Black  & White

von Una Mia
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Blackwall Cullen Inquisitor (weiblich)
18.06.2020
30.06.2020
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30.06.2020 1.337
 
Runa stand auf den Stiegen, die zur großen Halle der Himmelsfeste führten, als plötzlich, wie ein wütender Stier, Cullen aus der Taverne kam. Die Tür, die schon seit einiger Zeit am Boden gestreift hatte, weil das Holz schon etwas vermorscht war, wurde durch seine unsanfte Behandlung komplett aus den Angeln gerissen. Das schien den Kommandanten in diesem Moment aber keineswegs zu kümmern. Er sah sich suchend um und bahnte sich dabei einen Weg durch die Leute, die einfach herumstanden oder sich auf die Abreise vorbereiteten. Dann entdeckte er im unteren Burghof Blackwall, der gerade von den Stallungen heraufkam. Der Wächter hatte ihn auch gesehen und ging süffisant lächelnd weiter. Cullen hatte die Stufen nach unten schnell überwunden und die Umherstehenden realisierten, dass hier etwas im Gange war. Sie wichen beiseite und bildeten abwartend eine breite Gasse. Cullens Schritte beschleunigten sich, und als er in Reichweite Blackwalls war, griff er den Wächter mit beiden Händen am Kragen und schüttelte ihn. “DUUU!” Wütend bohrte sich sein Blick in dessen blaugraue Augen und er schien darin nach irgendetwas zu suchen. “Warum?”, presste Cullen heraus. “Was hab‘ ich dir getan?” Blackwall genoss anscheinend die Rage des Kommandanten und stachelte ihn noch weiter an. “Also stimmt es, was man über Euch sagt!”, äußerte er breit grinsend. Cullen ließ Blackwall abrupt los und starrte ihn bedrohlich an. “Was sagt man denn?”, fragte er lauernd. “Dass Ihr die fehlenden Eier in eurer Hose, durch Intimitäten mit anderen Männern zu kompensieren versucht.” Das ließ Rutherfords Geduldsfaden endgültig reißen. Kaum hatte Blackwall ausgesprochen, versetzte ihm Cullen einen so starken Kinnhaken, dass nicht nur der Kopf des Wächters herumgerissen wurde, sondern durch die enorme Wucht des Schlags dieser auch nach hinten taumelte. Blackwall wäre sogar zu Boden gegangen, wenn ihn nicht jemand aufgefangen und wieder auf die Beine gestellt hätte. Mittlerweile hatten die Leute einen Kreis um die Beiden gebildet, und es wurden vereinzelte Rufe des Unmuts, aber auch der Anfeuerung laut.

Runa, die auf den breiten Stufen stehen geblieben war, konnte kaum glauben, was sie hier sah. Blackwall bewegte den Kopf hin und her, als würde er die beanspruchte Nackenmuskulatur lockern wollen und betastete danach prüfend sein Unterkiefer. Er spuckte blutig aus und ging nun seinerseits zum Angriff über.
Mit erhobenen Fäusten täuschte er einen Schlag auf Cullens Kopf vor, den dieser parierte, jedoch nicht mit einem Tritt gegen seine Beine gerechnet hatte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht knickte Cullen ein und wurde von Blackwall mit einem weiteren kräftigen Kick seiner genagelten Stiefel zu Boden geschickt.
Runa hatte genug gesehen, und ihre Rufe den Kampf zu beenden, gingen in der johlenden und schnell größer werdenden Zuschauermasse unter.
Da die Treppe auf der sie stand aber zuerst in den oberen Hof führte, und sie dann erst durch einen Durchgang unterhalb der Stufen auf den tiefer gelegenen Platz rennen musste, verlor sie wertvolle Zeit. Denn die beiden Krieger hatten begonnen, mit aller Härte, ohne die geringste Zurückhaltung, aufeinander einzudreschen. Die Schaulustigen wurden ununterbrochen mehr, und es wurden sogar schon Wetten abgeschlossen.
Lady Trevelyans zierliche Statur erwies sich hier nicht als Vorteil. Mit allergrößte Mühe versuchte sie sich zwischen den Soldaten, Söldnern und sonstigem Pöbel, die dicht an dicht standen, einen Weg zu bahnen. Erschreckender Weise hörte sie, dass viele der Umstehenden: “Zieht die Waffen!” und “Gebt ihm einen Schild”, forderten.
Kurze Zeit später vernahm sie bereits das Klirren von schnell aufeinandertreffenden Schwertern und das dumpfe Rumpeln, das Holzschilde verursachten, wenn man sie zur Abwehr verwendete. Immer verzweifelter wurden ihre Bemühungen, sich zwischen den Menschen durch zu quetschen. Und immer größer wurde ihre Angst. Still betete sie zu Andraste, sie möge den beiden Sturköpfen doch endlich Vernunft einhauchen, damit sie den Kampf beendeten. Ihre Angst wurde aber schnell zur Panik, als sie jemand schreien hörte: “Stich das Schwein endlich ab!” Und einige stimmten in diese ungeheure Forderung auch noch lautstark mit ein und wiederholten sie. Runa wusste zwar nicht, zu wem diese Attraktionslüsternen hielten und wer abgestochen werden sollte, sie wusste nur, dass sie mit aller Macht verhindern musste, dass es auch nur annähernd so weit kam. Da sich die kleine Magierin kaum mehr vorwärts schieben konnte, sammelte sie ihr Mana und ließ etwas elektrische Energie aus ihren Händen an die Umstehenden überspringen. Sofort teilte sich die Menge durch die kleinen schmerzhaften Blitze, und Runa konnte nun endlich einen Blick auf ihre liebsten Krieger werfen. Was sie sah, gefiel ihr aber überhaupt nicht. Beide bluteten bereits stark, und doch schien keiner auch nur daran zu denken, einzulenken oder aufgeben zu wollen.
Bevor die Personen die Reihen wieder schließen konnten, rannte Runa los. Sie versuchte die beiden unbedingt so schnell wie möglich zu erreichen. Durch die Rufe des Inquisitors und die Bewegung, die in die Gaffer durch die Blitze gekommen war, wurden die Kämpfer endlich kurzzeitig abgelenkt und schauten in Runas Richtung. Das passte einem Zuseher, der gewettet hatte gar nicht, und er rempelte Blackwall, der vor ihm stand, grob an. Blackwall verlor  durch den starken Stoß das Gleichgewicht und als Cullen aufgeschreckt herumfuhr, spießte er den stürzenden Wächter geradewegs mit seinem Schwert auf.
Alle hielten plötzlich die Luft an, und die Rufe waren schlagartig verstummt. Cullen sah genauso erschrocken wie Blackwall drein. Die Kontrahenten konnten den überraschenden Ausgang anscheinend selbst nicht fassen. Der Kommandant schleuderte das Schild, das man ihm gegeben hatte, achtlos beiseite und zog sein Schwert aus Blackwalls Bauch. Dann hielt er den Mann fest, und beide sackten zusammen zu Boden. Aber der Wächter gab sich noch nicht geschlagen. Aus seinem Stiefelschacht holte er ein scharfes Jagdmesser und zog es dem Kommandanten, der vor ihm kniete und eine Hand auf seine Wunde presste, mit einer letzten Anstrengung quer über die Kehle.

Runa war nur noch ein paar Schritte entfernt und konnte die Tragödie dennoch nicht verhindern.  Sie hatte nicht eingreifen können, und jetzt sah sie beide fallen.
Cullens Blut spritzte zuerst in einem hohen Bogen aus seiner Hauptschlagader, bevor der Strom zu einem Blubbern, gemäß seines schwächer werdenden Herzschlags wurde. Blackwalls Wunde hatte seinen Harnisch mittlerweile auch schon großflächig mit seinem Blut durchtränkt, und er hatte die Augen geschlossen.
Trevelyan war, als bliebe ihr selbst das Herz stehen, während sie vergeblich versuchte, ihre kleinen Hände auf den klaffenden Schnitt an Cullens Hals zu pressen.

“NEEEIIIIIIIN!!! … HILFE! … BITTE! … SO HOLT DOCH ENDLICH HILFE! … BITTE! …  Helft mir doch! ... Warum tut denn niemand etwas!?”
Runas Hals brannte vom Schreien, und ihre Sicht begann zu verschwimmen, als sie realisierte, dass es zu spät war. Cullen war bereits tot. Blackwall lebte zwar noch, aber es sah auch für ihn nicht gut aus.
Aus der Panik wurde urplötzlich Wut! Rasende, beißende Wut über dieses Gesindel, das keinen Finger rühren wollte.
Dann endlich, als sie schon dachte durchzudrehen, bewegte sich etwas. Mehrere Leute machten Platz und sie sah Solas auf sich zuschreiten. Er ging langsam, wie bei einem bedächtigen Spaziergang. Warum beeilte er sich nicht!? Wusste er schon, dass er ohnehin nicht mehr helfen konnte!?
Alles fühlte sich so falsch an! Cullen durfte nicht tot sein und Blackwall nicht im Sterben liegen!
Plötzlich verspürte sie selbst den Wunsch, sich das Leben zu nehmen, um ihren Geliebten zumindest im Tode nah zu sein.  
Hilfesuchend sah sie dem heilkundigen Magier entgegen, der vor ihr stehen geblieben war.
Solas streckte eine Hand aus und berührte Runa an der Stirn. “Es ist nicht real! Nichts was hier passiert ist, ist real! Ein Dämon der Verzweiflung hält euch im Schlaf gefangen. Er ist nicht hier, im Nichts. Er hat sich offensichtlich in euer Lager geschlichen und wird vermutlich von mehreren Dämonen der Trägheit unterstützt. Ich habe Blackwall auch in der Nähe gespürt. Auch ihn werde ich versuchen zu wecken. Aber als erstes MÜSST IHR ENDLICH AUFWACHEN, damit ihr sie bekämpfen könnt!

Runa war zunächst desorientiert. Der Schock über das Erlebte saß tief, ihr Herz raste noch immer, sie zitterte und erst langsam begriff sie, dass es nur Träume waren, die sich für sie aber vollkommen real angefühlt hatten. Solas Stimme hallte noch immer in ihren Gedanken nach. Was hatte er gesagt?
Im Lager befanden sich Dämonen!
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