobbit, nahm wortlos die Verträge aus Balins Händen und drückte sie Bilbo, mit einem lieblosen, kalten Griff, über den Kopf hinweg, knitternd an die Brust, währenddessen Balin seelenruhig ein paar Beispiele zu nennen begann. Ich hörte bei diesem Part nicht ganz hin, da ich ehrlichgesagt zu beschäftigt damit gewesen war, Herrn Beutlin, mit interessiert schiefgelegtem Haupt, eines der Beiden Pergamentrollen abzunehmen, als er mir eines zaghaft, wie auch mit einer sichtlich überforderten Miene, anbot. Die grobe Behandlung, die er dabei von Thorin bekommen hatte, schien der Halbling nicht wirklich mitbekommen zu haben. Doch dafür tat ich es umso mehr und pfefferte dem schwarzhaarigen Zwerg dafür einen giftigen Blick zu, unterdessen ich knisternd das Schriftstück in meinen Händen auszufalten begann.
Doch, genauso wie ihr es euch auch denken hättet können, bemerkte Thorin meinen bösen Blick noch nicht einmal und lehnte sich stattdessen desinteressiert in seinem hölzernen Stuhl zurück, eine Hand dabei lässig auf der matten Tischoberfläche ruhend, derweilen Bilbo, der relativ zaghaft zeitgleich mit mir sein Schriftstück zu entfalten begonnen hatte, urplötzlich aufhorchte, als Balin mit seiner kleinen Aufzählung leicht kleinlaut endete. „Beerdigungskosten?!“ wiederholte der Halbling perplex die letzten Worte des weißbärtigen Zwergs, welcher sich übrigens schnaubend wieder auf seinen Platz fallen gelassen hatte, und ließ seinen Blick skeptisch sofort hinunter auf den geöffneten Vertrag fallen. Wie von selbst taumelte der arme Kauz dabei aus seinem eigenen Esszimmer, hinaus auf den Flur, um sich dort besser die Vertragsbedingungen durchzulesen zu können, sein Gesicht dabei von Sekunde, zu Sekunde blasser werdend. Ich dagegen blieb stocksteif an meinem Platz stehen und überflog, mit huschenden Augen, lediglich oberflächlich die Vertragsbedingungen, konnte ich mir schließlich doch schon denken, was der Vertrag sagen würde, und zog während dem Überfliegen der Zeilen lediglich meine Stirn ein wenig kraus.

Gandalf, in der Zwischenzeit, warf einen skeptischen, aber dennoch äußerst scheinheiligen Blick zu Herrn Beutlin hinüber, um zu überprüfen, ob es ihm auch wirklich gut ging, und lehnte sich dabei ein wenig nach vorne, um an mir vorbeisehen zu können. Ich ignorierte diese Geste natürlich gekonnt, zuckte noch nicht einmal mit dem Augenmuskel, als sich der alte Zauberer ächzend auf seinem hölzernen Hocker nach vorne lehnte, und blieb auch weiterhin desinteressiert im Türrahmen lehnen. Jedoch schien Thorin diese Bewegung missinterpretiert zu haben, oder, und das fand ich persönlich sehr viel wahrscheinlicher, er hatte ohnehin Gandalf etwas zuflüstern wollen, denn der große, schwarzhaarige Zwerg nutzte die besorgte Geste des Istaris sofort aus und lehnte sich selbst ebenfalls ein Stück nach vorne, sodass sein Mund, nahe an dem Ohr des alten Graubarts war. „Ich kann nicht für ihre Sicherheit garantieren.“ flüsterte Thorin leise, aber dennoch todernst seinem langjährigen Freund zu und drehte dabei seinen Kopf ein wenig, sodass er dem Zauberer leicht in die Augen sehen konnte. Der Spitzhut straffte deswegen ein bisschen trotzig seine Schultern, hob unbemerkt sein Kinn an und starrte, mit hart, als auch besorgt aufeinander gepressten Kiefern, weit in die nicht existierende Ferne des Esszimmers, ehe er schließlich tonlos zu einer Erwiderung ansetzte. „Ich verstehe.“ gab er rau an Thorin zurück, wobei er sich allerdings nicht die Mühe machte seinen Blick zu ihm zu wenden, um ihn anzusehen, währenddessen ich unauffällig meinen Blick anhob und die beiden Männer aus dem Augenwinkel her ansah, hatte ich doch mitgehört was der Zwerg, dem Zauberer zugeflüstert hatte.

Doch ich hielt mich auch weiterhin im Hintergrund, vollführte keine großartigen Bewegungen oder gab keine lauten Geräusche von mir, die die Aufmerksamkeit strikt wieder auf mich gezogen hätten und lauschte stattdessen wortlos auch weiterhin was Thorin, Gandalf zu sagen hatte, unterdessen die restlichen Zwerge brummend die Köpfe zusammensteckten und leise zu diskutieren begannen. „Für jetzt werde ich noch für deren Schicksal verantwortlich sein, was allerdings danach kommt, kann ich Euch nicht sagen.“ fuhr Thorin, zwischenzeitlich, leise fort, darauf bedacht, dass nur Gandalf ihn hören konnte und warf dabei einen weiteren kühlen Blick zu ihm hinüber. Ich rümpfte aufgrund dieser Worte aufmüpfig meine Nase und gab lautlos einen verächtlichen Laut von mir, unterdessen sich meine Hände ungewollt in dem rauen Papier des Vertrages knitternd verkrampften. Der komische Mützenzwerg, mit der Holzpfeife zwischen den Zähnen, schien des mitzubekommen, denn er warf mir einen verwirrten Blick zu und legte irritiert seinen Kopf ein wenig schief, sodass sein langer, kastanienbrauner Schnurrbart leicht zur Seite zuckte. Doch ich ignorierte auch ihn gekonnt, denn meine Wut galt im Moment wirklich nur zwei Personen in diesem Raum. Denn, ich meine, wie konnten sich Thorin und Gandalf auch nur anmaßen zu glauben, über mein Schicksal bestimmen zu können?! Zu bestimmen, was ich tun sollen würde? Gut, zugegeben, Gandalf hat diese ganze Geschichte schon von Anfang an geplant gehabt, aber ich hatte mich zunächst immerhin dagegen geweigert, was mir immerhin ein wenig das Gefühl gab, Herrin über mein Leben zu sein, wenn ihr versteht was ich meinte. Mit Thorins Aussage dagegen….Tz….Kam ich mir vor, wie eine billige, kleine Marionette, von der man erwartete, dass sie brav nach den Regeln spielte, pahh…Uhh, wie ich mich schon darauf freute den beiden Kleinhirnen zu zeigen, dass sie über niemands Schicksal die Macht hatten….

Doch bevor ich mich gedanklich auch noch weiter aufregen und somit meine glühende Wut im Magen, die sich wie ein loderndes, heißes Feuer anfühlte, anfachen konnte, konnte ich hören, wie Gandalf, als Antwort auf Thorins Auskunft, lediglich ein kleines Wort von sich gab. Ein kleines Wort, dass mich unvermittelt, wie eine kleine Schachfigur auf einem sehr großen Brett fühlen ließ. „Einverstanden.“ murmelte der graue Zauberer leise und wendete dabei seinen Kopf ein wenig, um mit einem leichten Lächeln dem Zwerg ins Gesicht zu blicken, ein zustimmendes Nicken dabei ebenfalls von ihm ausgehend. Thorin biss deswegen seine Kiefer hart aufeinander, ließ dessen Muskulatur so deutlich arbeiten und zeigte so ebenfalls, dass es ihm eigentlich überhaupt nicht passte, was der Zauberer da eigentlich abzog. Doch da er die Gunst des alten Istari nicht wegwerfen wollte, knurrte der Schwarzhaarige einfach nur leise verstehend, ehe er sich unfreiwillig wieder zurücklehnte und beinahe schon trotzig die Arme vor der breiten, in einem edlen dunkelblau, schwarzen Gewand steckenden Brust verschränkte. Tja, und ich? Tz, ich gab ungewollt ein womöglich zu lautes, abschätziges Schnauben von mir, derweilen ich Bilbo hinter mir konzentriert den Vertrag lesen hören konnte.

Woher ich das wissen wollte? Ähm-…Nunja….Kaum hatte ich die Luft aus meinen Nasenflügeln gestoßen, wofür ich mich ehrlichgesagt auch am liebsten selbst geohrfeigt hätte, als ich merkte, dass es ein wenig zu laut war, wandte Thorin auch schon ruckartig seinen Kopf in meine Richtung herum und verengte ärgerlich seine Augen zu schmalen Schlitzen, als er mich im Türrahmen  lehnen und den Vertrag überfliegen sah. „Stimmt etwas nicht?“ wollte der schwarzhaarige Zwerg knurrig, wie auch kühl von mir wissen, was mich nur darauf schließen ließ, dass es ihm vollkommend egal war und auch wäre, wenn ich ihm sagen würde, dass etwas meiner Ansicht nach nicht stimmte. Es würde, mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% nur zu einem Streit führen, da sich Thorin von niemanden etwas vorschreiben ließ und nachdem ich im Augenblick überhaupt keine Lust auf einen Streit hatte, und ich nach den Sitten meines Clans jeglichen Streit auch vermeiden sollte, hob ich stattdessen ausdruckslos auch einfach nur meinen Kopf an und sah eisig zu dem Zwergenprinzen vor mir hinüber. „Nein.“ antwortete ich ihm lediglich knapp und zuckte dabei leicht mit meinen Schultern. „Ich habe gerade lediglich darüber nachgedacht, ob einer Eurer Gefährten womöglich eine Feder für die Unterschrift hat.“ log ich meisterhaft Thorin ins Gesicht und hielt dabei, demonstrativ, als auch knitternd mit einer Hand den Vertrag in meinen Händen in die Höhe. Gandalf, indes, lehnte sich auf seinem Stuhl, mit hochgezogener Augenbraun, ein wenig zurück und sah aufmerksam zwischen dem schwarzhaarigen Zwerg und mir hin und her, währenddessen Letzterer unbeeindruckt seine azurblauen, funkelnden Augen an mir abschätzig auf und abwandern ließ. Er schien nicht ganz zufrieden damit zu sein, dass ich so antwortete, wie ich antwortete, weshalb er auch betont lange mit seiner Antwort wartete und in der Zwischenzeit, mich düster anstarrte. Einfachgesagt also, er versuchte mich auf psychische Art und Weise aus der Gemeinschaft rauszuekeln.

Aber dies würde bei mir nicht ziehen. Ich hatte bereits weitaus schlimmeres als dieses Kinderkinkerlitzchen durchgemacht, weshalb ich trotzig auch einfach dem Bick des Zwerges standhielt, ohne auch nur ein einziges Mal mit der Wimper zu zucken. Ich hielt dem Blick dieses Typen sogar so lange stand, dass ich beinahe schon zu meinen begann, dass seine stechenden Augen meinen Körper schmerzvoll zu durchbohren begannen und tief hinein in mein Innerstes blickten-…und dieses schließlich verbrannten. Qualvoll, sodass ich fast schon dazu geneigt war, meinen Blick zu senken oder gar gänzlich mein Haupt abzuwenden. So intensiv war unser Starrwettkampf, bis Thorin schlussendlich nicht, mit einem missgünstigem Schnauben, sein Haupt zu seiner rechten Hand wandern ließ und knapp in seine Richtung nickte. „Balin, gib der Frau eine Feder, damit sie den Vertrag unterschreiben kann.“ befahl er Balin in einem rauen Ton, die selbstverständlich kein Widerwort duldete und deutete mit einer einfachen, gestikulierenden Bewegung seiner rechten Hand in meine Richtung. Ich rümpfte aufgrund der forschen Art ein wenig meine Nase, gefiel es mir doch sichtlich nicht, wie Thorin mich ansprach, unterdessen Balin sich sofort eifrig dranmachte geräuschvoll in seiner eleganten, fein ausgearbeiteten Ledertasche nach einer weißen, schreibbaren Feder zu suchen. Doch ich war weiser als dies und hielt meine Lippen versiegelt, derweilen der weißbärtige Zwerg sich von seinem Platz erhob, um mir die weiße Feder für die Unterschrift zu reichen. „Hier, junges Fräulein.“ Freundlicher als die meisten bis jetzt reichte mir Balin, mit einem neutralen, diplomatischen Lächeln auf den schmalen Lippen, die weiße Feder über Thorins Kopf hinweg, die ich selbstverständlich auch, mit einem knappen, dankenden Nicken, annahm, als ich mich von dem Türrahmen abstieß, um sie entgegenzunehmen.

Gandalf beobachtete mich dabei, genauso wie Thorin, skeptisch, als ich dann meinen Vertrag auf die Kante des matten Tisches legte und blitzschnell mit der Feder über das untere Ende des Papieres kratzte, wo meine Unterschrift erforderlich war. Das flauschige, weiße Ende des Schreibuntersill flog dabei elegant hinter meiner Hand her, zuckte manchmal, wie der buschige Schwanz eines Fuchs, niedlich hin und her, unterdessen für einige Sekunden nur das Kratzen der Metallspitze den Raum erfüllte. Alle Gespräche unter den Zwergen waren nämlich augenblicklich verstummt, als Thorin mich so rüde angefahren war, und kurz darauf hatten schweigend, wie auch skeptisch schon alle Augen auf mir draufgelegen und beobachten nun neugierig, als auch argwöhnisch, wie ich schwungvoll die Feder über das Papier zog. Bilbo, in der Zwischenzeit, zog seine Stirn kraus und ging im Flur murmelnd ein paar der Punkte des Vertrags ab. „Bedingungen: Zahlung bei Lieferung….Gewinnbeteiligung maximal ein Vierzehntel des Gesamtprofits, sofern anfallend….Hmm, scheint angemessen….Die Unterzeichner sind nicht haftbar für zugefügte, oder sich aus dem Verlauf ergebene Verletzungen, einschließlich, aber nicht ausschließlich Platzwunden, Ausweidung und-.…“ Fassungslos ließ der Halbling seinen Lockenkopf in unsere Richtung wandern und starrte uns, beziehungsweise in meinem Fall, meinen Rücken, perplex mit offenen Mund an. „-…Verbrennung?!“ echote Herr Beutlin ungläubig und hielt seinen Vertrag dabei ungewöhnlich fest in seinen Händen, sodass sich bereits die ersten Falten darin zu bilden begannen.

Für die Herren am Tisch war Bilbos Fassungslosigkeit und Unglaube, die sich, durch die flackernden, orange-roten, dämmrigen Schein der Kerzen, wie ein glitzerndes Meer, in seinen haselnussbraunen, großen Augen wiederspiegelten, natürlich sofort ein gefundenes Fressen. Denn beinahe schon instinktiv wandten alle, und in diesem Fall sprach ich auch von inklusive mir, da ich, mit hochgezogener Augenbraue, meinen Blick von dem Schriftstück wegnahm und zu dem Hobbit hinter mir sah, ihre Aufmerksamkeit Bilbo zu, der immer noch, wie ein begossener Pudel, im Flur stand und seinen Vertrag lose in seiner Hand hielt. Von Thorin, Dwalin, einem recht schlanken Zwerg, mit einer aufwendigen, seesternartigen Frisur und vielen, kleinen Sommersprossen im Gesicht, wie auch dem bulligen Rotschopf, mit der fetten, wulstigen Narbe direkt oberhalb von seinem rechten, dunklen Auge, bekam der Auenländer dafür selbstverständlich genervte, argwöhnische und abwertende Blicke zugeworfen, konnten sie doch nicht fassen, dass dieser Halbling sie nun auf ihrer ganzen Reise bis zum Erebor begleiten sollte und sie im Notfall auch, da er ja ein Mitglied der Gemeinschaft war, beschützen sollte, was grundsätzlich ja auch auf Gegenseitigkeit beruhte. Andere dagegen, und da waren Balin, der komische Zwerg, mit der großen Fellmütze auf dem Kopf und den zur Seite wegstehenden, gezwirbelten Zöpfen, Gandalf, ich und der junge, niedliche Zwerg, mit der Topffrisur, sahen eher ein wenig besorgt drein und legten sorgevoll die Köpfe schief, wobei ich sagen musste, dass ich es ganz gut schaffte meine besorgte Miene hinter einer kühlen, undurchschaubaren Maske zu verstecken. So sah ich dann eher fragend zu dem Halbling hinüber, unterdessen ich mich, mit einer Hand, auf dem massiven, matten Eichenholztisch abstützte, die weiße Feder dabei sorgfältig in meiner rechten Hand und weit weg vom Papier haltend, damit ich nicht unabsichtlich dunkelblau-schwarze Tinte darauf verteilte, bis-…

Naja…Bis der seltsame Zwerg, mit der großen, charakteristischen Fellmütze auf dem Kopf, entschied, dass es das Beste wäre, einfach lässig auf die Frage des Hobbits zu antworten. „Aye!“ antwortete er gedehnt auf die Frage Bilbos und lehnte sich auf seinem Platz, mit seiner Holzpfeife, die nur so nach altem Tobi stank, zwischen den Lippen, ein Stück nach vorne, um einen besseren Blick auf den Beutlin zu haben. Ich warf der Fellmütze deswegen nur einen skeptischen Blick zu, bekam jedoch nicht wirklich die Möglichkeit mich einzumischen, denn der Zwerg fuhr auch schon ungerührt fort, als er die ungläubige Aufmerksamkeit auf sich zog. „Schmilzt einem in Handumdrehen das Fleisch von den Knochen.“ erklärte er, mit einem leichten Kopfschütteln, wie auch einem demonstrativen Anheben seiner Holzpfeife, lässig Bilbo und setzte dann ein unschuldiges Lächeln auf. Wie der Halbling dies aufnahm…Naja…Sagen wir es so…Es hätte schlimmer sein können, denn der Hobbit verlor zum Glück nur ein wenig Farbe im Gesicht, ließ fassungslos seine Hand, mit dem Vertrag darin raschelnd gegen seine Seite fallen und gab ein überfordertes Schnauben von sich, während sein Blick fassungslos gegen die Wand wanderte, sein Mund dabei leicht offen stehend. Also, alles in einem ganz deutliche Zeichen, dass das alles gerade ein bisschen viel für ihn war, weshalb ich mich auch, in einer einzigen, fließenden Bewegung, unwillkürlich, als auch leise schnaubend von dem Tisch abstieß und zurück zu meinem ursprünglichen Platz im Türrahmen kehrte, um dem Halbling eine unterstützende Präsenz zu bieten, wofür ich von Gandalf einen kurzen, knappen Blick erntete, denn ich selbstverständlich meisterhaft zu ignorieren wusste. Feder und Vertrag hatte ich dabei auf der Tischfläche zurückgelassen, in dem guten Gewissen das einer der Zwerge sie sicher an sich nehmen würde.

Und in der Zwischenzeit…Nun ja…Schien Balin auch sowas wie Empathie gegenüber Bilbo zu zeigen, denn der ältere, weißbärtige Zwerg lehnte sich, mit einem kaum vernehmbaren ächzenden Laut der Bank, ein wenig nach vorne und musterte besorgt die überforderte Figur des Hobbits. „Ist alles in Ordnung, Kleiner?“ wollte er einfühlsam von unserem Herrn Beutlin wissen und musterte ihn dabei mit einem verstehenden, sorgevollen Blick, der sicher jedes Eis zum Brechen gebracht hätte. Und so tat es das auch mit Bilbo, denn dieser antwortete, aus Höflichkeit halber, ein wenig schlottrig und hielt sich dabei, völlig am Ende mit den Nerven, die Hand vor dem Mund. „Äh-…J-J-Ja, ich-…Ich brauche nur kurz-…frische Luft.“ stotterte Bilbo ein wenig überfordert vor sich hin und stemmte seine zweite Hand, mit dem Vertrag darin, gegen seine Seite, unterdessen die Andere noch immer auf ihrem Platz beim Mund hängen blieb. Wahrscheinlich, um so die Fassung zu wahren. Ich und Gandalf beobachteten ihn dabei aufmerksam, beachteten genaustens seine Bewegungen, seine Atmung und seine Mimik, um so vielleicht ein wenig vorhersehen zu können, was Herr Beutlin als Nächstes Tun würde, unterdessen es der lässige Fellmützenzwerg, mit den dunkelbraunen Haaren und Bart, es anscheinend für angemessen hielt sich, in einer geschmeidigen Bewegung, knarzend von seinem Platz zu erheben und sich, mit einem dezenten, beruhigenden Lächeln auf den Lippen, gegen die Innenseite des zweiten, mir gegenüberliegenden Türrahmens zu lehnen, seine qualmende Holzpfeife dabei in seiner linken Hand. „Stellt Euch einfach einen Schmelzofen…mit Flügeln vor. Ein gleißendes Licht, ein greller Schmerz und…POOF! Ihr seid nichts weiter als ein Häufchen qualmende Asche.“ beschrieb der Zwerg gut gelaunt sehr bildlich den Tod durch Verbrennung von Drachenfeuer und hob dabei demonstrativ seine Holzpfeife an, unterdessen sich auf seine Mundwinkel ein klitzekleines Lächeln schlich, so als wäre es für ihn das allernormalste auf der Welt, zu erklären, wie qualvoll man an Drachenfeuer verreckte.

Von Gandalf bekam der Fellmützenzwerg daher selbstverständlich auch einen der bitterbösesten Blicke zugeworfen, die ich je gesehen hatte, derweilen ich nur ein wenig meine Augenbraue in die Höhe schob und, mit vor der Brust verschränkten Armen, skeptisch zwischen Bilbo und dem Mützenzwerg hin und hersah, konnte ich mir doch ein wenig vorstellen, dass das jetzt alles ein wenig viel für den Halbling sein musste. Und naja…Was sollte ich sagen? Meine weibliche Intuition täuschte sich, wie in so vielen anderen Fällen auch, nicht, denn Herr Beutlin starrte, nach der expliziten Beschreibung des Zwergs, ein paar Sekunden einfach nur verdattert ins Leere. Seine Atmung ging dabei gefährlich flach, seine glasigen Augen waren in Schock geweitet und sein Mund stand ein wenig offen, was nur auf seine Fassungslosigkeit zurückzuführen war, derweilen das Pergament in seiner Hand, aufgrund seiner Nervosität, leicht zitterte. Argwöhnisch aufgrund dieses mehr als nur abnormale Verhalten streckte ich deshalb meinen Rücken ein wenig durch und zog meine Augenbraun um ein weiteres, ganzes Stück in die Höhe, hätte ich doch nie in meinem Leben erwartet, dass Halblinge so schlecht auf Stress reagierten. Und noch viel weniger hätte ich erwartet, dass sie bei zu viel Stress ohnmächtig wurden…Was ich damit meinte? Nun ja…

Ungläubig und irrwitzig schnaubte Bilbo einmal hörbar laut aus und straffte fassungslos aufgrund der Situation seine Schultern, wobei sich auf seinen Lippen ein leichtes, hilfloses Lächeln bildete. Viele der Anwesenden legten deswegen irritiert ihre Köpfe schief und tauchten untereinander perplexe Blicke aus, hatten sie eine solche Reaktion von dem Halbling doch nicht erwartet, währenddessen Gandalf sich nur besorgt auf seinem Platz nach vorne lehnte, um seinen langjährigen Freund besser im Blick zu behalten, als dieser, leicht stockend, seinen Kopf einzog und mit einem verzweifelten Lächeln zu dem Fellmützenzwerg und Balin hochsah. „Nein.“ war das Einzige was der Arme dann noch über seine Lippen brachte, ehe er seine Augen verdrehte, wie ein nasser Sack Kartoffeln, zur Seite wegkippte und, mit einem dumpfen Aufschlag, hart auf dem Boden des Flurs aufschlug. Der lange, knitternde Vertrag in seiner Hand dabei knackend aus seiner Hand fallend. Doch keiner von uns, und damit meinte ich auch wirklich KEINER, scherrte sich wirklich darum, denn wir alle blieben seelenruhig, wie auch schweigend auf unseren Plätzen hocken, beziehungswiese in meinem Fall stehen, und sahen, mit hochgezogenen Augenbrauen, wie auch ratlos aufgeblasenen Backen, zu der bewusstlosen Gestalt auf dem Boden, die den ganzen Stress anscheinend einfach nicht mehr verkraftet hatte. Nur Gandalf schien von uns allen genug Empathie zu haben, sich grummelnd von seinem Platz zu erheben und dem Fellmützenzwerg, der Bilbo zur Ohnmacht getrieben hatte, einen weiteren anklagenden Blick zuzuwerfen. „Sehr hilfreich, Bofur.“ kommentierte der graue Zauberer sarkastisch und machte sich seufzend dann daran, sich an mir und der Tischkante vorbei zu zwängen, um zu dem armen, bewusstlosen Hobbit zu kommen. Von Bofur in der Zwischenzeit kam nur ein entrüstetes Schnauben. „Was denn? Was habe ich jetzt falsch gemacht?“ wollte der Fellmützenzwerg verwirrt von dem alten Istari wissen und zog dabei ahnungslos seine Schultern hoch.

Ein paar der anderen Zwerge verdrehten deswegen ihre Augen oder stießen ein leises, genervtes Stöhnen aufgrund der Unbeholfenheit ihres Gefährten aus, währenddessen ich Bofur nur einen knappen Blick, mit hochgezogener Augenbraue zuwarf. War er echt so zugedröhnt mit altem Tobi, dass er nicht merkte, dass er für Bilbos Bewusstlosigkeit verantwortlich war? Oder wusste er es und spielte es nur herunter, um weniger Krawall mit dem Zauberer zu bekommen? Ich meine, man musste doch auf den ersten Blick erkennen, dass Bilbo keine allzu starken Nerven hatte, um eine solche Belastung auszuhalten. Oder man hätte es spätestens an seiner flachen Atmung sehen müssen. Die war doch grundsätzlich ein Anzeichen für einsetzende Bewusstlosigkeit, weshalb es für mich auch ganz klar und deutlich ein weiterer Grund war, einen Strich auf den Teil der Liste zu setzen, die für Bilbos Unfähigkeit in der Wildnis zu überleben sprach. Ich meine, ich persönlich hatte überhaupt nichts gegen den Halbling. Er war mir sogar sehr sympathisch. Doch wenn ich ihn mir jetzt so ansah…? Ich meine, LEUTE!!! Er wurde bewusstlos, allein durch die Erzählung von Drachenfeuer. Allein dadurch!!! Tut mir leid, Freunde, aber bei aller Liebe, so sah kein Kämpfer für mich aus. Und ich bezweifelte auch sehr stark, dass je einer aus diesem Halbling werden würde. Denn-…

Doch bevor ich überhaupt meine Gedanken zu Ende führen konnte, unterbrach mich urplötzlich die tadelnde Stimme des alten Graubarts, als sich dieser neben die bewusstlose Gestalt des Hobbits stellte. „Und Ihr, Raidyn, hättet Euch vielleicht auch ein wenig nützlich machen und Herrn Beutlin vielleicht helfen können, als er-…nun ja…das Bewusstsein verlor.“ rügte mich der graue Zauberer vorwurfsvoll, schoss mir dabei ebenfalls einen anklagenden Blick zu, ehe er sich, mit einem schweren Seufzen, auf die Kniee sinken ließ, um zu überprüfen, ob es seinem kleinen Freund auch wirklich gut ging. Prüfend legte er seine große Hand dafür auf Bilbos bleiche Wange und drehte dessen Gesicht ein wenig in seine Richtung, unterdessen ich nur unbeeindruckt meine Augenbraue hochzog und mich lässig wieder gegen den Türrahmen fallen ließ, meine Arme dabei nach wie vor, vor meiner Brust verschränkt. „Ich finde, der Teppich hat genug geholfen.“ erwiderte ich unterkühlt auf seine Anmerkung hin und deutete, mit einem simplen Nicken, auf den grünen, bestickten Teppich am Boden, der sowohl als Decke, wie auch als Staubfänger herhielt, wofür ich natürlich sofort strafend einen bitterbösen Blick von dem Istari zugeworfen bekam. Leicht genervt verdrehte ich deswegen selbstverständlich meine Augen, doch ich kam der stummen Aufforderung des grauen Zauberers nach und stieß mich seufzend von der Wand ab, um zu dem Bewusstlosen und Gandalf hinüberzugehen. Meine Arme ließ ich dabei locker an meinen Seiten hinabgleiten, brachten sie mir im Moment doch nichts, wenn sie vor meiner Brust verschränkt waren, unterdessen hinter meinem Rücken Balin sich, mit einer interessiert in Falten gelegten Stirn, ein wenig über den Tisch beugte, um das Schriftstück genauer zu inspizieren, dass ich unterschrieben auf dem Tisch zurückgelassen hatte.

Jedoch schienen ihn für diese Mission seine vom Alter gekennzeichneten Augen ein wenig im Stich zu lassen, denn anscheinend konnte er nicht genau lesen, ob ich ordnungsgemäß alles unterschrieben hatte, was nötig war, weshalb ich gedämpft auch hören konnte, wie sich Balin murmelnd an seinen Gegenüber, den glatzköpfigen, tätowierten Hünen Dwalin, wandte. „Bruder, gib mir mal bitte den Vertrag von Fräulein Raidyn rüber.“ bat der weißbärtige Zwerg konzentriert seinen augenscheinlichen Bruder Dwalin und streckte auffordernd die Hand nach dem Papierstück aus, um es entgegenzunehmen, wobei seine dunklen Augen noch immer auf dem vollgekritzelten Papier lagen, in dem Versuch gröberer Sachen aus ihm herauszulesen, währenddessen ich damit beschäftigt war, mich mit einem widerwilligen Schnauben, neben Bilbo hinzuknieen und ihm, mehr oder weniger sanft, am schlappen Arm zu packen. Gandalf wusste zum Glück sofort was ich vorhatte, erhob sich demensprechend auch einigermaßen eilig aus seiner knieenden Position, als er festgestellt hatte, dass es dem Halbling zumindest halbwegs gutging, und nahm brummend ein paar Schritte Abstand von Bilbo und mir, derweilen ich grummelnd damit beschäftigt war den Arm von Herrn Beutlin um meinen Hals zu legen. Mit meiner linken Hand fixierte ich sie dann dort, während ich meine Rechte geschickt um seine Hüfte wandern ließ, damit ich ihn dort halten konnte, ehe ich ihn schließlich mit einem Ruck in die Höhe zog. Zunächst strauchelte ich etwas aufgrund des plötzlichen, schweren Gewichts auf meiner Seite, und auch Bilbo schien es nicht ganz so angenehm zu finden von mir so grob in die Höhe gezogen zu werden, denn er gab einen leisen, ächzenden Laut von sich. Doch ich biss hartnäckig meine Zähne zusammen, presste meine Lippen so hart aufeinander, dass sie bereits schon einen weißen, dünnen Strich ergaben und fing mich eilig in meinem Straucheln wieder, damit ich und der Halbling, dessen Kopf schlaff auf seinem Brustbein lag, nicht wieder zu Boden gehen konnten, wobei ich die Blicke der meisten Zwerge deutlich brennend in meinem Rücken fühlen konnte.

Doch ich ignorierte sie, so wie fast den ganzen Abend auch schon über, und sah dann, mit genervter Miene, zu Gandalf hoch, der mir einfach nur knapp zunickte, als er sah, dass ich Bilbo problemlos alleine stützen konnte. „Gut, gut.“ kam es ihm dann knapp über die Lippen, wobei er unbewusst mit seinem Kopf nickte. „Raidyn, seid doch bitte so freundlich und bringt Herrn Beutlin ins Wohnzimmer. Dort dürfte es für ihn deutlich bequemer sein, als hier auf dem Boden.“ bat mich der graue Zauberer dann und stemmte dabei, leicht atemlos, seine Hände gegen seine Seiten, unterdessen sich ein müder Ausdruck auf seine Gesichtszüge schlich. Wie ein Schatten legte er sich über seine Mimik und ließ ihn fast doppelt so alt aussehen, wie sonst, unterdessen sein Mund leicht offen stand, damit er tief ausatmen konnte. Ein klares Zeichen, dass das Alter nicht ganz unbemerkt an dem Istari vorbeigeschlichen war, weshalb ich deswegen auch, mehr oder weniger, freiwillig, mürrisch schnaufte und leicht meine Augen verdrehte, sah ich doch nicht ein, wieso es meine Aufgabe sein sollte, Pflegerin für einen Halbling zu spielen. Doch trotzdem wagte ich es der Bitte des grauen Zauberers nicht zu widersprechen, war ich doch schließlich nicht lebensmüde, und nickte daher einfach nur akzeptierend, als auch verstehend in Gandalfs Richtung, ehe ich schlussendlich Herrn Beutlin ein wenig ruppig schulterte, damit sein Arm besser um meine Schultern lag. Der Hobbit gab deswegen, in seiner Bewusstlosigkeit, wieder einen leisen, protestierenden Laut von sich, wobei sein Kopf willenlos auf seinem Brustbein hin und her rollte, als einziges Zeichen, dass dieser arme Wurm von sich geben konnte. Doch, wie so oft an diesem Abend auch, ignorierte ich diese kleine Stimme des Protests und machte mich stattdessen, mit einem erschwerten Schnauben, dran Bilbo, so sanft wie möglich, über den Flur in Richtung Eingang zu zerren, um von dort aus zum Wohnzimmer zu kommen. Würde ich direkt über das Esszimmer gehen, würde ich mit Herrn Beutlin definitiv steckenbleiben oder er würde mir aufgrund des Platzmangels aus dem Griff rutschen. So war es also eigentlich, wenn ich den Umweg nahm, für alle Beteiligten besser…

Gandalf, in der Zwischenzeit, wandte sich, derweilen ich mühevoll, wie auch angestrengt hinkend, den schlaffen Halbling in den Flur schleppte, mit ernster Miene, wieder an die Gemeinschaft und fixierte den älteren Trichterzwerg, wie auch den kurzhaarigen, weißhaarigen, mit den komplexen Flechtfrisuren, der neben dem Topffrisurenzwerg saß, mit durchdringenden, himmelblauen Augen. „Oín, Dorí, euch Beide würde ich ebenfalls bitten mit ins Wohnzimmer zu kommen. Ich möchte nur sichergehen, dass Herrn Beutlin bei seinem Sturz nichts Schlimmeres widerfahren ist, weshalb ich dankbar wäre, wenn Ihr, Meister Oín, einmal kurz nach ihm sehen könntet.“ wandte sich der Istari freundlich, aber dennoch äußerst bestimmt an den älteren Zwerg, mit dem kantigen, dreckig-goldenen Trichter an seinem Ohr, und neigte seinen Kopf dabei leicht nach vorne, als Zeichen seines Danks. Doch anscheinend schien Oín ihn nicht ganz verstanden zu haben, denn er verzog nur irritiert sein Gesicht, legte sein Haupt ein wenig schief und hielt seinen Trichter etwas dichter an sein großes, rechtes Ohr heran. „Was?“ krähte der ältere Zwerg dann schwerhörig, wofür er übrigens von ganz vielen Seiten genervtes Schnauben, wie auch einheitliches Augenverdrehen erntete, und lehnte sich auf seinem hölzernen Platz ein wenig nach vorne. „Wessen Feld soll gesät werden?“ hakte der Grauhaarige perplex nach und sah, mit gerunzelter Stirn, fragend zu Gandalf hoch, war er doch deutlich verwirrt was auf einmal ein Feld mit dieser Geschichte zu tun hatte.  Was danach allerdings kam, konnte ich nicht genau sagen, war ich schließlich doch mit einer redlich anderen Aufgabe beschäftigt.

Doch ich konnte auf jeden Fall noch deutlich hören, wie der junge, blonde Zwerg, der zuvor eine erleuchtende Rede über Schlüssel und Schlüssellöcher gehalten hatte, seufzend, als auch etwas lauter als unbedingt nötig seine Stimme erhob. „Nein, Oín, es wird kein Feld gesät. Gandalf möchte nur, dass du nach Herrn Beutlin siehst!“ erläuterte er mit kräftiger Stimme seinem Sitznachbarn, wobei ich mir deutlich vorstellen konnte, wie er sich beruhigend über die Nasenwurzel rieb, unterdessen ich es bereits geschafft hatte Bilbo um die Kurve des Eingangsbereiches und hinein in den unteren Teil des Wohnzimmers zu manövrieren. Natürlich, dies war keine leichte Aufgabe gewesen, war der Halbling doch weder ein Fliegengewicht, noch hatten es mir die im Weg stehenden Möbel leicht gemacht auszuweichen, sollte ich einmal aufgrund des zusätzlichen Gewichtes gestrauchelt haben. Doch schlussendlich hatte ich es schließlich, mit viel Mühe, Schwanken und Lippen zusammenpressen, geschafft den Hobbit zumindest halbwegs unbeschadet ins Wohnzimmer zu schleppen, wobei ich allerdings lautstark betonen musste, dass meine Seite, auf der ich Bilbo stützte, am meisten gelitten hatte.

Sie ächzte leicht und zog ziemlich stark in der Muskulatur, da ich meine andere Seite im Verhältnis zu ihr, nicht angemessen ausgeglichen hatte. Doch es war mir im Moment ohnehin egal, weshalb ich es schlichtweg auch einfach ignorierte und stattdessen den Halbling, mit einer deutlich vor Anstrengung verzerrter Miene, in den großen, gemütlichen, dreckig-gelben und zusätzlich mit feinen Blumenmustern beschmückten Ohrenbackensessel vor dem Kamin, halbwegs sanft, gleiten ließ. Der Sessel gab unter dem plötzlichen Gewichts des Hobbits schnaufend nach, sank sogar deutlich leicht in sich zusammen, währenddessen Herr Beutlin selbst, in seiner Bewusstlosigkeit, nur ein wenig irritiert die Augenbraun raufte und einen kleinen Schmollmund zog, aufgrund der plötzlichen Lageveränderung. Seine Arme lagen dabei willenlos in seinem Schoß und sein Kopf hing kraftlos zur Seite weg, wurde nur von der großen Lehne des Ohrenbackensessel aufrecht gehalten, unterdessen das knisternde Kaminfeuer lange, flackernde Schatten auf die zusammengekauerte Gestalt im Stuhl warf und so seine hellbraunen, lockigen Haare, wie tanzende Flammen aussehen ließ. Also, alles in einem? Ich hatte einen wunderbaren Job gemacht, den Halbling vom Flur hier ins Wohnzimmer zu manövrieren, ohne ihm dabei noch mehr Schaden zuzufügen. Tja, da konnte wohl wer heute sehr stolz auf sich selbst sein…

Zufrieden trat ich daher einen Schritt von dem Ohrenbackensessel zurück, setzte unbewusst ein leichtes Lächeln auf und verschränkte selbstbewusst meine Arme vor der Brust, derweilen ich eigentlich meiner Seite noch ein wenig die Chance geben wollte sich zu erholen von der Last, die sie bis hierher tragen hatte müssen. Doch, bei Ancalagons mächtigen Schwingen, so wie es natürlich hätte sein müssen, gab mir Iluvater diese Zeit nicht, sondern schickte stattdessen zwei grummelnde, trampelnde Zwerge vom Bereich des Esszimmers zu uns herüber, die im Auftrag kamen, um nach dem Halbling zu sehen. Ruckartig ließ ich daher selbstverständlich auch meinen Blick hochfahren, mein leichtes Lächeln verschwinden und fixierte kühl die beiden älteren Zwerge, die zuvor von Gandalf als Oín und Dori vorgestellt wurden, als sie geräuschvoll, wie auch ein wenig ungeschickt im Gänsemarsch das Wohnzimmer betraten, Oín dabei seinen bronzefarbenen Trichter hoch am Ohr erhoben. „So, wo ist denn unser Patient?“ stellte der grauhaarige Zwerg, mit dem kleinen Flechtzipfel auf dem Kopf, offen, als auch mehr als nur rhetorisch die Frage in den Raum und stakste dabei unbeirrt direkt an mir vorbei und auf den bewusstlosen Halbling im Ohrenbackensessel zu. Dori folgte ihm dabei schweigend, warf mir lediglich einen kurzen, misstrauischen Seitenblick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Bilbo umlenkte und seine Stirn nachdenklich in Falten legte. „Vielleicht sollte ich einen Kamillentee zubereiten. Der sollte seine Nerven beruhigen, wenn er wieder aufwacht, Oín.“ schlug der weißhaarige Zwerg grübelnd, aber dennoch bewusst mit lauter, langsamer Stimmlage vor und legte seinen Kopf dabei ein wenig schief, als er seinen Platz neben Oín einnahm, der gerade überaus damit beschäftigt war, mit leicht offenstehendem Mund, wie auch zusammengezogenen, buschigen, grau-weißen Augenbrauen, Bilbo ein paar flache, sanfte Schläge mit der Hand zu verpassen, um zu sehen, wie seine Gesichtsnerven reagierten. Ein leichtes Zucken und der instinktive Versuch den Kopf wegzudrehen waren die Antwort, weshalb der erfahrene Heiler, wie mir schien, auch zufrieden nickte und einen Schritt von dem Hobbit zurücktrat.

„Keine schlechte Idee, Dori. Bereite ihn aber ein wenig stärker zu, der Bursche wird es brauchen.“ stimmte Oín überlegend seinem Gefährten zu und sah dabei kurz nickend zu ihm hoch, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Patienten umlenkte und oberflächlich noch einmal abscannte, ob es ihm auch wirklich gut ging und er sich bei seinem Sturz nicht noch mehr getan hatte. Ich, in der Zwischenzeit, fühlte mich, mit hochgezogener Augenbraun, deswegen, wie ihr sicher verstehen konntet, vollkommend fehl am Platz und entschied daher prompt den Rückzug anzutreten. Meine Hilfe wurde hier schließlich nicht mehr gebraucht, von dem her…Ja…Konnte ich unbemerkt meinen Rückzug antreten, derweilen hinter mir aus dem Esszimmer das quietschende Verschieben von Stühlen, Tischen, das Brummen mehrerer kleiner, bärtiger Männer und Doris eiliges Verschwinden in die Küche zu hören war. Anscheinend dürften sie noch ein paar Sachen geklärt haben, unterdessen ich Bilbo rausgetragen hatte, aber das machte mir nichts. Ich musste diese Männer schließlich nicht mögen. Ich musste nur Smaug den Gar ausmachen. Nicht mehr, nicht weniger…

Lautlos schnaufend schlich ich daher, mit einem ernsten Gesichtsausdruck im Gesicht, zum Eingangsbereich hinüber, in dem ich eine dreiviertel Stunde zuvor noch so ruppig eingetreten war, und wandte mich von dort aus, mit lautlosen, federleichten Schritten, nach links ab, um in Richtung der Flure zu kommen. Dämmriges Licht umfasste meine Gestalt dabei, tauchte mich beinahe gänzlich in flackernde Schatten, unterdessen die Hobbithöhle nach und nach wieder mit Geräuschen gefüllt wurde. Leise Gespräche, Klirren, Rumpeln und gelegentliches Lachen waren überall zu hören, derweilen der Geruch nach köstlichem Essen und Pfeifenrauch die Räumlichkeiten füllte. Doch ich ignorierte all diese Details und machte mich stattdessen auf die Suche nach nur einem einzigen Gegenstand, der momentan wichtiger war, als alles andere. Einen Ort, wo ich mich zurückziehen und schlafen konnte. Denn in Kontakt mit der Gemeinschaft oder mit Gandalf wollte ich heute Abend nicht noch einmal kommen. Das war viel zu viel für mich heute. Ich wollte für heute Abend nur noch Ruhe und die bekam ich nur, wenn ich mir selbstständig einen Platz suchte, an dem mich keiner stören würde….



***



Nachdenklich lehnte ich meinen Kopf gegen den hölzernen, dunkelbraunen Rahmen des Fenstersitzes und starrte schweigend hinaus in den dunklen, schattengekennzeichneten Garten meines mittlerweile wieder erwachten Gastgebers. Eineinhalb Stunden waren seit meiner Flucht aus dem Wohnzimmer vergangen und seitdem hatte mich auch keiner mehr belästigt, als ich mich in dieses leerstehende Gästezimmer zurückgezogen hatte. Manchmal hatte ich zwar dumpfe Schritte vor meiner verschlossenen Zimmertür vernommen, gepaart mit leisem, aufgeregtem Geflüster, doch mehr war nicht wirklich passiert. Keiner hatte es gewagt diese Zimmertür zu öffnen und mich zu stören, was mir glücklicherweise die Gelegenheit zum Nachdenken gab. Über die Ereignisse, die heute Abend stattgefunden hatten, die Sachen die gesagt wurden und die Verträge, die ich ihn meiner Sturheit unterschrieben hatte. Über all dies dachte ich nun in aller Ruhe nach und starrte dabei, mein Kinn gedankenverloren auf meine Handfläche und diese wiederrum auf mein angewinkeltes, rechtes Knie abstützend, in den wundervollen, blühenden, jedoch von den schwarz-blauen Schatten der durchzogenen Garten des Meister Beutlins. Viel konnte ich daher logischerweise, abgesehen von den schemenhaften, dunkeln Silhouetten der Pflanzen, Büsche und Bäume, nicht erkennen, doch dafür genügte es mir allemal die tanzenden, blickenden Glühwürmchen zu beobachten, die im silbernen Licht des zunehmenden Mondes munter über die Botanik von Bilbos Garten tanzten und ihn so, mit ihrem grellen, gelblich-grünem Licht, leicht erhellten.

Sie beruhigten mich nämlich, zusammen mit dem gedämpften, zirpenden Geräuschen der Grillen, die leise durch die Fensterritzenscheiben in mein Zimmer eindrangen, auf eine natürliche Art und Weise, was es mir selbstverständlich nur noch leichter machte über die geschehenen Dinge nachzudenken, derweilen ich mein rechtes Bein locker von dem Fensterbrett baumeln ließ, auf dem ich es mir bequem gemacht hatte, ein eingenähtes, samtenes, rotes Kissen dabei mein Hinterteil abdeckend. Jedenfalls, ich wusste noch immer nicht, ob ich das Richtige getan hatte. Zweifel nagten in meinem Unterbewusstsein an mir und ich hatte insgeheim Angst vor dem, was vor mir lag. Ich meine, Leute, ich und Corrus, als die einzigen Überlebenden eines Feuerdrachenangriffs aus dem Norden, sollten uns alleine dem Tyrannen höchstpersönlich stellen, gegen den die Besten, Stärksten und Klügsten unseres Clans versagt hatten. Wie sollte das funktionieren? Wie sollten wir bei solch einer Mission bloß Erfolg erzielen? Pfft, das war beinahe eine Sache der Unmöglichkeit. Ohne ein großartiges Wunder könnten Corrus und ich diesen Kampf nicht gewinnen, dass wusste ich jetzt schon, obwohl dieser Kampf noch fern in der Zukunft lag. Doch konntet ihr mir meine Ängste und Zweifel wirklich übel nehmen, nach allem was passiert war? Tz, ich denke nicht. Ihr müsstet mich eigentlich sogar ziemlich gut nachvollziehen können, wenn man bedenkt, wie ausführlich ich hier meine Gedanken und Gefühle für euch beschrieb…Tz, aber dies war nicht der Punkt. Der Punkt war, dass ich mich durch meine Hitzköpfigkeit auf etwas eingelassen hatte, dass nicht nur mich gefährdete, sondern auch meinen Partner, die einzige, geliebte Person, die mir noch geblieben war. Und ich setzte sein Leben so rücksichtslos aufs Spiel…

Schwer atmete ich ein und ließ meinen Kopf einmal dumpf gegen die Bretterwand hinter mir fallen, um mich an den darauffolgenden schwachen Dröhnen in meinem Schädel zu ergötzen, unterdessen mein Blick auf weiterhin wie gebannt nach draußen in den Garten ging. Ich hatte ehrlich das Bedürfnis zu reden, meine Sorgen loszuwerden. Ich wollte einfach alles aus mir rauslassen, was sich in letzter Zeit in mir angesammelt hatte, doch trotzdem weigerte sich mein Kopf irgendwie die Verbindung zu Corrus aufzusuchen und ihm zu erzählen, was mir auf dem Herzen lag. Keine Ahnung, ob ich dies bewusst oder unterbewusst tat, doch auf jeden Fall wusste ich, dass mein eigener Körper, sich gegen meinen Geist stellte und stoisch dagegen ankämpfte den großen Grünling um ein ernstes, seelenbefreiendes Gespräch zu bitten und mich stattdessen qualvoll alleine mit meinen Gedanken und Sorgen zurückließ. Vielleicht war es ja auch mein Stolz, der da ein bisschen mitmischte, aber im Großen und Ganzen kam es ohnehin auf nur eine einzige, gemeinsame Sache heraus: Ich hielt meinen Mund, während mein Kopf und mein Herz vor Angst, wie auch Sorge schrien.

Ja, stattdessen ballte ich lediglich meine Hand zu einer solch festen Faust, dass meine Fingerknöchel bereits weiß hervorstachen, das Leder meiner dunkelbraunen Armschiene bereits leise zu Knirschen begann und schickte schließlich stumm eine knappe, gedankliche Nachricht an Corrus, die nicht mehr als das Nötigste enthielt. „Halte dich am Waldrand bereit, Corrus. Wir brechen bei Morgengrauen in ein neues Abendteuer auf.“ meldete ich ihm kühl die notwendige Information, die er wissen musste, schloss daraufhin, mit einem tiefen Seufzer, meine Augen und drückte mein Kinn ein wenig in die Höhe. Woher ich wusste, dass wir bei Morgengrauen aufbrechen würden? Gar nicht. Es war meine Vermutung und nachdem ich davon ausging, dass Thorin alles versuchen würde, um mich zurückzulassen, musste ich selbst zusehen, wie ich an Informationen kam, weshalb Köpfchen und weibliche Intuition an dieser Stelle äußerst gefragt waren. Aber, wie dem auch sei…Das war im Moment nicht wichtig. Wichtiger war eher, dass ich in meinen Gedanken, ein paar Herzschläge darauf, eine ruhige Antwort von dem großen Grünling erhielt, die beruhigend durch mein Unterbewusstsein echote. „Verstanden. Ich werde dort auf dich warten.“ hörte ich vielversprechend in meinen Kopf rumoren, derweilen ich gedämpft fühlen konnte, wie ich immer weiter in den erholsamen Schlaf abdriftete, den ich so dringend nach so einem anstrengenden Tag wie diesen benötigte, der Klang der Heuschrecken von draußen, das Rascheln des Windes und das plötzliche, entfernte, baritone Einsetzen eines alten Zwergenliedes, dass mit Schmerz und Wehleid nach Smaugs Angriff komponiert wurde, mich dabei einlullend begleitend…    

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Moin!!!

Ich lebe noch!!!!! JA, da schaut ihr was? Hab ich euch wohl ein weiteres Mal enttäuscht, was? Ne, Spaß, ich stehe ein bisschen unter Zeitdruck, also fasse ich mich kurz. Es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber ich muss eine Ankündigung machen. Aus medizinischen Gründen muss ich meine Zeit am Laptop stark eingrenzen, weshalb ich jetzt davon ausgehen werde, dass vielleicht, wenn es gut läuft, nur noch 1 – 2 Kapitel im Monat rauskommen werden. Die Schule hat da natürlich auch ein großes Thema mitzureden, aber hauptsächlich ist das aus medizinischen Gründen. Ich bitte daher um euer aller Verständnis und auch Nachsicht, sollte dieses Kapitel deswegen ebenfalls nicht sonderlich gut sein. Die Medikamenten die ich aufgrund der Erkrankung jetzt nehmen muss verursachen mitunter auch Konzentrationsschwierigkeiten und ich habe Probleme mich an einzelne Wörter zu erinnern. Also bitte noch einmal, habt bitte ein wenig Nachsicht mit mir, ich werde versuchen, dass die nächsten Kapitel besser werden und sich alles in eine zumindest halbwegs normale Routine einrenkt. Ansonsten…

Leute vielen, vielen, vielen lieben Dank für die ganz vielen Aufrufe, für das neue Favo und Tintentraum für dein liebes Review. Das motiviert mich echt zum Weiterschreiben und zum Dranbleiben. Danke, also an euch alle dafür :)!!!!

Hoffentlich bis bald und lasst mir ruhig Sternchen, Herzchen oder ein Review da, ich freue mich über alles! Sogar über Tomaten!

Lg, little-chaos-queen!
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