Die letzte Drachenreiterin

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Fili Gandalf OC (Own Character) Smaug
19.06.2020
17.09.2020
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19.06.2020 3.463
 
Die letzte Drachenreiterin  


Prolog: Der Tag, an dem sich alles veränderte…


Raidyns Sicht:


Flashback - 60 Jahre zuvor:


Verzweifelte, schrille, als auch schmerzverzerrte Schreie und tobendes, wutverzerrtes Drachenbrüllen tobten peinvoll, wie ein mordlustiger Wirbelsturm, in meinen armen Ohren und brachten diese schmerzhaft zum Klingeln und Rauschen, sodass ich nur noch mit sehr viel Müh, Leid und Not etwas um mich herum wahrnahmen konnte, derweilen der dicke, schwarze, qualmende Rauch, um mich herum, langsam und qualvoll in meine Lungen eindrang, sie so von Innen heraus folterte und schließlich auch drohte zu zerquetschen. Sämtliche Sinne in meinen Körper stellten daher instinktiv auf Fluchtmodus um, spürte er doch deutlich, dass eine unmittelbare Gefahr hier auf mich lauerte und mich, sollte ich nicht schnellstens die Flucht ergreifen, sicherlich töten würde. Doch ich ignorierte eisern die Signale meines Körpers und sprintete stattdessen, mit rußverschmierten Wangen und tränennahen, stahlgrauen Augen, so schnell ich konnte die breite, steinerne, leicht aufwärtsführende Hauptstraße entlang, in Richtung Hauptsitz des Anführers meines Volkes, den letzten Drachenreitern des Nordens. Denn wir wurden angegriffen. Hinterhältig und ohne jegliche Form einer Kriegerklärung. Es war ein grausamer Überfall, der sämtliche militärische Stärke unseres Volkes in den obersten Hallen des Erebors, wie auch das der Zwerge in ihren Hallen aus Stein unter uns brauchte, denn unser Gegner war etwas, dass man so noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Eine Bestie, so groß, dass selbst der größte Krieger meines Clans wie nur eine kleine Spielzeugpuppe neben ihm aussehen würde.

Deshalb wurden alle kampffähigen Drachen und Reiter dazu aufgefordert an der Verteidigung des einsamen Berges teilzunehmen, den wir geschworen hatten bis zu unserem letzten Mann und unserer letzten Frau zu verteidigen. Und genau aus diesem Grund beeilte ich mich auch so sehr zum großen Sammelplatz zu kommen, denn ich wollte beim Schlag gegen unseren Angreifer dabei sein, an vorderster Front, zusammen mit meinem Partner Corrus, mitkämpfen. Auch wenn ich jetzt nur eine kleine Schülerin in der Ausbildung war. Heute wurde jedes Schwert gebraucht und ich war willig meine Heimat gegen die monströse Bestie zu verteidigen und im Ernstfall auch für sie zu sterben. Denn ich lebte das Leben eines Kriegers…

Doch der Weg hinauf war schwerer, als ich zunächst angenommen hatte. Denn eine Welle an panisch schreienden, teils weinenden, kopflos flüchtenden Zivilisten meines Volkes kam mir entgegengetrampelt, achtete keineswegs auf mich und hätte mich mit Sicherheit sogar blind niedergetrampelt, wäre ich nicht so geschickt gewesen knurrend jedem einzelnen, mithilfe eines sich ständig drehenden Oberkörpers, auszuweichen und gelegentlich auch einen Flüchtenden kräftig beiseite zu stoßen, da die ernste Lage derzeit von mir verlangte. Doch das hatte dies leider auch zur Folge, dass mein Lauf extrem verlangsamt wurde, sodass ich nun anstatt hastig laufen, nur noch eilig gehen konnte, währenddessen immer mehr unschuldige Menschen vom angrenzenden Marktplatz und von den höhergelegenen Wohnsiedlungen panisch und schreiend auf mich zugelaufen kamen.

Viele von ihnen trugen dabei einfache Habseligkeiten unter ihren Armen, so als befürchteten sie gar nicht mehr nach Hause zu können, unterdessen andere, darunter Großteiles nur Frauen logischerweise, verzweifelt ihre weinenden Kinder fest an den Händen hielten und eifrig hinter sich herzogen, um sie so schnell wie möglich aus dem Berg zu schaffen. Auch viele verletzte Reiter waren unter ihnen, welche entweder solch schwere Verletzungen bei ihrer Flucht davongetragen hatten, dass sie schon von jemand anderen gestützt werden und manchmal gar auf einer Liege getragen werden mussten, während andere zum Beispiel nur leichte Wunden, wie ein ausgestochenes Auge, eine tiefe Schnittwunde am Arm oder Bein, hatten, sodass sie alleine auch weiterhin ihre Flucht antreten konnten. Aber auch einige Drachen waren unter den Flüchtenden, die entweder verbissen, mit raschelnden, kraftvollen Flügelschlägen, wie auch panischen Brüllen, über die dreckigen orange-roten, qualmenden Luftrouten versuchten zu entkommen oder schweratmend und mit donnernden Schritten über die Bodenrouten, zusammen mit den anderen Reitern, während rings um uns alle herum ganze Gebäude in dreckigen, züngelnden Flammen standen…

Es war grausam. Die ganze Panik, die ganze dadurch folgende Rücksichtslosigkeit, einfach die gesamte Situation. Doch trotzdem zwang ich mich, mit brennender Kehle, unerbittlich weiterzugehen. Unerbittlich zwängte ich mich, mit hart aufeinander gepressten Lippen, an den angsterfüllten Leuten vorbei oder schubste sie beiseite, wenn ich keine andere Möglichkeit fand an ihnen vorbeizukommen, wobei ich mit fester und lauter Stimme, damit die Flüchtenden mich ja hören konnten, dauernd Sachen, wie „Aus dem Weg!“, „Ich muss zum großen Sammelplatz!“, „Geht aus dem Weg!!“, „Ich muss zur Verteidigungslinie!“, „Lasst mich verdammt nochmal vorbei!!“ rief. Doch, wie es nun mal bei einer Massenpanik so üblich war, nahm mich keiner wahr. Alle schubsten sich gegenseitig, rannten einander schreiend über den Haufen und versuchten so schnell wie möglich von dem Chaos das hier herrschte wegzukommen. Sogar die Drachen ignorierten mich und beeilten sich, zusammen mit ihren Partnern auf den Rücken oder deren näheren Angehörigen, schnellstmöglich die Pforten nach draußen zu erreichen, egal wenn diese Biester dabei niedertreten oder umrennen mussten. Tja, und mittendrinn befand eben ich mich, die, mit schmerzhaft rasendem Herzen, und beinahe schon kollabierenden Lugen, als einzige gegen den triebhaften Schwarm schwamm. Logisch daher, dass ich dabei dann eigentlich so gut wie alle 2 Sekunden mit der Schulter einen heftigen Rempler abbekam oder sogar von ein paar Panikern beinahe grob in ein paar leere, herumstehende Holzkisten hineingeschubst wurde, die vor einer großen Eingangstür an der Seite der Hauptstraße standen. Und das waren noch die sanftesten Sachen, die mir passiert waren, ehrlich. Das waren noch die sanftesten Sachen, die diese Massenpanik mir antat. Doch ich möchte eure Fantasie etwas spielen lassen, also verrate ich dazu nichts mehr. Immerhin müssen wir auch vorrankommen…

Mit einer vor Schmerz brennenden Schulter und peinvoll zusammengebissenen Zähnen umging ich gerade eilig ein vom Dach heruntergekrachtes Gestell, dass zischend und funkensprühend in rotglühende Flammen aufgegangen war und leider Ancalagons ein junges Pärchen unter sich begraben hatte, dass Hand in Hand anscheinend den Weg nach draußen suchen wollte, als mit einem Mal eine verzweifelte Stimme in meinem Kopf aufflammte. „Rai!!! Rai, bei den Göttern, kannst du mich hören???“ hörte ich die rauchige, sorgevolle Stimme von meinem besten Freund und Partner Corrus in meinen Ohren, währenddessen ich fluchend gerade noch rechtzeitig, mit flatternden, leicht verrußten, weiß-silbernen Haaren, einem dumpfen „AUS DEM WEG!!!“- brüllendem, vollbärtigem Mann, mit rußverschmierter, zerrissener Arbeiterkleidung, auswich, der es anscheinend für überaus Intelligent gehalten hatte, mit seinem vollbeladenen Karren, wie auch einem komplett verschrecktem, angsterfüllten wiehernden Fuchs-Hengst ratternd in einem halsbrecherischen Tempo die große Hauptstraße hinunterzurasen. Dabei all jene, die er mit seinem Wagen rammte oder sogar umnietete, komplett ignorierend. Denn sein eigenes Wohl war ihm weitaus wichtiger, als das der anderen. Das sah man deutlich an seinen Taten….

Fassungslos konnte ich daher auch nur, mit einem sich ungesund schnell hebendem, wie auch senkendem Brustkorb, dem davoneilendem Holzkarren für einen kurzen Augenblick nachsehen, der ratternd und brüllend blindlings die panische Menge vor ihm reinfuhr. Panische, erschreckte und wütende Schreie wurden dadurch auf den Mann losgelassen, während die zu Fuß flüchtenden Drachen erbost in seine Richtung zischten. Einer, ein großes, breitschultriges Männchen, mit schönen braunen und schwarzen Schuppen, wie auch gewaltigen, gezwirbelten, schwarzen Hörnern und einem verhornten, kleinen, schwarzen Ziegenbart am breiten Kinn, versuchte sogar mit seiner monströsen Pranke nach ihm auszuholen, um eines der vier, hellbraunen Räder zu beschädigen, damit er ebenfalls zu Fuß weiterflüchten müsste und so nicht mehr eine allzu große Bedrohung für den Rest darstellte. Doch dieser Versuch misslang dem Drachenmännchen deutlich und er schaffte es nur durch seine Pranke den Wagen leicht zu rempeln, sodass dieser quietschend zur etwas Seite geschleudert wurde, jedoch nicht seine Möglichkeit zu fahren verlor, was mich nur noch fassungsloser werden ließ. Wie konnte man in einer solchen Lage bloß so den Kopf verlieren?? Wir sollten doch zusammenhalten und zusammen schauen, dass alle Angehörigen des Clans sicher aus der Stadt und schlussendlich auch aus dem Berg gebracht werden und nicht wie die wilden Hühner einfach kopflos drauflos stürzen!! Das führt doch bloß nur zu Chaos und mehr Verletzten, als wir ohne diesen ganzen Trubel hätten!!! Wieso verstanden diese Kleinhirne das nicht???

Doch ich hatte nicht viel mehr Möglichkeit, um über das panische Verhalten der Masse nachzudenken hatte ich nicht, denn mit einem Mal ertönte in meinem Kopf erneut die Stimme meines Vertrauten Corrus. Diesmal aber drängender und besorgter als zuvor. „Verdammt, Raidyn!!! Antworte mir!! Kannst du mich hören?!?!“ wiederholte Corrus fauchend seine Frage, sodass ich nicht anders konnte als leicht meine Augen zu verdrehen, ehe ich mich brummend mitten auf dem Absatz umdrehte und, mit donnernden Schritten, wie auch flatternden, silber-weißen Haaren, meinen Kampf gegen den herabströmenden Strom an Reitern und Drachen aufnahm, um endlich zum großen Sammelplatz zu kommen, auf dem sich die Verteidigungslinie formierte. „Ja, verdammt!! Ich höre dich Corrus, wo zum Teufel steckst du?!“ antwortete ich ihm hektisch auf seine Frage und schlitterte knurrend, um die Ecke, als die große, steinerne Hauptstraße eine scharfe Biegung nach rechts machte. Unnötig zu erwähnen, dass ich dort dann von noch mehr verzweifelten Flüchtenden begrüßt wurde, oder?...

Vom dunklen, steinernen, meterhohen, zweiflügeligen Tor derweilen, dass den Haupteingang in unsere Stadt darstellte, hörte man das tiefe, raue, wutentbrannte Brüllen, wie auch das feurige Zischen ihrer Feuerodems, dass in einem unheimlichen, ohrenbetäubendem Echo über die ganze Stadt, bis hinauf zu den Tropfsteinhöhlen hallte. Eine unangenehme, haarsträubende Gänsehaut machte sich deswegen auf meiner Haut breit, ließ so einen kalten Schauer nach dem nächsten mein Rückgrat hinablaufen, währenddessen ich, mit donnerndem Herzen, dass allmählich schon mein Brustkorb zu demolieren begann, stoisch auch weiterhin meinen Weg durch die panische Meute kämpfte. Die Schulterstöße, Seitenhiebe, Beinsteller und schmerzhaften Rückschubser dabei vollkommend ignorierend. Denn ich muss einfach zum Sammelplatz kommen! Ich durfte nicht aufgeben! Ich musste für meine Heimat kämpfen!!!!....

Corrus unterdessen, Ancalagon wusste wo er war, meldete sich angespannt in meinem Kopf wieder zu Wort. „Ich überfliege gerade die Akademie der Alchimisten, Rai! Ich war mit Cahira bei den östlichen Feldern als die Kriegsglocken geläutet wurden! Kannst du mir also vielleicht verraten, was im Namen Ancalagons, hier verdammt nochmal vor sich geht??? Alle sind in blanke Panik ausgebrochen und benehmen sich schlimmer als die gottverdammten Tiere!!“ verlangte mein Partner aufgebracht von mir zu wissen, worauf in der Ferne ein tiefes, rauchiges Brüllen folgte, dass die Menschen um mich herum nur noch mehr Schreien ließ. Ich verdrehte deswegen erneut nur leicht die Augen und schubste einen Mann beiseite der ächzend versuchte so Habseligkeiten wie nur möglich zu schultern, da er nicht zurücklassen wollte. „Hast du es etwa noch nicht mitbekommen, du Traummännlein?? Wir werden angegriffen!! Wir und die Zwerge! Atticus versammelt daher unsere ganze militärische Stärke auf dem Sammelplatz um zum Endschlag auszuholen. Was die Zwerge machen, weiß ich nicht. Angeblich sollen sie sich hinter ihrer Mauer formieren und uns die Arbeit draußen überlassen, damit-…ARGH!!“ wollte ich kurz und knapp eilig alle bisherigen Ereignisse noch einmal schnell zusammenfassen, damit auch ein gewisser Corrus alles mitbekommt. Jedoch wurde ich mitten im Satz prüde unterbrochen und musste stattdessen ein schmerzhaftes Ächzen von mir geben, als ich mit einem Mal urplötzlich hart in die Seite getakelt wurde. Überrascht über diesen plötzlichen Angriff stolperte ich, mit weit aufgerissenen, stahlgrauen Augen, ein paar Schritte nach vorne, direkt in die angsterfüllte, kopflose Schafsherde vor mir hinein und fiel keuchend, auf Händen und Knieen abgestützt, zu Boden…

Tja…Und das war auch das letzte woran ich mich erinnern konnte. Denn ein harter Schlag gegen meinen Kopf knipste meine Lichter aus und ich sank dumpf in die Welt der Dunkelheit ab, nicht mehr registrierend wie ich noch von der panischen Meute einige Fußtritte in den Rücken uns ins Gesicht kassierte. Doch bekam ich doch noch, irgendwo in meinem benebelten, hintersten Teil meines Geistes ein langgezogenes, raues „RAI!!“ mit, bevor ich mich endgültig von der Welt verabschiedete….



Flashback – Ende




***




Gegenwart – 60 Jahre später:


Keuchend schoss ich plötzlich senkrecht aus meinem Schlaf in die Höhe und saß, mit einmal mal, kerzengerade in meinem alten, muffigen Bett, dessen grau-weißliche Lacken bereits einzelne, kleine Mottenlöcher in sich hatten. Kalter, ekliger Schweiß glänzte mir dabei auf der glatten Stirn, rann aber manchmal auch, in Form von im fahlen Mondlicht funkelnden Perlen, langsam an meinen Schläfen hinab, zu meinem schmalen Kinn, währenddessen ich selbst, schweratmend, mit einem einfachen, weißen Nachthemd, und zur Sicherheit auch noch eine kurze, hellbraune Stoffhose darunter, bekleidet auf meinem Bett hockte und, mit entsetzt weit aufgerissenen, stahlgrauen Augen, fassungslos in die dunkle Leere meines kleinen, stickigen Zimmers starrte. Schon wieder. Ich hatte schonwieder von Smaugs Überfall auf meine Heimatstadt geträumt und wie ich närrischer Weise versucht hatte meinen Weg durch die panische Meute hinauf zum Sammelplatz durchzuboxen, um an der Formierung der Verteidigungslinie teilzunehmen. Doch auf meinem Weg dorthin war ich zum Opfer der Meute geworden, hatte unterschätzt, was die Panik und die Angst ums eigene Leben mit einem Wesen alles anstellen konnte, weshalb die ganze Geschichte auch so geendet hatte, dass ich von einem Unbekannten zu Boden gestoßen und mit einem harten Tritt gegen meinen Kopf von einem weiteren Unbekannten bewusstlos geworden war. Tz, an weitere Einzelteile konnte ich mich nicht erinnern, da ich mich selbst, als ich wieder erwachte, in einer dicken Wolldecke eingehüllt auf einer kleinen Lichtung mitten im Nirgendwo, wiederfand, mein bester Freund und Partner Corrus dabei an meiner Seite…  

Ein leises Seufzen entkam meinen Lippen und ich verbarg müde meine Hände in meinem schweißnassen Gesicht, die komplette Schwärze, die sich dabei über mich legte, herzlichst willkommen heißend, währenddessen sich mein rasender Puls und meine hektische Atmung immer mehr und mehr beruhigten. 60 Jahre. Knappe 60 Jahre war diese Geschichte nun schon her und noch immer plagten mich die Bilder, wie auch Geräusche von damals, verfolgten mich, wie ein bösartiger Dämon, um mich Nachts zu foltern und zu quälen. Sie erinnern mich jeden Tag aufs Neue, wie miserabel ich damals versagt hatte und ich nicht in der Lage gewesen war die Leute, die ich liebte zu beschützen oder zumindest mit ihnen Seite an Seite gegen die Bedrohung zu kämpfen. Denn alles was ich stattdessen machen konnte, war mich zu Boden schubsen und dann bewusstlos treten zu lassen, da ich nicht den großen Umweg über die Seitengassen nehmen wollte, auf denen definitiv weniger losgewesen wäre, als auf der Hauptstraße. Doch da Zeitdruck geherrscht hatte und ich nur wenige Minuten Zeit hatte, um hinauf zum Sammelplatz zu kommen, wollte ich den kürzesten Weg nehmen den es gab. Und der war nun einmal über die Hauptstraße gewesen. Tz, wie dumm ich doch gewesen war….

Ein weiteres, leisen Seufzen entkam mir, als ich leicht zittrig wieder meine Hände von meinem Gesicht nahm und, mit leicht offenstehenden, blassen Lippen, hinauf zu dem kleinen, dreckigen Fenster sah, dass sich direkt über meinem Fenster befand und so dem fahlen Mondlicht gestattete emsig in mein kleines, verruchtes Zimmer hineinzuscheinen, dass ich im Gasthaus Zu den drei Kronen für ein paar Tage gemietet hatte. Ich war nämlich schon seit einer sehr, sehr langen Zeit auf Reisen, konnte mich aufgrund den Träumen und meiner Vergangenheit nirgendswo niederlassen, weshalb Corrus und ich einfach beschlossen hatten als Nomaden zu leben und ganz Mittelerde zu bereisen. Insgeheim hegte ich nämlich immer noch die Hoffnung, dass ich irgendwann einen Ort oder zumindest eine Person finden würde, die mir helfen könnte über mein Trauma und meine Rastlosigkeit hinwegzukommen, doch diese Hoffnung schwand mit jedem Jahr, das ich älter wurde. Aber wie dem auch sei…Derzeit befand ich mich in irgendeinem bedeutungslosen Gasthaus in irgendeinem unbekannten Dorf im Norden Rohans und würde morgen in Richtung des hohen Nordens aufbrechen. Das war nämlich einer der wenigen Orte, die Corrus und ich noch nicht gesehen hatten und nachdem die Wanderlust in meinen Knochen mich immer weiter dazu drängte durch die Ländereien zu reisen, hatte ich nichts gegen den Vorschlag einmal die eisige Nordseite Mittelerdes zu besuchen…    

So als wäre meine gesamte Müdigkeit bei den Gedanken die Nordkappen zu sehen mit einem Mal einfach komplett verpufft, startete ich zu spüren wie die muntere Lebensenergie durch meinen Körper zu schießen begann, so all meine Knochen, Gliedmaßen, Organe und schließlich auch meinen Geist aus ihrem Trancezustand zu holen, weshalb ich auch unwillkürlich meine Augen verdrehte und leise stöhnend meinen Kopf in den Nacken legte. Meine silber-grauen Haare, die ich mir für die Nacht, mithilfe eines hübschen, schwarzen, seidenen Bandes, zu einem großen, unordentlichen Zopf zusammengebunden hatte, rollten dabei, wie ein schweres Knäul Wolle, auf meinem Haupt nach hinten und verstärkten so etwas den Druck in meinem Nacken. Doch das war mir im Moment egal, denn mein Körper spielte mich gegen meinen Geist aus. „Na großartig…“ murmelte ich daher leise zu mir selbst und schloss für einen kleinen Augenblick meine glühenden Augen, ehe ich schließlich seufzend die dünne, weiße Bettdecke beiseite schlug, grummelnd meine Beine aus dem durch meine Körperwärme überaus warmen Bett schwang und meine nackten Füße schlussendlich vorsichtig auf das kalte, dunkle Holz des Bodens setzte. Wenn ich schon nicht mehr schlafen können würde, dann könnte ich ja immerhin schon mit dem Packen anfangen. So sparte ich mir später meine Zeit ein und konnte in Ruhe unten im Gasthaus ein kleines Frühstück genießen, ohne dauernd auf die Zeit zu achten, damit ich nicht schon wieder zu spät zu Corrus` und meinem Treffpunkt an der Grenze zu Rohan kam….

Ein eisiger Schauer durchlief meinen Körper, als meine warme Haut den ersten Kontakt mit dem kalten Boden machte, weshalb ich unwillkürlich leicht zu frösteln begann, waren die Nächte zu dieser Jahreszeit doch relativ kalt. Allerdings hielt mich diese Tatsache nicht wirklich lange auf, denn schon einen Augenblick später erhob ich mich leise von meinem hölzernen Bett, dass bei dem plötzlichen Verschwinden meines Gewichtes, ein ächzendes Geräusch von sich gab und ging tapsend, wie auch mit leicht verrutschtem, weißen Nachthemd, lautlos hinüber zu der Waschstelle, die eigentlich nur aus einem kleinen, hölzernen Stuhl, auf dem ein großer Eimer mit Wasser stand und auf dessen Lehne ein altes Handtuch, oder vielmehr ein alter Lappen lag, und einem großen, bereits angeknacksten Spiegel bestand. Doch für mich reichte es. Ich brauchte nicht mehr…

Wortlos schlich ich also zu dem Stuhl und dem Wascheimer am anderen Ende des Raumes hinüber, umging dabei allerdings bewusst die hölzernen Balken, von denen ich wusste, dass sie bei meinem Gewicht knarren würden, und tauchte schließlich meine zu einer Schale geformten Hände, als ich dort angekommen war, in das dunkle, eiskalte Wasser des Eimers, ehe ich mir eine Ladung voll davon eilig ins Gesicht spritzte. Ein leises, klatschendes Geräusch ertönte daraufhin in meinem von Stille dominierten Zimmer, bevor die Kälte der Nacht und die Kälte des Wassers meine Haut zu beißen, wie auch zu triezen begannen. Doch mir machte dies überhaupt nichts aus. Nein. Ich fand diese Kälte eigentlich sogar relativ erfrischend, auch wenn wegen ihr jetzt meine Wangen vielleicht etwas gerötet sein würden, weshalb ich deswegen auch einfach, mit einem feuchtglänzenden Gesicht, langsam meinen Blick hob, um so, mit einem leicht offenstehendem Mund, in den großen, angeknacksten Spiegel zu sehen, der sich direkt neben der Waschschüssel befand…

Und naja, was sollte ich sagen? Ich sah in meinem Spiegelbild nicht wirklich viel-….was zum Großteil selbstverständlich auch an dem langen, kantigen Riss lag, der sich von der linken oberen Ecke bis hinunter zur rechten Ecke zog, lag. Doch den Teil den ich trotzdem von mir im Mondlicht sehen konnte versprach auch nicht wirklich viel. Ich sah nur ein junges, drahtiges Mädchen, mit schmalen, sommersprossigen Gesicht und geröteten Wangen, dessen mandelförmigen, stahlgrauen Augen, wie Eis durch die Dunkelheit stachen, während ihre grau-silbernen Haare unordentlich zu einem losen Zopf zusammengebunden waren. Einzelne, wilde Strähnen hatten sich dabei bereits aus ihrem Zopf gelöst und standen nun ungezähmt von ihrem Kopf ab, unterdessen ihre trainierte, drahtige Figur unter einem weiten, weißen Nachthemd, dass am Kragen und an den Handgelenken kleine Muster eingestickt hatte, versteckt war. Tja…Wie bereits gesagt. Was ich sah, war nicht wirklich viel. Was ich sah, war nämlich jemand, der alles verloren hatte. Was ich sah, war jemand der an seinem untersten Punkt angelangt war. Was ich sah, war jemand, der zu schwach war, um in einer Anarchy zu überleben. Was ich sah…war die letzte Drachenreiterin von Mittelerde…  



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*ganz, ganz vorsichtig um die Ecke schau*

Ich weiß, was ihr euch denken werdet….Wieso macht die Alte, die ganze Zeit so eine Scheiße…Und ehrlich?? Ich weiß es nicht. Beschwert euch bei meinen Minderwertigkeitskomplexen oder meiner bösen, kleinen Stimme, die immer sagt, dass ich nicht gut genug beim Schreiben bin…Aber auf jeden Fall habe ich meiner Idee mit den Drachenreitern noch eine Chance gegeben und möchte versuchen sie doch zu Ende zu bringen.

Eure Unterstützung würde da für mich wirklich viel bedeuten, Leute. Klar, eigentlich hängt ja alles von mir ab und ich versuche mich auch zu bessern und meiner inneren, bösen Stimme den Kampf anzusagen, aber ihr wisst ja wie das läuft. Meistens verlieren ich…Oder immer….Naja….Ich danke euch jedenfalls schon im Voraus solltet ihr mir noch eine Chance geben…

Bis dahin

Lg little-chaos-queen.
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